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11 von 12 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
4.0 von 5 Sternen Unterhaltsam, kritisch, mitunter ermüdend
Martin Walser beschreibt in seinem Buch das Wesen des Alterns. Die Angst vor dem immer präsenteren Ende wird nach außen getragen durch den permanenten Versuch "bergauf zu beschleunigen", oder, wie es Walser mit der Sprache der Botaniker sagt, "Angstblüten" zu treiben. Der Geschäftsmann Karl von Kahn befindet sich einer solchen Situation. Er beginnt...
Veröffentlicht am 20. Januar 2007 von Bernard Rieux

versus
2 von 2 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
3.0 von 5 Sternen Sarkastisch präzise Beobachtungen
Eigentlich geht es um Frauen, nicht um Geld - das erkennt Karl von Kahn, millionenschwerer Anlageberater, Geldmensch mit Leib und Seele. Die Zahl ist sein Gott, Aktiengeschäfte seine Religion. Sein Umfeld, die Münchner Geldaristokratie, ist geprägt von Verrat und Konkurrenz.
Bevor ein Baum stirbt, blüht er noch einmal auf - dieses Phänomen...
Veröffentlicht am 18. Juli 2011 von Amazon Customer


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11 von 12 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
4.0 von 5 Sternen Unterhaltsam, kritisch, mitunter ermüdend, 20. Januar 2007
Rezension bezieht sich auf: Angstblüte (Gebundene Ausgabe)
Martin Walser beschreibt in seinem Buch das Wesen des Alterns. Die Angst vor dem immer präsenteren Ende wird nach außen getragen durch den permanenten Versuch "bergauf zu beschleunigen", oder, wie es Walser mit der Sprache der Botaniker sagt, "Angstblüten" zu treiben. Der Geschäftsmann Karl von Kahn befindet sich einer solchen Situation. Er beginnt eine Affäre - ganz offensichtlich nicht seine erste - mit einer deutlich jüngeren Schauspielerin, er geht völlig in diesem Gefühl des Aufblühens auf, noch einmal spürt er das Leben, das Verlangen in sich, gleichzeitig aber die ständige Angst, die Jugendliche wieder an einen Jüngeren zu verlieren, sich als "Alternder" zu entblößen, seine körperlichen Defizite zu offenbaren. Seinem ständigen Bemühen ist jedoch nur scheinbarer Erfolg beschieden, er muss am Ende feststellen, dass es nichts war als eine Illusion, der er sich hingegeben hatte, weil er die Realität des Alters nicht wahrhaben wollte. Der Leser ist zugleich betroffen und abgestoßen von der Hauptfigur, die - scheinbar egoistisch - doch in Wahrheit nichts anderes sucht als seine Mitmenschen auch.
Neben der Thematik des Älterwerdens gibt Walser in seinem Roman einen Einblick in die Welt des Geldes und der Kunst. Besonders die Beschreibung der von Marken und Namen beherrschten Welt des Fernsehens und der Kunstliebhaber lässt den Leser schmunzeln, der es ebenso wie der Protagonist von den wie Gewehrsalven abgefeuerten Aneinanderreihungen von Künstlern und Designern vorzieht, schweigend dazustehen und den Mund zu halten, wenn die "Kunstfraktion" das Wort führt. Der Wechsel von solch schnellen Dialogen, die mitunter in ihrer Absurdität an Szenarien von Dürrenmatt erinnern, gelassenen und doch walsertypisch kritischen Betrachtungen der Gesellschaft und der schonungslosen Offenheit der Hauptfigur sich selbst gegenüber macht die Lektüre des Romans sehr unterhaltsam, wenngleich anzumerken bleibt, dass die sicherlich gewollte Überfrachtung des Romans mit Details aus der Geschäfts- und Kunstwelt nicht nur für von Kahn, sondern auch für den Leser zeitweilig ermüdend sind.
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36 von 45 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
5.0 von 5 Sternen Angst zwischen Geld und Gefühl., 17. Juli 2006
Von 
kpoac - Alle meine Rezensionen ansehen
(TOP 1000 REZENSENT)   
Verifizierter Kauf(Was ist das?)
Rezension bezieht sich auf: Angstblüte (Gebundene Ausgabe)
Karl von Kahn mit Frau Helen, Ihrerseits Psychoexpertin für Paarfragen, Bruder und Künstler Erewein mit Lotte und Freund Diego mit seiner Talkshow-Gundi sind die Hauptprotagonisten in Walsers Beziehungsroman rund um Geld und Liebe. Die erfolgreichen Finanzaktionen des Herrn Karl von Kahn und Diego Trautmanns dekadente Zugewandheit (vgl. Gegen den Strich, Huysmans) zu erlesenen Antiquitäten gebiert die Sucht, auch in Sachen Liebe gleichermaßen Erfolg zu haben, allerdings nicht, in dem sie nur käuflich ist, - denn da wird sicherlich der Weg offen sein - sondern dass sie mit Hingebung und Wertschätzung ihrer Person einhergeht. Unbeholfen und manchmal lächerlich erscheinen die Wege der älteren Herren in ihrer privaten Überhöhung später Sexualität, die schon als Augenblick der Liebe im gleichnamigen Vorgänger-Roman gleichen Anstrich erhielt.

Mit der Wahl Münchens als Ort des Geschehens stellt sich die Leichtigkeit des südlichen Lebens eher in den Vordergrund als die Finanzwelt eines Frankfurts oder New Yorks. Damit hat Walser zwar den Ort der Bodensee- Idylle verlassen, nicht aber den mentalen Lebens(t)raum eines im Alter zwar reichen, aber nicht auf jeder Ebene erfolgreichen Mannes. Mit der Ortswahl hat er die Gewichtung gewählt zwischen Finanz- und Lebenswelt. Die Lebenswelt, angereichert durch materielle Voraussetzungen lässt sich in immaterieller Veredlung gut bewältigen. Wären da nicht diese kleinen spitzen Nickligkeiten, die zwischen den sich kleinbürgerlich gebenden Menschen das offensichtliche Zueinander als Farce erscheinen lassen.

Dieser Walser strebt selbst in Angst um die Vergänglichkeit in die literarische Wiederholung von Lebensmomenten oder vielleicht sogar in die Belebung verpasster Chancen. Angstblüte ist nicht mehr als ein letztes Aufbäumen, ein noch einmal mit Volldampf Leben wollen. Wie Walser _ und das liebe ich an ihm _ mit Sprache Direktheit und Mehrdeutigkeit vereint, wie er die Spitzen der Sätze in Höhen nochmals verfeinert und sich eine Rundum -Kenntnis in der Sache aneignet und hier mit dem Gesamtwerk vereint, ist wie immer eine Meisterleistung. Die Fortsetzung des "Augenblicks der Liebe", wo ebenso ein alternder und sexbesessener Mann sein Hauptprotagonist ist, ist mit der Angstblüte eingeleitet. Und wieder reibt sich jeder dieser Menschen in der "Angstblüte" am realen Leben, sei es durch Abschiedsbriefe vor dem Freitod oder in der Überspitzung von Therapietheorien, die dem Leben nicht gewachsen sind. Letztendlich ist nur die Sehnsucht überlebensfähig, Geld und Liebe scheinen zu den Täuschungen des Lebens zu gehören, die nur in der Illusion hell strahlen, weil diese sie bescheint. Dahinter bleibt das wahre Leben, welches bei Walser immer eines ist, welches es zu suchen gilt. Das Alter bei Walser ist keine Reife, keine Homage an die gelebte Zeit. Es ist mehr ein ständiges Nachtrauern, ein immerwährendes Greifen nach der vergangenen Jugend.

Wieder ein Walser wie man ihn kennt, der die Nuancen des menschlichen Seins in neuer Kombination brillant beleuchtet.

Empfehlenswert!!
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2 von 2 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
3.0 von 5 Sternen Sarkastisch präzise Beobachtungen, 18. Juli 2011
Rezension bezieht sich auf: Angstblüte (Gebundene Ausgabe)
Eigentlich geht es um Frauen, nicht um Geld - das erkennt Karl von Kahn, millionenschwerer Anlageberater, Geldmensch mit Leib und Seele. Die Zahl ist sein Gott, Aktiengeschäfte seine Religion. Sein Umfeld, die Münchner Geldaristokratie, ist geprägt von Verrat und Konkurrenz.
Bevor ein Baum stirbt, blüht er noch einmal auf - dieses Phänomen heißt Angstblüte. Auch Kahn, der mit über 70 beginnt, seine Vergänglichkeit zu spüren, erblüht noch einmal, für eine Frau, eine viel jüngere Frau. Mit Skrupellosigkeit und geheuchelten Orgasmen gewinnt sie Macht über ihn. Am Ende sind alle weg: die Frau, die Geliebte, der beste Freund, der ihn betrogen hat, der Bruder, der sich das Leben nimmt. Und wildfremde Frauen raunen ihm auf der Straße, im Café und in der U-Bahn anzügliche Sätze ins Ohr ...
Walsers neuer Roman fühlt sich perfekt in seine seltsam verkorksten Figuren ein. Die sarkastisch präzisen Beobachtungen eines zutiefst unsympathischen Milieus gehen allerdings zu Lasten des Spannungsbogens - erst nach 250 Seiten gewinnt die Geschichte an Fahrt.
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18 von 23 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
4.0 von 5 Sternen Sprachlich überzeugendes Bild nicht bewältigten Alters, 16. Juli 2006
Rezension bezieht sich auf: Angstblüte (Gebundene Ausgabe)
Beeindruckend und hierzulande leider selten: Walsers Kenntnis der Welt des Geldes und der Kapitalerträge. Sein Held, es sei geklagt, denkt und handelt im Privatleben leider wie ein Kleinbürger, dessen hilflos-zotige Alterssexualität mich ähnlich peinlich berührte wie beim zuvor veröffentlichten Walser-Roman.

Gewiß, in der sogenannten Liebe gibt es wie in der Vermögensanlage stets nur Einzelfälle. Eine Figur wie dieser vom Sex besessene Greis ist mir allerdings bislang auf keiner der Ebenen der Kapitalvermehrung begegnet. Solche Leute können ihre persönliche Entwicklung meist ebenso gut reflektieren, wie die zu erwartenden Entwicklungen auf dem Kapitalmarkt, und sie haben, auch wenn sie meistens in einer Familie leben oder lebten, ihre Sexualität gewöhnlich so ausgelebt, daß sie im Alter von siebzig Jahren weder ein Busen, noch eine Vagina sonderlich aufzuregen vermag. Wer in einer Welt lebte, in der alles käuflich erscheint, hätte nichts gelernt, wenn er als Greis uneigennützige Liebe erwartete. Nein, jene Männer seines Alters, die ich kenne, verfügen über die Adressen kultivierter junger Damen, mit denen er seine Phantasien realisieren kann, wenn er gut zahlt. Für den Rest sorgt bei Bedarf Viagra.

Was bleibt von diesem Roman? Eine bestechende Schilderung des wirtschaftlichen Lebens in unserer Gesellschaft. Eine rührende Darstellung des -oft, aber nicht immer- mit höherem Lebensalter verbundenen körperliches Verfalls. Darüber hinaus ein Psychogramm nicht bewältigten Alters. So breit die Finanzströme sind, auf denen dieser Held seinen Lebenskahn steuert -in seinem Privatleben ist und bleibt er einer jener Kleinbürger, deren Gefühlswelten Walser so überzeugend gestalten konnte, wie kaum ein anderer Autor hierzulande. Leider denken und empfinden Männer, die Millionen bewegen, meistens anders. Der beste Walser seit seines von Rache getragenen "Tod eines Kritikers", aber wer das Weltbild von vermögenden Kapitaljongleuren kennt, ist nach der Lektüre ein wenig enttäuscht.
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16 von 21 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
5.0 von 5 Sternen Ein kluges Buch, 31. Oktober 2006
Von 
Carl-heinrich Bock "Literatur- und Kinofan" (Bad Nenndorf) - Alle meine Rezensionen ansehen
(TOP 500 REZENSENT)    (HALL OF FAME REZENSENT)    (VINE®-PRODUKTTESTER)    (REAL NAME)   
Rezension bezieht sich auf: Angstblüte (Gebundene Ausgabe)
Der Titel des Buches verweist in der Ableitung auf den Inhalt des Buches. „Angstblüte“ ist das was ein Baum oder ein anderes bedrohtes Gewächs austreibt, wenn der Tod naht. Es steigen noch einmal die Lebenssäfte und ein schönes Äußeres wird produziert. Walser hat einen Roman über das Alter, die Vergänglichkeit, Bedeutungslosigkeit, Zuversicht und Sehnsucht geschrieben.

„Nur die Dummen glauben, dass Geld dazu da ist Dinge zu kaufen, Geld ausgeben ist eigentlich banal. Der Könner vermehrt Geld um seiner selbst Willen“, meint Walser und unterstreicht damit seine pekuniäre Vorliebe. Brillant seine Ausflüge in die Welt des Aktienhandels, der nicht echten Geldströme, der Portefeuilles, doch leider etwas strapazierend überbordend. Erzählt wird die Geschichte eines alternden Vermögensberaters.

Karl von Kahn, Walsers siebzigjährige Roman Ego ist begnadeter Künstler der Geldvermehrung. Geld macht zwar nicht glücklich, aber es schenkt Freiheit. Seine Überzeugung ist es, dass man von anderen Menschen nur durch Geld unabhängig werden kann. Schwer enttäuscht wird Karl von Kahn, als ihn sein Freund der Kunsthändler Diego Trautmann, mit einem ausgeklügelten, äußerst raffinierten Finanzdeal übervorteilt. Sein Weltbild scheint zu zerbrechen. Dann erhält er auch noch einen lebensbejahenden Abschiedsbrief von seinem erfolglosen Bruder Erewein, der verarmt in einer Höhle, seinem Leben ein Ende setzt.

Jetzt taucht plötzlich Joni auf, eine Filmschauspielerin aus einem von Kahn finanzierten Film. In sie verknallt sich Karl von Kahn hoffnungslos. Und nun erleben wir einen Walser wie wir ihn bisher nicht kannten. Der prüde Walser schildert mit überaus deutlichen Worten einen verliebten Kahn, der hingerissen wird von ausufernder Sexualität, von Liebe, Lug und Betrug. So stolpert dann der arme Kahn von Illusion zu Illusion, weiß über sich nicht mehr Bescheid, weil für ihn alles Illusion ist. Auch die Theorien seiner Frau Helen, einer engagierten Paartherapeutin lösen sich im Nichts auf. Schließlich bekommt Kahn eine riesige Verlustrechung präsentiert. Er reflektiert und kommt doch noch zu der weisen Erkenntnis: Aufhören können will wahrhaft gelernt sein, die Sehnsucht muss damit nicht verloren gehen.

Ein starkes Buch, gerade auch dort wo die Passagen in der Wirtschaft spielen, sehr kundig, ausgezeichnet gemacht. Walser schreibt in „Angstblüte“ vehement gegen den schwachsinnigen Alterstarrsinn in unserer Gesellschaft an, setzt sich radikal mit den Themen Alter, Sex und Unabhängigkeit auseinander und somit gehört dieses Buch zu Recht auf die Short List zum Deutschen Buchpreis. Walser hat einen Roman über das Alter und gleichzeitig ein wahres Alterswerk vorgelegt.
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19 von 25 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
2.0 von 5 Sternen «Eine Freundschaft, die gewesen ist, hört nicht auf, gewesen zu sein.», 4. September 2006
Von 
Berthold Knoche (Waldsolms / Hessen) - Alle meine Rezensionen ansehen
(REAL NAME)   
Rezension bezieht sich auf: Angstblüte (Gebundene Ausgabe)
.
Karl von Kahn, Geldvermehrer, so alt wie Walser selbst, gut über siebzig, verheiratet mit Helen, finanziert einen Film, verliebt sich in eine junge Schauspielerin, das gibt Raum für viele 'schmutzige' Wörter, in denen sich Walser weidet. Die ganze Handlung ist nicht so wichtig, das ganze Buch leider nicht. Hin und wieder blitzt Walsers Genie auf, hin und wieder fühlt man sich an schöne vergangene Bücher erinnert, obwohl: die Bücher sind ja nicht vergangen, man kann sie sich ja rausholen aus dem Regal und sie noch mal lesen. Sollte man auch tun, und dieses hier vergessen. Eine ganz ähnliches Thema wie Philip Roth 'Jedermann', ganz anderes umgesetzt, wieder und wieder umgewendet und auf über fünfhundert Seiten ausgewalzt. Es tut mir fast weh, einer meiner Lieblingsautoren, aber das war leider nur eine Angstblüte. Das er den Umgang mit der Sprache nicht verlernt hat, merkt man allerdings deutlich:

«Du darfst nicht mehr sagen: Eine Freundschaft, die gewesen ist, hört nicht auf, gewesen zu sein. Genau dafür gibt es in der Sprache die Vorvergangenheit, die Mehralsgewesenseinsvergangenheit. Die Freundschaft war gewesen. Basta.»
.
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9 von 12 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
4.0 von 5 Sternen Über Geld, Gier und Greise!, 16. August 2006
Von 
Prof. Dr. Karsten Kilian "Markenexperte, Mark... (Baden-Württemberg, Deutschland) - Alle meine Rezensionen ansehen
(VINE®-PRODUKTTESTER)   
Verifizierter Kauf(Was ist das?)
Rezension bezieht sich auf: Angstblüte (Gebundene Ausgabe)
Ein reifes Walser-Buch über blühende Liebe und die Angst vor dem Altern! Schade nur, dass der Autor 220 Seiten braucht, um sich "warm zu schreiben". Ein für mein Empfinden zu lang(atmig)es Vorgeplänkel. Erst danach legt Walser richtig los. Aber dann ... kommt der "Kahn" voll in Fahrt! Der echte Walser, Der Wahre! Eine Liebesgeschichte wie ein erquickender Gebirgsbach, in dem sich der der alte Finanzer Karl von Kahn und die Jungschauspielerin Joni Jetter - das Zweigenerationenliebespaar - zum zweiten Mal intensiv lieben. Noch berauschender als der Akt selbst sind die Dialoge davor und danach! Frech. Tiefgründig. Gereimt. Zeigen auf's Beste Walsers Gespür für scheinbar unscheinbare Details. Ein Rausch. Wie die Liebe ... und wie dieses Buch. Ab Seite 221 versteht sich. Deshalb auch nur 4 Sterne.

Und dann das Drehbuch. Eine Nacherzählung, dass die bisherige Handlung in ein neues Licht rückt. Alles wie im Film? Alles gespielt? Nur Fassade? Alle Zeichen deuten darauf hin, dass der "Kahn" kurz vor dem Absaufen ist. Und die eigene Frau? Ahoi! Und bye bye. Wie das Leben so spielt, im Alter! Vieles versäumt und alles vergeben(s).

Fazit: Sie werden sie lieben, die schreckhaft sprießende Angstblüte des Karl von Kahn ... und die restlichen 257 Seiten des ab S. 221 durchstartenden Walser-Werkes, in denen sich der Autor entfaltet, wie man ihn kennt: Wortgewandt, hintergründig und altersweise. Echt Walser. Echt lesenswert!
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5.0 von 5 Sternen Dominique Strauss-Kahn oder Karl von Kahn Merkwürdigste Zufälle, 7. November 2014
Rezension bezieht sich auf: Angstblüte (Taschenbuch)
Was besonders lustig erscheint ist dass dieses Szenario in artverwandter Weise deutliche Paralellen zum ehamligen IWF Chef
Dominique Strauss-Kahn aufweist. Wusste Walser etwa mehr ???
Das Szenario ist nicht unbekannt. Alternder Tattergreis der bis dato seine Orgasmen durch Zins und Zinseszins bekam bekommt
den Köder Joni Jetter ( etwa Jetsetter ??? ) auf den Hals gesetzt. Sie gehört zu genau jener Gattung die Nietzsche schon so vortrefflich thematisierte

"Jene Mädchen, welche allein ihrem Jugendreize die Versorgung für's ganze Leben verdanken wollen und deren Schlauheit die gewitzigten Mütter noch soufflieren, wollen ganz das Selbe wie die Hetären, nur dass sie klüger und unehrlicher als diese sind."

Haben "wir" mit Joni Jetter etwa quasi eine Kombination aus Lou Salome und Sabina Spielrein die Ihn gewitzt über das rein raus fertig ist der kleine Klaus Programm entgültig zu Grunde richtet ? Und letzlich erlebt Karl von Kahn im Walser Roman Angstblüte "nur" das was Anais Niin einmal formulierte und um dessen Aussage sich dieses ganze Buch zu drehen scheint.
„Und es kam der Tag, da das Risiko, in der Knospe zu verharren, schmerzlicher wurde als das Risiko, zu blühen.“
Und diese daraus entstehende Angstblüte offenbart eine ziemlich große Tragik, weil so viele Menschen sich erst im Alter ihrer eigenen Vergänglichkeit bewusst werden und sie merken dass Ihr Blühen nur eine systemisch gewollte systemimmanente Illusion gewesen ist. Dass dieses Erkennen der eigenen Situation ausnutzbare Befindlichkeiten erweckt, dass ist genau das was Martin Walser hier sehr eindrucksvoll schildert. Ein Roman dessen empfindliche Gesellschaftskritik sich erst auf zweiter und dritter Wirkebene offenbart.
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8 von 11 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
2.0 von 5 Sternen Will ich das wirklich so genau wissen ?, 23. Oktober 2006
Von 
C. Stotz (Esslingen) - Alle meine Rezensionen ansehen
(REAL NAME)   
Rezension bezieht sich auf: Angstblüte (HoCa Neue Medien) (Audio CD)
Es ist immer besonders interessant, wenn ein Autor selbst sein Werk liest. Einmal gehört, kann man Thomas Mann beispielsweise kaum mehr ohne die Vorstellung seiner Stimme lesen.

Bei Walser ist es ähnlich. Und doch gleichzeitig anders: Zu oft setzt seine sonore, tragende Stimme interpretatorische Akzente, die nicht selten zum Widerspruch reizen.

Dennoch ist die Stimme Walsers noch das Beste an diesem Hörbuch.

Zunächst ist das Hörbuch eine deutlich gekürzte Fassung des Romans. Immer wieder treten dadurch Brüche auf, die den Fortgang der Handlung in verwirrender Weise unterbrechen.

Und dann die Handlung selbst. Walser rekrutiert sein literarisches Personal in extremen Regionen. Auf der einen Seite steht der Vermögensberater Karl von Kahn, und seine mehr oder weniger bürgerliche Entourage, wie er zumeist jenseits der siebzig und mit allen Gebrechen geschlagen, die das Altern mit sich bringt. Auf der anderen ein junges Schauspielsternchen, in mehrfachem Wortsinne blond, und von Kahns Objekt der Begierde.

Diese Begierde wird zum zentralen Vehikel der Geschichte und an ihr entwickelt Walser sein Panoptikum an schrägen Gestalten und den Ängsten des Alternden. Doch verhindert dieses abstruse Szenario gleichzeitig auch eine Identifikation mit dem Erzählten, zu weit sind die Themen und Personen hergeholt, als dass die mitunter brillanten Gedankengänge daraus hervor treten könnten.

Statt dessen wird das körperliche Liebesleid des Helden in einem Detailreichtum geschildert, wie man es eigentlich gar nicht wissen will, und vor allem, wie es die Handlung eigentlich nicht nötig macht.
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16 von 22 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
2.0 von 5 Sternen Aus Gewohnheit hochgejubelt?, 19. Oktober 2006
Rezension bezieht sich auf: Angstblüte (Gebundene Ausgabe)
Ich gebe es zu: Es war mein erster Walser - vermutlich auch mein letzter. Ich bin enttäuscht und verstehe nicht, warum dieses Buch und dieser Autor so hochgejubelt wird. Es muß wohl die Ausstrahlung vorheriger Werke sein, die ich selbst nicht kenne.

Walser verfügt sicherlich über ausgeprägte sprachliche Fähigkeiten, die pseudowirtschaftswissenschaftlichen Ausschweifungen rund um die Hauptfigur sind mir persönlich auf die Nerven gegangen, ebenso die Darstellung der sexuellen Begegnungen. Das Thema wird meiner Meinung nach auf weiten Strecken einfach nur ausgewalzt.

Am Ende eines Buches war ich selten so enttäuscht und noch nie zuvor hatte ich das Bedürfnis eine Rezension zu schreiben um den "faden Nachgeschmack" los zu werden.
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Angstblüte
Angstblüte von Martin Walser (Gebundene Ausgabe - 21. Juli 2006)
EUR 22,90
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