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10 von 10 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
5.0 von 5 Sternen
Unbedingt lesen!,
Von
Rezension bezieht sich auf: Kokain (Taschenbuch)
Was für ein Buch! In den Zwanziger Jahren des letzten Jahrhunderts (das Buch wurde 1922 veröffentlicht) flüchtet ein junger Mann aus Liebeskummer nach Paris. Dort wird er mehr oder weniger zufällig Journalist und verfällt dem Kokain ebenso wie zwei Frauen, zwischen denen er hin- und hergerissen ist: Seine alte Liebe von einst, früher Maddalena, jetzt Maud, 'hatte die ganze Skala einfacher Liebe durchschritten, um sich auf die Suche nach dem Laster zu machen.' Und Kalantan, die bildschöne Armenierin, 'die durch die kompliziertesten Formen des Lasters gegangen, um die Einfachheit von Umarmungen ohne Raffinement zu suchen.'Doch es würde diesem Buch nicht gerecht, reduzierte man es allein auf diese Liebesgeschichte. Pitigrilli hält der damaligen Gesellschaft einen Spiegel vor und stellt ihre ganze Oberflächlichkeit und Verlogenheit bloß. Das Ganze wird dazu mit Witz und Intelligenz erzählt - es ist eine wahre Freude dies zu lesen. Ein paar Beispiele hierzu: 'Man muss heiraten, um die Art der Langeweile zu verändern.' Eine Krankenschwester tröstet einen todkranken Patienten: 'Bedenke doch,...dass dein eines Bein schon im Paradies ist, und dass du nun bald wieder mit ihm vereinigt sein wirst.' '...erste Anzeichen nahenden Alters. Es ist das Alter, in dem die Männer anfangen, sich braun zu kleiden.' 'Das Mönchlein erklärte ihm, dass man Christus lieben müsse, weil er sich für die Menschheit geopfert habe. Und Tito erwiderte ihm, dass dann die Maulwürfe und Kaninchen, die in den physiologischen Laboratorien geopfert würden, um neue Heilmittel zum Wohle der Menschheit auszuprobieren, ebensogut Jesus Christus seien.' Und so weiter... Dazu kommt noch eine ganz eigene Art der Erzählung der Genesis, ein wunderbares Plädoyer für Mütter von unehelichen Kindern, eine ausführliche Diskussion weshalb Prostituierte bessere Ehefrauen sind als Witwen, Überlegungen wie man Gefühle (insbesondere Eifersucht) durch Krankheiten heilen kann, viele Gedanken zum Thema Frauen und Männer und vieles mehr. Und auch wenn ich mich wiederhole: Dieses Buch erschien 1922! Der einzige Wermutstropfen: In diesem Buch wimmelt es von altmodischen, französischen und spanischen Ausdrücken, die zum Teil auch weder per Lexikon noch Internet zu klären waren. Ein Anhang wäre hier sehr hilfreich gewesen. Helfen Sie anderen Kunden bei der Suche nach den hilfreichsten Rezensionen
14 von 15 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
4.0 von 5 Sternen
Eine eindrucksvolle, zeitlose Mahnung,
Von
Rezension bezieht sich auf: Kokain (Taschenbuch)
Tito Arnaudi, der Protagonist und attraktive Lebemann in diesem zeitlos wirkenden Plot, verzichtet aus einem Spleen heraus auf seine Doktorprüfung und flüchtet wegen Liebeskummer nach Frankreich, genauer gesagt nach Paris, wo er einen Artikel über Kokain und Kokainschnupfer schreibt, welchen er seinem reichen Onkel aus Amerika, der Herausgeber einer großen Morgenzeitung in New York ist, sendet. Der große Anklang, den dieser Bericht hervorruft und das Geld, welches ihm deshalb geschickt wurde, gestattet Arnaudi, inzwischen selbst dem Sog des weißen Pulvers erlegen, ein legeres Leben. Seine Ausstrahlung, sein Wohnsitz und der Name seines Onkels, verhelfen Tito schließlich zu einer regulären Anstellung als Journalist. Hin und her gerissen zwischen der Liebe zu zwei Frauen, wobei die eine, Maud, für unersättliche Sinnlichkeit, unbekannte Formen der Liebe und krankhafte Laster steht und die andere, Kalantan, angeekelt von den krankhaften Extravaganzen, für die primitive, einfache, wahre Liebe, gerät Tito immer tiefer in den Strudel dekadenter Ausschweifungen...Mir scheint, Pitigrilli, oder besser Dino Segre, wusste damals ziemlich genau, wovon er schrieb. Dieses Werk gilt in meinen Augen heutzutage nicht mehr als reißerisch, dafür gibt es genug zeitgenössische Literatur, welche sich völlig ungenierter über dieses Thema hermacht, aber es zieht einem dennoch unweigerlich in seinem Bann, vielleicht gerade wegen der manierlicheren Art, mit der Segre an dieses Werk herangegangen ist, obgleich er nichts wirklich beschönigt... Lesen! Helfen Sie anderen Kunden bei der Suche nach den hilfreichsten Rezensionen
4 von 4 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
5.0 von 5 Sternen
Ein Leben als Ausschweifung,
Von Niclas Grabowski "niclas grabowski" (Berlin) - Alle meine Rezensionen ansehen (TOP 500 REZENSENT) (VINE®-PRODUKTTESTER) (REAL NAME)
Von Amazon bestätigter Kauf(Was ist das?)
Rezension bezieht sich auf: Kokain (Taschenbuch)
Der Held dieses Romans wird früh sterben. Dennoch kommt für ihn ein Leben ohne Ausschweifungen nicht in Frage. Denn ein Leben ohne Ausschweifungen, ohne Extase, ohne Höhepunkte der Emotion und der Leidenschaft ist kein Leben. Doch leider haben wahre Ausschweifungen auch immer etwas von Selbstzerstörung.Das Buch erzählt die Geschichte eines jungen Mannes, der in Paris Erfahrungen mit Kokain macht, sich nicht zuletzt dank der Droge ein Leben aufbaut und dann wieder zerstört. Es geht dabei aber nicht nur um die Droge. Es geht eher um alle Formen der Abhängigkeit, so besonders der von den Frauen. Und es geht um die Welt, die tragisch aber auch witzig ist, wenn man sie erst durchschaut hat. Das alles ist sehr gut geschrieben, unterhaltsam und traurig. Also hat das Buch eigentlich alles, was ein guter Roman so braucht. Und noch dazu enthält dieses Buch die verzweifelste Szene eines Beischlafes, die ich jemals gelesen habe. Helfen Sie anderen Kunden bei der Suche nach den hilfreichsten Rezensionen
2 von 2 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
4.0 von 5 Sternen
"If you wanna get down / Get down on the ground / Cocaine" (J.J. Cale),
Von
Von Amazon bestätigter Kauf(Was ist das?)
Rezension bezieht sich auf: Kokain (Taschenbuch)
Wer die Literatur des Fin de Siecle und ihre dem Zeitgeist entnommene Dekadenz liebt, kommt nicht an diesem Buch vorbei, welches von Skandalen umwirbelt verboten wurde. Oscar Wildes "Dorian Gray", Joris-Karl Huysmans "Gegen den Strich" und "Tief unten", sicher auch Schnitzlers "Traumnovelle" sind von diesem Schlage der Offenbarung menschlicher Hintergründe, die das Offenbare und Veräußerlichte weit hinter sich lassen. Das Ungewöhnliche, das Überspannte wird in den Mittelpunkt des Lebens gerückt, um der Phantasie neuen Antrieb zu geben. Der gekostete Augenblick wird gesucht als Ewigkeit. Die Dauer eines normalen Lebens und dessen behutsame Vorsorge versinkt im Taumel zwischen exzessivem Rausch und wollüstigem Weib auf dem heiteren Weg in den freiwilligen Tod. Der italienische Protagonist genießt sein ausschweifendes Leben in Paris und anderswo bis in den Abgrund. Die Droge wie seine Geliebte nennt er Kokain oder seine kleine Kokaine. Beide werden zur Sucht, wie Cales Song dieses aufnimmt. Sich auf diesem Wege auch sprachlich verführen zu lassen, erhöht den Lesegenuß.Pitigrilli, eigentlich Dino Segre (1893-1975), war italienischer Rechtswissenschaftler aus Turin, arbeitete als Zeitungsredakteur und galt als Salonlöwe. In den zwanzigern verbrachte er als Korrespondent seine Zeit in Paris, wo seine Bücher entstanden. Das vorliegende ist 1922 erstmalig erschienen. ~~ Helfen Sie anderen Kunden bei der Suche nach den hilfreichsten Rezensionen
5.0 von 5 Sternen
Was für ein Roman! Unbedingt lesen!,
Von
Von Amazon bestätigter Kauf(Was ist das?)
Rezension bezieht sich auf: Kokain (Taschenbuch)
Paris in den 20iger Jahren des letzten Jahrhunderts. Tito Arnaudi beginnt als Journalist in die Halbwelt der vergnügungs- und genusssüchtigen Reichen und Schönen abzutauchen, deren Lebenselexir Kokain ist. Er wird selbst ein Teil dieser Welt und kommt nicht mehr los.Trotzdem, wenn sie wissen wollen, wie Kokain schmeckt, wie sich die Nase anfühlt, wenn man sich gerade eine Linie des weißen Pulvers in dieselbe gezogen hat, wie man die Genesis interpretieren könnte, welches männliche Lebensalter erreicht ist, wenn man beginnt, braune Anzüge zu tragen, was alles geschehen kann, wenn man um 6 Uhr morgens einen Artikel zu einer Hinrichtung in der Druckerei seiner Zeitung abgegeben haben muss, wie sich transatlantische Seereisen angehen oder wie man sich vor Liebe verzehrt, dann ist das der Roman dafür. Unbedingt lesen. Helfen Sie anderen Kunden bei der Suche nach den hilfreichsten Rezensionen
1 von 2 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
4.0 von 5 Sternen
Kokain bringt dem Lebewesen nur Verfall, Leid und Tod,
Von Josephine Sterner "Bücher-Liebhaberin" (Hérimoncourt, Frankreich) - Alle meine Rezensionen ansehen (TOP 500 REZENSENT) (REAL NAME)
Von Amazon bestätigter Kauf(Was ist das?)
Rezension bezieht sich auf: Kokain (Taschenbuch)
Tito Arnaudi ist italienischer Journalist im Paris der 20er Jahre. Dort wird in Hinterzimmern massenweise Kokain konsumiert. Er soll einen Bericht darüber schreiben und gerät selbst in die verbotene Welt der Drogen. Hin- und hergerissen im Wahn zwischen der Armenierin Kalantan und der Italienerin Maud, versucht er aus dem Strudel der Betäubung und Halluzinationen herauszukommen und sieht nur den Ausweg Selbstmord zu begehen...Pitigrillis mehrfach verbotener Roman demaskiert die feine Gesellschaft unter dem Trend des Kokainkonsums, der typisch für die 20er Jahre war. Ohne Umschweife beschreibt er eindringlich die Ursachen, den Verlauf und die Folgen des Einnehmens dieser Droge. Anfangs ist es noch lustig, dann steigert es sich zur Sucht und zur Abhängigkeit, aus der man fliehen möchte und in der Agonie siegt schließlich nur noch das Dahinscheiden aus der Welt. Ich kann den Roman nur weiterempfehlen, denn er zeigt wie Kokain schillernde Persönlichkeiten tatsächlich zu schrillen einbalsamierten Vögeln macht, die zu schnell altern und denen nur der Tod als Erlösung bleibt. Dieser Text wurde von einer 18-jährigen verfasst. Helfen Sie anderen Kunden bei der Suche nach den hilfreichsten Rezensionen
1 von 2 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
4.0 von 5 Sternen
Verwirrend und Genial zugleich,
Von
Rezension bezieht sich auf: Kokain (Taschenbuch)
Das Buch ist ein kurzweiliges Vergnügen. Allerdings gibt es das ein- odere andere störende Element. Zum einen die spanischen, französischen und italienischen Zitate, die nicht übersetzt ein grosses Fragezeichen hinterlassen (keine Angst, es sind nicht allzu viele, aber sie führen zum Punktabzug!). Zudem die Figur Titos. Gerade zu Beginn des Romans wurde gar nicht wirklich klar, weshalb er der Droge Kokain verfällt. Da betritt er eine Pariser Kaschemme, trifft auf ein paar Unterschichtskokser, kauft direkt ein paar Gramm und ist drauf...Dann findet er noch einen gut bezahlten Job, der es ihm ermöglicht, problemlos in dem ihm fremden Paris zu überleben. Selbst dann noch, als er seinen Arbeitgeber übel hintergeht. Das war zu einfach und wirkt so, als ob Pitigrilli wusste was er wollte, sich aber nicht ganz klar war, wie er sein Ziel erreicht. Der Roman nimmt dann aber - spätestens nach Titos Treffen mit der Armenierin Katalan - fulminant Fahrt auf.Die Selbstzerstörung Titos geht einher mit der Sucht nach Maud aliasr Kokaina alias Maddalena. Drei Namen eines Vamps, der ihn - wie das Kokain - zu einem ungewöhnlichen Entschluss führt, der das Ende des nihilistischen Helden herbeiführt. Kokaina scheint Tito eher zu desillusionieren, als es das Kokain macht. Frauen kommen insgesamt in diesem Roman nicht allzu gut weg. Sie werden allesamt als Vamps beschrieben, bereit für ihr eigenes Wohlergehen sich selbst zu verkaufen. Die männlichen Protagonisten scheinen alle verbittert, desillusioniert. Wer keine Drogen nimmt, säuft sich zu Tode. Das Buch wirkt auf mich sprachlich wie inhaltlich immer noch aktuell. Und wäre es nicht in den 20ern geschrieben worden, wäre es ein leichtes es in irgendeine europäische Hauptstadt heutiger Zeit zu verlegen. Noch heutztage wimmelt es von jenen dekadenten, desillusionierten und selbstzerstörerisch agierenden Zeitgenossen, die den Rahmen von Pitigrillis Werk bilden. Das macht es zu einem aktuellen Buch, das lohnt gelesen zu werden. Helfen Sie anderen Kunden bei der Suche nach den hilfreichsten Rezensionen |
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Kokain von Pitigrilli (Taschenbuch - 1. Juni 2002)
EUR 8,99
Auf Lager. | ||