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29 von 34 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
5.0 von 5 Sternen
Einer der intelligentesten Krimis aller Zeiten,
Von
Rezension bezieht sich auf: Der Richter und sein Henker. (Taschenbuch)
Oh, wie ich diese Pflichtlektüren im Gymnasium gehasst hatte. "Der Schimmelreiter", "Unterm Birnbaum", "Aus dem Leben eines Taugenichts". Mir wurde jedesmal schlecht, wenn der Deutschlehrer mit einem neuen Reclam-Büchlein daherkam. Es gab in der ganzen Zeit nur zwei Lektüren, die mich begeistern konnten. Die eine war "Wilhelm Tell" und die andere "Der Richter und sein Henker". Allerdings muss ich zu meiner Schande zugeben, dass ich damals nicht richtig kapiert habe, wie genial Kommissar Bärlach den Fall gelöst hatte und konnte mir nur eine gute Note erschleichen, in dem ich das Thema wählte: "Charakterisieren Sie die Figur Bärlachs". Auch die vielen eidgenössischen Redewendungen und Ausdrücke vereinfachten das Lesen nicht gerade. Letzte Woche bei einer Altpapiersammlung viel mir dann besagtes Bändchen wieder in die Hände, und ich beschloss, noch einen Versuch zu wagen. Fast zwanzig Jahre reifer (?) und den Kopf frei von Gedanken an irgendwelche Jungs dachte ich, es wäre einen Versuch wert, endlich zu begreifen, wie der Richter seinen unfreiwilligen Henker auswählte und dieser schlussendlich auch noch seine gerechte Strafe erfuhr. Alles beginnt damit, dass ein einfacher Dorfpolizist den Polizeileutnant Ulrich Schmied erschossen in seinem Auto in der Twannbachschlucht auf der Strasse von Lamboing, einem Tessenbergdorf in der Schweiz auffindet. Kommissär Bärlach, ein von Magengeschwüren geplagter, alter, erfahrener Kriminaler übernimmt den Fall. Als er entdeckt, dass der Ermordete unter falschem Namen bei einem gewissen Gastmann an dessen Gesellschaften teilnahm, werden ihm plötzlich von seinem Vorgesetzten Dr. Lucius Lutz Steine in den Weg gelegt. Letzterer wurde nämlich von Gastmanns Anwalt informiert, dass in dessen Haus Politik auf höchster Ebene betrieben werde. Künstler (als Vorwand), Politiker und Industrielle (die einen florierenden Waffenhandel betreiben) geben sich bei Gastmann die Hand und wollen bei ihren Geschäften nicht gestört werden. Bärlach stellt sehr schnell fest, dass es sich bei Gastmann um einen alten Bekannten handelt, der als junger Mann, nur einer Wette wegen, einen anderen unschuldigen Menschen kaltblütig ermordet hatte. Seither verfolgte Bärlach diesen Mann, der immer wieder andere Namen annahm, konnte ihm aber nie etwas anlasten. Das Buch hat nur 116 Seiten, und alles, was ich jetzt noch schreiben würde, wäre zuviel verraten. Nur noch soviel sei gesagt: Der perfide Plan, den Bärlach ausheckt, und der schlussendlich nicht nur den Mörder von Ulrich Schmied, sondern auch Gastmann zur Strecke bringt, konnte nur von einem brillianten Verstand, wie ihn Dürrenmatt auch schon in anderen Büchern bewies, ersonnen werden. Spannung auf höchstem Niveau. Helfen Sie anderen Kunden bei der Suche nach den hilfreichsten Rezensionen
7 von 8 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
5.0 von 5 Sternen
Literatur erster Klasse!,
Von
Rezension bezieht sich auf: Der Richter und sein Henker (Taschenbuch)
Auf einer abgelegenen Bergstraße in der Zentralschweiz wird Polizeileutnant Schmied tot aufgefunden - erschossen. Der von schwerer Krankheit gezeichnete Protagonist und Vorgesetzte des Opfers Kommissär Bärlach wird mit der Aufklärung des Falles betraut und spinnt ein imaginäres Netz um den mutmaßlichen Täter, ironischerweise dessen neuen Assistenten, der ihn hierbei auch noch tatkräftig unterstützt und sich selbst, Zug um Zug, die Schlinge um den Hals immer enger zieht, ohne es selbst zu bemerken. Kriminalassistent Tschanz leitet die Ermittlungen im Vordergrund während der Kommissär selbst im Hintergrund die Fäden zieht und ein Katz-und-Maus-Spiel auf höchstem psychologischem Niveau aufzieht. Durch einige kriminalistische Kunstgriffe hofft Kommissär Bärlach nebenbei, doch für ihn in der Hauptsache, eine uralte Rechnung mit seinem jahrzehntelangen Widersacher Gastmann zu begleichen, der vor den Augen des Kommissärs, vor 30 Jahren aufgrund einer Wette der beiden einen Mord begann, der aber bis jetzt aus Mangel an Beweisen ungesühnt blieb. So versucht Bärlach Gastmann für einen Mord zur Rechenschaft zu ziehen, mit dem dieser nichts zu tun hat ...Mit "Kommissär Bärlach" ("Der Verdacht", "Die Katze, die gern Mäuse frisst") erschafft Friedrich Dürrenmatt eine Kriminalfigur, die stark autobiographische Elemente offenbart. Mit schweizerischer Gemütlichkeit, kriminalistischem Scharfsinn und der Gabe Dinge, wenn sie auch noch so weit hergeholt sein mögen in Verbindung zu bringen, meistert er alle Schwierigkeiten auf seine unkonventionelle und für seinen Vorgesetzten unwissenschaftliche Art der Verbrechensbekämpfung. Den Eindruck dass der immer etwas griesgrämige Bärlach nicht alles unter Kontrolle haben könnte kommt erst gar nicht auf. Dem Leser gibt der Autor das Gefühl ein Teil des Kommissärs zu sein, auch wenn sich der Betrachter immer ein Stück in der Ferne befindet. Nachdem man sich in Friedrich Dürrenmatts nicht ganz einfachen, etwas langsamen und manchmal ausufernden Erzählstil "eingelesen" hat, fesselt einen nicht nur die bis zur letzten Zeile spannende Story mit ihrem nicht erwarteten Ausgang; die stark philosophischen Inhalte dieses Werkes regen zum Nachdenken an. So versteht es Dürrenmatt glänzend den Täter zum Opfer werden zu lassen, wobei die Sympathien des Lesers ständig von einer Person zur anderen wechseln. Einzig die allgegenwärtigen Sticheleien gegen seine Heimat Schweiz die so schlecht zu sein scheint wie das Wetter während des ganzen Falles "nerven" etwas. Helfen Sie anderen Kunden bei der Suche nach den hilfreichsten Rezensionen
2 von 2 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
5.0 von 5 Sternen
"Gerechtigkeit ist stets ein Los und nicht eine Tatsache.",
Von Timo Brandt "Ways are, there you go" (Quickborn) - Alle meine Rezensionen ansehen (TOP 100 REZENSENT) (REAL NAME)
Rezension bezieht sich auf: Der Richter und sein Henker. (Taschenbuch)
"Der Schriftsteller lachte. Er sei eben auch eine Art Polizist, sagte er, aber ohne Macht, ohne Staat, ohne Gesetz und ohne Gefängnis hinter sich. Es sei auch -sein- Beruf, den Menschen auf die Finger zu sehen."Auch Kommissar Bärlach, Dürrenmatts seltsamer Kriminalist (der nach diesem Roman nur noch einen Auftritt in Der Verdacht hat) ist "eine Art" Polizist. Doch mehr scheint er ein Teil der schweizerischen Regenlandschaft zu sein, ein Relikt; eine stets nur auf die Entfernung überhaupt greifbare Person. Dürrenmatt hat mit dieser Gestalt sicherlich eines der wenigen Phänomene in der Welt des Kriminalromans geschaffen, doch zugleich auch eines der unnahbarsten dieser Phänomene, und in diesem Wesenszug den Detektiven aus Krimis von Hammett oder Chandler nicht gänzlich unähnlich, wenn auch nicht auf die amerikanisch-beißende Weise, eher mehr auf die triste Art, doch fernab jeder Melancholie. Im Prinzip ein Phänomen, dem man geradezu archäologische Bemühungen entgegenbringen müsste, um es zu verstehen oder ansatzweise zu entschlüsseln. Doch dem Leser kann es ja ruhig verschlossen bleiben. Der Fall mit dem sich Kommissar Bärlach konfrontiert sieht, wäre in Amerika ein "worst case": Der Mord an einem Polizisten. Dieser wird nahe eines kleinen Dorfes erschossen in seinem Wagen aufgefunden, ohne das er dort zu seinem offiziellen polizeilichen Einsatz weilte. Bärlach und der ihm auf Wunsch zugeteilte Kollege Tschanz untersuchen die nähere Umgebung und stoßen bald auf das Haus eines gewissen Gastmann, eines alten Bekannten von Bärlach, mit dem dieser schon ein Leben lang einen Kampf ausfechtet... Das ganze Buch ist schon etwas seltsam und verliert nie den leichten Zug eines Traums oder Alptraums, nie die leicht kafkaesken Züge, welche anscheinend bisher wenigen an dem Buch aufgefallen sind. Zumindest ist Dürrenmatt ein exzellenter Stilist. Die Beschreibungen der Landschaft sind karg, aber bildreich, die Stimmungen knapp, aber präzise und eindringlich. Alles an der Sprache und Darstellung scheint über das eigentliche hinauszuweisen und doch bleibt fast das ganze Buch auf einer einzigen Spur. Am Ende müsste man es, wie man es von einigen Krimis behaupten kann (und das sind wahrlich nicht die schlechtesten!), eigentlich noch ein zweites Mal lesen. Aber einmal reicht vielleicht auch. Ja, einmal sollte man dieses düstere Werk lesen, dass letztlich beides ist, wie ein Vexierbild: Krimi und Antikrimi. Und auf beide Weisen ist es lesenswert. Helfen Sie anderen Kunden bei der Suche nach den hilfreichsten Rezensionen
2 von 2 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
4.0 von 5 Sternen
Recht oder Gerechtigkeit?,
Rezension bezieht sich auf: Der Richter und sein Henker. SZ-Bibliothek Band 42 (Gebundene Ausgabe)
Irgendwo zwischen zwei abgelegenen Jura-Nestern in der Schweiz der 50er Jahre wird ein junger hoffnungsvoller Polizist in seinem Auto erschossen -- als dieser Roman erstmals erschien, sicher ein kaum zu fassender Tatbestand. Dementsprechend komisch liest sich denn auch, wie der biedere Dorfpolizist, der die Leiche fand, nun vorgeht. Erstaunlich nur, dass der zuständige Ermittler in Basel, Kommissar Bärlach, ob solch himmelschreiender Stümperei nicht zu toben beginnt. Es scheint fast, als brauche er gar keine exakte Untersuchung des Tatortes. Und wie sich später herausstellt, braucht er die tatsächlich nicht...Dürrenmatts Kommissar Bärlach gehört nicht zu den strahlenden Helden der Kommissars-Zunft. Ein schwerkranker Misanthrop aus Erfahrung, der im günstigsten Fall noch ein Jahr zu leben hat... Man fragt sich, was so einen dazu bringt, sich an einem Mordfall so festzubeißen, wie er es tut. Denn auch wenn Bärlach den größten Teil der Ermittlungen scheinbar an seinen Untergebenen Tschanz delegiert, so merkt der Leser doch gleich (im Gegensatz zu Tschanz), dass Bärlach sich hier mit Haut und Haar engagiert. Im Laufe der Handlung wird schnell klar, warum Bärlach nicht locker lässt: Es gibt einen Zusammenhang zu einer alten Wette, die er am Anfang seiner Karriere mit einem abenteuernden Vagabunden in einer Kaschemme in Konstantinopel geschlossen hat. Seitdem entwickelte sich sein Wettgegner zum Verbrecher aus Prinzip, während er Karriere machte als Kommissar -- aber ausgerechnet jenem Wettgegner konnte er nie dessen zahlreiche Verbrechen nachweisen. Es geht Bärlach also um Gerechtigkeit -- so scheint es. Und tatsächlich stellt er am Ende auch Gerechtigkeit her, aber nicht so, wie man es sonst bei Krimis erwartet. Eine pessimistischere Pointe kann man sich kaum vorstellen für eine Krimihandlung, obwohl doch jeder bekommt, "was er verdient". Ich empfand "Der Richter und sein Henker" trotz des präzise entwickelten Plots und der stringenten Ermittlung weniger als Krimi, viel eher als Parabel. Dazu trägt sicher bei, dass Dürrenmatt seine Figuren seltsam schemenhaft zeichnet -- sogar Bärlach, der noch am plastischsten von allen erscheint, hat etwas von einem Archetypus. Tendenziell eher Typen als realistische Figuren sind auch die meisten Protagonisten, Bärlachs Vorgesetzter durchaus mit komischen Zügen; am lebendigsten wirkt noch die Charakterisierung ausgerechnet des ermordeten Ulrich Schmied. Und zu einer Parabel auf die Frage, ob Recht und Gerechtigkeit immer dasselbe sind, passt auch die Sprache, in der dieser Krimi geschrieben ist: Kurze lakonische Sätze, direkte Rede, keine inneren Monologe, die dem Leser das Innenleben der Figuren näherbringen. Jede Figur eine Blackbox. Und doch muss ich mir sofort widersprechen: "Der Richter und sein Henker" ist andererseits ein Krimi reinsten Wassers, jedenfalls was seinen Aufbau angeht. Und Bärlach hat von Anfang an einen konkreten Verdacht, erfährt man (allerdings verschweigt er, gegen wen der sich richtet). Wer genau liest, wird bald denselben Verdacht hegen wie Bärlach. Aber als guter Krimi-Autor versteht es Dürrenmatt, dem Leser mehrere viel scheinbar näher liegende Spuren zu präsentieren -- das A und O eines jeden echten Whodunnit. "Der Richter und sein Henker" liest sich schnell und unkompliziert, obwohl er alles andere als unkompliziert ist. Warum man ausgerechnet diesen nur scheinbaren Krimi so oft in Schulen liest, ist mir daher ein Rätsel. Aber ein empfehlenswertes Buch ist es auf jeden Fall. Helfen Sie anderen Kunden bei der Suche nach den hilfreichsten Rezensionen
2 von 2 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
5.0 von 5 Sternen
Bestie gegen Bestie,
Von
Rezension bezieht sich auf: Der Richter und sein Henker. (Taschenbuch)
Marcel Reich-Ranicki hat es in der „Frankfurter Allgemeine Zeitung" vor Jahren notiert: „Dürrenmatt ist beinahe ein Genie." Er irrte nicht. Auch der Roman „Der Richter und sein Henker" beweist die literarische Meisterschaft des weltberühmten Schweizers. Und dieser steht mit dem hier vorliegenden so genannten „literarischen Kriminalroman" in der Tradition großer englischer Erzählern wie etwa G. K. Chesterton und Graham Greene. Auch wenn Dürrenmatts Kommissär Bärlach keine angenehme Person ist. Aber gut, dass waren Marlowe und Maigret auch nicht. Zum Inhalt: Kommissär Bärlach hat in jungen Jahren mit dem Verbrecher Gastmann gewettet, ob es möglich sei, ein nicht aufzuklärendes Verbrechen zu begehen. Gastmann gewann. Am Ende seiner Laufbahn und nach jahrelanger vergeblicher Jagd bekommt Bärlach doch noch die Möglichkeit Gastmann zu stellen. Und er nutzt diese Chance. Ein Mord an einem Polizisten wird Gastmann zum Verhängnis. Obwohl er nicht der Täter ist. Der Richter Bärlach schickt seinen Henker, den eigentlichen Mörder Tschanz. Die Gerechtigkeit feiert dennoch keinen Sieg. Denn auch der Kommissär selbst kann das Böse nur durch kriminelle Mittel besiegen. Und Bestie gegen Bestie kämpfen lassen. Schuldig aber sind sie alle. Der schmale Roman enthält eine hintergründige Pointe. Und führt die Regeln des Genres ad absurdum. Das gefällt und macht Laune. Auch wenn die Geschichte im Grunde traurig ist. Aber wie Marcel Reich-Ranicki es weiter, natürlich wieder richtig, festgestellt hat, gehört Dürrenmatt „zu den Predigern mit Pfiff, er fungiert als ein professioneller Prophet, dem es gefällt, Schreckliches zu verkünden, und dem es gelingt, dabei niemanden die Laune zu verderben". Helfen Sie anderen Kunden bei der Suche nach den hilfreichsten Rezensionen
9 von 11 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
5.0 von 5 Sternen
Das Treffen zweier Meister: Dürrenmatt und Korte!,
Von
Rezension bezieht sich auf: Der Richter und sein Henker (Audio CD)
Friedrich Dürrenmatts "Kommissär Bärlach" (siehe auch "Der Verdacht") ist eine Kriminalfigur, die stark autobiographische Elemente offenbart und mit den großen Ermittlern der Kriminal-Literatur wie Marlowe, Poirot oder Maigret locker mithalten kann! Mit diesen mehr als auf einer Stufe stehend, ausgestattet mit schweizerischer Gemütlichkeit, kriminalistischem Scharfsinn und einer unglaublichen Kombinationsgabe meistert er auf seine unkonventionelle und für seinen Vorgesetzten viel zu unwissenschaftlichen und unprofessionellen Art der Verbrechensbekämpfung alle Schwierigkeiten. Für uns Leser bzw. Zuhörer beruhigend, dass der immer etwas griesgrämige Bärlach, außer dem ständig schlechten Wetter alles unter Kontrolle hat!Diese Geschichte ist offenbart jedoch auch leise Kritik am Kriminalroman und an der Kriminalistik an sich, denn es wird von Anfang an wissentlich falsch ermittelt: der Kommissar kennt bereits alle Hintergründe und auch der Täter ist ihm bald bekannt. Er setzt die Ermittlungen nur fort, um seine eigene Gerechtigkeit (Gastmann) zu erzeugen, die sich weder auf kriminalistisch-juristischen noch auf anderen legalen Wegen finden lässt. Zudem wiederholt sich in diesem Roman Dürrenmatts das Hauptmotiv seiner grandiosen Kriminalromane, die des unentdeckten bzw. ungesühnten Verbrechens. Nachdem man sich vom genialen Vorleser" Hans Korte in dieses Meisterwerk von Friedrich Dürrenmatt hat hinein ziehen lassen, fesselt einen nicht nur die bis zur letzten Zeile spannende Story mit ihrem völlig unerwarteten Ausgang; das auf höchstem psychologischem Niveau geführten Katz-und-Maus-Spiel des Kommissärs sucht seinesgleichen, die philosophischen Inhalte dieses Werkes regen einen selbst auch immer wieder zum Nachdenken an. Die Täter- bzw. Opferrolle pendelt ständig hin und her und die Sympathien der Zuhörerinnen und Zuhörer wechseln ebenfalls ständig von einem Protagonisten zum anderen. Helfen Sie anderen Kunden bei der Suche nach den hilfreichsten Rezensionen
12 von 15 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
5.0 von 5 Sternen
Krimi mit überraschendem Ende,
Von Ein Kunde
Rezension bezieht sich auf: Der Richter und sein Henker. (Taschenbuch)
"Der Richter und sein Henker" ist ein spannender Kriminalroman von Friedrich Dürrenmatt. Die Handlung des Buches spielt nach dem 2. Weltkrieg in der Schweiz. Nach dem Mord an den Polizisten Robert Schmied werden die Ermittlungen des Falls an Kommissar Bärlach, den ehemaligen Vorgesetzen von Schmied, übergeben. Da Bärlach jedoch schwer krank ist, wird ihm, auf seinen Wunsch, ein Gehilfe, Polizeileutnant Tschanz, zugeteilt. Während Tschanz nach gelerntem kriminalistischem Vorgehen gegen den Hauptverdächtigen, einen gewissen Herr Gastmann, vorgeht, ermittelt Kommissar Bärlach eher im Hintergrund. Der Kommissar scheint jedoch ein grosses Geheimnis zu verbergen, denn er weiss mehr als Tschanz vermutet... "Der Richter und sein Henker" ist Lesespass pur, vor allem auch wegen dem leicht verdaulichen Sprachstil den Dürrenmatt benützt. Trotzdem schafft es der Autor, die Stimmung um das Geschehen in Bern, Twann und Lamboing dem Leser zu vermitteln. Zudem findet der Leser in Kommissar Bärlach den typischen Urschweizer und in Tschanz den zukunftsorientierten Denker vor, was sehr passend zu der grossen Stadt Bern und den kleinen Juraörtchen Twann und Lamboing ist. Der Roman wird zu keiner Zeit langweilig, was ich als sehr positiv empfinde. Vor allem am Anfang wird der Leser mit dem Mord an Schmied sofort "gepackt". Zudem ist die Suche nach dem Mörder sehr spannend, weil Dürrenmatt immer mehr Charaktere vorstellt, die potentielle Mörder sein könnten. So vergrössert sich der Kreis der potentiellen Mörder automatisch. Auch ist es spannend, wie Bärlach am Ende den Mord aufklärt, indem Dürrenmatt die vielen Details miteinander verbindet und sich so schliesslich eine Lösung des Mordfalls ergibt. Am besten an dem ohnehin guten Roman hat mir allerdings der Schluss mit den letzten Kapiteln und der darauffolgenden Pointe gefallen. Durch diesen Schluss hebt sich dieses Buch zweifellos von den anderen Kriminalromanen ab, und endet nicht in einem typischen Klischee-Schluss. Nicht so gut gefallen haben mir die oft langgezogenen Zwischenkapitel. Sie waren meist schwer und kompliziert zu lesen, da die Sätze in diesen Kapiteln nicht sehr viel Spannung aufbauen. Alles in allem kann man aber sagen, dass das Buch aus einem guten Anfang, einem mittelmässigen Mittelteil und einem sensationellen Schluss besteht - absolut empfehlenswert.
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5 von 6 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
5.0 von 5 Sternen
ein Monument der Literaturgeschichte,
Von Mario Pf. (Oberösterreich) - Alle meine Rezensionen ansehen (TOP 100 REZENSENT) (HALL OF FAME REZENSENT)
Rezension bezieht sich auf: Der Richter und sein Henker. SZ-Bibliothek Band 42 (Gebundene Ausgabe)
Wir schreiben das Jahr 1948. Der hinterhältige Mord am begabten Polizeilieutenant Ulrich Schmid ruft den alternden Kommissar Bärlach auf den Plan. Bärlach, der in Schmid seinen Nachfolger gesehen hatte ist sehr betrübt über dessen Tod, denn er wird ihm aufgrund seiner Krankheit schon bald folgen. Der alte Kommissar hat Magenkrebs und nur noch 1 Jahr zu leben, doch als eine heiße Spur oder vielmehr der Zufall ihn und seinen neuen Assistenten Tschanz auf die Spur des Finanziers Henri Gastmann führt, keimt in Bärlach eine alte Hoffnung auf. Gastmann ist für Bärlach kein Unbekannter mehr, denn beide haben noch eine alte Rechnung offen, die aus einer alten Wetter entspringt, die beide einst abgeschlossen hat und mit welcher Gastmann einen perfekten Mord vor den Augen des Kommissars vollziehen konnte, ohne jemals dafür belangt zu werden. Zwar war ihm Gastmann sein Leben lang immer einen Schritt voraus, doch der Kommissar ist diesmal besser vorbereitet als zu erwarten. Mit allen Mitteln versucht Bärlachs Intimfeind ihn von weiteren Ermittlungen abzubringen, doch der Richter hat sein Urteil längst gesprochen und schon bald wird der Henker dieses vollstrecken...Im Abgesang liefern sich der perfekte Verbrecher und der unbeirrbare Ermittler einen epischen Kampf, der ein für allemal einen Schlussstrich ziehen soll. Der Mord an Ulrich Schmid bildet dabei den Ausgangspunkt, selbst wenn der Mörder sich schließlich als jemand ganz und gar anderes herausstellt. Es stellt sich auch die Frage, ob sich Dürrenmatt nicht auch selbst als der Charakter des Schriftstellers in diesem Buch verewigt hat, einiges deutet zumindest darauf hin. Wie lässt dieses Buch nun insgesamt beschreiben? Helfen Sie anderen Kunden bei der Suche nach den hilfreichsten Rezensionen
5 von 6 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
5.0 von 5 Sternen
In einem Atemzug durchlesen!,
Von Ein Kunde
Rezension bezieht sich auf: Der Richter und sein Henker. (Taschenbuch)
Ein Polizist ist erschossen worden. Ort des Verbrechens ist die Twannbachschlucht in der beschaulichsten Westschweiz. Kommisär Bärlach sucht den Mörder seines geschätzen Kollegen. Abgründe tun sich auf, auch bei den polizeilichen Ermittlungen.Schnell begreift der Leser, dass Bärlach viel mehr weiß und mit äußerster Berechnung vorgeht. Unbeantwortet bleibt, wie er über die Hintergründe der Tat im Bilde sein kann. Dieser kantige, eigenbrödlerische Polizist lockt den faszinierten Leser immer tiefer in den Roman hinein. Atemlos verfolgt der Leser Schritt um Schritt den beharrlichen Kömmisär. Um keinen Preis lässt dieser zu, dass jemand seine Pläne durchkreuzt. Selbst Bärlachs Vorgesetzter unterlässt es, Anweisungen zu geben, weil er dessen fehlende Einsicht und Sturheit fürchtet. Die nüchterne und kantige Sprache Dürrenmatts spiegelt schnörkellos den Charakter des Ermittlers wieder. Wie auch Kommisär Matthäi in Dürrenmatts „Das Versprechen" ermittelt Bärlach nach seinen eigenen Spielregeln und aus eigenem Antrieb. Ohne Rücksicht auf die eigene Person und die angeschlagene Gesundheit muss er (s)eine offene Rechnung begleichen. Nach einem halben Menschenleben auf der Jagd handelt er wie besessen und erschreckend kaltblütig: „Der Henker, den ich ausersehen habe, wird heute zu dir kommen. Er wird dich töten, denn das muss nun eben einmal in Gottes Namen getan werden." Gelungen und natürlich nicht frei von Kritik zeichnet der Autor sein Bild der Schweiz in den 50er Jahren. Ohne Überheblichkeit begreift sich Dürrenmatt absolut als Teil dieser Gesellschaft. Sein alter ego im Roman, der „Richter" Bärlach, lebt in Bern, „dieser verschlafenen, biederen Stadt, von der man nie recht weiß, wieviel Totes und wieviel Lebendiges eigentlich noch an ihr ist." Helfen Sie anderen Kunden bei der Suche nach den hilfreichsten Rezensionen
15 von 19 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
5.0 von 5 Sternen
Weil der Mensch Ziel und nicht Mittel sein soll!,
Von Helga König - Alle meine Rezensionen ansehen (#1 HALL OF FAME REZENSENT) (TOP 10 REZENSENT) (REAL NAME)
Rezension bezieht sich auf: Der Richter und sein Henker. SZ-Bibliothek Band 42 (Gebundene Ausgabe)
In diesem Roman wird der Mord an einem Polizisten aufgeklärt. Die beiden Protagonisten, Kommissar Bärlach und der Finanzier Gastmann, kennen sich seit über vierzig Jahren. Seither spielen sie ein perfides Spiel miteinander. Der eine als Vertreter des Staates ,der andere als Person, die nicht immer auf legaler Seite operiert. In einer verfallenen Schänke am Bosporus haben sie einst eine Wette abgeschlossen, die letztlich beide mit schwerer Schuld beladen hat, weil ein Dritter Opfer ihrer " teuflischen Versuchung des Geistes durch den Geist", wie Dürrenmatt formuliert, geworden ist. Auch nach vierzig Jahren hat sich die abgründige Sicht der beiden Akteure nicht geändert. Erneut wird ein Dritter Opfer ihres perfiden Spiels, erneut wird ein anderer benutzt für einen im Grunde fragwürdigen Zweck ..... Nicht Recht und Aufklärung, sondern persönliches Machtspiel stehen im Vordergrund der Handlungsmotivation und wie stets in solchen Fällen ist auch hier das Ergebnis : verbrannte Erde!Empfehlenswert! Helfen Sie anderen Kunden bei der Suche nach den hilfreichsten Rezensionen |
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Der Richter und sein Henker. von Friedrich Dürrenmatt (Taschenbuch - 1. Juni 1955)
EUR 5,99
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