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Kundenrezensionen

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am 20. Mai 2013
Solschenizyn (S.) hat ein eintigartiges Werk geschrieben und schonungslos offengelegt, was durch russische Literaten lange infam glorifziert und vom Rest der Welt ignoriert worden war: die unmenschlichsten aller Menschenmühlen, das GULAG System. "Das schlimmste, was einem Menschen passiereren kann, ist Russe zu sein", diese Aussage belegt S. mit unzähligen Schilderungen und Beispielen in der ihm eigenen Sprache. S. schildert das Grauen in sich verschlimmernden Stufen: der Verhaftung und die unglaublich fadenscheinigen Gründe dafür, dem Verhör, dem Gefängnis, in dem Häftlinge in Unterwäsche sitzen, wo Wachen in wattierten Jacken und Filzstiefeln ihren Dienst tun. Karzer, dass ist kein Raum, kein Bauwerk. Es ist die Kombination aus Finsternis, Nässe, Kälte und Hunger z. B. in Form eines freistehenden, brüchtigen Bretterverschlages in Stacheldraht gehüllt. Weiter gehts über die abstoßenden Zugtransporte zur Lagerhaft, die für unzählige Häftlinge das qualvollste Todesurteil wie am Beispiel der Katorga in Sibirien bedeutete. "Ist deine Kleidung auch durchnässt, lass sie auch nachts an, sonst frierst du dich zu Tode". In vielen Lagern lebten Häftlinge über viele Jahre unter freiem Himmel! Es mutet unglaublich an, was Häftlinge zu überleben im Stande waren. Und nach der Lagerhaft geht es weiter aufwärts im Grauen, nämlich in die Verbannung. Ganze Familien mit Kleinkindern und Greisen wurden ohne irgendein Hilfsmittel in der Taiga-Wildnis oder auf unfruchtbaren Bergen ausgesetzt. Die Überlebenen nachträglich erschossen. Das Fürchterlichste jedoch stellt S. eindrucksvoll parallel, die zivile "Freiheit", und die allgegenwärtige, lähmende Angst dort, wo Verhaftungen rundum an der Tagesordnung waren, wo jeder jeden verrät und verleumdet, und wo sogar Kinder wegen "antisowjetischer Handlungen" in Lagerhaft kamen, ohne Rücksicht auf etwaige Unwissenheit bei der "Tat". Eine Tat, die z. B. darin bestand, ein Weizenkorn von der Straße aufzuheben. In diesem Buch trifft S. viele Aussagen, die sehr aufhorchen lassen: es war der türkische Jude namens Frenkel, der dem erst entstehenden GULAG-System entscheidend zum Aufschwung verhalf, indem er Stalin den "Geschäftssinn" dazu nahebrachte. Dieser Frenkel ließ dann zum Bau des Weißmeerkanals Massen von Häftlingen durch Schwerstarbeit mit den archaischsten Methoden zugrunde richten. S. schildert die Verzweiflung, wenn die Schubkarre voller Granit von den vereisten Planken rutschte, bei Brotration von 300 gramm pro Tag. "Die Russen hatten kein Gas," konstatiert S. zu diesem Massenmord mit Blick auf Hitler, den er als "Musterschüler" Stalins bezeichnet. Bestürzend die Episode über Maxim Gorki, der in die GULAGS geschickt wurde, um diese glorifizierend zu beschreiben. In einem Kinderlager kam er in Kontakt mit einem Jungen, der ihm die Wahrheit berichtete - und Gorki kam in Tränen erstickt heraus. Dennoch schrieb er sein glorifizierendes Epos, und der Junge im Lager wurde erschossen. S. analysiert sorgfältig die Psychologie auf der Täter- und Opferseite stellt kritische Betrachtungen darüber an, was aus einer Gesellschaft wird, in der alle Intelligenten, Fleißigen und Leistungsfähigen ausgerottet wurden und nur Haftgeschädigte und das Staatsgesindel übrig blieben... Leistungsfähige wie das lernwillige Mädchen, das aus der Verbannung über 2000 Kilometer zur Schule zurückgelaufen ist! Ein happy end ward ihr nicht beschert. Es müsste eigentlich Gesprächskreise oder Selbsthilfegruppen geben, an die man sich nach der Lektüre dieses beispiellosen Meisterwerkes wenden kann. Für mich eine unverzichtbare, auch heute brandaktuelle Lektüre, auch in der gekürzten Form.
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am 3. September 2003
Dieses Buch war für alle Interessenten in der DDR bis zum Mauerfall ein Mythos. Natürlich kannte man das Thema, wusste aus dem West-TV in etwa, was Solschenizyn da präsentierte und ahnte vielleicht Schreckliches. Als man es dann endlich lesen kann, kommt alles viel schlimmer...

Wie ein roter Faden zieht sich durch alle Seiten seines Buches die tiefe Menschenverachtung des Systems. Hier werden nicht nur Abweichler kaltgestellt und aus dem Verkehr gezogen, nein, JEDEN kann es treffen. Andersdenkende, Kritiker und Nichtmitmaschierer ebenso wie tatsächliche Kriminelle, Assoziale und Saboteure.
Was bei Lenin beginnt, Stalin in paranoiden Verfolgungswellen ungeheuren Ausmaßes fortführt, setzt sich dann sogar noch in der "Tauwetterperiode" fort. Millionen Menschen werden nicht nur unter unwirklichsten Bedingungen und zum Großteil völlig unschuldig versklavt, nein, Millionen bezahlen mit ihrem Leben.
Ein Menschenleben gilt im Sowjetreich ebensowenig wie ein Jude bei den Nazis etwas galt oder Afrikaner einst auf den amerikanischen Baumwollplantagen. Und das in einer Gesellschaftsordnung, die sich selbst als einzig mögliches System sieht, die Ausbeutung des Menschen durch den Menschen abzuschaffen.
Besonders dramatisch nehmen sich Solschenizyns auf den ersten Blick nebensächlichen Schilderungen, Erlebnisse Einzelner, Kleinigkeiten oft nur am Rande, geradezu unspektakulär und vielleicht sogar banal wirkend, aber gerade dann kann man die ganze Tragödie am stärksten nachvollziehen. Wenn sich niemand wirklich für dich interessiert, wenn es im Prinzip egal ist, was du angestellt hast (das Soll muss erfüllt werden, also wird die Stadt XYZ noch 1000 Angeklagte mehr abrechnen...), du kannst unschuldig sein oder schwanger, einen Namen haben oder schon jahrelang für den Aufbau des Sozialismus schuften, na und?! Pech gehabt, jetzt bist du im GULAG. Jetzt bist du NICHTS mehr.
Man mag über Solschenizyns literarischen Qualitäten vielleicht geteilter Meinung sein. Für seinen Mut und seine Ausdauer, für seinen "Archipel GULAG" gebührt im Dank und Anerkennung.
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am 2. August 2006
Der Archipel Gulag bekommt fünf Sterne, das steht nicht zur Diskussion. Dennoch bereue ich, dieses Buch gelesen zu haben: Ab jetzt werden eine Großzahl der Bücher, die in Buchhandlungen ausliegen oder vorne in den Bestsellerlisten erscheinen, noch unwichtiger erscheinen.

Während der ersten zwei Kapitel musste ich mir immer wieder vor Augen halten: Das ist wirklich geschehen! Das ist nicht George Orwell! Dennoch fordert dieses Buch wie kein Zweites. Der Lageralltag wird bewusst wieder und wieder geschildert. Viele Kapitel sind gespickt mit Sowjetischen Orten, Namen und Beschreibungen. Kämpft man sich aber durch diese authentischen und ausführlichen Schiderungen, zeigt Solschenizyn immer wieder zum richtigen Zeitpunkt sein literarisches Genie.

Er spricht den Leser direkt und zeitweise provozierend an, als ob er sagen möchte: "Danke dass du diese Zeilen liest. Trotzdem kannst du dir nicht mal ansatzweise diese unmenschlichen, grausamen Lebensbedingungen vorstellen!"

Wohl eines der wenigen Bücher, bei dem Kritik einfach nicht angebracht ist. Lesen. Reflektieren. Merken.
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am 24. März 2014
"Russland ist nicht dazu da, um da hin zu fahren, sondern um von da weg zu laufen!" (McNamara in '1,2,3')- dank diesem und anderen (u.a. von 'Bild' reichlich) genährten Klischees verstaubte dieses Buch über Jahre in meinem Keller, denn wozu etwas über das dortige Straflagersystem lesen, wenn doch sowieso feststeht, dass im Reich des Bösen das Böse eben obligatorisch ist?
Wie dumm ich war...
Nicht nur, das Solschenizyn in seinen Worten die Größe der russischen Seele erahnen lässt, er versteht es auch anhand vieler kleiner Miniaturen begreifbar zu machen, wie seit dem Jahre 1918 der Geist der Destruktivität ein ganzes Land so gründlich durchwirken konnte, dass sich dessen Folgen heute immer noch tagesaktuell (Krimkrise) der Welt zeigen.
Die von Rezensent Gustl (im Buch ausführlicher) beschriebene Szene, die auf die Pointe hinaus läuft "..und hören sie nie, nie wieder als Erstes zu Klatschen auf" scheint direkt aus einem Monty Python Film zu stammen ("Römer geht nach Hause!") und man möchte sich in den Daumen beißen und darüber erwachen, um fest zu stellen, dass derlei unmöglich passieren konnte, Autorenfiktion, wie die Straftat des Gedankenverbrechens in Orwells 1984, die es im russischen Gesetzbuch allerdings tatsächlich gegeben hat oder das willkürliche Verhaftet werden, nur um eine Quote zu erfüllen -weil es eine Transportfahrt unter wirtschaftlichen Gesichtspunkten vor dem nächst höheren Sowjet rechtfertigt, anderenfalls säße man selbst vielleicht schon im nächsten Transport in die sibirische Tundra, über die sich Solschenizyn in diesem Weg erstaunlich wenig auslässt. Vielmehr beschreibt er beinah minutiös den Weg von der eigenen Verhaftung, der Untersuchungshaft, dem Prozess und dem letztlichen Transport und gestaltet darum herum die Geschichten anderer (Leidensgenossen) in der anklingenden Gewissheit, dass diese ungeheuerlichen Verbrechen, die Millionen Menschen das Leben, die Freiheit und die Würde gekostet hat, von der modernen russsichen Gesellschaft als etwas gegebenes assimiliert werden und beneidet beinah uns Deutsche um unsere Vergangenheitsaufarbeitung, was sich schon wieder als eine satirische Spitze ausnimmt, aber er hat das wohl nicht besser gewusst (oder wissen dürfen).
Dies ist auch eine der großen Erkenntnisse aus dieser Lektüre, ein geschichtlicher Treppenwitz, dass das einzige System, dass zu jener Zeit willens war, den Bolschewismus heraus zu fordern und ja tatsächlich vielerorts als Befreier begrüßt wurde (hier begreift man nun auch, wie sehr man sich befreit fühlen konnte), derart von Rassendünkel und Vernichtungslust eingenommen war, dass das Leben im Stalinismus tatsächlich zum kleineren Übel werden musste, für das der Mensch in seinem Willen zum Überleben sich dann entscheidet.
Wenn man Solschenizyns Leküre allerdings im Sinne der modernen Traumataforschung weiter denkt, verwundert weder die enorme Zahl heutiger Alkoholiker in Russland (nach gegenwärtigen Prognosen sind derzeit rund 40 Millionen russische Bürger gefährdet aufgrund ihres Alkoholkonsum vorzeitg zu sterben), noch deren gesellschaftliche Kapriolen, wie sie sich derzeit auf der Krim gezeigt haben. Die Wunden, die der Stalinismus (noch vor dem zweiten Weltkrieg) in die russsiche Volksseele gerissen hat, wollen immer noch geheilt werden.
Fazit: Ein Wunder von einem Werk, episch, unterhaltsam und wahr.
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am 10. Januar 2005
Im Vergleich zu seinem Buch „Ein Tag im Leben des Iwan Denissowitsch", in dem das Lagerleben beschrieben wird, beschreibt der Archipel Gulag die gesamte Vorgeschichte (normales Leben - Verhaftung - Gefängnis), ausgehend von den bewegenden Lebenserfahrungen Alexander Solchenizyns. Man gewinnt den Eindruck, der Sinn seines Überlebens bestand darin, der Nachwelt über die Zustände und Menschenrechtsverletzungen in der damaligen Sowjetunion zu berichten, als ein Zeuge, der sehr viel mitbekommen hat. Aus seiner Erinnerung beschreibt er für einen normalen Mitteleuropäer unglaubliche Details über die Lebensbedingungen in einem Land, in dem das Recht pervertiert ist und die Willkür regiert.
„Hier ein Schnappschuss aus jener Zeit... Eine Bezirksparteikonferenz... Am Ende wird ein Schreiben an Stalin angenommen, Treuebekenntnis und so. Im kleinen Saal braust stürmischer in Ovationen übergehender Applaus. Drei Minuten, vier Minuten, fünf Minuten ... noch immer ist es stürmisch und geht noch immer in Ovationen über, doch die Hände schmerzen bereits. Die Älteren schnappen nach Luft. Aber wer wagt es als erster (aufzuhören)? Im kleinen, unbedeutenden Saale wird geklatscht ... und Väterchen kann es gar nicht hören. Und so setzt der Direktor in der elften Minute eine geschäftige Mine auf und lässt sich in den Sessel fallen.... In selbiger Nacht wird der Direktor verhaftet." Die Mahnung des Untersuchungsrichters lautet: „Und hören sie in Zukunft nie als erster mit dem Klatschen auf."
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am 27. März 2001
Ein erschütterndes Buch. Das, was vor allem in der DDR seit der Chrustschow-Ära als Stalinismus und Personenkult bzw. als Deformierung der "reinen Leninschen Lehre" bzw. des "reinen edlen Kommunismus" ausgegeben worden ist, ist seit 1917, seit der Oktoberrevolution, immanenter Bestandteil des Staatsterrorismus in Sowjetrussland und in der Sowjetunion gewesen. Solshenizyn schreibt, dass die Folgen der von Lenin bei der Ausarbeitung der neuen revolutionären Strafgesetzgebung formulierten "verhältnismäßig leichten Unterdrückung...,...(der) Niederhaltung der Minderheit der Ausbeuter durch die Mehrheit der Lohnsklaven von gestern" allein für die Zeit von 1917 bis 1959 mit 66 Millionen Menschenleben beziffert werden müssen. Er erwähnt weiterhin, dass am 5.9.1918 im Sownarkom-Dekret über den Roten Terror, welches nach dem Attentat auf Lenin erlassen wurde, "Massenerschießungen" sowie "die Absicherung der Sowjetrepublik gegen Klassenfeinde vermittels derer Isolation in Konzentrationslagern" angewiesen wurden, so dass damit offensichtlich ist, wie früh und durch wen der Begriff "Konzentrationslager" bereits in dem später so sattsam bekannten Sinne angewendet worden ist. Sarkastisch bemerkt Solshenizyn an anderer Stelle, dass sich diese Konzentrationslager und späteren Straf- bzw. Arbeitslager von denen der Nazizeit in nichts unterschieden, aber eines werde man den sowjetischen Lagern nicht nachsagen können "dass sie Gaskammern gehabt hätten", dazu hätten die wirtschaftlichen und technischen Möglichkeiten gefehlt. Es ist schrecklich zu erfahren, dass die in der DDR und im damaligen "Sozialistischen Lager" als Erfolge des kommunistischen Systems der Sowjetunion gefeierten Kanalbauten und dergleichen nichts als ein Ergebnis der schlimmsten Sklaverei waren. Überdies hebt sich die Person Lenins in nichts von den anderen Sowjetherrschern wie Stalin und Berija ab. Mit freundlichen Grüßen [...]
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am 25. August 2011
Als geschichtlich und politisch interessierter Leser hat man natürlich, wie viele andere auch, von diesem Buch gehört. Die wenigsten haben es aber gelesen, ich habe es endlich getan.

Warum also ist das Buch so berühmt, warum hat Solschenizyn den Literaturnobelpreis bekommen? Ein literarisches Meisterwerk im Sinne von großer Erzählkunst ist das Buch sicher nicht, es ist ja auch kein Roman, was ich gar nicht wusste. Dafür ist es ein erschütterndes Zeitdokument, zum Teil den persönlichen Erlebnissen des Autors folgend, in großen Teilen aber eine Chronologie von 1917 bis zu Stalins Tod. Unermüdlich hat der Autor persönliche Schicksale gesammelt, Namen und Begebenheiten, um All jenen [zu gedenken] denen nicht genug Leben war, über dies zu erzählen."
Da dachte man nun, (als halblinker Intellektueller,) dass Lenin möglicherweise wirklich das rückständige Russland in eine neue Zeit führen wollte, und zumindest er in den allerersten Jahren eine gerechtere Gesellschaft im Sinn hatte. Das Buch räumt mit dieser Theorie jedenfalls zweifelsfrei auf.

Der erste Teil des Buches ist eine Schilderung des sowjetischen Unrechtsregimes der ersten Jahrzehnte. Es gab praktisch keinerlei Recht, keine unabhängige Justiz, nur Willkür, Misswirtschaft, Folter, Schauprozesse, Verbannung und Tod. Solschenizyn nennt detailliert Namen, Orte, Schicksale, er beschreibt die Gefängnisse, die Gerichtsverhandlungen, die Ankläger genauso wie die Opfer und die schweigende Masse. Falsch war meine Annahme, dass man wegen Bagatellen hohe Strafen bekommen hat, nein Verbannung Und Tod gab es für Nichts. Es reichte von missliebigen Vorgesetzten, Nachbarn, Kollegen angeschwärzt zu werden, es reichte Christ zu sein, es reichte Litauer oder Ukrainer zu sein, es reichte, dass irgendjemand nach tagelanger Folter Deinen Namen sagte. Der Autor erzählt die Geschichte von den 6 Bauern, die nach der Ernte noch einmal über das Feld sind, um Stoppeln für die Hungernden daheim abzuschneiden. Das Urteil: Todesstrafe. Spätestens hier gibt man dem Autor Recht, dass Stalin allein dafür hätte gevierteilt werden müssen.

Der zweite Teil beschreibt die unmenschlichen, teils monatelangen Transporte in die Gulags, die sanitären" Bedingungen, die Qual, den Hunger, die Kälte. Bei der Beschreibung des Sadismus der Wärter schreibt der Autor: Stalins Personenkult nennen sieŽs heute. War das denn [die Folter] eine kultische Handlung?".
Nein, es war nicht Stalin allein, der das Land in diesen düsteren Jahrzenten geprägt hat. Ohne die vielen willfährigen Helfer, hätte man die 10-25 Millionen Gefangenen gleichzeitig nicht bewältigen können. War es der Kommunismus? Immerhin saßen auch ca. 6 Millionen Kommunisten im Gulag.
Solschenizyn erinnert daran, dass zu jedem Opfer im Gulag auch weitere Opfer daheim gehören, Angehörige und Kinder, wenn diese nicht bereits ebenfalls gefoltert, verschleppt oder ermordet wurden.

Das Buch liest sich mitunter schwer. Können Sie mehr als 10 Seiten lesen, wenn Solschenizyn über die Frischverlobte schreibt, die von Ihrem missgünstigen Vorgesetzten angeschwärzt wurde und im Gefangenentransport von einer Horde krimineller mehrfach vergewaltigt wurde?
Persönlich hätte ich mir etwas mehr Informationen über die Lager, etwas weniger Gerichtsverhandlungen gewünscht. Aufgrund der Bedeutung des Buches sind 5 Sterne aber absolut berechtigt.
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am 5. Juni 2007
Das vorliegende Buch ist wahrscheinlich das wohl wichtigeste Buch über die Geschichte der Sowjetunion.

Solschenizyn beschreibt das "System GULAG" von A bis Z. Beginnend mit der Verhaftung, der Vernehmung, der Gefängnishaft bis zum Transport in die Lager. Er beschreibt die "gesetzlichen" Grundlagen und zeigt die Moskauer Schauprozesse anhand von exemplarischen Beispielen.

Als Beispiel möchte ich die genaue Erläuterung des § 58 des sowjetischen Strafgesetzbuches hervorheben, nach dessen Bestimmungen jeder Bürger der Sowjetunion zu 25 Jahren Lagerhaft oder zum Tode verurteilt werden konnte.

Keine einfache Lektüre, aber unerläßlich um das Wesen der UdSSR zu verstehen.
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am 22. November 2003
Obwohl dieses Buch kein Roman ist, ist es sehr gut lesbar, wenn man es angefangen hat, legt man dieses Buch so schnell nicht wieder weg. Die Sprache des Buches ist z.T. von einem Sarkasmus durchdrungen, der den Leser manchmal vor den Kopf stößt, aber umso besser die beispiellose Grausamkeit und Absurdität der kommunistischen Verbrechen illustriert. Dieses Buch beleuchtet so auf eine sehr eindringliche Weise die dunklen verbrecherischen Seiten der "Diktatur des Proletariats". In der DDR, wo ich 12 Jahre zur Schule gegangen bin, wurde (wenn überhaupt) über Stalin gesprochen, dass er den Personenkult etwas "übertrieben" hätte, Lenin aber der "Gute" gewesen sei.
Dieses Buch illustriert, dass Grausamkeiten und Verbrechen von Anfang an zum kommunistischen System gehört haben. Das wird Vielen unbequem sein, aber gerade deshalb sollte dieses Buch zur Pflichtlektüre an den Schulen werden!
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am 21. Mai 2009
Wenig kann man sagen zu diesem Kraftakt, das geeignet sein würde, dessen Maßgeblichkeit zu umschreiben: Pflichtlektüre? Fesselnde Weltliteratur? Basis zur politischen und Herzensbildung?

Ja, natürlich!

Der Autor: widersprüchlich bis zum Limit.
Das ganze Leben Dissident und Verfolgter - worüber dies Werk beredtes Beispiel bietet! -, wendet er sich in den letzten Lebensjahren nach der "Ostöffnung" einer nach wohl überwiegender Auffassung eher problematischen Großmachtfantasie zu...

Das Buch: Einzigartig!
Die Magennerven ankränkelnd, schildert der Betroffene den "Alltag" in den berüchtigten Gulags: sinnlose Schikanen, sinnlose Grausamkeiten, sinnlose "Haft" an sich... Die "Lagerhaft" als Mittel zur Brechung des gesamt-gesellschaftlichen Rückgrats - sinnlos nach allen Maßstäben.
Und gute Magennerven braucht der Leser: drastisch wird das Alltägliche geschildert, ungeschönt, in harten Worten. Dafür umso direkter. Der Message entkommt man nicht.

Ein Meisterwerk aller Klassen. Lesepflicht für alle.
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