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40 von 43 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
5.0 von 5 Sternen Sex, Religion, Ödipus und Identität
Was auf den ersten Blick als Anhäufung absonderlicher sexueller Begierden erscheint, ist ein unglaublich vielschichtiger Roman, der Philip Roth den Ruf als "zweiter Henry Miller" einbrachte. Natürlich sind gerade die sexuellen Erlebnisse des Newarker Jungen Alexander Portnoy köstlich beschrieben. Angefangen mit einem manischen Zwang zu...
Am 11. Juli 1999 veröffentlicht

versus
3.0 von 5 Sternen Am Nobelpreis vorbeigeschrammt
Im Erscheinungsjahr 1969 war das natürlich ein Knaller. Finanziell wars Roths Durchbruch. Aber aus heutiger Sicht einfach nur Gesabbel. Ein anderer Rezensent zieht hochgewagt den Vergleich mit großen Entwicklungsromanen. Den "Meister" liest man heute immer noch. Aber Portnoy wird man bald nur noch als historischen Ausfluss der 60er Psychomanie erwähnen...
Vor 19 Monaten von Peter veröffentlicht


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40 von 43 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
5.0 von 5 Sternen Sex, Religion, Ödipus und Identität, 11. Juli 1999
Von Ein Kunde
Rezension bezieht sich auf: Portnoys Beschwerden. Roman (Taschenbuch)
Was auf den ersten Blick als Anhäufung absonderlicher sexueller Begierden erscheint, ist ein unglaublich vielschichtiger Roman, der Philip Roth den Ruf als "zweiter Henry Miller" einbrachte. Natürlich sind gerade die sexuellen Erlebnisse des Newarker Jungen Alexander Portnoy köstlich beschrieben. Angefangen mit einem manischen Zwang zu onanieren ejakuliert der jüdische Junge beispielsweise in eine Leber, die die Familie zum Abendessen verspeist: Dazu Portnoys Kommentar, der sein Leben in der Retrospektive seinem Psychiater Dr. Spielvogel schildert: "Ich habe das Abendessen meiner eigenen Familie gefickt". Verhätschelt von seiner Mutter versucht Alexander mit dem Judentum zu brechen und läßt sich nur auf "Schicksen" ein. Neben seiner verantwortungsvoller Tätigkeit als Erwachsener als Beauftragter für Menschenrechte in der Stadt New York, führt der junge Mann ein auschweifendes Leben mit einer Postituierten, die ihn irgenwann verläßt. Sein sexueller Zwang stößt sich am orthodoxen Glauben seiner Mutter. Roth beschreibt einen jungen Mann, der verzweifelt seine Identität und Normalität zwischen Judentum und Amerika sucht. Ein Schlüsselerlebnis ist seine Reise nach Israel. Was eine Katharsis für ihn sein sollte, endet mit Impotenz bei Frauen im heiligen Land. Auf 185 Seiten erzählt Portnoy seine Geschichte, die Geschichte eines Mannes der sich nie gefunden hat. Portnoy vollführtimmer einen Drahtseilakt zwischen Mutter und Schicksen, zwischen Berufsleben und Privatleben und zwischen Moral und Manie. Den Konflikt kann der nicht selbst reflektierende junge Mann nicht lösen. So kommentiert Dr Spielvogel am Ende des Buches die Erlebnisse Portnyos mit den Worten: "Dann wollen wir mal anfangen. Ja?". Ein grandioses Buch an die sich viele Personen und Konflikte in weiteren Büchern anreihen wie z.B:" Mein Leben als Mann, Mein Leben als Sohn, Die Tatsachen, Zuckermans Befreiung usw. Patrick Körber (Dies ist eine Amazon.de an der Uni-Studentenrezension.)
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8 von 8 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
4.0 von 5 Sternen Mamas guter Junge, 4. Februar 2006
Von 
marielan - Alle meine Rezensionen ansehen
(VINE®-PRODUKTTESTER)   
Rezension bezieht sich auf: Portnoys Beschwerden. Roman (Taschenbuch)
Alexander Portnoy, der Ich-Erzähler, schildert seinem Psychiater seine Lebensgeschichte: Aufgewachsen in einem jüdischen Stadtviertel in einer jüdischen Familie mit korpulenter Schwester, ständig besorgter Mutter und hypochrondrischem Vater unternimmt er Ausbruchsversuche durch Sex. Zunächst während der Pubertät durch Onanie, später mit ständig wechselnden Parterinnen. Aber entkommen kann er nicht.
Ein amüsantes Buch, das in sich selbst schon ironisch ist: Indem der Ich-Erzähler laut gegen seine Familie klagt, vor allem gegen die Mutter, die dauernd die Aufmüpfigkeit und Undankbarkeit des Sohnes beklagt, macht er der Familientradition alle Ehre und setzt die Tradition des Klagens fort. Sein Bestreben, die Familie zu bestrafen, führt Alexander jedoch im Geheimen aus: Onanie und Beziehungen zu Frauen, von denen niemand etwas wissen darf. Als er letztlich doch "gehorsam" wird, nach Israel fliegt und eine Jüdin kennenlernt, macht ihm das einzige, auf das er sich in seinem Leben verlassen konnte, seine sexuelle Gier und seine Potenz, einen Strich durch die Rechnung.
Dass ein Buch mit einer solchen Thematik sich lächerlich machen würde, wenn es sich mit zarten erotischen Andeutungen begnügen würde, ist einleuchtend. Allerdings hat der Autor es durch seine Sprache verstanden, die entsprechenden Passagen nie ausfallend oder obszön klingen zu lassen.
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44 von 48 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
5.0 von 5 Sternen Ein Bildungsroman, der sich gewaschen hat, 2. März 2003
Von 
euripides50 (Köln) - Alle meine Rezensionen ansehen
(TOP 500 REZENSENT)   
Rezension bezieht sich auf: Portnoys Beschwerden. Roman (Taschenbuch)
Wer die Bedeutung und die Besonderheit dieses Buches richtig ermessen will, muss bis zu "Wilhelm Meister", dem "grünen Heinrich" oder "Felix Krull" zurückgehen und sich vorstellen, dass Wilhelm, Heinrich oder Felix neben all ihren Interessen an den Absonderlichkeiten der Welt zuerst und vor allem an ihrem "Schlong" interessiert sind, der sie Tag und Nacht mit seinen Erektionen peinigt, so dass sie als Pubertanten - wo sie gehen und stehen - nichts anderes im Sinn haben, als "ihre Ladung abzuschießen". Das hört sich drastisch an, ist aber durchaus erst gemeint: "Portnoys Beschwerden" von Philip Roth ist der Bildungsroman der Postmoderne, in dem die beiden Seiten der Tannhäuser-Problematik - der Mann zwischen Venus und der heiligen Elisabeth - unverblümt aufeinanderprallen. Wie in atrophierten Knochen, in denen die schützenden Knorpel sich abgenutzt haben, wird die Persönlichkeit des heranwachsenden Alexander zerrieben zwischen Lust und Schuld, sexuellen Begierden und Gutmenschenattiüden, und es ist die große Kunst des Autors, diese traurige Thematik eindringlich und - man soll es kaum glauben - außerordentlich kurzweilig zu entfalten. Alexander Portnoy ist der Sohn eines jüdischen Versicherungsvertreters, der sein Leben lang an Verstopfung leidet, und einer perfekten Mutter, die alles für ihre Kinder gibt und voller Sorge über einen eventuellen Durchfall ihres Sohnes an die Toilettenüre klopft, wenn sich ihr Filius auf dem Örtchen die Seele aus dem Leib masturbiert. Der Antagonismus zwischen der kreatürlichen, fast affenartigen Verfallenheit an den eigenen "Schlong" und die dabei immer aufs neue hochbrandenden Schuldgefühle quälen den kleinen Alexander sein ganzen Leben, doch er bleibt unfähig, sich von der Faszination blond-christlicher "Schicksen" zu lösen. Während ihm sein IQ von 158 problemlos alle schulischen Türen öffnet und er schon als altkluger Knabe politisch korrekte Sprüche in Debattierzirkeln unter Erwachsenen absondert, wird er in Wahrheit niemals erwachsen und frönt stattdessen mit Hilfe von leichten Mädchen und Prostituierten seiner Triebnatur - bis er schließlich sein alter ego findet: Mary Jane, im Buch bezeichnenderweise "das Äffchen" genannt, eine blonde Christin, genauso sexbesessen wie Alexander, ein Wunder als Lustspenderin und Sexobjekt aber zugleich mit einem Auftreten geschlagen, dass es ganz und gar unmöglich macht, sich mit ihr auf der Straße zu zeigen. Alles an Alexander schreit "ja", wenn er die langen Beine von Mary Jane betrachtet, alles schreit "nein", wenn "ihr töricht angemaltes Gesicht unter Korkenzieherlocken hervorlugt" - Dr. Jekyll und Mr. Hyde lassen grüßen. Dabei soll keiner sagen, daß Alexander nicht genug Gelegenheit gehabt hätte, den rechten Pfad in ein gutbürgerliches Leben zu finden. Mehrere Varianten der "heiligen Elisabeth " kreuzen seinen Weg: die sanfte Kay Campell, die kluge Sally Maulsky weisen dem geplagten Portnoy jeden nur denkbaren Ausweg aus seinen "Beschwerden" - doch sie sind samt und sonders "Kürbisfrauen", d. h. unerortische Langeweiler im Bett, die mit "unproportionalen Figuren wie Bären über die Erde wandeln". So bleibt Alexander Portnoy, obwohl ein führender Agitator im Dienste der Bürgerrechtsbewegung bis weit in die Dreißiger ein durch und durch zerrissener und unglücklicher Mensch, eine Pointe, die der Leser schon nach fünfzig Seiten begreift, die am Ende des Buches, als der Protagonist Israel besucht, an der Figur der jüdischen Naomi noch einmal deutlich wird. Dieses junge Mädchen, das in seinem ganzen Auftreten und Habitus nichts anders ist als eine jüngere Variante der Portnoy-Mutter, liest ihm nach einem mißglückten Vergewaltigungsversuch die Leviten. "Fahr wieder nach Hause," rät die edle Sozialistin dem heruntergekommenen Portnoy - was nicht anderes bedeutet als: Fahr wieder zurück nach Amerika in die Hölle der modernen Gesellschaft, die die zuerst Sexualität entfesselt und das Individuum dann mit diesem Raubtier alleine läßt. Das ist die Moral von der Geschicht, und auch wenn sich das alles sehr ernst anhört, wird die Geschichte selbst über den gesamten Roman keine Seite langweilig erzählt. Die Treffsicherheit der Roth'schen Beobachtungen allein macht die Lektüre des Buches zu einem Gewinn. Seine Fantasiefontänen sind mitunter an Komik kaum zu überbieten, und letztendlich ist dieses Buch, das völlig zu Unrecht als obszönes Buch verteufelt wurde, ein zutiefst menschliches und warmherziges Werk, denn das Mitgefühl des Autors mit all seinen Figuren ist unübersehbar.
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5 von 5 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
4.0 von 5 Sternen Roths Aufschrei, 11. Januar 2006
Rezension bezieht sich auf: Portnoys Beschwerden. Roman (Taschenbuch)
Alexander Portnoy, seines Zeichens Jurist der New Yorker Stadtverwaltung, erzählt in einer Tirade seinem Psychiater Dr. Spielvogel von seinem Leben und da vor allem von seinen sexuellen Vorlieben. Dabei kommt er auch immer wieder auf seine Eltern zurück, denen er vorwirft ihn selbst in jüdischer Kleinkariertheit erzogen zu haben, die in ihm ein lebenslanges gestörtes Verhältnis zu gojim, Nichtjuden, hinterlassen hat. Doch selbst seine verzweifelten Versuche, „schicksen“, also nichtjüdische Frauen zu bekommen, hilft ihm nicht aus seiner Krise und als er dann in einer Kurzschlussreaktion nach Israel fliegt, muss er erst recht eine unangenehme Überraschung erfahren.
Portnoy verknüpft die elterliche Forderung, dass er ein Genie werden müsse mit seinem pubertär nicht gestilltem Verlangen nach immer wieder neuen Frauen und seinem schwelendem Vorurteil als Jude den anderen Menschen untergeordnet zu werden. Was im Erscheinungsjahr des Romans, 1960, Philip Roth nicht nur schlagartig berühmt machte, sondern ihm auch die Vorwürfe einbrachte, er schreibe, obwohl selbst Jude, antisemitisch, ist heute schon ein zeitgeschichtliches Relikt. Die Psychoanalysegläubigkeit der damaligen USA wirkt heute befremdend und die detailliert beschriebenen Sexszenen, die damals so schockten wie jene von Henry Miller, sind heute bestenfalls nur mehr witzig. Die Neurosen Portnoys, die seinem Psychiater ein eigens Syndrom wert sind, werden heute als solche gar nicht mehr wahrgenommen, geschweige denn, dass man deswegen zu einem Psychiater laufen würde.
Weiter aktuell bleibt aber Roths Stil, der in diesem Monolog eine Kapriole nach der anderen schlägt, Kapitel beginnt, um ins Tausendste abzuschweifen um schließlich wieder zum Ausgangspunkt zurückzufinden. Und die Beschreibungen in denen Portnoy plötzlich nachdenklich wird und ins Genaueste sein Menschwerden beschreibt, enthalten so viel Stimmung und Gefühl, dass sie unabhängig von der Zeit in der sie geschrieben worden sind bestehen bleiben.
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2 von 2 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
4.0 von 5 Sternen Suada, 29. Dezember 2007
Rezension bezieht sich auf: Portnoys Beschwerden. Roman (Taschenbuch)
Gäbe es in der Literatur das Genre Therapeutenroman wäre Philip Roth einer der führenden Vertreter darin. Zwar nicht als Ratgeber oder Heilsbringer, vielmehr als Architekt von Innenansichten, hemmungslosen Selbstäußerungen, Zerfleischung und Suche. Alexander Portney berichtet, und es ist weniger der Analytiker Spielvogel, der ihm zuhört, als der Leser, der fasziniert die Lebensbeichte eines Zerrissenen, sich nirgendwo zugehörig Fühlenden folgt. Dass dieser Roman, der 1974 erschien damals weitaus skandalöser aufgenommen wurde als heute, wo die Sprache angesichts der Wandlung unseres Umgangs mit dem Sex nicht mehr so spektakulär aufgenommen wird, nimmt dem Roman nichts an der Wucht, mit der Roth uns das zu vermitteln sucht, was ihm am Herzen liegt. Portney kann einem Leid tun, ihm ist nicht zu helfen. Weil er sich nicht helfen lassen will. Ohne sein wortreiches Rasen ist der Mann nicht vorstellbar. Er würde sich ohne sicher nur noch mehr hassen. Also schreit er sich lieber in die Welt hinaus und bringt sich in Situationen, deren Scheitern vorhersehbar sind, um dort die Bestätigung zu finden, die er als gegeben ansieht. In späteren Romanen wird Roth seine Helden erzählerisch mehr einbinden, ihnen ein alltäglicheres Umfeld geben. In Portneys Beschwerden liegt eher ein Rohentwurf vor. „Noch ein Witz?“, wird Portney an einer Stelle gefragt und er antwortet: "Und noch einer. Und noch einer. Wozu mein Leben verleugnen?" Genau darum geht es bei Roth: Warum soll man soll man sein Leben verleugnen? Tauchen wir es doch lieber in Worte.
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7 von 8 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
5.0 von 5 Sternen Unglaublich rasantes Feuerwerk, 8. Februar 2002
Rezension bezieht sich auf: Portnoys Beschwerden. Roman (Taschenbuch)
Das ganze Buch ist ein einziger zutiefst amüsanter Redeschwall des Autors an den Leser. Man meint oftmals Luft schnappen und um ein langsameres Tempo bitten zu müssen, aber Roth ist nicht zu bremsen und schäumt nur so über vor Mitteilungsbedürfnis. Worum es geht? Um Sex, Judentum, (Ödipus-) Komplexe, Kindeit und Erwachsenwerden (sofern das möglich ist). Nach der letzten Seite atmet man tief durch aber freut sich über die gemachte Reise. Absolut lohnenswert!
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5 von 6 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
4.0 von 5 Sternen POLITISCHE EREKTION, 29. Dezember 2009
Rezension bezieht sich auf: Portnoys Beschwerden. Roman (Taschenbuch)
Wer zweimal mit der selben pennt
gehört schon zum Establishment.
68er Spruchweisheit

Ende der 60er Jahre, als nur der politische Anspruch noch großmächtiger war als der sexuelle - mancher wollte sogar, mit der sexuellen und der politischen Revolution, beide Sachen zugleich erledigen - ist Philip Roths Roman "Portnoys Beschwerden" erstmalig erschienen. Der arme Alexander Portnoy beschwert sich in einer nicht enden wollenden Beichte bei seinem Psychiater über sich selbst: Wie er von Möse zu Möse eilt, immer mit dem selben Ziel und dem selben schlechten Gewissen. Denn eigentlich, das weiß der kleine Alex - aufgewachsen in einer ordentlichen, jüdischen Familie - der im großen Alex sitzt, bumst man nicht ständig rum, man gründet eine Familie, spielt Vormittags Softball, isst einen herzhaften Eintopf, um dann gemeinsam Radio zu hören. So weit, so orthodox, so beschwerlich.

Natürlich war der lauthalse Anspruch kaum etwas Anderes als eine Reaktion auf reaktionäre Verhältnisse gewesen: Da duckten sie sich in den jüdischen Milieus am Rande der großen Städte der USA, wie auch in den katholisch-evangenlischen Familien in allerlei angeblich entwickelten Ländern. Da mussten vor und nach dem Essen die Hände gewaschen werden und natürlich sollten sie auch oberhalb der Bettdecke bleiben, wußte man doch von drohendem Rückmarks-Schwund und dem Verfall des Vaterlandes im Falle der Onanie. Nur ein braves Kind war ein gutes Kind und die Atombombe, so Portnoys Vater, könnte ihm vielleicht gegen seine ständige Verstopfung helfen. Nie wieder würde so viel falsche Zukunft den Alltag prägen wie in den Fünfzigern. In diesem Umfeld gelesen sind "Portnoys Beschwerden" als Provokation gegen den Mief jener Zeit zu begreifen, ein Aufstand gegen das große Tabu, das heute längst von der Porno-Industrie aufgesogen, kommerzialisiert und kanalisiert worden ist.

Anders als bei manchem, der damals die Revolution nur mit drei "R" aussprechen mochte, der von der Provokation nahtlos in die dauerhafte Selbstbespiegelung gelangte, war dem literarischen Aufbruch des Schriftstellers Philip Roth von Beginn an eine scharfe soziale Analyse zu eigen, die in späteren Werken, wie "Der Menschliche Makel" oder "Empörung" eine kräftige politische Erektion zur Folge hatte: Nie platt, nie vordergründig und immer wieder eingebettet in das amerikanische Kleinbürgertum, seine Riten und seinen Glauben an eine USA, die es nie oder nur selten gab. In "Empörung" taucht, fast vierzig Jahre nach dem Erstlingserfolg "Portnoys Beschwerden", erneut ein Fragment aus der chinesischen Nationalhymne auf: "Steht auf! Ihr, die ihr nicht Sklaven sein wollt". Das beschwörende Zitat - Ergebnis eines kurzen Bündnisses der USA mit dem revolutionären China gegen das faschistische Japan, das in den amerikanischen Grundschulen zu einem Aufsage-Vers geführt hatte - bleibt dem Schriftsteller Teil seines Bekenntnisses, fernab vom Glauben an was auch immer.

What's left? Was ist geblieben vom Enthusiasmus einer Zeit, die den Einzelnen zu Entscheidungen aller Art forderte: Gehörst Du zu denen, die mit dem Strom schwimmen oder nimmst Du Deinen Löffel in die Hand, um den Sumpf aus falschem Pathos, Geschäft und Bigotterie trocken zu legen? Die meisten haben den Löffel aus der Hand gelegt, sich an Pathos und Geschäft beteiligt und schwelgen abends, bei einem vorzüglichen Trebbiano, von damals, als man gerne mal blasphemisch war: "Die beten einen Juden an", lässt Roth den Vater von Portnoy verächtlich über die christliche Mehrheit sagen und gibt so die Sicht auf den allgemeinen religiösen Unsinn frei. Die Distanz zur Religion ist heute Alltag, wenn man nicht gerade dringlich Buddhist geworden ist. Die Emanzipation von Formenzwang und Glaubensgewissheit scheint gelungen. Erhalten ist auch der halbwegs unverklemmte Umgang mit allerlei Geschlechtern. Doch vom damals eingeforderten aufrechten Gang scheint nur die Erektion geblieben.

Immer noch liegt in der Abweichung von der Norm, im Zweifel an der Gültigkeit des gesellschaftlichen Konsens, die Möglichkeit der Veränderung, der Besserung, erzählt uns "Portnoys Beschwerden" bis heute. Und, lange nach dem Entstehen des Buches, gibt seine Neuauflage auch die große Möglichkeit, das Was und Wie der Abweichung auf seinen Gehalt abzuklopfen: Wo im Neuen das Bessere entsteht und wo es nur die Karikatur des Alten ist.
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9 von 11 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
5.0 von 5 Sternen Beste Unterhaltung im Herbst, 12. Oktober 2002
Rezension bezieht sich auf: Portnoys Beschwerden. Roman (Taschenbuch)
Wer nun, da die Tage wieder kürzer und das Wetter wieder schlechter wird, ein Wochenende daheim verbringt und sich auf beste Art und Weise von einem Buch amüsieren lassen will, der soll sich schleunigst diesen Roth besorgen.
Der Einfallsreichtum und die Komik des Autors kennen keine
(Scham)grenze.
Obwohl die Handlung sich erst einmal ganz und gar nicht komisch anhört. Alexander Portnoy liegt auf der Couch und erzählt seinem Psychiater seine (sexuelle) Biographie. Doch daraus entfaltet sich die scheinbar grenzenlose Phantasie und die ebenfalls rieseige Schreibfreude des Autors.
Lasst Euch mitreissen von diesem irrsinnig komischen Buch!!
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3 von 4 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
5.0 von 5 Sternen Wer Roth lesen will, sollte damit anfangen..., 13. September 2008
Rezension bezieht sich auf: Portnoys Beschwerden. Roman (Taschenbuch)
Nachdem ich als erstes von Roths Büchern den Portnoy 1975 gelesen hatte - und nicht wusste, ob ich mehr lachen oder weinen (oder beides) sollte -, hab ich natürlich alle anderen (außer "Täuschung" (merke ich gerade)) gelesen und war das eine Mal sehr, einmal etwas weniger angetan. Lesenswert sind sie übrigens meines Erachtens alle.
Festgestellt habe ich aber(für mich), dass Portnoy DAS Werk des Autors schlechthin ist, in dem schon alles der späteren Bücher zumindest angedacht und - anders also dort in teilweise ausgesprochen epischer Breite - sehr komprimiert dargestellt ist.

Ich stimme einer der vorhandenen Rezensionen insofern zu, als das Buch zum Schluss (spätestens Israel) deutlich nachlässt; ich habe den Eindruck, dass im letzen Viertel verkopft nach weiteren Pointen gesucht wird, während sich diese in den ersten drei Vierteln wie von selbst aus dem Bauch des Autors ergeben. Aber egal: Auch wenn mich weder dieses letze Viertel besonders anmacht (und die doch recht billige Schlusspointe schon gar nicht): Der Rest ist fürmich nicht nur "urkomisch" (das auch), sondern einfach "bewegend", weil sich jeder (so meine Erfahrung bzgl. all derer, denen ich das Buch inzwischen geschenkt habe) ohne weiteres - nicht generell - aber immer und immer wieder selbst sehen kann. Völlig unabhängig davon, ob er in den USA vor fast einem halben Jahrundert oder später in Europa aufgewachsen ist; als Jude Christ oder was auch immer.
Irgendein Rezensent hat mal geschrieben: "Ein zutieft menschlicher Roman". Wenn man menschlich richtig versteht: Genau!!
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2 von 3 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
5.0 von 5 Sternen Es schreibt der kreative Lehrer, 17. November 2008
Von 
Klaus Grunenberg (97447 Gerolzhofen, Bayern) - Alle meine Rezensionen ansehen
(VINE®-PRODUKTTESTER)    (REAL NAME)   
Verifizierter Kauf(Was ist das?)
Rezension bezieht sich auf: Portnoys Beschwerden. Roman (Taschenbuch)
Philip Roth kann schreiben und in diesem frühen Werk zeigt er die ganze Breite seiner Kunst. Und nicht nur, dass er als Dozent für kreatives Schreiben dafür prädestiniert wäre, nein hier entstand etwas, das man ruhig als Weltkultur schon bezeichnen könnte. Was soll denn da noch nachkommen?
Gut, man hat vielleicht Henry Miller im Kopf, wenn man oberflächlich dahinliest. Und doch scheint etwas durch, was an Symbolismus erinnert, an wirklich hohe Literatur und man wartet nur noch, dass der lyrische Geist weht. Aber der weht ja. Der weht und weht und trotz Erinnerungen, trotz Auflehnung schimmert immer auch das hindurch, was beruhigt, nämlich die Liebe zur Kultur der Menschen. Damit ist Lebendigkeit gemeint, Aufbruch, Freude und Leben.
Gegen den Tod schreibt er, so scheint es.Philip Roth ist ein wahrer und potentieller Nobelpreisaspirant. Alexander Portnoys Beschwerden sind ein Lobgesang auf das Leben.
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Portnoys Beschwerden. Roman
Portnoys Beschwerden. Roman von Philip Roth (Taschenbuch - 14. Juni 1974)
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