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27 von 28 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
5.0 von 5 Sternen zwischen blindem Obrigkeitsgehorsam und Gewissenskonflikten, 20. März 2006
Von 
Stephan Kleiber "buchtippse.de" (München) - Alle meine Rezensionen ansehen
(HALL OF FAME REZENSENT)   
Rezension bezieht sich auf: Das Milgram-Experiment: Zur Gehorsamsbereitschaft gegenüber Autorität (Taschenbuch)
°
Das Milgram-Experiment zählt sicher zu den wichtigsten im Bereich der Sozialpsychologie. Die Grundfrage war – u.a. nach den Erfahrungen des 2. Weltkriegs – wie sehr ´normale´ Leute bereit sind, Gehorsam zu leisten gegenüber Autoritätspersonen, selbst wenn dies in direktem Widerspruch zu ihrem Gewissen steht.
Der Versuchsablauf ist schnell erklärt. Per Anzeige wurden Freiwillige für ein vorgebliches Lern-Experiment gesucht. Diese sollten den ´Lehrer´ spielen und den ´Schüler´ (je nach Anordnung im gleichen oder Nebenzimmer) bei falschen Anworten mit einem Stromstoß bestrafen. Der Schüler war ein Schauspieler, der entsprechend der Stromstärke schrie, zum Aufhören drängte, gegen die Wand schlug und sich bei höheren Stromstärken irgendwann ´tot´ stellte. Daneben gab es noch einen ´Versuchsleiter´, der lediglich standardisierte Anweisungen gegenüber dem ´Lehrer´ gab.
Den Versuchspersonen (´Lehrer´) war es zu jeder Zeit freigestellt, die Anweisungen nicht zu befolgen, das Experiment abzubrechen und dennoch das vereinbarte Geld zu bekommen.
Dennoch waren im ersten Versuch 62 % der Teilnehmer bereit, die höchste Bestrafung von 450 V zu geben und nahmen so trotz Gewissensbissen quasi den Tod des Probanden in Kauf.
Die gesamte Versuchsanordnung und besonders das Ergebnis erzeugte enormes Interesse nicht nur in Wissenschaftskreisen, sondern auch bei Regierungen und Militärs. Interessante Ergebnisse waren weiterhin, dass die Ergebnisse auch in anderen Kulturkreisen nahezu gleich ausfielen und auch zwischen Männern und Frauen keine signifikanten Unterschiede bestanden. Zurückzuführen ist dieser blinde Gehorsam u.a. auf die Sozialisation in Familie und Schule, wo eine Unterordnung unter bestehende Autoritäten belohnt wird.
Das Buch sollten eigentlich alle lesen, die sich für Zeitgeschichte (nicht nur 2. Weltkrieg) oder Psychologie interessieren. Genauso empfehlenswert wäre es auch für alle, die in irgendeiner Weise prägend im ganzen Sozialisationsgeschehen mitwirken – also Lehrer, Erzieher, Eltern ;-) Danach sieht man Befehl-Gehorsam mit anderen Augen und weiß zumindest um die entscheidende Wirkung, die ein einzelner Widerspruch im Rahmen einer Gruppenentscheidung bewirken kann.
~
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20 von 21 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
5.0 von 5 Sternen Mehr als ein Experiment - eine klassische Einführung in die Theorie und Praxis der Mikrosoziologie, 12. November 2008
Von 
euripides50 (Köln) - Alle meine Rezensionen ansehen
(TOP 500 REZENSENT)   
Verifizierter Kauf(Was ist das?)
Rezension bezieht sich auf: Das Milgram-Experiment: Zur Gehorsamsbereitschaft gegenüber Autorität (Taschenbuch)
Unter den klassischen sozialpsychologischen Experimenten, die in das Alltagsbewusstsein unserer Zeit eingegangen sind, ist das Milgram Experiment wohl das berühmteste. Jeder scheint die erschütternden Ergebnisse der Versuche in den Labors von New Haven zu kennen und für seine eigene Argumentation zu benutzten - die wenigsten aber, so scheint es, haben das Buch wirklich gelesen.
Das ist schade, denn dieser sozialwissenschaftliche Klassiker bietet viel mehr als die sattsam bekannten experimentellen Beweise für die Verführbarkeit des Menschen durch Autorität - es besitzt ist in seinem ganzen Aufbau und seiner Komplexität den Rang eines Lehrbuches zur Einführung in das sozialwissenschaftliche Denken und Urteilen.
Schon die einleitenden Kapitel, in denen Stanley Milgram den operationalen Versuchsaufbau erläutert, sind ein Lehrstück für wissenschaftliche Systematik. Um die Gehorsamsbereitschaft von Menschen gegenüber Autoritäten wirklich messen zu können, wählt Milgram ein Pseudoproblem, das die Probanden komplett irreführt. Während sie denken, sie seien nur Bestandteil eines lernpsychologischen Experimentes, ist es in Wahrheit ihr Verhalten, dass in exakter Skalierung und Quantifizierung festgehalten wird. Natürlich wurden die Versuchspersonen nicht einfach nur per Zufall sondern repräsentativ ausgewählt. Um eine Vergleichbarkeit der Ergebnisse zu gewährleisten, wurden Notation, Rückkopplung, Kleidung und sämtlich sprachliche Anspornmaßnahmen durch die Versuchsleitung standardisiert.
Bekanntlich waren die Befunde, die in den späten Sechziger Jahren bekannt wurden, zutiefst beunruhigend. Scheinbar im Dienst der Wissenschaft, schockten die Versuchspersonen die vermeintlich hilflosen Probanden fast zu Tode. Für viele linke Theorien, die den Menschen ohnehin nur als ein verführbares Lamm betrachten, das dringend eines klugen Schäfers bedarf, kamen diese Daten natürlich wie gerufen.
Dabei sind es gerade nicht die sattsam bekannten Standardversuche 1-4, in denen nur die Auswirkung der Rückkopplung auf die Gehorsamsbereitschaft getestet wurde, sondern die zahlreichen Variationen des Grundexperimentes, die die wahre Faszination des Buches ausmachen. Wie verhalten sich Menschen, wenn die Räumlichkeit, also die optischen Insignien der Legitimität, sich ändern(Exp. 5,9,10)? Sind Frauen gehorsamer bzw. grausamer als Männer(Exp.8)? Welche Rolle spielt die personale Darstellung der Autorität(Exp.6? Wie stellt sich die typische Gehorsamsituation des Mitläufers dar(Exp.18)? Wie verhält sich eine Versuchsperson, wenn sich zwei Autoritäten widersprechen (Exp. 14-16)? Inwieweit können oppositionelle Gruppeneffekte die Wucht der Autorität bremsen (Exp. 17)? Kann ein gewöhnlicher Mensch tatsächlich ohne weiteres in die Rolle der Autorität schlüpfen(Exp. 13 und 13a)? Und ist der Mensch wirklich ein grausames Wesen (Exp. 7 und 11)? Auf alle diese Fragen gibt das vorliegende Buch auf dem Hintergrund genialer Untersuchungsdesigns so überzeugende und bündige Antworten, wie dies im Rahmen einer sozialwissenschaftlichen Untersuchung nur möglich ist.
Natürlich darf nicht vergessen werden, dass seit den Milgram-Versuchen über vierzig Jahre ins Land gegangen sind. Ob also die Gehorsamsbereitschaft der Menschen nach den pädagogischen Umwälzungen im letzten Drittel des 20. Jhdts. und der allgemeinen Erosion der Autoritäten in allen Lebensbereichen heute noch ebenso hoch ist wie in den guten alten Sechzigern (vor der 68er Revolution), ob also alle Ergebnisse Milgrams bis auf Punkt und Komma für die Gegenwart übernommen werden können, müsste langsam mal wieder untersucht werden. Das ändert aber nichts daran, dass es sich bei dem vorliegenden Buch noch immer um eine besten Einführungen in die experimentelle und theoretische Mikrosoziologie des sozialen Verhaltens handelt, dessen Lektüre ich allen interessierten Schülern und Studenten empfehle.
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26 von 29 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
5.0 von 5 Sternen Was ist für Sie Autorität?, 4. Juni 2001
Von Ein Kunde
Rezension bezieht sich auf: Das Milgram-Experiment: Zur Gehorsamsbereitschaft gegenüber Autorität (Taschenbuch)
Der Untertitel trifft den Inthalt des Buches genauer als der Titel: Gehorsamsbereitschaft gegenüber Autorität. Das Milgram-Experiment ist eines der fundiertesten psychologischen Experimente, die jemals durchgeführt wurden. Eigentlich ging es darum, Mechanismen begreiflich zu machen, die grausame Taten in den Kriegen unserer Welt erzeugen (zahlreiche Beispiele aus der Nazizeit und des Vietnamkrieges) - doch das Buch zeigt weit mehr, denn es bricht die Schrecklichkeit auf eine im Milgram-Experiment nachgewiesene Verhaltensweise herunter: Gehorsamsbereitschaft gegenüber Autorität - und die ist nicht nur in extremen Situationen zu finden, sondern allgegenwärtig - in Form der Eltern, der Lehrer, des Managers, des Chefs, der Polizei, der Regierung usw. Wie die anderen Rezensenten, kann jeder aus dem Buch etwas über seine Einbindung in die ihn persönlich umgebende Autoritätsstruktur erfahren. Das wesentliche vorweg: Die Ursache für die Befolgung eines "Befehls" ist nicht der Befehl an sich, sondern die BEZIEHUNG, die der in dieser Situation untergebene zur Autoritätperson wahrnimmt. Ist man einmal in diesem "Agens-Zustand", so ist man vollständig dem Willen der Autorität ausgeliefert - ob man das wahrhaben will oder nicht. Obwohl die meisten Menschen mit sich ringen, den gemeinen Befehl zu befolgen, sind nur wenige in der Lage, sich tatsächlich zu widersetzen. Auch darüber gibt Milgram hervorragende Einblicke (die Welt ist also noch nicht ganz verloren).

Milgrams Beschreibung der Autorität ist allgemeingültig. In meinem Fall ist es die des mittleren Managements. Auch ich mußte manchmal sinnlose Entscheidungen durchsetzen, die die oben am Schreibtisch "politisch" entschieden hatten. Nicht selten mit Nachteilen für die Untergebenen, vielfach hätte es andere Lösungen gegeben, jetzt ist mir das bewußt. Ebenso kann man selbst in die Mühle der Autorität kommen, denn folgsames Verhalten wird belohnt, nicht das eigenständige. Auch dies ist mir schon ein paarmal aufgestoßen. Schon mal gewundert, warum ein Bekannter/Freund auf Weisung des Chefs plötzlich "umkippt" und eine ganz andere Haltung einnimmt? Jetzt weiß ich warum. Wer das Buch gelesen hat, sollte beurteilen können, ob seine Tat ausschließlich aus unreflektiertem Gehorsam (gegen besseres eigenes Wissen) geschieht, ob man mit dem Befehl übereinstimmt oder ob man besser den Gehorsam verweigert. Es hat mir aber auch erklärt, warum die Menschen zur Verwirklichung bestimmter Ziele Autorität brauchen (einem allzu liberalen Firmenleiter sei dies eine Lehre). Das Buch redet also nicht explizit gegen Autorität - sie ist notwendig, Anarchie und Chaos sind nicht produktiv. Empfehlung daher: Lesen, der Nutzwert für den Alltag ist beträchtlich.
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14 von 16 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
5.0 von 5 Sternen Interessantes Experiment, nachdenklich machendes Buch, 28. März 2004
Rezension bezieht sich auf: Das Milgram-Experiment: Zur Gehorsamsbereitschaft gegenüber Autorität (Taschenbuch)
Anfang der 60er Jahre wurde an der Yale Universtät ein Experiment durchgeführt, um den Gehorsam gegenüber Autorität näher zu erforschen.
Dabei wurden verschiedene Versuchsanordnungen gemacht.
Die Versuchspersonen glaubten, an einem Experiment zum Thema „Lernen" teilzunehmen. Ihnen wurde erklärt, es gelte, die Theorie zu überprüfen, dass man besser lerne, wenn man für Fehler bestraft wird.
Am Kernexperiment nahmen jeweils drei Personen teil: ein Versuchsleiter (eingeweiht), der Lernende/Opfer (eingeweiht) und die nicht eingeweihte Testperson als Lehrer. Das Opfer wurde in einem separaten Raum an einen „elektrischen Stuhl" geschnallt und mit Elektroden versehen. Der „Lehrer" sollte nun verschiedene Wortketten vorlesen. Diese musste der Lernende korrekt wiedergeben. Im Falle eines Fehlers sollte der Lehrer als Strafe einen Elektroschock geben. Bei jedem weiteren Fehler sollte die Volt-Zahl erhöht werden. Das Schock-Gerät wies Hebel auf, die von 15 Volt bis 450 Volt reichten.
Ab einer bestimmten Voltzahl protestierte das eingeweihte Opfer: Es stöhnte vor Schmerz, verlangte, dass das Experiment abgebrochen werde, sprach von Herzproblemen und je höher die Voltzahl war, desto lauter wurden die Schmerzensschreie.
Man testete nun, wie die als Lehrer eingesetzten Personen reagierten: Würden Sie das Experiment einfach weiterführen oder abbrechen? Sobald ein Teilnehmer unsicher wurde oder abbrechen wollte, schaltete sich der Versuchsleiter ein und verlangte, dass das Experiment fortgeführt wurde.
Das Buch ist ein nüchterner Bericht darüber, wie das Experiment genau durchgeführt wurde: Wie Versuchspersonen gesucht wurden, wie die jeweilige Rolle im Experiment anhand einer gefakten Verlosung vergeben wurde, wie die genauen Abläufe des Experiments und dessen Variationen aussahen - und natürlich wie die Testpersonen jeweils reagierten. Außerdem werden sehr interessante Variationen des Experiments geschildert und man erfährt, wie und ob sich die Reaktionen veränderten (etwa wenn das Experiment aus den sehr offiziell und klinisch wirkenden Räumen der Universität in ein normales Gebäude verlagert und nicht direkt mit der Universität in Verbindung gebracht wurde, wenn mehrere „Lehrer" als Versuchspersonen auftraten, wenn sich der Versuchsleiter als „Lernender/Opfer" auf den Stuhl schnallen ließ und als Autorität den Abbruch des Experimentes verlangte etc.).
Es ist ein sehr wissenschaftlich und nüchtern geschriebenes Buch. Wer sich für die genauen Abläufe dieses sehr bestürzenden Experimentes interessiert und auch interessiert daran ist, welche Faktoren zu überraschenden Veränderungen im Verhalten der Testpersonen führten, dem sei es sehr empfohlen.
Die Versuchsanordnungen sind sehr detailgenau beschrieben, aber leicht verständlich. Einige Skizzen verdeutlichen den Aufbau.
Besonders interessant sind auch Gesprächsauszüge während oder nach dem Experiment. Wie die Versuchspersonen anschließend betreut wurden. Und wie die Reaktionen waren, die einige Monate nach dem Experiment per Fragebogen eingeholt wurden.
Ein nachdenklich machendes Buch, besonders wenn man sich offen auf die Thematik einlässt und sich auch intensiv Gedanken darüber macht, wie man sich selbst wohl verhalten hätte - und selbstkritisch genug dafür ist, die unterschiedlichen Situationen und Details auf sich wirken zu lassen, anstatt kategorisch abzuwinken, dass einem selbst „sowas nie passieren könnte".
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9 von 10 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
5.0 von 5 Sternen Beeindruckend und brilliant in seiner Konsequenz, 22. März 2001
Rezension bezieht sich auf: Das Milgram-Experiment: Zur Gehorsamsbereitschaft gegenüber Autorität (Taschenbuch)
Zur Zeit reden viele über den Film das Experiment, das auf einem wirklichen sozialpsychologischen Experiment beruht. Das Milgram-Experiment ist härter! Für mich ist die Konsequenz beeindruckend. Ein wichtiger Satz von ihm ist, dass jeder (!) diese Versuchsperson sein kann. Seid nicht so stolz zu glauben, ich nicht. Jeder! Die Erkenntnis ist nicht angenehm und macht das Buch lesenswert.
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3 von 3 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
5.0 von 5 Sternen Ein grosses Experiment ? - was bleibt ?, 16. Dezember 2006
Rezension bezieht sich auf: Das Milgram-Experiment: Zur Gehorsamsbereitschaft gegenüber Autorität (Taschenbuch)
Selten hat ein Experiment wie das von Milgram so nachhaltiges Interesse hervorgerufen.Es wurde zu einer Zeit durchgeführt, als Gehorsam in der Werteskala noch einen grösseren Stellenwert hatte und es war ein Experiment, dass angesichts seiner Entlarvungsfunktion wissenschaftsethische Fragen aufwirft. Darf man Experimente durchführen, die bei Menschen dazu führen können, wegen dieser für sie in einem sehr wörtlichen Sinne umwerfenden Erkenntnis schwere psychische Schäden bis zum Suicid durchzuführen ? Dies ist wahrscheinlich der Grund,warum es nicht laufend Nachfolgeexperimente gibt, die überprüfen, ob trotz eines Paradigmenwechseln, Gehorsam gar nicht mehr als Wert zu betrachten, die Bereitschaft zur Anpassung gesunken oder geblieben ist ? Die Anpassungsbereitschaft einer Vielzahl von Personen kann man empirisch in seinem Umfeld, aber nicht wissenschaftlich fundiert durch neuere Versuche, nunmehr " erforschen". Die Bedeutung dieser Frage ist gar nicht hoch genug einzuschätzen, weil dieses Mitmach-Verhalten erst Fehlverhalten ermöglicht und stabilisiert, als nur ein Problem sei mobbing genannt oder die täglichen Skandale, die uns überschwemmen.

Da wir neuere Forschungen dazu nicht besitzen, ist dieses doch schon betagte Werk immer noch eine Fundgrube des Studierens. Soweit es filmische Dokumentationen dieses Experiments gibt, kann man körpersprachlich bei nicht wenigen Probanden den Konflikt zwischen ihrem moralischen Anspruch und der Folgebereitschaft wahrnehmen ( insoweit eine andere These als diejenige von Zimbardo, der uns suggierieren will, in jedem von uns stecke ein potentiell brutaler Mensch).Sehr wichtig auch die Frage, welche Faktoren denn notwendig sind, um sich einer unmoralischen Zumutung zu widersetzen. Gewisse Anhaltspunkte findet man auch dazu bereits im Buch von Milgram. Auch nach Jahrzehnten eine lesenswerte Lektüre und- leider- auch eine notwendige !
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6 von 7 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
5.0 von 5 Sternen Ziemlich ernüchternd!!!, 2. Januar 2004
Von Ein Kunde
Rezension bezieht sich auf: Das Milgram-Experiment: Zur Gehorsamsbereitschaft gegenüber Autorität (Taschenbuch)
Es gibt unglaublich gute Bücher (gut in diesem Fall im Sinne von interessant, oder informativ und neue Erkenntnisse vermittelnd) - und dieses Buch gehört ohne Zweifel dazu!
Ziemlich ernüchternd ist es aber, was der Autor, ein gelernter Psychologe, in vielen Versuchen über "Gehorsamsbereitschaft gegenüber Autorität" herausfindet.
Sogenannte "Durchschnittsmenschen", wahrscheinlich gilt das sogar für die meisten Menschen, lassen sich durch nicht einmal besonders differenzierte Tricks unter Druck setzen und unter dem Alibi eines zu erledigenden Auftrages dazu bringen, ihre Mitmenschen schwer zu quälen und zu foltern, ihnen also Leid anzutun.
Es ist verständlich, daß diese Versuchsergebnisse schwere Proteste hervorgerufen haben, ja hervorrufen müssen, werfen sie doch ein schlechtes Licht auf die Gattung Mensch; aber wer von uns hat die Folgen solcher Gehorsamsbereitschaft, im Prinzip, nicht schon am eigenen Leib verspürt und sich gewundert, warum sich Mitmenschen so verhalten? Hier kommt die Aufklärung.
Ich wünsche diesem Buch die gebührende "flächendeckende" Verbreitung!
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1 von 1 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
5.0 von 5 Sternen Der Milgram'sche Spiegel, 15. Januar 2003
Von Ein Kunde
Rezension bezieht sich auf: Das Milgram-Experiment: Zur Gehorsamsbereitschaft gegenüber Autorität (Taschenbuch)
Stanley Milgram zeigt uns ganz deutlich, wie schonungslos grausam wir Menschen sein können, nur weil wir uns allzu bereitwillig in ein Schema von Befehl und Gehorsam pressen lassen, basierend auf nichts weiter als einem weissen Kittel, der dies zu legitimieren scheint. Beim Lesen dieses Buches blickt man in seinen eigenen Abgrund und den seiner Mitmenschen. Wann wäre / bin ich selbst Täter und wann Opfer? Man muß eine Menge Fragen zulassen nachdem man dieses Buch gelesen hat und man sollte sie ehrlich beantworten. Lesen und begreifen, damit Milgrams Experiment nie wieder so ausfällt und die Welt irgendwann vielleicht doch eine bessere wird.
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1 von 1 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
5.0 von 5 Sternen Faszinierende und fundierte Erkenntnisse aus erster Hand, 18. August 2011
Von 
Daniel Drewitz (Berlin) - Alle meine Rezensionen ansehen
(REAL NAME)   
Verifizierter Kauf(Was ist das?)
Rezension bezieht sich auf: Das Milgram-Experiment: Zur Gehorsamsbereitschaft gegenüber Autorität (Taschenbuch)
Als ich erstmalig den Titel dieses Buches las, dachte ich mehr oder weniger sofort an Strukturen von Regierungen, Armeen, Kriegen oder auch den Nationalsozialismus. In keinem Moment brachte ich spontan das Gewöhnliche, Alltägliche oder gar mich selbst mit Gehorsam oder Autorität in Zusammenhang. Nun erfährt man in 'Zur Gehorsamsbereitschaft gegenüber Autorität' von Stanley Milgram aber aus erster Hand, welche subtile Tragweite dieses Thema eigentlich hat. In diesem klassischen Experiment, das damals und vereinzelt auch noch heute große Wellen schlug, verdeutlichte Milgram ein wichtiges sozialpsychologisches Phänomen.

Faszinierend an diesem Werk ist die enorme Detailtreue und die außerordentliche Sorgfalt, die bei der Durchführung des Experiments angewandt wurde. Beim 'Milgram Experiment' handelt es sich keineswegs nur um einen einzigen Versuch. Vielmehr wurde eine ganze Testbatterie unter verschiedensten Umständen und unter sorgfältiger und diskreter Variation einzelner Faktoren durchgeführt. Wann immer das Team auf neue Ergebnisse stieß, wurden entsprechende Anschlussversuche durchgeführt, um das beobachtete Verhalten besser zu ergründen. Überraschungen waren dabei an der Tagesordnung.

So wurde das klassische Experiment, also kurz gesprochen die Situation Versuchsleiter ' Lehrer ' Schüler, wobei der Lehrer die uneingeweihte Versuchsperson darstellt, die auf Weisung des Versuchsleiters den Schüler im Laufe des Experiments immer härter mit vermeintlichen Elektroschocks bestraft, wenn dieser Fehler bei einer Lernaufgabe macht, auf vielerlei Weise abgewandelt. Mal variierte man die 'Distanz' zwischen Lehrer und Schüler, mal führte man weitere Autoritätspersonen ein, veränderte die Umgebung oder stellte der Versuchsperson weitere Menschen zur Seite. Stets achtete man penibel auf alle Details und vereinheitlichte die Farbe der Kittel, die Worte der eingeweihten Personen, den kompletten Ablauf und so weiter und sorgte so für Vergleichbarkeit.

Auf diese Weise ergeben sich eine Vielzahl faszinierender Erkenntnisse, die Milgram in seinem Buch ausführlich beschreibt, detailliert die Versuchsaufbauten erläutert und die Ergebnisse analysiert. Er tut dies auf eine so fundierte und objektive Weise, dass man den Ausführungen problemlos folgen kann und alle Analysen auf einem soliden Fundament stehen. Wenngleich sich der Autor immer wieder selbst von den Ergebnissen seines Experiments überrascht zeigt, nämlich dass normale und soziale Menschen aus allen Schichten in gewissen Situationen grausame Taten verüben, verliert er sich nicht in einseitigen und undifferenzierten Interpretationen. Häufig werden auch Dialoge zwischen Versuchsperson und Versuchsleiter oder Berichte wörtlich zitiert. Einen direkteren Einblick in das Verfahren kann es nicht geben. Tabellen und Grafiken mit den Ergebnissen zu jedem einzelnen Versuch runden die Datenbasis ab.

Diese 'Nüchternheit' hat mich am Meisten an diesem Werk erfreut, denn immer wieder betont Milgram in seinen Äußerungen, dass es keineswegs einfach oder überhaupt möglich sei, Autorität an bestimmten Wesenszügen oder Charaktermerkmalen festzumachen. Es gibt nicht DEN sozialen und DEN destruktiven Menschen. Stattdessen beschränkt er sich strikt auf Fakten, die seine Experimente liefern und bringt diese in Zusammenhang mit historischen und alltäglichen Begebenheiten. Immer wieder wird deutlich, dass sich die Verantwortlichkeiten verschieben, die Bande mit dem Versuchsleiter wächst, der Schüler abgewertet oder ausgeblendet wird und so weiter.
Ich bin sicher, dass Sie nach der Lektüre dieses Buches gegenüber Autoritätssituationen sensibilisiert sind. Das meine ich keineswegs nur im negativen Zusammenhang, sondern auch in gewöhnlichen Situationen. Schließlich erfordert unsere Gesellschaft auch Autorität, nur ist einem dies seltener bewusst. Denn Gehorsam zuzugeben ist nicht immer einfach und nicht zuletzt dies ist der Grund für zahllose kritische Reaktionen auf dieses sehr gelungene Experiment und dieses Buch darüber. Außerordentlich empfehlenswert und heute ebenso aktuell wie zur Zeit der Durchfürhung.
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1 von 1 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
5.0 von 5 Sternen Tolles Experiment!, 15. Januar 2010
Rezension bezieht sich auf: Das Milgram-Experiment: Zur Gehorsamsbereitschaft gegenüber Autorität (Taschenbuch)
Diese Buch hat mich von Anfang an begeistert wie kaum ein anderes. Zu erfahren wie gehorsam Menschen sich in verschiedenen Situationen verhalten war interessant. Überraschend war auch, an wodurch Gehorsamkeit beeinflusst werden kann (z.B. Kittel der Versuchsleiter, Experiment an der Uni oder in einem Bürogebäude usw.).

Der Teil des Buches in dem die Experimente beschrieben wurden war sehr gut (etwas mehr als die Hälfte). Den Erklärungsteil fand ich an einigen Stellen etwas weit hergeholt und deshalb auch nicht mehr so spannend.

Allerdings kann ich jedem, der sich für Psychologie interessiert, dieses Buch ans Herz legen.
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Das Milgram-Experiment: Zur Gehorsamsbereitschaft gegenüber Autorität
Das Milgram-Experiment: Zur Gehorsamsbereitschaft gegenüber Autorität von Stanley Milgram (Taschenbuch - 4. März 1982)
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