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50 von 52 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
5.0 von 5 Sternen Leben und Verhalten von Menschen in einer Ausnahmesituation
In Oran, einer Stadt an der algerischen Küste, die jeder anderen mitteleuropäischen Stadt entspricht, bricht die Pest aus und über die gesamte Stadt wird Quarantäne verhängt. Jedem Bewohner, der sich zu diesem Zeitpunkt innerhalb der Stadtmauern befindet, wird dadurch für die folgenden Monate die Möglichkeit genommen, diese zu verlassen...
Am 19. April 2001 veröffentlicht

versus
19 von 26 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
3.0 von 5 Sternen Vorsicht ist geboten!
Eine heikle Sache dieses Buch zu rezensieren, gerade weil es sich eine Armada von Deutschlehrern zur Aufgabe gemacht hat, ihren Schülern dieses Buch vorzusetzen und es sich bis zur Bewusstlosigkeit interpretieren zu lassen. Mir ensteht der Eindruck, das, wer etwas negatives über Albert Camus "Die Pest" sagt, automatisch einen schweren Stand hat.
Dieses Buch...
Veröffentlicht am 4. August 2008 von "Fiodor"


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50 von 52 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
5.0 von 5 Sternen Leben und Verhalten von Menschen in einer Ausnahmesituation, 19. April 2001
Von Ein Kunde
Rezension bezieht sich auf: Die Pest (Taschenbuch)
In Oran, einer Stadt an der algerischen Küste, die jeder anderen mitteleuropäischen Stadt entspricht, bricht die Pest aus und über die gesamte Stadt wird Quarantäne verhängt. Jedem Bewohner, der sich zu diesem Zeitpunkt innerhalb der Stadtmauern befindet, wird dadurch für die folgenden Monate die Möglichkeit genommen, diese zu verlassen und zu fliehen. Albert Camus schildert in seinem Roman „Die Pest" die verschiedenen Verhaltensweisen der Menschen in einer Ausnahmesituation wie dieser. Die Hauptperson etwa, Dr. Rieux, stürzt sich in die Arbeit und versucht mit allen in seinen Möglichkeiten stehenden Mitteln die Pest einzudämmen und den Betroffenen zu helfen. Bei dieser Arbeit begegnen ihm die verschiedensten Charaktere, wie ein in der Zeit vor der Quarantäne verzweifelter Mann , der nach einigen zwielichtigen Unternehmungen die Justiz fürchtet und einen Selbstmordversuch unternimmt. In der Pestzeit jedoch lebt dieser Mann auf und entwickelt auch neue Lebensfreude, da die Polizei aufgehört hat, sich um „kleine" Verbrecher wie ihn zu kümmern. Ein weiteres Beispiel für unterschiedliche Reaktionen auf ein und das selbe Ereignis ist auch Rambert, ein Journalist, der nur zufällig in Oran weilt, als die Stadttore geschlossen werden und der mit allen Mitteln versucht, zu entfliehen, da er sich von der Pest nicht betroffen fühlt. Er fühlt sich in keinster Weise mit den eingeschlossenen Menschen verbunden, da er nicht dort lebt und nur zufällig davon mithineingezogen wird. Darum sieht er nicht ein, dass auch er die Stadt nicht verlassen darf. Was seine Situation noch verschärft ist die Tatsache, dass er, noch frisch verliebt, von seiner Freundin getrennt ist und fürchtet, dass durch seine erzwungene Isolierung die Beziehung zerbricht. Eine wichtige Person, die das Leben in Oran in dieser Extremsituation entscheidend prägt, ist der Priester Paneloux, der zu Beginn der Pest noch die Überzeugung hat, dass die Pest eine Geisel Gottes und eine Art Kollektivstrafe für die Bürger Orans ist, da sie sich nicht an die Gebote Gottes hielten. Erst im Laufe der Zeit, nachdem er ein Kind beim Sterben beobachten mußte, beginnt auch er seine Meinung etwas zu ändern und glaubt nicht mehr sosehr an die Kollektivstrafe, vertritt aber immer noch die Meinung, dass man die Pest als von Gott geschickt einfach akzeptieren muß, denn wenn man an Gott glaubt, muß man bedingungslos an ihn glauben und sein Handeln annehmen, selbst wenn dies bedeutet, dass man den Tod eines unschuldigen Kindes akzeptieren muß. Das Leben in Oran wird, wie bereits beschrieben, vollkommen aus der gewohnten Bahn geworfen, Liebende, Eltern und Kinder werden durch die Quarantäne voneinander getrennt und der stets allgegenwärtige Tod läßt die Menschen nicht mehr ihr „normales" Leben verfolgen. So wechseln sich innerhalb der Bevölkerung Phasen der Resignation mit Phasen des überschäumenden Lebensdranges ab, in der sie versuchen in den verschiedensten Vergnügungen ihre Angst und Verzweiflung zu vergessen. Erst nach mehreren Monaten beginnt die Pest wieder abzuklingen und die Menschen, obwohl jeder Familienmitglieder und Freunde verloren hat, nehmen wieder ihr altgewohntes Leben auf. Doch es gibt auch einige Bürger, unter ihnen Rieux, denen dies nicht mehr möglich ist, da sie erkannten, wie vergänglich das meiste von dem, das wir täglich anstreben, wie Geld, Macht oder auch Liebe, ist, denn in einer Ausnahmesituation wie der Pest, verliert dies alles an Wichtigkeit.
In Albert Camus existentialistischen Roman „Die Pest" steht weniger die Handlung im Vordergrund als die Fragen, mit denen sich der Leser konfrontiert sieht; Kann man an einen Gott glauben, der die Pest und das damit verbundene Leid zulässt? Oder auch, wie ein Charakter des Buches es ausdrückt „Kann man ein Heiliger ohne Gott sein, [...]?" Neben den religiösen Fragen mußte ich mich persönlich auch noch einer anderen stellte; Wie würde ich in einer ähnlichen Situation reagieren? Welche Bedeutung haben die Dinge wirklich, die ich so furchtbar wichtig nehme? Genau die Suche nach Antworten spiegelt die Ideen des Existentialismus wider und läßt, mich jedenfalls, vor allem über die Sinnhaftigkeit meines Lebens und meines Verhaltens nachdenken und schreit förmlich danach, auch einiges zu ändern, was jedoch auch viel Mut verlangt. Genau diesen Mut beweisen aber all jene in dem Buch, die Paneloux widersprechen und die Schuld für die Pest nicht bei sich oder bei Gott suchen, sondern die Situation als solche annehmen und versuchen, im Rahmen der Situation „das Beste" zu machen, wie Rieux etwa, der seine Energie nicht darauf verschwendet, mit der Situation zu hadern, sondern den anderen hilft.
„Die Pest" ist kein Buch, das man in einem liest und dann weglegt, bei dem es reicht den Inhalt zu kennen, sondern Camus zwingt einen, durch kurze, aber wichtige Dialoge genau hinzusehen und durch extreme Charaktere wie Paneloux sich selbst genauer mit der Thematik zu beschäftigen. Meiner Meinung nach ist dies ein Buch, das man mehr als nur einmal lesen kann, da man immer wieder Neues darin findet und man sicherlich auch, durch wechselnde Lebensumstände, seine Einstellung zu gewissen Dingen ändert.
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26 von 28 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
5.0 von 5 Sternen Was taugen Lebensanschauungen in Extremsituationen?, 17. Juni 2005
Rezension bezieht sich auf: Die Pest. 3 CDs (Audio CD)
Das Buch:
"Was taugen Lebensanschauungen?" das ist die Frage, die der Existentialismus seit jeher beantworten will. Die Tauglichkeit einer Lebensanschauung kann nur in der Extremsituation erforscht werden, ist das entscheidende Postulat dieser Denkrichtung. Und wie könnte man das besser schildern, als in einer Situation in der jeder Einzelne um sein Leben fürchten muss. Viele Romane und Filme wurden nach Camus' Werk über Pest und Seuchen gemacht, aber keiner kommt an diese Schilderung heran, denn Camus schreibt keinen Thriller (wie z.B. in "Outbreak" dargestellt), sondern er beschreibt Menschen in dieser Grenzerfahrung. Er kümmert sich nicht um die Folgen der Pest oder gar detaillierte Schilderungen des Schreckens, sondern er bemüht sich den einzelnen Menschen und seine Reaktion auf das Erlebte zu zeichnen.
Die Handlung als solche ist schnell erzählt. Es geht um die Stadt Oran in Nordafrika wo eines Tages die Ratten sterben und bald darauf die Menschen einen schnellen aber schrecklichen Tod erleiden. Sehr bald ist klar, dass es sich um die Pest handelt und die Stadt wird abgeriegelt. Keiner darf raus und keiner will rein. Wie gehen nun die einzelnen Menschen mit dieser Situation um? Eine wunderbar einfühlsame und mitreißende Charakterstudie kann beginnen.
Sprachlich ist Camus' Werk natürlich herausragend, den Nobelpreis hat er nicht bloß für seine Themen bekommen. Stilistisch hätte er das Thema des Buches eigentlich nicht besser umsetzen können. Die Erzählung als solches ist vergleichsweise unspektakulär strukturiert und stellt im Großen und Ganzen eine geradlinige Zeitlinie dar. Die Figuren sind sehr interessant und glaubwürdig gezeichnet - und ihre Darstellung ist es auch, die dem Werk seinen speziellen Charakter gibt. Das Aufeinanderprallen des hilflosen christlichen Paters und des ebenso hilflosen agnostischen Arztes kulminiert in der Aussage, dass es besser für Gott wäre, er würde nicht existieren. Denn dann würden sich die Menschen darum kümmern anderen zu helfen, statt ihre Zeit in der Kirche zu vergeuden. Aber Camus zieht auch entscheidenden Schluss aus dem Atheismus: Wenn der Tod das absolute Ende darstellt, dann stellt der Kampf gegen diese Geißel den Sinn des Lebens dar. Eine Aufgabe an der man nur scheitern kann, an der man aber dennoch nicht verzweifeln muss.
Das Hörbuch:
Das Hörbuch ist perfekt gestaltet. Die Lesung von Ulrich Matthes könnte besser nicht vorgetragen werden, und dennoch bleibt ein Wermutstropfen. Diesen Roman muss man auch selbst lesen, denn zu oft schweifen die Gedanken ab. Liest man selbst, so hebt man die Augen vom Buch ab und folgt den Gedanken. Hört man Ulrich Matthes zu so stoppt man die CD eben nicht so ohne weiteres. Das ist allerdings keine Schwäche der Produktion, die wirklich hervorragend ist, sondern eine Schwäche des Mediums.
Fazit:
Die Pest ist ein philosophisch hochinteressantes Werk, es untersucht Lebensanschauungen und kulminiert in der Aussage, dass der Sinn des Lebens nur sein kann, gegen den Tod zu kämpfen - dies allerdings sei ein aussichtsloser Kampf. Und dennoch verzweifelt Camus daran nicht. Das Buch ist hochgradig lesenswert und daher eine uneingeschränkte Empfehlung. Das Hörbuch ist herausragend produziert, kann aber dennoch das Lesen des Buches nicht ersetzen. Dennoch hat es eine Existenzberechtigung, denn "Die Pest" liest man öfters als einmal und dann ist dieses Hörbuch eine wunderbare Alternative.
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8 von 8 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
5.0 von 5 Sternen Solidarität entsteht durch Bedrohung, 6. September 1999
Von Ein Kunde
Rezension bezieht sich auf: Die Pest (Taschenbuch)
Albert Camus möchte menschliches Verhalten und Handeln in extremer Gefangenschaft und Bedrohung ergründen. Hierzu erstellt er ein fiktives Szenario: mitten im zivilisierten zwanzigsten Jahrhundert bricht das Pestvirus in den vierziger Jahren in einer gewöhnlichen französischorientierten Stadt in Algerien aus. Die Stadt wird im Zuge der schnell anrollenden Pestmaßnahmenverwaltung hermetisch abgeriegelt und unter Quarantäne gestellt. Von der Bevölkerung wird vor allem die große Sehnsucht nach Lieben in der "Außenwelt" als erste Auswirkung der Isolierung empfunden. Die Pest als Bedrohung wird erst sehr spät wahrgenommen. Dann versucht jeder, sich aufs äußerste zu vergnügen, abzulenken und das Leben bis zum letzten auszukosten. Abseits der allgemeinen Schilderungen der Masse widmet sich Camus einiger weniger Protagonisten, die auf die Ausnahmesituation sehr gegensätzlich reagieren. Cottard, ein ehemaliger Selbstmordkandidat lebt durch die allgemeine Verunsicherung der Bewohner auf und hat so eine Schnittstelle gefunden, mit ihnen kommunizieren zu können und sich aus seiner Isolation herauszulösen. Der Arzt Rieux bemüht sich um Menschlichkeit, möchte helfen und heilen, so gut er kann. Im Gegensatz zu dem Geistlichen Peneloux glaubt er nicht an die göttliche Fügung der Pestseuche. Der Verlockung, durch Bestechung die Stadtmauern zu verlassen, kann sich der Journalist Rambert zunächst nicht erwehren, da er sich bisher nicht der Stadt zugehörig fühlte. Doch die Pest schafft ihre eigene Solidarität zwischen den Menschen und läßt durch den gemeinsamen Gegner - hier: das Virus - andere Feindseligkeiten vergessen. So ist Camus gewähltes Motto von Daniel Defoe vermutlich zu verstehen: die Pest kann beliebig ersetzt werden durch Situationen, die lebensbedrohend sind. Wenn auch in entscheidenden Belangen ganz anders als eine Pestseuche, kann das Szenario sicherlich auch mit einer Kriegssituation ersetzt werden: die Solidarität ob des gemeinsamen großen Gegners wäre ähnlich. Doch gibt es nicht nur kollektive Bedrohungen, auch im kleinen gibt es Zusammenschlüsse von Menschen. (Dies ist eine Amazon.de an der Uni-Studentenrezension.)
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14 von 15 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
5.0 von 5 Sternen Philosophie kann auch spannend sein, 17. April 2001
Rezension bezieht sich auf: Die Pest (Gebundene Ausgabe)
Mit diesem Roman gelingt es Camus Antworten auf wichtigte Fragen der menschlichen Existenz zu geben. Soll man auch angesichts des Leides noch an Gott glauben? Kann man ein "Heiliger ohne Gott" werden"? Wie kann trotz aller Absurdität des Daseins eine postive Einstellung zum Leben finden? Im Gegensatz zu anderen Philosophen und Schriftstellern begnügt sich Camus nicht damit, die Sinnlosigkeit all unseres Tuns nur aufzuzeigen, sondern zieht auch Konsequenzen daraus. Gerade das Scheitern wird zur neuen Ethik erkoren. Jedoch ist dieser Roman weit von trockener Philosophie entfernt sondern beschreibt stattdessen Schicksale Einzelner, die jeweils stellvertretend für eine Weltanschauung stehen. Dass dies alles auch noch in einer wunderbaren Sprache geschildert wird, versteht sich bei diesem Schriftsteller ja schon von selbst. Wem Philosophie bis jetzt zu trocken war wird durch diesen spannenden Roman eines besseren belehrt.
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19 von 21 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
5.0 von 5 Sternen Gruselig und unheimlich, 11. Dezember 1999
Von Ein Kunde
Rezension bezieht sich auf: Die Pest (Taschenbuch)
Nachdem ich die ersten dreissig bis vierzig Seiten dieses Romans gelesen habe, habe ich von Ratten getraeumt. Camus versteht es, Stimmungen zu zeichnen. Der Anfang des Buches ist unheimlich, man merkt, dass Gefahr aufzieht und wundert sich, warum sonst niemand es merkt, warum keine Vorsorgen getroffen werden. Jedes Rascheln im Raum, in dem man dieses Buch liest, laesst einen zusammenzucken und an Ratten denken, den man (oder zumindest ich) ist so in diesem Buch gefangen, dass man seine Umwelt vergisst. Diese Stimmung zieht sich das ganze Buch hindurch, Camus ist ein meisterhafter Erzaehler. Ich kann jedem, der fit in Franzoesich ist, nur empfehlen, dieses Buch in Franzoesisch zu lesen, denn Uebersetzungen verlieren erfahrungsgemaes doch immer einiges an Qualitaet (vor allem sprachlicher). "Die Pest" ist auch als Charakterstudie des Menschen faszienierend. Wie verschiedene Menschen mit der "Krankheit", welcher Art auch immer sie sei, umgehen und ihr begegnen. Diese Buch ist keine Minute lang langweilig: im Gegenteil, auch wenn gegen Ende des Buches die Beschreibungen immer ausfuerhlicher und die Zeitspannen kuerzer werden, so empfindet man es waehrend des Lesens nicht. man wird immer mehr in die Befuerchtungen, Gedanken, Angst und Panik hineingezogen. Das Ende kommt dann recht schnell, man fuehlt sich zwar halbwegs erleichtert, aber behaelt doch im Hinterkopf, dass irgendetwas zurueckgeblieben ist. Das Buch ist von sehr hoher sprachlicher und inhaltlicher Qualitaet, ich kann es jedem ans Herz legen, der ein faszinierend unheimliches Buch ueber das menschlicher Verhalten in einer isolierten Situation lesen moechte (man braucht dazu auch kein grosses Wissen ueber Camus und den Existentialismus, denn dieses Buch ist unabhaengig von philosophischen Stroemungen ein tolles Buch!) (Dies ist eine Amazon.de an der Uni-Studentenrezension.)
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11 von 12 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
5.0 von 5 Sternen Der schwarze Tod kehrt zurück, 27. Dezember 2003
Von Ein Kunde
Rezension bezieht sich auf: Die Pest (Taschenbuch)
Es fängt mit den Ratten an. Sie kommen hervor, taumeln mit blutigen Schnauzen ins Licht und winden sich, ehe sie sterben. Für die Bewohner der nordafrikanischen Stadt Oran sind die Tausenden Rattenleichname zunächst lästig. Niemand erkennt das Menetekel, sieht die Gefahr aufziehen; und doch zeichnet sich ab, dass der Tod eingekehrt ist in Oran. Der Tod, er hat einen beinahe vergessenen Namen: Pest.
Als die ersten Menschen sterben und die Ursache diagnostiziert ist, handelt endlich auch die Präfektur. Die Stadt wird hermetisch abgeriegelt. Alle sind gefangen und jeder versucht, mit der Isolation fertig zu werden, was vor allem heißt, Vergnügen zu suchen und das Leben auszukosten. Die Bewohner flüchten ins Amüsement, während der schwarze Tod wöchentlich Hunderte hinrafft.
Abseits des verzweifelten Amüsements steht ein Bündnis höchst unterschiedlicher Männer. Da ist Rieux, der Arzt, der sich der Pest entgegenstellt, ohne sie aufhalten zu können. Vom gleichen Wunsch ist der mysteriöse Tarrou beseelt, der ein Tagebuch schreibt. Rambert, der ausländische Journalist, schwankt zwischen dem Wunsch zu fliehen und dem Helfenwollen. Peneloux als Geistlicher sieht in der Pest ein göttliches Zeichen und predigt, sie als Prüfung Gottes aufzufassen. Grand, ein pflichtbewusster und zerrissener Mann, tut alles ihm Mögliche, um den Kampf gegen die Epidemie zu unterstützen. Zerrissen, doch auf andere Art, ist auch Cottard; der Selbstmordkandidat blüht auf, unterdessen die anderen welken. So ungleich jene Männer sind, so sehr verflechten sich ihre Schicksale in der Regentschaft der Pest. Und niemand weiß, wann diese Geißel verschwinden wird.
Camus' „Die Pest" beschreibt nicht ausgiebig eitrige Pestbeulen, sondern - in fast apathischer Sprache - Menschen, die in einer Notsituation zusammenhalten müssen. Und so ist das Thema denn Solidarität, nicht Pathologie. Der Literatur-Nobelpreisträger Albert Camus zeigt in seinem berühmten Roman keine Heroen oder Profilneurotiker; alles, was getan wird, ist erforderlich und wird deshalb von Menschen getan. Sie eint der Mut, das Ja zum Leben und die Hoffnung, die Pest zu besiegen. Vor der Pest sind alle gleich, danach vielleicht umso mehr.
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8 von 9 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
5.0 von 5 Sternen "Und ich werde mich bis zum Tod weigern, diese Schöpfung zu lieben, in der Kinder gemartert werden" (247)., 7. Juli 2008
Von 
Michael Dienstbier "Privatrezensent ohne fina... (Bochum) - Alle meine Rezensionen ansehen
(TOP 500 REZENSENT)    (REAL NAME)   
Rezension bezieht sich auf: Die Pest (Taschenbuch)
Zuerst sind es nur die Ratten, die zu Hunderten auf offener Straße verrecken. Schon bald jedoch geht es den Menschen nicht anders. Jämmerlich und qualvoll sterben sie in ihren Wohnungen, was, soweit man dem Erzähler folgen möchte, auch schon den einzigen Unterschied zwischen Mensch und Tier ausmacht: "Die Ratten sterben eben auf der Straße und die Menschen in ihrem Zimmer" (44).

In den vierziger Jahren wird die in Algerien gelegene Stadt Oran von der Pest heimgesucht. Um ein Ausbreiten der Seuche zu verhindern, lässt die Stadtverwaltung die Stadt hermetisch abriegeln; keiner darf mehr rein oder raus. Tausende von Menschen befinden sich nun über Monate hinweg in einer Extremsituation und müssen um das fürchten, was sonst als gegeben hingenommen wird: Die eigene nackte Existenz. Wie verhalten sich Menschen in solch einer Extremsituation? Diese Frage bildet den Kern von Albert Camus Roman "Die Pest", welcher erstmals 1947 erschienen ist. Im Zentrum der Geschichte stehen der Arzt Bernard Rieux sowie der Einzelgänger Jean Tarrou. Von Berufs wegen hat Rieux mit vielen Pestopfern engen Kontakt und wird mit den unterschiedlichsten Verhaltensweisen konfrontiert ebenso wie Tarrou, der ihm zur Seite steht. Der Mensch, nur auf sich selbst zurückgeworfen, erkennt, daß das, was er meinte, das ihn ausmachen würde, doch nur ein Konstrukt, eine Illusion war: "Ehemänner und Liebhaber, die das größte Vertauen in ihre Gefährten hatten, entdeckten, daß sie eifersüchtig waren. Männer, die sich in ihrer Liebe für leichtfertig hielten, wurden beständig. Söhne, die bei ihrer Mutter gelebt und sie kaum angesehen hatten, lasen den Grund für ihre ganze Besorgnis und Reue aus einer Falte ihres Gesichts ab, die sie in ihrer Erinnerung verfolgte" (81).

In vielen von Camus Schriften und Romanen wird das Theodizeeproblem, also die Frage, wie ein gütiger und allmächtiger Gott Leid zulassen kann, angesprochen. "Die Pest" bildet da keine Ausnahme. Und der Erzähler bezieht bezüglicher dieser Frage klar Stellung. Im Angesicht eines sterbenden Kindes, welches stundenlang vor den Augen der eigenen Eltern und der machtlosen Ärzte verreckt, schließt er:
"Und natürlich hatte der Schmerz, den diese Unschuldigen erdulden mußten, nie aufgehört, ihnen als das zu erscheinen, was er in der Tat war, nämlich ein Skandal" (242). Es ist Bernard Rieux, der das Credo des Menschen in der Revolte auf den Punkt bringt: "Ich habe eine andere Vorstellung von der Liebe. Und ich werde mich bis zum Tod weigern, diese Schöpfung zu lieben, in der Kinder gemartert werden" (247).

Camus ist nach Jean-Paul Sartre der einflussreichste Vertreter des Existentialismus. Camus prägte vor allem den Begriff der Absurdität der menschlichen Existenz. Damit umschreibt er das Missverhältnis zwischen dem menschlichen Verlangen nach Transzendenz sowie dem dröhnenden Schweigen des Universums auf dieses Verlangen. Und diese Absurdität wird auch im Roman verdeutlicht. Manche Menschen sterben, manche überleben und hinter diesem Fakttum verbirgt sich nichts anderes als die pure Gleichgültigkeit eines sinnentleerten Universums: "Aber was heißt das schon, die Pest? Es ist das Leben, sonst nichts" (348).

Fazit: "Die Pest" fasziniert ihre Leser seit mittlerweile mehr als 60 Jahren. Wie kaum jemand anderem gelang es den Existentialisten, ihre Philosophie packend und verständlich zu fiktionalisieren. Der Roman ist ein Muss für jeden, der an der abendländischen Philosophie des vergangenen Jahrhunderts interessiert ist.
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8 von 9 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
5.0 von 5 Sternen hoher Anspruch ohne Lesequal, sehr empfehlenswert, 6. Januar 2000
Von Ein Kunde
Rezension bezieht sich auf: Die Pest, Sonderausg. (Broschiert)
Einen solchen Roman wird man wohl nur sehr selten finden. Nicht oft habe ich ein Buch gelesen in dem ein solche Tiefe in der Darstellung der menschlichen Psyche erreicht wird. Unglaublich wie Camus die verschiedenen Reaktionen des Menschen auf eine Extremsituation beschreibt. Zusammengefaßt ist die Geschichte schnell und einfach. In einer kleinen Stadt bricht eine ansteckende Epidemie aus, die die meisten der Erkrankten sehr schnell tötet. Die Stadt wird hermetisch abgeriegelt, so daß weder jemand in die Stadt kommen kann, noch jemand dem scheinbar unausweichlichen Schicksal entfliehen könnte. Camus läßt in diesem Szenario seine Figuren spielen und jeder Charakter steht für die unterschiedlichsten Reaktionen auf die Katastrophe; z.B. Rieux, der Arzt, der beginnt auf seine Weise den Kampf gegen die Krankheit aufzunehmen oder Cottard, der für sich zunächst aus der Situation zu profitieren scheint, denn er versucht sich vor dem Gesetzt zu verstecken. Aber auch Tarrous, der die Welt mit anderen Augen sieht und vielleicht unwichtige Dinge in seinen Aufzeichnungen festhält, steht für eine besondere Art, mit der Situation um zu gehen. Ich hatte das Glück dieses Buch ganz ohne den Kommentar eines anderen (z.B. eines verknöcherten Lehrers, der nur seine Meinung gelten läßt) zu lesen und konnte mir so immer meine eigene Interpretation zurechtlegen. Natürlich erinnert die Beschreibung der Verbrennungsöfen an die Verbrennung der Juden in den KZs der Nazis, doch das Buch nur als Metapher auf die Judenvernichtung im Dritten Reich zu sehen, ist natürlich viel zu wenig... Ich kann das Buch nur jedem empfehlen, denn gute Literatur muß nicht eine Qual zu lesen sein, wie dieses Buch beweist, das sich leicht und zügig lesen läßt. (Dies ist eine Amazon.de an der Uni-Studentenrezension.)
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8 von 9 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
5.0 von 5 Sternen Parabel jeder menschlichen Gesellschaft., 22. Dezember 1999
Von Ein Kunde
Rezension bezieht sich auf: Die Pest (Taschenbuch)
Das Thema Albert Camus ist auch hier der Mensch in seinen tiefsten und grundsätzlichsten Bedingtheiten und Beziehungen : L' homme au fond. Eindringlich schildert der Autor das Allgemein-Menschliche, das Ewig-Wiederkehrende, die Grundprinzipien menschlicher Existenz. So kann die "Pest" vielfach gedeutet werden : als biologisches, soziales, historisches Phänomen. Es ist durchaus möglich, dies ein Strang der literaturwissenschaftlichen Forschung, die sich nicht zuletzt auf das Erscheinungsjahr stützt, die "Pest" als Parabel auf den Faschismus zu sehen. Dies ist jedoch meines Erachtens zu wenig, es greift zu kurz, und läuft der Auffassung auch Camus' zuwider. So sehr Camus in seiner Betrachtung der menschlichen als einer absurden Lebensweise bemüht ist, dem Leser Identifikationsangebote zu liefern, so wenig vermag dies, sieht man vom "Helden" Rieux einmal ab, zu gelingen. (Dies ist eine Amazon.de an der Uni-Studentenrezension.)
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2 von 2 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
5.0 von 5 Sternen Ein Hörvergnügen, 22. November 2013
Rezension bezieht sich auf: Die Pest (genehmigte Lesefassung) (Audio CD)
Ein unglaublicher Stoff undglaublich vorgetragen eine exzellente Aufnahme, Beindruckend. Ich konnte nciht aufhören. Ein Genuss, ich habe nicht mehr Superlative
Ein Hörbuch der besonderen Art - das passt das "auserlesen", das der Verlag als Werbebotschaft nutzt.
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Die Pest
Die Pest von Albert Camus (Taschenbuch - Dezember 1998)
EUR 9,99
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