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51 von 53 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
5.0 von 5 Sternen Leben und Verhalten von Menschen in einer Ausnahmesituation
In Oran, einer Stadt an der algerischen Küste, die jeder anderen mitteleuropäischen Stadt entspricht, bricht die Pest aus und über die gesamte Stadt wird Quarantäne verhängt. Jedem Bewohner, der sich zu diesem Zeitpunkt innerhalb der Stadtmauern befindet, wird dadurch für die folgenden Monate die Möglichkeit genommen, diese zu verlassen...
Am 19. April 2001 veröffentlicht

versus
3 von 4 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
1.0 von 5 Sternen Die Übersetzung ist die Pest! Schade um ein grandioses Buch.
"La Peste" ist ein herausforderndes Werk - nüchtern und zugleich nuancenreich, brutal und zugleich elegant, philosophisch ohne abgehoben zu sein, packend und ermüdend in einem, herzlos und liebevoll auf einmal.

Es ist eine Herausforderung, der der Übersetzer leider in keiner Weise gewachsen war. Denn auf Deutsch, zumindest in dieser...
Vor 6 Monaten von Jan Schoenmakers veröffentlicht


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2 von 2 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
4.0 von 5 Sternen historisch-gesellschaftlich bedeutendes Werk, 23. November 1999
Von Ein Kunde
Rezension bezieht sich auf: Die Pest (Gebundene Ausgabe)
"Die Pest" ist die detailgetreue und schreckliche Geschichte einer Epedimie, wie sie in Oran ausbricht. Obwohl "Die Pest" wie eine Chronik der damit verbundenen Ereignisse erscheint, geht sie doch weit darueber hinaus und beruehrt viele philosophische und soziologische Fragen unserer Zeit. Albert Camus stellt uns Charaktere vor, die in der einen oder anderen Weise in die Geschehnisse verwickelt sind. Er zeigt brilliant deren Gedanken, Gefuehle und Reaktionen auf die Tragoedie. Manchmal hat man den Eindruck, dass alle diese Charaktere die Person Camus'selbst wiederspiegeln, aufgespalten in mehrere Interpreten der Ereignisse. Der Niedergang Orans unter der Pest symbolisiert, wenn man weiter denkt, sehr gut das Paris waehrend der deutschen Besatzung. Das sich der Epedimie Gegenueberstellen ist daher gleichbedeutend mit dem Kampf gegen die Ungerechtigkeit. (Dies ist eine Amazon.de an der Uni-Studentenrezension.)
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2 von 2 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
5.0 von 5 Sternen ............die pest in algerien und - mit ulrich matthes mittendrin!, 12. April 2008
Von 
J. Fromholzer "fromholzer" (berlin) - Alle meine Rezensionen ansehen
(VINE®-PRODUKTTESTER)    (TOP 500 REZENSENT)    (REAL NAME)   
Rezension bezieht sich auf: Die Pest. 3 CDs (Audio CD)
Mein Text bezieht sich primär auf das von Ulrich Matthes gelesene Hörbuch: Von diesen 3 Cds ist die erste die intensivste, wenn die Pest sich ausbreitet, im Algerien der späten 40er Jahre, der Zweifel an den Menschen nagt, die Unerträglichkeit der Wahrheit und die vielen toten, blutigen Ratten......... Ein Unheil kündigt sich an. Das zieht die Zuhörer immer stärker in den Bann. Matthes liest anfangs noch zurückhaltend und teilnahmslos (neutral), im weiteren Verlauf der Geschichte steigert er sich erkennbar in das (tragische) Fortschreiten der Geschichte hinein. In der zweiten Hälfte des Buches stehen die Einzelschicksale im Mittelpunkt (die jedoch an den stimmungsvollen Anfang, den Ausbruch der Pest, nicht heranreichen). Düster.
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9 von 11 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
5.0 von 5 Sternen gerade vorHintergrund der Vichy-Aufarbeitung interessant, 28. Juli 1999
Von Ein Kunde
Um sich Camus' Roman „Die Pest" zu vergegenwärtigen, muß man das Eingangszitat von Daniel Defoe betrachten: „Es ist ebenso vernünftig, eine Art Gefangenschaft durch eine andere darzustellen, wie irgend etwas wirklich Vorhandenes durch etwas, das es nicht gibt.". Camus schafft mit dem Roman, den er 1947 geschrieben hat, Parallelen zur Resistance und Kollaboration in Frankreich während des zweiten Weltkrieges, wenngleich die Handlung von „Die Pest" frei erfunden ist.
Camus schildert den Verlauf einer Seuche, in diesem Fall der Pest, und zieht damit die Allegorie zu der Zeit, die für „die deutsche Okkupation und die Welt der Konzentrationslager, die Atombombe und die Aussicht auf den dritten Weltkrieg", aber auch für „das Zeitalter der Unmenschlichkeit, des Gottesstaates, der Maschinenherrschaft, der verantwortungslosen Bürokratie" steht (P. de Boisdeffre). Er zeigt die Auswirkungen auf das moralische Klima und er führt die exemplarischen Reaktionen einer Reihe von Einzelpersonen vor, die sich mit der Tragödie der Seuche nicht abfinden wollen.
Camus' Roman ist gerade vor dem Hintergrund der einsetzenden und andauernden Vichy-Aufarbeitung von hohem Interesse. Man muß ihn einfach gelesen haben. (Dies ist eine Amazon.de an der Uni-Studentenrezension.)
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9 von 11 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
5.0 von 5 Sternen Menschen am Abgrund, 3. Dezember 2006
Von 
Hendrik Vadersen "hendrikvadersen" (Fehmarn) - Alle meine Rezensionen ansehen
(VINE®-PRODUKTTESTER)    (REAL NAME)   
Rezension bezieht sich auf: Die Pest. 3 CDs (Audio CD)
Wenn die Menschen am Abgrund stehen, dann sieht es wohl so aus, wie Camus es in 'Die Pest' beschrieben hat.

Anfangs ist es noch sehr spannend, was als nächstes passiert, aber dann wird immer mehr klar, dass es die Pest ist und dass ihr so gut wie keiner entkommen kann.

Es wird hier keine Pandemie beschrieben, sondern eine eingegrenzte lokale Epidemie. Nicht die Menschheit steht am Abgrund, sondern einzelnen Schicksale.

Was in den großen Filmen in denen ein 'Outbreak' bevorsteht untergeht und alles daran gesetzt wird dies zu verhindern und alle eigentlich auch von den Hauptcharakteren, beschreibt Camus die Wirklichkeit.

Die Pest fordert Menschenopfer. Aber dabei gelingt es Camus viele kleine Einzelschicksale miteinander zu verweben. Der Erzähler, der gleichzeitig auch der Arzt und damit der Hauptcharakter, aber kein Ich-Erzähler ist, sieht sich der anmutenden Allmacht der Pest gegenüber und die Willkür mit der sie zuschlägt. Denn er ist einer, der von ihr verschont bleibt, obwohl er die erste Ratte entdeckt.

Dieses Hörbuch/Buch ist auf jeden Fall fünf Sterne wert und es lohnt sich 'Die Pest' zu kennen.
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5 von 6 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
5.0 von 5 Sternen Man wird des Mitleids müde, wenn das Mitleid nutzlos ist., 22. März 2004
Rezension bezieht sich auf: Die Pest. 3 CDs (Audio CD)
Das ist der Satz aus dem Buch der sich mir am festesten ins Gedächtnis eingebrannt hat.
Ich will mich hier nicht mit dem Buch als solchem auseinandersetzen. Sehr viel, ich glaube beinahe schon zuviel, ist hier schon geschrieben, reingedeutet und abgeleitet worden. Man soll den Roman, denn das ist er - vielleicht eine sehr anspruchsvolle Belletristik -, einfach nur für sich lesen, die Gedanken, Lesarten usw. kommen von alleine.
Auch bracht man, meiner Meinung nach, den Text nicht im geschichtlichen Kontext zu sehen - er ist gewissermaßen zeitlos.
Der Roman hat auch einige Schwächen, logische und solche die den Spannungsbogen betreffen und ist trotzdem besser als 98% aller auf dem Markt verfügbaren Romane.
Die Lesung von Ulrich Matthes ist handwerklich nicht zu beanstanden und für mich der beste Weg sich diesem Werk zu nähern. Man ist der „Mühe" des Lesens enthoben und kann sich voll und ganz auf die Handlung konzentrieren.
Fazit: ein nicht ganz einfaches Werk der Weltliteratur, dem man sich doch bitte ohne Vorurteile auf sich wirken lassen soll. Es wird von sich aus dafür sorgen, daß es lange im Erinnerung bleibt!
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2 von 2 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
5.0 von 5 Sternen Ein Hörvergnügen, 22. November 2013
Rezension bezieht sich auf: Die Pest (genehmigte Lesefassung) (Audio CD)
Ein unglaublicher Stoff undglaublich vorgetragen eine exzellente Aufnahme, Beindruckend. Ich konnte nciht aufhören. Ein Genuss, ich habe nicht mehr Superlative
Ein Hörbuch der besonderen Art - das passt das "auserlesen", das der Verlag als Werbebotschaft nutzt.
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2 von 2 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
5.0 von 5 Sternen "Die Pest" ist ein außerordentliches Buch. Seine Bedeutung liegt nicht in der Beschreibung der Ereignisse, die die Stadt erfass, 3. September 2012
Verifizierter Kauf(Was ist das?)
Rezension bezieht sich auf: Die Pest (Taschenbuch)
"Die Pest" ist ein außerordentliches Buch. Seine Bedeutung liegt nicht in der Beschreibung der Symptome der Krankheit, von der man glaubt, dass sie nur im Mittelalter aufgetreten ist. Die Pest ist in diesem Buch eine Auseinandersetzung mit dem Nationalsozialismus, der Europa verpestete und nur zu besiegen war durch einen energischen Widerstandskampf, durch Solidarität.
Albert Camus gelang es sehr beeindruckend, die unterschiedlichen Charaktere tiefgründig darzustellen.
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1 von 1 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
5.0 von 5 Sternen Liebe ist alles, 31. Juli 2009
Von 
Ibrahim Evsan (Köln) - Alle meine Rezensionen ansehen
(REAL NAME)   
Es gibt zahlreiche Interpretationen zum Werk des Philosophen Albert Camus. Auch Auslegungen auf den zweiten Weltkrieg, die durchaus gut zutreffend. Sollte Camus aber in erster Linie beabsichtigt haben, den Lesern einen Spiegel vorzuhalten, dann ist ihm dieses Vorhaben erfüllt.

Camus stellt grundlegendste Emotionen des Menschen wie Verzweiflung, Angst, Sehnsucht, Zuversicht, Hoffnung ins konzentrierte Licht. Die Hauptpersonen befinden sich allesamt in einer absoluten Ausnahemsituation, abgeschottet von der Außenwelt. Sie haben nicht die Möglichkeit, ihre Emotionen in der Hektik und Anonymität des Alltags zu leben. Die Charaktere müssen sich, viele von ihnen zum ersten mal, mit ihren Gefühlen, ihren Gedanken, ihrem Gewissen, ihrem Handeln auseinandersetzen und lernen jemanden kennen: sich selbst.

Die ständige emotionale Randlage und die sprachliche Intelligenz eines Albert Camus lassen dieses Buch an den Händen kleben, bis man die letzte Seite ausgelesen ist.

Was habe ich gelernt?
Menschen sind fähig mit Liebe für andere Menschen zu handeln und dafür Liebe zu erhalten. Wenn alle Menschen nach dieser Vorstellung leben würden gäbe es kein Leid auf unserer Welt.
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5.0 von 5 Sternen Psychologisch wertvoll!, 5. Februar 2009
Rezension bezieht sich auf: Die Pest (Taschenbuch)
Die Handlung spielt im Jahre 194... in dem algerischen Küstenstädtchen Oran. Es beginnt mit ein paar toten Ratten und seltsamen Todesfällen in der Bevölkerung bis schließlich offiziell der Ausbruch der Pest bestätigt wird. Die Stadt und deren Bewohner werden ohne Vorwarnung von der Außenwelt abgeschottet, es gibt keine Möglichkeit der Kontaktaufnahme zur Außenwelt, denn auch Telegramme sind verboten. Dieser Zustand der strikten Quarantäne dauert kanpp ein Jahr und Camus führt den Leser mittels ambivalent angelegter Charaktere durch diese Zeit.

Die Entwicklung der Situation wird sehr eindringlich und durchdacht dargestellt und steht letztendlich doch für das Gesamtbild der Menschheit an sich.
Vom anfänglichen Verkennen der ernsten Lage, dem anschließenden Ausbruch der kopflosen Panik bis hin zur Phlegmatie und Selbstaufgabe zeigt Camus an Einzelschicksalen lebhaft dargestellt die vollkommene "Funktionsweise" des Menschen.

Manche sind einem sympathischer und andere weniger, wie es wohl mehr oder weniger in jedem Roman der Fall ist, aber je tiefer man in die Charaktere, deren Biografie und Motivation vordringt, versteht man, dass es hierbei nicht um Sympathie geht.
Camus bringt einen dazu, zu verstehen.
Man entwickelt nach und nach Verständnis für jeden einzeln angelegten Charakter in diesem Stück, weil man sich selbst, eigene Hoffnungen, Ängste, Verzweiflungen und jede Menge mehr in ihnen und ihren Handlungsweisen erkennt.

Es gibt etliche Interpretationen zu diesem Werk des Philosophen Camus, u.a. auch Auslegungen auf den zweiten Weltkrieg, die durchaus gut zutreffen können. Sollte der Autor aber und in erster Linie beabsichtigt haben, den Lesern einen Spiegel vorzuhalten, dann ist ihm dieses Vorhaben m. M. nach sehr gut geglückt.
Umso bedrückender wirkt das Scheitern einzelner Personen an ihrem Schicksal, das Scheiter unserer eigenen Hoffnung.

Die Tatsache, dass Camus die grundlegendsten Emotionen des Menschen wie Verzweiflung, Angst, Sehnsucht, Zuversicht, Hoffnung, etc. in solch konzentrierter Reinform hinstellen konnte, verdankt er dem Rahmen, den er seinen Personen gegeben hat.
Sie befinden sich allesamt in einer absoluten Ausnahemsituation, abgeschottet von der Außenwelt haben sie nicht die Möglichkeit, ihre Emotionen in der Hektik und Anonymität des Alltags zu verlieren. Die Charaktere müssen sich, viele von ihnen zum ersten mal überhaupt, mit ihren Gefühlen, ihren Gedanken, ihrem Gewissen, ihrem Handeln auseinandersetzen und lernen jemanden kennen, mit dem sie bisher ihr ganzes Leben verbracht haben: sich selbst.

Die ständige emotionale Randlage und die sprachliche Intelligenz eines Albert Camus lassen dieses Buch an den Händen kleben, bis man die letzte Seite ausgelesen hat.

Zur Motivation und allgemeinen Erheiterung dient dieses Werk allerdings nicht, sondern hinterlässt gemäß der allgemeinen Philosophie Camus` die deprimierende Erkenntnis, dass der Mensch zwar vieles vermag, aber sich letztendlich permanent in einer solch absurden Situation befindet, dass selbst alles Handeln keinen Ausweg bringen kann. Das einzig Positive, das der Autor dem Leser zu erkennen gibt, ist die Fähigkeit des Menschen zur Liebe, in Liebe für andere Menschen handeln zu können und Liebe zu erhalten.
Dementsprechend wirken auch die Charaktere in dem Buch als Marionetten ihrer Umwelt, ihrer Gefühle und jeweiligen momentanen Situation, sprich des Absurdums, wie Camus es in seiner Philosophie beschreibt.

Fazit:
Ich bin kein Freund seiner Philosophie, aber dieses Buch ist auf eine Art und Weise geschrieben, die einen unmittelbar berührt, betrübt und vor den Gedanken stellt, dass der Mensch in seiner Unvollkommenheit doch stets um einen Ausweg aus seiner Situation bemüht ist.

Empfehlen kann ich dieses Buch v.a. denjenigen, die für den Bereich der philosophischen sowie sozialen Anthropologie Interesse hegen und nichts gegen ein bißchen deprimierende Kost einzuwenden haben.
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1 von 1 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
5.0 von 5 Sternen Die Liebe, das Leid und die Verbannung, 22. Januar 2012
Von 
Diethelm Thom - Alle meine Rezensionen ansehen
(VINE®-PRODUKTTESTER)    (TOP 1000 REZENSENT)    (REAL NAME)   
Rezension bezieht sich auf: Die Pest (Taschenbuch)
Alle Elemente des Romans sind in abgewandelter Form in Camus' Biografie zu erkennen, als er um 1942 mit der Niederschrift begann. Er hatte selbst in Oran gelebt, musste sich jetzt in Paris von einer Tuberkulose erholen, erlebte dort die deutsche Besatzung und schloss sich der Résistance an. Wie der Erzähler und die Hauptfigur, der Arzt Rieux, lebte Camus von seiner Frau getrennt. Damit ist bereits angedeutet, dass die Pest nicht nur im wörtlichen Sinne als die schreckliche Seuche zu betrachten ist, sondern auch als Metapher für jede existentielle Bedrohung oder sogar das menschliche Leben schlechthin. Rieux kennt nur drei sichere Wahrheiten: "die Liebe, das Leid und die Verbannung." (245). Die Pest ist als Metapher besonders geeignet, um diese Zustände und die Menschen unter extremen Bedingungen zu studieren: Wie verhalten sie sich bei Ausbruch der Seuche, wie verändern sie sich unter der Erfahrung des Leids, der Isolation und wie deuten sie ihr Leben in dieser Situation?

Für Rieux' Freund Tarrou ist "verpestet" (204) zu sein z.B. eine existentielle Ursituation. Er empfindet es als Fluch des Menschen, für seine Ideen und Ideale auch töten zu müssen. Das will Tarrou aber um keinen Preis, hat er doch als Jugendlicher traumatisch erfahren, wie sein Vater, ein Richter, einen Menschen zum Tod verurteilt hatte. Jetzt sucht er Frieden, indem er sich in der Hilfe für die Pestkranken aufreibt. Sein Problem: Wie kann man ein Heiliger sein, ohne an Gott zu glauben? Auch Rieux arbeitet bis zur Erschöpfung gegen die Pest. Aber im Gegensatz zu Tarrou möchte er kein Heiliger sein, sondern Mensch unter Menschen, er zieht aus seiner Liebe zu den Menschen seine Kraft und aus dem Kampf gegen die Pest seinen Lebenssinn. Gleichzeitig unterstützt er den Journalisten Rambert als Anwalt für die Freude und das Glück. Dieser tut zunächst alles, um aus der geschlossenen Stadt zu entweichen und zu seiner Geliebten zu kommen, schiebt dies aber schließlich aus Einsicht bis zum Ende der Seuche auf und schließt sich den Kämpfern gegen sie an. Der Priester Paneloux erscheint dagegen in seinen krampfhaften Versuchen, die Pest theologisch zu rechtfertigen, weniger überzeugend. Und es gibt weitere Varianten menschlichen Verhaltens, die alle sehr tiefschürfend behandelt werden.

Wiederholt rechtfertigt der Erzähler Rieux seinen sachlichen Chronistenstil, der aus der Erfahrung des Leids gewonnen sei. Die Pest wird geschildert "nicht als große, endlos grausame Flammen, sondern viel eher als eine endlose Tretmühle, die alles zermalmte." (146). Rieux sieht sich gezwungen zur "Abstraktion", und dazu passen die häufigen Gespräche, philosophischen und religiösen Reflexionen, in denen wir den Philosophen und Moralisten Camus erkennen. Ebenso gibt es aber auch - und das ist wohl nicht nur für die Katastrophenzeit des 2.Weltkriegs, sondern auch für die Person und den Dichter Camus charakteristisch - Durchbrechungen der "Abstraktion", also immer wieder intensive emotionale Szenen, etwa wenn das qualvolle Sterben eines Kindes geschildert wird oder wenn Rieux das erschöpfte Gesicht seines schlafenden Freundes betrachtet. Dass der Philosoph Camus auch Dichter war, merkt man nicht zuletzt an den sehr eindringlichen atmosphärischen Beschreibungen der Stadt Oran und der Natur.

Man mag Camus in seinem grüblerischen existentiellen Ernst als zeitgebunden empfinden, nichtsdestoweniger ist klar, dass seine Gedanken und Dichtung die Zeit überdauert haben und weiter Bestand haben werden.
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Die Pest
Die Pest von Albert Camus (Taschenbuch - Dezember 1998)
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