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58 von 59 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
5.0 von 5 Sternen Erdrückend unpathetisch
Imre Kertesz stellt in diesem Buch sein Schicksal dar. Als vierzehnjähriger in ein Nazi-Konzentrationslager verschleppt, wird er beinahe ein weiteres Todesopfer dieses unbarmherzigen Regimes. Er beschreibt alles in der Ichform, mit den Augen eines gerade pubertierenden Kindes. Stilistisch ist natürlich an diesem großartigen Literaten nichts auszusetzen,...
Veröffentlicht am 8. Mai 2003 von R.S.

versus
10 von 12 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
1.0 von 5 Sternen literarisch misslungene Botschaft, welche Botschaft?
Wenn man Kertesz und die Biographie von Kertesz nicht kannte, müsste man schlicht und einfach sagen, es handelt sich hierbei um ein gründlich misslungenes Erstlingswerk. Es ist nicht einmal streckenweise literarisch ansprechend, es ist widersprüchlich und im zweiten Drittel mehr als inhaltsleer. Und die eigentliche Botschaft bleibt...
Vor 12 Monaten von Dr. Rudolf Pichler veröffentlicht


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4 von 4 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
5.0 von 5 Sternen Lesenswert, 27. Oktober 2009
Verifizierter Kauf(Was ist das?)
Rezension bezieht sich auf: Roman eines Schicksallosen (Taschenbuch)
Die naive Sicht eines jüdischen Teenagers gepaart mit dem fatalistischem Humor eines Erwachsenen, heben dieses Buch über den Durchschnitt. Der Leser folgt dem Weg vieler Juden aus der Heimat in eines der zahllosen Konzentrations- und Vernichtungslager in und um Deutschland 1944. Gerade die jugendliche und unbefangene Beschreibung der Zustände und Situationen lassen einen zwischen den verschiedensten Gefühlen schwanken. Letztendlich überwiegt die Hilflosigkeit, denn diese Erlebnisse kann und will man nicht nachvollziehen. Sollte Pflichtlektüre in der Schule werden...
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7 von 8 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
5.0 von 5 Sternen nobelpreis-würdig!, 1. November 2003
Von Ein Kunde
Rezension bezieht sich auf: Roman eines Schicksallosen (Taschenbuch)
Ein 14- oder 15-jähriger Junge erzählt seine Geschichte mit seinen Worten: als Jude in Ungarn aufgegriffen auf dem Weg zur Arbeit, verschleppt, ohne, daß seine Angehörigen über seinen Verbleib informiert werden, durchläuft er mehrere Konzentrationslager und überlebt schließlich, mit Glück, durch Gottes wundersame Fügung, durch Zufall - oder wie auch immer, kehrt nach Hause zurück, wird vom Kontrolleur in der Straßenbahn, weil ohne Fahrkarte, angetroffen und zurechtgewiesen und muß sich schließlich den dummen Statements der Nachbarn aussetzen.
Intensiver, komprimierter und unerbittlicher geht es nimmer! Im Ton distanziert, in manchen Passagen fast ein bißchen amüsiert, oder mindestens verwundert, werden die Erlebnisse geschildert. Schon das ist unglaublich gut gelungen.
Dazu noch die grundlegenden, grausamen Erfahrungen bei der Heimkehr: der Straßenbahnkontrolleur, der den als KZ-Häftling schon allein leicht durch die Kleidung Identifizierbaren, auf seine Pflicht, seine Vorschrift hinweist und die Nachbarn, die es ja zu Hause, aus ihrer Sicht ebenfalls sehr schwer hatten und nichts, aber überhaupt nichts begreifen, was er erlebt hat und was er fühlt.
Kann man da noch die Kraft zum Weiterleben aufbringen? Ja, man kann es. Das ist das Schöne und Verzaubernde an diesem Buch, daß der Autor, es ist ja seine Geschichte, nicht verzweifelt, sondern die Kraft aufbringt, weiterzuleben, nicht um zu vergessen oder zu verdrängen - das wird nicht gelingen, sondern mit seinen Erfahrungen lebt und ein Gefühl der Hoffnung dem Leser vermitteln kann.
Auf jeden Fall ein sehr lesenswertes Buch, das den Nobelpreis zu Recht verdient hat.
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16 von 19 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
5.0 von 5 Sternen Einzigartiger Zeitzeugenbericht, 19. Januar 2003
Von 
Regina Karolyi - Alle meine Rezensionen ansehen
(TOP 1000 REZENSENT)    (REAL NAME)   
Rezension bezieht sich auf: Roman eines Schicksallosen (Taschenbuch)
Ich bin mir nicht sicher, ob ich mich dazu aufschwingen darf, einen Nobelpreisträger oder vielmehr sein Werk zu rezensieren.
Nun gibt es viele Nobelpreisträger, und sie haben zumeist "schöne" Bücher geschrieben. Das unterscheidet sie von Imre Kertész. Der Zwiespalt zwischen dem 15-jährigen naiven Protagonisten, der ähnlich wie Candide dazu neigt, trotz aller Schrecken der Konzentrationslager diese Welt als die beste aller denkbaren Welten anzusehen, und dem Leser, der genau weiß, was sich wirklich hinter den bewusst satirisch-zynisch rosa eingefärbten Beschreibungen der Lebensumstände und Überwachungsmethoden im KZ verbirgt, ist an Brisanz kaum zu überbieten. Gerade dadurch, dass die Verursacher der scheinbar nicht als solche erkannten Gräuel vom Protagonisten in Schutz genommen und ihre Taten gerechtfertigt werden, stürzt Kertész den Leser tief in das Entsetzen hinein.
Kertész musste für dieses Werk viele Anfeindungen hinnehmen. Er verharmlose den Holocaust, hieß es, er decke die Täter.
Wer dieses herausragende, in seiner Art einzigartige Werk so sieht, hat es mit Sicherheit nicht verstanden. Gerade das Understatement ruft beim Leser, sofern er auch nur andeutungsweise etwas über Konzentrationslager weiß, ein länger anhaltendes Grauen und eine tiefere Bestürzung hervor als ein Dokumentarfilm. Denn über Kertész' Werk muss man nachdenken, Satz für Satz auf die eigentliche Information prüfen. Und auf diese Weise prägen sich das Gelesene und das eigentlich Gemeinte ein.
Ich bin keine Professorin für Literatur. Dennoch sei mir das Urteil erlaubt, dass dieses Werk eines Nobelpreises würdig ist.
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58 von 70 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
5.0 von 5 Sternen Tabubruch, 27. November 2000
Von Ein Kunde
Rezension bezieht sich auf: Roman eines Schicksallosen (Taschenbuch)
Imre Kertesz bricht in seinem Werk "Roman eines Schicksalslosen" ein Tabu. Er schildert die Erlebnisse in den Konzentrationslagern aus der Sicht eines naiven, fröhlichen 15-jährigen Jungen. Dies gelingt ihm derart, daß alle Erwartungshaltung des Lesers, der quasi mit einer Betroffenheitsmiene auf das Kommende präpariert ist, zu zerstören und einen offen, direkten Zugang zu dem Unfassbarem, dem Undarstellbaren zu ebnen. Gerade diese neue, andersgeartete Konfrontation mit der Nazi-Vergangenheit ist nötig, nicht ein leichteingängiger Film wie "Schindlers Liste". In dem Roman entsteht durch die Betrachtungsweise des Jungen, der viele Verhaltensweisen der Nazis als logisch empfindet und mit den Augen des Lagerarztes eifrig dabei ist, zwischen "brauchbaren" und "unbrauchbaren" Menschen zu sortieren und auch aus voller Überzeugung einen anderen im KZ als "Saujuden" innerlich beschimpft eine geniale Form der Groteske, wie ich sie nur in Taboris Theaterstück (skandal) "Die Kannibalen" kenne. Der Leser findet sich wieder, zwischen Aufschreien, Lachen und schieren Empörung, beraubt jeglicher "Betroffenheitsfloskeln". Im Verlauf seines Daseins im KZ erfährt der Ich-Erzähler einen Reifungsprozeß, er bleibt nicht der naive Junge. So ist sein Insistieren auf die eigene Biographie, als er wieder zurück nach Budapest kommt und alle Menschen ihm wohlmeinend erklären, er soll all das Schlimmer vergessen und wieder leben lernen, das Sich-Weigern, einen Teil des Lebens einfach zu streichen und die abschließende Absätze des Romans, die über Freiheit und Schicksal räsonieren, bestürzend und bemerkenswert.
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25 von 30 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
5.0 von 5 Sternen Das kleine Glück von Auschwitz, 4. Juli 2000
Von Ein Kunde
Rezension bezieht sich auf: Roman eines Schicksallosen (Taschenbuch)
Die ungarisch-jüdische Familie Györgi muss einen schweren Schicksalsschlag nach dem anderen hinnehmen: Gewalt und Diskriminierung, Enteignung, Deportation des Vaters, Arbeitsdienst des Sohnes. Und doch: kein Entsetzen, keine Entrüstung und auch kein Versuch zu entkommen. Stattdessen spielt man herunter. Motto: Es wird schon irgendwie weitergehen. Und vom Erzähler, dem kleinen Köves, der Versuch das Groteske, das Unmenschliche, das Unannehmbare (nein, nicht zu verurteilen, sondern) zu rechtfertigen! Schließlich wird er selbst, zunächst nach Auschwitz, später nach Buchenwald, deportiert.
Wenn ein Betroffener von der Shoa erzählt, hat man als Leser (geradezu selbstverständlich!) eine bestimmte Erwartungshaltung, in welcher weder die Schilderung von unsäglichen Grausamkeiten noch der berühmt-berüchtigte erhobene Zeigefinger („Die moralische Keule!") fehlen dürfen.
Doch für Greueltaten scheint sich dieser Junge genauso wenig zu interessieren wie für die Täter. Nein, er sehnt sich viel mehr nach dem kleinen Glück seines realen Daseins, „in den Pausen neben den Schornsteinen von Auschwitz". (Die Milch, die er trinkt, ist zwar „schwarz"; und doch trinkt er sie gierig.) Dabei erzählt er nicht nur ohne anzuklagen, sondern übernimmt scheinbar vorbehaltlos und gleichgültig die zynische Sprache seiner Peiniger.
Der junge Köves geht seinen Weg (den einzigen, den er hat) bis zum Ende, und sein Weg (nicht sein Schicksal!) rüttelt beim Leser die Forderung nach einer moralischen Abrechnung wach. Doch die erlösende Anklage bleibt aus. Dafür ist der Leser selbst zuständig! Deshalb kann man diesen Roman nicht einfach so (Deckel zu, das war's.) zur Seite legen. Man muss ihn noch einmal lesen.
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3 von 3 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
5.0 von 5 Sternen Vom Glück im KZ, 30. April 2013
Von 
Villette - Alle meine Rezensionen ansehen
(TOP 500 REZENSENT)   
Rezension bezieht sich auf: Roman eines Schicksallosen (Taschenbuch)
"Roman eines Schicksalslosen" von Imre Kertész schildert ein Jahr im Leben eines jugendlichen Ungars, der 1944 aufgrund seiner jüdischen Herkunft von der Straße weg ins KZ gebracht wird. Mehrere Lager macht er durch und er beschreibt alles, was er sieht, mit Aufmerksamkeit und Gleichmut. So etwas wie Verzweiflung ist nie zu spüren. Der Ton ist stets warm gehalten. Erst am Ende erfährt der Leser den Grund dafür. Kertész, der eine ähnliche Autobiographie hat wie der Protagonist des Romans, kam es darauf an, jemanden darzustellen, der sich nicht einfach ans Schicksal ausliefert und daran zugrunde geht. Vielmehr geht der Protagonist mit dem Geschehen mit, Schritt für Schritt, und wird dadurch zum Teil dessen, was geschieht. Er ist letztlich sein eigenes Schicksal. Unter dieser Voraussetzung wirkt es weniger schockierend, wenn der Protagonist plötzlich von einem Gefühl des Heimwehs nach dem Lager befallen wird und auch vom Glück im KZ weiß. Beides kann es nur geben, wenn man Mensch bleibt und sich nicht wie ein Tier ausliefert. Für manche scheint es anstößig zu sein, vom Glück im KZ zu sprechen statt vom Greuel, aber ich verstehe Kertész sehr gut. Dadurch erhält er sich als Mensch, als Formender. Ganz abgesehen von diesem neuen Licht auf die Geschehnisse, das es schon lohnenswert macht, das Buch zu lesen, ist es auch einfach interessant und fesselnd, sprachlich hervorragend und im Ganzen in jeder Hinsicht ein Meisterwerk.
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3 von 3 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
5.0 von 5 Sternen Die metaphysische Würde des Menschen, 3. Dezember 2008
Rezension bezieht sich auf: Roman eines Schicksallosen (Taschenbuch)
Selbst unter extremsten Bedingungen kann der Mensch nicht seine metaphysiche Würde verlieren, das gilt sowohl für die Opfer als auch für die Täter. Schon deshalb schlägt den Tätern in diesem Roman keine Anklage entgegen. Noch verstörender ist, dass die metaphysiche Würde des Menschen gerade unter den Bedingungen des Lagers gewahrt bleibt. "Ja, in einem gewissen Sinne war das Leben dort reiner und schlichter gewesen." Vielleicht meint Imre Kertesz damit das Glück der Konzentrationslager, das Glück, dem wir in unserem Alltag oftmals so sinnlos hinter her jagen und es doch nicht finden, in unserem Alltag, in dem das Böse den Charakter der Laune und des Zufälligen angenommen hat. Es ist die Warnung, die Würde des Menschen auch in unseren alltäglichen Beziehungen ernst zu nehmen, denn diese kennen Absurditäten, in denen das Glück noch nicht einmal als Falle auf einen lauert. Hannah Arendt meinte einmal, dass die Nationalsozialisten in den Konzentrationslagern die Überflüssigmachung des Menschen heraus experimentiert hätten. Es könnten noch weit schlimmere Lager entstehen, wir sollten also auf das Glück vorbereitet sein, das uns dort erwartet.
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12 von 14 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
5.0 von 5 Sternen sehr beeindruckend, absolut lesenswert, 20. Februar 2006
Von 
Milchbart "marcon" (Münster) - Alle meine Rezensionen ansehen
(VINE®-PRODUKTTESTER)   
Rezension bezieht sich auf: Roman eines Schicksallosen (Taschenbuch)
Das Buch hat mich sehr berührt. Es fängt so "harmlos" an, beschreibt den Alltag eines 15jährigen, der plötzlich zur Katastrophe wird, weil dieser Junge als ungarischer Jude nach Ausschwitz ins Konzentrationslager eingeliefert wird. Aber alles entwickelt sich "Schritt für Schritt", und als Leserin gehe ich von den kindlichen Augen geführt diesen Weg mit. Das ist das eigentlich Schmerzliche und Berührende dieses Romans. Nach Ausschwitz folgt Zeitz, dann Buchenwald bis zur Befreiung und Rückkehr nach Budapest. Es wird oft bis ins kleinste Detail dieser Weg geschildert. Eigentlich sollte das auch Schullektüre der Oberstufe sein. Sehr lesenswert, auch wenn es teilweise fast unerträglich wird, von all diesen Grausamkeiten zu erfahren und sie nachfühlbar zu erlesen, was ebenso die Rückkehr mit der Ignoranz und Hilflosigkeit der Daheimgebliebenen umschließt.
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10 von 12 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
1.0 von 5 Sternen literarisch misslungene Botschaft, welche Botschaft?, 5. September 2013
Von 
Dr. Rudolf Pichler (Graz, Österreich) - Alle meine Rezensionen ansehen
(REAL NAME)   
Verifizierter Kauf(Was ist das?)
Rezension bezieht sich auf: Roman eines Schicksallosen (Taschenbuch)
Wenn man Kertesz und die Biographie von Kertesz nicht kannte, müsste man schlicht und einfach sagen, es handelt sich hierbei um ein gründlich misslungenes Erstlingswerk. Es ist nicht einmal streckenweise literarisch ansprechend, es ist widersprüchlich und im zweiten Drittel mehr als inhaltsleer. Und die eigentliche Botschaft bleibt missverständlich.

Da man nun weiß, dass Kertesz selbst KZ-Häftling war, will man es sich trotz des nach dem Lesen ausbleibenden Nachklangs nicht allzu leicht machen. Wohlgemerkt bleibt, dass Kertesz in diesem Werk keine Autobiografie sondern einen Roman mit autobiografischen Zügen sieht. Jedenfalls ist beachtlich, dass dieser Roman bei 66 Bewertungen nur 5,4, und nur 3 x 3 Sterne hat. Ich führe das auch darauf zurück, dass die Hemmschwelle, einem früheren KZ-Insassen eine schlechte Kritik zu geben, einfach zu groß ist. Mein Respekt gegenüber jedem Menschen ist die, dass er eine ehrliche Rückmeldung bekommt.

Es wird die Geschichte eines 14 jährigen beschrieben, der vom Arbeitseinsatz in der Heimat, ohne dass seine Mutter noch etwas erfährt, weg in die Lager Birkenau und Ausschwitz deportiert. Die Sprache dieses Protagonisten, der in der Ich-Form erzählt, ist anfangs dem Jugendlichen entsprechend einfach und klar. Mit zunehmendem Verlauf des Romans entwickelt dieses Ich eine unverständliche Wandlung hin zu einer Sprachform, die der eines reifen Geisteswissenschaftlers oder Philosophen entspricht, mit langen, verschachtelten Sätze, sodass man den Bezug zum mittlerweile 15 jährigen verliert.Indem als Kern des Romans das Übel dieser Lager laufend aufs Höchste relativiert werden, kann ich die Sprachänderung auch nicht auf eine - was sonst durchaus nachvollziehbar wäre - radikale Änderung einer Geisteshaltung zurück führen. So gesehen, hat für mich leider unbewusst der frühere Häftling Kertesz das Roman-Ich übernommen.

Der gezeichnete Jugendliche wirkt wahrnehmungsschwach, stumpf, kalt, stroh-dumm oder naiv und alles passt letztlich doch nicht. Es war nicht nachvollziehbar, dass der Junge in dieser ganz pötzlichen neuen Lebenssituation nie wirklich seiner Mutter und Freunden zuhause nachweint, oder er auch nur bedauert, dass sie nicht weiß, wo er jetzt ist. Neben ihm werden hunderte Menschen erniedrigendst behandelt und er sieht die Leichenwagen mit den ausgehungerten geschundenen Leibern und es kommt nahezu zu keiner Regung, kein Mitleid, Unverständnis, Entsetzen oder ähnliches. Ganz im Gegenteil, der 14 jährige aus einfachsten Verhältnissen hat urplötzlich eine schwer nachvollziehbare Souveränität, nämlich die, dass das KZ nur eine andere Normalität ist und man diesem Leben hier viel Gutes abgewinnnen kann und dieser Gedanke, der des Nicht-Anklagens scheint ja das tragende Motiv des Autors für den Roman zu sein. Nach seiner Befreiung meint er:"Sehr viel Interessantes kann ich nicht erzählen" (wohlgemerkt, er sagt nicht: "ich will nicht erzählen")

Mit den zusätzlichen Aussagen "es war nicht die Hölle", "das Leben dort war reiner und schlichter" kommt mir als Leser nicht wenig oft der Begriff der Verharmlosung in den Sinn, was wiederum sicher nicht Absicht von Kertesz war, aber dann wird es eben auch gefährlich. Für so manchen damaligen Insassen werden diese so ganz andere Zugänge und Bewertungen eine ziemliche Zumutung sein und es darf selbstverständlich auch die Sichtweise des Herrn Kertesz sein, aber diese hohe Haltung einer 14-jährigen Romanfigur umzuhängen, ist mir doch zu gewagt und unglaubwürdig. Für mich hatte der Junge ab diesem Zeitpunkt sehr stark autistische Züge und ich denke, dass das aber nicht wirklich die Absicht des Autors war.

Widersprüchlich und eigenartig wird der Junge nach seiner Befreiung. So sehr er während der Haft (fast möchte man dieses Wort nicht verwenden, weil es ja aus seiner Sicht wie ein Abenteuer- Ferienlager geschildert wird) als durchaus interessanten, bereichernden Lebensabschnitt schildert, antwortet er auf die Frage, was er nach seiner Befreiung empfinde ("ich war, nätürlich, äußerst erfreut") kurz mit "Hass", nämlich "für alle". Kertesz lässt einen damit dann alleine. Man weiß nur, es geht auch einen Hass auf die Menschen auch außerhalb des KZ, aber warum plötzlich nun auch wieder auf die KZ-Aufseher und Betreiber, die ja nur das "für ein KZ Natürliche" tun?
Höchst patzig und arrogant antwortet der Jugendliche, auf die Frage, ob er Gaskammern gesehen hätte, mit "Nein, sonst wäre ich ja nicht hier" (??? Gibt es nur die Variante Gaskammern sehen und umkommen oder Gaskammer nicht sehen und nur deshalb überleben ??) Der Junge wird zur Gänze unsympathisch.

Herrn Kertesz ist es unbenommen und er verdient Hochachtung, wenn er es schafft, nach dieser für ihn sicherlich schrecklichen Zeit keine Anklage auf das Erlebte zu führen. Ich halte das aber für eine Leistung eines zum Zeitpunkt der Romanerstellung gereiften Mannes mit doch ca. 55 Jahren. Die Darstellung dieses Zugangs über einen Roman mit einem 14-15 jährigen Protagonisten darzustellen, halte ich für äußerst gewagt und ist im konkreten Fall für mich auch gründlich misslungen. Man findet keinen Zugang zum Protagonisten, man wird mit dem so schwierigen Thema des anderen Umgangs mit dem Thema allein gelassen, es ist widersprüchlich und rein literarisch ohne Wert.

Einen ebenso souveränen aber deutlich besser gelungenen Umgang mit diesen schrecklichen Erlebnissen finde ich in Viktor Frankls: "Trotzdem ja zum Leben sagen". Hierbei geht es ebenso um das Überleben im KZ und einer wesentlich autentischeren Auseinandersetzung mit dieser damaligen Form des Wahnsinns. Hiebei wird keine Kunstfigur bemüht, und hier sind die Gedanken, Motive und Eindrücke von einer ganz anderen Klarheit. Dieses Buch möchte ich in vielerlei anderer Hinsicht empfehlen.
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2 von 2 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
5.0 von 5 Sternen Erschütternd, aber gleichermaßen interessant, 25. November 2012
Verifizierter Kauf(Was ist das?)
Rezension bezieht sich auf: Roman eines Schicksallosen (Taschenbuch)
Ein vierzehnjähriger ungarischer Jude wird auf dem Weg zum Arbeitsdienst abgefangen und nach Auschwitz transportiert. Zunächst betrachtet er die Geschehnisse dort mit einer gewissen Neugierde und staunend, fragt sich, was dahintersteckt und erforscht die Gesetzmäßigkeiten, hält sich daran fest.
Die Distanziertheit, mit der er die übelsten Umstände beschreibt, resultiert meines Erachtens aus dem notwendigen Selbstschutz,sozusagen "von oben herab", wie wenn die Seele dabei ist, den Körper zu verlassen und auf sich selbst
herabschauen kann, wie z. B. bei Nahtod-Erfahrungen. Durch "glückliche" Umstände kommt er irgendwann auf eine Krankenstation, erfährt dort staunend so etwas wie menschliche Wärme und nimmt sich dann auch selbst wieder wahr.
Nach der Befreiung erlebt er Fragen, die ihm aufzeigen, dass das Vorstellungsvermögen der Bevölkerung für das, was er erlebt hat, nicht ausreicht, denn sonst würde man solche Fragen einem Betroffenen nicht stellen.

Erschütterndes Buch, trotzdem auf jeden Fall zu empfehlen, wenn man sich mit der Thematik auseinandersetzen will.

Wer Ähnliches lesen will, ebenfalls von einer Literaturpreisträgerin, allerdings wesentlich "schwerer", dem sei "Atemschaukel" von Herta Müller empfohlen.
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Roman eines Schicksallosen
Roman eines Schicksallosen von Imre Kertész (Taschenbuch - 1. Oktober 1999)
EUR 9,99
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