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Kundenrezensionen

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am 28. Februar 2004
Der "Roman eines Schicksallosen" des Nobelpreisträgers Imre Kertész gehört zu den wichtigsten Romanen des 20. Jahrhunderts. Er beschreibt in autobiografischen Zügen den Gang eines jungen Mannes ins Konzentrationslager. Im Gegensatz zu den bisher bekannten und zweifellos wichtigen Werken über die Nazi-Zeit, die allesamt versuchen, das schreckliche Geschehen authentisch abzubilden, schildert Kertész auf manchmal naive, manchmal scheinbar gelassene Art und Weise, wie ein junger Mann aus seiner Stadt in den Lageralltag überführt wird. Die Schrecken der Lagerzeit werden beinahe wie eine nebensächliche Handlung in den Lebensweg des jungen Mannes eingeflochten. Kritiker werfen ihm deshalb eine Verharmlosung des Nationalsozialistischen Terrors vor. Aber gerade die Beschreibung teilweise unbedeutend anmutender Details, gekoppelt mit den Träumen, Wünschen und zutiefst persönlichen Gedanken des Protagonisten, die nicht nur um das Lagerleben und das nackte Überleben kreisen, gelingt es Imre Kertész, dem heutigen Leser Einsichten zu vermitteln, die atemberaubend sind und den zeitlich Entrückten den Schrecken dieser Zeit des Terrors eindringlich nachempfinden zu lassen, "ohne mit der Nase direkt draufgedrückt" zu werden. Das Miterleben und Mitdenken geht wirklich unter die Haut. Dieses Buch gehört in jeden Bücherkanon und sollte besonders an Schulen gelesen werden, denn Schüler sind aufgrund der Darstellung von Gewalt und Terror in den Medien gegen schockierende Ereignisse bekannterweise abgestumpft. Hier wäre dieses Buch eine mehr als sinnvolle Ergänzung zur Bearbeitung und zum Verständnis des Nazismus.
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am 8. Mai 2003
Imre Kertesz stellt in diesem Buch sein Schicksal dar. Als vierzehnjähriger in ein Nazi-Konzentrationslager verschleppt, wird er beinahe ein weiteres Todesopfer dieses unbarmherzigen Regimes. Er beschreibt alles in der Ichform, mit den Augen eines gerade pubertierenden Kindes. Stilistisch ist natürlich an diesem großartigen Literaten nichts auszusetzen, Kertesz schreibt in langen Sätzen und Absätzen - dennoch gut lesbar.
Das herausragende und ganz besondere an diesem Buch ist jedoch das Fehlen jedes Pathos. Wäre es nicht ein Thema bei dem uns jegliches Lachen gefrieren muss, so wären einige Szenen dazu geeignet, zumindest kurz aufzulachen. Die kindliche Naivität mit der er die ganze Szenerie schildert, ist teilweise brutaler als jede pathetische Darstellung dieser Zeit. Niemals in dem ganzen Werk gibt es auch nur einen Funken Selbstmitleid oder Schuldzuweisungen. Gerade diese Darstellung jedoch läßt uns alles intensiver erleben, an die bitteren Schilderungen haben wir uns, so brutal das Klingen mag, vielleicht schon etwas gewöhnt. Dieses Werk rüttelt nochmals auf. Es fordert zu einer ganz neuen Auseinandersetzung mit der Thematik.
Wie stellt man sich nun eine unpathetische Darstellung vor, nun: Selbst der Blick auf die Duschköpfe die wahrscheinlich Gas ausströmen werden, schildert er vollkommen teilnahmslos - als ob er es nicht selbst wäre der betroffen sein wird. Als es dann eine echte Dusche mit warmen Wasser ist, ist er überrascht, aber nicht mehr. Das Unpathetische an dem Werk jagt dem Leser kalte Schauer über den Rücken - denn dadurch wird die Wirklichkeit noch intensiver erfahrbar.
Wenn man dieses Buch gelesen hat, wird es eigentlich absolut unbegreiflich, dass jemand dieses Schicksal erleiden musste und dennoch solch ein Werk produzieren kann. Das Fehlen von Selbstmitleid, Anklagen und Verurteilungen ist eine enorme Leistung, die uns eines der erschreckendsten literarischen Werke der Geschichte bescherte. Für dieses Werk wurde Kertesz völlig zu Recht der Literaturnobelpreis 2002 verliehen.
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am 20. Januar 2009
Nach der Lektüre dieses Buches war ich zutiefst betroffen, obschon im Buch die Nazi-Greuel nicht direkt geschildert, sondern nur angedeutet werden. Das nicht Ausgesprochene erreicht so wesentlich mehr Gewicht. Absolut bewundernswert, Kertész' meisterhaft geschriebene autobiographische Erzählung: ohne Verbitterung und den üblichen Pathos. Er erzählt seine Erfahrungen aus dem KZ aus der naiven Perspektive eines unschuldigen 15-jährigen Jungen, der er damals war, als er nach Ausschwitz abtransportiert wurde. Ein hoch literarisches, spannendes und sehr originelles Meisterwerk, das von allen gelesen werden sollte, damit sich Ähnliches nie mehr wiederholen kann.
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am 13. Dezember 2002
Der "Roman eines Schicksallosen" ist brilliant!
Meiner Meinung nach bisher das beste Buch, das das Grauen des nationasozialistischen Terrors ohne jeden Pathos, ohne literarische Schnörkel, schildert. Dem Autor gelingt dies besonders durch seinen lakonischen Schreibstil. Die Hauptfigur des Romans wird "eingesogen" von verhängnisvollen Ereignissen, wehrt sich nicht, scheint gleichgültig gegenüber seiner geplanten Vernichtung. Aber gerade diese Passivität hilft ihm, zu überleben und dem Leser, zu erkennen, was das Dritte Reich war: Terror und Vernichtung!
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am 10. November 1998
Als 15jähriger Junge wurde der Ungar Imre Kertesz nach Auschwitz deportiert, dann weiter nach Buchenwald, dann nach Zeitz. In seinem "Roman eines Schicksallosen" beschreibt er diese Zeit aus der Perspektive des naiv-unschuldigen Jungen, der er war - und bereitet dem Leser damit manche Überraschung. Sein Romanheld Köves Györgi, ein Budapester Schüler, hat 1944 noch nichts von den Konzentrationslagern gehört. Als er eines Tages aus dem Autobus geholt und nach Auschwitz verschleppt wird, weiß er nicht, was ihn dort erwartet. Deshalb kann er das Geschehen völlig wertfrei beschreiben. In gefälligem Plauderton schildert der arglose Protagonist, was er sieht und erlebt. Nach quälend langer Fahrt in einem fensterlosen Güterwaggon, während derer einige andere verdursten, empfindet Györgi den Bahnhof von Auschwitz und die deutschen Soldaten nicht als unangenehm: "Doch ich bemerkte, daß hier draußen jetzt schon deutsche Soldaten (...) auf alles ein Auge hatten: ich war durch ihren Anblick sogar ein bißchen erleichtert, denn sie wirkten schmuck, gepflegt und als einzige in diesem Durcheinander ruhig und fest." Die kahlköpfigen Häftlinge in gestreiften Anzügen hingegen hält er für Straftäter und nimmt innerlich Distanz zu ihnen - nicht ahnend, daß er nur kurze Zeit später selbst so aussehen wird. Als er am gelben Dreieck bemerkt, daß es Juden sind, denkt er: "Tatsächlich, sie sahen aus wie Juden, in jeder Hinsicht. Ich fand sie verdächtig und insgesamt fremdartig." Der Arbeit des Arztes bei der Selektion an der Rampe von Auschwitz kann er bald folgen: "Kam ein alter Mann - ganz klar, auf die andere Seite. Ein jüngerer - hier herüber, zu uns. (...) Und so, mit den Augen des Arztes, konnte ich nicht umhin festzustellen, wie viele von ihnen alt oder sonstwie unbrauchbar waren."
Dieses "Verständnis" für die Täter zieht sich durch den ganzen Roman. Die Grausamkeiten, die der Ich-Erzähler schildert, erscheinen ihm nur folgerichtig, wenn er sich in die Lage der Peiniger versetzt. Der "Roman eines Schicksallosen" erschien in Ungarn bereits 1975, nachdem Kertesz 13 Jahre daran geschrieben hatte. Das Buch wurde jedoch totgeschwiegen. Eine deutsche Fassung erschien 1990, fand aber ebenfalls kaum Beachtung. Erst die neue Übertragung von Christina Viragh brachte den Durchbruch. In der Tat haben Leser schwer zu schlucken an diesem Buch. Der Roman endet mit den Sätzen: "Ja, davon, vom Glück der Konzentrationslager, müßte ich ihnen erzählen, das nächste Mal, wenn sie mich fragen. Wenn sie überhaupt fragen. Und wenn ich es nicht selbst vergesse." Dieser Schluß wurde in der Presse viel zitiert, und der Autor auf seiner Lesereise stets gefragt, wie er so etwas schreiben könne. Seine Antwort: "Momente des Glücks, das ist die Wahrheit. Glück kann grausam sein."
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TOP 1000 REZENSENTam 3. April 2003
Dieses Werk ist der erste Teil der „Trilogie der Schicksallosigkeit", deren weitere Teile „Fiasko" und „Kaddisch für ein nicht geborenes Kind" sind. Kertész begann mit dem Roman, für den er 2002 den Literatur-Nobelpreis erhielt, bereits 1960. 1973 wurde seine Veröffentlichung im kommunistischen Ungarn noch abgelehnt, auch 1975 bei seinem Erscheinen zunächst wenig beachtet. Ebenso erging es 1990 einer ersten Übersetzung ins Deutsche mit dem Titel „Mensch ohne Schicksal" im Ostberliner Verlag Ruetten und Loening, erst die Neuübersetzung von Christina Viragh bei Rowohlt 1996 brachte die internationale Anerkennung von Autor und Werk.
In dem Roman verarbeitet Kertész seine persönliche Erfahrung des Holocaust: 1944 wurde er selbst als 15-Jähriger nach Ausschwitz deportiert und erlebte 1945 die Befreiung aus dem KZ Buchenwald bei Weimar.
Das Interessante und Schockierende an dem Buch ist die Sichtweise des jungen und anfänglich ganz naiven Ich-Erzählers, der in dem „zufälligen" Geschehen immer wieder nach einem Sinn sucht: warum er deportiert wird; wie er die 20 Minuten auf der Rampe in Ausschwitz erfährt, dabei schon so beobachtet wie die Aufseher oder der Lagerarzt, immer im Drang, das eigentlich nicht Begreifbare zu verstehen. Auch die Rückkehr nach Hause ist bemerkenswert dargestellt, das Nicht-Verstehen-Können derjeneigen, die es nicht erlebt hatten, ob es sich um Reporter handelt, die eine interessante Story wittern, oder um die früheren Mitbewohner des Miethauses. Absolut lesenswert!
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TOP 1000 REZENSENTam 30. April 2013
"Roman eines Schicksalslosen" von Imre Kertész schildert ein Jahr im Leben eines jugendlichen Ungars, der 1944 aufgrund seiner jüdischen Herkunft von der Straße weg ins KZ gebracht wird. Mehrere Lager macht er durch und er beschreibt alles, was er sieht, mit Aufmerksamkeit und Gleichmut. So etwas wie Verzweiflung ist nie zu spüren. Der Ton ist stets warm gehalten. Erst am Ende erfährt der Leser den Grund dafür. Kertész, der eine ähnliche Autobiographie hat wie der Protagonist des Romans, kam es darauf an, jemanden darzustellen, der sich nicht einfach ans Schicksal ausliefert und daran zugrunde geht. Vielmehr geht der Protagonist mit dem Geschehen mit, Schritt für Schritt, und wird dadurch zum Teil dessen, was geschieht. Er ist letztlich sein eigenes Schicksal. Unter dieser Voraussetzung wirkt es weniger schockierend, wenn der Protagonist plötzlich von einem Gefühl des Heimwehs nach dem Lager befallen wird und auch vom Glück im KZ weiß. Beides kann es nur geben, wenn man Mensch bleibt und sich nicht wie ein Tier ausliefert. Für manche scheint es anstößig zu sein, vom Glück im KZ zu sprechen statt vom Greuel, aber ich verstehe Kertész sehr gut. Dadurch erhält er sich als Mensch, als Formender. Ganz abgesehen von diesem neuen Licht auf die Geschehnisse, das es schon lohnenswert macht, das Buch zu lesen, ist es auch einfach interessant und fesselnd, sprachlich hervorragend und im Ganzen in jeder Hinsicht ein Meisterwerk.
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am 27. Oktober 2009
Die naive Sicht eines jüdischen Teenagers gepaart mit dem fatalistischem Humor eines Erwachsenen, heben dieses Buch über den Durchschnitt. Der Leser folgt dem Weg vieler Juden aus der Heimat in eines der zahllosen Konzentrations- und Vernichtungslager in und um Deutschland 1944. Gerade die jugendliche und unbefangene Beschreibung der Zustände und Situationen lassen einen zwischen den verschiedensten Gefühlen schwanken. Letztendlich überwiegt die Hilflosigkeit, denn diese Erlebnisse kann und will man nicht nachvollziehen. Sollte Pflichtlektüre in der Schule werden...
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am 3. Dezember 2008
Selbst unter extremsten Bedingungen kann der Mensch nicht seine metaphysiche Würde verlieren, das gilt sowohl für die Opfer als auch für die Täter. Schon deshalb schlägt den Tätern in diesem Roman keine Anklage entgegen. Noch verstörender ist, dass die metaphysiche Würde des Menschen gerade unter den Bedingungen des Lagers gewahrt bleibt. "Ja, in einem gewissen Sinne war das Leben dort reiner und schlichter gewesen." Vielleicht meint Imre Kertesz damit das Glück der Konzentrationslager, das Glück, dem wir in unserem Alltag oftmals so sinnlos hinter her jagen und es doch nicht finden, in unserem Alltag, in dem das Böse den Charakter der Laune und des Zufälligen angenommen hat. Es ist die Warnung, die Würde des Menschen auch in unseren alltäglichen Beziehungen ernst zu nehmen, denn diese kennen Absurditäten, in denen das Glück noch nicht einmal als Falle auf einen lauert. Hannah Arendt meinte einmal, dass die Nationalsozialisten in den Konzentrationslagern die Überflüssigmachung des Menschen heraus experimentiert hätten. Es könnten noch weit schlimmere Lager entstehen, wir sollten also auf das Glück vorbereitet sein, das uns dort erwartet.
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am 14. Oktober 2002
Der Literaturnobelpreis wurde dieses Jahr zu Recht an Imre Kertesz verliehen. Denn inhaltlich sowie stilistisch wurde mit diesem Roman ein Stück Weltlieratur geschaffen, die bislang ihresgleichen sucht. Aus der Sicht des 15jährigen Jungen wird mit jugendhafter Naivität ganz alltäglich von zweifelsohne inhumanen Verbrechen innerhalb eines Konzentrationslagers berichtet. Dabei bekommt der Leser wegen dieses Kontrastes regelmäßig Gänsehaut, denn mit unbekümmertem, gradezu kindlichem Stil über Mord- und Foltertaten zu schreiben ist nicht alltäglich beim sonst so sterilen Berichtstil, den einige Autoren frequentieren.
Dass gerade dieser Kontrast die Brillanz des Werkes kennzeichnet, liegt auf der Hand. Denn Bücher mit vergleichbaren Themen, die bloße Tatsachen aneinanderreihen, gibt es in der Literatur schon genug. Aus dieser Perspektive aber wurde mit solch geistreicher, metaphorischer Sprache noch niemals über den Nationalsozialismus berichtet.
Fazit: Ein literarisches Faszinosum; für Freunde hochwertiger und geschmackvoller Literatur ein absolutes Muss!
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