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32 von 33 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
5.0 von 5 Sternen ein "schlichter" Roman
Man kann eigentlich nicht sagen,dass sich in diesem Roman die Ereignisse ueberschlagen.Die Handlung ist schnell erzaehlt:Der franzoesische Angestellte in Algier,Mersault,beginnt seine Erzaehlung zu dem Zeitpunkt,als er erfaehrt,dass seine Mutter gestorben ist.Er nimmt an ihrem Totenbett Abschied,und laesst sich gleich am naechsten Tag mit seiner Arbeitskollegin...
Am 23. Juli 1999 veröffentlicht

versus
52 von 66 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
2.0 von 5 Sternen Das Buch zur Philosophie
Meursault, ein französischer Angestellter in Algerien, erfährt vom Tod seiner Mutter - und es ist ihm egal. Das einzige Gefühl in diesem Zusammenhang ist die Abneigung gegen den weiten Weg in der algerischen Hitze, den er zu ihrer Beerdigung zurücklegen muss. Auch die Totenwache und die Beisetzung bringt er unbeteiligt hinter sich und ist letztlich...
Veröffentlicht am 23. November 2007 von Mitternachtsleser


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9 von 11 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
5.0 von 5 Sternen Eindeutig empfehleswert!, 9. November 2000
Von Ein Kunde
Rezension bezieht sich auf: Der Fremde (Taschenbuch)
Wir lasen das Buch im Unterricht in der Originalfassung.Danach kaufte ich mir die Übersetzung und habe dieses Buch inzwischen schon viermal gelesen.Jedes Mal habe ich neue Aspekte und Wahrheiten über mich und die Gesellschaft erfahren.Jemand der nicht bei der Beerdigung seiner Mutter weint,ist ein schlechter Mensch. Die Gesellschaft formt solche "Thesen" und wer sie nicht befolgt wird ausgegrenzt.Nur weil er nicht der Masse entspricht. "Der Fremde" hat mich von seiner ersten Seite gefesselt und mir gezeigt,das es wichtig ist man selbst zu sein und nicht den Vorstellungen der Masse zu folgen;selbst wenn man sein Leben aufs Spiel setzt. Ein Buch für jeden,der auf der Suche nach sich selbst ist!
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16 von 20 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
5.0 von 5 Sternen Lesenswerter zeitoser Klassiker, 3. März 2009
Verifizierter Kauf(Was ist das?)
Rezension bezieht sich auf: Der Fremde (Taschenbuch)
Camus erzählt die Geschichte eines introvertierten jungen Mannes, dem es schwer fällt Liebe zu zeigen, vielleicht sogar zu empfinden. So lässt ihn der Tod seiner Mutter nahezu gleichgültig, eher genervt als ergriffen nimmt er an deren Beerdigung teil. Im zweiten Teil des Romans erschießt er einen jungen Algerier im Streit. Auch diese Tat berührt ihn nicht sonderlich, selbst als es im Gericht um seinen Kopf geht - der Staatsanwalt beantragt die Todesstrafe - kann sich Meursault (so der Name des jungen Mannes) nicht aus einer Lethargie befreien. Camus erzählt diese Geschichte in überwiegend einfachen, kurzen Sätzen, so wie sie sein Protagonist Meursault erzählt hätte, nur kein Wort zuviel. Ein auch heute noch enorm lesenswerter Klassiker.
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52 von 66 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
2.0 von 5 Sternen Das Buch zur Philosophie, 23. November 2007
Verifizierter Kauf(Was ist das?)
Rezension bezieht sich auf: Der Fremde (Taschenbuch)
Meursault, ein französischer Angestellter in Algerien, erfährt vom Tod seiner Mutter - und es ist ihm egal. Das einzige Gefühl in diesem Zusammenhang ist die Abneigung gegen den weiten Weg in der algerischen Hitze, den er zu ihrer Beerdigung zurücklegen muss. Auch die Totenwache und die Beisetzung bringt er unbeteiligt hinter sich und ist letztlich froh, dass er nach absolvierter Pflicht wieder nach Hause zurückkehren kann.

Bereits am Tag darauf geht er zum Schwimmen ans Meer und beginnt eine Affäre mit einer früheren Kollegin. Deren Liebesbezeugungen bedeuten ihm allerdings genauso wenig ihr Heiratsantrag ("ist mir egal"). Von dieser umfassenden Gleichgültigkeit und Teilnahmslosigkeit geprägt sind alle seine Beziehungen zu anderen Menschen. So kann er mit Freundschaften ebenso wenig anfangen, wie mit Hass und stolpert antriebslos durch ein sinnleeres Leben, bei dem er schließlich "eher zufällig" einen Araber erschießt.

Für dieses Verbrechen wird er vor Gericht gestellt. Die allgegenwärtige Teilnahmslosigkeit Meursaults, die Abwesenheit jeglicher Empathie, sind es letztlich, die die Prozessbeteiligten - vom Richter über den Staatsanwalt und die Geschworenen, bis zum eigenen Anwalt - entsetzen, völlig verunsichern und jede Bereitwilligkeit, mildernde Umstände anzuerkennen, in ihren Augen unmöglich werden lassen. Meursault wird zum Tode verurteilt.

Auch dieses Urteil scheint in zunächst wenig zu berühren, bis der Versuch des Gefängnisgeistlichen, mit ihm ein tröstendes Gespräch zu führen, bei Meursault zu einem Wutausbruch führt, bei der er den Priester heftig beschimpft und tätlich angreift.

Am Ende nimmt er sein Urteil innerlich an und erwartet die Menschenmassen zu seiner Hinrichtung sogar "voller Ungeduld".

"Der Fremde" wird häufig als Camus' wichtigstes (literarisches) Werk betrachtet, jenes Albert Camus, der nicht nur den Literaturnobelpreis erhalten hat, sondern als Schöpfer der "Philosophie des Absurden" gilt.

Deren Kernaussagen sind: Der Mensch ist grundsätzlich versucht, den Sinn seines Lebens zu verstehen, doch angesichts des unausweichlichen Todes wird ihm die Sinnlosigkeit desselben bewusst. Aus dieser absurden Situation gibt es nur einen Ausweg: die Revolte des einzelnen gegen diese scheinbare Unvermeidlichkeit, d.h. ein "trotziges" Aufbegehren gegen die Sinnlosigkeit. Detailliert ausgeführt hat Camus dies im "Mythos des Sisyphos", das zeitlich eng mit "Der Fremde" verknüpft ist.

Von Camus stammt die Maxime: "Man denkt nur in Bildern. Wenn du Philosoph sein willst, schreib Romane" und so kann man "Der Fremde" als die unmittelbare literarische Umsetzung der Philosophie des Absurden lesen. Meursault ist gleichgültig und ohne jede Überzeugung angesichts eines sinnleeren, absurden Lebens. Erst die Verurteilung und die Sicherheit über seinen unmittelbar bevorstehenden Tod geben ihm die Kraft, sich gegen diese Absurdität in einem Akt der Revolte aufzulehnen um letztlich sein Leben und seinen Tod annehmen zu können.

Genau in dieser literarischen Form des philosophischen Modells besteht für mich das zentrale Problem, dass ich bei der Lektüre dieses Buches habe: Ich glaube es einfach nicht!

Die Figur des Meursault ist in meinen Augen allzu offensichtlich ein intellektuelles Konstrukt zur Veranschaulichung eines philosophischen Ansatzes, als dass sie mich wirklich berührt.

Natürlich gibt es Indolenz, Gleichgültigkeit und Antriebslosigkeit. Natürlich gibt es Menschen, die völlig unfähig sind, auf ihr Umfeld und ihre Mitmenschen einzugehen. Aber bei Meursault ist alles gleichzeitig möglich: alles ist ihm egal, aber er erkennt durchaus feine Gefühlsregungen bei anderen, sieht auch, wie er auf andere Menschen wirkt. Er treibt antriebslos durch sein Leben, entwickelt dann aber die Kraft zur (sinnlosen) Auflehnung und findet schließlich seinen Frieden mit dem Absurden und dem Tod. Die Theorie in Romanform.

Handwerklich ist dies durchaus gut gelungen, fraglos ist Camus ein talentierter Erzähler.

Aber, es tut mir Leid, mir ist das für ein Buch zu wenig.

Den wesentlichen Mangel der "Blutleere" und der fehlenden Glaubwürdigkeit kann dies für mich nicht aufwiegen. So bleibt "Der Fremde" für mich ein interessantes intellektuelles Experiment aber keine intensive und empfehlenswerte Leseerfahrung.

Zum Trost für die zu erwartenden negativen Wertungen dieser Rezension stelle ich mir wohl besser schon mal einen schönen Meursault kalt...
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8 von 10 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
5.0 von 5 Sternen Das beste Buch überhaupt, 7. Januar 2000
Von Ein Kunde
Rezension bezieht sich auf: Der Fremde (Gebundene Ausgabe)
Genial! Ich kann mich nur in die vorhergehenden 9 Rezensionen einreihen und dem Buch ebenfalls fünf Sterne geben (ich hätte ihm sechs gegeben, wenn es sechs gegeben hätte). Wie in Ulrich Plenzdorf's „Die neuen Leiden des jungen W." bin ich der Meinung, dass man nur zwei Bücher im Leben lesen muß. Denn damit hat man schon die meisten Bücher gelesen, weil die Autoren dieser zwei Bücher andere Bücher gelesen haben und diese Autoren wiederum andere Bücher gelesen haben. Wenn ich also nun wählen könnte, dann wäre „Der Fremde" von Camus auf jeden Fall mit dabei. Dieses Buch ist übrigens auch sehr einfach in Französisch zu lesen, da sich Camus an einen sehr einfachen Satzbau hält, was die Eindringlichkeit der Handlung unterstützt.
Tolles Buch! (Dies ist eine Amazon.de an der Uni-Studentenrezension.)
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1 von 1 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
5.0 von 5 Sternen Bemerkenswert, 12. Mai 2004
Rezension bezieht sich auf: Der Fremde (Taschenbuch)
Wir lernen ihn kennen wie er ist - doch verstehen wir ihn? Können wir mit diesem Fremden etwas anfangen? Albert Camus verstört den Leser durch die Person "Mersault". Eine Person die sich den gesellschaftlichen und kirchlichen Regeln widerstrebt. Er ist Atheist, er ist gefühllos - er ist bloß. Er zeigt keinerlei Regung, er bringt einen Fremden um ohne Grund und ohne Ansporn - es war ihm einfach zu heiß!
Camus konfrontiert uns in diesem Buch mit verschiedenen Fremden, doch ist der Protagonist, den wir vom ersten Wort an kennenlernen, der wohl fremdeste. Dies wird durch seine Verfremdung vor Gericht auch deutlich gemacht.
Inhaltlich erzählt das Buch eine Geschichte aus unglücklichen Zufällen, die sich gegen den Fremden - Protagonisten - verschwören. Wobei am Ende die Frage offen bleibt: Wer ist wirklich fremd?
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13 von 17 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
5.0 von 5 Sternen Erschreckende Lebenseinstellung eines Anti-Helden, 10. September 2002
Rezension bezieht sich auf: Der Fremde (Gebundene Ausgabe)
Der Inhalt ist schnell erzählt: ein junger Franzose, der ohne jede Absicht zum Mörder wird und folglich für seine Tat büssen muss. So einfach sich die Geschichte auch zusammenfassen lässt, so einfach sie sich auch anhört, es handelt sich um einen Roman mit enormen Tiefgang, dessen Interpretation nicht in ein paar Sätzen vorgenommen werden kann. Es ist nicht einfach ein gewöhnlicher junger Franzose, welcher in das Kreuzfeuer der Justiz gelangt. Das spezielle an Camus ‚Helden' ist, dass er so gar nicht einem Protagonisten ähnelt - er verkörpert weder einen, noch ist er in Wirklichkeit einer! Meursault ist Büroangestellter und verkörpert die Gleichgültigkeit, die Passivität, die Hoffnungslosigkeit in einer Person. Er scheint durch sein Leben zu kriechen, findet keine grosse Begeisterung an irgendetwas oder irgendwem, lässt sich treiben ohne dabei Gefühle zu entwickeln und nimmt alles so hin, wie es ihm gerade in den Schoss fällt - sei es der Tod seiner eigene Mutter, sei es die Liebschaft zu einer Frau und deren Heiratsantrag oder eben ein eigens verübter Mord.
Der Roman ist in zwei Teile gegliedert, wobei der erste die individuelle „Gefühls"-Welt und die Art und Weise der Hauptperson, das Leben durchzustehen, geschildert wird. Im zweiten Teil erfahren wir die Konsequenzen, mit welchen Meursault aufgrund seiner Lebenseinstellung plötzlich konfrontiert wird.
Camus vermittelt in seinem Meisterwerk eine düstere Stimmung und eine erschreckende Vision von einem Leben, welches erwartungs- und emotionslos zu verstreichen droht. Eindrücklich erscheint die Geschichte auch deswegen, weil der Autor es schafft, die Passivität, die Gleichgültigkeit der zentralen Gestalt sprachlich perfekt umzusetzen. So unverfälscht, so gradlinig die Sprache erscheint, so angemessen und adäquat wiederspiegelt sie den Charakter des jungen Meursault.
Mich begeistert ein Aspekt dieses Romans ganz speziell, nämlich der krasse Gegensatz zu unserer heutigen Gesellschaft, welche oftmals durch Begriffe wie Motivation, Zielstrebigkeit, Auffälligkeit, Strebsamkeit, Fleiss und Wille charakterisiert wird. Sucht man nach Antonymen für diese Ausrücke, so wird einem diese Aufgabe mit Sicherheit nach der Lektüre von „Der Fremde" einfacher fallen: MEURSAULT! Er stellt einen Menschen dar, der sich von den meisten Mitmenschen wohl um 180 Grad unterscheidet. Die Geschichte gewinnt sicherlich auch dadurch an Bedeutung, zumal sie von einem uns so anders erscheinenden Typ handelt - eben einem FREMDEN!
Eine wunderbar erschreckende Geschichte, über die es sich lohnt, Gedanken zu machen!
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6 von 8 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
5.0 von 5 Sternen "Man macht sich immer übertriebene Vorstellungen von dem, was man nicht kennt.", 2. November 2011
Verifizierter Kauf(Was ist das?)
Rezension bezieht sich auf: Der Fremde (Taschenbuch)
Albert Camus (1913-1960) wuchs in Algier auf, studierte Philosophie und arbeitete unter anderem beim Verlag "Gallimard" als Lektor. 1957 erhielt er den Literaturnobelpreis. Seine bekanntesten Werke sind: "Der Fremde" (1942), "Der Mythos des Sisyphos" (1942) und "Die Pest" (1947).

Camus ist in der Philosophie als moralisierender Existentialist bekannt, als Einer, der sich mit dem Sinn des Lebens auf eine sehr konkreten Weise beschäftigt. Zunächst bester Freund von Jean Paul Sartre, dem Existentialisten schlechthin, überwarf er sich aus ideell-politischen Gründen mit ihm, genauer gesagt lehnte Camus den Kommunismus ab. Sartre stand mit seiner existentialistischen Philosophie (Hauptspruch: "Der Mensch ist verurteilt, frei zu sein") eher im gesellschafts-politischen Rampenlicht, Camus ging es hingegen nie um konkrete politische Ereignisse, sondern eher um moralisch-ethische Fragen. Sartre und Camus rezensierten jeweils des anderen Werke: Sartre schrieb eine Rezension zu Camus' "Der Fremde" und Camus schrieb eine Rezension zu Sartres "Der Ekel" (1938). Camus und Sartre sind jedenfalls Geister ihrer Zeit und sehr ähnlich in ihrem Denken. Aus einem Vergleich zwischen den Beiden kann der philosophische Geist in all ihren Facetten gut herausgearbeitet werden.

"Der Fremde" gilt als Pflichtlektüre für alle Romanistik Studenten.
Meursault, der Protagonist, begeht unabsichtlich einen Mord. Beim Prozess stellt sich heraus, dass die Gesellschaft und die Richter nicht die Wahrheit sehen, sondern den Protagonisten, aufgrund seiner persönlichen Einstellung zum Leben, verurteilen. Die Wahrheit ist nämlich, dass er diesen Mord nicht aus Berechnung oder kaltblütig verübt hat, sondern aus einem viel banaleren Grund: als er den Streit zwischen seinem Nachbarn Raymond und einem Araber (den Bruder von Raymonds Ex-Geliebten) friedvoll schlichten wollte, blendete ihn die Sonne und er meinte zu erkennen, dass der Araber ihn mit dem Messer erstechen wollte. Deshalb erschoss er ihn. Der Mord wurde aus Selbstverteidigungsgründen ausgeübt. Dadurch aber, dass der Protagonist als Mensch vor dem Richter erscheint, dem alles egal ist, der zum Beispiel, als seine Mutter starb, keinerlei Gefühlsregungen zeigte und am Tag nach ihrem Tod eine Liebesbeziehung mit einer Frau einging, hält man ihn für einen kaltblütigen, unberechenbaren Mörder.
Camus Werke sind bekannt dafür, das Leben des Menschen als sinnlos und absurd darzulegen. Nicht nur das Leben der Menschen, sondern auch der Tod ist absurd und sinnlos und deshalb ist es einerlei, was der Mensch mit seinem Leben anfängt. Gerade in diesem Werk ist seine Sicht noch sehr pessimistisch angehaucht, der Protagonist erhebt nicht den Anspruch, wie später in "Die Pest" und auch im "Mythos des Sisyphos", trotz Erkenntnis der Sinnlosigkeit und Absurdität, mit Gleichmut und Freude, einer bestimmten, individuell ausgesuchten Tätigkeit nachzugehen. In diesem Roman geht es um die Erkenntnis der Sinnlosigkeit, aber auch um die Erkenntnis von Lügengespinsten vonseiten der Gesellschaft, die die einfache Wahrheit hinter ihren konventionsbedingten Lügengeschichten nicht verstehen und nicht akzeptieren will. Die gesellschaftliche Konvention, so übel sie auch sein mag, wird nie in Frage gestellt, der Massenmensch fühlt eine gewisse Sicherheit, wenn er die Meinungen und Gepflogenheiten übernimmt, die ihm von der Gesellschaft diktiert werden. Und ein Mensch wie Meursault kommt unmöglich gegen diese aufgesetzte, falsche Apparatur, die die vom Menschen erschaffene Gesetze beinhaltet, an.
Wenn man die aktuelle Situation betrachtet, dann muss man sich zum Beispiel die Frage stellen, warum es heute so "in" ist, Finanzschwindler gerichtlich zu verurteilen, die es ja schon immer gegeben hat. Und wie steht es mit den Richtern und Anwälten, die diese Gerichtsverhandlungen führen, wer kontrolliert, ob sie nicht genauso korrupt sind wie jene, die Opfer der allgemeinen Wut über die Schere zwischen Arm und Reich sind.
Meursault wird eine moralische Verdorbenheit vorgeworfen, obwohl er gar keine moralischen Grundsätze besitzt, er ist der Gleichgültige und wie es richtig in diesem Werk erkannt wird, kehrt sich die Moral bei der Gesellschaft ins Gegenteil um, insofern, dass die Menschen nur danach trachten, zuzusehen, wie ein Mensch an den Pranger gestellt wird:

"Wie hatte ich übersehen können, dass nichts wichtiger ist als eine Hinrichtung und dass es alles in allem das einzig wirklich Interessante für einen Menschen ist. Wenn ich je aus diesem Gefängnis herauskommen sollte, würde ich mir alle Hinrichtungen ansehen. Ich glaube, es war ein Fehler, an diese Möglichkeit zu denken. Denn bei der Vorstellung, eines frühen Morgens als freier Mann hinter einer Polizeikette zu stehen, gewissermaßen auf der anderen Seite, bei der Vorstellung, der Zuschauer zu sein, der zusieht und sich hinterher übergeben kann, stieg mir eine Woge giftiger Freude ins Herz. Aber das war unvernünftig. Es war ein Fehler, mich zu solchen Annahmen hinreißen zu lassen, weil ich im nächsten Augenblick so entsetzlich fror, dass ich mich unter meiner Decke zusammenrollte. Meine Zähne klapperten, ohne dass ich an mich halten konnte."

Im Mittelalter waren Hinrichtungen eine Sensation, und den Menschen war es egal, ob der Mensch, der hingerichtet wurde im Recht oder Unrecht war. Heute gibt es zwar keine Hinrichtungen mehr und doch geht es darum zuzusehen, wie zunächst hoch angesehene Menschen, wie der Arzt von Michael Jackson zum Beispiel, verurteilt werden. Man lese einfach die Kommentare in den Zeitungen, die Menschen trachten danach, andere zu verurteilen, Sündenböcke zu schaffen. Steckt da vielleicht nicht ein bisschen Neid und Lust nach Schadenfreude dahinter? Jedenfalls ist das Thema in diesem Roman höchst aktuell und meiner Meinung nach auch gewissensbildend.
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6 von 8 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
5.0 von 5 Sternen Das Leben? Ein absurdes Nichts, 1. September 2005
Rezension bezieht sich auf: Der Fremde (Taschenbuch)
Allein die ersten beiden Sätze sind genial. Wohl niemals zuvor ist das Wesen eines Ich-Erzählers kürzer, treffender und prägnanter in nur elf Worten zusammengefasst worden: "Heute ist Mama gestorben. Vielleicht auch gestern, ich weiß es nicht."
Die hier zum Ausdruck gebrachte Gleichgültigkeit des Protagonisten Meursault seiner Umwelt gegenüber ist das Leitmotiv des ersten Teils dieser Erzählung. Fragt ihn seine Geliebte Maria ob er sie liebt, antwortet er: "Wohl eher nicht. Aber das ist ja auch nicht so wichtig." Und auf die Frage ob er sie heiraten will, äußert ja: "Ja, ja, wenn du willst, heirate ich dich auch."
Der zweite Abschnitt behandelt den Gerichtsprozess und die Verurteilung von Meursault, nachdem dieser einen Araber erschossen hat, da dieser zwischen ihm und der Sonne stand. Auch den Verlauf seines Prozesses sowie das finale Urteil verfolgt der Protagonist gleichgültig. Erst als er in seiner Zelle immer und immer wieder von einem Geistlichen aufgesucht wird, der versucht, ihn zum Chistentum zu bekehren, bricht es aus ihm heraus, die Abneigung gegen dieses ganze "absurde Leben". Der Tod seiner Mutter oder eines Hundes, wo sei da der Unterschied? Und sei nicht seine Verurteilung ein Vorteil, ein Geschenk des Lebens? Denn er habe nun schließlich Gewißheit über sein Schicksal, wohingegen die anderen garnicht bemerken würden, dass auch sie längst verurteilt sind. Verurteilt, ein Leben ohne Hoffnung und Sinn zu führen, ein Leben, welches einem willkürlichen Schicksal ausgeliefert ist.
Fazit: Geprägt durch den Existentialismus Sartres, verpackt Camus seine Philosophie in eine brilliante Erzählung, die seit mehr als 60 Jahren Stoff zur Diskussion gibt. Ein absoluter Klassiker der Weltliteratur!
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3 von 4 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
5.0 von 5 Sternen Immer wieder aktuell, 11. November 2006
Rezension bezieht sich auf: Der Fremde (Taschenbuch)
Vor vierzig Jahren habe ich dieses Buch als junges Mädchen zum ersten Mal gelesen. Damals wie heute hat mich der sachlich ausführlich beschreibende Stil von Camus sehr beeindruckt.

Meursault erzählt in der Ich-Form und er bewertet nichts, er heuchelt nicht!

Er ist echt und ehrlich und spielt nicht eine Emotionsrolle, die die Umwelt von ihm erwartet, auf die sie geradezu lauert. Da er „den allgemeinen Spielregeln“ nicht entspricht und entgegenkommt, wird er eigentlich deshalb zum Tod verurteilt, weil er am Beerdigungstag seiner Mutter abends ins Kino gegangen ist mit einer jungen Frau! Und auch noch in eine Komödie! Dabei bringt Camus dem Leser sehr gut nahe, daß auch die Umwelt weder Verständnis für ihn hat noch Interesse an ihm. Wer reagiert hier auf wen?

Meursault ist es in keiner Weise gewohnt, überhaupt emotional zu reagieren. Die kochende Sonne am Strand bewirkt bei ihm auf die Dauer ein körperlich unerträgliches Gefühl, dem er sich plötzlich ausgeliefert sieht, sein Kopf platzt fast. Seine an sich vernünftige Betrachtungsweise der Situation löst sich auf und er wird von dieser Unerträglichkeit überwältigt. Nachdem seine erste Begegnung mit den Arabern mit seinen Freunden zusammen zwar aufregend war, aber er sich noch zurückgehalten hatte, wie es eigentlich seine Art ist, sind die anschließende neuerliche überraschende Wiederbegegnung mit dem Fremden und die zusätzliche Bedrohung durch das blitzende Messer zu viel für ihn. Seine bewährte Zurückhaltung, sein Selbstschutz ist dahin. Er spürt förmlich das Messer auf seiner Stirn und reagiert instinktiv, er schießt.
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6 von 8 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
5.0 von 5 Sternen Sehr empfehlenswert: Kurz, einfach, prägnant, GENIAL!, 23. September 2002
Rezension bezieht sich auf: Der Fremde (Taschenbuch)
Camus präsentiert viel Buch auf wenigen Seiten: Sein (Anti-)Held Meursault ist ein einfacher Mensch, der mit den großen Themen der Menschheit (Vergänglichkeit, Liebe, Schuld und Sühne) umgeht wie mit Gebrauchsgegenständen. Er interessiert sich für sein momentanes Wohlbefinden, alles andere ist im Wesentlichen nebensächlich. Meursault tut dies jedoch nicht aus Überlegung, sondern aus reiner Faulheit/Dummheit/Einfachheit/... Er weiß es schlicht nicht besser.
Im ersten Teil der Geschichte, die in Algerien spielt, stirbt seine Mutter, er findet eine weibliche Bekanntschaft, 'freundet' sich mit einem Zuhälter 'an' und bringt den arabischen Bruder von dessen Ex-Freundin um - alles andere als ein Mord, eher ein Unfall: Schuld war die Sonne.
Im zweiten Teil der Erzählung berichtet Meursault in einer Rückschau von seinem Gefängnisjahr. Er ist dabei sehr passiv, lässt fast alles mit sich geschehen. Erst im Laufe der Gerichtsverhandlung begreift er, wie übel ihm mitgespielt wird. Man verurteilt ihn als kaltblütigen Mörder (und legt insbesondere seine Gefühlskälte nach dem Tod der eigenen Mutter als entscheidendes Indiz für seine Täterschft aus).
Schließlich versöhnt sich Meursault im Angesicht des Todes (Guillotine) mit sich und dem Leben: Er kann es wegwerfen, es ist ohnehin sinnentleert: Absurd.
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Der Fremde
Der Fremde von Albert Camus (Taschenbuch - 2. Juli 1997)
EUR 7,99
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