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43 von 47 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
5.0 von 5 Sternen Hänsel und Gretel
Das wohl größte Problem, dass viele Leser mit Pynchons dicker Schwarte haben, dürfte die Tatsache sein, dass es auch nach 500 Seiten (von über 1200 Seiten, also knapp der Hälfte des Buches) noch keine klar erkennbare Struktur, geschweige denn eine Identifikationsfigur im herkömmlichen Sinne bereithält. Meines Erachtens sollte man GR...
Veröffentlicht am 9. Mai 2002 von verill

versus
20 von 31 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
3.0 von 5 Sternen Alles möglich
Fünf Sterne oder auch nur ein Stern, das Buch kann beides sein, es entzieht sich einer Bewertung.
Genial sagen die einen, völliger Unsinn die anderen.
Beide haben Recht, man muß es einfach ausprobieren, mit vollem Risiko.
Nur eines ist nicht der Fall, an den "Enden der Parabel" scheidet sich nicht Literaturgenie vom Dummkopf. Wer meint das...
Am 12. Oktober 2005 veröffentlicht


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43 von 47 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
5.0 von 5 Sternen Hänsel und Gretel, 9. Mai 2002
Rezension bezieht sich auf: Die Enden der Parabel (Taschenbuch)
Das wohl größte Problem, dass viele Leser mit Pynchons dicker Schwarte haben, dürfte die Tatsache sein, dass es auch nach 500 Seiten (von über 1200 Seiten, also knapp der Hälfte des Buches) noch keine klar erkennbare Struktur, geschweige denn eine Identifikationsfigur im herkömmlichen Sinne bereithält. Meines Erachtens sollte man GR nicht unter solch einem Aspekt lesen bzw. auffassen, das Buch funktioniert dann nämlich nicht. Beim stetigen (Weiter-)Lesen merkt man dann irgendwann, dass man hier nicht nur die so ziemlich allerschönste Prosa überhaupt erlebt (und zwar für jede Figur und Situation in einem sprachlich und erzähltechnisch individuell gestaltetem Rahmen. Die deutsche Übersetzung von Thomas Piltz & Elfriede Jelinek ist sehr gelungen) und den abgedrehtesten Situationen beiwohnt (die Sexorgie auf dem Schiff, Barney die Glühbirne, Frau Gnahb, Rocketman himself in allen Situationen und und und), wirklich ergreifende, unvergleichlich intensive Momente geschildert werden (die Szenen im KZ, das (Über-)Leben im zerstörten Nachkriegsberlin). Wie die parabelförmige Flugbahn der stets präsenten V2-Rakete verläuft die Erzählstruktur: am Boden startend, zünden, dann langsam abhebend, in der Mitte irgendwann auf dem Höhepunkt ankommend, Druck, dann wieder langsam fallend, bis zum unaufhaltsamen Aufprall auf der Erde (hier auf ein Kino in LA). So trifft man gegen Schluß alte Bekannte vom Anfang des Buches wieder (Roger Mexico etc.) und Rocketman ist der Held des ganzen.
Man kann über GR viel spekulieren, seine physikalischen und mathematischen Genauigkeiten loben (wer's braucht), seine mystischen Qualitäten hervorheben (die *Hänsel+Gretel* Metapher, der Ofen, die Hexe...), letztenendes gilt nur eins: Take it or leave it!
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28 von 33 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
5.0 von 5 Sternen Ein sprachgewaltiger Strudel, in dessen Mitte der Tod steht, 29. Januar 2001
Von Ein Kunde
Rezension bezieht sich auf: Die Enden der Parabel (Taschenbuch)
Eines der bedeutendsten Sprachkunstwerke der zweiten Jahrhunderthälfte, ausnahmsweise auch einmal sensibel übersetzt (Danke, Elfriede Jelinek!). Die Handlung ist comicartig und eigentlich eher egal: Der Autor reiht Szenen und Bilder aus der (ziemlich phantasievoll und z.T. anachronistisch) ausgemalten Zeit von Winter 1944 bis Sommer 1945 aneinander, die sich alle um den Tod drehen: Alle hetzen den Todesmaschinen der Nazis hinterher, alle Erotik läuft nur noch aufs Töten hinaus (z.T. harte SM-Szenen), alle Figuren sind süchtig nach dem Tod. Damit wird in immer brillanter, anfangs höchst amüsanter, später immer bedrückenderen Weise die tödliche Verstrickung nicht nur der Weltkriegsepoche, sondern auch der gesamten Zeit danach illustriert: Die westliche Gesellschaft als ein System, das vom Tode lebt und zum Tode strebt, das nichts anderes produzieren kann als Tod. Der Roman endet mit dem Datum des Atombombenabwurfs. Bis man aber begriffen hat, worum es eigentlich geht, ist man aber schon von Pynchons Sprache und Erzählwut gefangen genommen. Nicht unbedingt eine spaßige, aber eine überwältigende Lektüre. Acht von fünf möglichen Sternen.
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16 von 20 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
5.0 von 5 Sternen Bewußtseinserweiternde Literatur, 15. März 2004
Von 
junior-soprano - Alle meine Rezensionen ansehen
(VINE®-PRODUKTTESTER)    (TOP 500 REZENSENT)   
Verifizierter Kauf(Was ist das?)
Rezension bezieht sich auf: Die Enden der Parabel (Taschenbuch)
Ein irrer Trip! Es beginnt und endet abrupt, man kann nicht absehen, was als nächstes passiert. Manches was geschieht ist langweilig, vieles hoch interessant und überraschend, einiges ist eklig. Und am Ende ergibt alles überhaupt keinen Sinn. So wie im richtigen Leben.
Trotzdem wird es der Leser nicht bereuen, die fast 1200 Seiten zu lesen, denn hinterher fühlt man sich seltsam verändert. Der geistige Horizont ist auf einmal viel weiter geworden. Thematisch geht es hauptsächlich um das Aggregat 4, die so genannte V2, Hitlers Wunderwaffe. Man erfährt einiges über die Rakete und das Land in dem sie entwickelt wurde, also Deutschland. Die Hauptfigur des Romans, der Amerikaner Slothrop, sammelt Informationen über die Rakete. Immer wieder schweift Pynchon ab und berichtet von ganz anderen Dingen. Es geht viel um Sex und Drogen, Macht und Ohnmacht, Politik, Geschichte, Technik u.v.a. Immer wieder wird die Erzählung durch Gedichte, Liedtexte und kleine Geschichten unterbrochen. Obwohl Thomas Pynchon offensichtlich sehr gründlich für dieses Buch recherchiert hat und man erst mal von den vielen Informationen beeindruckt ist, fällt bei näherer Betrachtung auf, daß hier nur mit Wissen geprotzt wird. Alles bleibt oberflächlich und wird nur kurz angerissen, um gleich wieder vom nächsten Thema abgelöst zu werden. Der Leser, der eine herkömmliche Geschichte erwartet, wird verwirrt sein und den Roman vielleicht enttäuscht weglegen. Der klassische Aufbau einer Geschichte mit Einleitung, Höhepunkt und Schluß wird in „Die Enden der Parabel" nicht angewandt, statt dessen wirkt alles wie ein großer Flickenteppich, quasi ein Amerikanischer Quilt. Um es nicht ganz so kompliziert zu gestalten, hält sich Pynchon aber zumindest an die chronologische Reihenfolge.
Auch wenn man am Ende nicht recht weiß, was Thomas Pynchon mit diesem Buch erreichen und aussagen wollte, ist jede einzelne Seite dieses Romans eine Bereicherung der Weltliteratur. „Die Enden der Parabel" liest man nicht wegen der (fehlenden) Auflösung am Ende, sondern der reinen Freude des Lesens wegen, der Weg ist das Ziel!
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8 von 10 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
5.0 von 5 Sternen Ein Leuchten, 14. Juni 2008
Rezension bezieht sich auf: Die Enden der Parabel (Taschenbuch)
Vielleicht der mystischste Roman des 20. Jahrhunderts. Die Handlung splittert sich auf und nicht umsonst wählt die deutsche Übersetzung die Form der Parabel als Titel, deren Enden im Ungefähren verlaufen. Im Mittelpunkt steht die V-2, eine Rakete, in deren Bann Tyronne Slothtrop gerät, ihn an immer wieder wechselnden Schauplätzen auf der Welt auftauchen läßt, um dem Geheimnis auf die Spur zu kommen. Im Verlauf des Romans scheint sich Slothrop in all den Geschichten, die um ihn herumranken, zu verlieren. Ein Blendwerk an Einfällen, an Erzählsträngen, an Wissen, an Zeitgeschehen, ein schier unerschöpflicher Brunnen an Möglichkeiten tatsächliche Ereignisse in Fiktion umzuwandeln. Es ist fast so, als explodiere der Roman in der Mitte wie eine Rakete und der Leser sieht auf einen Knall hin, ein Glitzern in der Luft. Um alle einzelnen Punkte, Geschichten aufzunehmen, ist er überfordert, doch für kurze Zeit schenkt Pynchon ihm das Gefühl, ein Buch wie kein zweites in der Hand zu halten. Die Zeit löst sich darin auf, man kann sich stets nur an dem festhalten, was gerade erzählt wird, weil schon in Kürze womöglich die Perspektive wieder wechseln wird. Mitten drin fragt man sich, wo bin ich überhaupt, aber trotzdem vermag man sich, dem Sog von Pynchons Sprache nicht zu entziehen. Man gerät in eine Strömung, deren Anfang und Ende zwar mit dem Abschuss und dem Einschlag einer Rakete klar umrissen zu sein scheint, aber dessen Turbulenzen während des Flugs eine Herausforderung ist. Es geht wie bei einem Fest zu. Viele Stimmen und man wandert umher, um sich immer wieder auf eine zu konzentrieren, sie zu verlieren, ihr später noch einmal zu begegnen. Die knapp zwölfhundert Seiten sind dazu da, zu rätseln, sich fallen zu lassen. Auch dazu da, aufzugeben, wenn man überhaupt nicht mehr durchblickt. Das ist nur etwas für jemanden, den der Mut auf halber Strecke nicht verläßt und der sich damit zufrieden gibt, dass die Welt als Ganzes längst nicht mehr darstellbar ist.
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4 von 5 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
5.0 von 5 Sternen Ausdauer ist gefragt, 15. November 2010
Rezension bezieht sich auf: Die Enden der Parabel (Taschenbuch)
Umfang, Struktur, Konzeption, Inhalt, nicht zuletzt die Position diese Werkes im Literaturpantheon lassen eine laienhafte Beurteilung, vermutlich wie die musiktheoretischen Stellungnahmen eines Konzertbesuchers zu Bachschen Kontrapunkten erscheinen. Nur soviel: Mir hat es gefallen, mir haben die Sprachorgien Freude bereitet, ich habe das Gefühl genossen, in manchen Bereichen mitgerissen worden zu sein. Die Übersetzung ist ein Kunstwert für sich !!
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5.0 von 5 Sternen Ein Mix aus "Ulysses" und "Naked Lunch", besser als beide, 19. November 2014
Rezension bezieht sich auf: Die Enden der Parabel (Taschenbuch)
Und dieser Mix beschreibt doch nicht annähernd, was auf den Leser in diesem komplexen Opus Magnum zukommt. Es ist nicht immer einfach, dem Geschriebenen zu folgen, doch im "Flow" von Pynchons Worten und Absätzen ergibt sich ein irrer Sog, dem man sich nicht entziehen kann. Viele halten das Buch für unlesbar und gaben irgendwann auf, andere brauchten viel Zeit, um durchzukommen, ich konnte nicht mehr aufhören zu lesen und "verschlang" diesen dicken Brocken in 23 Tagen.

Warum hat mich das Werk so sehr gefesselt? Das habe ich mich selbst gefragt...
Und nun versuche ich, ein paar Antworten darauf zu geben:

1) Davor habe ich nur einen Pynchon gelesen, den neuesten, "Bleeding Edge", und die Sprache und Struktur hat mich so beeindruckt und angefixt, dass ich es sogleich mit seinem Hauptwerk probieren wollte. Ich wollte also verwirrt und überrascht werden, und ich war vorbereitet (denn auch im Alter hat Pynchon von seiner Rätselhaftigkeit nichts eingebüßt).

2) Das Spielerische, Humorvolle in der ernsthaften, historischen Literarizität. So etwas ist mir bisher noch in keinem Roman begegnet. Ein Autor, der Genres, Leichtigkeit (Satire) und schwere Literatur-Kost miteinander verbinden kann. Ein Autor, der sein Thema gleichzeitig ernst nimmt, aber sich selbst nicht, immer wieder relativiert, was er präsentiert. Gerade die Struktur, aber auch die Sprache ist daher meines Erachtens billiant.

3) Die Detail-Fülle, die zu einem zweiten Lesen geradezu auffordert. Das Assoziative, das ein großes Puzzle bzw. Mandala ergibt, die Abstraktion in der Wirklichkeit (Drogenrausch), Fakten mit Fiktion vermengt zu einer eigenständigen Welt, die parallel zu unserer ist.

4) Der Realismus in den Beschreibungen von Natur und Umgebung. Sowie die Exkursionen in die Mathematik, Chemie, Physik, Psychologie etc., wundervoll eingebettet in die Erzählungen.

5) Und nicht zuletzt: ich fand trotz der über 400 Charaktere Lieblingsfiguren (z.B. Roger Mexiko, Franz Pökler) und Lieblingsszenen, die allein es wert sind, dieses Buch durchzulesen.

Im besten Sinne erhält man mit diesem Buch unglaublich viele verschiedene Geschichten in einer. Aber erst ein erneutes Lesen wird mir wohl mehr Worte geben können, um auszudrücken, warum ich dieses Buch nicht nur für brilliant halte, sondern auch für ein Meisterwerk, für das eine neue Bezeichnung erfunden werden muss.

FAZIT: Wer die gängige Literatur satt hat, wer mit "alten" Klassikern aber nicht viel anfangen kann, weil sie ihm zu trocken sind, und trotzdem eine hochkomplexe, teilweise abstrakte und verwirrende Geschichte lesen möchte, die trotz allem "Hand und Fuß" hat, und darüber hinaus einen meist poetischeren Stil bevorzugt, aber auch nicht vor surrealen Actioneinlagen und Drogenexzessen sowie pornographischen und auch geschmacklosen Szenen zurückschreckt, und wer sich von 1.200 Seiten nicht abschrecken lässt, dem sei dieses Buch empfohlen.
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4 von 5 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
4.0 von 5 Sternen Der nicht-rote Faden, aus dem die Welt gemacht ist, 21. April 2012
Von 
Verifizierter Kauf(Was ist das?)
Rezension bezieht sich auf: Die Enden der Parabel (Taschenbuch)
Während klassische Prosa aus einer Reihe von Handlungs- "Paketen" besteht, die sich immer weiter fortsetzen und am Ende ein großes Ganzes ergeben, so folgt "Gravity's Rainbow" oder in Deutsch "Die Enden der Parabel" einem anderem Schema: Man begegnet Handlungspartikeln die chaotisch verstreut, zersplittert, zerbröselt und grundsätzlich strukturlos im Buch verteilt sind.

Doch was will uns Pynchon damit sagen? Welches Konzept lenkte seine Schreibwut?
Auf diese Frage lässt sich keine klare Antwort geben, und so wird jeder Leser das Gefühl haben nur etwa 30-50% des Buches wirklich gelesen zu haben, geschweige denn verstanden! So wie es den Protagonisten oft ergeht, dass sie von den Strömungen des Lebens hin und her geworfen werden, von ihren Neigungen, Wünschen, Trieben zerteilt, von ihren Gedanken zerstreut und vom Leben grundsätzlich fast zufällig behandelt, so ergeht es dem Leser in den fast 1200 Seiten des Buches sehr ähnlich.

Dieses Handlungspartikel-Spektrum erlaubt, trotz seiner sperrigen scheinbaren Zufälligkeit von Gedankensprüngen, Handlungsumrissen und Charakterstudien, eine Tiefe... die sich aber erst beim langsamen, aufmerksamen und vor Allem geduldigem Lesen offenbart. So kann eine banale Handlung zu einem plötzlichen "Erinnern" an vergangene Gefühle, und damit an menschliche Unklarheiten, führen, die wir alle selbst kennen und selbst wahrnehmen, aber niemals auf die Idee kommen würden sie in einem Zusammenhang zu sehen, geschweige denn in ein Buch zu schreiben. Es ist wie das Leben selbst dass an allen Ecken und Enden, an allen Zeiten, Worten, Blicken, Ahnungen, Bildern, Geräuschen, Regungen, Begegnungen, schlussendlich an allem erdenklichen, in sich selbst verknüpft und verstrickt ist, dass wir gar nicht mehr sagen können was eigentlich wirklich geschehen ist, welches Ereignis ein anderes ausgelöst hat, was wirklich real war und was nicht, welche Begegnungen entscheidend waren, welche Schalter umgelegt wurden oder welche Kugeln aneinander geklackt haben, damit die Dinge so passieren konnten wie sie passiert sind.

So kann man Gravitiy's Rainbow entweder so lesen dass man nur die Handlungsspitze der Informationsberge entlang tänzelt, stets auf der Suche nach der eigentlichen voran schreitenden Handlung, dabei die Tiefe der Berge, ihr Gestein, ihre Wucht ignoriert, und mit großer Wahrscheinlichkeit aufgibt... ODER man kann sich auf den Abstieg wagen, den Weg nach unten. Man verlässt damit ganz klar die Handlung, und taucht hinab in das Leben selbst, in die Tiefen der menschlichen Seele, mit all ihren Abgründen und all ihren Lichtflecken. Und vielleicht entdeckt man etwas mit dem man was anfangen kann, vielleicht aber auch nicht. Jeder wird das Buch anders lesen, es anders verstehen, die Zeichen anders Deuten, das gewobene Netz an unterschiedlichsten Stellen versuchen zu erkennen und schlussendlich seine eigene persönliche Paranoia entwickeln, die Leitthema des Buches zu sein scheint. Wo ist der Zusammenhang? Wo ist der Sinn? Gibt es einen Sinn überhaupt? Warum erkenne ich Zeichen wieder, und bin mir dann nicht mehr sicher ob ich sie überhaupt gesehen habe?

Am Ende wird man aus den Handlungsbergen auftauchen, sich bewusst werden dass man in einen Strudel hinab gezogen wurde, und sich schmerzlich klar werden dass die Handlung auf den Spitzen der Berge nicht wirklich voran geschritten ist. Doch man begegnete auf dieser anstrengenden und müde machenden Reise... dem Glück, der Trauer, dem Hass, der Freude, der Liebe, der Abscheulichkeit, den Trieben, dem Leben, dem Tod... schlussendlich dem Mensch an sich. Und so beendet man das Buch ohne wirklich das Gefühl zu haben es verstanden zu haben. Doch das ist auch nicht der Sinn. Es ist durchaus gewollt dass man manchmal nur noch mit ausgeschaltetem Kopf weiterliest, dass man ignoriert und fort fährt, auf jeden Fall nicht aufgibt.

Denn wenn der letzte Satz gelesen ist weiß man worum es die ganze Zeit ging: Um einen selbst.
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1 von 1 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
5.0 von 5 Sternen Licht im Kino, 16. November 2012
Rezension bezieht sich auf: Die Enden der Parabel (Taschenbuch)
Den dritten Roman von Thomas Pynchon (1973 unter dem Originaltitel Gravity's Rainbow erschienen und 1974 mit dem National Book Award ausgezeichnet) kann man bedenkenlos zu den grossen Werken den 20. Jh.s zählen. Schauplätze der apokalyptischen Handlung sind England, Frankreich und das besetzte Deutschland der Jahre 1944/45. Als primäre Zerfallskräfte unserer Zeit definiert Pynchon Paranoia, Entropie und Todessehnsucht. Das eigentliche Subjekt des machthungrigen Begehrens ist ein Symbol des allseitigen Todes - die V2 Rakete bei deren Herannahen der Protagonist Tyrone Slothrop "regelmäßig Erektionen bekommt." Dieser begibt während des Zweiten Weltkriegs auf die Suche nach dieser legendären Rakete gegen dessen Ende er, in einem dieser Flugkörper eingebettet, einen Soldaten der V2 Batterie in der Lüneburger Heide findet. Sowohl der Titel als auch Anfang und Ende des Romans werden durch die Flugbahn dieser Raketen nicht nur thematisch sondern auch zeitlich verbunden. Wobei die letzte V2 in einem kalifornischen Kino, also in der "unmittelbaren Erzählgegenwart" einschlägt.

In den dreissig Jahren der Handlung schafft Pynchon eine Überfülle von Episoden und Figuren (nahezu 400) und verknüpft in genialer Weise fünf ineinander verwobene Handlungsstränge. Der wichtigste handelt von der erwähnten Suche des amerikanischen Soldaten Tyrone Slothrop nach dem Geheimnis seiner Identität, bei der er dem Wissenschaftler Pointsman von der Organisation PISCES (Psychological Intelligence Schemes for Surrender) begegnet. Er wird zum Spielball verschiedener Geheimdienste, flieht nach London, begegnet einer Truppe afrikanischer Hereros, in Berlin verwandelt er sich in einen Comic Helden, wohnt der Potsdamer Konferenz bei, um sich später beim Anblick eines Regenbogens endgültig in der Natur aufzulösen. Um die V2 Rakete und deren Symbolik windet sich auf verschiedenen Ebenen der Drang, das rationale Ich aufzugeben, um einer zerstörerischen Schönheit, Mord und Selbstopfer zu huldigen. Pynchon, der physikalisch beschlagenste Satiriker der Gegenwart, versucht vor allem, eine im Faschismus inhärente vorhandene erotische Faszination für den Tod zu erklären, ihm aber auch auf rationaler Ebene zu entkommen.

Der immense Bezugsrahmen umfasst u.a. Opern von Rossini, Beethoven, Wagner, die Todesmetaphorik von Emily Dickinson, Comic Strips und deutsche Stummfilme. Diese teilweise verworrenen Episoden sollen dem Leser das Gefühl vermitteln, bewusst und doch unwissend in einem System gefangen zu sein, der sich wie die Charaktere Pynchons stetig auf der Suche nach seiner Position in der Welt ist, oder Muster zu schaffen die ihm Sinn geben.
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11 von 16 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
5.0 von 5 Sternen Eine große Orgie, 14. August 2006
Rezension bezieht sich auf: Die Enden der Parabel (Taschenbuch)
Thomas Pynchons Roman wird von der Literaturkritik ja ziemlich hochgelobt; wenn man deswegen erwartet, ein formal-stilistisch ausgewogen komponiertes, klassisches Roman-Werk zu lesen, wird man aber enttäuscht. Auch wenn man in dem Roman etwa ein klares Thema, eine Richtungsvorgabe oder sonstetwas sucht, das in Romanen für Orientierung sorgt, sollte man besser die Finger davon lassen.

Wenn aber das alles nicht so wichtig ist und man sich auch einfach einmal ins Chaos eines zunächst scheinbar bunt zusammengewürfelten Sammelplatzes an Charakteren, Erzählstilen und Handlungen stürzen will, dann ist der Roman für jemanden, der über ein Mindestmaß an Allgemeinbildung verfügt, sehr angenehm zu lesen.

Ich glaube zwar nicht, dass man durch dieses Buch etwa in seiner Meinung geändert, besonders bewegt oder aufgewühlt wird; aber die sprachliche Meisterschaft Pynchons, die vom Monumentalen übers Detaillierte oder Nüchterne bis zum Ekstatischen und Formlosen reicht, sie ist einfach faszinierend und sehr interessant für alle, die so etwas mögen.

Vergleiche mit dem Ulysses drängen sich auf, sind aber auf Dauer nicht zu halten; dennoch kann sicher der Liebhaber des einen dem anderen Buch ebenfalls einiges abgewinnen.

Zur Handlung braucht man nicht viel zu sagen; man merkt, dass sie von einem Mann geschrieben wurde; sie nimmt sich selbst nicht so richtig ernst und gleitet öfters ins Skurrile ab. Man muss sie nicht mögen, um den Roman zu mögen -

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9 von 14 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
5.0 von 5 Sternen Letztlich alles, 5. Mai 2004
Von Ein Kunde
Rezension bezieht sich auf: Die Enden der Parabel (Taschenbuch)
Viel steckt in diesem Buch, dieser großen Phantasmagorie. Es ist schön, abscheulich, witzig, krankhaft, traurig, ergreifend. Hier und da verwirrend. Groß. Letztlich alles.
Was hier geschrieben steht, ist der analytische Blick auf eine Welt, die nicht klar sieht, eine Welt, dargestellt in sezierender Übertreibung. Die Anarchie der Phantasie stößt uns gegen den Kopf. Angewidert manchmal, verrückt gemacht ganz oft, liest man in einem Sturm hindurch, ob man nun Monate braucht oder ein paar Jahre: es stürmt.
Etwas platt wird dauernd versucht, Paranoia zu säen, SIE könnten ja zugucken. Aber das ist egal, es fügt sich ein in dieser Synopse der modernen Welt, schildert das Gefängnis der Freiheit und den Tod der Gefangenschaft, den Fluch des Vergnügens und den Spaß, den wir auf Kosten all dessen in uns wuchern lassen.
Dieses Buch ist mehr als viele andere, da es nicht nur bedenklich, sondern auch fesselnd ist, nicht nur beeindruckend witzig, differenziert und allwissend, sondernauch traurig und einsam.
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Die Enden der Parabel
Die Enden der Parabel von Thomas Pynchon (Taschenbuch - 1. Oktober 1994)
EUR 14,99
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