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TOP 500 REZENSENTam 23. Juli 2011
Wann immer ich einen Hemingway Roman lese, läuft es etwas nach dem gleichen Schema ab: Erst beginne ich und die Geschichte tröpfelt so dahin, dann kommt eine kurze Zeit, in der ich das Buch sehr langatmig finde und mich in den endlosen kurzen, knappen Dialogen verliere und den merkwürdigen Formulierungen und dann, dann werde ich plötzlich ergriffen von dem Sog und bin am Ende vollkommen überrascht, dass ich so berührt bin.

Ja, Hemingway hat mich immer wieder mit der Welt und mit sich selbst versöhnt. Man kann ihm, seinen Büchern und auch seinen Übersetzungen viel nach sagen, aber zweierlei wird mich immer an Hemingway faszinieren und mich ihn immer wieder einen Sprachmeister nennen lassen: Erstens seine knappe Sprache, die nicht karg ist, ganz im Gegenteil, sondern Räume erschafft, in denen so viel mehr gesagt wird, als in den blumigsten Sprachgebilden - und die unglaublich Dichte in jedem seiner Bücher.

Erklären kann ich das hier nicht, nur beschreiben und darauf vertrauen, dass jemand vielleicht weiß, was ich meine, wenn ich von einer Sprache spreche, die so bedacht ist auf ihren, viel offen-lassenden, spartanischen Charakter, dass sie durch diese subtile Kunst des Auslassens, Weglassens, dieser Kenntnis von Vielem, aber der Darstellung von Wenigem, eine so große Kraft des Unsagbaren erschafft, wie sie auch oft in Wirklichkeit empfunden wird. Es ist, als wären Stimmungen in Hemingways Büchern keine Frage des Ausdrucks der Wörter, sondern sie kämen allein aus einem selbst, wenn man versucht das nachzuempfinden, was seine Charaktere fühlen. Als würde Hemingway Romane schreiben, die uns dazu veranlassen, viel von uns selbst nach zu erleben, oder zumindest Ideen von Gefühlen - womit ich nicht pseudophilosophisch werden will, aber anders kann man es nicht formulieren.

Fiesta ist vor allem ein Dialogstück, fast 3/4 des Buches bestehen aus Dialogen. Es geht um Liebe und es geht um das fliehende Glück, die verstreichende Zeit und den Ort an dem man sich zu Hause fühlt und die verlorene Generation, die sich überall ein wenig verlassen fühlt. Man verbringt trunkene Nächte in Paris, der Stadt, in der soviel möglich ist, dass es unmöglich scheint hier irgendwann zu "werden" und nicht nur zu sein. Ein Ausflug nach Spanien, zur Fiesta, wird zum Spiel mit Gefühlen wie Sehnsucht und der Suche nach einem wirklich ausgereizten Leben, doch auch hier ist zwar alles auf die Spitze getrieben, aber auch hier lebt jeder sein leben und stirbt auch - und nicht nur am Ende. Überall wird gestorben, auch wenn man das Leben noch so sehr herausfordert - man könnte sagen: In Fiesta schreibt Hemingway sein eigenes Leben vor; wie Ödipus weiß er hier schon, hat es zwischen den Zeilen niedergeschrieben, dass man weiter nicht kommt, als bis Paris, bis zur Fiesta - und doch hat er es versucht.

"Sieht man dich in Paris?"
"Nein. Mein Schiff geht am Siebzehnten. Auf Wiedersehen, alter Kerl."
"Auf Wiedersehen, mein Junge."
Er ging durch die Sperre an den Zug. Der Träger ging mit dem Gepäck voraus. Ich sah noch, wie der Zug sich in Bewegung setzte. Bill stand an einem der Fenster. Das Fenster verschwand, der Rest des Zuges verschwand - das Gleis war leer.
Ich ging zum Auto zurück.

Nachtrag: Übrigens: Wer über die Übertragungen von Annemarie Horschitz-Horst meckert sollte beachten, dass Hemingway sie ausdrücklich als einzige Übersetzerin seiner Werke ins Deutsche befürwortet hat. Damit will ich nicht über die Qualität urteilen, doch ich denke, diese Information sollte hier bekannt sein.
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am 21. August 2011
Ich fand es wunderbar, mich für einige Stunden in die 1920er Jahre zurückversetzen zu lassen, mit eine Clique von Bohemiens durch die Pariser Kneipen und Cafes zu schlendern, ihren Dialogen zu folgen und ihr melancholisches Lebensgefühl nachzuvollziehen. Mit wenigen Worten schafft Hemingway eine Atmosphäre, in die ich vollkommen eintauchen konnte. Die Mitglieder der Gruppe brechen auf und reisen nach Spanien, um die Fiesta in Pamplona mitzuerleben. Das ist der absolute Höhepunkt des Romans. Obwohl weiterhin nicht viel passiert und die Künstler überwiegend in Bars herumhängen, trinken und sich in nicht gerade tiefschürfenden Dialogen verlieren, steigt die Spannung und die Atmosphäre verdichtet sich. Das Exzentrische, das Kraftvolle, das Dekadente der Feier und des Stierkampfes springen über und zogen mich in ihren Bann. Nebenbei laufen die Beziehungsgeschichten innerhalb der Künstlerclique weiter und führen schließlich wieder hinaus aus Pamplona. Die Bohemiens trennen sich und es kommt zu einem Ende, das jeder für sich interpretieren mag. Ich fand das Buch mitreißend. Mir liegt die knappe Sprache, die so viel mehr erkennen lässt, als eigentlich geschrieben steht.
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„Fiesta" ist ein typischer Hemingway-Roman mit autobiographischen Zügen. Es wird viel getrunken, gereist, geliebt und intensiv gelebt. Bücher, Alkohol, Reisen und Frauen - das sind die immer wiederkehrenden Themen in Hemingways Romanen. Und auch Tod und Krieg. In seinem Romandebüt „Fiesta" von 1926 geht es um die „Lost Generation", also die jungen Leute, die vom Ersten Weltkrieg in Mitleidenschaft gezogen wurden. Seine persönlichen Fronterlebnisse hat er ausführlich in dem Roman „In einem anderen Land" geschildert. In „Fiesta" geht es um die Zeit nach dem Großen Krieg, der die Welt völlig veränderte. Der Roman liest sich äußerst flüssig, sein Alter ist ihm nicht anzumerken. Hemingways Geschichten sind voller Leben und Leidenschaft. Seine Liebe erklärt er dieses Mal ganz besonders den Spaniern. Spanien und der Stierkampf faszinierten ihn so sehr, daß er diesem Thema mit „Der Tod am Nachmittag" ein eigenes Buch widmete. Sehr viel weniger freundlich äußert er sich in „Fiesta" über die Franzosen. Ein Spanier sei von Herzen freundlich, ein Franzose nur dann, wenn er dadurch einen Vorteil erlangt. Eine sehr subjektive Meinung, die ich nicht teile, mich aber amüsiert hat. Frankreich und hauptsächlich Spanien sind also die Orte in denen dieser Roman spielt. Der Ich-Erzähler trifft auf andere Amerikaner und Einheimische, erlebt manch interessantes Abenteuer und fragt sich was er mit der Lebenszeit machen soll, die ihm noch verbleibt. Eine etwas melancholische, schwüle und dekadente Stimmung zieht sich durch die gesamte Geschichte. Man fühlt sich ebenfalls ein wenig verloren, aber auch unter guten Freunden.
Ein interessanter Roman über das Leben!
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am 5. September 2006
Über die Geschichte und den Hintergrund des Romanes muss nicht mehr viel gesagt werden. Seine Stellung innerhalb des Gesamtwerkes ist bekannt und ist beispielhaft für das frühere Schaffen Hemingways. Die Handlung ist angesiedelt in den 20ger Jahren des letzten Jahrhunderts. Die Hauptfigur des Buches, Jake, ist amerikanischer Korrespondent in Paris und weisst insofern einige biografische Ähnlichkeiten mit Hemingway selbst auf.

In brillianten Dialogen gelingt es Hemingway die Gesellschaft der bohemischen Künstler zu beschreiben und vielmehr zu kritisieren. Ohne Aussicht auf Änderung und mit dem Traum irgendwann etwas von Dauer, etwas großes zu erschaffen fristen Jake und seine Freunde ihr Leben. Getrieben von einem Szenelokal ins nächste, unfähig sich dem Leben selbst zu stellen oder zu lieben. Die Eindringlichkeit mit der Hemingway ganz offen diesen Lebenstil kritisiert, indem er ihn ohne Verschönerung oder BEsserstellung zur Schau stellt ist bemerkenswert. Nach dem Lesen ist man wie traumatisiert, das Schicksal der Hauptfiguren lässt einen nicht mehr los und schafft eine gewisse Melancholie. Auch wenn es auf den ersten Blick vielleicht nicht ersichtlich ist, reiht sich der Roman nahtlos in die späteren Werke Hemingways ein. Es wird klar, was nach seiner Ansicht wirklich zählt im Leben. Das träge Nachhängen einer Vorstellung, der unbegründete Glaube an eine Illusion ist es nicht. Es geht darum sein Leben in die Hände zu nehmen und sich nicht den Gegebenheiten auszuliefern, auch wenn es nicht immer leicht ist. Das hört sich jetzt vielleicht theatralisch an, wird aber klar, sobald man die letzte Seite gelesen hat. Wie sehr Hemingway diesen Weg verfolgte wird angesichts seiner Entscheidung sich das Leben zu nehmen klar. Seine Bestimmung war das Schreiben, dies nicht mehr tun zu können und die Aussicht auf ein inhaltloses Leben liessen ihn diese Entscheidung treffen. (An dieser Stelle empfehle ich "Papa Hemingway", von A. E. Hotchner - eine bewegende Biographie der letzten 14 Jahre Hemingways)

p.s. Wer in diesem Buch nur die blutrünstige Schilderung spanischer Stierkämpfe sieht, der sollte über den Tellerrand hinausschauen. Eine solche Reduzierung hat dieser Roman nicht verdient und ist desweiteren völlig fehl am Platz und unbegründet.
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am 18. Juni 2013
Der für mich schönste und kraftvollste Roman Hemingways. Die Übersetzung bzw. der Stil ist zwar hier und da veraltet, aber wer sich mal das Original anschaut, der erkennt rasch, dass Annemarie Horschitz-Horst als Übersetzerin schon eine echte Hausnummer gewesen ist. Hut ab! Vielleicht wäre es an der Zeit, den Text im Rahmen eines behutsamen Lektorats mal ein bisschen aufzupolieren (das übernehme ich sehr gerne, bitte melden in der Kommentar-Funktion - und keine Bange, ich habe Referenzen), aber grundsätzlich bringt die deutsche Fassung die Melancholie, Traurigkeit, Verlorenheit und Lebensgier der Figuren großartig rüber.
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am 29. November 2015
... und dennoch geht die Sonne auf.

ich war in der Ausbildung bei der Polizei und las Bukowski und der empfahl Hemingway und als ich krank war schlich ich mich aus der Unterkunft und fuhr in die Stadt und kaufte mir "Fiesta". Ich legte mich, zurück auf dem Krankenlager, ins Bett und begann "Fiesta" zu lesen. Ich verstand am Anfang nichts. Scheiß-Anfang dachte ich wie "Krieg und Frieden" von Tolstoi. Und genau so war das auch: Fing scheiße an und wurde immer besser. Danach, nachdem ich das Buch gelesen hatte, war nichts mehr wie zuvor. Ich las auch noch Paris- ein Fest fürs Leben und "In einem andern Land" und dann ALLES von Hemingway. Manches war auch nicht so gut. Aber " Fiesta" hatte mein Leben verändert.
Mit zwei Freunden wollten wir nach Pamplona fahren. Wir kamen bis Mimizan-Plage. Dort lernte ich die Mutter meines Sohnes kennen.
Ich kündigte bei der Polizei, am Tag der Ernennung zum "Lebenszeitbeamten". Ich fand eine Arbeit bei der Botschaft Paris, nannte meinen Sohn mit viertem Namen Ernest und war Stammgast im "Select", im "Dome" und in der "Coupole". Ich las 1000 andere Bücher und schrieb Theaterstücke die wir zweisprachig in Paris aufführten. Ich habe mit Ionesco auf einer Bank gesessen und er sah mich mit seinem Clownsgesicht an und ich sagte: "Hallo Eugene" und er sagte nichts. Wir haben mit Becketts Frau gesprochen, die uns angiftete und als sie tot war starb er auch. Ich habe alle Schriftstellerinnen und Schriftsteller gelesen, die Hemingway je erwähnte.Und dann las ich die, die er nicht erwähnte und all die anderen noch dazu. Ich musste lesen wie Hemingway von stumpfsinnigen Menschen diskreditiert wurde und ich sehe jetzt, dass die Menschen in Paris sein "Paris - ein Fest fürs Leben" lesen. Die Geschichte von "Fiesta" ist keineswegs die Geschichte von "Künstlern" die sich permanent betrinken. Und auch nicht die Geschichte der "Verlorenen Generation" - jede Generation ist eine "verlorene" Generation, wenn sie jung ist, sondern "Fiesta" ist die Geschichte jeglicher Generation, davor und danach, festgehalten in jenem Augenblick und im Grunde allgemein gültig, wenn man ihren Sinn überträgt. Nach dem 1. Weltkrieg war die Generation der Jungen nicht verlorener als heute. Vor allem nicht in Frankreich. Aber sie hat weiter gemacht. Vielleicht gesoffen aber niemanden abgeschlachtet. Davon hatte sie genug.Und sie war kreativ. Durch und durch. Saufen ist besser als töten. Schaffen ist besser als vernichten. Hätte das Lebensgefühl der sogenannten "verlorenen Generation" obsiegt, wäre die Welt heute eine bessere Welt."Fiesta" muss einem nicht gefallen, aber die innere Wahrheit des Buches ist die von Streben nach Glück und sogenannter Vollkommenheit. Dem Ziel des "Weiter". "Fiesta" ist ein dummer Titel.
"The sun also rises" war genial. Und dennoch geht die Sonne auf. Das ist es. Dahin geht all unser Sehnen. Darum sind wir.
"Schön, es sich vorzustellen, nicht wahr?"
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am 19. Februar 2007
Hemmingway's erster Roman ist auch heute (wieder?) erstaunlich jung und erfrischend und trifft (natürlich mit Abstrichen) immer noch den Zeitgeist.

DIE STORY:

Wir begleiten den Ich-Erzähler, JAKE BARNES, in den 20er Jahren des letzten Jahrhunderts zwischen den beiden Weltkriegen für eine kurze Zeit. JAKE ist Amerikaner und zur Zeit als Korrespondend in Paris. Nebenbei ist er auch Schriftsteller (also recht autobiographische Züge). Die meiste Zeit verbringt JAKE mit weiteren Autoren und Künstlern etc. Es scheint so, dass kaum jemand aus der Clique arbeiten muß. Alle verbringen ihre Zeit überwiegend in Cafés und Restaurants. Es wird enorm viel getrunken. Alles wirkt recht gelangweilt und dekadent (könnte ein Film von Chabrol sein). Neben dem Trinken ist das andere große Thema die Liebe ... Beziehungen bunt und quer durcheinander - insbesondere mit LADY "BRETT" ASHLEY (das einzige weibliche Geschöpf in der Clique) - ohne, dass auch nur einer zur wahren Liebe fähig ist. Alles ist nur oberflächlich und auf Spaß sofort ausgerichtet. Niemand ist mehr fähig, ernsthafte und aufrichtige Gefühle für den anderen aufzubringen. Wir begleiten diese Clique eine Zeit lang durch Paris und dann während der Fiesta und Corrida in Pamplona. Alles macht - vordergründig betrachtet - großen Spaß und darauf kommt es ihnen auch in erster Linie an. Näher betrachtet offenbart sich, wie emotional verloren und hilflos tatsächlich jeder einzelne von ihnen - alle der oberen Schicht angehörig - ist.

FAZIT:

Es ist wirklich überraschend, wie wenig verstaubt dieser erste Roman Hemmingway's aus dem Jahr 1926 heute noch wirkt. Gerade durch die jüngste Diskussion über die sogenannte "Spaßgesellschaft" wirkt die Geshichte recht aktuell. Auch der Erzählstil trägt gewichtig hierzu bei. Er ist keinesfalls antiquiert, sondern - auch heute noch - als modern zu bezeichnen. So wird die Geschichte häufig von Dialogen in direkter Rede getragen. Absolut beeindruckend und bis heute wohl unvergleichbar ist die eindringliche und sehr bildhafte - von Authentizität strotzende - Schilderung der Fiesta und der Corrieda in Pamplona! Also ein tatsächlich noch absolut "frischer" Klassiker der Literatur. den zu Lesen sich auf jeden Fall lohnt.

Deshalb viel Spaß beim Nachlesen.
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am 4. August 2006
Hemingways Kunst ist die Technik der Untertreibung und des Verschweigens. Sein Roman erzählt von einer Gruppe junger Amerikaner, die in Paris und Spanien in den Tag hineinleben. Die jungen Männer können sich eigentlich nicht wirklich leiden, und werden nur durch ihren gemeinsamen Hintergrund des 1. Weltkriegs lose zusammengehalten.

Der Ich-Erzähler Jake wurde durch seine Kriegsverletzung impotent. Seine Liebe zu Brett, einer lebenshungrigen Adeligen bleibt dadurch unerwidert. Die anderen Veteranen haben jedoch keine Skrupel, sich vor den Augen des zurückgesetzten Jake von Brett verführen zu lassen. Einer nach dem anderen wird von der unersättlichen Frau ausprobiert und kurz darauf wieder fallengelassen. Die Gruppe tingelt von Café zu Café von Restaurant zu Restaurant. Scheinbar immer auf der Suche nach etwas, scheinbar immer in Erwartung. Sie essen und trinken, um ihre innere Leere zu füllen.

Hemingway schreibt über große Gefühle ohne sie auch nur anzudeuten. Wir lesen lediglich, dass sich der Erzähler vom Tisch erhebt und auf sein Zimmer geht. Trotzdem wissen wir, dass er in diesem Moment tödliche Eifersuchtsqualen leidet. Auch der Krieg wird nie ausdrücklich erwähnt; trotzdem ist er in jeder Zeile erkennbar. Dasselbe gilt für Jakes Impotenz. Wir wissen von seiner Verwundung, und zu Brett sagt er, er sei seit dem Krieg "krank." Wir verstehen.

Diese Technik ist auch noch nach 70 Jahren beeindruckend. Allerdings hat sie einen Nachteil.

Hemingway betreibt die Untertreibung so konsequent, dass seine Figuren wie austauschbare Schablonen wirken. Zwar schafft er es, eine spürbare Atmosphäre der Entfremdung zu schaffen, bis zum Schluss sind die einzelnen Männer aber kaum auseinanderzuhalten.

Im ganzen Buch geschieht nicht viel und die Geschichte wird eher episodenhaft erzählt und besteht aus immer wiederkehrenden Szenen: Ein weiteres Restaurant, ein neues Hotelzimmer, wieder verkatert aufgewacht. Und das Ende ist, repräsentativ für das ganze Buch, ein Anti-Klimax.

Hemingway blendet sämtliche Gefühle und Gedanken seiner Figuren aus, und überlässt es dem Leser, sie sich zu erschliessen- ein wenig mehr Abwechslung und Dynamik innerhalb der Geschichte hätte die Handlung aufgelockert und das Lesevergnügen gesteigert. Ich war irgendwann durch die seitenlangen Gespräche über Essen und Stierkämpfe nur noch ermüdet.

Trotzdem bereue ich es nicht "Fiesta" gelesen zu haben- zwar nicht wegen der Handlung, aber wegen des Stils. Ich werde es bestimmt in ein paar Jahren mit einer anderen Sichtweise nocheinmal in die Hand nehmen. Bis dahin bekommt es drei Sterne.
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am 25. Februar 2012
Das ist die Schilderung einer Gruppe von Menschen, die allesamt mit dem Leben nicht viel anzufangen wissen. Der Autor - seine knappe Sprache ist faszinierend - läßt uns miterleben, wie sie die Tage sozusagen "totschlagen". Alkohol, Frauen, Amusements verschiedener Art werden beschrieben. Und ganz fasziniert dürfte der Autor von Stierkämpfen gewesen sein.
Ein träger Fluß des Lebens, der uns da beschrieben wird.
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am 13. Dezember 2008
Ich kann vor der gesamten Hemingway/Rowohlt-Übersetzung (aus den Fifties) nur warnen:
"Well", I said. "A plane is sort of like a tricycle. The Joystick works the same way." = "Na", sagte ich, "ein Flugzeug ist wie eine Art Dreirad. Und der Freudenspender ebenfalls." ("Fiesta" in der einzig autorisierten deutschen Übertragung.)
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