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30 von 33 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
5.0 von 5 Sternen Willkommen in Hitlers Heim!
Immer wieder hat er sich heranerzählt, sei es über den Eichmann-Prozess, die Bombardierung von Dresden oder das niederländische Auschwitz-Durchgangslager Westerbork. Jetzt ist Mulisch direkt bei Hitler angekommen. Er versucht ihn zu entdämonisieren, indem er erzählerisch in sein privates Umfeld eindringt. Es ist ihm meiner Meinung nach gelungen:...
Am 3. September 2001 veröffentlicht

versus
3 von 4 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
3.0 von 5 Sternen Ich hatte höhrer Ansprüche
Zum Inhalt dieses Buches:

Der 86-jährige, erfolgreiche, niederländische Schriftsteller Rudolf Herter fliegt 1999 mit seiner dreißig Jahre jüngeren Freundin Maria von Amsterdam nach Wien, wo er am nächsten Tag aus seinem neuen Roman "Die Erfindung der Liebe" lesen soll. In einem Interviews, welches er am Vortag bei einem Fernsehsender...
Veröffentlicht am 28. Dezember 2009 von Oehler


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30 von 33 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
5.0 von 5 Sternen Willkommen in Hitlers Heim!, 3. September 2001
Von Ein Kunde
Immer wieder hat er sich heranerzählt, sei es über den Eichmann-Prozess, die Bombardierung von Dresden oder das niederländische Auschwitz-Durchgangslager Westerbork. Jetzt ist Mulisch direkt bei Hitler angekommen. Er versucht ihn zu entdämonisieren, indem er erzählerisch in sein privates Umfeld eindringt. Es ist ihm meiner Meinung nach gelungen: spannend, mit vielen Hinweisen auf historische Realitäten und mit einer tollen Idee, mit der er die Zwanghaftigkeit und Verrohung der Nazis und ihrer Handlungen vorführt. Zugleich eine schöne Parabel über die (tödlichen) Gefahren, die auf die warten, die sich auf den Nationalsozialismus einlassen, und sei es nur, weil sie von ihm erzählen wollen. So virtuos hat sich noch kein deutscher Autor dem deutschen Übervater und Überdämon Hitler genähert. Selbst bei meinem manchmal etwas holprigen Lesen des niederländischen Originals hab ich das Buch nicht eher aus der Hand gelegt, bis ich die letzte Seite erreicht hatte.
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4 von 4 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
5.0 von 5 Sternen Siegfried Hitler, 26. März 2008
Von 
G. J. Matthia "GJM" (Berlin) - Alle meine Rezensionen ansehen
(VINE®-PRODUKTTESTER)    (REAL NAME)   
Rezension bezieht sich auf: Siegfried: Eine schwarze Idylle (Taschenbuch)
Vor etlichen Monaten unterhielt ich mich mit zwei Bekannten über Literatur. Dabei erzählte einer der beiden von einem Buch, das er für unbedingt lesenswert hielt. »Siegfried - eine schwarze Idylle« von Harry Mulisch. Ich bekundete Interesse ' und vor zwei Wochen hat er es tatsächlich ausgebuddelt und mir geliehen. »Endlich!« muss ich sagen, nachdem ich es nun gelesen habe.

Zwei alte Menschen, vor langer Zeit Hausangestellte in der Bergfestung Hitlers auf dem Obersalzberg, jetzt Bewohner eines ärmlichen Altersheimes, erzählen dem holländischen Schriftsteller Rudolf Herter, der Wien zu einer Lesung besucht, eine unglaubliche Geschichte: Adolf Hitler und Eva Braun hatten einen Sohn.

Wenn dieses Buch ein Deutscher verfasst hätte, wäre diese erzählerische Begegnung Auge in Auge mit den Kerngfiguren des Naziregimes kaum - oder nicht so direkt - zustande gekommen. Der Autor Harry Mulisch aber ist Holländer, Sohn eines ehemaligen österreichischen Offiziers und einer Frankfurter Jüdin - das heißt, er kann sich literarisch so ziemlich alles trauen, ohne in falschen Verdacht zu geraten. Und er ist ein ganz hervorragender Autor, der seine Ideen so lebensnah und nachvollziehbar zu erzählen vermag, dass man ihm einfach folgen will und muss. In seiner Figur des Rudolf Herter fand ich mich übrigens gelegentlich wieder, etwa an solchen Stellen:

»Sein Gedächtnis für die Ereignisse in seinem Leben war eher schlecht, und des öfteren musste er Maria oder Olga fragen, wie sich irgendwelche Dinge genau zugetragen hatten...«

Wie oft geht es mir doch genau so! Ich berichte ein Ereignis und die beste aller Ehefrauen, die auch dabei war, schüttelt den Kopf zu meinem Bericht...

Doch zurück zur Geschichte von Siegfried Hitler, dem verheimlichten Kind. Herter schwört dem alten Ehepaar Verschwiegenheit bis zu deren Tod, bevor er die Einzelheiten erfährt. Die Geschichte, die er dann hört, ist so unglaublich, dass er zu folgendem Schluss kommt:

»...Und überhaupt. Wer würde ihm glauben? Und nach dem Tod der Falks, ohne Zeugen würde seine Geschichte noch unglaubwürdiger sein. Man würde ihn wegen seiner Phantasie loben, und vielleicht bekäme er wieder einen Literaturpreis, doch glauben würde ihm niemand.«

Damit hat der Autor etwas geschafft, was wir alle, die wir Geschichten erzählen, gerne vollbringen möchten: Der Leser ist im Zweifel, ob er Fiktion oder Tatsachen liest, oder eine Mischung - aber in welchem Verhältnis? Genial eingefädelt von Mulisch. Der Mann hat Phantasie. Und daher schreibt er auch:

»Die Phantasie kann es nicht mit der Wirklichkeit aufnehmen, die Wirklichkeit schlägt die Phantasie bewusstlos und krümmt sich vor Lachen.«

Solchermaßen auf das Glatteis geführt erlebt der Leser mit, was dem Kind zustößt. Bis zum bitteren Ende und darüber hinaus, denn die letzten Seiten des Buches sind Tagebuchnotizen von Eva Braun, die nach der gespenstischen Hochzeit im Führerbunker in ihren letzten Lebensstunden Eva Hitler hieß. Da war Siegfried allerdings schon tot.

Ein Buch, das ich verschlungen habe, wenn ich auch bei den gelegentlich etwas ausschweifenden Ausflügen in die Geschichte der Philosophie gedacht habe: Wann geht es endlich weiter? Doch andererseits ist der Hitler, den Harry Mulisch portraitiert, untrennbar mit Nietzsche, Heidegger, Wagner und anderen verbunden.

Sprachlich ist das Buch in der deutschen Fassung makellos, dem Übersetzer zolle ich Hochachtung vor seiner Leistung.

Mein Fazit: Außerordentlich lesenswert!
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24 von 27 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
5.0 von 5 Sternen Wer, wenn nicht er?, 29. Oktober 2003
Von 
Thomas Liehr (Berlin) - Alle meine Rezensionen ansehen
(TOP 1000 REZENSENT)    (REAL NAME)   
Rezension bezieht sich auf: Siegfried: Eine schwarze Idylle (Taschenbuch)
Rudolf Herter, angesehener, gesetzter, umworbener und preisgekrönter Schriftsteller aus Holland, reist mit seiner jungen Freundin Maria nach Wien, um in der Hofburg aus seinem Opus Magnum "Die Erfindung der Liebe" zu lesen, ein paar Interviews zu geben, mit dem Botschafter zu speisen. Der Siebzigjährige ist ganz Autor, sozusagen in persona ganz Kunst; er hört in keinem Moment auf, zu schreiben, über die Variationen der Realität nachzudenken, über die Verbindung zwischen Realität und Kunst, über Erkenntnisgewinnung. Herter zeigt sich weder als Philanthrop, noch als Misanthrop, sondern ausschließlich als Beobachter, der die eigene Macht skeptisch-amüsiert zur Kenntnis nimmt. Im Rahmen eines Interviews, das ganz nebenbei sehr interessante Einblicke in das Leben auch des erzählenden Romanciers vermittelt, sinniert er über die Idee, das Phänomen Hitler zu fassen zu versuchen, indem der realen Gestalt ein fiktiver Spiegel vorgehalten wird: Die Gesichtslosigkeit der Figur, an der sich all die psychologischen Erklärungsversuche die Zähne ausgebissen haben, könnte auf diese Art beseitigt werden.
Nach der Lesung kommt ein steinaltes Pärchen auf Herter zu: Die beiden haben sein Interview gesehen und wissen eine Geschichte zu erzählen, eine, die eine neue Perspektive eröffnet beim Blick auf die Figur Hitler. Das Paar zählte zu den Hausangestellten auf dem Obersalzberg, der Festung Hitlers in den Bergen, in die er sich zurückzog, in der auch seine Geliebte, Eva Braun, lebte, die er am Tag des gemeinschaftlichen Selbstmordes noch geheiratet hat. Hitler und Eva Braun hatten ein Kind, einen Sohn, den das Haushälterpaar als den ihren ausgeben mußte. Kurz vor Kriegsende erteilt der Führer den Befehl, den Sohn zu töten ...
Mulisch gibt sich nie damit ab, nur eine Geschichte zu erzählen, nur ein Buch vorzulegen, und auch bei diesem schmalen Bändchen sind es - wieder - gleich vier: Am Anfang schlägt die Geschichte des alternden, magenkranken Autors sofort in den Bann. Als würde ein gigantischer Vorhang beseite gezogen, gewährt Mulisch Einblicke, von denen schwerlich anzunehmen ist, sie wären nicht authentisch: "Langsam wurde es Zeit für seine Memoiren, wäre es nicht so, daß sein ganzes Werk eigentlich aus Memoiren bestand: Memoiren nicht nur seines wirklichen Lebens, sondern auch seiner Phantasie, die beide nicht voneinander zu unterscheiden waren."
Es folgt die erstaunliche Geschichte des alten Pärchens, die Herter atemlos, aber auch feinfühlig und vorsichtig reflektierend anhört. Sie führt zu einem Moment der Offenbarung, der Erkenntnis: Herter macht Hitler als das "nichtsende Nichts" aus, als "Harnisch ohne Füllung", als "schwarzes Loch"; die Gedankenkette führt letztlich dazu, daß Hitler eine negative, aber nichtmenschliche Inkarnation Nietzsches gewesen sein muß, wofür sich sogar Beweise finden ließen. Hier - endlich, könnte man sagen - setzt der philosophische Exkurs an, ohne den Mulischs Werke kaum vorstellbar wären. Und am Ende, nach einigen Auszügen aus den "Tagebüchern" Eva Brauns, schließt sich der Kreis. Wer den Anmerkungen über "chromatische" Ähnlichkeiten, über Musiktheorie und Philosophiegeschichte folgen konnte, wird die kleinen Rätsel (Adolf Hitler - Rudolf Herter, Eva - Maria) und die größeren entschlüsseln können. Aber auch ohne dies bleibt "Siegfried" von der ersten bis zur letzten Seite spannend, originell, interessant und so maßlos abwegig, daß es schon wieder so sein könnte ...
"Wer, wenn nicht ich", maßt sich Herter an; wer, wenn nicht er: Mulisch, Sohn eines Nazikollaborateurs und einer Jüdin, gehört auf diese Art zu den "Glücklichen", die sich einer solchen Thematik nähern können, ohne daß die Gefahr bestünde, daß das Eis bricht, zu dünn wird.
Zahllose Bücher, geschichtliche, psychologische und auch fiktiv-belletristische sind um und über Hitler geschrieben worden. Eigentlich ist es nur ein feiner Seitenaspekt, den Mulisch zum Gegenstand seines Romans macht, ein Lichtstrahl, ein ungewöhnlicher Blickwinkel, aber die enorme Erzählkunst Mulischs ("Es geht um das WIE, niemals um das WAS") und die witzige und intelligente Idee dahinter lassen ein vollendetes Kunstwerk entstehen, an dessen Ende nicht nur die Erkenntnis steht, daß man das Nichts niemals auslöschen kann.
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14 von 18 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
4.0 von 5 Sternen Kein Meisterwerk - aber beklemmend schön, 20. März 2004
Von 
Rezension bezieht sich auf: Siegfried: Eine schwarze Idylle (Taschenbuch)
Was als annähernd realistische Studie aus dem Leben eines alternden (und doch noch virilen) Erfolgsschriftstellers beginnnt, dreht sich nach etwa einem Drittel in ganz andere Regionen.
Auf teuer gesponsorter Lesereise in Wien kommt Rudolf Herter (Mulisch's Alter Ego) auf die Idee, Hitler zum Sujet eines neuen Romans zu machen. Doch die während eines Fernsehinterviews entwickelte Idee wird ihn heimsuchen, ganz anders als je gedacht.
Ein altes Ehepaar wird ihn im Fernsehen beobachten, am nächsten Tag auf seiner Lesung auftauchen, und einen Tag später wird er die beiden in ihrem schäbigen Altenheim aufsuchen. Sie waren, so stellt sich schnell heraus, Haushälter Hitlers auf dem Obersalzberg. Und sie stellten die Ersatzeltern für dessen Sohn mit Eva Braun. Bis zu dessen Ermordung auf Befehl des Vaters selbst.
Die Geschichte wird den Schriftsteller ins Grübeln stürzen, ganz wörtlich über Gott (oder Götter) und die Welt. Ausserdem wird sie seinen schnellen Tod herbeiführen.
Eine spannendes Gedankenexperiment richtet Mulisch da an. Seine Themen (in Auswahl): Hitler als Verkörperung des absoluten Nichts, als Negation aller Existenz. Hitler als Ursache für den Verfall Nietzsches. Hitler als Kreatur Wagners - und doch jenseits aller irdischen Existenz. Reflektionen über die Morbidität der Kindheit, wie auch Tristan und Isolde. All die Verbindungslinien mögen nicht neu sein, mancher Gedanke ist nicht wirklich überzeugend, die sehr zugängliche Aufbereitung aber ist es schon.
Dieses Buch ist spannend, recht mühelos in einem Zug in zwei bis drei Stunden durchzulesen. Es beeindruckt, trotz der doch manchmal allzu bekannten Themen. Kurzweilig und zum Nachdenken anregend. Dabei zutiefst human. Mulisch kann immer noch begeistern.
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3 von 4 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
3.0 von 5 Sternen Ich hatte höhrer Ansprüche, 28. Dezember 2009
Von 
Oehler "290873" (Magdeburg) - Alle meine Rezensionen ansehen
(VINE®-PRODUKTTESTER)   
Verifizierter Kauf(Was ist das?)
Rezension bezieht sich auf: Siegfried: Eine schwarze Idylle (Taschenbuch)
Zum Inhalt dieses Buches:

Der 86-jährige, erfolgreiche, niederländische Schriftsteller Rudolf Herter fliegt 1999 mit seiner dreißig Jahre jüngeren Freundin Maria von Amsterdam nach Wien, wo er am nächsten Tag aus seinem neuen Roman "Die Erfindung der Liebe" lesen soll. In einem Interviews, welches er am Vortag bei einem Fernsehsender führt, entwickelt Herter den Einfall, man könne eine fremde Person besser zu verstehen versuchen, indem man sie in einem Gedankenexperiment einer Extremsituation aussetzt und ihr Verhalten studiert. Diese Methode ließe sich sogar auf Adolf Hitler anwenden, der trotz der vielen Bücher über ihn für viele Menschen noch immer ein Rätsel sei. (Seite 21: Es gibt inzwischen hunderttausend Studien, die sich mit Hitler beschäftigen, wenn nicht sogar mehr: politische, historische, ökonomische, psychologische, psychiatrische, soziologische, theologische, okkultistische und ich weiß nicht was sonst noch für welche. Von allen Seiten hat man ihn eingekreist und erforscht, die Reihe der Bücher, die über ihn erschienen sind, reicht von hier bis zum Stephansdom, mehr Bücher als über irgendeinen anderen Menschen, doch sie haben uns keinen Schritt weitergebracht. ich habe nicht alles gelesen, denn dafür reicht ein Menschenleben nicht aus, doch wenn jemand ihn befriedigend erklärt hätte, dann wüsste ich es. Er ist das Rätsel geblieben, das er von Anfang an für alle war - nein: er ist durch die Studien immer rätselhafter geworden. All diese sogenannten Erklärungen haben ihn nur noch unsichtbarer werden lassen, worüber er selbst sehr zufrieden wäre. Wenn Sie mich fragen, dann sitzt er in der Hölle und lacht sich tot. Es wird Zeit, dass sich das ändert. Vielleicht ist die Fiktion das Netz, mit dem man ihn fangen kann.")
Am nächsten Tag, nach seiner Autorenlesung in der Nationalbibliothek, kommt beim Signieren seines Buches plötzlich ein altes und auf den ersten Blick auch ärmlich gekleidetes Ehepaar auf ihn zu und spricht ihn schüchtern an. Die Beiden haben am Vortag rein zufällig jenes Interview mit ihm im Fernsehen gesehen und so erfahren, dass er ein Buch über Adolf Hitler zu schreiben beabsichtigt und weil sie als Bedienstete auf Hitlers Berghof auf dem Obersalzberg gearbeitet haben, könnten sie ihm mit ein paar sehr wichtigen Informationen dabei behilflich sein.

Mein Fazit:

Die Geschichte die diesem Roman zugrunde liegt, nämlich das Hitler einen Sohn gehabt hätte und die damit verbundene Täuschung eines ganzen Volkes, hat mich doch ziemlich neugierig gemacht. Leider bin ich mir aber noch immer nicht ganz schlüssig, was ich von diesem Buch wirklich halten soll. Zuerst kommt die ganze Handlung nur sehr schleppend in Gange, aber als dann endlich dieses alte Ehepaar auf der Bühne erscheint und dem Schriftsteller ihre Lebensgeschichte erzählt (das hätte vom Stoff her ein wundervoller Thriller werden können), nimmt sie an Fahrt auf, nur was dann kommt ist mir ein absolutes Rätsel. Als Erklärung, was genau ich damit meine, möchte ich einfach mal aus dem Buch zitieren.
Das letzte Wort über Hitler lautet nichts. Die unzähligen Studien über eine Person verfehlen ihr Thema, weil sie sich mit etwas beschäftigen und nicht mit nichts. Es war nicht so, dass er niemanden an sich heran ließ, wie alle sagen, die ihn persönlich erlebt haben, sondern da war nichts, an das sie herangelassen werden konnten. Wie die Null in der Multiplikation jede andere Zahl vernichte, habe Hitler alles zerstört und somit haben die Menschen damals an das Nichts geglaubt."
Auf diese Weise geht es ein paar Seiten lang (sehr langweilig und langatmig), dazu noch diese Querverzweigung von Wagner- Kant- Nietzsche- Hitler (eine Art geschichtlich, satanistische Verschwörungstheorie, der ich persönlich nur sehr schwer folgen konnte), bis es plötzlich mit einer Art Tagebuchaufzeichnung (geschrieben von Eva Braun über die letzten Tage im Führerbunker, die Heirat, bis hin zum Tod) interessanter weitergeht. Wie gesagt, es fällt mir ein wenig schwer dieses Buch zu beurteilen, weil ich mir einfach mehr davon versprochen hatte. Daher vergebe ich auch nur 3 von möglichen 5 Sternen.
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8 von 11 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
5.0 von 5 Sternen Pflichtlektüre, 16. Juni 2002
Seit Mulischs "Die Entdeckung des Himmels" sind die Bücher des Niederländers Pflichtlektüre für mich. Es könnte ja mal wieder so ein genialer Wurf dabei sein. Und jetzt - endlich, 10 Jahre später - ist es wieder soweit.
Der niederländische Schriftsteller Rudolf Herter verrennt sich in die Idee, ein so noch nie dagewesenes Buch über Hitler zu schreiben, ihn zu entzaubern. Er lernt in Wien Ullrich und Julia Falk kennen, die ihm von ihrem Schicksal als "Eltern" von Hitlers Sohn Siegfried und vom Schicksal des Kindes erzählen.
So dicht, so phantasievoll und vielleicht doch so realitätsnah hat wohl tatsächlich noch niemand über Hitler geschrieben. Egal ob und wie sehr die Beschreibungen des Lebens auf dem Obersalzberg und all die anderen vermeintlich historischen Tatsachen stimmen - Mulisch trägt mit seinem Buch mehr dazu bei, die Augen über das Dritte Reich zu öffnen, als die meisten Geschichtsbücher zusammen. Gäbe es in den Schulen einen Pflichtkanon für die Beschäftigung mit dem Nationalsozialismus, "Siegfied" müsste ganz weit oben stehen.
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7 von 10 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
3.0 von 5 Sternen "...er...er...er ist hier...", 12. Oktober 2003
Rezension bezieht sich auf: Siegfried: Eine schwarze Idylle (Taschenbuch)
Etwas ganz Furchtbarem ist Herter, der angesehene Schriftsteller aus den Niederlanden, auf der Spur - Hitler hatte einen Sohn. Und als ob das nicht schon reichlich wäre, hat er, Herter, auch noch die Vision einer kompletten Umrundung Hitlers Natur. Die Grundthese lautet: Der "Führer" war eigentlich innen hohl. Deshalb war es ihm auch möglich, seinen eigenen Sohn töten zu lassen, nachdem er vorgegaukelt bekommen hat, dieser sei nicht 100%ig arisch. Was damit allerdings gemeint ist, erfährt der geneigte Leser eigentlich nicht. "Nichts", schreibt Mulisch, so in etwa würde er sich das Innenleben Hitlers vorstellen. Keine geiferende Kreatur mit Feuer in den Augen, sondern ein Gletscher in der Gestalt eines Menschen, also eigentlich sowas wie ein Zombie. Also ganz anders als die anderen faschistischen Anführer.Von irgendwas geleitet, nur von was ? Von keinerlei moralischen Bedenken sei sein Handeln gefärbt gewesen, er hatte keinerlei Normen und Werte. Wenn das auch stimmen mag, so hatte Hitler doch wenigstens eine Beziehung, eine Position zu den Normen und Werten, welche man gemeinhin in jedem Menschen als Voraussetzung für mündiges Handeln als gegeben annimmt. Müßte Hitler nicht eigentlich auch Kenner dieser Werte gewesen sein, um Millionen von Menschen, die vor Hitler noch an diese glaubten, in seine psychische Gewalt zu bringen ? Hatte er nicht sogar eine wirksame Antwort auf moralische Bedenken gefunden, die sein Tun und Wirken hätten verbieten müssen ? Und da muß dann bei Mulisch auch schon mal Wittgenstein herhalten, der vorgab, über das, über das man nicht sprechen kann, zu schweigen. Mit Verlaub, Wittgenstein hat das ganz anders gemeint. Fundamentaler. Wenn ein Schriftsteller das Ende der Sprache proklamiert, dann senkt sich wirklich ein wenig die Sonne über dem Buch und die kalte Nacht steht bevor. Ich hätte mir ja so gewünscht, Mulisch hätte darüber geschrieben, über das man nicht sprechen kann. Er kann es ja - erzählen. Aber solche Sätze, die mitteilen, die Zahl 0 sei der Hitler der Zahlen, da sie in der Multiplikation mit jeder anderen Zahl, wieder sich selbst ergibt, also die andere Zahl ausgelöscht hat ! Ich erlaube mir hinzuzufügen: Addiert man die 0 zu einer anderen Zahl, hat sich auch 0 Wirkung. Na ja, so kann man sich es eben schön zusammenstricken. Nothing will come from nothing ? Der Protagonist verliert sich dann leider in einem konfusen Schwall von Ideen, die nahebringen, daß Nietzsche eigentlich schon Hitler vorausgeahnt habe. Es werden Sinnverflechtung zwischen den Sterbedaten und Geburtsdaten Nietzsches und Hitlers geknüpft, und schließlich endet die Gedankenwelt Herters für immer. Mir fehlt die ironische Distanz zwischen Schriftsteller Mulisch und Schriftsteller Herter, das verdirbt mir an dieser Stelle leider den Genuß ein wenig. Zum Schluß schlüpft noch ein Geist in den endenwollenden Herter. Ist es ein Geist wie anfangs beim Hamlet oder etwa der letzte Ruck am Hemdszipfel einer tragischen Gestalt. Ich fühlte mich beim Schluß an H. Manns Untertanen erinnert. Nur hatte der Teufel bei Mann etwas mehr Überzeugungswillen als er ihn bei Mulisch hat.
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5 von 10 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
3.0 von 5 Sternen Mittelmäßig, 3. Dezember 2004
Von 
Der berühmte Schriftsteller Rudolf Herter stellt in Österreich sein neues Buch vor. In einem TV - Interview äußert er sich darüber das niemand die Persönlichkeit Hitlers bisher wirklich erklären konnte. Nach seiner Lesung aus seinem neuem Buch kommt ein altes Ehepaar auf ihn zu. Sie deuten an das sie etwas Wichtiges über Hitler wissen und laden ihn zu sich ein. Bei diesem Treffen erfährt Herter, dass Hitler einen Sohn mit Eva Braun hatte: Siegfried. Seine gesetzlichen Eltern war aber das Ehepaar Falk. Herter erfährt alles, darunter z.B. wie die Falks die Schwangerschaft vortäuschten, damit man glaubte dass Siegfried ihr Sohn sei. Schlie0lich gibt Hitler jedoch den Befehl Siegfried umzubringen. Dieses Treffen bringt Herter sofort auf neue Ideen. Wieder im Hotel beginnt er sofort an seiner Idee der Charakterisierung Hitlers zu feilen...
Das Buch „Siegfried" ist gut und interessant geschrieben. Die Idee, dass Hitler einen Sohn gehabt hätte und Hitler charakterisieren zu wollen ist top.
Doch das Mulisch plötzlich ein Kapitel mit Braun Tagebuch beginnt ist unerklärlich. Der logische Übergang fehlt. Woher hat Herter es? In dem Buchumschlag heißt es, das Herter durch seinen Ideenwahn plötzlich die Geschehenisse am Berghof mit eigenen Augen sehe und plötzlich das Tagebuch Brauns vor ihm lege. Auf mich wirkte das nicht so. Ich wunderte mich beim Lesen was das jetzt solle. Es wird aber wohl benötigt, um einige Dinge der Geschichte zu klären. Ich hätte es aber nicht sehr vermisst. Der Schluss ist brillant.
„Siegfried" ist gut zu lesen und interessant. Vor allem für alle geschichtlich Interessierte. Es weist aber auch seine Mängel auf. Kurz überlegen bevor man's kauft.
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6 von 12 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
5.0 von 5 Sternen Schreckliches Geheimnis, 9. November 2005
Rezension bezieht sich auf: Siegfried: Eine schwarze Idylle (Taschenbuch)
Harry Mulischs ›Siegfried‹ ist einer der ambivalentesten und am meisten beeindruckenden – im positiven wie negativen Sinne – Romane, die ich bisher gelesen, nein, verinnerlicht habe. Das Buch ist harte Arbeit. Es ist ein »mysterium tremendum ac fascinans«: ein schreckliches und zugleich verzauberndes Geheimnis.
Die Handlung, das Phantasieexperiment, das Wesen des Autors – und zwar sowohl Mulischs als auch Herters - ist Programm. Der Ambivalenz-Funken des Themas und seiner konkret-diffusen Ausgestaltung durch Mulisch springt auf den Leser über: die Zerrissenheit zwischen Sein und Nichts, zwischen Machbarkeit und Tod, zwischen Phantasie und Wirklichkeit, zwischen Literatur und Unbegreiflichkeit.
Dieser »Erkenntnis« entsprechend wird meine Rezension unvollendet bleiben; und zwar an jener Stelle, an der das unbegreifliche Werk zu sehr ins Surreale abgleitet (vielleicht weiß ich auch nur zu wenig über schwarze Löcher und philosophische Theorien und Nietzsche) – ich konzentriere mich auf folgende drei Merkmale (entsprechend der Kapitel):
»Das Experiment«, das heißt die Handlung in seiner Entstehungsgeschichte
»Das Literarische Laboratorium«, in dem der Autor als Lehrmeister betrachtet wird, da Mulisch einen kleinen, aber kostbaren Einblick in die Mechanik des Schreibens gibt
»Die Großen Künste«, eine kleine Auswahl an berühmt-berüchtigten Persönlichkeiten, Schriftstellern, philosophischen Theorien und musikalischen Werken, die es im Brockhaus eines Tages nachzuschlagen lohnt.
Eines ist sicher: von diesem Mulisch bin ich hingerissen, auch wenn der Roman, das heißt der Autor, auf zu wenigen Seiten viel zu viel »Input« bietet. Aber er ist das Anregungsmilieu, das man braucht, um weiterzukommen, weil es herausfordert, und zwar jeden Millimeter an Wissen, das man noch nicht besitzt, sowie das Denken in der Art der Chaostheorie. Und eines ist auch sicher: dieses Buch sowie die darin enthaltene skurrile, nahezu obszöne und bisher noch nie gedachte Idee eines Sohnes von Hitler polarisiert: man kann es nur lieben oder hassen. Fünf Sterne, da ich mich für ersteres entschieden habe.
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3 von 7 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
4.0 von 5 Sternen Zirkelschluss, 12. Juni 2004
Rezension bezieht sich auf: Siegfried: Eine schwarze Idylle (Taschenbuch)
Welch ein Thema! Im Grunde genommen schreibt Mulisch einen autobiographischen Roman, zumindest ist die Hauptfigur deckungsgleich mit ihm, gleich alt, gleiches Elternhaus, gleicher Beruf, gleiche Idee eines Romans. Mulisch schreibt die Geschichte, nach der Herter, die Hauptfigur des Buches, sucht. Gefesselt und fasziniert sucht er danach, die Figur Hitler zu verstehen. Um sich dem Verständnis zu nähern aber begeht er einen Zirkelschluss. Er setzt Hitler einer fiktiven Situation aus und lässt ihn dann - erwartungsgemäß - Schreckliches tun, um damit die Schrecklichkeit Hitlers zu belegen. Das Buch ist gleichwohl faszinierend und zieht den Leser in seinen Bann!
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Siegfried: Eine schwarze Idylle
Siegfried: Eine schwarze Idylle von Harry Mulisch (Taschenbuch - 1. Oktober 2003)
EUR 7,95
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