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22 von 23 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
5.0 von 5 Sternen Beklemmend und fesselnd. Unbedingt empfehlenswert.
„Eine Ampel in einer namenlosen Stadt springt auf Grün. Ein Auto bleibt dennoch stehen. Der Fahrer ist urplötzlich erblindet. Den freundlichen Helfer, der den Erblindeten nach Hause bringt und sich anschließend dessen Auto bemächtigt, ereilt das gleiche Schicksal. Wie eine Epidemie greift die Blindheit um sich. Der Staat reagiert brutal. Die...
Veröffentlicht am 27. Oktober 2002 von Anja

versus
12 von 16 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
3.0 von 5 Sternen Ein existentialistischer Roman
Zum Inhalt braucht man nicht mehr viel zu erzählen, viele Rezensionen haben es bereits getan. In Kürze: alle Einwohner einer Stadt, mit Ausnahme einer einzigen Frau, erblinden plötzlich und tragen einen harten Überlebenskampf aus, in der sich alles Innere nach außen kehrt, Grenzen fallen, Anarchie herrscht. Ich fühlte mich durchweg an...
Am 17. November 1999 veröffentlicht


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1 von 1 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
5.0 von 5 Sternen Spannende Horrorvision einer erblindeten Gesellschaft, 7. Juni 2013
Von Amazon bestätigter Kauf(Was ist das?)
Rezension bezieht sich auf: Die Stadt der Blinden (Taschenbuch)
Saramago schildert hier eine Gesellschaft und genauer eine Gruppe von Menschen, die alle bis auf eine Frau erblinden.

Somit fällt die Gesellschaft in das totale Chaos, die Regierung verfällt in ein menschenverachtendes Regime, die die Blinden in ein Lager sperrt und sich selbst überlässt,wo einige der Blinden beginnen eine Terrorherrschaft mit Vergewaltigungen zu etablieren, die durch das Töten der Tyrannen beendet wird.

Derweil erblindet der Rest der Gesellschaft, den im Lager eingeperrten Menschen gelingt mit Hilfe der als einzigen noch sehenden Frau der Ausbruch und die Frau bezeugt den Zerfall des Lebens in der Stadt.

Noch nie erschien mir ein Buch so grausam, nicht mal Orwells 1984. Dies wohl, weil die Schilderungen so realistisch und möglich sind.

Saramago zeigte hier eindrücklich, dass er ein großer Schriftsteller war. Wem die Geschichte nicht zu hart ist, dem sei dieser außergewöhnliche Roman, der mich in die literarische Welt Saramagos eingeführt hat, empfohlen.
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1 von 1 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
5.0 von 5 Sternen einfach wunderbar ehrlich, 7. Mai 2012
Lange habe ich nach einem Buch gesucht, das wirklich gut ist und den Nerv der Zeit trifft - in diesem Buch bin ich fündig geworden und es gehört definitiv zu meinen Lieblingsbüchern.
Das Buch beschreibt eindrucksvoll wie die Blindheit wie eine gefährliche Seuche eine ganze Stadt ergreift. Kranke, vorher kerngesunde Menschen, werden plötzlich zur Gefahr und müssen isoliert werden. Unter extremen Umständen werden die Blinden wie Schwerstkriminelle behandelt, man stellt sie vollkommen auf sich allein.
Das Buch hat mich sehr beeindruckt, weil es in meinen Augen die Gefahren der Gesellschaft aufzeigt, die man mit seinem Leben eingeht - Ausgrenzung, Diskriminierung und Terror wegen Dingen wie eine Behinderung, welche den Menschen zu etwas anderem machen als es die Gesellschaft vorgesehen hat.

Definitiv empfehlenswert!
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1 von 1 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
5.0 von 5 Sternen Beängstigend und faszinierend, 4. Februar 2012
Von 
Rezension bezieht sich auf: Die Stadt der Blinden (Taschenbuch)
Ein Mann wartet in seinem Wagen vor einer roten Ampel. Die Ampel schaltet auf grün, doch der Mann fährt nicht los. Er hat ohne Vorwarnung sein Augenlicht verloren und sieht alles weiß, als ob er "in einem Nebel gefangen oder in einen milchigen See gefallen wäre". Ein barmherziger Samariter bietet an, ihn nach Hause zu fahren und stiehlt ihm danach das Auto. Seine Frau bringt ihn mit dem Taxi zur Untersuchung in eine nahegelegene Augenarztpraxis. Innerhalb eines Tages erblinden der hilfreiche Autofahrer, der Taxifahrer, der Augenarzt und alle Patienten, die sich in dessen Wartezimmer aufgehalten haben.

Die Blindheit greift um sich wie eine Epidemie und die Regierung gerät in Panik. Die Erkrankten werden in eine leerstehende Nervenheilanstalt transportiert und dort unter Quarantäne gestellt. Soldaten, die den Befehl haben, jeden zu erschießen, der zu fliehen versucht, bewachen die Blinden. Die Frau des Augenarztes behält als Einzige ihr Augenlicht. Sie verbirgt dies jedoch und begleitet ihren blinden Mann in die Nervenheilanstalt.

Die Zahl der Opfer wächst rasant. Das Asyl ist bald überfüllt und die Versorgung der internierten Blinden bricht zusammen. Toiletten verstopfen und laufen über, die Lebensmittellieferungen gelangen nur noch sporadisch in die Klinik, es gibt keine medizinische Versorgung für die Kranken und keine Möglichkeit, die Toten richtig zu begraben. Zwangsläufig beginnen die gesellschaftlichen Konventionen ebenfalls zu zerfallen.

Eine Gruppe der blinden Insassen übernimmt die Kontrolle über die schwindende Lebensmittelversorgung und beutet die Bewohner der anderen Schlafsäle aus. Um Nahrungsmittel zu erhalten, müssen die anderen Bewohner die Wertgegenstände, die sich bei sich führen, an die Kontrolleure abgeben. Nachdem alle Wertgegenstände gegen Nahrungsmittel getauscht sind, verlangen die Ausbeuter, dass die Frauen sich zu sexuellen Dienstleistungen zur Verfügung stellen.

José Saramogo wurde am 16. November 1922 als Sohn eines Landarbeiters geboren und ist einer der bedeutendsten Autoren Portugals. Sein Roman Hoffnung im Alentejo" wurde 1981 mit dem Preis der Stadt Lissabon ausgezeichnet. 1995 erschien sein bekanntester Roman Die Stadt der Blinden" und Saramago erhielt den Camoes-Preis, die höchste Auszeichnung für Literatur in portugiesischer Sprache. 1998 wurde er mit dem Nobelpreis für Literatur geehrt.

Die Stadt der Blinden" liefert eine erschreckend detaillierte Beschreibung des Zusammenbruchs der menschlichen Gesellschaft nach einer Katastrophe. Saramago erspart seinen Figuren und dem Leser nichts. Seine Beschreibungen der unhaltbaren hygienischen Zustände in der ehemaligen Nervenheilanstalt, des Streits um die besten Schlafplätze sowie die begrenzten Nahrungsmittel und der rohen Brutalitäten wie die Massenvergewaltigung der blinden Frauen sind in ihrer Drastik bisweilen kaum zu ertragen.

Und doch ist Saramago ein unbedingter Moralist, der daran glaubt, dass es grundlegende menschliche Werte und Qualitäten gibt, die sich noch unter extremen Bedingungen bewähren. Die Frau des Arztes, die ihren Mann aus Liebe in die Quarantäne begleitet, ist so eine Lichtgestalt. Sie leiht dem Leser ihre Augen und führt ihn durch diese Hölle aus unfassbarem Schmutz und unvorstellbarer Gewaltakte, in der trotz der unerträglichen Zustände einzelne Menschen dazu fähig sind, erstaunliche Akte der Nächstenliebe zu vollbringen. Die Frau des Arztes führt die Blinden ihres Schlafsaals zur Toilette, hilft ihnen beim Ankleiden, säubert sie von Schmutz und Kot, ohne ein einziges Mal zu klagen oder ungeduldig zu werden mit diesen hilflosen Opfern der Krankheit.

Saramago macht es dem Leser nicht leicht, in seinen Roman hineinzufinden. Die Stadt der Blinden" beginnt sperrig. Schachtelsätze ziehen sich über zwei oder drei Seiten, der Autor scheint Absätze und Satzzeichen nicht sonderlich zu schätzen und die eingeschobenen Dialoge sind nur schwer von der Handlung zu trennen und als solche erkennbar. Die Figuren sind keine Personen, mit denen sich der Leser identifizieren kann. Sie stellen Typen dar, reduziert auf eine einzige Eigenschaft: der Arzt, die Frau des Arztes, der erste Blinde, die Frau des ersten Blinden, die junge Frau mit der Sonnenbrille, der schielende Junge, der Alte mit der Augenklappe oder die Blinde, die nicht schläft.

Das ebenso verstörende wie faszinierende Szenario und Saramagos knappe und präzise Sprache lassen den Leser die stilistischen Zumutungen schnell vergessen. Die Stadt der Blinden" ist ein beängstigender und sehr eindringlicher Roman, dessen Wirkung auch nicht durch das reichlich abrupte Ende, das kaum Erklärungen liefert, geschmälert werden kann.
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1 von 1 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
4.0 von 5 Sternen Ungewöhnlich, aber gut, 30. April 2011
Rezension bezieht sich auf: Die Stadt der Blinden (Taschenbuch)
Nur vier Sterne, weil der Schreibstil ein bisschen affektiert wirkt.

Ich habe das Buch schon vor einiger Zeit gelesen, aber immer noch in guter Erinnerung.
Über die Handlung wurde genug geschrieben, deshalb nur meine Eindrücke:

Das Buch bleibt im Gedächtnis haften: Beklemmung

Die namenlosen Charaktere verstärken den Außenblick, die Distanz, um einen mit umso größerer Wucht zu überfallen, wie nah wir dem Mechanismus "der Stärkere überlebt" und "scheiß auf die Moral und überhaupt" sind.

Von der Erkenntnis her nichts neues. Gib einem Menschen Macht und du erkennst seinen Charakter. Dazu gehören auch Gräueltaten. Sie ereignen sich täglich. Moral ist ein Hindernis, wenn es ums Überleben geht. Etikette und Benimm sowieso. Alles Eigenschaften, die dem Menschen nicht innewohnen oder angeboren sind.
Aber die Fähigkeit, Mitleid zu empfinden, ist es wohl.
Eine kleine Gruppe von Menschen hält zusammen und unterstützt sich gegenseitig. Einander zuhören, sich umeinander zu kümmern und sorgen, vielleicht ist das die Botschaft. Sich einem Ego-Drang zu widersetzen, um Mensch zu bleiben oder zu werden.

Das beklemmende Gefühl lässt einen bis zu den letzten Seiten nicht los.
Gewöhnungsbedürftig ist der Schreibstil.
Es ist kein Buch, das man "mal so" liest.
Man sollte Lust haben, sich auf schwer zu lesende Lektüre einzulassen.
Allemal eine Erweiterung des Lesehorizonts. Ich finde, es lohnt sich.

Allzeit gute Lesezeit
Trine
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1 von 1 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
4.0 von 5 Sternen Die Stadt der Blinden - hoffentlich passiert so was nie, 15. November 2010
Von 
B. Kugler "Bücherfan" (Michelfeld, BW Germany) - Alle meine Rezensionen ansehen
(VINE®-PRODUKTTESTER)    (REAL NAME)   
Rezension bezieht sich auf: Die Stadt der Blinden (Taschenbuch)
Klasse, erschreckend und lesenswert. Einen Punkt Abzug aber trotzdem, da die fehlende wörtliche Rede meinen Lesefluss sehr stark gehemmt hat. Alle Menschen erblinden plötzlich, außer der Frau des Augenarztes. Die Erblindeten werden weggesperrt und anfangs noch versorgt, doch nach und nach bleibt alles aus. Strom, Wasser, Essen. In der Irrenanstalt, in der unsere Gruppe gelandet ist, herrschen Zustände wie im Krieg und die Menschen organisieren sich mehr oder weniger. Ein Szenario, das man nicht miterleben möchte. Die Gruppe kann ausbrechen und stellt fest, dass draußen auch alle Menschen blind sind und sich mehr oder weniger schlecht als recht durchkämpfen. Die Frau des Augenarztes führt die kleine Gruppe an und muss aufpassen, dass niemand merkt, dass sie selbst noch sehen kann. Ich glaube den Film werde ich nicht ansehen. Die Szene, in der die Hunde den toten Menschen auf der Strasse fressen, reicht mir schon im Buch. Auch der ganze Dreck und der Schmutz, der sich überall ansammelt, muss nicht noch visualisiert werden. Die Vergewaltigungsszenen, die Morde, Erschießungen, das sind Dinge, die die Welt nicht braucht. Namen hat in dem Buch keiner, es gibt den Augenarzt, die Frau des Augenarztes, der Mann mit der Augenbinde, die junge Frau mit der dunklen Brille, der erste Blinde, die Frau des ersten Blinden, etc. Man weiß auch nicht, wo die Handlung spielt. Das Ende ist mir dann doch zu Happy-mässig, nach all dem Schrecken. Der erhobene Zeigefinger, der darauf deuten soll: und die Moral von der Geschichte, und was lernen wir jetzt daraus? Eine funktionierende Grundversorgung mit Wasser und Elektrizität hat schon was für sich. Es ist schön, dass wir sehen können, wenn auch nicht alles, was wir sehen, schön ist.
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1 von 1 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
4.0 von 5 Sternen Bedrückend aber fesselnd, 2. Oktober 2010
Rezension bezieht sich auf: Die Stadt der Blinden (Taschenbuch)
Warum dieses Buch?
Die Idee hat mich fasziniert und die Bewertungen waren auch so gut. Drum.

Was mag ich?
Das Buch hat mich gefesselt. Wenn man sich richtig einliest und auf das Buch einlässt, steckt man mittendrin und kann beinah die Empfindungen der Hauptpersonen selbst fühlen. Die Atmosphäre ist durchgehend bedrückend und ich muss zugeben, dass ich manchmal auch Angst hatte zu erblinden (auch wenn das ohne Zweifel albern ist). Es zeigt aber, wie mich dieses Buch beeindruckt hat. Alle Geschehnisse, ob schön oder grausam sind recht nüchtern beschrieben, was die realistische Wirkung des Buches bestärkt. Nicht zu vergessen, der moralische Appell an die Gesellschaft.

Was mag ich nicht?
Die Sätze sind zum Teil beinah seitenlang. Wörtliche Rede ist nicht gekennzeichnet, sondern einfach in den normalen Text eingebaut. Dies erfordert es das Buch konzentriert zu lesen um alles aufzunehmen und nichts zu verpassen. Das Ende ist beinahe schon romantisch (entgegen der grundsätzlichen Stimmung des Buches)

Meine Empfehlung:
Wen die Geschichte interessiert, der sollte es lesen - sich aber unbedingt Zeit dafür nehmen. Es ist jedenfalls ein Buch, das man nicht vergisst - aber eben kein Buch für zwischendurch.
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1 von 1 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
4.0 von 5 Sternen Keine leichte Lektüre, 13. Januar 1999
Von Ein Kunde
Rezension bezieht sich auf: Die Stadt der Blinden (Gebundene Ausgabe)
Ein bedrückendes Buch. In nüchternen Worten schildert José Saramago das Schicksal einer Stadt, eines ganzen Landes: Auf unerklärliche Weise erkranken zunächst wenige, bald aber immer mehr Menschen an einer "weißen" Blindheit. Die Blinden werden, aus Angst vor der Ansteckung, in einer leerstehenden Irrenanstalt interniert, wo schon bald Hunger, Krankheiten und Gewalt regieren. Der Autor konfrontiert seine Leser mit beunruhigenden Wahrheiten: Er zeigt, wie schnell aus Menschen Tiere werden, wie dünn der Lack der Zivilisation ist - aber er zeigt auch, daß es nicht hoffnungslos ist, an das Gute zu glauben.
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12 von 16 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
3.0 von 5 Sternen Ein existentialistischer Roman, 17. November 1999
Von Ein Kunde
Rezension bezieht sich auf: Die Stadt der Blinden (Taschenbuch)
Zum Inhalt braucht man nicht mehr viel zu erzählen, viele Rezensionen haben es bereits getan. In Kürze: alle Einwohner einer Stadt, mit Ausnahme einer einzigen Frau, erblinden plötzlich und tragen einen harten Überlebenskampf aus, in der sich alles Innere nach außen kehrt, Grenzen fallen, Anarchie herrscht. Ich fühlte mich durchweg an "Die Pest" von Camus erinnert, unter anderem auch durch die detaillierte, oft brutale Schilderung der GEschehnisse, durch die auf die Dauer etwas ermüdende Lektüre, durch den allegorischen Charakter, den ich letztlich nicht ganz aufgeschlüsselt habe. Von der Handlung her ist das Ende fast enttäuschend einfach und zu versöhnlich. Auf der anderen Seite wirft das Buch den Leser auf die Frage zurück, wie er sich selbst verhielte, wie es um die Solidarität stehe, um Strategien. Insofern ist das Buch Saramagos ein wertvolles Buch, kommt aber vielleicht zu sehr als moralische Lehre daher.
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9 von 12 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
5.0 von 5 Sternen Die Epidemie greift um sich, 10. Januar 2007
Eine Straßenkreuzung. Die Ampel schaltet auf Grün. Ein Auto bleibt stehen und behindert alle. Als der Fahrer befragt wird gibt er an, plötzlich erblindet zu sein. Er sieht nur noch ein milchiges Weiß. Ein Fremder fährt ihn nach Hause. Seine Frau bringt ihn zum Augenarzt. Für das Vorgefallene gibt es keine Erklärung, doch als der Augenarzt in derselben Nacht selbst erblindet wird die Bedrohung durch eine Epidemie greifbar. Die Regierung reagiert rasch, sperrt alle so Erblindeten und alle die mit ihnen Kontakt hatten in eine aufgelassene Irrenanstalt - als ersten den Augenarzt und seine Frau die vorgibt auch erblindet zu sein, sie wird die einzige bleiben die nicht erblindet. Die Regierung überlässt die so internierten im Wesentlichen sich selbst, riegelt die Irrenanstalt (und später auch weitere Lager) vollständig durch Militär mit Schießbefehl ab. Einzig Nahrungsmittel und Hygieneartikel werden täglich angeliefert. In der Folge schildert Saramago wie die Menschen zu immer grausamerem Verhalten greifen, wie sie zu Bestien werden - obwohl sie alle ein gemeinsames grausames Schicksal teilen. Nur wenige bleiben aufrichtig und unserem Verständnis von Moral verpflichtet.

Gekonnt und in wunderbarer Sprache erzählt Jose Saramago diese existentialistische Geschichte. Von Anfang an fühlte ich mich an Albert Camus' "Die Pest" erinnert, das zweifellos zu den ganz großen Werken des 20. Jahrhunderts zählt - und Saramagos Werk steht Camus' um nichts nach. Zugegeben es sind zwei sehr verschiedene Werke, und dennoch verbindet sie mehr, als dass beide Autoren Nobelpreisträger sind, denn sie untersuchen Menschen in Extremsituationen die durch Krankheit ausgelöst werden. Die Ergebnisse dieser Untersuchungen sind unterschiedlich, betrachtet doch Camus die religiös-existentialistische Seite auf Basis des Individuums und Saramago die soziologische Entwicklung der Gruppe.

Saramago schafft es die ganze Zeit über den Spannungsbogen aufrecht zu erhalten. Die Geschichte ist nicht nur philosophisch tief greifend, sondern auch richtiggehend mitreißend. Die gewählten Personen - die alle keinen Namen haben - sind perfekt gewählt und gut charakterisiert. Die Hauptpersonen haben sehr viel Tiefgang und werden gut entwickelt. Wenngleich das Werk in der auktorialen Erzählperspektive gefasst ist, referenziert der Autor an manchen Stellen die Insassen der Irrenanstalt mit "uns" und macht sich somit selbst zum Betroffenen. Ein wirklich wunderbares Werk von einem großartigen Autor.

Das Hörbuch:

Die ungekürzte Lesung des Buches durch Reiner Unglaub ist herausragend - nicht nur weil es bisher für mich unvorstellbar war, dass man Brailleschrift derart flüssig lesen könne. Unglaub trägt mit viel Freude, Emotion und Einfühlungsvermögen vor. Er gibt dem großartigen Text eine würdige Stimme, die sich auch darum bemüht den einzelnen Personen einen eigenen Charakter zu geben.
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6 von 8 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
5.0 von 5 Sternen geniales Buch, 12. Januar 2002
damals ich ich dieses Buch ausgeliehen bekam, hatte ich keine Vorstellung, was mich mit diesem Buch erwartete. Ich fand es anfangs schwer zu lesen, doch der ungeheure Spannungsbogen hat mich weiter lesen lassen und gefesselt. Es verdeutlich, wie Menschen zu"Tieren" und Tiere mit menschlichen Zügen versehen
werden. Es zeigt allgemein, wie ernorme Streßsituationen von jedem Einzelnen bewältigt werden. Besonders beeindruckt hat mich die Frau des Arztes und der kleine blinde Junge.
Es ist erschreckend festzustellen, daß eine Gesellschaft nicht mehr funktionstüchtig ist, sobald keine visuelle Kommunikation mehr erfolgen kann. Gesellschaftspolitisch einfach großartig!
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Die Stadt der Blinden
Die Stadt der Blinden von José Saramago (Taschenbuch - 1. April 1999)
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