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am 8. Oktober 2006
Man könnte sich fragen, warum dieses Buch überhaupt ins Deutsche übersetzt worden ist. Oder fragen, warum es gerade ins Deutsche übersetzt wurde. Oder fragen, in welche Sprachen es überhaupt übersetzt werden sollte. Denn als Deutscher hat man es schwer, dieses Buch zu lesen und gelten zu lassen. Oder sollte man es gerade deshalb besonders herausstellen? Denn wenn Kertesz, der im veröffentlichen Bewusstsein bereits schon wieder vergessen scheint, über den Holocaust spricht und darüber, wie das Bewusstsein der Menschheit mit diesem schrecklichen Erbe umgeht, wie Politik, Gesellschaft und Publizistik seit dieser Zeit die Gefühle Gequälter behandelt und zur negierten Folie eigenen geschichtsvergessenen Handelns macht, öffnet sich der ganze Bogen vermeintlich geschuldeter politischer und gesellschaftlicher Pragmatik, Sachzwänge und Macht-Haben-Wollens seither in seinem wahren Sein. So ist Kertesz Buch eine stille Anklage, ein Seismograph verkannter Gefühle, die das Herkommen europäischer Geschichte und ihr Weitergehen zusammendenkt. Denn er weiß: „Seit wir durch Nietzsche wissen, dass Gott tot ist, stellt sich die schwierige Frage, wer … den Menschen im Auge hat; direkt gesagt, in wessen Angesicht wir leben, wem der Mensch Rechenschaft schuldet, im ethischen und, man möge mir verzeihen, sehr wohl auch transzendentalen Sinne des Wortes“. Und stellt damit eine Frage zur praktischen Vernunft, die noch über Immanuel Kant, Hegel und Marx hinausgeht, und über all die Humanisten, begonnen bei Schiller und Goethe, die von diesem „Betriebsunfall“ der europäischen Aufklärungsgeschichte im 20. Jahrhundert nichts ahnten, gleich drüben, sozusagen nebenan in Buchenwald. Ein sehr sehr empfehlenswertes Buch, das fundamentale Fragen nach Ethik und Moral stellt – nach uns, nach allen, als "quo vadis" im Angesicht dieser Geschichte. Absolut lesenswert!
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am 30. Januar 2003
„Das Leid hat kein Maß, die Ungerechtigkeit keinen Gradmesser" - so beschreibt der 1929 in Budapest geborene Imre Kertesz, der Auschwitz überlebte und 40 Jahre lang im stalinistischen Ungarn verbrachte, seine fast ein halbes Jahrhundert andauernden Erfahrungen mit nazistischem und bolschewistischem Terror.
Kertesz, der 2002 den Nobelpreis für Literatur erhielt, beschäftigt sich in vorliegenden Essays und Reden mit dem Jahrhundert des Holocausts und des stalinistischen Terrors; seine Beschreibungen erweisen sich weniger deskriptiv, als viel mehr den Umgang mit dem Holocaust erforschend.
So untersucht Kertesz das Verhältnis der Gesellschaft zum „Mythos Auschwitz", der für ihn universelles Synonym für totalitären Terror ist.
Ihm zufolge ist das „nicht Aufgearbeitete" für unser Jahrhundert charakteristisch, da mit Auschwitz jegliche Logik versagt habe, jegliche Kultur vernichtet worden sei, und ein „Vakuum der Kultur" entstanden sei. Auschwitz, das nicht Begreifbare, sei verdrängt worden - mit Thomas Mann gesprochen - in den „Geist der Erzählung" übergegangen, womit es aber auch der Gefahr einer gleichzeitigen Stilisierung, einer bloßen Darstellung des „Selbstmitleids" erliege.
Kertesz nähert sich dem Problem mit der Frage, ob der Holocaust Werte schaffen könne. Er geht von der Spannung zwischen dem grausamen Geschehen des Holocaust und einer daraus entstandenen gesamteuropäischen Kultur aus, die den Mythos Auschwitz zum Teil ihrer „großen Erzählung" hat. Kertesz' Lösungsansatz - den er auch in seinen Büchern verfolgt (wobei das Bekannteste wohl „Roman eines Schicksalslosen" ist, für das er den Nobelpreis erhielt) - ist „die negative Erfahrung in positives Tun zu verwandeln", dem „Vakuum der Kultur" durch Kunst zu begegnen und zu versuchen, das Geschehen aus der „Erzählung" hinein in den „Mythos" zu überführen, in einen gesamteuropäischen Wert zu tradieren.
Nicht nur, dass die gesammelten Essays ein eindrucksvolles Dokument eines Überlebenden der wohl schlimmsten Epoche des 20. Jahrhunderts sind, werfen sie auch Fragen auf, die gerade im Zuge von „Wiedergutmachungsdebatten" neue Brisanz gewinnen, und mit denen es sich auseinanderzusetzen gilt. Sie eignen sich wahrscheinlich eher für den Leser, der sich mit aktuellen Fragen des Holocaust beschäftigt, als für jemanden, der lediglich nach einer historischen Darstellung sucht.
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