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am 20. Juni 2013
Moderne Mythen sind selten. "Die Abendröte im Westen" hat die Kraft und Sprache dazu. Bei der Lektüre des finster-grausigen Romans fühlt man sich zuweilen an Joseph Conrads "Herz der Finsternis" erinnert, nur wirkt die trostlose Einöde Mexikos zur Zeit der Inidianerkriege noch schrecklicher als der kongolesische Dschungel. Vielleicht wäre gar an Grimmelshausens "Simlicius Simplicissimus" zu denken, bliebe der Held des Romans, "der Junge", nicht so merkwürdig gesichtslos. Er zieht mit den Marodeuren, aber es geht nicht um ihn; er ist vielmehr das leere Zentrum, in das all die grauenhaften Impressionen fallen. Er sieht "eine schaurige Horde auf unbeschlagenen Indianermustangs halb trunken die Straßen entlangreiten, bärtig barbarisch, in mit Sehnen vernähte Felle gehüllt, reich bewaffnet mit überschweren Revolvern, schwertgroßen Bowiemessern, kurzen doppelläufigen Büchsen mit daumesdickem Kaliber, der Sattelschmuck aus Menschenhäuten gefertigt, das Zaumzeug aus Menschenhaaren gewoben und mit Menschenzähnen verziert, die Reiter trugen Schulterbinden oder Halsschmuck aus verdorrten, schwärzlich verfärbten Menschenohren, die ungezähmten Pferde bleckten die Zähne wie bissige Hunde, (…) das Ganze wie eine Heimsuchung aus einem unzivilisierten Land, wo sich die Reiter und ihresgleichen von Menschenfleisch nährten."
Diese "Freischärler", Skalpjäger und Inianerschlächter, so verroht, daß ihnen nichts Unmenschliches fremd ist, wird angeführt vom "Richter", einem imposanten Führer, kahlköpfig, reinweißer Teint, so frei von Haaren wie von jeglicher Moral, dabei – wie häufig, etwa im Falle des Seewolfs Larsen oder Hannibal Lecters – offenbar gebildet, Feingeist, Ästhet, philosophisch durchdrungen, insgesamt ein pervertierter nietzscheanischer Übermensch im Sinne eines Schwerstverbrechers, der in seinem Selbstverständnis aber über aller Schuld steht und sie gar nicht zu empfinden vermag. Eben noch Schädel spaltend, zeichnet er kurz darauf Pflanzen ab oder die archaischen Symbole altindianischer Kultur. Ansonsten ein bellizistischer Nihilist: "Jeder Beruf geht in dem des Krieges auf."
Ich kenne keinen Gegenwartsautor, der ausdrucksvoller und atmosphärisch dichter zu schreiben vermag als Cormac McCarthy. Es verwundert, daß dieses Triptychon der Grausamkeiten einen irgendwann kaum mehr schockiert, als setzte eine unheimliche Adaptation ein und man gewöhne sich an das Protokoll menschlicher Abgründe. Um so mehr zwingt das Leseerlebnis ins Nachdenken über Anthropologie hinein.
Obwohl die Schar dieser apokalyptischen Reiter fortlaufend durch das ausgebrannte Mexiko zieht und ein Gemetzel dem nächsten folgt, steht die Handlung. Diese Prosa malt das immer Gleiche aus, eine Hölle, die Menschen Menschen bereiten, wahrlich BIlder in "Callots Manier": "Kurz darauf fanden sie die vermißten Späher; sie hingen kopfüber an den Ästen eines feuerverrußten Paloverdebaums. Ihre Fesseln waren mit spitz zugeschnitzten Grünholzzapfen durchbohrt; grau und nackt baumelten sie über der erlöschenden Glut, wo man sie geröstet hatte, bis die Köpfe verkohl waren, die Hirne in den Schädeln brodelten und Dampf aus den Nüstern pfiff. Die Zungen waren herausgerissen und mit zugespitzten Stecken an den Körpern befestigt. Die Ohren waren gekappt, die Rümpfe mit Flintsteinen aufgeschlitzt; die Eingeweide hingen an den Brustkörben herunter." Und so weiter und so fort.
Wem das zu sehr nach Hardcore-Prosa klingt, dem sei gesagt: Es finden sich hervorragende Figuren- und Charakterzeichnungen; und mitten im Alptraum fehlt es nicht an surrealistischen und skurrilen Motiven, etwa in Gestalt eines Kretins, der dem "Richter" wie ein Hofnarr folgt. Aber doch, alles tragisch, vom Gewicht Melvilles, schwer verkraftbar, dennoch groß!
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am 18. Februar 2007
Das Problem bei McCarthy ist, dass die wenigsten seiner Bücher in eine Sprache übersetzt werden können, die auch nur annähernd an das herankommt, was dieser begnadete Beobachter und Zuhörer sieht und den Menschen vom Mund abhört. Genau so authentisch wie McCarthys Sprache sind auch die Bilder der Gegenden, in denen seine Romane handeln. Ich habe selbst fast 30 Jahre im Südwesten dert USA gelebt. McCarthys Kunst ist es, eine wüstenähnliche Landschaft und die von ihr geprägten Menschen in einem grellen Licht zu zeichnen, das bis tief in ihre Abgründe reicht. In einer anderen Sprache verdunkelt sich das leider zu einer schmutzigen Brühe, in der alles verloren geht, was McCharty zu einem der aussergewöhnlichsten der modernen amerikanischen Schriftsteller macht. "Die Abendröte im Westen" ist leider ein zu dumpfer Titel für ein Buch, das im Original "Blood Meridian" heisst. Aber so ist das eben mit McCarthy, man wagt sich im deutschen Sprachraum kaum, ihn so kompromisslos wiederzugeben, wie er das verdient hätte. Bei ihm ist der Himmel im Westen BLUTROT.
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am 1. August 2009
Das ist wirklich keine leichte Kost! Einige Pausen musste ich bei diesem Buch einlegen, um das Gelesene zu verarbeiten. McCarthys mit Analogien und Metaphern gespickte Natur- und Landschaftsbeschreibungen sind schlicht wunderbar. Aber in der gleichen beinahe poetischen und äußerst bildhaften Sprache schildert er die abscheulichsten Gewalttaten, jenseits der Grenze des Erträglichen. Der Aufbau des Romans mit dem Jungen als Protagonisten (in der ursprünglichen, in der antiken griechischen Tragödie benutzten Bedeutung) und dem dämonischen Judge Holden als Antagonisten, der Technik des Bewusstseinsstroms in den Dialogen und dem Zeitenwechsel im ersten und im letzten Kaptitel wirkt auf mich wie eine gelungene Mischung aus klassischen und modernen Stilmitteln. Als Hauptquelle, der auf realen Ereignissen um die Glanton-Gang in der Mitte des 19. Jahrhunderts im texanisch-mexikanischen Grenzgebiet spielenden Geschichte, soll McCarthy der angeblich autobiograhische Bericht des ehemaligen Gang-Mitglieds (und späterem Maler und Schriftsteller) Samuel Chamberlain gedient haben.

Ein amerikanischer Kritiker sagte, dass er diesen Roman für einen der besten amerikanischen Romane des 20. Jahrhunderts halte, vergleichbar mit Melvilles "Moby Dick", aber wegen der das Buch durchdringenden, abscheulichen Gewalttätigkeit mehrere Fehlstarts hatte, bevor er es zu Ende lesen konnte. Um den ersten Teil seiner Bemerkung bestätigen zu können, besitze ich weder ausreichende Kenntnis noch genügend Bildung, obwohl ich Erzählkunst und Sprache schlicht als grandios empfinde; den Vergleich mit 'Moby Dick' finde ich gar nicht so weit hergeholt. Den letzten Teil seiner Bemerkung jedoch, kann ich sehr gut nachvollziehen.
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am 26. Juni 2015
McCarthy hat einen sehr eigenen Stil, den ich sehr schätze und mag. Bei diesem Roman gibt es von mir einen Punkt Abzug, weil sich die Geschichte im Wesentlichen ums Töten, Abschlachten, Martern und Foltern dreht. Natürlich will uns der Autor damit etwas sagen, aber das wusste ich auch schon vorher, ohne diese sehr drastischen und andauernden Gewaltorgien. Meine "Lieblingsszene" (und das meine ich natürlich nur ironisch): einem Mann wird die Haut an den Fußsohlen abgezogen und dann wird er in der Wüste allein gelassen. Unfähig zu laufen soll er dann langsam und sehr grausam sterben, nachdem er noch versucht, einige Tage auf Händen und Knien voranzukommen.

McCarthy ist kein Zeitzeuge des Geschehens, er trägt also keine Chronistenpflicht, so dass ich mich beim Lesen immer wieder gefragt habe, was ihn beim Schreiben des Romans bewegt und motiviert hat.
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am 22. Juni 2016
Ein verstörendes unglaublich detailreiches Buch, geschrieben in einer fulminanten Sprache.
Schnörkellos und immer geradeaus geschrieben.
Man hat den Eindruck, die Story sei atemlos, nur so aus dem Autor herausgeflossen, ohne dass er sich dabei um einen roten Handlungsfaden kümmern konnte. Doch was er beschreibt, beschreibt er so großartig und gnadenlos, dass man es einfach nur gleichfalls atemlos lesen kann.
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am 26. April 2011
Cormac McCarthys Roman geht auf historische Ereignisse an der amerikanisch-mexikanischen Grenze in der ersten Hälfte des 19. Jahrhunderts zurück.

John J. Glanton und seine berüchtigte Bande von Freischärlern verdingten sich in dieser Zeit als Skalpjäger, die erbarmungslos Apachen, Comanchen und alle, die sich ihnen in den Weg stellten, niedermetzelten. "Die Abendröte im Westen" setzt gleich zu Beginn in einem Klima roher Gewalt ein, die, weil überlebensnotwendig, nahezu zur Maxime erhoben wird. Der Roman orientiert sich an der Geschichte eines wehrhaften Jungen, der sich durchs Land schlägt und hier und dort vor der Kulisse des gerade beendeten mexikanisch-amerikanischen Krieges mordenden Banden und Freischärlern anschließt. Nachdem eine Freischärlergruppe, der er sich zunächst anschließt, von den Comanchen in einer verheerenden Schlacht vernichtend geschlagen und - bis auf ihn selbst und einige wenige andere - fast vollständig ausgelöscht wird, trifft er auf die Glanton-Bande, einer Ansammlung unterschiedlichster, aber höchst feindseliger Charaktere, von der er aufgenommen wird. Seine Mitgliedschaft in der Glanton-Bande, der auch der hochintelligente und dämonische Judge Holden, genannt der Richter, angehört, führt ihn in die Tiefen der Prärie und der Berge im mexikanisch-amerikanischen Grenzgebiet. Wegen seines Mutes gelingt es ihm immer wieder zu überleben und sich in der Glanton-Bande Respekt zu erwerben. Im Zuge immer weiterer Angriffe und Auseinandersetzungen, die zur Dezimierung und Zerrüttung der Gruppe führen, beschließt er, eigene Wege zu gehen und Richtung Pazifik weiterzuziehen. Judge Holden, der als einer der wenigen das Massaker, das zur endgültigen Zersetzung der Glanton-Bande führte, überlebte, folgt dem Jungen. Der "Richter" Holden trachtet diesem, weil er nach der von ihm etablierten Hierarchie keinen anderen Überlebenden des Massakers - und somit einen Gleichstarken - neben ihm duldet, nach dem Leben, wobei es ihm jedoch nicht gelingt, des Jungen habhaft zu werden und ihn zu töten. Erst Jahre nach der Zerschlagung der Glanton-Bande sehen sich beide noch einmal wieder.

McCarthy ist mit "Die Abendröte im Westen" ein außergewöhnlich guter Roman gelungen. So verstörend und blutrünstig die bis ins Detail und an die Grenze zur Unerträglichkeit beschriebenen Gemetzel auch sind, so betörend und von bislang wohl kaum erreichter Schönheit sind die Landschafts- und Naturbeschreibungen dieses seit "Die Straße" in Deutschland bislang kaum beachteten Autors, die auf eigentümliche Weise mit der Darstellung der totalen Vernichtungswut des Menschen kontrastieren. Auch was McCarthy mit der Schilderung der Schlachten an Wortgewalt und Sprachkraft aufzubieten hat, dürfte bislang in dieser Form unerreicht sein.

Geradezu atemberaubend ist die Szene, in der die Gruppe, der sich der Junge zunächst anschließt, durch die Comanchen, nachdem diese aus dem Schutz einer gewaltigen Rinderherde auftauchen, fast vollständig vernichtet wird. Hier trifft das Karg-Naturalistische mit dem Mythisch-Symbolischen aufeinander, was gerade die Kampfszenen auszeichnet. Die Diktion McCarthys ist dann - ganz anders als in den Szenen, in denen er die Natur beschreibt - aufgeladen von Pathos, der den Leser unweigerlich ergreift."Die Abendröte im Westen" ist vor allem ein ungewöhnliches, aber einzigartiges Sprachkunstwerk. Nach allem ein sehr empfehlenswertes Buch.
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am 20. Dezember 2010
CORMAC McCARTHY - Die Abendröte im Westen

"Ein an historische Ereignisse angelehnter Roman über die Indianerkriege und die amerikanische Expansion nach Westen, voller Gewalt und Grausamkeit, ein mythisches Weltuntergangsepos. Hauptfigur ist ein vierzehnjähriger Junge, der 1850 nach Texas kommt und sich einer Bande marodierender Ex-Soldaten, Desperados und Abenteurer anschließt, die Komantschen, Apachen und friedliche Siedler abschlachten."

McCarthy nagelt mit diesem Buch jegliche WildWest-Mythen gnadenlos ans Kreuz. Mit seinem lakonischen, fast staubtrockenen Schreibstil, zelebriert er eine trostlose Sinfonie der Gewalt, die ihresgleichen sucht.
Seine Art zu schreiben ist sicherlich nicht jedermanns Sache; ich aber mag sie, mochte sie schon immer. Ich kenne keinen anderen Autor, der eine derart kraftvolle Symbolik benutzt um Bilder zu malen, die sich wie Brandzeichen ins Kopfkino einbrennen.
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am 27. September 2014
Zur Handlung wurde an dieser Stelle zur Genüge geschrieben. Was Cormac McCarthy hier einmal mehr beweißt ist, dass er ohne Frage zu den ganz ganz Großen gehört. "Blood Meridian" ist ohne Frage eines der Werke, die einen nicht mehr so schnell loslassen. Mit dem englischen Original habe ich mir ein wenig schwer getan, da doch eine Menge Vokabular verwendet wird, das nicht mehr, weder im Sprachgebrauch, noch in der Gegenwartsliteratur sonderlich oft vorkommt. Daher bin ich dann auf die Deutsche Übersetzung umgestiegen, und war ebenso begeistert. Hier wird eine Geschichte der Gewalt geschrieben, in einer eigentlich postapokalyptischen Welt, die aber im Realen Wilden Westen des 19. Jahrhunderts angesiedelt ist. Mit "postapokalyptisch" ist gemeint, dass die Atmosphäre und die Stimmung, die Szenerie in der diese Geschiehte vor sich geht eine zutiefst brutale, schonungslose und unmenschliche ist.

Die Figuren sind so kantig und doch so genau, so tiefgründig oder besser: so abgründig gezeichnet, dass es erschreckend ist. Der diesem Text innewohnende Zynismus, die kompromisslose Gewalt (die schon fast exzesshaft und kaum mehr erträglich geschildert wird) und die unerträglichen Lebensumstände gebären Charaktere die schwieriger und widersprüchlicher nicht sein könnten.
"Blood Meridian" ist ein Antiwestern, und zugleich kein Antiwestern, weil viel mehr Wahrheit drin steckt als in den Romantisierungen die wir gewohnt sind. Es ist ein Epos. Eine Oper. Ein Gewaltwerk im Sinne von Coppolas "Apocalypse Now". Auch Wochen nach der Lektüre, lässt dies Werk den Leser nicht mehr los...
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am 14. April 2008
"Blood Meridian. Or the Evening Redness in the West" ist ein spektakulaerer Roman ueber eine Episode waehrend der Geburtsstunde der USA und gleichzeitig auch ihr Suendenfall. Der Roman erzaehlt die Erlebnisse des Kid (ohne Namen), der im Alter von 14 von zu Hause ausreisst und sich ueber Umwege einer Gruppe von Skalpjaegern - der Glanton Gang - auf ihrem Weg nach Westen anschliesst. Das Land dazwischen ist noch immer in mexikanischem Besitz und von Indianern und Mexikanern mehrheitlich bevoelkert. Wie schon oefter bei McCarthy, so auch hier, entwickelt sich der Roman entlang dieses 'Reiseszenarios'.

Auf ihrem beschwerlichen Weg begegnen die Maenner, in unterschiedlicher und sich oftmals wechselnder Besetzung, unglaublichen Grausamkeiten, begangen entweder von amerikanischen Truppen an verschiedenen Indianerstaemmen, oder auch umgekehrt von Indianern, begangen an den marodierenden Truppen. Bisweilen sind auch unbeteiligte Siedler oder Mexikaner davon betroffen. Aber auch die Gruppe der Skalpjaeger selbst, unter der Fuehrung des uebermaechtigen, gewaltigen und grausamen Judge Holden ("(...) when he came back ten minutes later (...) the child was dead and the judge had scalped it") und des nicht minder verbrecherischen John Glanton (beides historische Personen), begehen regelmaessig grausame Gewaltexzesse zur Aneignung von Skalps, oder nur aus Ueberdruss, Trunkenheit oder Leichtsinn. Und The Kid ist immer inmitten des Geschehens.

"Blood Meridian" erzaehlt mit geradezu biblischer Maechtigkeit vom Existenzkampf aller gegen alle, von Geburt und Reinigung durch Gewalt. McCarthy scheut sich dabei auch nicht vor der extremen Charakterisierung der Akteure zurueck: "... they saw one day a pack of viciousloooking humans mounted on unshod indian ponies riding half drunk through the streets, bearded, barbarous, clad in the skins of animals (...) with weapons of every description, revolvers of enormous weight and bowieknives the size of claymores and short twobarreled rifles with bores you could stick your thumbs in and the trappings of their horses fashioned out of human skin and their bridles woven up from human hair and decorated with human teeth and the riders wearing scapulars or necklaces of dried and blackened human ears and the horses rawlooking and wild in the eye and their teeth bared like feral dogs and riding also in the company a number of halfnaked savages reeling in the saddle, dangerous, filthy, brutal, the whole like a visitation from some heathen land where they and others like them fed on human flesh."

Nicht nur bewegen sich seine Aktuere (insbes. die Indianer) im 'Grenzbereich' zwischen Mensch und Ungeheuer, ihre bestialischen Taten nehmen die Zuweisung im Grunde selbst vor: "Some by their beards were men but yet wore strange menstrual wounds between their legs an no man's parts for these had been cut away and hung dark and strange from out their grinning mouths. In their wigs of dried blood they lay gazing up with ape's eyes at brother sun now rising in the east." Oder auch: "(...) and one of the Delawares emerged from the smoke with a naked infant dangling in each hand and squatted at a ring of midden stones and swung them by the heels each in turn and bashed their heads against the stones so that the brains burst forth through the fontanel (...)".

So zieht sich letztlich eine einzige, breite und tiefrote Blutspur von Verbrechen, durch die gesamte Westpassage der Maenner; Verbrechen einerseits veruebt von den Maennern selbst, oder auch andererseits begangen an den Maennern: "They found the lost scouts hanging head downward (...). They were skewered through the cords of their heels with sharpened shuttles of green wood and they hung gray and naked above the dead ashes of the coals where they'd been roasted until their heads had charred and their brains bubbled in the skulls and steam sang from their noseholes. Their tongues were drawn out and held with sharpened sticks thrust through them and they had been docked of their ears and their torsos were sliced open with flints until the entrails hung down on their chests".

Exzesse an unvorstellbar grausamer Gewalt sind dabei ein kontinuierliches Phaenomen seit der Entdeckung Amerikas (siehe z.B. Tzvetan Todorov: "Die Eroberung Amerikas. Das Problem des Anderen", oder auch - mit durchaus polemischem Unterton und fragwuerdigen Schlussfolgerungen - Rosa Amelia Plumelle-Uribe: "Weisse Barbarei"). So ist diese Episode der Eroberung Amerikas ebenfalls keineswegs nur das Produkt McCarthy'scher Imagination, da das Wueten der Glanton Gang offenbar historisch belegt ist.

McCarthys staendig wiederkehrendem Kernthema, dem schicksalshaften Ausgeliefertsein des Menschen, der Unausweichlichkeit und der toedlichen Konsequenz des menschlichen Handelns, sowie die kriegerische und grausame Natur des Menschen ganz allgemein, begegnen wir auch wieder hier und dabei in seiner Reinform: Der Suendenfall der Gewalt als Grundausstattung des Menschen, Krieg als Existenzberechtigung, Gewalt als immerwaehrende Konstante im menschlichen Dasein. Von der Entdeckung Amerikas, ueber die Eroberung, Unterwerfung und Besiedelung des Kontinentes, bis in das Amerika von heute zieht sich eine einzige gewaltige Blutspur. Die Gewalt von heute wurde zur Zeit der Eroberung und Staatsgruendung gesaet. Die US-Entwicklungsgeschichte ist seit den ersten Tagen bis heute blutdurchtraenkt. So scheint die gesamte Geschichte der spaeteren USA ebenfalls schon vorweggenommen, (man koennte ironischerweise sagen ebenfalls die Rolle der US-Kirche zum Thema Gewalt: "The priest had baptized the wounded Americans and then stood back while they were shot through the head").

McCarthy beweist mit diesem Roman wieder einmal seine unerreichte Meisterschaft und seine Groesse als Erzaehler. Nicht umsonst wird er in einem Atemzug genannt mit den Allergroessten der US-amerikanischen Schriftsteller, wie Thomas Pynchon, Don DeLillo, und Philip Roth. Fuer einige ist er gar der bedeutendste US-Autor zusammen mit William Faulkner und Herman Melville. Und das scheint i.d.T. keine Uebertreibung zu sein. Es gibt kaum einen zeitgenoessischen Erzaehler dieses Formats. McCarthy ist einzigartig im authentischen, lebensechten und ueberwaeltigenden Erzaehlen von Landschaften, Situationen, Begebenheiten, Menschen etc. McCarthys Sprache hat dabei geradezu alttestamentarische Wucht. Die Darstellung der Gewalt ist dabei auch niemals Selbstzweck, sondern Ausdruck der puren menschlichen Natur. Dabei wird gleichzeitig die Handlung zwingend nach vorne getrieben, ohne sich zu verlieren oder banal zu werden. McCarthy ist ein begnadeter Erzaehler und grossartiger Schriftsteller. "Blood Meridian" gilt zu recht als einer der groessten US-amerikanischen Romane des 20. Jahrhunderts, neben Melvilles "Moby Dick".

"Blood Meridian. Or the Evening Redness in the West" ist ein wahrhaft gewaltiges, unglaubliches aber auch verstoerendes, vielleicht sogar irritierendes Buch. Ganz klare Leseempfehlung und 5 Sterne fuer Cormac McCarthys grossartige Erzaehlung.
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am 29. Mai 2008
genau sagen, was mich an den Büchern von McCarthy (habe bisher drei davon gelesen) so fasziniert. Die Themen selbst sind ja altbekannt (die Auseinandersetzungen zwischen Amerika und Mexiko bzw. mit den Indianern im Grenzgebiet; schiefgegangene Drogendeals; Endzeit- bzw. apokylyptische Fantasien), die Art und Weise, wie darüber seitens McCarthy geschrieben wird, ist hingegen einzigartig. McCarthy bedient sich einer beinahe biblischen Sprache, mit vergleichsweise einfachen Satzstrukturen, die sich wohltuend von dem prätentiösen Geschwurbel abheben, das bei den zeitgenössischen Autoren - darunter leider auch viele Deutsche - häufig zu finden sind. Dagegen ist das Vokabular äußerst vielfältig. Fesselnd ist für mich auch die völlig schonungslose Darstellung der Realitäten. Wer sich einmal ein bisschen mit den Geschehnissen zwischen den jungen USA und MExiko beschäftigt hat, dem wird regelmäßig schlecht bei der naiven und verlogenen BEweiräucherung, die viele US-amerikanische Bücher und vor allem Filme betreiben. McCarthy nimmt hier kein Blatt vor den Mund, verfällt aber andererseits nicht in den Gegenreflex, die Gegenseite, also Indianer und Mexikaner, zu glorifizieren. Vielmehr hält sich McCarthy bis in die Einzelheiten an die historisch überlieferten Untaten der Glantongang. Die zum Teil geäußerte Kritik an der - in der Tat drastischen - Darstellung der Brutalität in McCarthys Büchern finde ich naiv und kindisch. Wenn manche Leute den Kopf in den Sand stecken und nicht sehen wollen, wie brutal die Welt zum Teil war und zum Teil noch ist, dann ist dies schließlich nicht die Schuld des Autors.
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