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am 28. April 2001
Eine Reise von Rostock nach Syrakus auf Sizilien ist im Jahre 2001 vielleicht nicht alltäglich. Ungewöhnlich oder gar unvorstellbar war sie bis zum Jahr 1989 für die meisten DDR-Bürger. Vor dem Hintergrund der stark beschränkten Reisemöglichkeiten entstand der Roman „Der Spaziergang von Rostock nach Syrakus“ von Friedrich Christian Delius. Erstaunlich ist vor allem die Herkunft von Delius. Man hätte erwarten können, daß ein enttäuschter Rebelle aus der ehemaligen DDR mit dem alten System abrechnet. Delius, in Hessen aufgewachsen, geht aber geschickter vor. Es sind kleine, leise Kommentare, die er meist zwischen seinen Zeilen erkennen läßt. Durchaus sehr kritische Kommentare, ohne die eine Vergangenheitsbewältigung nicht möglich wäre.
Die Geschichte ist im Jahre 1981 angesiedelt. Der Romanheld Paul Gompitz hat ein angenehmes Leben. Als Kellner an der Ostseeküste verdient er besser als der durchschnittliche DDR-Bürger, er bekommt ab und an sogar ein paar D-Mark als Trinkgeld und einige kleine, illegale Geschäfte. Dieses Leben ist für ihn auch in Ordnung, jedoch er hat er schon lange die Vision einmal Syrakus zu sehen. Er setzt fortan alles daran, diesen Traum verwirklichen zu können. Die Ideen, die ihm dabei kommen sind äußerst kreativ, beweisen, daß Gompitz fest entschlossen ist, alles in die Realität umzusetzen. Seine harte D-Mark, die er eisern spart, ist der Ausgangspunkt für die Überzeugung, daß er es schaffen könnte. Er kalkuliert, wieviel er für die Reise bräuchte. Als er die Summe beisammen hat, wird umgehend damit beginnen, seine Pläne verfolgen. Einziges Problem ist natürlich: Wie überwindet er die Grenze zur Bundesrepublik? Er versucht auf clevere Weise Kontakte zu Westdeutsche in der damaligen Tschechoslowakei zu knüpfen. Er lernt segeln, da für ihn die Flucht auf dem Wasserweg die vielversprechendste ist. Gompitz gelangt auf die Beobachtungsliste der STASI, da sein Umtrieb natürlich nicht unverdächtig bleibt. Alles, um seinen Traum zu verwirklichen. Aufhalten von Rückschlägen, die er einstecken muß, läßt er sich nicht.
Friedrich Christian Delius beschreibt in angenehmer Weise, wie sein Romanheld, der fast besessen von seiner Idee ist, versucht, diese Idee umzusetzen. Die Roman kann als Beispiel angesehen werden, wie man am Beispiel einer einzelnen Existenz in der ehemaligen DDR, Systemkritik und Vergangenheitsbewältigung gleichzeitig verarbeiten kann. Er verfällt nicht in den Ton, das alles schlecht war und das Leben in der DDR eine Qual gewesen sei. Die Divergenz vom offenbar unbeschwerten Leben von Gompitz und seiner Vision, einmal Syrakus sehen zu wollen, ist offensichtlich. Delius zeigt hier, daß die Menschen der ehemaligen DDR viele unerfüllte Wünsche hatten und haben. Denn er vergißt selbstverständlich auch nicht, eine Gesellschaftskritik an der Bundesrepublik mit einzubringen. Seine Detailkenntnisse sind beeindruckend; wer einmal selbst auf Hiddensee war, wird dies bestätigen können.
Das Werk „ Der Spaziergang von Rostock nach Syrakus“ ist spannend und für Menschen aus den alten und neuen Ländern gleichermaßen geeignet. Am Wort Spaziergang wird dies deutlich. Für die Männer und Frauen aus der ehemaligen DDR ist klar, daß es sich nicht um einen Spaziergang handeln kann, weil das Ziel eben nicht in der DDR liegt. Für alle anderen ist die Entfernung als Wanderstrecke einfach zu groß – die Unmöglichkeit ist vorprogrammiert. Ob es dem Romanhelden Gompitz gelingt, seinen Traum doch zu verwirklichen, überlasse ich jedem, der sich an diesem Buch erfreuen möchte.
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am 17. Juli 2007
Paul Gompitz ist ein "abgestürzter Intellektueller", dem die Akademikerkarriere in der DDR verwehrt blieb, weil er den Militärdienst verweigerte. Ein großer Widerstandskämpfer ist er deshalb aber nicht. Es geht ihm ja auch ganz gut in der DDR. Er arbeitet in den Sommermonaten als Kellner in verschiedenen Orten an der Ostsee und verdient dabei so gut, dass er sich im Winter ausruhen und dem Leben mit seiner Freundin Helga widmen kann. Doch materieller Wohlstand alleine kann ihm seinen Wunsch, einmal in den Westen und insbesondere nach Syrakus zu reisen, nicht austreiben. Nachdem er den Entschluss gefasst hat, seine Reisepläne zu verwirklichen, vergehen volle sieben Jahre. Die Planung seines illegalen Grenzübertritts ist langwierig; das Beschaffen eines Bootes, das Einfärben des Segels (es muss dunkelfarbig sein, damit es während der nächtlichen Flucht nicht sofort entdeckt wird), das Streichen des Masts - all das sind kleine Kunststücke der Täuschung, die sorgfältige Überlegung erfordern. Die totalitäre Überwachung der DDR-Bürger wird so deutlich genug ins Bild gerückt. Dass es für den Helden trotzdem nie in Frage kommt, der DDR dauerhaft den Rücken zu kehren, wird manche selbstgerechte Wessis vielleicht stören. Es ist aber menschlich und psychologisch überzeugend und zeigt, dass auch in einem totalitären Staat Gefühle wie Heimatverbundenheit existieren; und dass auch Leute, die keine lautstarken Systemkritiker waren, in kleinen Gesten ihre Freiheit und Selbstbestimmung zu affirmieren versuchten. So wie sein Held ist auch das Buch: eine kleine, ruhige, unaufgeregte, dabei aber umso eindringlichere Erzählung, die dazu auch noch spannend zu lesen ist.
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Das Buch ist eine besondere Empfehlung wert. Geschildert wird die Geschichte von Paul Gompitz, einem Kellner, der davon träumt, auf den Spuren des romantischen Dichters Johann Gottfried Seume von "Rostock nach Syrakus" auf Sizilien zu wandern. Hmm, klingt eher langweilig? Nein - die Geschichte spielt in den 80er Jahren in der DDR, und für Leute mit solchen Ideen gab es wenig Verständnis, besonders da ja hier eine scheinbar unüberwindliche Grenze überschritten (geknackt) werden muss. Paul wagt den Durchbruch. Ob er das schafft und was ihm alles passiert, das verrate ich hier nicht, aber eins schon: es wird atemberaubend spannend. Hinzukommt, dass die Geschichte sehr schön beschrieben ist, mit einer guten Beobachtungsgabe und Sympathie für die Hauptperson, aus deren Sicht sich hier alles abspielt. Die Geschichte wirkt insgesamt sehr real (besonders durch einige technische Details, die auch gut untermalen, wie man in der DDR seinen Alltag gemeistert hat), sie hat wohl auch reale Vorbilder. Es ist auch eine politische Geschichte vor dem Hintergrund der Wiedervereinigung und der Betrachtung von deutsch-deutschen Gegensätzen. Also, ich könnte mir vorstellen, das Buch wäre vielleicht sogar was für den Unterricht als Lektüre in der Oberstufe.. Das nächste Mal vielleicht, statt immer wieder "Bahnwärter Thiel".. ;)
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am 5. Februar 2012
Das Buch ist einfach toll - es liest sich an einem Abend locker weg, was schade ist, da man immer weiter lesen möchte. Für mich klingt es absolut lebensecht - andererseits habe ich als Wessi wahrscheinlich keine Ahnung.
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am 15. Februar 2013
Wenn diese Erzählung, geschrieben von einem Autor mit West-Sozialisation, reine Fiktion wäre, könnte man sie vergessen. Was Delius erzählt ist jedoch die Geschichte des Klaus Müller und zur Zeit des geteilten Deutschlands wirklich geschehen. Da Müller seine Geschichte nicht selbst veröffentlichte, ist es der Arbeit des Erfolgsautors Delius zu verdanken, dass sie nicht in Vergessenheit geraten ist und sich in den Reigen anderer Geschichten deutscher "Mauerspringer" einreihen kann, wie sie beispielsweise von Peter Schneider festgehalten wurden. Müllers Geschichte hat nicht nur mit akribischer Planung zu tun, sondern auch mit zahlreichen glücklichen Zufällen. Und mit dem Zeitpunkt, den er schließlich für seine Reise gewählt hat, nämlich kurz vor der Wende. Bei seiner Rückkehr in die DDR Ende 1988 traf er bereits auf freundliche Stasi-Offiziere, die ihm die Wiedereinreise ermöglichten. Jahre zuvor, und das hat Müller Delius wohl so erzählt, wäre er noch zusammengeschlagen worden. Was mich ein wenig gestört hat: Die Intention für Müllers Italienreise ist am Anfang des Buches kaum zu erkennen, Delius arbeitet sie im Verlauf seiner Erzählung jedoch heraus. Was mir etwas gefehlt hat, sind Textpassagen aus Seumes Italienreise, auf der Müllers Italienreise schließlich aufbaut. Beim Lesen übrigens hatte ich immer Uwe Steimles Stimme im Ohr. Ich könnte mir ein Hörbuch daher gut mit Steimle als Vorleser vorstellen. Für die wahre Heldin der Erzählung halte ich übrigens Müllers (Gompichs) Frau, die ihn nach seinem Alleingang und trotz des Schlimmen, das sie in der Zeit durchmachen musste, zu Hause wieder aufgenommen hat. Das ist Liebe! Aber darum geht es in dieser Erzählung eher nur zwischen den Zeilen.
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am 16. August 2008
Ein wunderbarer Roman. Abenteuer- und Reiseroman, Politthriller, Seglergeschichte und zugleich eine Betrachtung der Licht- und Schattenseiten beider Deutschlands vor der Wende: Freiheit und Wohlstand können den Menschen ebenso deformieren wie Diktatur, Mangel und Furcht in ihm Auflehnung, Solidarität und Kraft wecken können. Können, wohlgemerkt, nicht müssen. Es kann auch genau umgekehrt laufen.

Die Figur dieses Romans zeigt dem Leser, dass eben alles möglich ist. Selbst, dass man auch auf Deutsch ebenso spannende wie tiefsinnige Literatur schreiben kann. Kann, wohlgemerkt, nur leider viel zu selten tut. Delius tut es.
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am 23. Mai 2015
Aussagekräftig über das Leben und die Zustände in der ehemaligen DDR.
ist das Buch auch noch spannend und gut verständlich geschrieben.
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am 6. August 2012
Friedrich Christian Delius ist wie immer ein Meister der Introspektion: Man sieht bei ihm, wie "es" im Menschen denkt. Das macht die Lektüre allerdings auch anspruchsvoll. Diesmal geht es um einen DDR-Bürger, der ohne politische Absichten einfach nur auf den Spuren Seumes nach Italien reisen und dann wieder zurück kehren möchte.

Die erste Hälfte des Buches über erlebt man mit, wie die Flucht geplant wird, wie dabei ein Gedanke den nächsten jagt, wie das Denken vorwärts auf das eine Ziel hin drängt. In der zweiten Hälfte des Buches erlebt man die Begegnung mit dem Westen. Das völlige Unvermögen der dekadenten, linksliberalen Wessis, den unpolitischen Ossi zu verstehen, ist sehr gut getroffen. Erst in Italien fühlt sich der DDR-Bürger als Deutscher und Diktaturopfer ernst genommen.

Das Buch wäre in besagtem dekadenten Westen vor 1989 wohl ein Skandalbuch geworden; da es aber erst Ende in den 90er Jahren geschrieben wurde, winken viele heute nur ab: Stasi und Mauer gelten als ferne Vergangenheit. Sie begreifen nicht, dass das dekadente, linksliberale Denken, das vor 1989 im Angesicht der DDR-Diktatur versagte, auch heute noch herrscht, und immer wieder aufs neue an immer wieder neuen Themen versagt; oder sie begreifen es, und wollen nicht mit Kritik belästigt werden.
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am 6. Juni 2014
Wer gern Reiselektüre in persönlichem Stil liest, ist mit diesem Buch gut beraten. Es ist aber sicher vor allem für DDR-Kenner voller AHA-Erlebnisse.
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am 22. Februar 2002
Ich habe dieses Buch gelesen und obwohl ich nicht gut Deutsch kann, habe ich die Lektüre dieses Buches sehr genossen.
Die Freiheit ist einer der höchsten Güter und schönsten Schätze der Menschen.
Der Hauptfigur der Novelle will einfach reisen,um etwas zu erfahren. Die Flucht hat keinen Grund in seinem Leben.
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