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21 von 21 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
5.0 von 5 Sternen Ein "Heimatloser" in der Fremde, 21. Januar 2000
Rezension bezieht sich auf: Fiasko (Gebundene Ausgabe)
In einer engen Einzimmerwohnung in Buda lebt von der Außenwelt abgeschottet ein Schriftsteller, genannt "der Alte". Jeden Morgen "(relativ früh: ungefähr zehn)" hängt er gedankenverloren über alte Aufzeichnungen, die sich in einer Mappe unter einem Briefbeschwerer befinden, wenn "der Alte" die Schublade des Sekretärs noch nicht geöffnet hat und immernoch wie jeden Morgen "(relativ früh: ungefähr zehn)" vor dem Sekretär stehend zu denken beginnt. Täglich sinniert er über seine "Ideen, Skizzen, Fragmente", die er aus der Schublade zieht (aber wen interessiert`s). Da ist z.B. der vom Verlag abgelehnte Roman (er bringt seitdem nichts mehr zu Papier, nur Übersetzungen, "sicheres Geld"). Gedanken kreisen in seinem Kopf, ein neuer Roman, das wär`s - aber seine Phantasie ist (wie er selbst) in der engen Einzimmerwohnung eingekerkert.
In beeindruckend kunstvoller Prosa mit (teilweise exzessiven) Wiederhohlungen gelingt es Kertesz, dem Leser das eingekerkerte Dasein "des Alten" nachzuempfinden, ja, manche komplizierten Satzkonstruktionen wird man mehrmals lesen, sodaß der Leser selbst in Wiederholungen gerät und von fesselnder Prosa gefangen wird.
Eines Morgens gelingt es "dem Alten", den Kerker seiner Rituale zu durchbrechen, beginnt einen fiktiven Roman über den Journalisten Steinig zu schreiben, der mit einem Flugzeug in eine fremde Stadt kommt, die ihm vertraut erscheint, aber auch unheimlich. Ein gespenstischer Empfang auf dem menschenleeren Flughafen: er folgt den gleißenden Lichtsrahl eines Scheinwerfers und gerät in die Zangen eines sozialistischen Systems, der ihn "als Diener einer höheren Idee" zum Opfer willkürlicher Entscheidungen diverser Obrigkeiten werden läßt. Mehrmals bekommt er Arbeit, mehrmals verliert er sie wieder (Beschwerden sinlos, er hat zu gehorchen). Steinig muß zum Militär und kommt in arge Bedrängnis, als er zum Gefängniswärter bestellt wird. Erläüft Gefahr, selbst zum Mitverantwortlichen eines unmenschlich totalitären Systems zu werden.
Kertesz läßt den Leser mitfühlen, mitleiden und erinnert an die politischen Verhältnisse der fünfziger Jahre in Ungarn. Auch nach der Lektüre ist man noch gefesselt.
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3 von 3 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
5.0 von 5 Sternen Ein gutes Buch, 14. April 2012
Rezension bezieht sich auf: Fiasko (Gebundene Ausgabe)
Ein Buch, das sich tief in deine Seele gräbt. Doch zu Beginn brauchst du starke Nerven. Die Wiederholungen und die geklammerten Sätze nerven. Doch dann erwischt es dich. Du folgst dem Autor auf seiner kafkaesken Reise durch das zwangsläufige System, welches ihn am Leben hindert. Und du stellst dir die Frage: Bin ich womöglich auch ein ins System Gezwungener?

Und zum Schluss, obwohl niemals etwas zu Ende geht, wenn alle glauben, nun das Leben gewonnen zu haben, erahnt dein Held die schmerzliche und schmachvolle Zukunft im Voraus. Während die Anderen nun draußen wirklich "leben" wollen, bleibt dein Held drinnen und schreibt sein Buch, das er nur im Hier und Jetzt schreiben kann. Genau das ist seine Revolte gegen das Zwangsläufige!

Denn dein Held weiß, was wohl alle ernsthaften Autoren irgendwann erfahren müssen: Wichtiger als das Werk ist das, was der Autor durch das Schreiben erfährt: er darf wählen, eine selbstbestimmte Entscheidung treffen. Daraus folgt der Kampf, der Kampf gegen sich selbst - also der Versuch, das Zwangsläufige zu überwinden. Was sonst sollte Leben bedeuten!

Ein gutes Buch - eins, das einen Platz in deiner Bibliothek verdient hat.
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1 von 1 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
4.0 von 5 Sternen Vom Fiasko der Matroschka-Romane, 8. August 2014
Rezension bezieht sich auf: Fiasko (Taschenbuch)
Der Autor Imre Kertész gehört nach eigenem Bekunden nicht zur nationalen ungarischen Literatur, er sehe sich vielmehr in einer Reihe mit Paul Celan und Franz Kafka. Seine Befürchtung, dass er «ein ewig verkannter und missverstandener Autor bleibe» wurde durch das Nobelkomitee widerlegt, welches ihn 2002 ehrte und zur Begründung anmerkte: «Sein Werk behauptet die zerbrechliche Erfahrung des Einzelnen gegenüber der barbarischen Willkür der Geschichte». Kertész wurde 1944 als Fünfzehnjähriger nach Auschwitz deportiert und gelangte von dort nach Buchenwald, wo er bei Kriegsende befreit wurde. Diese einjährige traumatische KZ-Erfahrung ist prägend für sein gesamtes, stark autobiografisch inspiriertes Werk, hinzu kommen noch die Jahrzehnte der ebenfalls albtraumartigen Zeit während des kommunistischen Regimes in Ungarn. Sein Roman «Fiasko» ist Teil der «Tetralogie der Schicksallosigkeit», der Autor verarbeitet hierin seine Erfahrungen als Schriftsteller in einem autoritären Staatssystem.

In einer eigenwilligen, nebensatzreichen Sprache, ergänzt durch kaskadenartig in Klammer gesetzte, zahlreiche Hinzufügungen und Wiederholungen wird uns «der Alte» vorgestellt, ein erfolgloser Schriftsteller, der in armseligsten Verhältnissen lebt und dessen KZ-Roman über einen jüdischen Jungen im Vernichtungslager (sic!) vom Verlag abgelehnt wurde. Er ist zu journalistischer Gelegenheitsarbeit und zu Übersetzungen genötigt, nimmt jedoch immer wieder seinen Ordner «Ideen, Skizzen, Fragmente» zur Hand, ohne aber tatsächlich einen neuen Stoff zu entwickeln. Die Perspektive wechselt in diesem ersten Teil des Buches häufig zwischen auktorialer und personaler Erzählsituation, was Kertész hier neben seiner ungewöhnlichen Syntax bewusst als Stilmittel einsetzt. Eines Tages aber spannt der Alte plötzlich einen Bogen in seine Schreibmaschine und tippt in Grossbuchstaben «FIASKO» in die Mitte der ersten Zeile.

Im zweiten, größeren und nun ganz konventionell erzählten Teil lesen wir genau diesen Roman. Er handelt von einem Schriftsteller namens Steinig, der in die kafkaeske Welt eines nicht benannten Staates hineingerät und dort Wundersames, Willkürliches und kaum Erklärliches erlebt, ohne recht zu wissen, welche Mächte da am Werke sind. Sein Leben nimmt beruflich und privat immer wieder völlig überraschende Wendungen, und zwischendurch findet er sogar Zeit, einen Roman zu schreiben, der aber abgelehnt wird. Er lernt immer mehr Menschen kennen, sein beliebtester Treffpunkt ist ein Lokal namens «Südsee». Dort verkehrt auch Berg, ein geheimnisvoller Mann, der ebenfalls schreibt und ihm eines Tages nach langem Zureden aus seinem Manuskript mit dem Titel «Ich, der Henker» vorliest, worauf sich eine kontroverse Diskussion anschließt. Am Ende schließlich erfährt Steinig, dass sein Roman doch gedruckt wird. Der Alte aber, der all das geschrieben hat, ist skeptischer als seine Romanfigur: «Seine Person hat er zu einem Gegenstand gemacht, sein hartnäckiges Geheimnis ins Allgemeine verwässert, seine unaussprechliche Wirklichkeit zu Zeichen destilliert», sein einzig mögliches Buch würde nun «das Massenschicksal der anderen Bücher» teilen.

Es ist keine leichte Kost, die da auf ihren Leser wartet. Kertész hat kunstvoll nach Art russischer Matroschka-Puppen drei Romane ineinander verschachtelt und dabei ein unbequemes Thema aufgearbeitet. Er durchleuchtet die Düsternis der menschlichen Seele in unglaublich vielen, tiefsinnigen Gedankengängen. Wer sich die Zeit nimmt und seinen Reflexionen willig folgt, den dürfte diese Lektüre ungemein bereichern.
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3 von 4 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
4.0 von 5 Sternen Das Gefühl der Leere verarbeitet..., 24. April 2003
Von 
Shaun - Alle meine Rezensionen ansehen
(TOP 1000 REZENSENT)   
Verifizierter Kauf(Was ist das?)
Rezension bezieht sich auf: Fiasko (Taschenbuch)
Auch dieser 2. Roman von Kertész ist stark autobiografisch und erzählt von dem „Fiasko", das den „Alten" ereilt, nachdem a) sein „Roman eines Schicksallosen" vom Verlag abgelehnt wird, und b) der Autor sich nach Abschluß einer über 10-jährigen schriftstellerischen Arbeit an dem „einzigen ihm möglichen Roman" in einen leeren Raum geworfen sieht. Zu keiner anderen Arbeit als dem Schreiben taugend, entschließt sich der „Alte" schließlich, das Fiasko selbst zu thematisieren in einem in das Buch eingebundenen Roman. Darin wird das sinnentleerte Dasein des Herrn Steinig in einem Überwachungsstaat (gemeint ist das kommunistische Ungarn) geschildert, der aus dem „Ausland" kommend, sich in dem inzwischen verwandelten Land nicht mehr auskennt. Auch andere Personen scheitern, einziger Rückzugsraum scheint die „Südsee" zu sein, eine Kneipe, in der Steinig essen geht, und wo er sich noch am ehesten aussprechen kann. Steinig wird heimkehrend zunächst als Redakteur gefeuert und zu einem Schlosserdasein verknackt, dann rehabilitiert. Jedoch ist dann die Redakteurstätigkeit beschränkt auf sinnlose Artikel, die er selbst nicht recht versteht. Noch einmal wird er gefeuert, dann zum Militär eingezogen. Wiederum muß er als Aufseher in einem Militärgefängnis einer sinnlosen Tätigkeit nachgehen, wird er „gelebt". Als schließlich das Regime abgeschafft und die Freiheit möglich wird (der Roman erschien 1988 !), kann er nicht das Land verlassen, weil er noch „seinen Roman" schreiben muß, der dann auch zunächst abgelehnt, später angenommen wird. Zuletzt sehnt er sich als arrivierter Autor fast schon zu seinem „Fiasko" zurück, das sich mit den Jahren abnutzt wie der Stein, den Sisyphos immer neu den Berg heraufrollte. - Mit diesem schönen Bild endet das Buch, das sicher ein wichtiges Zeitzeugnis darstellt, aber natürlich nicht an den „Roman eines Schicksallosen" von Kertész heranreicht. (11.04.03)
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5.0 von 5 Sternen Fiasko, 5. Juni 2014
Verifizierter Kauf(Was ist das?)
Rezension bezieht sich auf: Fiasko (Taschenbuch)
...nicht mehr Erfahrungen als im Teil des Verkäufer-Feedbacks angekreuzt; was verlangte Rezensionen zum erworbenen Artikel angeht, so kann und will ich keine abgeben: das wäre nach meinem Verständnis eine unbezahlte Arbeit von recht hohem Aufwand und es wäre immer äußerst subjektiv; da ohnehin von Amazon ein Käuferprofil erstellt wird, würde auch eine solche Aktivität sich erübrigen; Re.
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1 von 3 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
5.0 von 5 Sternen Fiasko!?, 20. April 2013
Verifizierter Kauf(Was ist das?)
Rezension bezieht sich auf: Fiasko (Kindle Edition)
Durch mehrere Freunde stieß ich auf dieses Buch, und es entpuppte sich, als das Buch auf welches ich seit einiger Zeit gewartet habe, der Autor (der doch keine Wahl hatte Autor zu werden) nimmt den Leser auf seine eigene Zeitreise mit und dies (man muss sie mögen) (oder auch nicht) mit einer Unmenge (wobei Unmenge an sich einen negativen Beigeschmack hat) (mich selbst die Klammern aber eher reizten als störten) (gar eine inspirierende Wirkung hatten) Klammern.

Wer nun bei meinem kurzen Text (der "natürlich" mit nicht mit Kertész mitteilen kann) schon genug von Klammern hat, der sollte die Finger von dem Buch lassen, für alle anderen bestellen und genießen!
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Fiasko
Fiasko von Imre Kertesz (Taschenbuch - 2. April 2001)
EUR 9,90
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