newseasonhw2015 Hier klicken mrp_family lagercrantz Cloud Drive Photos Professionelle Fotografie2 Learn More blogger Siemens Shop Kindle Shop Kindle Sparpaket Autorip

Ihre Bewertung(Löschen)Ihre Bewertung


Derzeit tritt ein Problem beim Filtern der Rezensionen auf. Bitte versuchen Sie es später noch einmal.

14 von 16 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich.
am 27. Juli 2008
Ein Freund brachte mich dazu mir den Roman "Plattform" zu kaufen und so kam ich dann - weil ich von Plattform begeistert war - auch zur "Ausweitung der Kampfzone" - ein Buch das mich nicht weniger begeistert hat.
Das Werk von Houellebecq ist getragen von der Sehnsucht und Unmöglichkeit der Liebe in unserer hochgradig individualiserten Welt.
In "Ausweitung der Kampfzone" geht es um einen mittleren Angestellten, der seine berufliche Position gefunden hat aber aufgrund seiner Einsamkeit in schwere Depressionen verfällt.
Der Protagonist ist Informatiker und gewinnt seiner gut bezahlten Arbeit keinerlei Erfüllung ab. Als ihm ein Teilnehmer eines Fortbildungskurses den er durchführen muss, um eine neue Software in den Behörden des französischen Agrarministeriums einzuführen, entgegenhält, dass die Software nur eine Beschäftigungstherapie für die Pariser Bürokratie ist, die auf dem Land nicht benutzt wird, hat der Protagonist nichts zu erwidern. Die Vorführung der Sinnlosigkeit des eigenen Schaffens führt zu keinem Aufbäumen mehr.
Unser Held interessiert sich schließlich nicht für seine Arbeit.
Er ist einsam auf der Suche nach Freundschaft und vor allem auf der Suche nach Liebe. Eine tiefe unerfüllbare Leidenschaft.

Der Roman ist in seinem depressiven Grundton fast schon erdrückend. Daher ist er auch für viele Leser nicht zu empfehlen. Ich bin auch noch einige Tage nachdem ich das Buch weggelegt habe manchmal niedergeschlagen von der Sinnlosigkeit des Lebens, die einem dieses Buch vermitteln will (im Übrigen mit Erfolg!).

Zur Handlung selbst ist genug geschrieben worden, weswegen ich mich auf anders beschränken möchte.
In diesem Buch legt der Autor seinen Lesern in bislang klarster und eindringlichster Form die Kernthese seines Weltbildes vor.
Die gesamte Gesellschaft differenziert sich demnach in zwei Kerndimensionen: ökonomischer (Miß-)Erfolg und sexueller (Miß-)erfolg.
Der stärkere/schönere setzt sich durch. In einer solchen Welt - erschaffen von einer Bewegung, die man wohl als die 68er bezeichnen kann - ist kein Platz mehr für Hoffnung oder gar Romantik.
Die Schwächeren - mit denen Houellebecq sicherlich sympathisiert - bleiben links liegen und werden sich beim Blick in den Spiegel ihres Versagens bewusst. Für Houellebecq gibt es keinen Ausweg aus dieser Situation - und genau diese Ausweglosigkeit ist Thema dieses Buchs.

Das ganze wird eindringlich, aufdringlich und sehr dicht erzählt. Es fiel mir beim Lesen schwer, mich dem Sog der Depression zu entziehen.
Das wir diese These als Roman konsumieren können ist wichtig und gut.
Zwei Punkte sind aber zu kritisieren:
1. Warum so ausweglos? Schwingt da nicht doch die Freude am eigenen Leiden mit?
2. Houellebecq behauptet die Unabhängigkeit von ökonomischem und sexuellem Erfolg. Wenn das nur seinen Protagonisten beträfe wäre es in Ordnung, weil dieser offensichtlich eine beschränkte Perspektive einnimmt. Aber ich werde den Eindruck nicht los, dass H. das selber denkt. Und damit unterscheidet er sich dann in nichts von den dämlichen Ökos, für die H. nicht mal mehr ein Lächeln überhat.
zu 1. Letztlich beschreibt H. nur die Entstehung bzw. das Dasein des sexuellen Subproletariats. Durch das Ende des ökonomischen Fordismus ist eine neue Klasse in Westeuropa entstanden, die wir häufig die Überflüssigen nennen.
Durch andere Entwicklungen gibt es mittlerweile auch in der sexuellen Dimension eine Gruppe der Überflüssigen. Die Exklusion ist insofern besonders hinterhältig, weil die Überflüssigen sich nach nichts mehr sehnen, als nach der Erfüllung des allgegenwärtigen Habitus der sexuellen Individualisierung.
Warum eigentlich? Nach der Theorie der kognitiven Dissonanz wäre es doch wahrscheinlich, dass sich die "Verlierer" der sexuellen Revolution von den Idealen der Mehrheit verabschieden, da das tägliche Scheitern unerträglich ist. H. will das nicht nachzeichnen, vielleicht weil er es für Selbstbetrug halten würde und es ihm darum geht das Scheitern des gewöhnlichen Menschen an der gewöhnlichen Gesellschaft darzustellen - gut!
Aber auf die Dauer ist es zu radikal, Selbstbetrug ist allgegenwärtig - auch bei den sexuell "erfolgreichen" - und es gibt kein richtiges Leben im Falschen. Aber H. will sein Kreuz noch nicht bei der CDU machen, um einmal an "Die fetten Jahre sind vorbei" zu erinnern. Emotional nachvollziehbar und als Künstler gesellschaftlich anerkannt leistet sich H. den Luxus Figuren nachzuzeichnen, die dem Scheitern als Passion nachgehen können und den Versuch leben GLÜCKLICH zu sein. Was liefert eine solche Darstellung seinen (Mittelschicht-)Lesern, die von Ängsten zerfressen vor allen Dingen nach ZUFRIEDENHEIT streben?

zu 2. Das sexueller und ökonomischer Erfolg voneinander unabhängig sind ist eine lächerliche Annahme. Als ich das gelesen habe musste ich spontan daran denken, wie mir einmal ein Ehepaar erzählt hat, dass sie sich sicher seien, dass man auch ohne Geld glücklich sein könne. Dies hätten sie gemerkt, als sie im Sommerurlaub (!) auf Bali (!!) mit einem Cocktail (!!!) den Sonnenuntergang angeschaut hatten.

Fazit: Ein toller, berührender Roman. Aber die Thesen, die H. entwickelt und um die es ihm mehr und mehr zu gehen scheint sind lediglich in der Form des Romans tragbar. Isoliert betrachtet sind sie zu holzschnittartig. Das mindert den Wert des Buches für einige, weil sie sich den Gedanken nicht öffnen können - das Werk st zu sperrig. Mir macht es eher Spaß H.s Erklärungsversuche für unsere Kultur im Alltag anzuwenden und somit mal ein wenig gegen den Strom zu denken - aber bitte nicht für immer...
11 KommentarWar diese Rezension für Sie hilfreich?JaNeinSenden von Feedback...
Vielen Dank für Ihr Feedback.
Wir konnten Ihre Stimmabgabe leider nicht speichern. Bitte versuchen Sie es später noch einmal.
Missbrauch melden
7 von 8 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich.
Zum Inhalt:
Der namenlose Erzähler ist ein alternder, desillusionierter Informatiker, der den Auftrag bekommt, die Einführung einer neuen Software im Landwirtschaftsministerium zu übernehmen. Ihm zur Seite steht dabei Tisserand, ein hässlicher, vorlauter Mann, der sich selbst als Offenbarung für die Frauenwelt sieht, wobei diese dies jedoch bisher nicht entdeckt zu haben scheint.

Doch im Grund bietet dieses Gerüst nur den Aufhänger für die tristen, lebensverneinenden Schilderungen und Gedanken des Erzählers, der, in der selbst geschaffenen sozialen Isolation gefangen, dem Leben keinen tieferen Sinn und sich selbst keinen Daseinszweck bescheinigen kann.

Die Depressionen des Erzählers steigern sich im Verlauf der Geschichte umso mehr, als ihm auch die letzten sozialen Bindungen abhandenkommen.

Rezension:
Der Roman-Erstling Houellebecqs, lange wollte ich ihn schon gelesen haben, nachdem Die Möglichkeit einer Insel" und auch Elementarteilchen" mich zu begeistern wussten. Die geschilderte Tristesse, die Überlegenheit der Schönen und Jungen gegenüber der alternden, der hässlichen Bevölkerung als System sozialer Hierarchien in punkto Sexualität wird mit einer derartigen Vehemenz dargebracht, als unabänderlich verkauft, und macht dabei den Verdruss des Erzählers deutlich, der es leid ist, in dieser den erdachten Marktgesetzen unterworfenen Gesellschaft einen der unteren Ränge zu bekleiden und somit nichts wert zu sein. Dies alles schildert die Figur Houellebecqs mit einer Sprachgewalt die Ihresgleichen sucht. Oft driftet der Erzähler ab und verfällt in einen lehrerhaften Ton und vermittelt einem Referat gleich seine Auffassungen zur Welt, dem Leben, der Gesellschaft.

Die Gründe für diese Verbitterung werden nur unzureichend beleuchtet, bis auf, dass wir erfahren, dass seine letzte Freundin, seit sie in die Fänge eines Psychoanalytikers geraten war, eine regelrechte Schlampe geworden sei.

Der Erzähler seziert subjektiv und abgründig die ihn umgebenden Personen und Zustände, wie auch sich selbst und das eigene Verhalten. Dabei demontiert er auch mehr und mehr die eigene unnütze Existenz und schlittert immer tiefer in seinen Sog aus Abscheu und Verzweiflung. Das alles mag sich furchtbar anhören und in keinster Weise spannend, doch Houellebecq versteht es in seiner unnachahmlichen Art, dem Leser tatsächlich ein Quäntchen Sympathie für den Erzähler abzuringen. Und selbst sollte er dies nicht schaffen, ist dieses Portrait eines Depressiven so schillernd und facettenreich, dass man es einfach gelesen haben muss.

Den großen Kultroman, wie er von vielen propagiert wird, erkenne ich in Ausweitung der Kampfzone" nicht, doch blitzt hier und da schon ein Stück weit die sprachliche Eleganz des späteren Houellebecq durch und in diesem Kontext kann ich dieses Buch nur jedem empfehlen, der dem Autor etwas abgewinnen kann.
0KommentarWar diese Rezension für Sie hilfreich?JaNeinSenden von Feedback...
Vielen Dank für Ihr Feedback.
Wir konnten Ihre Stimmabgabe leider nicht speichern. Bitte versuchen Sie es später noch einmal.
Missbrauch melden
84 von 102 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich.
am 23. Juli 2005
In Ausweitung der Kampfzone erzählt Michel Houellebecq von einer Welt, in der jegliches menschliches Verhalten den Marktgesetzen unterworfen ist, und von denjenigen, die nicht über genügend Tauschmittel (gutes Aussehen, Erfolg, Geld) verfügen, um an diesem Leben teilzunehmen.
Die äußere Handlung des Romans ist schnell erzählt. Ein kleiner Angestellter eines Software-Unternehmens wird im Auftrag des Landwirtschaftsministeriums - zusammen mit einem Kollegen namens Tisserand - auf eine Dienstreise geschickt, um Software-Schulungen durchzuführen. In einer Reihe episodenhafter Geschehnisse wird die Hoffnungslosigkeit und Verlorenheit des Protagonisten in der Welt deutlich.
Wie Camus' Held Meursault in „Der Fremde" ist auch die Hauptperson in Houellebecqs Roman ein Franzose, der bar aller Bindung und ohne Liebe gleichgültig dahinlebt. Auch der Ton der beiden Werke gleicht sich. Dem „Heute ist Mama gestorben. Vielleicht auch gestern, ich weiß nicht." setzt Houellebecq ein: "Von Zeit zur Zeit bleibe ich am Straßenrand stehen, rauche eine Zigarette, weine ein bißchen und fahre weiter." entgegen. Es gibt weitere Parallelen zum Werk Camus', und auch eine gewisse Nähe zu Sartres „Der Ekel" lässt sich nicht leugnen, aber dennoch setzt „Ausweitung der Kampfzone" nicht die Reihe französischer existenzialistischer Nachkriegsromane fort, denn anders als Antoine Roquentin in Sartres „Der Ekel" versucht Houellebecqs Protagonist nicht, seinem Ekel in und vor der Welt auf den Grund zu gehen, sondern nimmt ihn mit fatalistischer Gelassenheit als unabänderlich hin. Houellebecqs Helden erleben nie die von Ernst Bloch beschriebenen „Melancholie des Erreichten", weil sie sich in einem Stadium fortwährender Melancholie des Unerreichbaren befinden.
Das Traurige an Houellebecqs Geschichten ist deshalb nicht, dass es einer Minderheit, die sich durch Beruf, Konsum und sexuelle Erfolge definiert, gelingt, die Mehrheit als Lebensverlierer abzustempeln, sondern dass Houellebecqs Helden auch noch mit Neid auf eben jenes wohlhabende Erlebnisproletariat schauen, das meint alles zu haben, nur weil es sich jederzeit überflüssige Konsumgüter leisten und Sex haben kann.
In Houellebecqs Helden stürmt und drängt nichts, ihnen fehlt jeglicher Idealismus, die Welt nach ihren Vorstellungen zu formen. Wenn Rüdiger Safranski recht damit hat, dass Idealismus ist, wenn man mit der Kraft der Begeisterung länger lebt, als es der Körper erlaubt, dann sind Houellebeqcs Helden bereits tot, ohne es zu wissen. Mit Houellebecq ist also kein Weltverbesserer am Werk, sondern ein pessimistischer Realist, der sich fragt, warum wir bloß nie, nie geliebt werden. "Pourquoi ne pouvons-nous jamais, jamais, être aimés?" (aus Houellebecq, Suche nach Glück, S. 62, 63).
0KommentarWar diese Rezension für Sie hilfreich?JaNeinSenden von Feedback...
Vielen Dank für Ihr Feedback.
Wir konnten Ihre Stimmabgabe leider nicht speichern. Bitte versuchen Sie es später noch einmal.
Missbrauch melden
1 von 1 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich.
Es handelt sich um den Debütroman von Michel Houellebecq aus dem Jahr 1994. Seitdem gilt Houellebecq als (begabter) Provokateur. Ihm gelingt es zweifelsohne, Atmosphäre zu schaffen. Das gesamte Werk ist aufgeladen mit negativer Energie.

Bereits das kurze erste Kapitel wirkt obszön, vulgär und dekadent. Der namenlose Ich-Erzähler, ein 30jähriger Informatiker, ist ein extremer Zyniker. Seine destruktiven Beschreibungen prägen den gesamten Roman. Zum Beispiel findet er in einem Geschäft einen Toten, ohne das irgendeine Dramatik entsteht (73), charakterisiert er Rouen als "grau, schmutzig, schlecht erhalten, ... von Lärm und Luftverschmutzung versaut" (75) und äußert sich herablassend zu einem Brautpaar, welches vor einer Kirche steht. (78)

Einen Erklärungsansatz liefert der Autor ein paar Seiten weiter. "Der Wirtschaftsliberalismus ist die erweiterte Kampfzone, das heißt, er gilt für alle Altersstufen und Gesellschaftsklassen. Ebenso bedeutet der sexuelle Liberalismus die Ausweitung der Kampfzone, ihre Ausdehnung auf alle Altersstufen und Gesellschaftsklassen." (110)

Neoliberale Maßstäbe gelten nicht nur für die Wirtschaft, sondern auch unmittelbar für die Menschen. Diese werden nach ihrem Marktwert beurteilt und damit zum Objekt. An dieser fundamentalistischen und letztlich unmenschlichen Betrachtungsweise scheitern nacheinander Arbeitskollege Tisserand und der Ich-Erzähler. Es gibt nur Sieger und Verlierer und wem die Natur übel mitspielt, hat eben Pech gehabt.

Auffallend und auch seltsam sind die zwischenzeitlichen Wechsel von der Ich-Perspektive auf eine Metaebene, die Ebene des Autors ("Die folgenden Seiten bilden einen Roman" (16), "Das fortschreitende Verlöschen zwischenmenschlicher Beziehungen bringt für den Roman allerdings einige Schwierigkeiten mit sich." (46)).

Houellebecq ist ein ungewöhnlicher Autor. Mir würde kein zweiter einfallen, der mit ihm vergleichbar ist. Wenn sein Ziel darin besteht, eine Welt zu konstruieren, in der der Mensch ausschließlich nach seinem Marktwert beurteilt wird, ist ihm das auch gelungen. Der Roman ist destruktiv bis zur Selbstzerstörung.
0KommentarWar diese Rezension für Sie hilfreich?JaNeinSenden von Feedback...
Vielen Dank für Ihr Feedback.
Wir konnten Ihre Stimmabgabe leider nicht speichern. Bitte versuchen Sie es später noch einmal.
Missbrauch melden
16 von 20 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich.
Houellebecqs erster Roman "Ausweitung der Kampfzone" ist mit nur knapp 150 Seiten recht kurz. Doch deutlicher als in seinen bekannteren Spätwerken konfrontiert der Autor den Leser hier mit seiner Philosophie. Und das schmerzt und ist verletzend, da man spürt, dass Houellebecq genau die einfachen Wahrheiten ausspricht, denen man sonst pikiert ausweicht.

"Ich liebe diese Welt nicht. Ich liebe sie ganz entschieden nicht. Die Gesellschaft, in der ich lebe, widert mich an" (82). Der dreißigjährige Erzähler ist ein verbitterter und zynischer Misanthrop, der seinen Job als Informatiker hasst und sich keine große Mühe gibt, seine Verachtung gegenüber seinen Mitmenschen zu verbergen. Eines Tages wird er mit seinem Kollegen Raphael Tisserand auf Geschäftsreise geschickt. Tisserand wird vom Erzähler als ein Mensch von abrundtiefer Hässlichkeit beschrieben: "Er ist so hässlich, daß er die Frauen abstößt und es ihm nicht gelingt, mit ihnen zu schlafen. [...] Er hat exakt das Aussehen einer Büffelkröte – fleischige, grobe, breite, deformierte Züge, genau das Gegenteil von Schönheit. Seine glänzende Aknehaut scheint unaufhörlich ein fettiges Sekret auszuschwitzen. Er trägt eine Bifokalbrille, denn zu allem Überdruß ist er stark kurzsichtig – aber ich fürchte, wenn er Kontaktlinsen trüge, würde das auch nicht viel ändern" (55f.)

Während der Reise versucht Tisserand ständig Frauen aufzureißen, was auf Grund seiner Hässlichkeit immer mit einer Demütigung endet. Irgendwann platzt dem Erzähler der Kragen und er konfrontiert Tisserand mit der nackten Wahrheit: "Der sexuelle Mißerfolg, Raphael, den du seit der Pubertät erfahren hast, die Frustration, die dich verfolgt, seit du dreizehn bist, werden in dir eine unauslöschliche Spur hinterlassen. [...] Die Wunde in dir schmerzt, sie wird immer schmerzhafter werden. Eine schreckliche, unbarmherzige Bitterkeit wird am Ende dein Herz erfüllen. Für dich gibt es weder Erlösung noch Linderung" (116).

Houellebecqs Erstlingswerk wird oftmals als Gegenbuch der Moderne bezeichnet. "Ausweitung der Kampfzone" ist eine brutale Abrechnung mit der liberalen Sexualethik der 68er Generation. Der Autor vergleicht den Kampf um Sexualpartner mit dem Wirtschaftsliberalismus: "Wie der Wirtschaftsliberalismus [...] erzeugt der sexuelle Liberalismus Phänomene absoluter Pauperisierung" (99). Sprich, es gibt ein paar Gewinner, aber die meisten, die Hässlichen, bleiben auf der Strecke und sind dazu bestimmt, ein Leben voller (sexueller) Demütigungen zu führen.

Fazit: Mit brutal minimalistischer Sprache zeichnet Houellebecq den Menschen als reines Triebwesen, der dazu bestimmt ist, ein Leben voller Frust und Einsamkeit zu führen. Einen Ausweg gibt es nicht.
0KommentarWar diese Rezension für Sie hilfreich?JaNeinSenden von Feedback...
Vielen Dank für Ihr Feedback.
Wir konnten Ihre Stimmabgabe leider nicht speichern. Bitte versuchen Sie es später noch einmal.
Missbrauch melden
5 von 6 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich.
am 10. März 2009
Ganz selten gelingt es Literatur, den Leser auf eine Reise mitzunehmen, an deren Ende sich etwas verändert hat. Die Welt, die Sicht auf einzelne Dinge, das plötzliche Fehlen falscher Illusionen. Obwohl es nur ein paar Seiten geschriebener Text waren, ist das Echo nachhaltig und beeindruckend. Hier ist so ein Text. Ausweitung der Kampfzone erzählt von den Zaungästen der schönen, freien Welt. Doch hier ist es nicht die klassische Armut, also das Fehlen von Wohlstand, die ein Gefühl der Leere und Hilflosigkeit entstehen lässt, sondern der Mangel an körperlicher Attraktivität und Jugend, der sich wie eine unüberwindbare Mauer um das Leben der Einzelnen legt.
Kein leichter Text, eher sperrig und manchmal sogar seltsam abschweifend. Aber mit einem sehr selten erlebten Nachhall.
0KommentarWar diese Rezension für Sie hilfreich?JaNeinSenden von Feedback...
Vielen Dank für Ihr Feedback.
Wir konnten Ihre Stimmabgabe leider nicht speichern. Bitte versuchen Sie es später noch einmal.
Missbrauch melden
1 von 1 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich.
am 28. September 2001
Ein wunderbar offener und schonungsloser Roman, mit einem großem literarischen wie philosophischen Potential. Ein intellektuelles Schmankerl sozusagen, daß sich kein Leser entgehen lassen sollte, der einen ironischen Blick auf sein eigenes vermeintlich verpfuschtes Sexualleben werfen möchte.
Zitat "In meine Wohnung kehrte ich ohne rechte Begeisterung zurück. Die Post beschränkte sich auf eine Zahlungserinnerung für ein erotisches Telefongespräch (Natascha stöhnt live) und einen Brief der Firma Trois Suisses über einen neuen Telefonservice namens Chouchoutel, der die Essenbestellung vereinfacht."
0KommentarWar diese Rezension für Sie hilfreich?JaNeinSenden von Feedback...
Vielen Dank für Ihr Feedback.
Wir konnten Ihre Stimmabgabe leider nicht speichern. Bitte versuchen Sie es später noch einmal.
Missbrauch melden
1 von 1 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich.
am 20. April 2005
Gnadenlos und ohne ein Tabu auszulassen zieht Michel Houellebecq über die Welt her. Und wenn ein Thema, dass er behandeln will, gerade nicht in den Kontext passt, fügt er Ausschnitte aus Tiergeschichten ein, die sein Ich-Erzähler hobbymäßig schreibt.
Dieser ist ein Außenseiter in Perfektion: Informatiker, allein lebend, keine Freunde, verzweifelt.
Auf jeden Fall absolut lesenswert, allerdings nichts für schwache Nerven, denn dieses Buch nimmt unsere Welt richtiggehend auseinander.
0KommentarWar diese Rezension für Sie hilfreich?JaNeinSenden von Feedback...
Vielen Dank für Ihr Feedback.
Wir konnten Ihre Stimmabgabe leider nicht speichern. Bitte versuchen Sie es später noch einmal.
Missbrauch melden
4 von 5 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich.
am 3. April 2009
"Kampfzone" enthält alle Elemente eines typischen Houellebecqs: Detaillierte Schilderungen der sexuellen Phantasien des Autors, Abgründe unserer Gesellschaft und die erfolglose Suche nach Liebe und Glück, geschrieben im typischen beiläufig-ironischen Stil. Nebenbei rechnet H. mit schwerfälliger Behördenbürokratie und egoistischen Karrieristen ab. Wie üblich teilweise erschreckend und mitunter humorvoll, jedoch noch nicht so ausgereift wie Plattform, trotzdem ein Muß für alle Fans - und für aufstrebende Angestellte der Softwarebranche.
0KommentarWar diese Rezension für Sie hilfreich?JaNeinSenden von Feedback...
Vielen Dank für Ihr Feedback.
Wir konnten Ihre Stimmabgabe leider nicht speichern. Bitte versuchen Sie es später noch einmal.
Missbrauch melden
1 von 1 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich.
am 26. Juli 1999
Wenn wir ehrlich sind, steckt in jedem von uns ein Teil des Romanhelden. Das im Buch beschriebene Stadium der Depression und Ausweglosigkeit nimmt hier allerdings teilweise animalische Züge an. Letztendlich beweist uns das Buch, daß die Frustration der Romanfigur und dessen Verhalten auf dem Mangel an Anerkennung und Liebe basiert. Trotz allem schafft es das Buch den Leser teilweise in eine Art Endzeitstimmung zu versetzen.
0KommentarWar diese Rezension für Sie hilfreich?JaNeinSenden von Feedback...
Vielen Dank für Ihr Feedback.
Wir konnten Ihre Stimmabgabe leider nicht speichern. Bitte versuchen Sie es später noch einmal.
Missbrauch melden
     
 
Kunden, die diesen Artikel angesehen haben, haben auch angesehen
Unterwerfung: Roman
Unterwerfung: Roman von Michel Houellebecq (Gebundene Ausgabe - 16. Januar 2015)
EUR 22,99

Elementarteilchen (Taschenbücher)
Elementarteilchen (Taschenbücher) von Michel Houellebecq (Broschiert - 8. Oktober 2014)
EUR 9,99

Karte und Gebiet (Taschenbücher)
Karte und Gebiet (Taschenbücher) von Michel Houellebecq (Broschiert - 22. Februar 2012)
EUR 9,99