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12 von 14 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
5.0 von 5 Sternen "Unglücklich sind die, die nicht mehr lieben können."
Inhalt

Augustus Baum ist Theaterregisseur. Er blickt auf geglückte Engagements in deutschsprachigen Stadttheatern zurück. Mit einer Inszenierung der „Antigone“ brachte er es immerhin bis zu den Salzburger Festspielen. Bei den Proben zu seiner neuesten Aufführung – Tschechows „Möwe“ – erleidet Baum einen...
Vor 9 Monaten von Thomas Gebauer veröffentlicht

versus
6 von 10 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
1.0 von 5 Sternen Too old for Rock and Roll ...
Trotz aller Virtuosität im Ansatz, trotz der handwerklichen Meisterschaft ist “Die Inszenierung” der läppischste Roman, den ich seit langem gelesen habe. Fast habe ich ihn vorzeitig weggelegt, dann aber, wegen der gnädigen Kürze, doch zu Ende gelesen.
Man kommt bei der Lektüre aus dem Kopfschütteln nicht mehr heraus,...
Vor 8 Monaten von Matito veröffentlicht


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12 von 14 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
5.0 von 5 Sternen "Unglücklich sind die, die nicht mehr lieben können.", 7. Oktober 2013
Von 
Thomas Gebauer (Kirchberg) - Alle meine Rezensionen ansehen
(REAL NAME)   
Verifizierter Kauf(Was ist das?)
Rezension bezieht sich auf: Die Inszenierung (Gebundene Ausgabe)
Inhalt

Augustus Baum ist Theaterregisseur. Er blickt auf geglückte Engagements in deutschsprachigen Stadttheatern zurück. Mit einer Inszenierung der „Antigone“ brachte er es immerhin bis zu den Salzburger Festspielen. Bei den Proben zu seiner neuesten Aufführung – Tschechows „Möwe“ – erleidet Baum einen Schwächeanfall. Vom Krankenbett aus will er seine Inszenierung fortsetzen. Und beginnt bei der Gelegenheit gleich eine zweite, nun private Inszenierung.
In letzterer übernimmt er selbst die Hauptrolle. Das passt ohnehin gut zu seiner Einschätzung, dass niemand Theaterregisseur ist – sondern bestenfalls, das heißt: glaubwürdig, einen Theaterregisseur spielt. So wird sein Krankenhausaufenthalt schlechthin zum Schauspiel. Obwohl er längst genesen ist, gelingt es ihm seine Entlassung durch geschicktes Simulieren aufzuschieben. Nur so kann er die stürmische Affäre mit der Nachtschwester Ute-Marie aufrechterhalten. Kaum hat sie allabendlich die übrigen Patienten ruhiggestellt, lauscht sie den schwärmerischen „Arien“ des Regisseurs – obwohl sie ihrerseits mit dem Softwareentwickler Vince liiert ist.
Das bleibt Baums Ehefrau Gerda freilich nicht verborgen. Sie tritt ihrerseits jeden Morgen auf, um ihrem Mann ein Frühstück zu servieren, das „alles enthält, was er braucht.“ Stets in der Hoffnung, sie sei alles, was er braucht. Kein Zweifel: Gerda ist eifersüchtig. Britta, Carla, Lavinia...für jede seiner Inszenierungen beginnt Baum eine inspirierende Affäre. Was er brauchen kann, so urteilt er über eins seiner Intermezzi, leitet er dann in die jeweilige Theaterproduktion. Kein Wunder, dass er sich mit dieser Einstellung in eine Linie mit Goethe und Brecht stellt. Dennoch relativiert Gerda Baums Gefühle für Ute-Marie. Die Krankenschwester reihe sich doch ohnedies nur in die Reihe seiner Arbeitsaffären ein. Sie stille allenfalls das sexuelle Verlangen. Mit Liebe habe die Affäre daher noch lange nichts zu tun.
Aus dem spannungsreichen Dreieck Gerda – Augustus – Ute-Marie – ergibt sich die so spannende wie alles entscheidende Frage des Romans: Wie wird es Baum gelingen, die verfahrene Situation aufzulösen? Wie begegnet er dem Exklusivitätsanspruch des „Ich will die Einzige sein“, wenn er doch Gerda und Ute-Marie gleichermaßen liebt? Verraten sei nur so viel: Das Ende überrascht. Es wird sich zeigen, dass dies gar nicht Baums Inszenierung war.

Spiegelkabinett

Verschiedentlich wurde darauf hingewiesen, dass dieser Roman einem Kammerspiel gleiche. Diese Interpretation ist so richtig wie erklärungsbedürftig. Fraglich ist zunächst, ob es sich eigentlich um einen Roman handelt. Zwar verspricht der Buchumschlag einen ebensolchen, jedoch scheint ein Erzähler allenfalls in Form von Regieanweisungen auf. Die Geschichte vermittelt sich allein über die Gespräche der Protagonisten. Das Spiel von Rede und Gegenrede wird lediglich in zwei Kapiteln unterbrochen. Hier erhält Baum Post von seinem verloren geglaubten Freund Hans-Georg. Hier knüpft der Walser an die Struktur des Vorgängerromans an, der wesentlich aus einem Briefwechsel bestand. Es mag darüber hinaus kein Zufall sein, dass auch „Die Inszenierung“ just dreizehn Kapitel enthält. Im Übrigen finden sich in den beiden Briefkapiteln auch Anklänge an die von Günther Grass ausgelöste Israel-Diskussion, zu der sich Walser persönlich nicht wirklich äußern wollte – und zwar mit Verweis auf seine Skepsis gegen das „Rechthabenmüssen“, die wiederum auch in Hans-Georgs Briefen anklingt.
Zurück zum Ausgangssatz. Der Ausdruck „Kammerspiel“ ist richtig gewählt. Das gesamte Buch spielt in Baums Krankenhauszimmer, das ob der halb-dramatischen Form des Textes zur Bühne wird. Zugleich aber hat der Leser es hier mit einem Spiegelkabinett zu tun. Das fängt bei den besagten Briefen des Hans-Georg an. Walser variiert hier das Grundmotiv des Romans und hievt es zugleich auf eine noch komplexere Ebene. Auch Philosophieprofessor Hans-Georg ist in eine Dreierkonstellation geraten, die er gern auf Dauer stellen würde. Allein: Er liebt neben seiner Frau Ursula den Mann Berti. Im Theaterstück „Die Möwe“ wird gleichfalls eine Dreierkonstellation beschrieben. Dasselbe ließe sich über Goethes „Stella“ sagen, die zugleich Baums erste, prägende Inszenierung war. Zwischen Augustus und Gerda entspannt sich später eine Diskussion über das Verhältnis von Sexualität und Liebe. Hier ruft Walser Shakespeares „Maß für Maß“ auf. Diese literarischen Verweise sollen jedoch nicht die literaturhistorischen Kenntnisse des Autors belegen. Das Lesevergnügen hängt auch keineswegs von der Kenntnis dieser Stücke ab. Im Gegenteil: Martin Walser scheint bemüht, auch dem ahnungslosen Leser jedenfalls im Ansatz klarzumachen, worauf es ihm in der jeweils zitierten Dramenliteratur ankommt. Wichtig ist etwas ganz Anderes: Die Konstellation des Romans soll auf verschiedenste Weise gespiegelt werden. Sei es über die Parallelführung mit Hans-Georg, sei es mit dem Rückgriff auf die literarischen Klassiker. Aus verschiedensten Perspektiven zeigt sich, dass Liebe über gewöhnliche Paarkonstellationen hinausgeht.

Wahrhaftigkeit

Über die „Möwe“ weiß Baum zu berichten: „Ein Stück, in dem die Menschen einander nicht die Wahrheit sagen können“. In Walsers „Inszenierung“ ist es ähnlich. Die längste Zeit verbarg Augustus Baum seine Affären notdürftig. Er spielte nicht nur die Rolle des Regisseurs, sondern auch die des treuen Ehemanns. Doch nun, bei Ute-Marie, legt er die Karten offen auf den Tisch. Seiner Frau mutet er den Satz „Gerda, sie passt gut zu uns“ zu. Offen will er seine Liebe zu den beiden Frauen leben dürfen. Und stößt damit unweigerlich auf Unverständnis. Sein Sohn etwa schämt sich nur noch für die Schürzenjägerei des Vaters. Baum wiederum lästert über das „Moralmilieu“: „Immer rechtzeitig und ordentlich geschieden. Affären niemals!“
Gegen dieses Milieu schreibt Walser im Roman an. Er verurteilt die Bigotterie des bürgerlichen Zweisamkeitsidylls. Sie verurteilt die Menschen zur fortwährenden Schauspielerei. Entweder haben sie vorzuzeigen, dass sie nur ihren Partner – und sonst niemanden! – lieben. Oder aber sie haben über ihre Affären hinwegzutäuschen. Auf diese Weise wird das Theater, wird „Die Inszenierung“ zur conditio humana. Die alltägliche Unaufrichtigkeit im Namen einer fragwürdigen Moral – sie ist es, über die Regisseur Baum hinauszuwachsen wünscht. Er hinterfragt die angeblich Normalität der exklusiven Zweisamkeit mit Trauschein, zu der sich gerade junge Menschen – man denke an seinen Sohn – hingezogen fühlen. Sowohl die vielen literarischen Verweise als auch die Briefe Hans Georgs belegen, dass die Wirklichkeit dem gesellschaftlich Anerkannten Hohn spricht. Dass eine konventionelle Vorstellung von Liebe sich als untauglich erweisen könnte, wenn die Gesichtsmaske des Buchumschlags abgelegt wird. Und eben hierin liegt die Spannung des Romans: Ist es wenigstens noch für eine exaltierte Künstlerpersönlichkeit wie Baum möglich, eine andere Normalität herzustellen? Kann ausgerechnet ein Theatermann mit der Absage an jedwede Schauspielerei durchkommen?

Fazit

„Die Inszenierung“ ist ein Plädoyer, es sich mit der Liebe nicht zu einfach zu machen. Martin Walsers Spätwerk, das hoffentlich noch lange fortgeschrieben werden wird, kreist somit weiterhin um „Das seriöseste Leiden: Liebe“. Es gelingt abermals dem so häufig wie unbedacht ausgesprochenem Wort „Liebe“ neue Facetten zu entlocken. Dies ist die erste und wichtigste Ebene des Romans. Auf den zweiten Blick ist das Buch zugleich ein Künstlerroman. Man erfährt eine Menge über die erschreckende Brutalität des Theaterbetriebs, die Selbstherrlichkeit von Großschauspielern und über den Preis, den jeder Künstler für seine Kunst zu zahlen hat. Und schließlich finden sich im Text zahllose literarische Assoziationen, denen jeder Leser gewinnbringend nachgehen kann. „Die Inszenierung“ ist in Struktur und Inhalt eine Liebeserklärung an das Theater. Eben weil dort mehr auf dem Spiel steht als kulturelles Kapital und Auslastungszahlen. Weil das Theatralische, Schauspielerische jedem Menschen zueigen ist. Weil es zu unserem Leben gehört – und es wohl oder übel prägt.
Eben deshalb ist das Buch kein klassischer Roman. Mehr noch, man könnte es unbearbeitet als Theaterstück auf die Bühne bringen. Der Text ist daher nicht immer ganz einfach zu lesen. Und natürlich fehlt die herrliche Erzählstimme Martin Walsers. Allein, zu dieser Geschichte passt kein Erzähler. Sie vermittelt sich über die Aussagen und Handlungen ihrer Protagonisten. Es braucht keine ordnende, erklärende oder wertende Stimme. Einmal ist im Buch gar die Rede vom „moralischen Verstummen“. Man muss nur den Menschen in diesem Roman zuhören. Ist die erste Irritation über die Textstruktur überwunden, ergibt sich allein daraus ein enormes Lesevergnügen. Martin Walser ist abermals ein großartiger Roman über die Liebe gelungen. Wer sich für deutsche Gegenwartsliteratur interessiert, kommt an diesem Autor nicht vorbei – und er wird mit diesem Buch auch nichts falsch machen. Ich jedenfalls freue mich schon jetzt auf dem kommenden Walser-„Jahrgang“.
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2 von 2 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
4.0 von 5 Sternen Ein ungewöhnlicher Stil lässt sicher so manchen Walser-Leser etwas irritiert, vielleicht sogar enttäuscht zurück, 19. Dezember 2013
Von 
Winfried Stanzick (Ober-Ramstadt, Hessen Deutschland) - Alle meine Rezensionen ansehen
Rezension bezieht sich auf: Die Inszenierung (Gebundene Ausgabe)
Auch im hohen Alter zeigt sich Martin Walser mit seinen Romanen als vielfältiger und phantasiereicher Schriftsteller. Hatte sein letztes Buch „Das dreizehnte Kapitel“ die Form eines Briefromans, nimmt der neue, für Walser eher kurze Roman einen anderen Weg. Hauptsächlich in der Form des Dialogs, ohne einen Erzähler, handeln die Personen durch Rede und Gegenrede und bilden so eine Art Kammerstück, wie man es sonst aus dem Theater kennt, das in dem Buch eine besondere Würdigung erfährt. Wie meistens bei Walser geht auch in „Die Inszenierung“ wieder um die Liebe, um den Raum, den sie bildet mit den Winkeln Leidenschaft, Abhängigkeit und Wahn.

Augustus Baum, ein über die Grenzen hinaus bekannter, gar berühmter Theaterregisseur, liegt im Krankenhaus, während seine Assistentin und ehemalige Geliebte die von ihm begonnene Inszenierung von Tschechows "Möwe" weiter leitet.

Aus seinem Krankenzimmer heraus, gleichsam wie aus einer Schaltzentrale inszeniert Augustus Baum weiter, das Theaterstück und vor allem immer wieder sich selbst. Eine Vielzahl unterschiedlicher Menschen besucht den Regisseur, der sich selbst als Künstler versteht und der genießt seine Rolle so sehr, dass er, ziemlich bald genesen, seine Krankheit weiter vortäuschen muss, um sein Krankenzimmer als Refugium behalten zu können.

Das ist die die Ehefrau Gerda, von Beruf Ärztin und Autorin des Buches "Abhängigkeit, Wahn und Wirklichkeit. Weil er das Essen in der Klinik unzumutbar findet, bringt sie ihm welches hin, und spricht mit Augustus über seine zahlreichen früheren Affären und seine aktuelle mit der Nachtschwester:
"Wenigstens diese drei letzten Affären muss ich dir ins Gedächtnis rufen, weil allein dadurch eine Art Hoffnung erscheinen kann, die jetzige Affäre als etwas zu erleben, was, wie alles Vorangehende, seine Zeit haben wird, und dann hat es sich gehabt."

Und da ist Ute-Marie, die Nachtschwester, 29 Jahre alt, (so lange ist Augustus mit Gerde verheiratet!) Sie will aus dem Leben einer Krankenschwester ausbrechen und Augustus will sie sogar zur Hauptdarstellerin seines Stückes machen.

Eng mit dem Stück "Die Möwe" verbunden, wird das Krankenzimmer so zur Bühne, der Roman zu einem frivolen Kammerstück mit den Themen Fremdgehen, Abhängigkeit, mit Geständnissen und Geheimnissen, die am Ende zur Erkenntnis führen, dass die Kluft zwischen Frauen und Männern unüberwindbar groß sei.

Walser hat einen ironischen Roman geschrieben, mit dem er Skakespeares Diktum
"all the world's a stage" in Szene setzt. Ein ungewöhnlicher Stil lässt sicher so manchen Walser-Leser etwas irritiert, vielleicht sogar enttäuscht zurück.

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8 von 11 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
4.0 von 5 Sternen Geheimnis und Geständnis., 2. Oktober 2013
Von 
kpoac - Alle meine Rezensionen ansehen
(TOP 500 REZENSENT)   
Rezension bezieht sich auf: Die Inszenierung (Gebundene Ausgabe)
"In der Welt geht es genau so zu wie im Stück."

Theater macht öffentlich, was im Inneren stattfindet. Mit dieser Maxime startet ein fulminanter Roman, dem Prosa gerade als Einleitung dient, der aber fortan lebt von der dialogischen Raffinesse seiner Protagonisten, insbesondere von Augustus Baum. Dieser nämlich, als Regisseur über die Lande bekannt, erleidet während der Vorbereitung auf das nächste Stück einen Schwächeanfall und wird ins Krankenhaus gebracht. Von dort plant er eine Inszenierung in zweifacher Weise. Einmal bleibt er bei der Bühne, auf dem Cechovs Stück, "Die Möwe" aufgeführt werden soll, zum anderen bereitet er sein Krankenzimmer als Bühne und spielt hier wie dort die Szenen eines Leben, dessen Augenmerk auf die Liebe liegt. Liebe, dieser weite Begriff und doch so eng in seiner Gestaltung. Lust und Treue, Wahrheit und Lüge, Liebe und Indifferenz wuchern in ihrer Ambivalenz in den Köpfen und in den Worten aller Personen. Es ist kein Stück, das vom Handeln lebt. Es ist wie bei Cechov: hier wird vom Wort gelebt und dieses Wort wird in das Verhältnis von Sein und Schein gelegt.

Martin Walser (1927-)zeigt sich belesen und voller Lust auf die Tiefe einer Bedeutung. Platon, auch er ein Meister der dialogischen Belehrung durch Sokrates, findet in seiner "Politeia" den Begriff der Gerechtigkeit für klärungsbedürftig. Und an diese Stelle verfängt sich Walser. Auch ihm wird mit den Protagonisten deutlich, daß Gerechtigkeit ein Merkmal einer äußeren Empfindung sein kann, damit kann jemand als gerecht scheinen und die Mitmenschen wissen es positiv zu schätzen. Spätesten jetzt wird unklar, ob 'gerecht sein' als Sein noch gelten kann oder ist es reine Transformation zum Mittel zum Zweck der Zustimmung Dritter. Man könnte also Aischylos zu stimmen, dem der Schein reicht, um als gut zu gelten.

Walser nimmt diese Vorlage in die Diskussion um die Liebe. All ihre Schattierungen werden durchströmt, doch auch er hängt an der Frage, ist es Liebe, wenn sie von Gegenliebe genährt wird. Ein Tauschverhältnis von Nettigkeiten und Lieben ist verbunden mit Absichten und Gründen. Liebe ist somit nicht rein, rein wäre sie erst, wenn sie bliebe im Nicht-Gelingen.

Genau diese Stelle ist es, die am Ende offen bleibt, offen in einem unerwarteten Schluß. Also gehen wird zu Cechov und erinnern uns an Nina, von deren zwei Lieben eine zu einem tödlichen Ende führt. Auch hier bei Walser ein Schuß als Ruf, die Geliebten und die Liebenden alle zu sehen, allen in einem besonderen Ende die Hand zu reichen, um zu verbinden.

Walsers Hang, im späten Alter sich der Liebe, dem Eros und der Sexualität zuzuwenden, gewinnt hier nochmals eine andere Qualität. Was bindet uns und was trennt uns sind die jeweiligen Fragen im Fokus der Betrachtung; auch die Frage, ob menschliche Beziehungen primär Anspruchsbeziehungen sind. Vor allem ist es Walsers Aufklärung, daß die Gegenspielerin der Liebe nicht der Hass, sondern die Indifferenz ist. Zu klären gilt es am Ende: Welchen Wert hat der Mensch, wenn er liebt.

In allem lesen wir durch ein Leben von Abhängigkeit, Leidenschaft und Wahn. Wir entdecken die Bandbreite zwischen Geheimnis und Geständnis und bemerken, daß Liebe sich selbst nicht kennt. Es ist eben im Stück wie im Leben. Was die Bühne inszeniert ist das Leben und so ist die Welt am Ende nur eine Bühne.

Zugegeben. Der Rezensent mußte einen Einstieg in diesen Dialog finden. Wenn der gelingt, dann hören Sie nicht auf. Lesen!swert.
~~
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5.0 von 5 Sternen Ein äusserst vielschichtiges Buch, wiederholte Lektüre empfohlen, 26. Dezember 2013
Verifizierter Kauf(Was ist das?)
Rezension bezieht sich auf: Die Inszenierung (Kindle Edition)
Ich gebe zu, ich musste diesen Walser zweimal lesen bevor er sich mir voll erschossen hat (zu ungewohnt die literarische Form und zu unglaubhaft - noch - der Inhalt). Dann aber war es das vollste Vergnügen. Ich möchte jetzt nicht den Inhalt wiedergeben oder meine Interpretationen anbringen, das haben schon andere vor mir getan. Aber es ist doch erstaunlich aus welch vielschichtigen und vieldeutigen Quellen Walser das Thema Liebe hier konzipiert bzw eben insziniert (als Inszinierung, im besten Wortsinn, muss man es freilich auch lesen, aber das begriff ich erst nach der ersten Lektüre). Ich bin schon gespannt was sich nach dem dritten und vierten Mal noch alles erschliesst...
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3 von 5 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
5.0 von 5 Sternen Walser liebt das Leben, 30. Oktober 2013
Verifizierter Kauf(Was ist das?)
Rezension bezieht sich auf: Die Inszenierung (Gebundene Ausgabe)
Martin Walser gefällt mir, er verführt zum Lesen. Unterhaltsam schildert er die Perspektiven der zwischenmenschlichen Bedürfnisse und lässt uns dabei ständig schmunzeln. Die Beschreibung der Beteiligten und deren Lebensideen lässt uns Leser ein sehr amüsanten Abend erleben.
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6 von 10 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
1.0 von 5 Sternen Too old for Rock and Roll ..., 5. November 2013
Verifizierter Kauf(Was ist das?)
Rezension bezieht sich auf: Die Inszenierung (Kindle Edition)
Trotz aller Virtuosität im Ansatz, trotz der handwerklichen Meisterschaft ist “Die Inszenierung” der läppischste Roman, den ich seit langem gelesen habe. Fast habe ich ihn vorzeitig weggelegt, dann aber, wegen der gnädigen Kürze, doch zu Ende gelesen.
Man kommt bei der Lektüre aus dem Kopfschütteln nicht mehr heraus, über das, was sich da abspielt und in direkter Rede oder in Brieftexten ausgebreitet wird: Der berühmte Theaterregisseur Baum hat eine Liebesbeziehung zur Nachtschwester Wiese, er hat eine Ehefrau, eine Geliebte sowieso - die vorerst letzte in einer langen Serie - und er liegt nach einem leichten Schlaganfall im Krankenhaus. Männer wie Baum sehen in Frauen “Steckdosen”, aus denen sie Energie schöpfen. Das muss er sich von seiner Frau anhören, die ihm täglich das Frühstück ans Bett bringt, und wir müssen es lesen - oder auch nicht.
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2 von 4 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
5.0 von 5 Sternen Die Inszenierung - etwas für Feinschmecker, die Herbes und Bitteres mögen, 12. Oktober 2013
Verifizierter Kauf(Was ist das?)
Rezension bezieht sich auf: Die Inszenierung (Gebundene Ausgabe)
Ich bin Walser - Fan, habe außer einigenTheaterstücken alles gelesen.
Die Inszenierung ist ein wunderbares Buch für alle, die schonungslose Wahrheit ertragen können. Desillusionierend.
Nichts für Menschen, die sich mit Literatur in eine schöne Traumwelt voller verlogener Romantik flüchten wollen.
Ich fand meine Lebenserfahrungen in einem kunstvoll geschliffenen Deutsch so bestätigt, dass ich viele
Unterstreichungen und Anmerkungen ins Buch einfügte und es sogar noch um eine eigene Seite
"erweiterte".

Rudolf Kling

Suhl, Thüringen

r.kling.shl@kabelmail.de
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9 von 16 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
2.0 von 5 Sternen Die Inszenierung, 30. September 2013
Rezension bezieht sich auf: Die Inszenierung (Gebundene Ausgabe)
Eigentlich war ich mal ein großer Martin Walser Fan. Aber
vermutlich kann ich dem Alter des Autors und dadurch seinen
Aussagen mit meinen 60+ im Moment nicht mehr folgen.
Meine Favoriten waren halt, das Schwanenhaus, fliehendes Pferd
oder springender Brunnen ect. und noch ein paar mehr.
Dann gibt es Lücken zu denen ich auch dieses Buch zähle.
Vielleicht fehlt mir dazu die Bildung und die Zeit diesen Verschachtelungen
folgen zu können. So nehme ich halt wieder eine Auszeit vom
Autor der in unserer Gegend aufgewachsen ist. Ein stiller Verehrer
bleibe ich doch dem Herrn mit der tollen Wiedergabe der deutschen Sprache.
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0 von 1 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
5.0 von 5 Sternen Sehr gut...., 29. Dezember 2013
Verifizierter Kauf(Was ist das?)
Rezension bezieht sich auf: Die Inszenierung (Gebundene Ausgabe)
Man kann dieses Buch entspannt und amüsant lesen.
Der Schreibstil ist etwas lakonisch aber ich finde es gut.
Das hat mir gefallen....
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3 von 7 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
1.0 von 5 Sternen Langweiliges Buch, 20. November 2013
Verifizierter Kauf(Was ist das?)
Rezension bezieht sich auf: Die Inszenierung (Kindle Edition)
Fades Geplapper, weder Spannung noch nachvollziehbare Handlung wird aufgebaut, habe mich bei diesem Buch sehr gelangweilt. Die Sprache mag gut sein, aber das ist auch alles.
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Die Inszenierung
Die Inszenierung von Martin Walser (Gebundene Ausgabe - 30. August 2013)
EUR 18,95
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