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4 von 4 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
5.0 von 5 Sternen Brodkey kann eigentlich kaum übersetzt werden., 1. März 2009
Verifizierter Kauf(Was ist das?)
Rezension bezieht sich auf: Unschuld: Nahezu klassische Stories. Band 1 (Taschenbuch)
5 Sterne für Brodkey.
5 Sterne für das Origninal.
Ja - und sogar 5 Sterne für die Übersetzung.

Wer es schafft, das Original zu lesen, sollte dies tun.

Wer die deutsche Übersetzung in Händen hält, erhält eine Welt der Worte, die ihren ganz eigenen Charme besitzt, aber doch nicht das Original - mit allen Konvoluten der Gefühle - erreicht, zu denen nur Brodkey Zugang findet.

Dennoch - exzellent übersetzt.
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2 von 2 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
5.0 von 5 Sternen Der Beginn eines Berichts über eine gemarterte Seelengeschichte, 25. November 2013
Rezension bezieht sich auf: Unschuld: Nahezu klassische Stories. Band 1 (Taschenbuch)
Der amerikanische Schriftsteller Harold Brodkey, ein Früh- und Hochbegabter, der bereits mit 16 Jahren in Harvard Literatur studierte, veröffentlichte mit 58 Jahren, nachdem er drei Jahrzehnte geschwiegen hatte, den Erzählband "Unschuld. Nahezu klassische Stories", das viele als sein eigentliches Hauptwerk verstehen wollen. Viele Kritiker meinen sogar, mit diesem Erzählband, dem zweiten nach dem 1958 erschienenen Erzählband "Eine Liebe und andere Sorgen", habe Bordkey sein Zenit erreicht und sei nachher mit seinem umfangreichen Roman "Die flüchtige Seele" mehr oder weniger gescheitert. Dem kann ich nicht zustimmen. Ich glaube, dass sein erster Roman "Die flüchtige Seele" und sein zweiter und letzter Roman "Profane Freundschaft" literarisch noch bedeutender sind, nicht nur wegen des Umfangs, sondern auch wegen des Inhalts und der Sprachgewandtheit. In seinen Kurzgeschichten behandelt Brodkey seine Grundthemen wie Familie, Beziehung, Liebe, Sexualität, Einsamkeit und Sprachlosigkeit. Er nimmt aus radikalster Nähe die Lebensabschnitte seiner Protagonisten unter die Lupe, die Stückchen weise seziert werden. Ich muss zugeben, dass ich die Short Stories sehr gerne gelesen habe, in ihrer detaillierten Beschreibung der körperlichen und seelischen Befindlichkeiten erinnern sie mich ein wenig an den Schreibstil des ungarischen Schriftstellers Peter Nadas. Auch Brodkey hat sich wie Peter Nadas vorgenommen, die psychischen Begleitumstände von Sexualität und des körperlichen Reifungsprozesses zu zeigen und darzustellen.
Da wäre zum einem die Titelgeschichte "Unschuld", die von einer ausführlich geschilderten Beischlafszene handelt, wo der Ich-Erzähler, der Student Wiley Silenowicz, Brodkeys alter ego, versucht seine junge, schöne Freundin erstmals zum Orgasmus zu bringen. Nachdem der normale Koitus nicht zur Befriedigung der Frau führt, versucht es der Ich-Erzähler, sich "mit der Zunge über sie herzumachen", doch "in dem, was ich tat lag ein gefährlicher Masochismus, eine gefährliche Hybris, ein gefährlicher Optimismus und eine Art von Liebe." Ausführlich und detailliert schildert er, wie es ihm schließlich doch gelingt, trotz des leisen Widerstandes seiner angespannten und befangenen Freundin, die nur die sexuelle Befriedigung ihres Freundes wünscht, ihr einen ekstatischen Orgasmus zu verschaffen: "Bei dem Gedanken an den ersten Orgasmus ihres Lebens hatte sie gleich noch einen... Als sie ruhiger geworden war, sagte sie keuchend: Oh du liebst mich." In der Erzählung "Spiel" beschreibt Brodkey wie der elfjährige Ich-Erzähler beim Spielen mit seinem jüngeren Freund seinen ersten Samenerguss erlebt, nicht wissend, was da gerade mit ihm passiert ist. Fabelhaft und einmalig, wie Brodkey das Überrascht sein, die Verwirrtheit, den Schmerz aber auch die Freude des Jungen bei seinem ersten Samenerguss schildert und veranschaulicht, ein "Gefühl, sehr seltsam und unendlich willkommen", "etwas Besänftigendes - unfehlbar, heiß", "noch nie war Genuß so mit Schmerz vermischt gewesen, so traurig, so körperlich." Die Erzählung "Die Pubertät" setzt die sexuelle Entdeckungsreise des Ich-Erzählers fort, in der der heranwachsende Ich-Erzähler mit seinen Pfandfinderkollegen in einem Wald gemeinsam sich die Schwänze zeigen und masturbieren und damit "in unser genitales Schicksal" eingeführt werden. Die beste und bewegendste Erzählung ist die autobiographisch gefärbte Kurzgeschichte "Eine nahezu klassische Story". Hier schildert der Ich-Erzähler Harold Brodkey seine schwierige Kindheit in Illinois, wo er mit seiner krebskranken Mutter allein leben muss und sich von ihr beschimpfen und beleidigen muss, weil die schmerzgepeinigte Mutter die Zuneigung und die Aufmerksamkeit ihres Adoptivsohnes vermisst. Dem jungen Mann bleibt der Anblick der Leiden und Qualen seiner schwerkranken nicht erspart und er beschreibt einmal das Gefühl, das ihn dabei überkommt: "Ich konnte nicht glauben, dass ich solchen Schmerz mit ansah. Ich hörte auf zu sehen. Ich stand da und sah nicht; der Magen sackte mir weg; es gibt einen erschreckenden Kälteschock, der einen überfällt, wenn man die Schmerzen eines anderen als wirklich akzeptierte." Nach langem innerlichen Kampf und Widerwillen finden Mutter und Sohn auf dem Sterbebett der Mutter schließlich doch noch zueinander.
Ein Charakteristikum der meisten Short Stories ist, dass die Protagonisten oft Intellektuelle, zumeist mit jüdischer Herkunft, sind, die an ihrer Intelligenz, ihrer Einsamkeit und der Sprachlosigkeit ihrer Gefühle und Bewusstseinszustände leiden. Eine Vermittlung zwischen den Individuen, eine vollständige Verbindung und Verständlichmachen zwischen den isolierten Bewusstseinen, egal ob zwischen Vater und Kind (so in "Auf den Wellen" und "Sein Sohn in den Armen") oder zwischen Eheleuten ("Der Schießstand") und Freunden (so in "Buchführung", eine beeindruckende Erzählung, in der es unter anderem um Drogenkonsum und das Trauma der kriegerischen Erlebnisse in Europa geht) ist nicht möglich und führt zu Missverständnissen und Widerwillen. Brodkey zeigt sehr mutig, wie zum Beispiel auch die Beziehung zwischen Vater oder Mutter und Kind schon allein aufgrund der unterschiedlichen geistlichen Entwicklung der Agierenden zum Ekel oder zur Langeweile führen können. In "Buchführung" gibt es kleine Szene, wo die frischgebackene Mutter Ann mitten in der Nacht aus dem Bett aufstehen muss, weil ihr Baby schreit und sie "schoß durchs Zimmer, prallte gegen Stühle, sogar gegen die Wand, bis sie zum Bettchen des Babies kam, die Sinne abgestumpft, ihr Stolz in der Beschäftigung mit Verdauung und Kinderscheisse untergegangen." Und in der Erzählung "Auf den Wellen" heißt es: "Es war sterbenslangweilig, soviel Zeit mit einem Kind zuzubringen."
Die wortgewandten Erzählungen sind vom Aufbau und der Erzählperspektive konventionell erzählt (deshalb "klassische" Kurzgeschichten), aber durch ihren Inhalt und ihre Detailiertheit der körperlichen Zustände, durch ihren Mut und ihre Ehrlichkeit sind originell und literarisch absolut wertvoll. Brodkey hat mit seinen Erzählungen begonnen über seine gemarterte Seelengeschichte zu berichten, die er dann in seinem Mammutwerk "Die flüchtige Seele" auf atemberaubende Weise fortsetzte. Als Leser sollte man bei diesem Werk nicht stehen bleiben, sondern mutig und beherzt den nächsten Schritt wagen.
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1 von 1 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
5.0 von 5 Sternen Sinnlich, 13. März 2008
Rezension bezieht sich auf: Unschuld: Nahezu klassische Stories. Band 1 (Taschenbuch)
Der erste Band mit Storys in an Almost Classical Mode hat es zu seltsamem Ruhm gebracht, weil sich darin eine Story befindet, die sich ausgiebig dem weiblichen Orgasmus widmet. Spanner werden hier nicht auf ihre Kosten kommen. Vielmehr schafft es Brodkey fulminant, dem Unbeschreiblichen seine Sprache zu leihen, so dass wir uns der Illusion hingeben dürfen, alles auf der Welt sei in Worte zu kleiden, ohne es bloßzustellen. In Classical Mode? Was heißt das? Die deutsche Übersetzung Nahezu klassische Stories nähert sich der Formulierung an und schreckt so gleich ab, indem man Klassiker am liebsten in den Schrank verbannen würde. Brodkeys Stories hingegen sind dem Augenblick verbunden. Es ruht kein Staub auf ihnen. Was in Unschuld als Moment tiefsten Miteinanderseins empfunden wird, kommt dem Nachspüren von Einsamkeit gleich. Und so blitzen auch in den übrigen Storys erinnerte Momente auf, die trotz ihrer mitreißenden Handlung, der sezierenden Szenerie, den Blick vor allem nach innen richten. Ob das Jugenderlebnisse sind, dass Werben um den Adoptivsohn, Brodkeys Menschen wissen um ihre Begrenztheit, um das Loch in der Mitte, um das was F. Scott Fitzgerald den Knacks nannte, den Riss, der sich nicht füllen läßt. Wie Brodkey dem Sprache verleiht, ist faszinierend zu lesen.
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4.0 von 5 Sternen Vom Feuilleton beim Erscheinen in den Olymp gejubelt..., 2. Dezember 2013
Rezension bezieht sich auf: Unschuld: Nahezu klassische Stories. Band 1 (Taschenbuch)
Da die Sammlung von den "nahezu klassischen Geschichten" damals hymnisch bejubelt wurde, habe ich mir die schön eingebundenen Bände 1+2 direkt nach Erscheinen des zweiten Teils "Engel" (1992) zugelegt.
Damals las ich nur die erste Story aus dem Band Unschuld - "Der verschwenderische Träumer"; hatte danach aber keine Lust mehr auf den Rest...

Erst jetzt - nach 20 Jahren Ablage im Regal - habe ich mir den Brodkey erneut vorgenommen. Ich hatte die Hoffnung nun "reif" dafür zu sein, nachdem ich - mit Genuss - vieles von den neueren amerikanischen Klassikern wie Philip Roth, Paul Auster, Jonathan Franzen und David Foster Wallace gelesen hatte.

Die erste Story hat mich wieder ziemlich angeödet, aber danach packten mich die folgenden Erzählungen. Für meinen Geschmack kreist Harold Brodkey in Gestalt seiner über die Phasen seines Lebens verstreuten Alter-Egos oft zu sehr um sich selbst. Die Aussenhandlung macht hier oft nur einen kleinen Bruchteil allen Textes aus. Der überwiegende Teil erkundet und reflektiert das eigene Seelenbefinden und die Mutmaßungen über die Gefühls- und Motivlage seiner Mitmenschen. Aus der eigenen Biographie gibt es offenbar reichlich zu analysieren - nicht alles muss dabei für jeden Leser von Interesse sein.

Sprachlich überzeugt Brodkey: er entwickelt für jede Episode (auf Alter und gesellschaftlicher Stellung des Protagonisten zugeschnitten) die passende Sprache - mal wortreich, manchmal derbe mit vielen F-Wörtern; selten auch knapp und präzise. Immer wieder nähert er sich dabei einem Gedanken stochernd-forschend an - die Dichte der "vielleicht"s ist teils rekordverdächtig. Oft werden Feststellungen im übernächsten Satz wieder zurückgenommen oder gar ins Gegenteil verkehrt. Das kann beim Lesen anstrengend und zäh sein.

Unterm Strich hat mir der Band "Unschuld" doch so gut gefallen (daher knappe 4 Sterne), dass ich aktuell den Folgeband "Engel" lese. Hierzu liegt bezeichnenderweise bisher keine einzige Amazon-Rezension vor; man bekommt sogar noch die gebundene Ausgabe zu kaufen. Offenbar ist der erste Band damals nicht nur von mir nicht so gut angenommen worden.
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0 von 1 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
5.0 von 5 Sternen Die Zunge der Erlösung, 23. April 2009
Rezension bezieht sich auf: Unschuld: Nahezu klassische Stories. Band 1 (Taschenbuch)
Frauen, die jeder begehrt, sind frigider als man gemeinhin denkt. Schönheit hat ihren Preis. Darunter leidet Orra Perkins, die Antiheldin aus jener Short Story, die Brodkeys Buch seinen Titel gab. "Unschuld" ist zunächst die Unfähigkeit, einen Orgasmus zu erleben. Orra steckt in ihrem allzu schönen Körper wie in einem Gefängnis. Doch die Rettung ist nah. Die Zunge der Erlösung dringt in sie ein...
Keine Angst, das ist kein Porno, sondern ein höchst subtiler Seelen-Striptease.
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5 von 13 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
5.0 von 5 Sternen sinnlich, offen, überwältigend, 9. Juni 2000
Von Ein Kunde
Rezension bezieht sich auf: Unschuld: Nahezu klassische Stories. Band 1 (Taschenbuch)
dieses buch ist nicht nur was für liebhaber des buches 205.293 zeichen, die garnitur. ( in eben diesem buch wird naemlich auf das buch "unschuld" von brodkey verwiesen. nein, hier werden uns nahezu klasssische stories nahegebracht, wie eben tod, liebe, moral, glück und vor allem erinnerung. erstaunlich offene bekenntnisse, erinnerungen eines fast 70 jaehrigen amerikaners. das buch erschien 1988 in den staaten, wo brodkey sich nach fast dreißigjährigem schweigen endlich mit diesem buch in die literarische szene zurückmeldete. die amerikaner feiern brodkey als kultautor, aber auch die frankfurter rundschau bezeichnet das buch als "einer der überwältigendsten leseeindrücke der letzten jahre." ich selbst fand es nicht nur spannend, von jungen autoren, wie den leuten von der garnitur auf solch ein meisterwerk der literatur verwiesen zu werden. es ist einfach auch überwältigend, wie offen doch die amerikaner über sex und beziehungen schreiben können. hier kann noch manch einer lernen, mann wie frau. (siehe titelstory "unschuld") (Dies ist eine Amazon.de an der Uni-Studentenrezension.)
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3 von 10 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
5.0 von 5 Sternen Brodkey's Geschichten geben jedem etwas., 19. November 2000
Von Ein Kunde
Rezension bezieht sich auf: Unschuld: Nahezu klassische Stories. Band 1 (Taschenbuch)
Brodkey ist ein Autor von großer sprachlicher Kraft und einem weiten Spektrum an Geschichten - und das, obwohl alle Geschichten in der Welt seiner Kindheit spielen. Insbesondere die beiden Titelgeschichten ("Unschuld" und "Eine nahezu klassische Geschichte") sind Höhepunkte der amerikanischen Kurzgeschichte. Absolut lesenswert!
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Unschuld: Nahezu klassische Stories. Band 1
Unschuld: Nahezu klassische Stories. Band 1 von Harold Brodkey (Taschenbuch - 1998)
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