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TOP 500 REZENSENTam 23. Januar 2005
Es gibt Autoren, die ihren Ruhm ihrer Misantrophie verdanken und deren Bücher verschlungen werden, weil es ihnen gelungen ist, den Gestus des gnadenlosen Niedermachens als höchste Seinsweise der kritischen Aufklärung zu deklarieren. Elfriede Jelinek hat gezeigt, dass man mit dergleichen Literatur bei entsprechend ausgerichteten Juroren sogar den Nobelpreis erhalten kann. Allerdings wird man ehrlicherweise hinzufügen müssen, dass bei Elfriede Jelinek die Misanthropie sich mit einer Sprachkraft verbündet, die turmhoch über allen Alltäglichkeiten des deutschsprachigen Literaturbetriebes angesiedelt ist. In „Lust" ihrem vielleicht bekanntesten Werk, weiß man nicht, ob man von der Sprache gefesselt oder angewidert sein soll - auf jeden Fall ziehen die zunächst recht sperrigen aber ungemein poetischen Sätze den Leser von Anfang in ihren Bann. Im Mittelpunkt des Buches steht der Direktor einer niederösterreichischen Papierfabrik, der seine Frau Gerti permanent vergewaltigt. Wann immer es dem Herrn Direktor gefällt, „stülpt er die Gerti über die Vordersitze, schlägt ihr das Kleid über den Kopf und bezwingt ihre Hinterbacken, so das er gleich über den grob unbefugten Damm in ihr Inneres eindringen kann. (...)Mit dem Gesicht zuerst wird die Frau in die Autopolster gepresst, als läge Schlummer in diesen Lederschatten verborgen. Die Beine hängen ihr rechts und links aus der offenen Türe heraus" - und so weiter und so weiter, und so weiter, bis man es fast nicht mehr lesen kann und doch gefesselt ist von der Sprachwucht mit der Jelinek diese Hölle in immer neuen, zum Teil kuriosen Wendungen beschreibt. Da fällt der Herr Direktor „krachend in das Geschlecht seiner Frau", „donnert sein D-Zug in ihren Tunnel", es werden „Schamlippen auf- und zugeklappt", am Kitzler gezurrt, gepisst und fäkaliert, dass niemandem empfohlen werden kann, dieses Buch im Umkreis einer Mahlzeit zu lesen. Gerti, gefangen in der Beschränktheit ihrer Welt, erduldet dieses Martyrium so gut sie nur kann, versucht vergeblich zu einem andern Mann zu flüchten, der sie auf das Widerlichste abweist („Unterhalb der Gürtellinie sind wir Männer alle gleich"), ehe sie ihren kleinen Sohn, einen ekelhaften Klon des Vaters, ermordet und in einen Fluss wirft. Diese Geschichte ist aber nur die Hauptstimme in einer Partitur, in der noch zahlreiche andere Motive anklingen - vor allem das Elend der Fabrikarbeiter und ihrer Familien, die sich abrackern müssen, damit der Herr Direktor jederzeit lustvoll und derb „sein Szepter schwingen" und seiner Frau „an die Ritze" gehen kann. Diese Arbeiter, Dörfler und Hintersassen „schauen verdattert in die Löcher ihrer Frauen, die das Leben gerissen hat, ja, sie erschauern, als wüssten sie schon: die Schachtel ist längst leer, die ihnen seit Jahren die Körnenr austreut." Nur eines haben der Direktor und seine Arbeiter gemeinsam: den Gestus einer habituellen Flucht in die Akrobatik der „Lust", die rein gar nichts mit Liebe zu tun hat sondern ein in ihrer Wiederholung nichts weiter ist als eine unendlich traurige Form des „Herumfuhrwerkens an den gegenseitigen Geschlechtsorganen". Ratlos und bewegt legt man dieses Buch schließlich aus der Hand, hat man doch in einen Abgrund blicken können, von dem man allerdings nicht recht weiß, ob er nur in Elfriede Jelineks
Einbildung oder in der Wirklichkeit existiert.
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am 28. Juli 2003
Elfriede Jelineks Buch "Lust" aus dem Jahr 1989 trägt interessanterweise - trotz 250 Seiten Umfang - nicht die Gattungsbezeichnung "Roman". Dies ist bezeichnend, denn es fehlt praktisch jegliche Handlung. Irgendwie geht es um Gerti sowie um den Direktor (ihren Ehemann), das Kind (ihren Sohn) und den Studenten Michael (ihren Liebhaber). Die Figuren sind völlig unpersönliche, blutleere Stereotypen: Gerti, die Frau, die sich ausnützen und unterdrücken lässt und dies nur betrunken erträgt. Der Direktor, der die ständig verfügbare Gerti nur sexuell benützen und seine Potenz ausleben will. Das verwöhnte Kind, ein Abbild des Vaters. Der Student, der idealisierte romantische Held, der sich auch lieber befriedigen lässt, statt Liebe zu geben, und schliesslich das Skifahren der Frau vorzieht. Da dem Buch klare Handlung und Figuren fehlen, erfordert das Lesen äusserste Konzentration, um den Gedankengängen der Autorin folgen zu können, was das Lesen sehr anstrengend und mühsam macht. "Lust" ist somit wirklich keine leichte Kost und wäre als Hörbuch sehr viel besser.
Jelinek beschreibt gnadenlos und unbarmherzig eine völlig kaputte, gefühlskalte, sexuell aufgeladene Welt. Die heile Welt der österreichischen Alpen ist dabei alles andere als heil. Die alltäglichen Perversionen liegen ganz dicht unter der winterlichen Schneedecke. Infolgedessen beschreibt die Autorin, immer wieder in neuen Variationen wiederholend, sexuelle Handlungen und sexuelle Gewalt. Diese Beschreibungen, welche ideologische Verfremdungen von sexistischen Pornos darstellen, loten ständig die Grenzen des guten Geschmackes aus. Jelinek beweist mit "Lust" erneut ihre ungeheure Sprachgewalt. Für die Beschreibung von Sexualität gebraucht sie verschiedenste, fantasievolle und auch völlig ungewohnte Metaphern, welche den sarkastischen und zynischen Grundton des Buches erst richtig verstärken.
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Dieses Buch hat eine interessante Konstellation, weshalb ich hier, sorry, etwas aushole... :-) Die bekannte Autorin Jelinek erzählt von dem feisten Fabrikdirektor Hermann, wie er immer wieder seine Frau Gerti durchnimmt. Es ist durchgehend sehr konkret, eigentlich pornografisch, und das Buch streift sexuelle Tabus, wenn z.B. der Natursekt fließt oder Gerti mal auf dem frisch gedeckten Mittagstisch genommen wird - und dabei teilweise im Essen liegt bzw. liegen muss.
Was soll das nun bedeuten? Das Lesen ist zunächst mal nicht so einfach, da fast nur in Metaphern gesprochen und gedanklich oft gesprungen wird. Da steht Gerti am 'Abhang ihrer Tage', in der Fabrik 'schreien die Uhren', oder Hermann fährt 'seinen wilden Karren in den Dreck der Frau'. Es wimmelt von Aussagen, die sich, wenn man will, Satz für Satz interpretieren lassen. Das Buch ist ein Relikt der Frauenbewegung vom Ende der 80er, und Jelinek hat u.a. das Ziel, durch die extreme Überzeichnung des Pornografischen bis ins Unerträgliche den männlichen Chauvinismus bloßzustellen. Es wird keine Geschichte erzählt, sondern ein Zustand beschrieben. Hermann benutzt seine verhärmte Gerti wie ein Objekt. Er befriedigt sich, sie hält hin, und sie tut das, weil sie finanziell von ihm abhängig ist. Letztlich ist diese Ehe nur eine andere Form der Prostitution. Und der Produktion, denn Gertis Aufgabe ist auch die der 'Kinderproduktion'.
Und damit sind wir bei der interessanten Parallele zu Hermanns Chemiefabrik im österreichischen Linz. Seine Arbeiter, ebenfalls finanziell von ihm abhängig, behandelt er nämlich auch schlecht und nutzt sie aus. Sie stellen ihre Arbeitskraft bzw. Körper zur Verfügung, und prostituieren sich so gesehen auch. Hermann, der Chauvinist, ist auch ein rücksichtsloser Kapitalist. Gerti versucht auszubrechen, in dem sie eine kurze Liaison mit einem Studenten eingeht, doch die Männer sprechen sich ab, halten zusammen. Die Frauen hingegen denken nicht daran, loyal um Emanzipation zu kämpfen. Sie machen sich hübsch und konkurrieren lieber mit Gerti - wobei sie alle in die gleiche Abhängigkeitsfalle fallen. Gerti fühlt sich wehrlos wie ein Arbeiter: Hermanns (amouröse) Wettbewerber sind keinen Deut besser, und der (weibliche) Konkurrenzdruck hoch. In stiller Verzweiflung kommt es schließlich zur "Ein-Frau-Revolution" bzw. zu einer Kurzschluss-Handlung: Gerti bringt ihren eigenen Sohn, den Mann und Kapitalisten der nächsten Generation - um.
Fazit: Arbeiter und Frauen, vereinigt Euch! :-) Das Buch ist sehr abstrus und provozierend geschrieben - aber es hat Tiefe. In Sprache und Konstruktion ist es ein literarisches Experiment, dessen Lesespaß stark vom persönlichen Geschmack abhängt, doch ich fand es interessanter als bislang hier bewertet!
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am 15. Februar 2012
Schwere Kost. Richtig schwere Kost.

Es bedurfte mehr als nur eines Anlaufs, über die unerträglich drastisch und deutlich beschriebenen Handlungen des holzschnittartig dauergeilen Direktors hinwegzulesen und die Erzählung Elfriede Jelineks anzunehmen. Abgründe der Sexualität, Abhängigkeiten, Macht und Ohnmacht, Quälen und gequält werden ist das Thema dieses 1989 erstmals veröffentlichten Werks.

Ein Porno der besonderen Art, denn beim Lesen entsteht gerade kein Gefühl von Wollust oder Geilheit, bestenfalls Ekel in verschiedenen Abstufungen. Jelineks Sprache ist deutlich, sie redet nicht drumherum, lässt keinen Zweifel aufkommen, um was es ihr geht. Da bleibt es nicht aus, dass sie sich hier und da auch versteigt, das sei ihr nachzusehen.

Jelinek will einmal mehr eine Sozialstudie abliefern, will aufdecken, hinweisen. Sie will provozieren, will erschrecken, nicht mehr und nicht weniger. Dazu hält sie das Tempo hoch. Sie setzt auf die vorhersehbaren, aber immer wieder überraschenden Genitalattacken des nimmersatten Direktors auf dessen Frau, die Jelinek in deren Verlauf immer wieder und wieder in allen ihren widerwärtigen Details beschreibt. Dabei erleidet sie das Schicksal aller Pornos: Die Wiederholungen beginnen zu langweilen und man ist versucht, den Absatz abzukürzen. Eingebettet sind diese abstoßenden Handlungen in zumeißt kurze und aussagestarke Sätze. Es ist das besondere Verdienst Jelineks, dass trotz aller genitalen, analen und sonstigen Detailversessenheit das Beschriebene niemals zum Gegenstand voyeuristischen Interesses wurde.

Der Direktor und seine Frau bleiben abstrakt, nicht vorstellbar, bekommen kein Gesicht. Die Distanz entsteht durch die stets kargen Bezeichnungen. Der Direktor wird durch sein ihn und sie beherrschendes Genital hinreichend definiert, sein Vorname hingegen erscheint im Buch nur einmal. Die Frau hingegen wird als Gerti personalisiert. Mehr Nähe zu den Personen lässt Jelinek aus ihrer Erzähl-Ebene nicht zu. Der bemüht wirkende immer wieder eingestreute Sprachwitz, die Wortspiele, stehen so ganz außerhalb des Kontextes, quellen immer wieder wie Fremdkörper hervor an die Oberfläche. Der Sinn indes bleibt verborgen. Sprachhoheit geht anders.

Verstörend ist ein sehr in Mode gekommener Begriff, der durch seinen inflationären Gebrauch die ihm innewohnende Schrecklichkeit, nämlich die Verstörung, die Zerstörung klein macht. Ein unausgesprochener Diminutiv-Suffix hängt ihm durch zu häufigen und vor Allem unpassenden Gebrauch an.

Jelineks Buch ist nicht nur verstörend, es ist zutiefst verstörend. Auch wenn sie dem Leser die Motive und Gedanken der Eheleute nachvollziehbar darbietet, besonders Gertis untauglichen Ausbruchversuch mit einem jungen Studenten und ihr Einfangen - seines Eigentums - durch den Direktor. Jelinek bleibt immer in der Distanz des Betrachters, des Beobachters, bezieht keine Stellung.

Starkes Thema, starke Sprache, schnörkellos. 100 Seiten weniger hätten dem Buch gut getan. Daher nur drei Sterne.
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am 24. August 2011
die story an sich ist sehr interessant und auch die sprachgewalt der autorin spürt man in diesem buch in ganz besonders großem ausmass. dennoch frage ich mich manchmal ob jelinek selbst noch versteht was sie da so alles zusammendichtet. aufgrund der ausschweifenden schreibart, die sich sehr weit von einem nachvollziebaren inhalt entfernt, ist der erguss leider fast unlesbar. in grober, derber sprache, aber auch mit viel witz und ironie beschreibt der roman die krankhafte sexuelle beziehung eines ehepaars. vor gewalt, demütigung und perversion wird nicht zurückgeschreckt. dass liebe und lust zwischen menschen auch normal oder schön sein kann vergisst die autorin aber über ihr negatives weltbild komplett - schade! "die klavierspielerin" ist sicherlich jelineks lesbarstes buch und aufgrund des inhaltlichen zusammenhangs auch viel empfehlenswerter.
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Wie fange ich eine adäquate Kritik zu diesem Buch bloß an. Sagen wir mal so, die letzten Romane, die ich vor "Lust" gelesen habe, waren Unendlicher Spaß: Infinite Jest Roman und Der Mann schläft.
Nun bin ich mit meinen 20 Jahren ganz unvoreingenommen an das Lesen herangegangen. Ich habe im Vorfeld natürlich eine Menge über Elfriede Jelinek gelesen und gehört bzw. im Fernsehen Ausschnitte aus ihren kontroversen Theaterstücken gesehen.
Für diese 250 kapitellosen Seiten habe ich ca. 2 Tage gebraucht, an denen ich im Schnitt 3 Stunden gelesen habe.

Die Geschichte von Gerti, die von ihrem Mann, für den sein Job als Direktor einer Papierfabrik eine Art Potenzmittel darzustellen scheint, sexuell bekriegt wird, hat mich innerlich angeekelt. Diese stumpfsinnige und brutale Ausbreitung einer andauernden und immerwiederkehrenden Vergewaltigung einer devoten Ehefrau ohne jeglichen Handlungsfaden erschreckt zutiefst. In sprachlich absolut brillante Bildern wird der Leser mit diesem "Ehealltag" konfrontiert. Teilweise musste ich wegen der Vielfalt an Metaphern für den Geschlechtsakt schmunzeln, die Frau Jelinek benutzt um wenigstens in dieser Form eine gewisse Abwechslung für den Leser bereitzuhalten.

Die Autorin hat 2004 mit folgender Begründung den Literaturnobelpreis erhalten:
"Für den musikalischen Fluss von Stimmen und Gegenstimmen in Romanen und Dramen, die mit einzigartiger sprachlicher Leidenschaft die Absurdität und zwingende Macht der sozialen Klischees enthüllen"

Den musikalischen Fluss habe ich in "Lust" nicht unbedingt wahrnehmen können, weil, meiner Meinung nach, zu einem solchen Fluss ein durchgängiger Plot notwendig ist, weil auch ein Fluss fließen muss und das nicht möglich ist, wenn wir uns in einem Stehgewässer befinden.
Aber die sprachliche Leidenschaft habe ich spüren können. In einer distanzierten Sprache ohne Wertung für das Geschehene beschreibt sie das Perfide und Perverse in Gertis Leben, das sich nicht mal verbessert als sie von ihrem Mann zu fliehen versucht und dabei in die Arme eines Studenten läuft, der sie ebenfalls sexuell denunziert und demütigt.
Dieses Drama, denn als Roman wäre es nicht zu bezeichnen, der von einem Journalisten der FAZ treffenderweise als Anti-Porno bezeichnet wurde, ist eine überspitzte und drastische Satire über unser Leben voller Aggressivität und Gleichgültigkeit.

Das erschreckende und verwirrende Ende lässt den verdutzten Leser mit einer kleinen Ohrfeige zurück und stellt gleichzeitig den Höhepunkt von "Lust" dar.

Ich bin mir an dieser Stelle nicht ganz sicher ob ich weitere Bücher von Elfriede Jelinek lesen werde. Ich denke mit ein oder zwei Jahren Abstand schon, aber derzeit eher nicht, denn diese Unbarmherzigkeit, mit der sie schreibt, hat mir eine intensive Leseerfahrung bereitet, die erstmal verarbeitet werden muss.
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am 11. August 1999
Je schlimmer ein Zustand ist, desto mehr muß man gegen ihn ankämpfen. Elfriede Jelinek leidet unter den Zuständen dieser Welt, besonders unter denen zwischen den Geschlechtern. Sie hat dagegen ein gewaltiges Buch geschrieben: "Lust". Es sollte ein Werk werden, bei dem die Leser "blaß werden", und das ist ihr gelungen. Mit harten Worten beschreibt sie die Unterdrückung und Ausbeutung der Frau in der Gesellschaft. Aller Schamgrenzen entledigt, läßt sie sich von erotischen Horrorvisionen treiben. Als Ort ihres hoffnungslosen Szenarios dient ihr der eigene Geburtsort Mürzzuschlag in der Steiermark. Dort steht eine Papierfabrik und Hermann ist ihr Direktor und der seiner Frau. Der Unterdrückung seiner Arbeiter steht die seiner Gattin in nichts nach. Füher hat er seinen Spaß außerhalb gesucht, bei wechselnden Frauen und im Bordell. Aber seit AIDS in die letzte Provinz vorgedrungen ist, muß der Direktor "dampfend vor Gier", "der schreckliche Stammgast seines Geschlechts" sich umstellen. Er "ißt jetzt zu Hause, wo's am besten schmeckt". Seine Frau, die Gerti, hat ihm allzeit bereit zu sein. Ständig läßt sie ihn willig sein "Geschlechtspaket" ablegen. Gestört werden die beiden nur vom Sohn, schon ganz Ab- und Ebenbild des Mannes, der eine noch höhere Kopulationsfrequenz verhindert. Zur Intention des Buches trägt Elfriede Jelineks ganz eigener Sprach- und Erzählstil bei. Sie spielt mit Wörtern, Sätzen und Sprichwörtern ("Was sich nicht schlägt, das neckt sich"). Doch ihr Stil ist nicht "schön", ihre Bilder sind häßlich verzerrt. Das Lesen stellt eine hohe Anforderung. Unangenehm wird die Wiederholung des immer gleichen. Elfriede Jelineks Roman ist wie kein anderer streitbar. Er provoziert, und nichts liegt ihm ferner, als etwas zu beschönigen oder sich anzubiedern. Für den Leser bietet "Lust" eine Herausforderung. Frontal wird er konfrontiert mit der Weltsicht der österreichischen Autorin. Wieviel er davon akzeptieren kann, sei dahingestellt. (Dies ist eine Amazon.de an der Uni-Studentenrezension.)
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am 18. April 2010
Nachdem ich vor einigen Jahren "Die Klavierspielerin" mit viel Freude gelesen habe, bin ich nun an den Roman "Lust" von Elfriede Jelinek geraten. In diesem Werk enthält sich die Schriftstellerin warum auch immer einer stringenten Handlung. Stattdessen wiederholt sie in undurchsichtigen Metaphern die Vergewaltigung einer Frau namens Gerti die scheinbar alles ohne Wiederworte mit sich machen lässt. Ablenkung von ihrem sexbessesenen Mann, dem Direktor einer Papierfabrik, findet sie lediglich in den Armen ihres jungen Geliebten Michael. Die Eheleute versorgen nebenher noch ihren kindlichen Sohn, der wohl nach dem Vater zu kommen scheint. Soviel zur Handlung der knapp 250 Seiten. Die Sprache mutet sehr experimentell an, die Vergleiche sind oft leer und nichtsagend oder vielmehr unbestimmbar vieldeutig. Vom Leser wird also einiges an Geduld verlangt, bis er das Buch nach Beendigung wieder aus der Hand legen kann. Schade, das der Autorin hier nicht mehr als einer dünnen Handlung und fortgesetzten, wirren Sprachspielen eingefallen ist. Das kann sie entschieden besser!
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am 14. Dezember 2005
Es ist nicht immer leicht, Jelineks Buch "Lust"-voll zu lesen und durchzuhalten, vor allen Dingen dann nicht, wenn man im norddeutschen Sprachraum zu Hause ist. Keine Sprachmelodie zu hören. Sperrig. Unerträglich. Erst nach einem Aufenthalt in Wien wurde es erst wirklich lesbar und zu einem Vergnügen! Mit dem Wienerischen und seinem Schmäh im Ohr tauchte auch der satirische Humor und all die grotesken Überzeichnungen in einem noch boshafteren, aber auch menschlicheren Licht auf. Es wimmelt von genialen Bildern und Sprachwitz, z.B."Ich glaube, sie (die Stimme) heißt Ö3 Wecker und läßt ab sechs Uhr früh Schlager vom Band, diese fleißigen Nagetiere, die uns schon vom Morgen an den Tag wegfressen." Mit wienerischem Akzent fließt die Sprache. Sprachrythmus auf allen Seiten.
Ich glaube, Frau Jelinek hatte viel Spaß beim Schreiben dieses Werkes. Das Buch ist kein Ausdruck von Realismus. Männer sind im wirklichen Leben eben nicht immer geil, aber diesen Aspekt der Lust so boshaft-amüsiert auszuschlachten, ist mutig, und halt auch ein Angriff auf das Selbstverständnis einer heterosexuellen Männerwelt.
Entweder man liebt das Buch - oder man haßt es.
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am 18. Dezember 2006
Ich muss zugeben, dass ich mit dem Buch noch nicht ganz fertig bin. Der Grund dafür ist sicher nicht fehlende Lust oder die vermeintlich mangelnde Qualität des Buchs. Nein, das Buch ist sprachlich und inhaltlich derart anspruchsvoll und auf exzellentem Niveau, das es mir wirklich schwer fällt, zügig mit dem Buch voranzukommen!

Jelinek spielt mit der deutschen Sprache derart, dass von einem einfachen Lesefluss keine Rede sein kann. Es scheint, als sei nahezu jedem Wort eine Bedeutung beigemessen, als sei jeder Ausdruck mit einem eigenen Gedanken gewählt worden zu sein. Natürlich ist in diesem Zusammenhang auch die teilweise derb perverse Wortwahl Jelinkes zu erwähnen, wenn sie die grausigen Taten und Gedanken der Protagonisten beschreibt. Ist man anfangs darüber überrascht und alles andere als davon angetan, erfährt man im Laufe der Geschichte zunehmend, dass die gewählten Wörter nur passend und realitätswiderspiegelnd sind!

Auch inhaltlich ist "Lust" kein einfaches Unterfangen. Gepaart mit der schwierigen Sprache ist es durchaus schwierig dem Fortlauf der Erzählung zu folgen. So springt die Autorin des öfteren von einer Szene zur anderen oder vertieft sich derart intensiv in eine Szene (etwa eine Vergewaltigung), um dann plötzlich den Leser herauszureißen und ihn in die eigentliche Geschichte zurückzuholen.

Kurzes Fazit: Sprachlich und Inhaltlich auf höchstem Niveau; es empfiehlt sich, vorher einfachere Literatur von Jelinek gelesen zu haben (etwa "Die Liebhaberinnen" Anm.); durch die ekelhafte, aber passende Wortwahl kein Roman für zwischendurch, stattdessen Zeit nehmen!
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