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Kundenrezensionen

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Alle Elemente des Romans sind in abgewandelter Form in Camus' Biografie zu erkennen, als er um 1942 mit der Niederschrift begann. Er hatte selbst in Oran gelebt, musste sich jetzt in Paris von einer Tuberkulose erholen, erlebte dort die deutsche Besatzung und schloss sich der Résistance an. Wie der Erzähler und die Hauptfigur, der Arzt Rieux, lebte Camus von seiner Frau getrennt. Damit ist bereits angedeutet, dass die Pest nicht nur im wörtlichen Sinne als die schreckliche Seuche zu betrachten ist, sondern auch als Metapher für jede existentielle Bedrohung oder sogar das menschliche Leben schlechthin. Rieux kennt nur drei sichere Wahrheiten: "die Liebe, das Leid und die Verbannung." (245). Die Pest ist als Metapher besonders geeignet, um diese Zustände und die Menschen unter extremen Bedingungen zu studieren: Wie verhalten sie sich bei Ausbruch der Seuche, wie verändern sie sich unter der Erfahrung des Leids, der Isolation und wie deuten sie ihr Leben in dieser Situation?

Für Rieux' Freund Tarrou ist "verpestet" (204) zu sein z.B. eine existentielle Ursituation. Er empfindet es als Fluch des Menschen, für seine Ideen und Ideale auch töten zu müssen. Das will Tarrou aber um keinen Preis, hat er doch als Jugendlicher traumatisch erfahren, wie sein Vater, ein Richter, einen Menschen zum Tod verurteilt hatte. Jetzt sucht er Frieden, indem er sich in der Hilfe für die Pestkranken aufreibt. Sein Problem: Wie kann man ein Heiliger sein, ohne an Gott zu glauben? Auch Rieux arbeitet bis zur Erschöpfung gegen die Pest. Aber im Gegensatz zu Tarrou möchte er kein Heiliger sein, sondern Mensch unter Menschen, er zieht aus seiner Liebe zu den Menschen seine Kraft und aus dem Kampf gegen die Pest seinen Lebenssinn. Gleichzeitig unterstützt er den Journalisten Rambert als Anwalt für die Freude und das Glück. Dieser tut zunächst alles, um aus der geschlossenen Stadt zu entweichen und zu seiner Geliebten zu kommen, schiebt dies aber schließlich aus Einsicht bis zum Ende der Seuche auf und schließt sich den Kämpfern gegen sie an. Der Priester Paneloux erscheint dagegen in seinen krampfhaften Versuchen, die Pest theologisch zu rechtfertigen, weniger überzeugend. Und es gibt weitere Varianten menschlichen Verhaltens, die alle sehr tiefschürfend behandelt werden.

Wiederholt rechtfertigt der Erzähler Rieux seinen sachlichen Chronistenstil, der aus der Erfahrung des Leids gewonnen sei. Die Pest wird geschildert "nicht als große, endlos grausame Flammen, sondern viel eher als eine endlose Tretmühle, die alles zermalmte." (146). Rieux sieht sich gezwungen zur "Abstraktion", und dazu passen die häufigen Gespräche, philosophischen und religiösen Reflexionen, in denen wir den Philosophen und Moralisten Camus erkennen. Ebenso gibt es aber auch - und das ist wohl nicht nur für die Katastrophenzeit des 2.Weltkriegs, sondern auch für die Person und den Dichter Camus charakteristisch - Durchbrechungen der "Abstraktion", also immer wieder intensive emotionale Szenen, etwa wenn das qualvolle Sterben eines Kindes geschildert wird oder wenn Rieux das erschöpfte Gesicht seines schlafenden Freundes betrachtet. Dass der Philosoph Camus auch Dichter war, merkt man nicht zuletzt an den sehr eindringlichen atmosphärischen Beschreibungen der Stadt Oran und der Natur.

Man mag Camus in seinem grüblerischen existentiellen Ernst als zeitgebunden empfinden, nichtsdestoweniger ist klar, dass seine Gedanken und Dichtung die Zeit überdauert haben und weiter Bestand haben werden.
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TOP 1000 REZENSENTam 11. September 2011
Die Lektüre von Camus' "Die Pest" ist sicherlich nicht unbedingt aufbauend, aber trotzdem sehr lohnenswert. Denn der Autor durchschaut die menschliche Natur sehr gut, trotz seiner durch den Existentialismus geprägten negavtiven Sicht. Er hat Figuren kreiert, die alle ganz unterschiedlich auf die Pest reagieren. Vorwerfen kann man eigentlich keinem sein spezifisches Verhalten, auch wenn sie es zuweilen gegenseitig tun.
Recht früh muss das z.B. der Arzt und Erzähler Rieux erfahren. Er findet zwar Verständnis dafür, dass ein Ortsfremder trotz Verbote aus der pestverseuchten Stadt zu seiner Freundin fliehen will, ist aber nicht bereit, ihm zu helfen. Dafür muss er sich anhören, dass die Krankheit, all der Schmerz und das Leiden für ihn nur als Abstraktion existieren. Mitleid scheint nutzlos, praktischer Kampf gegen die Pest steht für ihn im Vordergrund. Er beobachtet, wie bei den Menschen um ihn herum, die in der Stadt gefangen sind, die ständig in Gefahr stehen, sich mit der Pest anzustecken, und die das Sterben ihrer Liebsten mitansehen müssen, immer mehr die Hoffnung stirbt und man aufgibt. Und das ist das Furchtbarste: dass nämlich "die Gewöhnung an die Verzweiflung schlimmer ist als die Verzweiflung selbst". Als Rieux schließlich selbst alle Lieben verliert, muss er einsehen, dass auch ihn der Schmerz schon längst getroffen hat. Sein Leid ist ohne Überraschung, denn es ist seit Monaten der gleiche Schmerz, der fortdauert.
Die Pointe setzt Camus schließlich an den Schluss. Als die Pest überstanden ist, hat der Mensch nichts gelernt. Er verfällt in sein altes Leben, leugnet innerlich, je eine so wahnwitzige Welt gekannt zu haben, in der der Tod eines Menschen ebenso alltäglich war wie der Tod von Fliegen. Nur so kann der Mensch überleben.
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Die französische Stadt Oran wird von der Pest heimgesucht. Angefangen bei einer Ratte, über eine ganze Rattenplage, die die Pest verbreiten durch ihre Flöhe, bis hin zur Übertragung des Erregers auf den Menschen.

Camus beschreibt eindringlich in fünf Kapiteln den Beginn, den Höhepunkt und das Abklingen der Pest. Er bewahrt Distanz zu seinem eigenen Text und präsentiert sich als Erzähler der Geschichte, doch der Erzähler ist eine Figur im Buch, was jedoch erst am Ende dem Leser enthüllt wird.

Camus ist Nobelpreisträger und "Die Pest" ist sein wohl bekanntestes Werk. Das Buch beschreibt bis in jede Ecke den Ausbruch der Krankheit, die Folgen und was dies alles für die Menschen bedeutet, die in der Stadt Oran eingesperrt sind und sie nicht mehr verlassen dürfen, bis die Reinigung vollzogen ist. Strenge Quarantänevorschriften müssen eingehalten werden, und, wenn Doktor Rieux, die Hauptfigur in diesem Werk, zu spät kommt, sterben sehr schnell Erwachsene, aber auch Kinder.

Bis ein Impfstoff gefunden wird gegen die Pest und es zum Rückgang der Seuche kommt, müssen viele Hindernisse überwunden werden, die eine große Stadt und ihre Bürger betreffen.

Empfehlenswerte Lektüre, die das gezwungene Handeln der Menschen in einem Ausnahmezustand bestens umschreibt.

~Bücher-Liebhaberin~
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am 27. Dezember 2003
Es fängt mit den Ratten an. Sie kommen hervor, taumeln mit blutigen Schnauzen ins Licht und winden sich, ehe sie sterben. Für die Bewohner der nordafrikanischen Stadt Oran sind die Tausenden Rattenleichname zunächst lästig. Niemand erkennt das Menetekel, sieht die Gefahr aufziehen; und doch zeichnet sich ab, dass der Tod eingekehrt ist in Oran. Der Tod, er hat einen beinahe vergessenen Namen: Pest.
Als die ersten Menschen sterben und die Ursache diagnostiziert ist, handelt endlich auch die Präfektur. Die Stadt wird hermetisch abgeriegelt. Alle sind gefangen und jeder versucht, mit der Isolation fertig zu werden, was vor allem heißt, Vergnügen zu suchen und das Leben auszukosten. Die Bewohner flüchten ins Amüsement, während der schwarze Tod wöchentlich Hunderte hinrafft.
Abseits des verzweifelten Amüsements steht ein Bündnis höchst unterschiedlicher Männer. Da ist Rieux, der Arzt, der sich der Pest entgegenstellt, ohne sie aufhalten zu können. Vom gleichen Wunsch ist der mysteriöse Tarrou beseelt, der ein Tagebuch schreibt. Rambert, der ausländische Journalist, schwankt zwischen dem Wunsch zu fliehen und dem Helfenwollen. Peneloux als Geistlicher sieht in der Pest ein göttliches Zeichen und predigt, sie als Prüfung Gottes aufzufassen. Grand, ein pflichtbewusster und zerrissener Mann, tut alles ihm Mögliche, um den Kampf gegen die Epidemie zu unterstützen. Zerrissen, doch auf andere Art, ist auch Cottard; der Selbstmordkandidat blüht auf, unterdessen die anderen welken. So ungleich jene Männer sind, so sehr verflechten sich ihre Schicksale in der Regentschaft der Pest. Und niemand weiß, wann diese Geißel verschwinden wird.
Camus' „Die Pest" beschreibt nicht ausgiebig eitrige Pestbeulen, sondern - in fast apathischer Sprache - Menschen, die in einer Notsituation zusammenhalten müssen. Und so ist das Thema denn Solidarität, nicht Pathologie. Der Literatur-Nobelpreisträger Albert Camus zeigt in seinem berühmten Roman keine Heroen oder Profilneurotiker; alles, was getan wird, ist erforderlich und wird deshalb von Menschen getan. Sie eint der Mut, das Ja zum Leben und die Hoffnung, die Pest zu besiegen. Vor der Pest sind alle gleich, danach vielleicht umso mehr.
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Mein Text bezieht sich primär auf das von Ulrich Matthes gelesene Hörbuch: Von diesen 3 Cds ist die erste die intensivste, wenn die Pest sich ausbreitet, im Algerien der späten 40er Jahre, der Zweifel an den Menschen nagt, die Unerträglichkeit der Wahrheit und die vielen toten, blutigen Ratten......... Ein Unheil kündigt sich an. Das zieht die Zuhörer immer stärker in den Bann. Matthes liest anfangs noch zurückhaltend und teilnahmslos (neutral), im weiteren Verlauf der Geschichte steigert er sich erkennbar in das (tragische) Fortschreiten der Geschichte hinein. In der zweiten Hälfte des Buches stehen die Einzelschicksale im Mittelpunkt (die jedoch an den stimmungsvollen Anfang, den Ausbruch der Pest, nicht heranreichen). Düster.
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am 22. Mai 2016
Camus' Roman über einen Pestausbruch in der Stadt Oran an der algerischen Küste beschäftigt sich weniger mit den medizinischen und verwaltungstechnischen Folgen der Epidemie, obwohl auch diese angesprochen werden, als mehr mit den menschlichen Reaktionen auf diese unmittelbare Bedrohung. Er zeigt, was die Pest mit den Menschen macht und wie sie sich und ihr Verhalten verändern angesichts der Seuche. Wichtige Fragen nach der Beziehung zwischen den Isolierten und ihren Partnern, Verwandten, Freunden außerhalb der Mauern Orans und nach der Bedeutung von Liebe und Solidarität stehen aber eher im Mittelpunkt.
Auch wenn ein anderer Rezensent die Übersetzung heftig kritisiert hat, muss ich sagen, dass mich gerade die Klarheit und Knappheit der Sprache beeindruckt haben. Die Bewertung der Übersetzung sollte immer berücksichtigen, dass wir über einen Text reden, der vor fast 70 Jahren erschienen ist und sich sprachlich sicherlich von der heutigen Ausdrucksweise unterscheidet [An mein Leseerlebnis im Französischunterricht kann ich mich leider nicht mehr erinnern, denn auch das liegt schon über 40 Jahre zurück.].

"Nichts auf der Welt ist es wert, sich von dem abzuwenden, was man liebt." (Camus, Die Pest)

PS. Eine andere Darstellung eines Pestausbruchs, die um eine politische Note erweitert ist, bietet Camus in seinem Drama "Belagerungszustand".
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am 26. Oktober 2014
"Die seltsamen Ereignisse, die Gegenstand dieser Chronik sind, haben sich 194' in Oran zugetragen. Nach allgemeiner Ansicht passten sie nicht dorthin, da sie etwas aus dem Rahmen des Gewöhnlichen fielen. Auf den ersten Blick ist Oran nämlich eine gewöhnliche Stadt und nichts weiter als eine französische Präfektur an der algerischen Küste." S 1

Der 1947 erstmals veröffentliche Roman "Die Pest" von Albert Camus ist ein unübertroffenes Meisterwerk der Analyse einer Krankheit als übergroß bedrohende Gewalt des Todes. Der Arzt Doktor Bernard Rieux begleitet uns Leser neben dem unbenannten, objektiven Erzähler auf die Straßen, die sich mehr und mehr mit toten Ratten füllen. Rasch folgt auf die toten Ratten der erste tote Mensch, ein alter Asthmatiker, der anonym bleiben wird.

Schwelgen Medien und Behörden ob der stetig wachsenden Zahl an Toten noch zwischen Unklarheit und Verdrängung, ist dem Arzt bald klar, dass diese schwere Beulenkrankheit, die ausnahmslos zum Tode führt, nichts anderes als die Pest sein kann. Schließlich bekennt man sich die Krankheit beim Namen zu nennen ("Die Zeitung und die Behörden versuchen die Pest übers Ohr zu hauen." S95) und schließt die Tore Orans, schließt ihre Häfen und trennt Familien, Ehepartner und Eltern von ihren Kindern und verbleibt in Separation, in Quarantäne.

Der Roman teilt sich in fünf Kapitel, wovon das erste das plötzliche Auftreten der Pest und das letzte Kapitel das anspruchslose Verschwinden beschreiben. Dazwischen lebt man in Quarantäne, beginnt der Schwarzmarkt zu blühen, versuchen einige heimlich aus der Stadt zu verschwinden und gehen andere ihrer Pflicht ordnungsgemäß nach und versuchen ihren Beitrag zum Kampf gegen die übergroße Bedrohung zu leisten. Zuerst erleben wir noch Tage, dann Wochen und Monate und schließlich begnügen wir uns mit Jahreszeiten bis zu jenem Zeitpunkt, an dem die Pest wieder verschwindet. Die Pest sucht sie alle heim, ohne Rücksicht auf Rang oder Alter.

"Aber dann hatten die Angehörigen ihre Tür verschlossen, weil sie das Zusammensein mit der Pest einer Trennung vorzogen, deren Ausgang sie jetzt kannten. Unter Schreien, Aufforderungen, Eingriffen der Polizei und später der Streitkräfte wurde der Kranke im Sturm genommen." S75

Der Held des Romans ist Doktor Rieux, getrennt von seiner Frau kämpft er atemlos gegen die Pest, er ist Atheist und glaubt an keinen Gott, der Menschen so qualvoll krepieren lässt: "Ich habe zu lange in Krankenhäusern gelebt, um die Vorstellung einer Kollektivstrafe zu mögen." S105; ihm gegenüber finden wir den gelehrten aber streitbaren Jesuitenpater Paneloux, der in seiner großen Predigt die Bevölkerung von der kollektiven Strafe zu überzeugen versucht. "Wenn ein Priester einen Arzt zu Rate zieht, ist das ein Widerspruch." S193; Rieux' Bekannter Joseph Grand ist ein gewissenhafter Beamter, der unaufhaltsam die Toten der Stadt registriert und statistisch erfasst, ihm gegenüber sein Nachbar Cottard, der zu Beginn des Romans von Grand und Rieux vor einem Selbstmord bewahrt wird und sich mehr und mehr als "Pestgewinnler", als Kollaborateur entpuppt. Tarrou, Rieux' Freund und Helfer im Kampf gegen die Pest, der Richter und viele andere, sie alle sind herausragend gut charakterisiert und ergänzen sich wie die Räder eines Uhrwerks. Sie alle verkörpern das Kollektiv. Unser objektiver Erzähler generalisiert in ihrem Namen Zustände und Empfindungen, ohne sich selbst davon zu distanzieren.

"Frühmorgens weht ein leichter Wind durch die noch ausgestorbene Stadt. Um diese Stunde zwischen den Toten der Nacht und den Sterbenden des Tages scheint die Pest ihr Wüten zu unterbrechen und wieder Atem zu schöpfen." S99

Der wohl menschlichste Roman Albert Camus ist die Chronik des kollektiven Sterbens, eine Abrechnung mit der Hilflosigkeit gegenüber einer größeren Macht. Er wird immer wieder mit der Belagerung Frankreichs und Camus Kriegserleben in Verbindung gebracht. Ganz allgemein weilt der Roman jedoch ambivalent zwischen unbeschreiblich sprachlicher Schönheit, größtem literarischen Talent und dem grausamen, unbarmherzigsten Schmerz in der Szene des sterbenden Kindes.

"Es war, als wenn sogar die Krankheit nicht mehr das Grausen des Alltags empfänden. In der Art, wie sie die Krankheit aufnahmen, lag jetzt so etwas wie Einwilligung. Nur das Kind wehrte sich aus Leibeskräften." S181

„Die anderen sagen: „Das ist die Pest, wir hatten die Pest.“ Es fehlt nicht viel, und sie würden einen Orden verlangen. Aber was heißt das schon, die Pest? Es ist das Leben, sonst nichts.“ S259

Ein unbeschreibliches, zeitloses Geschenk des Nobelpreisträgers Camus.
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Erster Eindruck: Weltliteratur als Hörspiel

Eine Rattenplage sucht die Hafenstadt Oran in Algerien heim. Auch eine schreckliche Krankheit dezimiert langsam aber sicher die Bevölkerung. Dr. Bernard Rieux ist überzeugt davon, dass es sich um die Pest handelt, stößt bei den Verantwortlichen jedoch auf taube Ohren. Schließlich erhärtet sich der Verdacht, und die Stadt wird abgeriegelt...

'Die Pest' in ein recht bekannter Roman des Literaturnobelpreisträgers Albert Camus und wurde nun vom WDR als Hörspiel inszeniert. In fast 140 Minuten auf 2 CDs wird das Wüten der Pest von den ersten toten Ratten bis zu der Seuche, die unzählige Menschenleben fordert, aus der Sicht des Arztes Bernard Rieux geschildert. Dabei stellt er weder ein Actionabenteuer noch einen Gruselroman in den Vordergrund, sondern betrachtet stellenweise sehr nüchtern den Menschen und seine Gefühle in den Zeiten der Krankheit. Die vielen Einschnitte, die die Pest der Bevölkerung abverlangt werden in sich steigernder Heftigkeit dargestellt, und immer wieder werden die Folgen für die Menschen genannt, die ganz kleinen, persönlichen schrecklichen Momente ebenso wie weitreichende Folgen. Deswegen kann die Handlung auch in wenigen Sätzen zusammengefasst werden, 'Die Pest' lebt von den momentanen Eindrücken und genauen Momentbeschreibungen. Das geht dann leider auf die Kosten der Dynamik, insgesamt wirkt das Werk recht zäh. Und obwohl gerade das Leid der Menschen im Vordergrund steht, kann einen dies nicht wirklich berühren, zu abstrakt geht Camus mit dem Thema um, zu nüchtern der Ton. Die Umsetzung des Werkes ist äußerst und atmosphärisch dicht, die Vorlage ist aber sicherlich Geschmackssache und wird nicht jeden überzeugen können.

Es wurden sehr gute Sprecher für diese Umsetzung gefunden, die allesamt zur Atmosphäre etwas Wesentliches beisteuern können. Allen voran natürlich Götz Schubert als Dr. Bernard Rieux, dessen dunkel gefärbte Stimme für eindrucksvolle Momente sorgt und der sich eng an den nüchternen Ton des Romans hält. Jürgen Tarrachs intensiver Ausdruck passt sehr gut zu der Figur des Jean Tarrou, den er sehr gut darstellen kann. Auch Felix Goeser ist als Raymond Rambert eine gute Wahl, kann er doch Leben in die Handlung bringen. Weitere Sprecher sind unter anderem Jürgen Thormann, Horst Mendoch und Gerd Wameling.

Die atmosphärische Gestaltung des Romans ist außerordentlich gut gelungen, immer wieder werden schwere, getragene Musikstücke eingebaut, die die Dramatik der Pest einfangen können und einen imposanten Eindruck machen. Zusammen mit den Dialogen und einigen wenigen Geräuschen ergibt sich so eine dichte Atmosphäre, die sich eng um die Handlung legt.

Ein Mensch in weißen, wallenden Gewändern läuft durch einen dunklen, von einfachen Mauern umgebenen Gang ' das ist das Titelbild, welches der Audioverlag für diese Umsetzung des WDR gewählt hat. Eine stabile und durchaus ansehnliche Papphülle in warmen, erdigen Farben beinhaltet neben den beiden CDs nur wenige Zusatzinfos.

Fazit: Die Umsetzung ist wirklich hervorragend geworden allerdings wird das Leid während der Zeiten der Pest hier etwas emotionslos geschildert.
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am 3. September 2012
"Die Pest" ist ein außerordentliches Buch. Seine Bedeutung liegt nicht in der Beschreibung der Symptome der Krankheit, von der man glaubt, dass sie nur im Mittelalter aufgetreten ist. Die Pest ist in diesem Buch eine Auseinandersetzung mit dem Nationalsozialismus, der Europa verpestete und nur zu besiegen war durch einen energischen Widerstandskampf, durch Solidarität.
Albert Camus gelang es sehr beeindruckend, die unterschiedlichen Charaktere tiefgründig darzustellen.
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am 28. Juli 1999
Um sich Camus' Roman „Die Pest" zu vergegenwärtigen, muß man das Eingangszitat von Daniel Defoe betrachten: „Es ist ebenso vernünftig, eine Art Gefangenschaft durch eine andere darzustellen, wie irgend etwas wirklich Vorhandenes durch etwas, das es nicht gibt.". Camus schafft mit dem Roman, den er 1947 geschrieben hat, Parallelen zur Resistance und Kollaboration in Frankreich während des zweiten Weltkrieges, wenngleich die Handlung von „Die Pest" frei erfunden ist.
Camus schildert den Verlauf einer Seuche, in diesem Fall der Pest, und zieht damit die Allegorie zu der Zeit, die für „die deutsche Okkupation und die Welt der Konzentrationslager, die Atombombe und die Aussicht auf den dritten Weltkrieg", aber auch für „das Zeitalter der Unmenschlichkeit, des Gottesstaates, der Maschinenherrschaft, der verantwortungslosen Bürokratie" steht (P. de Boisdeffre). Er zeigt die Auswirkungen auf das moralische Klima und er führt die exemplarischen Reaktionen einer Reihe von Einzelpersonen vor, die sich mit der Tragödie der Seuche nicht abfinden wollen.
Camus' Roman ist gerade vor dem Hintergrund der einsetzenden und andauernden Vichy-Aufarbeitung von hohem Interesse. Man muß ihn einfach gelesen haben. (Dies ist eine Amazon.de an der Uni-Studentenrezension.)
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