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230 von 245 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
4.0 von 5 Sternen Musils Mikrokosmos
Obwohl dieses Werk über 1000 Seiten umfasst, kann man die eigentliche Handlung doch schnell erläutern.
Wien 1913. Die Hauptfigur Ulrich, eigentlich Mathematiker dem das Mögliche mehr bedeutet als das jeweils Wirkliche, weiss nicht wie es in seinem Leben weitergehen soll und macht somit erstmal "Urlaub vom Leben" um sich selbst zu finden. Er wird...
Veröffentlicht am 21. März 2005 von deathdealer92618

versus
44 von 69 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
3.0 von 5 Sternen Etwas für Geduldige
Natürlich ist mir klar, dass es sich hier um Weltliteratur handelt, gefallen hat mir das Buch aber trotzdem nicht. Von der Hauptperson Ulrich werden viele interessante Ideen diskutiert, dadurch ähnelt das Buch allerdings an einigen Stellen eher einer Sammlung von Essays. Ein Spannungsbogen oder roter Faden ist jedoch nicht wirklich zu erkennen, was für mich...
Am 20. Januar 2004 veröffentlicht


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44 von 55 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
4.0 von 5 Sternen Ein Klassiker der Literatur - nicht spannend aber geistreich, 1. November 2002
Von 
Raumzeitreisender (Muensterland) - Alle meine Rezensionen ansehen
(TOP 500 REZENSENT)   
Rezension bezieht sich auf: Der Mann ohne Eigenschaften I: Erstes und Zweites Buch (Taschenbuch)
Bei diesem Roman handelt es sich um eine Parodie auf die feine Gesellschaft zu Beginn des 20. Jahrhunderts. Handlungsort ist Wien, die Reichshauptstadt von Kakanien (gemeint ist die Österreichisch - Ungarische Monarchie). Hauptdarsteller Ulrich, von Haus aus begütert, wird Mitglied einer Arbeitsgruppe, die sich mit der Planung der sogenannten Parallelaktion (eine patriotische Handlung zum 70. Regierungsjubiläum des österreichischen Kaisers) beschäftigt. Eine der Initiatoren dieser Aktion ist Diotima, einer Dame der besseren Gesellschaft.
Das Buch lebt nicht von den Handlungen (es passiert nämlich nicht viel), sondern von Dialogen und Gedankengängen. Der Roman setzt sich aus vielen kleinen Kapiteln zusammen, in denen das Beziehungsgeflecht der Hauptakteure mit akribischer Genauigkeit beleuchtet wird. Die vielen Perspektiven auf das Geschehen, gespickt mit feiner Ironie, sind der Kern des Buches. In diesen Beschreibungen beweist Robert Musil Genialität.
Während viele berechenbare Personen am Geschehen teilnehmen (z.B. General Stumm von Bordwehr oder Diotima), bleibt der Protagonist Ulrich eine diffuse Gestalt, ein "Mann ohne Eigenschaften". Er ist in ein Außenseiter auf hohem intellektuellem Niveau und gleichzeitig ein Anziehungspunkt für die unterschiedlichsten Charaktere der feinen Gesellschaft.
"Der Mann ohne Eigenschaften" ist ein anspruchsvoller aber auch anstrengender Romangigant. Bandwurmsätze mit mehr als 80 Wörtern erschweren das Verständnis und sind nicht mehr zeitgemäß. Es ist unverkennbar, welche Arbeit in diesem Buch steckt, das man als Kunstwerk der Literaturgeschichte bezeichnen kann. Empfehlen würde ich es nur Viellesern, die sich von 1000 Seiten sprachgewaltiger Lektüre nicht abschrecken lassen.
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2 von 2 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
5.0 von 5 Sternen Ein großes Werk, zeitlos und geistreich, 26. August 2013
Verifizierter Kauf(Was ist das?)
Neben dem "Radetzkymarsch" von Joseph Roth ist dieses Werk ein Fixstern am Himmel der österreichischen Literatur. Nirgendwo kann man tiefer in die Nervenbahnen der Zeit blicken, als in diesen beiden Romanen. Unsterblich die Figuren, zeitlos das Thema des Untergangs und großartig die innere Vernetzung von Zeit und Raum! Ein Buch, das einen ein Leben lang begleitet und beschäftigt! Vielleicht der österreichische "Ulysses".
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5 von 6 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
5.0 von 5 Sternen Poetische Sektion einer versunkenen Monarchie, 26. Oktober 2010
Robert Musil ist ein Meister der Sprache und ein Meister der Reflexion. Wer allerdings eine spannende Handlung im klassischen Sinn erwartet, dem sei sogleich von der Lektüre abgeraten, da die Schilderung des äußeren Geschehens eher dürftig zu nennen ist. Wer sich aber an das Buch wagt, wird schnell erkennen, dass Musil eine ganze Welt entwirft, die Welt der untergehenden k.u.k.-Monarchie. Doch anders als Joseph Roth, dessen Blick sehnsuchtsvoll zum alten Österreich zurückschweift und dessen Figuren mit dem Untergang des Reiches oft auch ihre Identität verloren haben, seziert Musil persönliche wie politische, soziale und vor allem seelische Zustände wie unter dem Mikroskop. Die Operateure sind seine Figuren, allen voran der Protagonist Ulrich. Indem der Autor in deren Bewusstsein die Fragen der Zeit stets aus Neue wie unter einem Brennglas spiegelt, schafft er einen geschlossenen Kosmos, der voller Bezüge ist. Dabei werden die Motive und Gefühle der einzelnen Akteure in einer Tiefe und Intensität ausgeleuchtet, die ihresgleichen in der deutschen Literatur sucht. Und da Musils Sprache bei all dem überaus kunstvoll und bildhaft ist, entstand zudem ein Werk voller Poesie. Umfangreich und sehr lohnenswert.
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16 von 20 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
5.0 von 5 Sternen Eine Offenbarung!, 10. August 2006
Verifizierter Kauf(Was ist das?)
Rezension bezieht sich auf: Der Mann ohne Eigenschaften (Audio CD)
Angeblich gilt Musils "Mann ohne Eigenschaften" als das "meistungelesene" Werk der deutschen Literaturgeschichte. Weltberühmt, doch wer hat es jemals geschafft, sich da durchzuarbeiten? Das Geniale an diesem Hörbuch ist nicht nur, dass Wolfram Berger ungekürzt und original liest, sondern WIE er liest: Mit herrlicher altösterreichischer Sprachfärbung aus Musilscher Feder, mit einem Rhythmus und einem Sprachduktus, die einen vor Staunen die Augen und Ohren öffnen, wie man ein solch monumentales Werk zu lesen hat. Bereits nach wenigen Sätzen ist man Wolfram Bergers Musillesung verfallen, ein Ohren- und Geistschmaus sondergleichen. Allerdings: Auch in der Höredition lässt sich Musil nicht als Nebenbeikulisse konsumieren, sondern erfordert wie als Buch viel Konzentration und Muße. Wer es im Auto hört, sollte mindestens eine halbe Stunde ruhige gleichmäßige Autobahnfahrt vor sich haben - der Genuss ist unbeschreiblich.
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12 von 15 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
5.0 von 5 Sternen Vom Leben in einer dem Untergang geweihten Welt, 12. Januar 2007
Von 
Rolf Dobelli (Luzern, Schweiz) - Alle meine Rezensionen ansehen
(TOP 500 REZENSENT)    (HALL OF FAME REZENSENT)    (REAL NAME)   
Rezension bezieht sich auf: Der Mann ohne Eigenschaften I: Erstes und Zweites Buch (Taschenbuch)
"Der Mann ohne Eigenschaften" ist einer der gewaltigsten Romane der deutschen Literatur. Mit seinem Helden Ulrich schuf Robert Musil eine Figur, an deren innerem Dilemma sich die Zerrissenheit der Moderne demonstrieren lässt. Er ist ein Mann ohne Eigenschaften, weil er keine für ihn selbst geeignete erkennen kann. In einer groß angelegten Aktion zur Vorbereitung der Feier des kaiserlichen Thronjubiläums stößt Robert auf die unterschiedlichsten Vertreter der damaligen österreichischen Elite. Deren Zusammenwirken bei der "Parallelaktion" führt aber ins Leere, denn man kann sich auf keine Maßnahmen einigen. Aus den vielen Gesprächen und philosophischen Überlegungen im Roman wird deutlich, dass die rationale, moderne Welt keinen seelischen Halt mehr bietet. Man ahnt, dass das Ganze nur in den Abgrund des Ersten Weltkriegs führen kann, in dem sich das unterdrückte Nichtrationale gewaltsam entlädt. Wer von dem Buch eine stringente, zielgerichtete Geschichte erwartet, wird enttäuscht sein: Der Roman ist zum einen unvollendet, zum anderen lebt er vor allem von philosophischen Abschweifungen und essayistischem Schreibstil. Wer sich aber darauf einlässt, kann wertvolle Einsichten gewinnen und wird durch die feine Ironie Musils auch noch köstlich unterhalten.
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2 von 2 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
5.0 von 5 Sternen Grossartig und topaktuell, 21. September 2013
Verifizierter Kauf(Was ist das?)
Lese den Mann ohne Eigenschaften seit bald 20 Jahren. Übersetzt Stimmungen hervorragend in geschliffene Sätze. 1913 ist wie 2013. verkrustete Strukturen, Sexualverbrechen mit folgender Schuldfrage, Beziehungsdramn und verschiedene Lebensntwürfe. Wie gesagt, absolut lesnswert.
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4 von 5 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
5.0 von 5 Sternen Musils lange Sätze..., 19. Februar 2013
Rezension bezieht sich auf: Der Mann ohne Eigenschaften I: Erstes und Zweites Buch (Taschenbuch)
Ich lese es gerade, bin auf ca. Seite 500.
Ein großer Roman zweifellos, voller origineller Metaphern und Satzbaupläne. Aber das ist auch schon die Schwierigkeit: Die Satzbaupläne. Musil ist grammatikalisch *nicht* sattelfest, und er wird wohl dem Lektor verboten haben - wie zB auch Arno Schmidt -, auch nur ein einziges Wort zu verändern, einen Grammatikfehler zu korrigieren.
Und so ist es dann zehnmal mühsamer, es zu lesen, als es selbst bei tadelloser Grammatik und glasklarem Satzbau schon wäre.
Da stimmen Zeitenfolgen nicht, da wird mit Konjunktiv I um sich geschmissen wie nichts Gutes, da stehen Kommas, wo nach keiner Regel der Welt eines zu stehen hätte, während oft das Fehlen des wichtigen Kommas eine ganze verkehrte Bezüglichkeitskette ermöglicht...
Auch auf konsistente Verwendung der Austrizismen ist kein Verlass!
Es gibt zu viele lange Sätze, genauer: *zu* lange Sätze! Musil meistert sie einfach nicht, es fällt ihm zu viel ein, was er dann alles auch noch in dem einen Satz unterbringen will! Dadurch entstehen diese ausufernden Einschübe, ja wahre Einschub-Kaskaden! 'Überbordend', 'flamboyant' sind Wörter, die mir da einfallen...

Aber DENNOCH!! Ein Meisterwerk! Der Humor, der Spott vor allem, kommt beim Mann ohne Eigenschaften sogar noch eine Spur subtiler, in der Metapher origineller als etwa bei Th. Manns "Zauberberg" - mit welchem man dieses opus magnum ruhig mal vergleichen sollte!

Die Personenzeichnungen: Arnheim, Diotima (Wunderbar allein, dass dieser Name ein Anagramm auf 'Idiot' enthält?), Bonadea, Moosbrugger, General Stumm... das sind Großsterne der Charakterisierungskunst "qua quisquiliae", darin nicht unähnlich dem großen Thomas Mann - ja, ihn teilweise übertreffend!

Ich bin gespannt, wie es weitergeht! Ob Ulrich-Musil nicht doch auch noch sein Fett abbekommt, auf dass er nicht so grundlos vernünftig aus der Horde von Vollidioten heraussteche, die der Roman uns vorführt. Auch darin ja Mann ähnlich, und anderen, etwa Laxness oder Marquez: Das Welttheater als Schmiere der Großmäuler, der Irren und Irrenden, Ergriffenen und Getriebenen, der Verklemmten und Verbohrten, Bornierten und Nervösen! Mit anderen Worten: Das, was wir lieben müssen, denn anderes ist nicht vorhanden.

(wird fortgesetzt)
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5 von 6 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
5.0 von 5 Sternen Zu früh gefragt!, 28. August 2013
Verifizierter Kauf(Was ist das?)
Hier hat Amazon nicht nachgedacht, als ich zwei Wochen nach Erwerb des Werkes eine Rezension abgeben sollte. Das Wek ist ein Steinbruch, aus dem teils mühsam, teils lustvoll die unterschiedlichen Sedimente und Versteinerungen der sich in Agonie aufbäumenden K-und-K-Doppelmonarchie, Kakanien, abgetragen werden müssen. Das dauert halt - fragen Sie in zwei Jahren noch einmal nach.
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7 von 9 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
5.0 von 5 Sternen Geist ist ursprünglicher als Eigenschaften, 2. Oktober 2009
Rezension bezieht sich auf: Der Mann ohne Eigenschaften I: Erstes und Zweites Buch (Taschenbuch)
Robert Musil, geboren 1880 in Klagenfurt, gestorben 1942 in Genf ist wohl einer der berühmtesten und besten Schriftsteller Österreichs.
Ich habe schon vor etlichen Jahren dieses Buch von ihm gelesen und das Buch hat mich bald gefesselt, so dass ich es wirklich zu Ende gelesen habe. Mehr als 30 Seiten pro Tag hab ich nicht geschafft. Also man sollte sich Zeit nehmen und in die Welt von Ulrich tauchen, als wäre er ein Freund, noch mehr ein Verwandter. Das spannende an dem Buch sind für mich zumindest die vielen Passagen gewesen, die mit Ideengeschichte und Philosophie zu tun hatten. Das Schöne ist auch die Zeitlosigkeit vieler Überlegungen. Das Interessante an dem Protagonisten Ulrich ist, dass er alles aus den Augen eines wirklichen Künstlers, fast schon Dandys beschreibt. Man fühlt sich erhoben in die höchsten Stufen der geistigen Gebilde. Musil konnte wirklich seinen Gedanken Ausdruck verleihen, indem er sie auf mehrere Protagonisten verteilte, wobei Ulrich derjenige ist, der sämtliche Gedanken stoisch in seinem Inneren beherbergt, und der die Gefühle der anderen ganz genau beschreiben kann. Dieser Roman ist voll von politischen, gesellschaftlichen Anspielungen und manche Sätze wirken recht zynisch, vor allem wenn er vom Adel und von den mächtigen "Generälen" spricht. Man kann sagen, dass Ulrich ein Beobachter von außen ist, einer der sich in Nichts involvieren lässt und deshalb die Dinge und die Sachverhalte Objektiv sieht. Darüber hinaus macht er sich Gedanken über das Nicht-Sichtbare, über Gott und die Welt wenn man so will. Ich kenne einen Priester, der sogar seine Doktorarbeit über dieses Buch geschrieben hat. Viele bekannte Namen kommen in diesem Roman vor: Goethe, Kant, Napoleon, um nur ein paar zu nennen. Für mich gilt dieses Buch als unerschöpfliche Quelle von neuen Gedanken, vor allem von tiefsinnigen Regungen der menschlichen Psyche und Seele. "Der Mann ohne Eigenschaften" erinnert mich ein bisschen an Thomas Mann "Der Zauberberg" wobei ich finde, dass Ulrich ein sehr positiverer Charakter als Hans Castorp ist. Eigentlich kann man die beiden Werke gar nicht vergleichen, außer im Hinblick auf den vielen Überlegungen bezüglich der erstarrten Gesellschaft. Das Schöne bei diesem Roman ist die Offenheit, mit welcher Ulrich durch die Welt geht, zum Teil die Vorurteilslosigkeit und das Interesse für seine Umgebung. Dass Ulrich sich selbst und seine Anschauungen sehr oft in Frage stellt bzw. unsicher gegenüber manchen inneren Regungen ist, zeigt in höchstem Maße von menschlicher Größe. Alles in allem ist dieses Werk so reich an allen möglichen menschlichen Gedanken und Gefühlen, dass es eine unergründliche Quelle von Inspirationsmomenten beherbergt. Auch wenn die Sprache derart elaboriert ist, dass man manche Sätze zwei Mal lesen muss bzw. sich sehr konzentrieren muss um den Sinn zu erfassen, ist diese "Geschichte" die allerbeste, weil allerreichste, die mir in all den Jahren untergekommen ist.
Zum Schluss möchte ich noch einige Textpassagen anführen, die mir besonders gefallen haben und die den Schreibstil des Autors am Besten wiedergeben.

Könnte man die Sprünge er Aufmerksamkeit messen, die Leistungen der Augenmuskeln, die Pferdebewegungen der Seele und alle die Anstrengungen, die ein Mensch vollbringen muss, um sich im Fluss einer Straße aufrecht zu halten, es käme vermutlich, so hatte er gedacht und spielend das Unmögliche zu berechnen versucht eine Größe heraus, mit der verglichen die Kraft, die Atlas braucht, um die Welt zu stemmen, gering ist, und man könnte ermessen, welche ungeheure Leistung heute schon ein Mensch vollbringt, der gar nichts tut.

Also sprechen wir statt von Geld gleich von jeder Art Besitz. Der Mensch, der sich besitzt; der Mensch, der seine Überzeugungen besitzt; der Mensch, der sich besitzen lässt, von einem anderen oder von seinen eigenen Leidenschaften oder bloß von seinen Gewohnheiten oder von seinen Erfolgen; der Mensch, der etwas erobern will; der Mensch der überhaupt etwas will: alles das lehnen Sie ab? Sie wollen Wanderer sein.

Wenn selbst Christus wiederkäme, er träfe es schlechter an als ehedem; die sittlich gesinnten Zeitungen und Buchgemeinschaften würden seinen Ton zu wenig gemütvoll finden, und die große Weltpresse würde sich ihm kaum öffnen!

"Eine Pfütze" dachte er nun, hat schon jedem unwillkürlich viel öfter und stärker den Eindruck der Tiefe gemacht als der Ozean, und aus dem einfachen Grund, weil man mehr Gelegenheit hat, Pfützen zu erleben, als Ozeane."

"Wer es aushalten kann, zu warten, der gewinnt immer!"

... denn was einen Gesunden von einem Gesiteskranken unterscheidet, ist doch gerade, dass der Gesunde alle Geisteskrankheiten hat, und der Geisteskranke nur eine!"

Und wie jeder junge Mensch habe ich mich anfangs in Arbeit, in Abenteuer und Vergnügen gestürzt; es schien mir gleich zu sein, was man unternehme, sofern es nur mit vollem Einsatz geschehe.

"Wir sind eine Masse, die jede Form annimmt, in die sie auf die eine oder die andere Weise hineingerät!"
"Das ist mir zu hoch" erwiderte Tuzzi ausweichend.
Ulrich freute sich darüber. Das war Gegensatz zu ihm selbst; er genoss es ordentlich, mit einem Mann zu sprechen, der auf geistige Reizung nicht antwortete, sondern kein anders Mittel der Abwehr hatte oder gebrauchen wollte, als gleich seine ganze Person vorzuschützen.

... wie man ein Atheist sein kann und doch "Grüß Gott" sagt.

... denn die Völker Europas trieben nach seiner Meinung alle im Strudel einer materialistischen Demokratie dahin - eine Nation - dass sie sich inmitten eines materialistischen Treibens auf das Geistige besinne?

Theoretisch bedeutet das, dass die Familie ohne Obdach, wenn sie in einer eisigen Winternacht nicht erfroren ist, bei den ersten Strahlen der Morgensonne ebenso glücklich ist wie der reiche Mann, der aus dem warmen Bett heraus muss; und praktisch kommt es darauf hinaus, dass jeder Mensch geduldig wie ein Esel das trägt, was ihm aufgepackt ist, denn ein Esel, der um eine Kleinigkeit stärker ist als seine Last, ist glücklich.

Wir wissen, dass sich das Leben ebenso in die unmenschlichen Weiten des Raums wie in die unmenschlichen Engen der Atomwelt verliert, aber dazwischen behandeln wir ein Schichte von Gebilden als die Dinge der Welt, ohne uns im geringsten davon anfechten zu lassen, dass das bloß die Bevorzugung der Eindrücke bedeutet, die wir aus einer gewissen mittleren Entfernung empfangen. Ein solches Verhalten liegt beträchtlich unter der Höhe unseres Verstandes, aber gerade das beweist, dass unser Gefühl stark daran teilhat. Und in der Tat, die wichtigsten geistigen Vorkehrungen der Menschheit dienen der Erhaltung eines beständigen Gemütszustands, und alle Gefühle, alle Leidenschaften der Welt sind ein Nichts gegenüber der ungeheuren, aber völlig unbewussten Anstrengung, welche die Menschheit macht, um sich ihre gehobene Gemütsruhe zu bewahren! Es lohnt sich scheinbar kaum, davon zu reden, so klaglos wirkt es. Aber wenn man näher hinsieht, ist es doch ein äußerst künstlicher Bewusstseinzustand, der dem Menschen den aufrechten Gang zwischen kreisenden Gestirnen verleiht und ihm erlaubt, inmitten der fast unendlichen Unbekanntheit der Welt würdevoll die Hand zwischen den zweiten und dritten Rockknopf zu stecken. Und um das zuwege zu bringen, gebraucht nicht nur jeder Mensch seine Kunstgriffe, der Idiot ebenso gut wie der Weise, sondern diese persönlichen Systeme von Kunstgriffen sind auch noch kunstvoll eingebaut in die moralischen und intellektuellen Gleichgewichtsvorkehrungen der Gesellschaft und Gesamtheit, die im Größeren dem gleichen Zweck dienen. Dieses Ineinandergreifen ist ähnlich dem der großen Natur, wo alle Kraftfelder des Kosmos in das der Erde hineinwirken. Ohne dass man es merkt, weil das irdische Geschehen eben das Ergebnis ist, und die dadurch bewirkte geistige Entlastung ist so groß, dass sich die Weisesten genau so wie die kleinen Mädchen, die nichts wissen, in ungestörtem Zustande sehr klug und gut vorkommen.

Ulrich sagte langsam: "Das kommt nur davon, dass die Bemühungen aller, die sich berufen fühlen, den Sinn des Lebens wiederherzustellen, heute das eine gemeinsam haben, dass sie dort, wo man nicht bloß persönliche Ansichten, sondern Wahrheiten gewinnen könnte, das Denken verachten; dafür legen sie sich dort, wo es auf die Unerschöpflichkeit der Ansichten ankommt, auf Schnellbegriffe und Halbwahrheiten fest!"

Überwertung der Einzelheiten, wie sie dem modernen Erfahrungsaberglauben eigentümlich ist.
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1 von 1 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
5.0 von 5 Sternen Für zwei Euro sehr in Ordnung (es wird ausschließlich über die Kindleausgabe gesprochen, nicht über das Werk selbst), 29. Januar 2013
Verifizierter Kauf(Was ist das?)
Schön (und eine kleine Überraschung), daß es Musils MoE jetzt als eBook gibt. Eine kritische Ausgabe mit Anhang wäre mir zwar lieber, aber erstmal der Text, das ist schon in Ordnung. Das Lektorat scheint ja jetzt auch Hand angelegt zu haben. Nicht ganz schlüssig scheint mir lediglich das Inhaltsverzeichnis: Warum sind die Kapitel separat in Nummer und Überschrift aufgeteilt und nicht Nummer und Überschrift in eins? So kommt das Verzeichnis unnötig aufgebläht daher. Da ich selbst ab und an eBooks zum Privatgebrauch erstelle, kann ich mir hier eine Formationsnachlässigkeit als Ursache vorstellen. Aber sei's drum, schön, daß es den Text in dieser Form gibt, und für fünfe reicht das noch...
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Der Mann ohne Eigenschaften I: Erstes und Zweites Buch
Der Mann ohne Eigenschaften I: Erstes und Zweites Buch von Robert Musil (Taschenbuch - 2. Mai 1994)
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