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10 von 11 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
5.0 von 5 Sternen Sprachlicher Hochleistungssport, 11. Oktober 2004
Rezension bezieht sich auf: Ein Sportstück (Gebundene Ausgabe)
Dieses wohl umfangreichste "Theaterstück" der Literaturnobelpreisträgerin kann ebenso gut als Prosa gewertet werden: Außer einer Lizenz, die dem Regisseur alle Freiheiten gewährt, gibt es keine Regieanweisungen - und auch keine Rollen. Trotzdem lassen sich aus dem gigantischen Monolog mehrere Figuren herausschälen: Ein dem Arnie (mittlerweile kalifornischer Gouverneur) nacheifernder Body-Builder etwa, oder die sorgende Mutter eines Sportlers, nicht zuletzt die Autorin "Elfi Elektra" selbst.
Natürlich geht es der Jelinek nicht nur um Sport, an dem sie allerdings kaum ein gutes Haar läßt: Es geht ihr immer auch um bestimmte gesellschaftliche Strukturen und Verhaltensmodelle - Gruppe/Opfer-Thematik, Mutter/Sohn- und Vater/Tochter-Komplexe (letzterer besonders anrührend vorgeführt in einer Ansprache an ihren eigenen Vater) und vieles mehr. Der Text ist von schwindelnder sprachlicher Virtuosität - die von der Jelinek entwickelte Technik mit Hilfe von Wortspielen überraschende Kapriolen zu schlagen und auf diese Weise unterschiedlichste Themen halb kalauernd, halb bitterernst miteinander zu verknüpfen, schlägt hier ein um das andere Mal Funken.
Das Ganze zu lesen erfordert (nichtsportliche) Kraft und Ausdauer, wird aber reichlich mit intellektuellem Vergnügen belohnt. Wer denkt, daß dieses Ungetüm nicht auf die Bühne zu bringen ist, kann sich durch die fulminante Uraufführung am Burgtheater Wien durch Einar Schleef aus dem Jahre 1998 eines Besseren belehren lassen: Die Aufführung, die mehrere Stunden lang die Kräfte des Hauses mit Riesenchören auf bis auf die Brandmauer entrümpelter Bühne absichtsvoll überforderte, ist heute schon ein Stück Theatergeschichte.
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3 von 3 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
5.0 von 5 Sternen Postdrama, 24. Juni 2013
Verifizierter Kauf(Was ist das?)
Rezension bezieht sich auf: Ein Sportstück (Taschenbuch)
Wenn man sich bereits mit Lehmanns Begriff des "postdramatischen Theaters" auseinander gesetzt hat, dann findet man in diesem Werk von der Literaturnobelpreisträgerin Elfriede Jelinek zahlreiche Aspekte bestätigt. Wie üblich handelt es sich hier um keine gemütliche Einschlaflektüre, geschweige denn um ein Buch, das man nebenbei liest - wenn man es überhaupt komplett lesen will. Es ist anstrengend und zeigt wie kein anderes Drama jenes Schlags, dass man es lieber nicht liest, sondern aufgeführt sehen muss. Es finden sich kaum zugeteilte dramatis personae, sondern es handelt sich vielmehr um einen Fließtext, der, in Absätze gegliedert, einer Monage von Kommentaren gleicht. Wer sich allerdings mit Jelinek oder mit den Facetten des postdramatischen Theaters beschäftigen will, findet hier ein anschauliches Beispiel.
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6 von 8 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
4.0 von 5 Sternen Solange es Frau Jelinek gibt.., 30. Dezember 2004
Rezension bezieht sich auf: Ein Sportstück (Taschenbuch)
hab ich noch Hoffnung für die Linke.
Es ist das wohl sprachlich anspruchvollste Buch das ich in den letzten Monaten gelesen habe. Wahnsinnig anstrengend, aber lohnenswert. Durch ihre Gigantokonstrukte fühlt man sich fast selbst wie ein Hochleistungssportler, was einen wiederrum beschämt. Denn es geht ja darum genau diese zu denuzieren.
Das Stück ist für mich einmalig, da es weder klare Protagonisten, noch Antagonisten gibt, jediglich Statisten. SPORTFANS (die zusammengeknüppelt werden und hoffen dabei noch ne gute Figur zu machen), HOOL's (die andere zusammenschlagen weil sie sonst keine sportliche Begabung haben), eine MUTTER (die Angst hat ihren Sohn an den Sport zu verlieren), ANDI (der tot ist und auf Wiedergeburt hofft damit er doch noch aussehen kann wie Schwarzenegger), eine FRAU (die einem Sportler versucht klarzumachen das sie seinen Soldatenkörper mit sicherheit nicht erotisch findet), SPORTLER (der das nicht versteht). Ja das ist starker Tobak um die Generation Sportjacke, der aber niemals wie stumpfer linksextremer Agitprop wirkt.
Der Nobelpreis ist verdient, denn Inhalt und Struktur bilden eine perfide;schreiende Einheit.
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Ein Sportstück
Ein Sportstück von Elfriede Jelinek (Taschenbuch - 1. Juni 1999)
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