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32 von 33 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
5.0 von 5 Sternen intelligent - berührend - gewaltig
Gleich vorweg: ich brauchte sehr lange um mich in das Buch einzulesen, aber dann war es umso faszinierender. Zuerst Unverständnis und auch Langeweile gegenüber des Inhaltes, ein Mann verlässt seine Frau und zieht zu einer Prostituierten und ein episkopalischer Reverend versucht ihn zu seiner Frau zurückzubringen. Das alles in einer amerikanischen...
Veröffentlicht am 17. Januar 2006 von Ossiwan

versus
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3.0 von 5 Sternen eigener Stil
John Updike hat seinen ganz eigenen Stil. Das ist gut so. Man kann ihn mögen oder auch nicht. John Updike kann schreiben und das muss man respektieren. Eigentlich verdient dieser Roman fünf Punkte, dennoch bekommt er von mir nur drei und das hat seine Gründe, denn Updike schildert das Verhalten seines Protagonisten nicht nur verständlich, sodass der...
Veröffentlicht am 1. Januar 2010 von Star Dust


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32 von 33 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
5.0 von 5 Sternen intelligent - berührend - gewaltig, 17. Januar 2006
Rezension bezieht sich auf: Hasenherz (Taschenbuch)
Gleich vorweg: ich brauchte sehr lange um mich in das Buch einzulesen, aber dann war es umso faszinierender. Zuerst Unverständnis und auch Langeweile gegenüber des Inhaltes, ein Mann verlässt seine Frau und zieht zu einer Prostituierten und ein episkopalischer Reverend versucht ihn zu seiner Frau zurückzubringen. Das alles in einer amerikanischen Kleinstadt der 70er Jahre.
Auch die Erzählweise Updikes, sein gemächlicher, genauer Blick und seine manchmal ausufernden Beschreibungen, machen das Buch anfangs schwer verdaulich. Aber wenn man dann merkt, wie da ganz unscheinbar Fäden gesponnen werden, wie die Hauptfigur Harry „Rabbit“ Angstrom mit der Zeit alles auf sich bezieht und er von einer Sonne, die alles um ihn herum nur bescheint, ein schwarzes Loch wird, dass die Schicksale in sich aufsaugt, dann gewinnt das Buch mit jeder Seite mehr an Spannung und Updikes Sprache lässt einen bald, ob dieses Variantenreichtums, den Mund offen stehen.
Denn nicht nur „Rabbit“, sondern auch seine Frau Janice, deren Eltern, Reverend Eccles, der ehemalige Basketballtrainer Tothero und die Prostituierte Ruth haben Schicksale, an denen „Rabbit“ zwar nur peripher beteiligt zu sein scheint, doch entwickelt er sie, bis zum Klimax. Er selbst hingegen läuft unschuldig durch die Welt, folgt Gefühlen und Stimmungen, wie sie gerade kommen und will niemanden Böses.
Der geruhsame Stil Updikes, führt den Leser jedoch zusehends aufs Glatteis, er wird nie laut oder dramatisch sondern behält immer seine genaue Beobachtung und die phantasievollen Beschreibungen bei und versetzt damit den Leser mitten in die Geschichte. Alle Geschehnisse berühren, die Figuren sind wirkliche Menschen, mit denen man leidet und hofft.
Ein unwahrscheinlich nahegehendes Buch, unbedingte Empfehlung.
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27 von 30 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
5.0 von 5 Sternen Lähmung und Flucht wechseln einander ab wie in einem Traum, 28. November 2000
Von 
Hans Henkel (Graz) - Alle meine Rezensionen ansehen
(REAL NAME)   
Rezension bezieht sich auf: Hasenherz (Taschenbuch)
Harry Angstrom seiner Nase wegen auch Rabbit genannt, torkelt durch sein Leben wie ein angezählter Boxer. Die Ehe mit seiner Frau Janice erscheint ihm als zu enges Korsett. Er verlässt sie und seinen kleinen Sohn Nelson, ohne eine Nachricht zu hinterlassen. Aber seine Flucht wird zu einer nächtlichen Irrfahrt, die ihn schließlich wieder zurückführt in die Provinzstadt Brewer, aus der er gekommen ist. Die Beziehung zu einer Gelegenheitsprostituierten, die von ihm schwanger wird, entwickelt sich zur nächsten Katastrophe. Erschreckend beängstigend wird es, als seine Frau, kurz nach der Geburt ihrer gemeinsamen Tochter June, ein zweites Mal von Harry verlassen, diese volltrunken, bei dem Versuch sie zu waschen, in der Badewanne ertränkt.
Wie John Updike diese existentielle Geisterbahn beschreibt, mit welcher Präzision er Seelenzustände darstellt, macht Staunen. Der Tod ihres Kindes ist eine Katastrophe von apokalyptischem Ausmaß. Harry und seine Frau werden von den Ereignissen fortgespült wie Treibgut. Updike's Sprache ist voller Poesie, fast jeder Satz entwirft ein Bild. Oft gehen Beschreibungen verzweifelter, auswegloser Situationen einher mit detailierten Beobachtungen der davon unbeeindruckten, banalen Alltäglichkeiten, in denen sie stattfinden.
Harry, ein durchschnittlicher Mann mit seiner jugendlich drängenden Libido, der jede Frau besitzen will, erstickt an dieser engen, kleinkarierten Welt. Immer wieder versucht er seiner selbst Herr zu werden, seinem Sohn Nelson ein Vater zu sein, seiner Frau ein Ehemann, aber seine Wut und sein Ekel sind zu groß. Sie kommen ohne sein Zutun über ihn. Updike berührt mit 'Hasenherz' den Daseinsgrund, die Untiefen menschlichen Handelns als Lücken im Netz der Selbstbestimmtheit. Da ist etwas oder jemand stärker. Wie der unsichtbare Unbekannte, der sich in Janice's Wohnung aufhält, kurz bevor sie ihre Tochter zu Tode bringt. Und doch tun sich in diesem Wechsel von Flucht und Lähmung bei Harry immer wieder grundlos und unvorhersehbar Atemfenster auf, bahnen sich ungeahnte Kräfte ihren Weg zu einem vagen Licht.
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26 von 29 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
5.0 von 5 Sternen Lust, Religion und Verantwortung, 20. August 1999
Von Ein Kunde
Rezension bezieht sich auf: Hasenherz (Taschenbuch)
Hasenherz (Originaltitel: Rabbit, Run) ist eines der bekanntesten Bücher Updikes, daß in gewisser Weise die Probleme der Generation junger Amerikaner in den 50iger Jahren aufgreift. Der ehemalige Basketball-Crack Harry Angstrom, von seinen Basketballkollegen nur Rabbit gerufen, führt ein durchschnittliches Leben, aus dem er spontan ausbricht. Er verläßt seine Familie und seine hochschwangere Frau; allerdings ist seine Flucht nicht durchdacht, so daß sein Ausbruchsversuch im amerikanischen Kleinstadtmief stecken bleibt. Am Beispiel des Anti-Helden Harry Angstrom spießt Updike die unglaubliche Rücksichtslosigkeit und Egozentrik der amerikanischen Nachkriegsgeneration auf, die nicht mehr auf den Normenkonsens der vorhergehenden Generation zurückgreifen kann. Ohne moralisierend zu wirken, macht Updike auch die Liberalisierung der Theologie lächerlich. Pastor Jack Eccles, dessen Ziel es ist, Harry Angstrom zur Rückkehr zu seiner Familie zu bewegen, verursacht bei dem Leser Mitleid durch seine offensichtliche Hilflosigkeit, die in seine mangelnde Glaubwürdigkeit als Geistlicher begründet liegt. Besonders auffällig ist die Verantwortungslosigkeit, die Rabbit in seinem Handeln auszeichnet; er lehnt es ab, sich näher mit dem von ihm verursachten Schmerz auseinaderzusetzen. Dieses gilt sowohl für seine Familie wie auch für seine Geliebte. Die Begegnungen Harry's mit seiner Mutter lassen jedoch deutlich werden, daß Harry selbst nicht in der Lage ist, Schmerz zu ertragen.Harry Angstrom erhebt das Lustprinzip zur Handlungsmaxime und verursacht auf diese Weise eine Reihe tragischer Ereignisse, die er jedoch selten intendiert hat. Die Art und Weise, wie Updike die Charaktere detailliert ausleuchtet, ist bemerkensert und stellte eine der hervorragensten Eigenschaften dieses Romanes dar. Updike zeichnet schonungslos Hartherzigkeit und Rechthaberei der amerikanischen Gesellschaft, die sich mit einer übelkeitserregenden, bigoten liberalen Selbstrechtfertigungstheologie verbindet. "Hasenherz" enthält gesellschaftskritische Komponenten, wirft jedoch auch zentrale Fragen der menschlichen Existenz auf, deren Behandlung leider teilweise auf Kosten des Handlungsflusses gehen. Updikes Werk ist daher nicht unbedingt als entspannende Urlaubslektüre zu empfehlen, sondern eher als anregende Herausforderung. (Dies ist eine Amazon.de an der Uni-Studentenrezension.)
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3 von 3 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
5.0 von 5 Sternen Großartiger Auftakt zur Rabbit Tetralogie, 1. Dezember 2009
Rezension bezieht sich auf: Hasenherz (Taschenbuch)
John Updikes Roman "Hasenherz" ist der äußerst gelungene Auftakt zur großartigen "Rabbit Tetralogie" und der Roman, durch den John Updike berühmt wurde.

Harry "Rabbit" Angstrom, der seinen Kosenamen seiner Nase verdankt, ist der nicht unbedingt durch sympathische Handlungsweise beeindruckende Protagonist dieses Romans, der damit beginnt, dass Harry Angstrom am Heimweg an einer Gruppe Basketball spielender Jugendlicher vorbeigeht und sich ihnen, in Erinnerung an seine High School Zeit spontan anschließt. Dadurch kommen in ihm positive Gefühle hoch, die ihm, kaum wieder daheim bei seiner schwangeren, fernsehenden, rauchenden und trinkenden Ehefrau Janice so schnell abhanden kommen, dass er statt seinen Sohn von seinen Eltern abzuholen, die Flucht antritt.

Er lässt sich auf der Straße vom Instinkt leiten und fährt auf und davon, bis ihm sein Mut den Dienst versagt und er in Richtung seiner Heimatstadt zurückfährt. Er kommt jedoch nicht zurück zu seiner Frau, sondern nistet sich bei seinem ehemaligen Trainer ein. Kurz danach trifft er die Gelegenheitsprostituierte Ruth und beginnt mit ihr ein Verhältnis, das von der ersten Minute unter keinem guten Stern steht. Diese Verbindung scheint einerseits so etwas wie Liebe zu sein, andererseits verkommt sie immer wieder zu einer art Machtspiel, ein Tauziehen im internen Machtkampf um die Oberhand in dieser Beziehung.

Doch Harrys fehlende Entschlossenheit und unlöbliche Feigheit im Umgang mit seiner Exfrau, zu der er seit dem Moment des Verlassens keinen Kontakt hat, beginnt auch die Beziehung zu Ruth zu untergraben. Wunderbar subtil, wie John Updike diesen Verfall inszeniert. Während Harry seinen Kopf durch Davonlaufen aus der Schlinge zieht, daher auch der englische Originaltitel Rabbit, Run", statt Probleme zu lösen, hinterlässt er eine Spur der emotionellen Verwüstung, die ihm nahe Personen trifft.

Paradoxerweise ist dieser Harry "Rabbit" Angstrom trotz unsympathischer Handlungen und Entscheidungen, die vor allem jetzt, im Jahr 2009, politisch inkorrekt und moralisch hinterwäldlerisch erscheinen, dank der stets spürbaren Empathie des Autors ein überhaupt nicht unsympathischer Typ.

Updikes literarische Wahrnehmung konzentriert sich nicht auf die Entwicklung einer Story, sondern auf das psychologische Ausleuchten der Situation, in der sich seine Figuren befinden. Permanente Zweifel, innere Kämpfe, auch mit der Religion, mit dem Sex, mit der Richtigkeit der getroffenen Entscheidungen.

Harry Angstroms Beziehung zum Pfarrer Eccles, der ihn mehr oder weniger bekehren und zur Rückkehr zu Janice bringen will, der bald von Rabbit eingenommen und ihm viel verzeiht, ist Generator einiger der besten Dialoge und Sätze, die man zum Thema Kirche, Sex, Liebe, Moral und Verantwortung in der Literatur finden kann.

Perfekt spürt John Updike, wo er dann doch ein wenig den Plot forcieren muss und treibt den Roman spannend dem tragisch-traurigen Ende zu, über das ich hier nicht mehr verraten werde.

Beeindruckend, wie John Updike Gesellschaftskritik und Zeitbefindlichkeiten, bzw. Ängste der amerikanischen Bevölkerung in den 50-er Jahren in die Figur des Harry Angstrom verpackt, ihn quasi zum Ebenbild des berühmten common man" werden. Updikes Beobachtungen sind präzise, sind wundervoll formuliert und literarisch von einer unerhörten Brillanz, obwohl "Hasenherz" alles andere als rasant ist.

John Updikes "Rabbit Tetralogie" ist ein Meilenstein in der amerikanischen Literatur und ein gewichtiges, zeitloses Werk in der Literatur des zwanzigsten Jahrhunderts.

Uneingeschränkte Empfehlung.
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1 von 1 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
4.0 von 5 Sternen Langatmig, 6. September 2009
Rezension bezieht sich auf: Hasenherz (Taschenbuch)
... ist dieses Buch, denn die Geschichte ist schnell erzählt und hätte auf wenigen Seiten Platz:
Harry Angstrom ist unglücklich in seiner Ehe mit der einfach gestrickten, depressiven Janice Springer. Zu Nelson, dem gemeinsamen Sohn hat Harry keine richtige Beziehung gefunden. Ohne Plan oder Konzept haut der angenervte Harry ab, schläft im Auto und landet schließlich bei der Gelegenheitsprostituierten Ruth. Viel später kehrt er zu seiner hochschwangeren Janice zurück.
Das Besondere an diesem Roman sind weder die Story noch die Zustandsbeschreibungen einer amerikanischen Kleinstadt der 60er Jahre. Beides findet man bei anderen Autoren anschaulicher. Das Außergewöhnliche dieses Werkes ist in der Tat die Beschreibung des Unsympathen Harry Angstrom. Harry handelt immer ohne Verstand, ohne Strategie und ohne Nachdenken. Er lässt sich nur von Gefühlen treiben und das, obwohl er nicht dumm ist. Als er gleich zu Beginn des Romans ins Auto steigt und losfährt, hat er keine Ahnung wohin er fährt, welcher Sinn oder welche Absicht dahinter stehen und welches gedankliche Ziel seine Flucht hat. Sogar bei der Entscheidung in welche Richtung er fahren soll, lässt er sich treiben von Stimmungen, welche Wetter, Landschaften oder zufällige Begegnungen in ihm auslösen. Harry ist eben behindert durch zu viele und zu starke Gefühle und kann nur durch das Leben torkeln. Die Beschreibungen von Harrys Gefühlsleben und der Banalitäten, die dieses beeinflussen, wirkt auf viele Leser wohl langweilig, anstrengend und nervtötend. Mich hat Harry auch genervt, aber ich mochte das Buch trotzdem nicht mehr aus der Hand legen.
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1 von 1 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
3.0 von 5 Sternen eigener Stil, 1. Januar 2010
Von 
Star Dust - Alle meine Rezensionen ansehen
(VINE®-PRODUKTTESTER)    (TOP 500 REZENSENT)   
Verifizierter Kauf(Was ist das?)
Rezension bezieht sich auf: Hasenherz (Taschenbuch)
John Updike hat seinen ganz eigenen Stil. Das ist gut so. Man kann ihn mögen oder auch nicht. John Updike kann schreiben und das muss man respektieren. Eigentlich verdient dieser Roman fünf Punkte, dennoch bekommt er von mir nur drei und das hat seine Gründe, denn Updike schildert das Verhalten seines Protagonisten nicht nur verständlich, sodass der Leser sich dabei ertappt, für das durchaus miese Verhalten Empathie zu empfinden - sondern es schwingt eine große Portion Selbstgefälligkeit in dessen Agieren mit: soll heißen; dass der Mann seine schwangere Alkoholikerin mit einer Prostituierten betrügt ist ok, schließlich hat er es ja schwer mit so einer Frau.

Wunderbar geschildert ist auch die scheinbare Entscheidungsunfähigkeit des Hauptdarstellers, der dann doch immer wieder etwas unternimmt und beinahe von alleine in gewisse Situationen zu schlittern scheint. (wie etwa in die Beziehung zu der Prostituierten)
Ich liebe dieses Buch von Updike, dennoch widerstrebt es mir als Frau, diesem Roman eine volle Punktzahl zu geben. Sicherlich kann man das auch als positiven Effekt des Buches verstehen: es weiss zu berühren, auf psychologisch unterschwellige Art und Weise.
Ich empfehle es durchaus zu lesen, sodass sich jeder seine eigene Meinung zu diesem Literaturklassiker bilden kann.
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1 von 1 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
5.0 von 5 Sternen Die Rabbit-Reihe ist ein Meisterwerk: Schreibkunst par excellence, 1. März 2011
Von 
Gordian Ezazi (Troisdorf, Nordrhein-Westfalen Deutschland) - Alle meine Rezensionen ansehen
(REAL NAME)   
Rezension bezieht sich auf: Hasenherz (Taschenbuch)
Ja, es gibt viele gute Autoren, die Geschichten zu erzählen vermögen. Aber es gibt nur einen John Updike. Ich war dem Autor und dessen vierbändiger Rabbit-Reihe zunächst durchaus skeptisch gegenüber. Doch was Updike hier schafft, ist atemberaubend. Die Geschichte des Harry Angstorm, seiner Ehe, den Problemen seiner Zeit, familiär und außerfamiliär, wird hier eingebettet in den zeitgeschichtlichen Kontext. In Hasenherz (englisch: Rabbit, run), dem ersten Teil, sieht sich Harry, ein ängstlicher, bisweilen mutlos agierender Charakter, den ehelichen Konventionen ausgesetzt, stürzt sich unversehens in ein Abenteuer mit der Prostituierten Rud, verlässt Frau und Kind und plant ein neues Leben. Das Buch entfaltet auch vor dem Hintergrund der folgenden "Nachfolgewerke" seine ganze Kraft. Zeit wird bei Updike lebendig. Nebenbei ist sein Schreibstil atemberaubend, einzigartig - die Perspektivwechsel gekonnt. Seine Schilderungen sind durchaus mitunter etwas langatmig, blumig, aber gerade in den Dialogen beweist der Meister sein Können. Tipp: Einfach heranwagen, vortasten, ein- und abtauchen. Updike zu lesen ist ein Ereignis. Kaufen!
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5.0 von 5 Sternen Der Anti-Held, 15. Oktober 2013
Von 
Th. Leibfried "TL" (Deutschland) - Alle meine Rezensionen ansehen
(TOP 500 REZENSENT)   
Rezension bezieht sich auf: Hasenherz (Taschenbuch)
"Hasenherz" (im Original: "Rabbit, Run" ist der Auftakt zu John Updikes Rabbit-Zyklus, der am Ende fünf Romane umfasste (eine sogenannte Pentalogie). Veröffentlicht wurde dieser erste Band im Jahr 1960, Updike war da 28 Jahre alt. Genauso alt wie sein Titel-Anti-Held Harry Angstrom, der wegen seiner Nase diesen Spitznamen verpasst bekam. Die weiteren Romane entstanden ziemlich genau im Zehn-Jahres-Abstand und immer sind Held und Autor gleichaltrig. Ich habe diese Romane vor zehn Jahren zum ersten Mal gelesen, unglücklicherweise nicht in der richtigen Reihenfolge, was ich nun korrigieren möchte.

Nachvollziehbarerweise ändern sich Schreibstil und Perspektive in vier Jahrzehnten. Aber schon Hasenherz gehört zu den ganz großen Werken der jüngeren amerikanischen Literatur, wenn man ein mehr als 50 Jahre altes Buch noch dazu zählen darf. Und er hat Updikes großen Ruhm begründet. Es ist ein sehr modernes Buch, in dem Updike die Grenze zu amerikanischen Moral dieser Zeit häufig überschreitet. Die Sprache ist freizügig, der Blick auf den amerikanischen Mittelstand schonungslos.

Der Held, oder besser Anti-Held Harry "Rabbit" Angstrom ist ein ehemaliger Basketballstar aus Highschool und College, dem wenig bleibt außer der verblassenden regionalen Berühmtheit. Er jobbt als Verkäufer eines Allesschneiders in einem Kaufhaus, ist verheiratet mit Janice, einer Alkoholikerin, die mit Haushalt und Erziehung des gemeinsamen Sohnes Nelson überfordert ist und sich von ihren dominanten, gutsituierten Eltern nicht lösen kann. Also flieht Rabbit, erst halbherzig, dann überstürzt und gänzlich in die Arme einer Gelegenheitsprostituierten. Bleibt eine ganze Weile, während der Janice das zweite Kind austrägt, dort, flüchtet zurück in Ehe und Familie, leibt unglücklich, flieht wieder. Rabbit findet seinen Platz nicht und macht sich am Ende mitschuldig an einer Tragödie.

Das ist großartige Literatur, Pflicht für alle, die sich für die amerikanische ab der Mitte des letzten Jahrhunderts interessieren. Updike geht modernen Autoren wie Jonathan Franzen voran und prägt diese. Von daher haben wir Updike mehr zu verdanken als nur seine eigenen Romane.
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3 von 4 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
3.0 von 5 Sternen Selbstverwirklichung hat ihren Preis ... den der Menschlichkeit, 14. Januar 2010
Rezension bezieht sich auf: Hasenherz (Taschenbuch)
Egoismus und Verantwortungslosigkeit zeichnen den Hauptakteur des Romans von Updike aus. Harry Angstrom verlaesst seine Frau und laesst sich ohne Plan und Ziel treiben. Er empfindet Leere und Orientierungslosigkeit und bricht aus dem bisherigen Leben aus, dass er fuer seinen jetzigen Zustand verantwortlich macht und in dieser Form nicht weiter zu leben gedenkt. Generell befindet sich Angstrom in einer Situation, wie sie jedem Menschen irgendwann einmal wiederfaehrt. Doch die Antwort darauf macht den Unterschied. Angstrom begnuegt sich damit, ein Unwohlsein festzustellen, ohne dieses zu analysieren und ohne Massnahmen einzuleiten, die zu aktiven und positiven Veraenderungen innerhalb seines bisherigen Lebensraumes fuehren. Er ist auf eigene Lebenserfuellung erpicht, ohne dabei Ruecksichten auf andere zu nehmen, obwohl die Auseinandersetzungen mit seiner Mutter zeigen, dass er eine solche Einstellung anderer ihm gegenueber keineswegs zu akzeptieren bereit ist. Man koennte von Egoismus sprechen oder sein Verhalten mit dem heute so weit verbreiteten und stetig propagierten Individualismus vergleichen, der keine Ruecksichtnahme kennt und eigene Selbstverwirklichung als oberste Maxime nennt. Die Rechtfertigung seines Verhaltens nimmt teilweise tragisch komische Zuege an und laesst erkennen, dass diese Form der 'Selbstverliebtheit' keineswegs die erstrebenswerteste Form des menschlichen Daeins darstellt. Weder gestern noch heute. Updikes 1. Teil der Trilogie wirft generelle Fragen nach der menschlichen Existenz in Gemeinschaften auf und hat nichts von seiner Aktualitaet verloren. Trotz der hochinteressanten Thematik wird er Schreibstil Updikes wohl nie meine uneingeschraenkte Begeisterung finden.
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3 von 4 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
5.0 von 5 Sternen Time Out, 21. Juni 2007
Rezension bezieht sich auf: Hasenherz (Taschenbuch)
Achtung! Wer gerade vor den Traualtar treten will und dieses Buch liest, könnte es sich noch mal überlegen wollen. Doch Harry Angstrom, der ehemalige Baskettballstar verheddert sich nicht deswegen im Leben, weil er Glück bei Frauen hat, er trägt das Scheitern bereits in sich. Wie Updike das Leben seines Lieblingshelden im ersten Band seiner auf mehrere Bände angelegten Geschichte beschreibt, ist so mitreißend traurig, daß man selbst das bedrückende Ende als etwas begreift, das ein Mensch zu tragen hat, weil es ihm auferlegt wird. Ob er selbst Schuld dran ist, einen Gott oder das Schicksal dafür verantwortlich machen darf, überläßt Updike dem Leser, der sich getragen von seiner poetischen Sprache wünscht, die Geschichte würde nicht enden. Was sie ja auch nicht tut, nur wußte das Anfang der Sechziger Jahre ja niemand. Der Orginaltitel "Rabbit, Run" paßt besser zu dem Roman. Updike schickt seinen Angstrom in ein langes Rennen durch Amerika. Wer so startet, verliert das Ziel schnell aus den Augen und kämpft auf seine Weise. Wie wir alle. Eine mitreißende Geschichte.
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Hasenherz
Hasenherz von John Updike (Taschenbuch - 24. Juni 1976)
EUR 8,99
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