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40 von 45 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
4.0 von 5 Sternen er wurde daraufhin schlagartig von Schmerzzuständen erfasst
Fünf kurze Geschichten von David Foster Wallace, einem noch jungen, amerikanischen Dichter. Fünf unterschiedliche Sichten auf die Welt, auch fünf unterschiedliche Stile oder Stilarten.
In «Tiere sehen dich an» wird von einer Seriengewinnerin der amerikanischen Quiz-Show Jeopardy, erzählt. Diese Geschichte steht am Anfang des Buches, eine kleine...
Veröffentlicht am 20. Juli 2005 von Berthold Knoche

versus
25 von 53 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
2.0 von 5 Sternen Bin ich nun ein Literatur-Banause?
Abgesehen davon, dass auch ich nicht gerne Kurzgeschichten lese, kann ich mich den durchaus positiven Kritiken leider nicht anschliessen.
Wer hat mich eigentlich dazu bewogen, diesen Autor zu lesen? War's Harald Schmidt? Ich weiss es nicht mehr.
Sicher, die beschriebenen Charaktere in diesen Kurzgeschichten sind wirklich skurril (gerade das liebe ich eigentlich,...
Veröffentlicht am 5. Mai 2003 von Cornelia Becker


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40 von 45 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
4.0 von 5 Sternen er wurde daraufhin schlagartig von Schmerzzuständen erfasst, 20. Juli 2005
Von 
Berthold Knoche (Waldsolms / Hessen) - Alle meine Rezensionen ansehen
(REAL NAME)   
Rezension bezieht sich auf: Kleines Mädchen mit komischen Haaren (Taschenbuch)
Fünf kurze Geschichten von David Foster Wallace, einem noch jungen, amerikanischen Dichter. Fünf unterschiedliche Sichten auf die Welt, auch fünf unterschiedliche Stile oder Stilarten.
In «Tiere sehen dich an» wird von einer Seriengewinnerin der amerikanischen Quiz-Show Jeopardy, erzählt. Diese Geschichte steht am Anfang des Buches, eine kleine Hürde, ich finde, sie ist die am wenigsten eingängige des ganzen Buches. Wallace arbeitet hier mit vielen kurzen Szenen, Zeitsprüngen und Ortswechseln. Sie ist trotzdem lesenswert.
«Kleines Mädchen mit komischen Haaren» ist sehr skurril. Der männliche Ich-Erzähler ist ein gut versorgter aber auch gequälter Sohn wohlhabender Eltern, der in seiner neuen Umgebung in eine Punkerclique geraten ist, die ihn zwar finanziell ausnutzt, aber auch so, verschroben wie er ist, akzeptiert. Erzählt wird in einer etwas geschwollenen Sprache die Geschichte eines Jazz-Konzertes-Besuchs. Aus dieser Geschichte entstammt auch das Zitat, das ich für die Überschrift der Rezension gewählt habe:
«Gropes Äußerungen gingen Gimlet zum Teil erheblich auf die Eier, sodass sie Mr. Wonderful bat, Grope ein Weh zu tun. Und so geschah es dann auch. Mr. Wonderful trat Grope voll in den Ranzen, er trug geeignetes Schuhwerk dazu (...). Grope wurde daraufhin schlagartig von extremen Schmerzzuständen erfasst und war gezwungen, sich auf dem Bordstein niederzulassen, mitten in der Schlange vor Keith Jarret, wobei er sich entsprechend den blessierten Ranzen hielt.»
Zu der dritten Geschichte, «John Billy» kann ich nicht viel sagen, ein männlicher Erzähler berichtet einem Kumpel von einem lokalen Helden, mit der Geschichte konnte ich nicht viel anfangen.
In «Mein Auftritt» erzählt eine weibliche Ich-Erzählerin von ihrem Besuch in der Letterman-Show, den Vorbereitungen, all den guten Ratschlägen. Ich weiss nicht, ob er Klischees bedient, mir scheint das schön beobachtet und gut beschrieben, nur war ich halt noch nie da, vielleicht ist es nur so beschrieben, wie ich mir vorstelle, dass es bei Letterman ist. Auf jeden Fall eine sehr schöne Geschichte, die mir viel Spaß gemacht hat.

«Lyndon» ist aus meiner Sicht das Highlight des Buches. Es geht um den Texanischen Senator, amerikanischen Vice-Präsidenten und Präsidenten Lyndon Baines Johnson. Erzählt wird die Zeit von den Vorwahlen bis fast zum Tode des Präsidenten, und zwar aus der Sicht eines Mitarbeiters, Hilfskraft in der Postabteilung am Anfang, Vertrauter am Ende. Die Geschichte würde genug hergeben, für ein ganzes Buch.
Insgesamt ist das Buch für mich eine absolute Bereicherung im Regal, sicher nicht das letzte, was ich von David Foster Wallace gelesen habe.
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44 von 50 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
5.0 von 5 Sternen Literatur ist NICHT tot, 15. Januar 2002
Lange Zeit war ich der Ansicht, dass die moderne Literatur seit J.D. Salinger nichts mehr großartiges hervorgebracht hat. Ich beschäftigte mich lieber mit Proust, Dostojewski oder den Klassikern. Las ich dann doch einmal neuere Bücher wurde ich meistens enttäuscht. Dieses Feuer geschürt hat Marcel Reich-Ranicki, der seinen Ausstieg aus dem Literarischen Quartett den neuen Büchern zuschrieb, die zu 99% schlecht und zu 1% durchschnittlich seien.
Nun, ich bin immer noch dankbar dass man mich auf D.F. Wallace verwiesen hat, denn er hat es mit "Kleines Mädchen mit komischen Haaren" wirklich geschafft, diese Ansichten in mir zu zertrümmern. Obwohl ich wirklich nicht vorbehaltlos an das Buch herangegangen bin.
Seine Sprache ist modern aber zweifellos von einer kraftvollen Brillanz. Und es war auch seine sprachliche Vielseitigkeit (die Geschichte John Billy erinnert gerade durch die Sprache ein wenig an die Zyklopen-Episode des Ulysses), die mich als erstes erkennen liess, dass ich hier was ganz besonderes vor mir liegen hatte. Dann die Themata seiner Stories: hier wird sowohl der Überpräsenz des Fernsehens in unseren Leben Tribut gezollt als auch Ungewöhnliches, was allein schon eine Leistung ist, denn selten wird wohl ein Schriftsteller in der Lage sein, über das Privatleben von Lyndon B. Johnson aus der Sicht eines schwulen Mitarbeiters zu berichten. Oder eine Geschichte über die lesbische Beziehung zwischen einer Jeopardy-Queen und einer Mitarbeiterin der Sendung. Die eines Yuppi-Anwalts, der mit völlig zugedröhnten Punks auf ein Keith Jarret-Konzert geht. Allein schon die Ideen!
Hat man jede einzelne Geschichte erst einmal fertiggelesen, ist es unmöglich, diese auf sich beruhen zu lassen. Überall schimmert ein Stück Surrealität durch die Zeilen und hindert den Leser daran, in die gleiche Oberflächlichkeit zu fallen, die schon viele von Wallace' Charakteren "auszeichnet". Man sieht hier den Einfluss des Werks Franz Kafkas auf Wallace. Am stärksten wird man bei der Story "John Billy" gewahr, dass hier nicht alles so abläuft, wie es normalerweise der Fall ist und man fühlt sich, um den Schlaf zu retten, gezwungen, zwischen den Zeilen zu lesen.
Und bei allem, bei jeder einzelnen Geschichte, sticht diese Sprache hervor, die ungewöhnliche, unkonventionelle, eigene Art von D.F. Wallace, die vorliegenden Dinge zu beschreiben! Ich kann es gar nicht erwarten, sein "Infinite Jest" zu lesen.
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24 von 29 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
5.0 von 5 Sternen Boy With Curious Stories, 3. November 2001
Von Ein Kunde
David Foster Wallace? Trotz guter Kritiken im Sommer zu seinem endlich auch in Deutschland erschienenen Buch "Kleines Mädchen mit komischen Haaren" hat sich dieser Name hierzulande noch nicht wirklich durchgesetzt. Ich bin heilfroh, dass ich auf diesen jungen Autor aufmerksam wurde, der in seiner Heimat den USA ein Star der modernen Literatur ist. Denn so konnte ich mich an seinen „stories" erfreuen, die er in diesem Buch zum Besten gibt. Etwa die von der geheimnisvollen Julie, die bei „Jeopardy" über 700 Mal hintereinander gewinnt und trotzdem nicht glücklich zu sein scheint. Oder die von Edilyn, alternde Schauspielerin der zweiten Garde, die sogar David Letterman durcheinander bringt. Nichts ist so, wie es zunächst scheint. Das bringt einen erst zum Lachen, dann zum Weinen und dann zum Nachdenken. Voller schräger Phantasie, und doch brutal real. Und auf jeden Fall lesenswert!
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8 von 10 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
5.0 von 5 Sternen Skurill und Genial zu gleich!, 13. Februar 2003
Von Ein Kunde
Rezension bezieht sich auf: Kleines Mädchen mit komischen Haaren (Taschenbuch)
Dieses Buch erzählt 6 Kurzgeschichten die meiner Meinung nach sehr skurill und gleichzeitig komisch sind, aber auch zum Nachdenken anregen. Ich habe dieses Buch von David Foster Wallace gekauft nachdem ich ein Interview mit ihm, im Kulturmagazin „Aspekte" auf ZDF gesehen habe, vorher war er mir unbekannt. Ich habe dies nicht bereut und werde nach diesem Buch sicherlich weitere seiner Bücher kaufen. Dieses Buch ist genial geschrieben und in dieser ungewöhnlichen skurillen Form noch nicht begegnet. Ich kann allen die David Foster Wallace nicht kennen, dieses Buch, als Einstieg nur empfehlen!.
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9 von 12 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
5.0 von 5 Sternen Irgendwie anders!!!, 30. Januar 2003
Verifizierter Kauf(Was ist das?)
Rezension bezieht sich auf: Kleines Mädchen mit komischen Haaren (Taschenbuch)
Dieses Buch von Wallace enthält sechs verschiedenartige Kurzgeschichten. Vor weg muß ich sagen, dass ich sonst nicht gerade ein Fan von solchen Kurzgeschichtenbänden bin.
Aber bei Wallace ist das Lesegefühl irgendwie anders. Es gelingt ihm in seinen Geschichten auf eine ganz eigende Art die Charaktere seiner Figuren zu zeichen.
Alle hier abgedruckten Geschichten haben eine irgendwie beängstigend realistische und teilweise mystische Athmosphäre. Auch sehr auffällig ist der unterschiedliche Schreibstil in den verschiedenen Geschichten. Einzelnd gesehen könnte man den Eindruck gewinnen, dass sie alle von einem anderen Autor stammen. Was sehr bemerkenswert ist wie ich finde.
Insgesamt gesehen finde ich dieses Buch von Wallace sehr gelungen, der hier ungewöhliche Geschichten erzählt, wie zum Beispiel die, der lesbischen Jeopardyqueen, die über Jahre nicht geschlagen werden kann, sich schließlich doch auf eine gewisse Art selbst rauskegelt. Aber liest das Buch am besten selbst. Ich zu mindestens war von den abwechselungsreichen und sogar interpretationsfähigen Geschichten sehr überrascht.
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6 von 9 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
4.0 von 5 Sternen Kurzgeschichten mal anders!, 14. August 2003
Rezension bezieht sich auf: Kleines Mädchen mit komischen Haaren (Taschenbuch)
Die sechs Kurzgeschichten von David Foster Wallace regen allesamt den Leser zum Nachdenken an - jedoch auf völlig unterschiedliche Art und Weise.
Zum Teil sind einem die Protagonisten sehr unsympatisch und man empfindet beim Lesen richtigen Widerwillen gegen die beschriebenen Personen - insbesondere bei der ersten Geschichte über eine Punk-Clique, wobei hier die Gefühle dem Protagonisten gegenüber im Laufe der Geschichte von Widerwillen in Mitleid umschlagen, die Geschichte den Leser jedoch trotzdem schockiert zurücklässt. Bei anderen Geschichten überwiegt von Anfang an das Mitleid, wie bei der Geschichte über eine Frau, die in eine Talkshow à la Harald Schmidt eingeladen ist und Angst davor hat, "auseinandergenommen" zu werden.
Auf jeden Fall schafft David Foster Wallace es in jeder der Geschichten, derart starke Gefühle den Protagonisten gegenüber zu entfachen, weil er den Charakteren auf geniale Art und Weise Leben einzuhauchen vermag.
Des weiteren sind die Geschichten sehr skurril, ich denke, wer Ian McEwan mag, wird auch dieses Buch gerne und schnell verschlingen!
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5.0 von 5 Sternen Großartiger Autor, 12. Juli 2012
Verifizierter Kauf(Was ist das?)
Rezension bezieht sich auf: Kleines Mädchen mit komischen Haaren (Taschenbuch)
Wallace ist ein begnadeter Schreiber. keines seiner Bücher langweilt. Die Geschichten sind ausgefeilt und oft mit einem abrupten Schluss! Einfach ein Vergnügen!
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2 von 3 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
4.0 von 5 Sternen Spiel mit dem Feuer, 12. September 2007
Rezension bezieht sich auf: Kleines Mädchen mit komischen Haaren (Taschenbuch)
Es gibt Leser, die wenden sich aus Prinzip keinem Band Kurzgeschichten zu. Die kurze Form, glauben sie, beraubt sie der epischen Breite eines Romans, seiner Möglichkeiten einer Figur zur Geltung zu verhelfen. Immer dann, wenn sie weiter lesen wollen, hört eine Kurzgeschichte einfach auf. Bei manchen Autoren ist man da ganz froh drüber, bei David Foster Wallace nicht. Schrill, verschroben, aberwitzig, frech. Es lassen sich viele Attribute sammeln, um seine Geschichten zu qualifizieren, vor allem sind sie ein Vergnügen, man spart sie sich auf, weil man sie nicht in einem Zug lesen will.

Wallace gibt seinen Figur ihre eigene Sprache mit auf den Weg, kommt auf Kreation wie supi-okai und vermag das, was gute Kurzgeschichten zu leisten vermögen, man vermißt das ausschmückende Beiwerk nicht, weil wir uns mitten in einer Momentaufnahme befinden. Wie bei der Spiegelung in Lyndon, der Provokation in Kleines Mädchen mit komischen Haaren. Das Makabere wird nicht ausgestellt, es ist konsumsüchtig und allgegenwärtig in Wallace Welt.
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3 von 5 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
5.0 von 5 Sternen Aus der Werkstatt der literarischen Postmoderne, 3. November 2009
Von 
euripides50 (Köln) - Alle meine Rezensionen ansehen
(TOP 500 REZENSENT)   
Verifizierter Kauf(Was ist das?)
Rezension bezieht sich auf: Kleines Mädchen mit komischen Haaren (Taschenbuch)
David Foster Wallace ist in aller Munde - besonders nachdem er den Riesenroman Infinitive Jest" fertigggestellt und sich anschließend erhängt hat. Bevor ich mich an das allseits gelobte aber über tausendseitiges Opus Magnum herantraute, wollte ich erst etwas Einführendes lesen, und so griff ich zu der Story-Sammlug "Kleines Mädchen mit komischen Haaren", einem Werk des frühen John Foster Wallace, dass er als Endzwanziger 1989 veröffentlichte.
Das Buch besteht aus insgesamt fünf Geschichten - allesamt zwischen knapp dreißig Seiten bis etwa sechzig Seiten lang und eigentlich lauter kleine Romane in nuce, in denen ein Plot entfaltet und literarische Zivilisationskritik von verschiedenen Standpunkten aus durchgespielt wird. In formaler Hinsicht chargieren sie zwischen einer konventionellen Erzählweise und postmodernen Darstellungsmethoden. So geht es etwa bei der Titelstory "Kleines Mädchen mit komischen Haaren", um die Innenansicht einer Punkergruppe, die ein Keith Jarrett Konzert ( "ein Neger, der sehr gut Klavier spielt") besucht. In "Tiere sehen Dich an" wird die Geschichte einer Jeopardy-Großmeisterin erzählt, die alle ihre Gewinne für die Therapie ihres autistischen Bruders ausgibt, bis sie eben diesem am Ende in der letzten Jeopardy Sitzung unterliegt. John Billy" beschreibt Aufstieg und Fall des rustikalen Chuck Nunn Junior ("Mit zehn schon Haar" am Sack, Bart mit zwölf, Ö-Beine wie ein Cowboy und scharf wie eine Wüstenratte") im Unterschichtenjargon. "Mein Auftritt" dreht sich um den Besuch einer David Lettermann Show, und die Abschlussgeschichte "Lyndon" bietet dem Leser einen Blick auf das Leben des amerikanischen Präsidenten Lyndon B. Johnson"- aus der Sicht eines homosexuellen Zuarbeiters.
Man muss nicht sonderlich lange lesen, bis man begreift, dass man in der vorliegenden Story-Sammlung tatsächlich etwas Besonders vor sich hat. Die Weite der Themen, der sprachliche Zugriff, besonders in der Punker-Story und der Chuck-Nunn-Geschichte, sind befremdend und faszinierend zugleich. Wie alle Adepten der literarischen Postmoderne spart auch Wallace nicht mit Tabubrüchen und Schocks, aber in seinen Geschichten erscheinen sie nirgendwo aufgesetzt sondern durchweg als stimmige Elemente einer durch und durch skurrile Wirklichkeit, mit der der Leser in ganz anderer Weise als sonst in eine gerade schmerzlich intensive Tuchfühlung ( postmodern: Buch-fühlung) gerät.
Gibt es denn bei diesem Jung-Genie gar nichts zu kritisieren? Meiner Ansicht nach nicht viel, wenn man einmal von der immer recht abrupten Schlussgestaltung absieht. Alle Geschichten enden wie ein Loch in der Wirklichkeit, sie sind auf eine aufreizende Weise unvollständig, - was Wallace Fans allerdings nicht verwundern wird, weil doch bekanntermaßen Fragmentparität zum Grundrepertoire der Postmoderne gehört. Es handelt sich aber bei den vorliegenden frühen Geschichten des Meisters ein wenig um eine Fragementalität mit Ansage, d. h. die schlussendliche Offenheit der Erzählungen eröffnet keinen plausiblen Verweisungshorizont sondern bleibt doch sehr im Beliebigen. Allerdings würden Wallace-Jünger hier antworten, dass Beliebigkeit nichts weiter ist als der leere Kern der Welt, womit es wieder passt. Weiß der Geier, das muss ich einfach noch etwas mehr lesen.
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1 von 2 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
5.0 von 5 Sternen Einzigartige Literatur, 10. März 2010
Rezension bezieht sich auf: Kleines Mädchen mit komischen Haaren (Taschenbuch)
Ich kann mich nicht erinnern, wann ich dermaßen in einen Erzählband förmlich hineingesogen worden wäre wie in die Geschichten von Wallace. Man kann dieses Buch nicht zur Seite legen. Das Lob gilt hier sicher auch dem Übersetzer, der die unglaubliche Sprachgewandtheit, den einmaligen Rhytmus und den enzyklopädischen Wortschatz dieses Schriftstellers ins deutsche mitgenommen hat. Die Geschichten sind Einode, mit skurrilem Wortwitz erzählt, die sind Figuren mit einer unheimlichen Kenntnis der menschlichen Psyche gezeichnet, Beschreibungen von Landschaften und Stimmungen sind mit Lust am Wort verfasst, Situationen in so knappen Worten so genau dargestellt, wie es selten zu lesen ist. Wird nicht mein letztes Buch von diesem Schriftsteller sein.
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Kleines Mädchen mit  komischen Haaren
Kleines Mädchen mit komischen Haaren von David Foster Wallace (Taschenbuch - 1. Oktober 2002)
EUR 8,99
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