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35 von 36 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
4.0 von 5 Sternen DER Tatsachenroman
Kaltblütig, wahrscheinlich besser bekannt als „In Cold Blood“, ist Capote selbsternannte Neuerfindung eines noch nicht existenten Genres: des Tatsachenromans. Ohne große Umschweife erklärte der New Yorker Exzentriker Kaltblütig zum gleichzeitigen Anfang und Höhepunkt des Genres, und das nicht unbegründet...
Veröffentlicht am 13. Dezember 2006 von Robert Kopitsch

versus
2 von 2 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
3.0 von 5 Sternen Fataler Irrtum
Als Truman Capote sich 1959 für den Fall der ermordeten Familie Clutter zu interessieren begann, ahnte er sicherlich nicht, dass er, der New Yorker, mehr als ein halbes Jahr in einem kleinen Ort in Kansas zubringen würde, um die Hintergründe des Verbrechens zu recherchieren (und weitere fünf Jahre, um sein Buch abzuschließen) und, nachdem die...
Vor 3 Monaten von MissVega veröffentlicht


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35 von 36 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
4.0 von 5 Sternen DER Tatsachenroman, 13. Dezember 2006
Rezension bezieht sich auf: Kaltblütig: Wahrheitsgemäßer Bericht über einen mehrfachen Mord und seine Folgen (Taschenbuch)
Kaltblütig, wahrscheinlich besser bekannt als „In Cold Blood“, ist Capote selbsternannte Neuerfindung eines noch nicht existenten Genres: des Tatsachenromans. Ohne große Umschweife erklärte der New Yorker Exzentriker Kaltblütig zum gleichzeitigen Anfang und Höhepunkt des Genres, und das nicht unbegründet.

Kaltblütig, einem reportagenhaften Erzählstil verbunden, ist der erste Roman Capotes der eine nichtfiktive Begebenheit, den Mord an einer Farmerfamilie in Westkansas, als Thema hat und gleichzeitig nicht fiktional nacherzählt. Quasi ein Roman über eine wahre Begebenheit in wahrheitsgetreuem Gewand. Klingt jetzt banal, fad und eintönig. Doch Capote schafft es mit seinem Erzählstil und der Pedanterie seines Genies den Leser an das Thema zu fesseln und ihn nicht mehr loszulassen.

Zugegeben das Buch hat seine Längen, Details die abstoßen (müssen) und Dialoge die nicht viel zur eigentlichen Handlung beitragen, dennoch, es steckt soviel Liebe zum Detail in diesem Werk, dass man immer weiter in diesen schwarzen Abgrund hinabgesogen wird. Das schlimmste daran, man lebt gelebte Wirklichkeit. Jede Person die in Kaltblütig vorkommt hat tatsächlich existiert, jede Floskel wurde gesprochen und jede Tat wirklich begangen. Diese Spitzfindigkeiten heben Kaltblütig von anderen Roman ab, sie verleihen dem Werk eine merkwürdige, teils morbide, teils makabre Note, doch genau das macht diesen Roman so groß, seine Nähe zur Wirklichkeit.

Trotz allem stellt sich die Frage ob man tatsächlich Interesse an einem Mord in Kansas hat, samt der Details und anderer Kleinigkeiten. Literaturgeschichtlich war es ein Meilenstein, als Buch, als lebendiges Werk bleibt es trotz des lebensnahen Themas trocken. Dennoch Lesenwert!
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20 von 21 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
4.0 von 5 Sternen Erschreckende, gut erzählte True-Crime-Story!, 4. Juni 2007
Rezension bezieht sich auf: Kaltblütig: Wahrheitsgemäßer Bericht über einen mehrfachen Mord und seine Folgen (Taschenbuch)
Capotes "Kaltblütig" beleuchtet ein (tatsächlich geschehenes!) höchst grausames Verbrechen von allen Seiten, seine Vorgeschichte, seinen Hergang, sein Umfeld sowie seine Folgen, und schafft es, dabei nicht nur die Opfer, sondern auch die Täter als Menschen darzustellen, nicht als animalische Bestien, sondern als menschliche Wesen mit Vergangenheit, Persönlichkeit und Gefühlswelt.

Capote erzählt zunächst die Vorgeschichte des Mordes, beleuchtet in sich abwechselnden Episoden Leben und Persönlichkeit der Opfer und auch der Täter. Darauf folgen Schilderungen der Entdeckung der Tat und der Reaktionen darauf, der Flucht der Täter quer durch die Staaten und Mexiko und der polizeilichen Ermittlungen um den Mordfall. Capote läßt den Leser bis hierhin über Hergang und Motive der Tat ebenso im Dunkeln, wie es die tatsächlich ermittelnden Beamten waren - und steigert somit im Verlauf des Berichts eine unglaubliche Spannung. Schließlich folgen Festnahme und Geständnis der Täter und das Entsetzen über die völlige Sinnlosigkeit und Emotionslosigkeit der nun aufgeklärten Tat; um dann auf den letzten Seiten des Buches die Mörder und ihre menschlichen Tragödien auf ihrem Weg vor Gericht, in den Todestrakt und schließlich an den Strang zu begleiten...

Capote schafft in seinem Buch eine verstörende Mischung aus ambivalenten Gefühlen: Verständnis und Mitleid für die Opfer WIE für die Täter - und dabei unternimmt Capote nie den Versuch, die Täter zu rechtfertigen oder gar zu entschuldigen, nicht durch ihre schwere Kindheit und Jugend, nicht durch ihnen Widerfahrenes.

Anzuerkennen, daß auch die grausamsten Verbrecher "nur" Menschen sind, Menschen mit Fähigkeiten und Talenten, mit Freuden und Ängsten, macht ein Verbrechen noch schwerer zu begreifen und fast abscheulicher, da es einem die Möglichkeit der Abstraktion nimmt. Doch gleichzeitig, gerade WEIL es sich um Menschen handelt, steht die Frage im Raum, ob eine staatliche Hinrichtung, die staatliche Vernichtung menschlichen Lebens, der richtige Weg ist, ein Verbrechen zu sühnen.

Ein sehr spannendes, auch sehr gut und packend geschriebenes Buch, das zu lesen sich wirklich lohnt!
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27 von 29 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
5.0 von 5 Sternen Hervorragend!, 5. Mai 2006
Von 
Rezension bezieht sich auf: Kaltblütig: Wahrheitsgemäßer Bericht über einen mehrfachen Mord und seine Folgen (Taschenbuch)
Das erste, was mir an dem Buch aufgefallen ist, war die Tatsache, dass ich, kaum hatte ich begonnen zu lesen, schon auf Seite 40 war. Und da wusste ich dann, dass dieses Buch mich gepackt hat.

Kaltblütig lebt von seinem Inhalt und den prägenden Charakteren. Dieser Inhalt ist durch eine umwerfende Intensität gekennzeichnet. Er ist ein Dokument eines Teils amerikanischer Kultur, was nicht zuletzt an der Flucht und Lebensgeschichte der Täter liegt, welche durch die USA von Alaska nach Mexiko-City zieht. Es ist zugleich die so überraschend alltägliche Kultur von Häftlingen und ihrem Umfeld. Ich konnte und wollte mich auch gar nicht dagegen wehren Perry Smith (einen der Mörder) ins Herz zu schließen (wobei die Frage ist, ob ein tatsächliches Begegnen ähnliches bewirken würde, denn das beschriebene Verbrechen würde ich, hätte ich das Buch nicht gelesen, als unbeschreiblich bezeichnen.) Ich hätte nicht gedacht, dass es so fleißige Menschen gibt wie Nancy und Herb Clutter (die ermordet werden)...jeder Charakter entsteht aus dem richtigen Verhältnis von Detail und großzügigen Strichen. Völlig unaufgeregt und unreflektiert im besten Sinne des Wortes, nämlich in der das die Realität bearbeitet wird, und zu einem nicht weiter kommentierten Bild entsteht, nutzt und schafft Capote Psychologie. Sein Stil ist immer rein und großartig. So stört auch keiner der Zeitsprünge.

Ich möchte das Buch ein Meisterwerk nennen und zum Lesen unbedingt empfehlen.
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24 von 26 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
5.0 von 5 Sternen Anantomie eines Mordes, 11. Oktober 2002
Rezension bezieht sich auf: Kaltblütig: Wahrheitsgemäßer Bericht über einen mehrfachen Mord und seine Folgen (Taschenbuch)
Im Jahre 1959 wird in einer kleinen ländlichen Gemeinde irgendwo in West-Kansas eine wohlhabende Familie grausam ermordet - doch im Haus fehlt nichts an Wert. Die Tat ist allen Bewohnern des Countys einschließlich der Polizei ein Rätsel. In seinem auf Tatsachen beruhenden Roman rekonstruiert Capote die vollständige Geschichte eines Verbrechens mit all ihren Gesichtern: Das Entsetzen im Dorf, die Ermittlungen der Polizei, das Schicksal der Mörder... Besonderen Raum nimmt dabei die persönliche Geschichte der Mörder ein. Der Leser begleitet die Täter in den Tagen vor der Tat und später auf der Flucht, lernt ihre Vergangenheit und die merkwürdige Freundschaft zwischen ihnen kennen. Indem Capote ein detailliertes Psychogramm der Mörder entwirft, ermöglicht er es dem Leser nachzuvollziehen, wie es zu der furchtbaren Tat kam.
Die Geschichte ist in einfachem Stil erzählt; um den Leser an die Ereignisse zu fesseln, benötigt der Autor weder Wortgewalt noch reisserische Szenen. Das Enträtseln der Motive der Täter, die Frage nach dem Warum, ist um vieles spannender als es die blosse Suche nach dem Mörder sein könnte.
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13 von 14 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
4.0 von 5 Sternen Faszinierende Nacherzählung eines Mordes und seiner Folgen, 17. Juli 1999
Von Ein Kunde
Rezension bezieht sich auf: Kaltblütig: Wahrheitsgemäßer Bericht über einen mehrfachen Mord und seine Folgen (Taschenbuch)
Truman Capote erhob für sich in Anspruch, den ersten sogenannten Tatsachen- oder Non-Ficiton-Roman geschrieben zu haben: "Kaltblütig" entstand nach vielfältigen Recherchen des Autors, an deren Beginn ein unverständlicher, grotesk wirkender Mord an einer unauffälligen amerikanischen Mittelschichtsfamilie steht. "Kaltblütig" ist der Bericht des Weges, den der Autor geht, die Gründe dieses Verbrechens zu erforschen, die Gründe in den Personen der beiden Täter zu finden, zu analysieren und den Versuch zu unternehmen, dem Leser das Innere der zwei Mörder auf neutrale, nicht wertende Weise näherzubringen. Capote gelingt es, mit den Tätern in Kontakt zu treten und ihr Vertrauen zu gewinnen. So wird es ihm möglich, den Gang des Verbrechens aus Sicht der Täter nachzuvollziehen und ihren Umgang mit dem Geschehen, nachdem sie verhaftet wurden, in Worte zu fassen. "Kaltblütig" ist ein beeindruckender Roman, der nicht zuletzt dadurch gewinnt, daß er eben auf Tatsachen beruht und, so man dem Autor Glauben schenkt, ohne Unwahres hinzugedichtet zu haben, eine spannende, fesselnde, analytische Reportage eines Verbrechens und der anschießenden Strafe der Täter darstellt. Faszinierend ist der Umstand, daß man als Leser, trotzdem man der Grausamkeit und Sinnlosigkeit des Mordes an der vierköpfigen Familie gewahr ist, geneigt ist, Mitgefühl auch zu den Tätern zu entwickeln. So wird dieser Roman schließlich noch zu einer besonderen Art der Auseinandersetzung mit der Todesstrafe und deren Rechtfertigung und Sinn. Eine Roman-Reportage, die glücklicherweise ohne Bilder auskommt, aber mit viel rationaler, aber trotzdem ergreifender Sprache eine ganz andere Form des Erzählens und des Kriminalistischen entwickelt. (Dies ist eine Amazon.de an der Uni-Studentenrezension.)
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5 von 5 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
5.0 von 5 Sternen Außergewöhnlich, 22. August 2010
Rezension bezieht sich auf: Kaltblütig: Wahrheitsgemäßer Bericht über einen mehrfachen Mord und seine Folgen (Taschenbuch)
Ich habe noch nie ein Buch gelesen, das mit Kaltblütig zu vergleichen wäre. Ein distanzierter Tatsachenroman eines schrecklichen Mordes. Dennoch hat es mich mehr erschreckt als alle Thriller, die ich bisher gelesen habe. Die Distanziertheit des Erzählers macht dieses Buch so gut. Ohne jede Wertung wird man über die Vorgänge im Zusammenhang mit einem Vierfach-Mord "informiert". Wie diese Tatsachen einzuschätzen sind, bleibt jedem Leser selbst überlassen. Das Portrait der zwei Täter das dabei entsteht, ist das Erschreckende an dieser Erzählung. Der Mord selbst, ihre Aussagen und ihr Verhalten wird so abgeklärt erzählt, dass es einem selbst überlassen ist, das Schreckliche in der Tat und im Verhalten der Mörder zu erkennen. Kaltblütig ist genau der richtige Titel für dieses Buch. Sowohl die Tat selbst, als auch die Erzählweise sind kaltblütig. Capote schreibt hervorragend! Unbedingt lesen!
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20 von 22 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
5.0 von 5 Sternen meisterhaft, 10. Oktober 2002
Rezension bezieht sich auf: Kaltblütig: Wahrheitsgemäßer Bericht über einen mehrfachen Mord und seine Folgen (Taschenbuch)
Ein Buch über eine Familie, die getötet wird. Ein Buch über die Jagd auf zwei Mörder. Ein Buch über Mörder. Und ein Buch über die Monstren in uns selbst. Wenn man dieses Buch liest, bekommt man beinahe Mitleid mit den an sich so verabscheuungswürdigen, psychopathischen Mördern Perry Smith und Dick Hickock. Nicht etwa weil sie so lieb und nett wären, sondern weil Capote uns mit ihnen bekannter macht, als wir es mit unseren besten Freunden sind. Ein Buch, meisterhaft von Anfang bis Ende, ein Muß für jeden.
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13 von 15 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
5.0 von 5 Sternen Genial oder sensationssüchtig??, 28. März 2006
Am 15. November 1959 drangen Perry Smith und Dick Hickock in das Haus der Familie Clutter in einem kleinen Haus in Kansas ein. Nachdem sie Vater Herbert, Mutter Bonnie und die beiden Kinder Nancy und Kenyon gefesselt haben, durchsuchen sie das Haus nach Bargeld. Frustiert durch die erfolglose Suche, schneidet Perry Herbert die Kehle durch und tötet ihn mit einem Gewehr durch einen Schuss in den Kopf. Danach ermordet er den Rest der Familie. Ihre Beute: Zwischen 40 und 50 Dollar.
Truman Capote hat über mehrere Jahre hinweg die beiden Täter, die ermittelnden Polizisten sowie Familienmitglieder interviewt, um die grausame Tat im Detail zu rekonstruieren. Ergebnis ist eine minituöse Schilderung der Tage vor der Tat aus der Sicht von Hickock und Smith, ihre folgende Odysee durch Amerika und Mexiko, ihr Prozess sowie ihre Hinrichtung am 14. April 1965. Dabei versucht Capote die Frage zu beantworten, wie zwei überdurchschnittlich intelligente junge Männer zu amoralischen Killern ohne jedwedes Mitfühlungsvermögen wrden konnten. Er beschäftigt sich eingehend mit der einsamen und lieblosen Kindheit der Täter, ohne diese jedoch als Rechtfertigung für die Tat zu nehmen.
Das besondere an "Kaltblütig" ist, dass Capote das Ergebnis seiner jahrelangen Recherchearbeit in einer klaren und gleichzeitig doch poetischen Sprache darstellt. Somit entstand kein um Objektivität bemühter Tatsachenbericht, sondern eine emotionalisierende Mischung aus Wahrheit und Fiktion, die noch heute das Publikum spaltet. Handelt es sich bei "Kaltblütig" um eine geniale Analyse einer brutalen Tat, oder um einen sensationsgeilen Roman eines publikumssüchtigen Egoisten? Die Entscheidung muss der Leser treffen.
Wer mehr über die Arbeit Capotes an "Kaltblütig" erfahren will, sollte sich den Film "Capote" nicht entgehen lassen, für den Philip Seymour Hoffman dieses Jahr den Oskar erhielt. Der Film konzentriert sich auf die Beziehung zwischen Truman Capote und den beiden Tätern.
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2 von 2 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
3.0 von 5 Sternen Fataler Irrtum, 4. September 2014
Rezension bezieht sich auf: Kaltblütig: Wahrheitsgemäßer Bericht über einen mehrfachen Mord und seine Folgen (Taschenbuch)
Als Truman Capote sich 1959 für den Fall der ermordeten Familie Clutter zu interessieren begann, ahnte er sicherlich nicht, dass er, der New Yorker, mehr als ein halbes Jahr in einem kleinen Ort in Kansas zubringen würde, um die Hintergründe des Verbrechens zu recherchieren (und weitere fünf Jahre, um sein Buch abzuschließen) und, nachdem die Täter gefasst waren, mehr als 100 Gefängnisbesuche absolvieren würde, um die beiden Mörder zu interviewen. Sicherlich ahnte er auch nicht, wie sehr die Hinrichtung (der er beiwohnte) ein paar Jahre später, 1965, ihn mitnehmen und sein ganzes restliches Leben (er starb knapp 20 Jahre später 1984 an einer Überdosis Tabletten) beeinflussen würde. Truman tauchte tief ein in den Ort Holcomb und seine Bewohner, er interviewte nahezu jeden, der irgendetwas mit der Familie Clutter zu tun hatte und war so in der Lage, ein sehr differenziertes Bild dieser Familie zu zeichnen. Wesentlich intensiver aber beschäftigte er sich mit den beiden Mördern dieser Familie, Perry Edward Smith und Richard Eugene Hickock. Gebannt verfolgte er die Jagd auf die Verbrecher, die sechs Wochen nach ihrer grausamen Tat, am 30. Dezember 1959, festgenommen wurden. Anschließend setzte er sich intensiv mit deren Leben und Werdegang auseinander, wobei er eine besonders starke Beziehung zu Perry Smith einging. Zunächst jedoch dazu, worum es in dem Buch überhaupt geht:

In der Nacht zum 15. November 1959 wurde die wohlhabende Farmer-Familie Clutter in ihrem Haus ermordet. Die Täter erschossen nacheinander Herb Clutter (48), seinen Sohn Kenyon (15), seine Tochter Nancy (16) und seine Frau Bonnie (45) und entkamen mit einer Beute von nicht einmal 40 Dollar sowie diversen Gebrauchsgegenständen (Radio, Fernglas). Sechs Wochen waren die bis dahin mit Scheckbetrügereien und anderen, eher kleineren Vergehen vertrauten Mörder Richard "Dick" Hickock (28) und Perry Smith (31) auf der Flucht quer durch Amerika und Mexiko, bis sie einen Tag vor Silvester, am 30. Dezember 1959, in Las Vegas festgenommen werden konnten. Sie wurden nach ihrem Prozess im März 1960 beide zum Tode verteilt, konnten aber in den kommenden Jahren noch einige Aufschübe ihres Ganges zum Galgen erwirken, ehe sie in der Nacht zum 14. April 1965 in Lansing, Michigan beide gehängt wurden.

Capotes Buch war eine Sensation, war er doch einer der Ersten, der einen so genannten Tatsachenroman verfasst und so einen realistischen Gegenentwurf zur bis dahin bekannten fiktiven Literatur geschaffen hat. "Kaltblütig" ist die nahezu minutengenaue Aufarbeitung eines vollkommen sinnlosen, grausamen und nicht nachvollziehbaren Verbrechens, vor allem, wenn man die Umstände bedenkt, die zum Tod fast einer ganzen Familie geführt haben (die Clutters hatten noch zwei ältere Töchter, die nicht mehr zu Hause wohnten). Der Überfall auf die Clutters geschah aufgrund von Hörensagen, von Vermutungen und Annahmen, die sich schlussendlich als falsch herausstellen sollten. Hickcock und Smith vermuteten bei dem wohlhabenden Farmer große Geldmengen, wussten allerdings nicht, dass Herb Clutter dafür bekannt war, nie Bargeld im Haus zu haben, geschweige denn den vermuteten Safe mit über 10.000 Dollar. Dennoch waren sie sich von Anfang an darüber einig, keine Zeugen zu hinterlassen, so dass das Schicksal der Clutters in jedem Fall besiegelt gewesen war.

Capote nimmt sich sehr viel Zeit, die Clutters selbst und deren Leben en Detail vor dem Leser auszubreiten. Knapp 100 Seiten gehen nur für die Schilderungen des Lebens der Familie drauf, diese werden nur kurz von einigen Einschüben um Smith und Hickock unterbrochen, die sich Schritt für Schritt auf die Tat vorbereiten und sich den Clutters immer weiter nähern. Dann kommt es zur Tat, die aber erst zu einem späteren Zeitpunkt, nach dem die Geständnisse der Mörder vorliegen, von Capote genau geschildert wird. Die restlichen Romanseiten handeln abwechselnd von der Flucht der Täter nach Mexiko und quer durch die USA und den eingeleiteten Ermittlungen zur Ergreifung der Täter. Das Buch endet mit der Beschreibung des Prozesses und der verbleibenden Haftzeit von Hickock und Smith, bis diese über fünf Jahre nach den Morden gehängt werden.

"Kaltblütig" ist ein oft sehr verstörendes, erschreckendes Buch. Capote hat sich so tief in die Seelen der Mörder gegraben und so viel Grausames dabei herausgefunden, dass man immer wieder fassungslos ist, wie leichtfertig Hickock und Smith mit Menschenleben umgehen, dass diese nahezu keinen Wert für sie haben und sie so dem Romantitel wirklich gerecht werden. Doch Capote war so besessen von einer akkuraten, objektiven Darstellung aller Beteiligten, dass er uns auch die Schicksalsschläge und schlimmen Kindheiten der Täter nicht vorenthält. Das macht ihre Taten nicht weniger schlimm, aber um Einiges nachvollziehbarer. Man lernt sowohl Hickock als auch Smith einerseits als gefühlskalte, egoistische, selbstmitleidige und arrogante Verbrecher kennen, andererseits aber auch als empfindsam, einsam und verzweifelt. Dennoch, was bleibt ist ein Gefühl von Abscheu und Unverständnis für die Täter, deren Verbrechen so unfassbar sinnlos und übertrieben war, dass man diese Ungerechtigkeit kaum ertragen kann, die diesen vier unschuldigen Menschen widerfahren ist und sie das Leben gekostet hat.

So verstörend, authentisch und fabelhaft recherchiert "Kaltblütig" auch ist, hat Capote es hier doch an vielen Stellen maßlos übertrieben mit seiner Detailverliebtheit und seiner an Besessenheit grenzenden Genauigkeit, wirklich jeden entweder zu Wort kommen zu lassen oder exzessiv zu beschreiben. Er kommt hier vom Hundertsten ins Tausendste, lässt Postbeamte, Restaurantbesitzer, Farmarbeiter, entfernte Verwandte, nahezu jeden aus dem Städtchen Holcomb zu Wort kommen, wodurch "Kaltblütig" ein zähes, und oft sehr beliebiges Werk wird. Dann schießt Capote sich auf die Ermittler ein, beschreibt auch hier deren Familienleben und sonstige, vollkommen nebensächliche Details. Ebenso ergeht es einem mit den Tätern, man hat das Gefühl, dass Capote hier wirklich jeden Gedanken zu Papier gebracht hat, den Smith oder Hickock ihm gegenüber geäußert haben. Dazu beschreibt er dann auch noch die Lebensgeschichten oder Verbrecherkarrieren von Mithäftlingen der beiden Täter und ich-weiß-nicht-wem-noch, der direkt, indirekt oder überhaupt nichts mit der eigentlichen Geschichte zu tun hat. Das ist auf Dauer sehr ermüdend und zieht den an sich spannenden und beunruhigenden Tatsachenroman unnötig in die Länge. Man wundert sich, dass noch nicht einmal Capotes Lektor es für nötig gehalten hat, den nahezu wahnhaft recherchierenden Autor etwas in seinem Redefluss zu bremsen.

"Kaltblütig" dürfte dennoch, vielleicht sogar bis heute, der genaueste und am besten recherchierte Tatsachenroman über ein Verbrechen, seine Opfer, seine Täter, seine Begleitumstände und seine Auswirkungen auf die Gesellschaft sein, den es gibt. Auf fast 500 Seiten bringt einen Truman Capote so nahe an Opfer und Täter, dass man manchmal verzweifelt nach Distanz zum Geschehen sucht, weil sich Trauer, Fassungslosigkeit und Wut in einem breitmachen. Leider werden diese Emotionen durch Capotes furchtbar ausschweifenden, sich in unzähligen Nebensächlichkeiten verlierenden Erzählstil latent konterkariert, so dass man immer wieder seitenweise querlesen kann, ohne Entscheidendes zu verpassen. Das Buch ist schlicht und ergreifend zu lang geraten, wenn auch sicherlich in bester Absicht. Dafür dann aber eben doch nur noch sehr gute drei von fünf Verbrechen, die man nun aus wirklich allen Blickwinkeln beurteilen kann.
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2 von 2 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
4.0 von 5 Sternen Vorreiter des Tatsachenromans, 27. April 2009
Verifizierter Kauf(Was ist das?)
Rezension bezieht sich auf: Kaltblütig: Wahrheitsgemäßer Bericht über einen mehrfachen Mord und seine Folgen (Taschenbuch)
Schlechthin ein Meisterwerk, dass nicht nur dadurch unter die Haut geht, dass es auf wahren Tatsachen beruht.
In Roman und Berichtform erzählt Truman Capote das Massaker von 1959 an einer der angesehenen Farmerfamilie Clutters in Kansas. Aus dem Leben der einzelnen Familiemitglieder wird bis zu derem Tod berichtet, was beim Leser eine Beziehung zu den Personen herstellt und sich noch mehr in das grausige Schicksal einfühlen lässt. Auch aus der Perspektive einzelner Dorfmitglieder sowie selbstverständlich aus der der zwei psychophatischen Mördern wird berichtet.
Capote hat sich jahrlang mit dem Fall beschäftigt, die beiden Verbrecher interviewt und sie begleitet, dennoch kam es mir beim Lesen des Anfangs, bevor das Verbrechen passiert, so vor, als müsste Capote die Clutters gekannt haben. Voller Intensität beschreibt er ihr Leben, ihre Wünsche und Sorgen. Wie kann er nur so schreiben, ohne mit den Opfern gesprochen zu haben, den als er an dem Buch schrieb, waren sie tot. Das er sich ganz und gar in die Psyche der Mörder eingearbeit hat, steht außer Zweifel.
Ich finde, er lässt seine eigene Meinung zur Todesstrafe zwar leicht mit einfließen, versucht dies aber wieder zu kompensieren, indem er immer die Kehrseite zeigt.
Kein Wunder, dass dieses Buch in amerikanischen Schulen behandelt wurde, in einem Land, in dem man ohne weiteres an Waffen kommt. Es in unseren Schulen einzuführen, wäre vielleicht auch einmal einen Gedanken wert.
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