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4,2 von 5 Sternen
Die Selbstmord-Schwestern
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25 von 26 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich.
am 7. Mai 2008
Gerade mal zwei Romane sind es, die Jeffrey Eugenides (Jahrgang 1960) bislang veröffentlicht hat, gleichwohl zählt er bereits zu einer bedeutenden Größe der Gegenwartsliteratur. Durch seinen enorm erfolgreichen Roman "Middlesex" mit dem Pulitzer-Preis geehrt, darf der Amerikaner trotzdem voller Stolz auf seinen 1993 erschienen Erstlingsroman The Virgin Suicides" (dt. "die Selbstmord-Schwestern") blicken.

Die Geschichte handelt von den Lisbon-Mädchen, Cecilia, Bonnie, Mary, Therese und Lux. Die zwischen 13 und 17 Jahre alten Schwestern leben in den 1970er Jahren im amerikanischen Kleinstadtmilieu. Doch von Aufbruchstimmung und Revolution ist in dem Detroiter Vorort nichts zu spüren, vielmehr herrscht eine Atmosphäre der Restriktion, Isolation und der Degeneration vor. Das ganze Elend beginnt ein mit Cecilia, der jüngsten der Schwestern, die sich die Pulsader aufschneidet, den Suizidversuch zunächst zwar überlebt, sich aber schließlich - aufgespießt am Hauszaun - in den Tod stürzt. Für die übrigen Mädchen beginnt eine Zeit der Überwachung und Isolation durch die Eltern, die nur ein einziges Mal noch durchbrochen wird, als sie ihren Töchtern die Teilnahme am Schulball gestatten. Alle kehren sie brav zurück nach Hause, nur Lux, die sich der ständigen Kontrolle und Überwachung mit einem sexuellen Kontakt zur Wehr gesetzt hatte, bricht das Gebot. Die Mädchen werden eingeschlossen und vegetieren von nun an bis zur finalen Katastrophe vor sich hin. Eine Ungezieferplage, der Streik der Totengräber, das sinnlos erscheinende Fällen der Ulmen - Eugenides verstärkt dieses Hinvegetieren und Verrotten mit einer wahren Endzeitkulisse, die er um das Haus der Lisbon-Mädchen aufgebaut hat.

Erzähler der Geschichte ist keine Person, sondern erneut ein Kollektiv, bestehend aus mehreren männlichen Nachbarn bzw. Mitschülern der Lisbon-Mädchen. Regelrecht manisch haben sie Fakten um die Mädchen herum gehortet, Fotographien, Tagebücher, Unterwäsche und dergleichen, doch selbst nach zahllosen Gesprächen mit anderen Beteiligten ergibt sich ihnen kein schlüssiges Bild. Auch nach etlichen Jahren müssen sie erkennen, dass das Puzzle für immer unvollendet bleiben wird. Durchsichtig wird hingegen ein Bild der herrschenden Moderne; die Medialisierung der Todesfälle zählt ebenso dazu wie der zynische und bisweilen egozentrische Unterton des Erzählerkollektivs selbst, der im Schluss des Romans kulminiert:

"It didn't matter in the end how old they had been, or that they were girls, but only that we had loved them, and that they hadn't heard us calling, still do not hear us, up there in the tree house, with our thinning hair and soft bellies, calling them out of those rooms where they went to be alone all time, alone in suicide, which is deeper than death, and where we will never the pieces to put them back together."

Eugenides hat mit diesem Roman etwas Außergewöhnliches geschaffen. Eine kraftvolle, mystische Geschichte, ja, ein modernes Märchen, das mit vielen Anspielungen auf die griechische Mythologie aufwartet. So ist zum Beispiel Moral einer der Schlüssel zum Roman. Wer Pluatrchs "Moralia" aufschlägt, der findet einen starken Bezugspunkt des Autors, wenn Plutarch von einer Selbstmord-Epidemie junger Mädchen erzählt. Mit der chorischen Stimme der Erzähler erhält das Ganze die Züge einer griechischen Tragödie.

Fazit: Eugenides ist mit seinem Erstlingsroman eine mitreißende, verstörende, traurig-schöne Geschichte gelungen, der es an starken Bildern und Metaphern nicht mangelt. Kongenial ist ein großes Wort - es ist aber durchaus angebracht für die Verfilmung des Romans, die sich ausgesprochen nahe an der Vorlage bewegt. Und wie sich die Ereignisse doch gleichen, denn eine zweite Karriere begann mit den "Virgin Suicides", nämlich die von Sophia Coppola ("Lost in Translation"), die den Stoff meisterhaft umsetzte und mit einer brillant aufgelegten Kirsten Dunst einen echten Volltreffer für Lux, der wohl faszinierendsten der Lisbon-Schwestern, landete.
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10 von 10 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich.
am 31. Januar 2012
Mit "The Virgin Suicides", in der deutschen etwas ungelenk "Die Selbstmordschwestern" betitelt, ist Pulitzer-Preisträger Jeffrey Eugenides ein seltenes Kunststück gelungen: einen Roman zu verfassen, der schon auf der ersten Seite verrät, worauf es handlungstechnisch hinausläuft, und den Leser trotzdem bis zur letzten Seite und auch darüber hinaus in seinen Bann zieht. Die Ausgangssituation wie die Hauptaspekte des Handlungsstrangs sind dabei schnell zusammengefasst: ein ruhiger, bürgerlicher Vorort im dicht besiedelten Norden der USA, eine Horde braver, leicht pubertierender Jungs, die sich die Begeisterung für die Musik der Flower-Power-Bewegung in die verträumten 70er hinübergerettet haben, und eine katholische Familie, deren fünf wunderschöne Teenager-Töchter sich im Laufe eines Jahres allesamt das Leben nehmen. All das erfährt man - wie bereits erwähnt - direkt zu Beginn, und doch erfährt man gar nichts. Die Frage lautet natürlich "Warum!?" Dies in der Retrospektive zu beantworten schickt sich das Kollektiv der Dorfjungs von damals an, die in der ungewöhnlichen "Wir"-Form die Erzählerrolle im Roman übernehmen - eine Abweichung vom bekannten Stanzelschen Typenkreis mit seinen drei Erzählparadigmen ("auktorialer", "personaler" und "Ich-Erzähler"), die als Kunstgriff kein Selbstzweck ist, sondern zum von Beginn an verstörenden und verunsichernden Charakter der Erzählung beiträgt. Was ist wirklich passiert mit diesen Mädchen? Ist es tatsächlich die aus psychoanalytischer Perspektive naheliegende Melange aus dem schwächlichen Vater und der dominanten, erzkatholischen Mutter, die die fünf Schönen in die tiefste Verzweiflung treibt? Man vermutet es, doch man weiß es nicht; die Dorfjugend holt Erinnerungen hervor, die von kollektiver Verliebtheit und Faszination venebelt die Schönheit und Einzigartigkeit der Mädchen ebenso beschwören wie die Redlichkeit ihres eigenen Bemühens zu helfen und zu verstehen. Zudem tragen sie "Indizien" und "Beweisstücke" über ihren "Fall" zusammen und führen Interviews mit "Zeitzeugen" - Indikatoren einer auch nach vielen Jahren nicht nachlassenden Verstörtheit und tiefen Traurigkeit bezüglich des Schicksals ihrer Altersgenossinnen.
Nach der anfänglichen Schilderung der Situation nach dem letzten der fünf Selbstmorde, die mit einem - zumindest in der deutschen Übersetzung - genial teilnahmslos-kafkaesk anmutendem Auftaktsatz beginnt, der auf den zweiten Blick den ganzen Schrecken des beschriebenen Szenarios sehr plastisch zum Ausdruck bringt, rollt das Erzählerkollektiv das Feld von hinten auf und schildert, sofern sie dazu in der Lage sind, das Zustandekommen der Selbstmorde der Mädchen binnen eines Jahres. Ausgangspunkt sind dabei die zunächst gescheiterten, beim dritten Mal dann "endlich" erfolgreichen Suizidversuche der erst 13-jährigen jüngsten Schwester Cecilia, eines ätherischen Racheengels, der scheinbar nur gegen sich selbst vorgehen kann und zugleich die abgrundtiefe Verzweiflung antizipiert, die auch ihre älteren Schwestern heimsuchen wird. Es folgt eine Phase der scheinbaren Konsolidierung für die anderen vier, die nach einem aus Sicht der Mutter moralisch indiskutablem Ausrutscher bei einem erstaunlicherweise für die Mädchen erlaubten Schulball jäh in die totale Abschottung der Mädchen mündet und so direkt in die Katastrophe führt. Dass in diesem Zusammenhang ein typischer Mädchenschwarm als beredter Verführer herhalten muss und eine der Schwestern zur verruchten Hure stilisiert wird, sind zwei Griffe in die Klischeekiste, die Eugenides sich hätte sparen sollen; hier offenbart er eine leichte Tendenz zur "Typisierung" oder "Ettikettierung" seiner Charaktere, derer es angesichts der erzählerischen Klasse und atmosphärischen Dichte des Romans nicht bedurft hätte.
Doch dies sind Details; insgesamt gelingt es seinem "Wir"-Erzählerkollektiv, ein Kaleidoskop ihres Ortes zur Zeit der ungeheuerlichen Vorgänge zu entwerfen, in dem die etablierte Erwachsenenwelt wie so oft an den Problemen in der Nachbarschaft keinen Anteil nehmen will, während die (übrigens nicht sonderlich rebellische) Jugend mit viel Empathie und liebevollem Einfallsreichtum immer wieder versucht, das Phänomen der Lisbon-Schwestern irgendwie zu erfassen. Rührend sind dabei Szenen, die dieses adoleszente Bemühen schildern, wie etwa das Telefonat der daheim eingepferchten Schwestern und der Dorfjungs, während dem sich die beiden Gruppen gegenseitig ihre Lieblingsplatten vorspielen (von Gilbert O'Sullivans "Alone Again Naturally" über James Taylors [bzw. eigentlich ja Carole Kings ;-)] "You've got a Friend" bis hin zu Janice Ians "At Seventeen"). Der Gedanke, dass die Jungs ihnen über diese wunderbar geschmackvoll und mit dabei mit der richtigen Prise Mainstreambewusstsein ausgewählten Musik nahe sein und ihnen für einen Abend so etwas wie Trost und eine Verbindung zur Außenwelt verschaffen konnten, hat in seiner Schlichtheit angesichts des geschilderten Grauens etwas unwahrscheinlich tröstliches. Dies bleibt jedoch eine Momentaufnahme; der Trost, den die Jungs scheinbar darin suchen, ihrer Erinnerungen aufzufrischen und zu erzählen sowie die Vorgänge zur Zeit der Selbstmorde akribisch zu rekonstruieren, bleibt ihnen wie dem Leser letztendlich verwehrt. "Am Ende", so beginnt der Schlusssatz des Romans, bleibt einfach, "dass wir sie geliebt hatten und sie uns nicht hatten rufen hören [...]".
Wer sich von solch einfühlsamem Duktus und von einer leicht vernebelten sowie tief-melancholischen Atmosphäre gern anziehen lässt, und zudem ein Rätsel ohne Lösung ertragen kann, wird sich in der von Eugenides' Erzählerkollektiv gezeichnet Kleinstadtwelt der 70er wohlfühlen und wiederfinden. Sein sprachlich leicht zugänglicher und doch erzählerisch kunstvoll und innovativ gestalteter Roman darf sich durchaus als ein "Meisterwerk" der Gegenwartsliteratur feiern lassen.
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46 von 50 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich.
am 18. Februar 2006
Durch Zufall habe ich den Film "Virgin Suicides" gesehen. Dieser ließ mich verstört und nachdenklich vor dem Fernseher zurück.
Und als im Abspann das Buch erwähnt wurde machte ich mich sofort auf, mir dieses zu besorgen, da ich mir mehr Antworten erhoffte...
Daraus wurde nichts. Das Buch verstört den Leser nämlich mindestens genauso:
Was geschah hinter den verschlossenen Türen und Fensterläden des Lisbon Hauses?
Was trieb sie letztendlich in den Tod und wie ist die Machtlosigkeit/Gleichgültigkeit der Eltern zu erklären?
Und immer mehr und mehr Fragen steigen aus den Abgründen dieses Buches hervor.
Aber letztendlich geht es nur um fünf Mädchen, deren Faszination auch nach ihrem Tod, vor allem für die beobachtenden Jungen der Nachbarschaft, ungebrochen bleibt.
Ich fand das Buch an keiner Stelle langatmig. Es hat eine sehr stimmige Erzählweise, welche den Leser tief in die Geschichte bringt, jedoch nie weit genug ins Lisbon Haus um mehr als nur ein hilfloser Beobachter zu sein.
Auch das "Ende", welches ja schon am Beginn preisgegeben wird, spornte mich nur noch mehr an, in diesem Buch dem Schicksal der Mädchen auf den Grund zu gehen und mit den Nachbarsjungen Stück für Stück die Vorkommnisse noch einmal zu durchleben.
"DIE LEERE EINES GESCHÖPFS, DAS EINE RASIERKLINGE AN SEIN HANDGELENK LEGTE UND SICH DIE ADERN ÖFFNETE,
DIE LEERE UND DIE INNERE STILLE, DAS KONNTEN WIR UNS NICHT VORSTELLEN."
(J.Eugenides - Die Selbstmord Schwestern)
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10 von 11 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich.
Auf Jeffrey Eugenides stiess ich durch das Hörbuch „Middlesex", das ich ohnehin allen Fans dieser Kunstgattung empfehle, läuft doch Ulrich Matthes zu Höchstform auf. Aber nun zu diesem neu aufgelegten Roman der besonderen Art, der an mir völlig vorbei ging, obwohl er offenbar von Sofia Coppola (Lost in Translation) einfühlsam verfilmt wurde.
Der Einstieg brauchte Überwindung. Das Wissen, dass ich nun Zeuge von fünf Selbstmorden werde, stimmte mich nicht gerade heiter. Fünf Mädchen, junge Frauen, verlorene Wesen, griechische Tragödie pur. Und das 1993. Wieso?
Ist es der Kleinstadtmieff, dem die Mädchen nicht so Widerstand leisten konnten wie Marlon Brando oder James Dean? Die bigotten 70er Jahre? Sind es die gehemmten machoverseuchten Jungs, die vertrockneten Lehrer? Nicht aufgefangene Todessehnsucht pubertärer Wechseljahre? Oder stehen die Mädchen ganz einfach nur als lebendige Symbole für das Tödliche in uns? Oder sind es nur die Eltern, die man als Leser zur Hölle wünscht? Es sind alle und niemand.
Aber keine Angst, Eugenides macht keine dummen Ratespiele mit seinen Lesern oder badet sich in zynischer Melancholie. Wir wissen es bereits, der Mann hat Humor, der eine ganz merkwürdige Distanz schafft. So dass wir immer wieder in die Haltung kommen, die das Umfeld der Lisbon-Schwestern einnimmt: Interesse ja - Einmischen nein. Die Akteure im Buch sollen doch etwas tun. Und weil sie sich verweigern, für uns zu handeln, werden wir nervös. Ganz schön clever dieser Eugenides.
Und da gibt es einfach noch die Sprache. Der Mann kann einfach schreiben. Da hämmert er Seelenbilder aufs Papier, die das Buch in den Händern zittern lassen, verschnörkelte Klarsichtscheiben, Wortteppiche, die sich widerstandslos auf die eigenen langen Gänge meiner Erinnerungen legen lassen. Ich fühlte wie einer der Jungs, hatte ihre Ängste, Sehnsüchte, Feigheiten und Mutanfälle. Und die fünf Schwestern? Letztlich blieben mir ihre Seelen so verborgen, wie mir das Innere anderer Menschen, speziell der Frauen schon immer verborgen war. Knallharte Realismus zuckersüss und einlullend eingepackt. Werde mir auch die DVD noch besorgen.
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17 von 19 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich.
am 29. Januar 2006
Nachdem ich schon von "Middlesex" von Jeffrey Eugenides furchtbar begeistert war, habe ich mir nun auch "Die Selbstmord- Schwestern" gekauft und gelesen, wobei ich die Thematik zunächst etwas befremdlich fand. Ich hätte nie gedacht, dass ein Buch über fünf Selbstmorde derart fesselnd sein kann.
Rückblickend wird die Geschichte der Lisbon Schwestern rekonstruiert aus Sicht der Jungen, die in ihrer Nachbarschaft lebten. Nachdem sich die jüngste Schwester das Leben genommen hat, geraten die übrigen Schwestern immer mehr ins Abseits, verschwinden quasi selbst mehr und mehr aus dem Leben. Die strenge Erziehung der Eltern tut ihr übriges, bis sich die Handlung im kollektiven Selbstmord der Schwestern gipfelt. Diese Tat prägt die meist passiv- hilflosen Beobachter für ihr Leben.
Ich konnte das Buch, nachdem ich es anfing zu lesen, nicht mehr weglegen, was mir schon lange nicht mehr passiert ist. Man versucht die Geschehnisse zu verstehen, aber die Frage nach dem "Warum" bleibt im Raum.
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9 von 10 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich.
am 6. Mai 2007
Fünf Schwestern zwischen 13 und 17 Jahren alt leben im Haus der Eltern in einer Straße eines Vorortes von Detroit - wie aus Andeutungen anzunehmen - Anfang der Siebziger. Was sie von anderen unterscheidet? Eine wie die andere sind sie wunderschöne und Geheimnis umwoben - nicht zu letzt durch den Selbstmord der jüngsten Cecilia, derem Beispiel sie schon ein Jahr später folgen sollen.

Die "Wir-Erzähler" in diesem Roman sind die Jungs aus der Nachbarschaft. Zwei Jahrzehnte nach jenem Jahr in dem nicht nur ein Haus zum Sterben verurteilt wurde, sondern die gesamte Straße ihr Leben aushauchte, berichten sie uns von Beweisstück Nr.1 bis Nr.97 aufgeteilt auf fünf Koffer, die tragische Geschichte der fünf Lisbon-Töchter. Wir werden nicht erfahren, was die Beweggründe waren, auch wird uns niemand in die Gefühlswelt von Töchtern und Eltern einweihen, allein vom Haus gegenüber dürfen wir der allgemeinen Beobachtung folgen. Wir wissen von der Verwahrlosung von Haus, Garten und ihren "Gefangenen" ohne jemals einen Blick hinein zu werfen.

Was mit gefällt: Die Erzählperspektive der Burschen, die zu Männern mit schütterem Haar und schlaffen Bäuchen geworden sind, von welcher Eugenides nicht ein einziges Mal abweicht und der herausfordernde Start!

Was mich bedrückt: Wie erwähnt, Eugenides lässt sich nicht einmal erweichen, die Perspektive des Hauses, der Schwestern und Eltern in den Vordergrund zu rücken, uns nicht einmal einen Hauch von Empfindungen der Lisbons spüren zu lassen und selbstverständlich die Tatsache vom Selbstmord aller fünf Schwestern.

Was mir weniger gefällt: Die zwischendurch doch langatmigen Passagen und die fürchterliche Übersetzung des Titels ins Deutsch!
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33 von 39 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich.
am 28. Februar 2004
Nachdem ich "Middelsex" mit großer Begeisterung gelesen habe, habe ich mir die "Virgin Suicides" gekauft.
Zunächst: es ist ganz anders als "Middelsex", es ist überhaupt nicht komisch, skurril oder bunt, es ist ein düsteres, tragisches Pubertätsdrama mit einer sehr dichten, beklemmenden Atmosphäre. Als erstes wird von einer Fliegenplage berichtet, die die Gegend jeden Frühsommer heimsucht, dann wird von einer Krankheit, die die Ulmen, die Alleebäume der Straße, befällt, erzählt. Dieser Krankheit fallen nach und nach alle Bäume zum Opfer, auch die, die noch nicht krank sind, aber in denen die Krankheit schon schlummern könnte, sie werden von einer städtischen Behörde gefällt. Ein See in der Nähe ist bedeckt von schleimigen Algen- so weit zu den Bildern in der Natur, die das Geschehen unter anderem illustrieren.
Die eigentliche Geschichte ist schnell erzählt: die Lisbon Familie hat fünf Töchter, die an der ganz kurzen Leine gehalten werden, sie dürfen keine Rockmusik hören, nicht ausgehen, nur formlose Kleider tragen etc. Zuerst stürzt sich die Jüngste aus dem Fenster und wird von einem Zaun aufgespießt, nachdem sie sich kurze Zeit vorher die Pulsadern aufgeschnitten hat, aber gerettet wurde. Danach dürfen die Mädchen nur einmal ausgehen, was aber eine Ausnahme bleibt, weil eine der Töchter viel zu spät nach Hause kommt. Die Mädchen gehen schließlich nicht mehr in die Schule, die Mutter geht nicht mehr aus dem Haus, das Haus verkommmt, verfällt immer mehr, fängt an zu riechen, schließlich geht auch der Vater, ein Lehrer, nicht mehr zur Arbeit. Die Lisbon Familie verlottert total, es geht unaufhaltsam bergab. Die Jungs der Nachbarschaft, von denen die Geschichte erzählt wird, versuchen, telefonisch Kontakt aufzunehmen, was in einer Nacht kulminiert, in der die Jungs die Mädchen retten und mit ihnen abhauen wollen, in der die vier Mädchen aber Selbstmord begehen.
Es wird nicht erklärt, warum die Mutter ihre Töchter so restriktiv behandelt, es wird nicht erklärt, warum die Töchter sich dagegen nicht auflehnen, es wird auch nicht erklärt, warum sie sich umbringen. Das Ganze wird getragen von einer sehr dichten, beklemmenden und bedrohlichen Atmosphäre, die wohl alles erklären soll, für mich aber zu wenig an Erklärung war.
Die pubertären Wirren, um die das Buch sich vornehmlich dreht, sind sehr gut beschrieben. Wie die Jungs die Mädchen anhimmeln, vor allem, weil sie so unerreichbar sind, und sie dann, als sie mit ihnen ausgehen, feststellen, daß sie gar nicht so hübsch und vor allem alle ganz verschieden sind, wie sie schließlich verzweifelt versuchen, mit ihnen Kontakt aufzunehmen und sich ganz in ihre Verliebtheit reinsteigern, jedes Zeichen der Mädchen ausführlichst interpretieren, das ist toll.
Alles in allem eine sehr lesenswerte, wenn auch nicht gerade aufmunternde oder erheiternde Lektüre, die allerdings nicht die Tiefe von "Middelsex" erreicht.
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17 von 20 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich.
am 10. Juli 2010
Fünf 13 bis 17 Jahre alte Schwestern leben mit ihren bürgerlichen Eltern in einem kleinen Eigenheim in einer typischen amerikanischen Vorstadt. Die Mädchen üben eine besondere Faszination auf die Jungs in der Nachbarschaft aus, die natürlich die Mädchen genau beobachten und versuchen Verabredungen zu Stande zu bringen. Die Eltern der Mädchen verhalten sich weitgehend typisch. Ihre Ehe ist nicht besonders gut, aber ohne die ganz großen Katastrophen wie Alkohol, Gewalt, Betrug oder Armut. Natürlich sorgen sich die Eltern um ihre Töchter was Anstand, Moral, Bildung u.s.w. betrifft. Eine der Schwestern nimmt sich dann aber das Leben und die Eltern reagieren mit Verleugnen (nur ein Unfall") und Isolation der ganzen Familie gegenüber der Nachbarschaft. Dies löst eine verhängnisvolle Kettenreaktion aus, an dessen Ende sich alle 4 Schwestern zeitgleich suizidieren.

Die ganze Geschichte ist skurril und surreal. Die Mädchen werden nicht als reale Persönlichkeiten beschrieben, sondern erscheinen mehr als aus der Ferne betrachtete Traumbilder. Auch die Kleinstadt erscheint surreal. Riesige Fliegenschwärme umlagern die einzelnen Häuser und kommen als zentimeterdicke Fliegenleichen auf den Fensterbrettern zum Liegen, so dass die Innenräume verdunkelt werden. Viele Personen haben eigenartige Vorahnungen, so dass Traum und Wirklichkeit ineinander verschwimmen. Persönliche Gefühle wie Mitleid oder Wut kann man für die Menschen nicht aufbringen, weil sie distanzierte Traumbilder sind.
Für mich ist bis zum Schluss unverständlich geblieben, was der Autor mit diesem Buch mitteilen möchte. Er nähert sich dem Thema Suizid weder psychologisch, noch gesellschaftskritisch. Er nähert sich dem Thema gar nicht, sondern beschreibt nur eine skurrile Selbstmordserie. Insofern blieb bei mir Ratlosigkeit zurück. Obwohl es gut geschrieben ist, weiß ich niemanden, dem ich ein solches Buch empfehlen kann.
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2 von 2 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich.
am 17. September 2007
Mag man es mit Todessehnsucht umschreiben, mit Überdruß am Leben, Angehörige, wie Nahestehende, wie Leser sehen schockiert zu, wie ein Selbstmord nach dem anderen die Familie Lisbon befällt. Glaubt man noch beim ersten Selbstmord die Gründe kaum zu fassen, warum ein junges Mädchen seinem Leben ein Ende setzt, wirkt die Verlockung des Todes, die die Töchter dieser Familie befällt, rätselhaft, dämonisch, glauben Außenstehende, daß sich einen Abgrund auftut, in den sie lieber niemand blicken möchten. Die Mädchen sind so unterschiedlich gezeichnet, daß jeder ein eigener Grund unterstellt werden müßte, um zu einer solchen Tat fähig zu sein. Doch wie bei einem Sog, einer Kettenreaktion läßt sich die Tragödie nicht aufhalten, nachdem sie einmal losgetreten wurde.

Eugenides gelingt es dabei, nicht sensationslüstern einen Schauer nach dem dam anderen zu erzeugen, nüchtern berichtet er von den Ereignissen, den zuspitzenden Hilfeaktionen. Er führt seine Leser ins Unverständnis, in das Gefühl ein, daß alle versagen, und schärft den Blick dafür, wie schnell etwas schief läuft, wenn das Erträgliche überreizt wird. Das Unheimliche wächst hinter der Haustür der Familie Lisbon, ist nicht greifbar und die Mitglieder dieser Familie schweigen sich aus, während draußen das Interesse, die Anteilnahme Kapriolen schlägt.
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7 von 8 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich.
am 1. September 2005
"Die Selbstmord-Schwestern" ist einer dieser Romane, in denen man die Hauptcharaktere nie ganz erfassen und verstehen kann und sich konstant fragt, was da eigentlich gerade passiert. Obwohl die Lisbons eine seltsame Familie sind, erscheinen sie doch nach außen hin harmlos. Und obwohl die Lisbon-Töchter zum Teil reichlich durchgeknallt sind, sind sie eigentlich auch nicht anders als jeder pubertierende weibliche Teenager sein könnte. Trotzdem entwickeln sich die Schwestern zu Selbstmörderinnen, und man fragt sich was da eigentlich hinter der harmlos-skurrilen Fassade des Vorstadtlebens lauert. Eugenides bietet keine einfachen Antworten, schafft es aber den Leser so in der Schwebe zwischen distanziertem Kopfschütteln und mitfühlender Umarmung zu halten, dass die Geschichte einen nie ganz los lässt. Sehr gelungen!
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