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5.0 von 5 Sternen Neu übersetzt
"The Catcher in the Rye" aus dem Jahr 1951 ist ein absolutes Kultbuch. Das hat nicht nur mit dem Buch selbst zu tun, sondern auch mit J. D. Salinger, der um seine Person ein grosses Geheimnis macht und folglich ein grosser Unbekannter ist. Auch ist sein Werk äusserst schmal. Der Fänger im Roggen war lange in der Übersetzung von Muelon/Böll (1954/62)...
Veröffentlicht am 15. Oktober 2004 von zueribueb

versus
2 von 2 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
2.0 von 5 Sternen So what?
Ein Buch, das als Klassiker und Weltliteratur und sonstwas gilt, und das mir vor allem von älteren Herrschaften, Lehrern und anderen Wissensvermittlern empfohlen wurde – und mit dem ich dennoch nie warm wurde.

Holden ist ein durch und durch langweiliger und banaler Charakter, der mir nichts zu sagen hat, dessen Gedankengänge ich belanglos und...
Vor 4 Monaten von berenstein veröffentlicht


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160 von 171 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
5.0 von 5 Sternen Neu übersetzt, 15. Oktober 2004
Von 
zueribueb (Zürich) - Alle meine Rezensionen ansehen
(TOP 1000 REZENSENT)   
Rezension bezieht sich auf: Der Fänger im Roggen (Taschenbuch)
"The Catcher in the Rye" aus dem Jahr 1951 ist ein absolutes Kultbuch. Das hat nicht nur mit dem Buch selbst zu tun, sondern auch mit J. D. Salinger, der um seine Person ein grosses Geheimnis macht und folglich ein grosser Unbekannter ist. Auch ist sein Werk äusserst schmal. Der Fänger im Roggen war lange in der Übersetzung von Muelon/Böll (1954/62) bekannt, die auf einer entschärften englischen Fassung beruhte. Die Neuübersetzung von Eike Schönfeld beruht nun auf der rekonstruierten Originalfassung, die 1995 erschienen ist. Die beiden deutschen Übersetzungen unterscheiden sich wie Tag und Nacht. Die erste Übersetzung entschärfte das Original völlig und kommt in einem gepflegten Deutsch daher. Die Neuübersetzung ist viel authentischer, da der Text wortwörtlicher übersetzt ist und nicht der Versuch unternommen wird, die Umgangssprache in eine gehobene Schriftsprache zu übertragen. Zudem ist der Wortschatz viel moderner und deftige Worte werden nicht abgeschwächt, sondern behalten ihre Direktheit und Prägnanz. Durch die Neuübersetzung ist mir erst bewusst geworden, dass Holden Caulfield eigentlich ein nerviger Schwätzer ist. In der englischen Fassung kommt ständig die Füllfloskel "and all" vor, die Schönfeld mit "und so" übersetzt, während dessen Muelon/Böll diesen Begriff durchgehend gestrichen haben.
Der Ich-Erzähler Holden Caulfield, 17, ist gerade wieder mal von einer edlen Privatschule geflogen, da er dort absolut nichts gemacht hat, ausser aus jugendlichem Trotz zu rebellieren. Er verlässt das Internat schon ein paar Tage früher und hängt dann in New York herum, da seine Eltern nicht frühzeitig von seinem Abflug erfahren sollen. Er irrt ziellos herum und Einsamkeit breitet sich aus. Dabei trifft auf er verschiedenste uninteressante Menschen, die ihn nur nerven. Eigentlich will er nur seine Ruhe, um nachdenken zu können, auf der Suche nach dem ganz eigenen Ich. Dabei ist es unendlich schwierig, seine Rolle in dieser komplizierten Erwachsenenwelt zu definieren. Die Frage nach dem Sinn des Lebens drückt sich auch in der schönen Metapher aus, als Holden einen Taxifahrer fragt, wo die Enten im Central Park eigentlich überwintern, wenn der See zugefroren ist. Der Taxifahrer weiss auf diese "blöde" Frage keine Antwort. Schliesslich muss jeder selbst die Frage nach dem Sinn des Lebens beantworten. Aber da hat Holden ein Problem, so dass er schliesslich auf die Hilfe seiner kleinen und von ihm vergötterten Schwester Phoebe angewiesen ist, die ihn engelhaft auf den richtigen Pfad zurück bringt.
Salingers Buch hatte im Übrigen auch einen grossen Einfluss auf spätere Autoren. Christian Krachts "Faserland" ist eigentlich eine Variante des Fängers im Roggen. Auch Silvio Huonders "Übungsheft der Liebe" geht in eine ähnliche Richtung.
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15 von 16 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
5.0 von 5 Sternen This wonderful, wonderful book... Salingers einziger Roman, ein rundum wunderbares, unverkünsteltes Meisterwerk, 5. Juli 2013
Von 
Timo Brandt "Ways are, there you go" (Quickborn) - Alle meine Rezensionen ansehen
(TOP 500 REZENSENT)    (REAL NAME)   
Verifizierter Kauf(Was ist das?)
Rezension bezieht sich auf: Der Fänger im Roggen (Taschenbuch)
"Sie hatte eine angenehme Stimme. Vor allem für Telefongespräche geeignet. Sie hätte immer ein gottverdammtes Telefon mit sich herumtragen sollen."

Seit ich auf Amazon.de Rezensionen schreibe, habe ich mich immer bemüht alle Kritikpunkte und Ansätze zu einem Buch in meine Besprechungen mit einfließen zu lassen. Nicht um mich lieb Kind zu machen, sondern weil die Summe aller Meinungen der Spiegel eines jeden Buches ist, ob sie nun zutreffen oder nicht.

Bei jedem Buch, das der amerikanische Schriftsteller J.D. Salinger geschrieben hat (es sind genau 4), fällt mir diese Taktik jedoch sehr schwer. Ich liebe seine Bücher und doch möchte ich nicht ausschließen, dass sie für manche eine eher unbeeindruckende Erfahrung darstellen können, auch wenn ich jedem ans Herz legen möchte, sie zu lesen. Mich haben diese Bücher verändert. Ich kann sie immer wieder lesen, ich bin immer wieder aufs Neue fasziniert und gepackt, gehe immer wieder durch diese Prosa, die ganz ohne Manierismen und fast ohne Sorgfalt auskommt, mit einem Gefühl, als wäre alles, was dort geschrieben steht, ein Geschehen irgendwo zwischen Leben und Kunst, eine nahe und doch zugleich sehr literarische Erfahrung. Auf der Höhe der Literatur und doch in vielen Untiefen.

Der Fänger im Roggen ist nun ein ganz besonderes Werk und ich weiß nicht, ob ich es hinkriege, darüber etwas Gescheites zu schreiben. Ich bin mal wieder, nach der 4ten Lektüre, überrascht, wie schnell dieser Roman doch vorbeigeht und wie viel (in den Zwischenräumen) und zugleich wenig (an der Oberfläche) darin passiert. Doch am meisten hat mich wieder einmal die unglaubliche Nähe, die Aufrichtigkeit und Authentizität, die Empathie und der plötzliche Witz dieses Buches begeistert. Ich frage mich wie immer: Wer traut sich wirklich, so ein Buch zu schreiben, wie "Catcher in the rye" eines ist? So wahr und doch (oder deswegen) so gegen den Strom.
Eine Bekannte, der ich das Buch zu Lesen gab, meinte Holden wäre ein Außenseiter, ein Verrückter gar, ein Nihilist, ein Abgedrehter. Ich bin nicht der Ansicht. Ich glaube Holden geht einfach an der Welt kaputt (und ist nebenbei sehr viel gesünder als die meisten von uns). Aber er geht eben nicht spektakulär kaputt. Überhaupt ist nichts in diesem Buch spektakulär, äußerlich. Es ist alles ganz einfach - und doch so kompliziert. Und Salinger schafft es, dies auf den Punkt zu bringen - er hat ein wundervolles Buch darüber geschrieben, mit einer der besten, in seinen Empfindungen wirklich nachzuempfindenden Figur, die je auf den Leser losgelassen wurde. Wer glaubt, dass Kunst nicht das Leben abbilden könne, weil sie idealisiert, trickst, glättet, der sollte den Fänger im Roggen lesen.

"Aber wenn man am Leben bleiben will, muss man eben dieses Zeug mitmachen."

Ein Buch das sagt: Take it or leave it und das doch im Geheimen weiß: So einfach ist es nicht. Viele Leute sehen in Holden gerne einen klassischen Antihelden (aber Held und Antiheld sind Konstruktionen der Kunst und damit wird man Holden nicht gerecht) oder einen sehr sprunghaften, sonderbaren Kerl. Aber werden wir nicht alle von denselben Dingen wie er umgetrieben? Spontane Abneigung, Verlorenheit, Daseinsjammer und oft dieses Gefühl der Oberflächlichkeit, als hätte man sich in einer Welt der Schemata und Konventionen verlaufen, aus denen stets nur das immer gleiche, beschränkte erwächst – wo man selbst doch nur ein bisschen etwas Wahres haben will? Salinger hat sich getraut diese Emotionen und Ideen am Beispiel eines Heranwachsenden wunderbar zu durchleuchten, das ganze Problem, mit der Welt klarzukommen, mit den Menschen, die alle so verschieden sind und die doch alle in einer Gleichung zusammenkommen sollen, die man Zusammenleben nennt.

Und doch ist Der Fänger im Roggen kein Manifest, keine psychologische Studie und Holden ist kein Ankläger, keine Thomas Bernhard Figur, keiner, der es sich in seiner Opposition leicht macht. Nein, auch er sucht nur seinen Platz in dem Ganzen und hält sich selbst für reichlich schwierig. Dabei zeigt sich gerade an seinem Beispiel, wie schwierig es ist, man selbst zu sein, wenn dieses selbst sich fast nirgendwo mit der Umwelt deckt und sich nicht in eine maßgeschneiderte Existenz begeben will.
Dies alles und noch mehr, verteilt und oft unscheinbar, steckt in diesem Buch.

Mancher mag meinen, es sei ein bloßer Kniff aus Stilmitteln und Vulgärsprache, wie Salinger Holden reden lässt und das sei das ganze Revolutionäre an diesem Buch. Weit gefehlt - weiter geht kaum mehr. Wer den Fänger im Roggen auf diese Dinge festmacht, wird ein großartiges Buch versäumen. Denn all diese sprachlichen Kleinigkeiten - wenn man genau hinhört, nachfühlt, sind es Signale der Seele, wie auch wir selbst sie für einen Moment oft spüren. Dinge, die einen umhauen. Die einen wütend machen. Die einen abrutschen lassen in eine plötzlich Melancholie oder Abgewandtheit. Die einen euphorisch machen oder einen irgendwie seltsam beruhigen oder gar glücklich machen. Dinge, die uns eben umtreiben, weil wir in einer Welt leben, die ständig mit uns kommuniziert und unser Selbst auch ausmacht. All das hat Salinger seiner Figur eingegeben und wenn man dies beim Lesen bedenkt, ist es wahrlich umwerfend, das er dieses Buch überhaupt geschrieben hat. Vor allem, dass er es geschrieben hat, ohne es zu kommentieren, ohne in irgendeiner Weise in Rhetorik oder Abhandlung oder Essayistik zu verfallen.

Bei allem was ich sage, möchte ich dennoch nicht verhehlen, dass dieses Buch kein Wegweiser ist oder eine wirkliche Philosophie vertritt. Holden ist nicht Salinger und selbst wenn, dann ist Holden kein Prophet. Er ist ein Mensch, ein Teenager, wie tausend andere und er spricht mit der Stimme eines solchen und nur damit. Und das, diese einfache Tatsache, macht dieses Buch letztlich (und allein schon) so lesenswert. Nichts türmt sich darüber auf, keine unterschwellige philosophische Strömung hat dieses Werk aufgeschüttet. Es ist ein Werk, das einfach erzählen will, wie das so ist, das Problem mit dem Leben, mit der Schule, mit den Mädchen, mit der Freude, mit der Liebe, mit der Angst, mit dem Glück. Man kann Salinger nur dankbar sein, dass er es geschrieben hat. Für mich und vielleicht nur für mich, ist der Fänger im Roggen eines der schönsten und eindrucksvollsten Werke, die je zwischen zwei Buchdeckeln veröffentlicht wurden. So konzentrierte Erzählkunst und doch ist es ist kein großer, erlesener Roman - es ist viel mehr als das, viel näher am Leben. Es ist Literatur, im besten Sinne.

Zuletzt zur Übersetzung: Übersetzungen sind immer so eine Sache. Ich glaube nicht, dass man Den Fänger im Roggen im Original lesen muss, auch wenn das wiederum eine ganz besondere Erfahrung ist. Die neue Übersetzung von Schönfeld finde ich auch okay, wobei mir die von Böll besser gefällt, wenn sie auch anfangs etwas verstellt wirkt. Aber in dieser Übersetzung habe ich mehr das Gefühl, dass das Werk wirklich in die deutsche Sprache übersetzt wurde und ihren Ansprüchen, ihrer Art gerecht wurde, während Schönfelds Übersetzung mehr ein Versuch ist, die Legerheit und Eigenheit der englischen Version auch im Deutschen erreichbar zu machen (aber es ist nun mal das Problem, dass diese Art im Englischen total gut kommt, mit ihrer Knappheit etc., aber im Deutschen etwas zu BAM-mäßig klingt). Sind eben zwei Konzepte, die man beide nicht aburteilen sollte.
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70 von 81 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
5.0 von 5 Sternen Balsam für junge Seelen, 28. Februar 2004
Von 
junior-soprano - Alle meine Rezensionen ansehen
(VINE®-PRODUKTTESTER)    (TOP 500 REZENSENT)   
Verifizierter Kauf(Was ist das?)
Rezension bezieht sich auf: Der Fänger im Roggen (Taschenbuch)
Es ist ein Buch für Heranwachsende, daran führt kein Weg vorbei. Man sollte es lesen, solange man sich in der Pubertät befindet, sonst ist es nur noch halb so schön. Zweifellos gehört es zur Weltliteratur und ist zeitlos. Den wirklichen Reiz, das Geniale des Romans versteht der Leser wahrscheinlich am besten, wenn er das Buch als junger Mensch liest, ähnlich wie bei Goethes Werther. Als Erwachsenem ist einem manches peinlich und unangenehm, was man als Jugendlicher dachte und fühlte. Holden Caulfield ist DER Jugendliche schlechthin. Nie zuvor und bislang kein zweites Mal hat es ein Buch geschafft, mich vollständig in den Kopf einer fiktiven Figur hineinzuversetzen. Es ist gerade so, als ob man selbst die Hauptfigur wäre. Der Grund dafür ist wahrscheinlich, daß jeder Jugendliche ähnliches erlebt, gefühlt und gedacht hat, wie Holden Caulfield. Das erinnert den Leser zum einen daran, daß alle Menschen einerseits sehr ähnlich sind, was wohl eher ernüchternd ist, weil es uns bewußt macht, das wir austauschbar sind und nicht das Zentrum der Welt. Viel stärker wirkt aber das Gefühl der Liebe! Die Liebe für Holden Caulfield und die Menschen, die er auf seiner, eigentlich belanglosen Reise durch New York City trifft und letztlich die Liebe zu uns selbst und den Menschen um uns herum. Das mag nach Geschwafel klingen, verstehen kann man es wohl nur, wenn man das Buch selbst gelesen hat.
Am besten liest man es als Jugendlicher, ohne zu viel Hintergrundwissen und auf Englisch!

Für alle Leser, deren Leben sich durch den Fänger im Roggen positiv verändert hat und die nun hungrig auf mehr von J.D. Salinger sind, empfehle ich keine weitere Werke des Autors anzurühren. Zum einen sind es nicht viele und deren Qualität ist leider bei weitem nicht so phänomenal wie dieser Klassiker. Das mag bedauerlich sein, aber dieser eine Roman ist mehr wert, als die Tausenden Seiten, die manch anderer Schriftsteller in seinem Leben produziert hat!
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2 von 2 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
2.0 von 5 Sternen So what?, 31. Mai 2014
Rezension bezieht sich auf: Der Fänger im Roggen (Taschenbuch)
Ein Buch, das als Klassiker und Weltliteratur und sonstwas gilt, und das mir vor allem von älteren Herrschaften, Lehrern und anderen Wissensvermittlern empfohlen wurde – und mit dem ich dennoch nie warm wurde.

Holden ist ein durch und durch langweiliger und banaler Charakter, der mir nichts zu sagen hat, dessen Gedankengänge ich belanglos und uninteressant finde. Dessen Geschichte und Werdegang durch das Buch ebenso nichtssagend ist. Und der vor allem in solch einer reizlosen Sprache beschrieben und charakterisiert wird, dass ich mich ernsthaft frage: Warum nur? Warum nur wird so viel Wind um dieses Buch gemacht? Warum ist dieses Buch zu solch einem ikonenhaften Werk geworden?

Ich werde dieses Buch wohl nie verstehen, nie Zugang dazu finden. Selbst als ich ein Jugendlicher war und es gelesen habe, erreichte es mich nicht, sprach es mich nicht an. Das Lebensgefühl eines Jugendlichen? Wirklich? Meines zumindest war es nicht, ich fühlte mich nicht getroffen, nicht berührt, ich war einfach nur gelangweilt. Holden ist ein verwöhnter junger Mann, der aus seinem Internat ausbricht und durch New York streunt. So what?

Ich weiß aus meinem Bekanntenkreis, dass dieses Buch für einige so etwas wie ein Lebensbuch ist, das sie seit ihrer Jugendzeit begleitet. Nun, das mag so sein. Ich dagegen halte es mit anderen Klassikern, Büchern, die meine Lebensbegleiter sind. „Der Fänger im Roggen“ gehört definitiv nicht dazu.
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30 von 37 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
5.0 von 5 Sternen ... und so, 29. Dezember 2006
Rezension bezieht sich auf: Der Fänger im Roggen (Taschenbuch)
"Der Fänger im Roggen" - im Original "The Catcher in the Rye" - von Jerome D. Salinger ist ein sehr bemerkenswertes Buch.

Zunächst zu meiner persönlichen Lesegeschichte: Ich habe das Buch in den letzten 30 Jahren dreimal gelesen, jeweils im Abstand von 10 Jahren. Die ersten beiden Male in der Übersetzung von Heinrich Böll (immerhin Literaturnobelpreisträger) und zuletzt in der neuen Übersetzung von Eike Schönfeld. Übrigens: die letzte ist die beste.

Dieses "alte" Buch aus dem Jahre 1951 ist vor allem wieder in dieser neuen Übersetzung aktuell und springt einem - wie es nur sehr gute Literatur leisten kann - in den Kopf und will dort nicht mehr raus.

Dies ist um so erstaunlicher, als Salinger seinen 16-jährigen Protagonisten eine sehr krude, saloppe, manchmal belanglose Sprache verwenden lässt - aber dahinter verbirgt sich die berührende Geschichte eines Heranwachsenden, der von der Schule fliegt und einige Tage ziellos durch New York streunt.

Doch hinter dieser einfachen Handlung lauert ein vielschichtig komplexer Prozess verschiedener Themen, die einen Heranwachsenden beschäftigen, der nicht mehr Kind und noch nicht Erwachsener ist.

Seit seinem Erscheinen hat das Buch mehrere Generationen beschäftigt und gefesselt und es scheint mir auch heute noch sehr aktuell und lesenswert.

Die neue Übersetzung ist meiner Meinung nach die bessere - wer es nicht glaubt, kann ja beide lesen und sollte dann das amerikanische Original nachschieben - viel Vergnügen!
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37 von 46 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
3.0 von 5 Sternen DIE EMPATHIE DES LESENS., 22. Februar 2006
Rezension bezieht sich auf: Der Fänger im Roggen (Taschenbuch)
Jeronime D. Salingers Geschichte, die bei der Publikation im Jahr 1951 heftige Kontroversen auslöste, figuriert heute auf zahlreichen Hitlisten des 20. Jahrhunderts und steht als Prototyp des Adoleszenzromans auf jeder Matura-Buchliste. Etwas verspätet hab ich nun dieses Kultbuch mit seiner phänomenalen Wirkung auf die rebellische 68-Jugend ebenfalls gelesen. Seit damals hab ich mich leicht verändert, die Verlogenheit unserer spiessbürgerlichen Gesellschaft indessen ist die gleiche geblieben! Hermann Hesse sagte dazu: "Ob man diesen Roman als Individualgeschichte eines halberwachsenen schwierigen Knaben, ob man ihn als Sinnbild für ein ganzes Land und Volk lese, man wird vom Dichter den schönen Weg von der Befremdung zum Verstehen, vom Ekel zur Liebe geführt. In einer problematischen Welt und Zeit kann Dichtung nichts Höheres erreichen."
Die Handlung umfasst ein Wochenende des 16-jährigen hochsensiblen, aber psychisch labilen Querschlägers Holden Caulfield, der so gerne cool auftritt, seine Verletzlichkeit aber nicht verbergen kann. Nach dem vierten Schul-Rauswurf irrt er durch New York, wo er mit der gesellschaftlichen Heuchelei konfrontiert wird. Wie mancher gute Jugendliche ist er auf dem besten Weg zur Weltflucht und Selbstzerstörung, getrieben von einer Welt, die er nicht versteht und die auch ihn nicht versteht. Sein nur scheinbar arroganter Hass auf diese völlig verwickelte Welt mit ihren Spielregeln ist fast universell, doch er ist kein Rebell, sucht er doch bloss seine Identität. Dabei gilt seine Suche dem Schönen, der einzigen gegen die ideologischen Manipulationszwänge unabhängigen Domäne. Die wahre Schönheit ist ihm wichtig, welche sich dem Menschen offenbart, d.h. in ihm die Fähigkeit eines uneigennützigen Umgangs mit dem Leben weckt und ihn mit dem Leid, Unglück und Dreck der Existenz versöhnt. Holden ist alles andere als eine ungebildete Niete und der Feigling, für den er sich hält, denn in Wahrheit denkt er nie ans Aufgeben und wird dank der Liebe seiner kleinen Schwester und Freundin zum Gewinner. Freunde sind Menschen, die in jeder Situation zu einem halten - im Gegensatz zu Feiglingen, welche psychischem Druck nachgeben und deshalb zu den ewigen Verlierern zählen! Das Sprichwort "Der Gescheitere gibt nach" untermauert nur die Herrschaft der Idioten. In einem Spiel zu unterliegen, ist keine Schande, wohl aber, nicht mehr mitspielen zu können, weil man nicht mehr will. Das ist "Spielverweigerung" und deshalb Feigheit. Feiglinge sind ständig auf der Suche nach sich selbst, werden sich aber nie finden, weil sie sich - obwohl sie sich Realisten nennen - vor der Realität ihres wahren Ichs und ihrer Gefühle fürchten, denn eingezäunt ist ihre Welt. Der Widerspruch zwischen drop-out und Initiation hält sich durch den ganzen Roman, doch nur bei seiner Schwester findet Holden vorerst das Paradies der Kindheit - diesen Zustand der Unschuld und der Kunst, die Wirklichkeit zu lesen -, etwas, was die Erwachsenen längst verspielt haben. Parallelen dazu findet man auch bei Günter Grass' Blechtrommel.
In prägnanter Einfachheit und Intensität springen einem die Sätze entgegen. Der direkte, aggressive Stil pendelt zwischen traurig-witzig und deprimierend-vulgär. Der provozierende Slang wirkt jedoch als sicherer Träger dieser ungekünstelt kunstvoll komponierten Story und verbalisiert Holdens Ekel über die verlogenen Ideale der Erwachsenen aufs Treffendste. Es ist die Poesie eines von der Umwelt vergewaltigten Teenagers auf der Verliererstrasse. Catching - but not for conformists!
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13 von 16 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
3.0 von 5 Sternen Innenwelt eines Schülers im deftigen Stil, 29. August 2004
Von 
euripides50 (Köln) - Alle meine Rezensionen ansehen
(TOP 500 REZENSENT)   
Rezension bezieht sich auf: Der Fänger im Roggen (Taschenbuch)
Warum gehört dieses Buch schon seit ewigen zeiten zur Pflichlektüre des gymnasialen Englischunterrichts? Vor allem aus zwei Gründen: zunächst die umgangssprachliche Einfachheit des Textes, der in der Fremdsprache sicher einfacher zu lesen sein wird als Shakespeare oder James - dann die Story, denn das ganze Buch beschreibt eigentlich nichts anderes als die Innenwelt und die Erlebnisse von Holden Cauwfield, einem pubertierenden Schülers, der einige Tage vor Weihnachten von der Schule geflogen ist und sich nun nicht recht heimtraut und seine Zeit mit Rumhängen, Rendevouz und Saufen vertrödelt. Der alterstypische Lebensüberdruss, der schnelle Wechsel von Euphorie und Depression, die Beliebigkeit der Urteile und die Bekanntschaft mit der rätselhaften Spezies der jungen Mädchen - das ganze emotionale Inventar des Frühadoleszenten bildet dabei das Unterfutter für die durch und durch witzigen Dialoge, der immerhin eines Gott sei Dank völlig abgeht, was die Entwicklungsliteratur sonst oft so schwer erträglich macht: Larmoyanz und Wehleidigkeit. Alles in allem eine Schullektüre, eine Trainingseinheit zur Vorbereitung auf die wirklichen Lektüren und Lektionen des Lebens. Das ist doch auch schon etwas.
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6 von 7 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
3.0 von 5 Sternen Tiefgründig ist nicht immer alles, 3. Juni 2012
Von 
Sarah F. (Norddeutschland) - Alle meine Rezensionen ansehen
(TOP 500 REZENSENT)   
Rezension bezieht sich auf: Der Fänger im Roggen (Taschenbuch)
Der Fänger im Roggen ist ein Kult-Klassiker, den ich immer wieder in Filmen erwähnt fand, sodass ich ihn auch lesen wollte. Leider wusste ich dank fehlendem Klappentext nicht worum es ging. So machte ich mich zum ersten Mal seit Jahren wieder blind ans Lesen. Es ist ungewohnt nicht zu wissen, was einen erwartet, obwohl ich oft genug beschwert habe, dass andere Klappentexte zu viel verraten.

Der Leser wird in die Welt des 16-jährige Holden Caulfie entführt. Es ist kurz vor Weihnachten als er aus dem vierten Internat fliegt, weil er seine Leistungen unterdurchschnittlich sind. Statt den Beginn der Ferien abzuwarten, haut er mitten in der Nacht ab und macht sich auf den Weg nach New York. Da seine Eltern von der neuerlichen Pleite nichts wissen, quartiert er sich in einem Hotel ein. Dort gerät er jedoch in eine Schlägerei mit einem Zuhälter, der mehr Geld für seine Prostituierte einfordert. Aus Angst zeiht Holden am nächsten Tag aus, und stellt seine Sachen im Bahnhof unter. Doch auch die nächsten Tage sind alles andere als erfreulich. Er trifft eine alte Freundin mit der er sich jedoch zerstreitet, mit seiner kleinen Schwester, die er aufsucht ist es auch nicht so einfach, und ein ehemaliger Lehrer, der ihm Unterschlupf gewährt, weckt die Angst vor sexuellem Missbrauch, sodass Holden den kalten Bahnhof vorzieht. Er beschließt endgültig abzuhauen. Doch seine Schwester will ihn begleiten, und das muss er abwenden.

Es ist ein Thema, dass ich auf den ersten Blick sehr interessant fand. Tiefgründige Bücher mit jugendlichen Protagonisten finde ich immer gut. Doch dieses Buch ist in meinen Augen einfach nur eintönig, obwohl es so vielseitig ist. Erzählt wird das Buch aus Sicht des coolen, abgeklärten und harten Holden. Inzwischen befindet er sich in einer Therapie und berichtet über seine vorweihnachtlichen Erlebnisse und Gefühle.

Oberflächlich gesehen lernt der Leser einen Jungen kennen, der auf Schule keinen Bock hat, sehr cool und hart wirkt. Doch wie es auch im echten Leben ist, ist der innere Kern sehr weich und verletzlich. Dies erfährt der Leser an Hand von zahlreichen Gesprächen, die er mit verschiedenen Personen führt. Zum Beispiel einem Taxifahrer, einer Prostituierten, einer Mutter oder einer Freundin. Es sind Fremde oder Bekannte und trotzdem versteckt er sich bei jeder Person hinter einem Lügennetz, um selbst nicht verletzt zu werden. Dies ist sicherlich interessant, aber man muss stark zwischen den Zeilen lesen und wirklich darüber nachdenken, was damit gemeint ist. Denn oberflächlich gesehen, sind es oft harmlose Gespräche, wie zum Beispiel wohin die Fische gehen, wenn der Teich zufriert. Das er damit auch sich selbst meint, ist für oberflächliche Leser nicht ersichtlich.

Obwohl ich den Sinn des Buches, die Verzweiflung, Ängste und Gefühle nachvollziehen konnte, konnte mich das Buch nicht vom Hocker hauen. Anfänglich lag es definitiv am Protagonisten und der Tatsache, dass ich den Inhalt nicht mal an Hand einer Richtung kannte. Holden war mir anfangs so unsympathisch, bis ich den Sinn dieser übertrieben Person erkannte.

Nichtsdestotrotz fand ich das Buch trotz genauem Lesen besonders im Mittelteil einfach zähflüssig. Es werden immer neue Protagonisten eingeführt, mit denen er sich unterhält, obwohl mir persönlich schon klar war, worauf es hinausläuft. Im Grunde wird im jugendlichen Stil mit jugendlichen Ansichten der 50er Jahre vermittelt, wie das Erwachsenenwerden sich anfühlt, wie das Thema Sexualität betrachtet wird und vieles mehr. Auf Grund des Stils habe ich es zu Ende gelesen und da ich einfach wissen wollte, ob noch etwas bahnbrechendes passiert, aber im Grunde konnte mich das Buch einfach nicht überzeugen. Eigentlich dachte ich, dass die negativen Kritiker es einfach nicht verstanden haben. Ich habe es begriffen, und finde es sicherlich nicht schlecht, aber es gibt bessere Bücher. Was vielleicht auch an der Übersetzung liegen mag, denn das Original kenne ich nicht.
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6 von 7 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
5.0 von 5 Sternen erneut gelesen, 27. Februar 2012
Von 
Carla - Alle meine Rezensionen ansehen
(TOP 1000 REZENSENT)   
Rezension bezieht sich auf: Der Fänger im Roggen (Taschenbuch)
Ich habe das Buch in den 1980er Jahren mit Interesse als Klassenlektüre gelesen. Nun, fast 30 Jahre später, habe ich es wieder aus dem Regal gezogen. Zur neuen Übersetzung kann ich daher nichts sagen. Ich kenne nur die frühere Bearbeitung von Heinrich Böll. Und ich muss sagen, sie gefällt mir und der Roman fesselt mich noch immer.

Der 17jährige Holden Caulfield ist kurz vor Weihnachten wieder einmal aus einer Vorzeigeschule geflogen, weil er sich überhaupt keine Mühe gegeben hat. Im Internat möchte er nicht länger bleiben. Nach Hause traut er sich aber auch noch nicht. So irrt er ein paar Tage ziellos durch New York, übernachtet in einem Hotel, besucht Bars, fährt Taxi, raucht, flucht, betrinkt sich und begegnet Menschen, die er durchwegs uninteressant und nervig findet. Er ist deprimiert, kommt nicht mit sich klar, sucht den Kontakt zu früheren Freunden und einem ehemaligen Lehrer. Doch die Begegnungen bestätigen ihm nur, dass die Gesellschaft aus Langweilern, Spießern und Perversen besteht. Er sehnt sich nach einem einsamen Leben in einer Blockhütte und träumt davon, an einem Abgrund zu stehen und spielende Kinder vor dem Absturz zu bewahren. Schließlich ist es seine kleine Schwester Phoebe, die ihm endlich wirklich zuhört, seine ausweglose Lage erspürt und ihn auf den richtigen Weg bringt.

Holden ist auf der Suche nach sich selbst. Rebellion und Auflehnung bringen ihn nicht weiter. Doch mit der Erwachsenenwelt, den vorherrschenden Gepflogenheiten und Erwartungen kann er sich nicht identifizieren. So strauchelt er durchs Leben. Er sehnt sich nach Freiheit in der Natur oder zurück in die Kindheit. Er ist in gewisser Weise ein Romantiker, findet aber von sich aus nicht die Ruhe, nachzudenken und seine Verhaltensweisen zu hinterfragen. Er spürt, dass es Zeit ist, Verantwortung zu übernehmen, und dass hierin möglicherweise auch der Sinn des Lebens zu finden wäre. Da er selbständig keine Anknüpfungspunkte an das gesellschaftliche Leben finden kann, landet er schließlich in der Psychatrie. Dort arbeitet er seine Geschichte auf.

Die gewählte Jugendsprache ist eingängig und erleichtert den Zugang zu Holdens Denk- und Handlungsweise. Auch als Erwachsene konnte ich mich gut mit ihm identifizieren und fühlte mich zurückversetzt in frühere Zeiten. Obwohl der Roman aus den 1950er Jahren stammt, hat er für mich immer noch Relevanz. Sallinger kann mit seiner Idee sicher auch heutige Jugendliche gut erreichen.
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6 von 7 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
5.0 von 5 Sternen "Wenn Dinge der Veränderung unterworfen sind, was kann der Mensch dann mit Gewissheit von ihnen erkennen?" (J. Duns Scotus), 24. Oktober 2010
Von 
kpoac - Alle meine Rezensionen ansehen
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Rezension bezieht sich auf: Der Fänger im Roggen (Taschenbuch)
"Der unreife Mensch kennzeichnet sich dadurch aus, dass er edel für eine Sache
sterben will, der reife dadurch, der er bescheiden für eine leben will."
(Jerome David Salinger)

In dieser Reihe von Goethe, Wedekind, Musil, Robert Walser, hier Salinger und neuerdings Teller liest man über die Dinge, die in der Adoleszens das Erwachen deutlich machen, um Brücken zu bauen, von der Kindheit in das Erwachsenenlager und seiner erhofften Klarheiten. Getrieben von all dem unerwartet Neuen, dem Unerklärten und den unbekannt motivierenden Hormonaktivitäten ist jeder der Protagonisten auf der Suche nach sich, nach seiner Bedeutung, nach seiner Identität. Aufkeimende Sexualität verlangt das Äußerste und gerade diese Zeit ist die, die den Zweifel nährt, der Angst Vorschub gibt und die Idee des Scheiterns gebiert. Ob wir über den Werther, Törleß oder Jakob sprechen, es sind in der Tendenz die gleichen Fragen und es ist die Suche nach den bestimmenden Antworten.

Der 16jährige Holden Caulfield ist die Hauptfigur in J.D. Salingers (1919-2010) Kultbuch, welches nun vorliegt in dieser Übersetzung. Wie der Ursprungstext es vormacht, ist auch diese Übersetzung in einer direkten jugendbetonten Umgangssprache verfasst, lässig und cool sollen die Zeilen daher kommen und sie unterstützen die Vorstellung von Holdens Coolness und zeigen seinen Idiolekt. Salinger geht nicht behutsam vor. Gleich zu Anfang wird deutlich gemacht, dass Holden berichtet, nachdem er aus dem vorherigen Leben hat aussteigen müssen, um sich ruhig zu stellen. Der Schluß, dass er aus einer Therapie berichtet, liegt nahe und wird am Ende bestätigt. Es sind drei Tage vor einem Weihnachtsfest, von denen Holden über sich und seinen Lebensabschnitt berichtet. Drei Tage, die mit dem Scheitern an einer Schule - einem wiederholten Scheitern - beginnen und enden mit den Wünschen nach Flucht aus einem Versteck, dass dieses New York in der Zeit des Vagabundierens nun mal war. Sich nicht den Eltern zu früh zeigen, wohl aber seiner Schwester, den Freunden und gar machen alten Lehrern ist sein Ansinnen. Denn in seiner Streunerzeit wird Holden deutlich, dass er Hilfe zu brauchen scheint. Zwischen dem Vorurteil: "ich bin der einzige Dumme in der Familie", den Vergleich zur klugen und bezauberten Schwester und seinem Bruder als Schriftsteller scheint er zu verlieren, insbesondere scheint seine Coolness zu schwinden, die doch alles Unsägliche verdecken soll. Ihm "war danach, aus dem Fenster zu springen", abzuhauen mit der guten Sally, die er dann aber nicht einmal nach Hause bringen konnte. Jeder ungeschickte Umgang mit den Mädchen war in ihm und seiner Unsicherheit. "Ich bin wahnsinnig", so sein Resümee über sich.

Mr. Antolini war ein alter Lehrer. Ihm jedoch vertraute er sich an und dessen Hilfe, eine Weisheit auf ein kleines Blatt (s.o.) geschrieben, steckte er ein. Holden konnte zu diesem Lehrer gehen, weil er schon intuitiv wusste, dass er ihn erwarten würde. Ihm war er nahe, weil er etwas erhoffte für sein Leben.

Dass er nachts "träumte", er sei verantwortlich für die Kleinen, die am Abgrund im Roggen spielten, er als Fänger im Roggen (Burns: Should a body meet [catch] a body) habe dafür zu sorgen, dass nichts passiert. Er sah seine Verantwortung für sich, dass Erkennen, Erwachsen sein, heißt Verantwortung zu übernehmen, keimt in ihm. So ist es auch mit der Sexualität. Der Lied zum Titel, eine Anverwandlung aus einem Gedicht von Robert Burns, macht es deutlich: O, Jenney's a'weet poor body, / Jenny's seldom dry; / She draigl't a' her petticoattie / Comin thro' the rye. Holden steht an der Klippe, am Abgrund, will aber noch nicht seine Unschuld verlieren. Der Schritt in die Welt der Erwachsenen steht aber unmittelbar an.

Salingers Buch kann man als Gesellschaftskritik lesen. Doch vielmehr ist es ein Entwicklungsroman. Hier erkennt man deutlich, dass der junge Holden trotz aller gespürten Jungenhaftigkeit eine Entwicklung durchmacht, die ihn von der Gesinnungshaltung der Jugend hin zur Verantwortungshaltung des Erwachsenen führt. Dass seine kleine Schwester ihm dabei hilft, zeigt auch, dass Familie bindend ist, hilfreich ist und man nicht vor ihr weglaufen muss.

Wegen der oft übertrieben vulgären Sprache wurde das Buch, erschienen im Jahre 1951, häufig verbannt. Diese Gründe gibt es heute nicht mehr. Es bleibt ein Kultbuch und der Rezensent meint, es ist auch ein Buch, was im fortgeschrittenen Alter lesenswert bleibt. Holdens letzte Worte beginnen mit: "So. Mehr erzähle ich euch nicht."
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Der Fänger im Roggen
Der Fänger im Roggen von Jerome D. Salinger (Taschenbuch - 2. Januar 2004)
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