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40 von 44 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
4.0 von 5 Sternen Leider nicht mehr der ganz große Updike
John Updike verdient als Autor der Gegenwartsliteratur höchste Anerkennung - und er dürfte bei der nächsten Verleihung des Literaturnobelpreises ein heißer Kandidat sein, neben oder gleich hinter dem anderen großen amerikanischen Autor, Philip Roth.

Doch um es gleich vorwegzunehmen, wer sich von diesem Roman einen tiefen Einblick in...
Veröffentlicht am 1. September 2006 von A. Wolf

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3 von 4 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
3.0 von 5 Sternen Islamfanatiker im provinziellen Amerika
Für Updike-Fans ist alles dar, was man von ihm erwarten kann: Tod, Ehebruch, Religion und das alltägliche Leben der amerikanische Mittelschicht. UPDIKE kann dieses medial omnipräsente aber auch oft so unverständlich ferne Land einzigartig beschreiben. Vielleicht fehlt mir als Europäer zu diesem Buch auch der Zugang, wurde UPDIKE doch wegen der...
Veröffentlicht am 30. Januar 2009 von Volker Wrusch


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40 von 44 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
4.0 von 5 Sternen Leider nicht mehr der ganz große Updike, 1. September 2006
Von 
A. Wolf (Wiesbaden) - Alle meine Rezensionen ansehen
(REAL NAME)   
Rezension bezieht sich auf: Terrorist (Gebundene Ausgabe)
John Updike verdient als Autor der Gegenwartsliteratur höchste Anerkennung - und er dürfte bei der nächsten Verleihung des Literaturnobelpreises ein heißer Kandidat sein, neben oder gleich hinter dem anderen großen amerikanischen Autor, Philip Roth.

Doch um es gleich vorwegzunehmen, wer sich von diesem Roman einen tiefen Einblick in die Psyche eines Terroristen erwartet - womit der Roman ja gerne beworben wird - dürfte eine herbe Enttäuschung erleben. Was man bekommt, ist eine durchaus spannende und teilweise fesselnde Geschichte, nicht arm an eleganter Sprache, doch blasser als vieles von dem, wofür John Updike zurecht bewundert wird.

Wie Updike den Fundamentalismus schildert, wie er Ahmad portraitiert, ist differenziert, was Anerkennung verdient. Doch irgendetwas wirkt verworren! - Natürlich ist Ahmad menschlich gezeichnet, aber verstehen wir an seiner Zeichnung denn den Terrorismus? Erhellt Updike dieses Etwas im Menschen, das Terrorismus möglich macht? Nein, es scheint vielmehr, als hätte Updike zahlreiche Stereotypisierungen verwendet, um sie mittels einer profunden Charakterzeichnung zu entkräften. Aber das gelingt leider nicht so recht und daran krankt das gesamte Buch.

Gegen Ende dieses Romans scheint es gar so, als hätte Updike seine Geschichte nun rasch zu einem Ende bringen wollen. Die Spannung nimmt rapide zu, der Tiefgang ebenso proportional ab.

An alle Updike-Fans: Bitte nicht zu viel erwarten - des Lesens ist "Terrorist" aufgrund der Sprache allemal wert, aber ein großer Roman sieht anders aus.
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5 von 5 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
5.0 von 5 Sternen so schnell wird man Terrorist, 30. Januar 2009
Rezension bezieht sich auf: Terrorist (Gebundene Ausgabe)
Der Roman beschreibt wie Ahmed Mulloy bereits als Schüler von fundamental-islamischen Gedanken gefesselt wird und schrittweise zum Terrorismus verführt wird. Dabei werden die familiären Hintergründe, das soziale Umfeld und das Seelenleben von Ahmed so genau und einfühlsam beschrieben, dass seine Entwicklung zum Terroristen für den Leser gut nachvollziehbar und erklärlich wird. Vielleicht empfinden deswegen sehr strenge Rezensenten die Darstellung des Ahmed auch als klischeehaft und trivial. Mir ging es nicht so. Ich fand zudem das ganze Buch total spannend und sprachlich hervorragend geschrieben. Ich mochte es nicht mehr aus der Hand legen.
Westeuropäer, die im Fernsehen von fundamental-islamisch intendierten Bombenanschlägen und Selbstmordattentätern hören, stehen in aller Regel fassungs- und verständnislos vor diesen grausamen Taten. Aber auch die jungen Männer, die solche Taten begehen, hinterlassen bei uns Verständnislosigkeit: Wie kommt man dazu, so etwas zu tun und dabei auch noch sein eigenes Leben zu lassen? Updike ist das Kunststück gelungen, die Entwicklung eines jungen Mannes zu einem solchen Terroristen glaubhaft und nachvollziehbar darzustellen ohne jemandem die Schuld für diese verbrecherische Entwicklung in die Schuhe zu schieben. Weder die "Gesellschaft", noch die Verführer (Islamische Geistliche, Scheichs und Mittäter) des Ahmed oder die Religion des Ahmed werden als Sündenbock hingestellt. Auch Ahmed selbst mit seiner persönlichen familiären und psychischen Entwicklung wird nicht negativ dargestellt. Trotz dieser Positivdarstellung aller Rahmenbedingungen stellt der Roman die terroristische Tat selbst als ein verabscheuungswürdiges Verbrechen dar. Es gibt genügend Beispiele in Literatur und Schauspiel bei denen Bombenanschläge, Verbrechen oder Attentate so dargestellt werden, dass man am Ende mehr oder weniger Verständnis für Täter und Tat hat (McBeth, Schuld und Sühne, Stauffenberg-Attentat, Bader-Meinhof-Komplex). Ich kenne aber nur Updikes 'Terrorist' wo, trotz aller Erklärungen, die Tat ein Verbrechen bleibt und auch kein Ersatzsündenbock generiert wird.
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3 von 3 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
5.0 von 5 Sternen John Updike wird uns fehlen, 16. Juni 2009
Von 
OldboY - Alle meine Rezensionen ansehen
(TOP 1000 REZENSENT)   
Rezension bezieht sich auf: Terrorist (Taschenbuch)
"Terrorist" ist neben "The Widows of Eastwick" der letzte große Roman von dem im Januar 2009 verstorbenen amerikanischen Ausnahmeschriftsteller John Updike. Gleichzeitig ist "Terrorist" auch eines der besten Bücher die Updike in den letzten Jahren herausgebracht hat. Mit "Terrorist" hat der Altmeister noch einmal bewiesen, dass er ohne Zweifel zu den besten Schriftstellern seiner Zeit zählt. Kein Anderer (außer vielleich Philip Roth) vermag es so treffend und zugleich einfühlsam die Sollbruchstellen unsere westlichen Zivilisation offen zu legen.

So auch in "Terrorist": Die Hauptfigur Ahmad, Sohn einer amerikanischen Mutter und eines arabischen Vaters (der jedoch schon kurz nach Ahmads Geburt die Familie im Stich gelassen hat), wächst als Teenager in einer heruntergewirtschafteten Industriestadt in New Jersey auf. Ahmad fühlt schon bald, dass er nicht so ganz dazugehört. Statt Mädchen hinterherzulaufen geht er in die Koranschule. Dort wird er ganz auf die konservativen Wertvorstellungen des Islam eingeschworen. Diese bieten Ahmad zwar ein unverrückbares Wertefundament, stehen jedoch auch in krassestem Gegensatz zu dem allzu freien Individualismus der amerikanischen Unterschicht ("...Jersey boys and Jersey girls..."), dem er täglich in der Schule ausgesetzt ist. Ahmad ist eigentlich hochbegabt, was jedoch bis auf seinen Vertrauenslehrer keinen interessiert. Seine Mutter ist mehr mit sich selbst und ihrem "verpfuschten" Leben beschäftigt und als jener besagte Vertrauenslehrer dann auch noch eine Affäre mit Ahmads Mutter beginnt, gerät seine Welt aus den Fugen. Ahmad radikalisiert zusehends und plant den ultimativen Terrorakt.

John Updike ist es mit "Terrorist" hervorragend gelungen, die Ursachen der Abkapselung von der Gesellschaft auszumachen. Sie sind zu finden einerseits in einem überdrehten, wertevernichtenden Individualismus, der unsere westliche Welt seit Generationen heimsucht. Andererseits ist Ahmads Radikalisierung jedoch keine Tat eines Verzweifelten "Irren". Vielmehr ist sie Ausdruck einer emotionalen Überhöhung. Ahmad will nicht dazugehören, sondern glaubt, dass ihm sein gestärktes und klar ausgerichtetes Wertefundament sozusagen "das Recht" gibt die als im wahrsten Sinne des Wortes wertlosen, inferioren Geschöpfe seiner Umgebung auszulöschen.

Updikes Interpretation läuft also darauf hinaus, den islamischen Terrorismus als ein Aufeinandertreffen von moralisch überhöhter und weitestgehend wertfreier (individualistischer) Lebens- und Denkweise zu erklären. Ich denke, dass er damit nicht Unrecht hat.

Updikes letzter großer Roman könnte damit folgendes Vermächtnis zum Überdenken der typisch westlichen Lebensweise beinhalten: Wenn wir selbst keine halbwegs tragfähigen Werte mehr in unserer Gesellschaft vorweisen können, dann können wir auch nicht erwarten, dass uns Gesellschaftsformen (oder nach Huntington besser: Zivilisationen), die ebensolche (zugegeben: teils reaktionären und wirklichkeitsfremden) Werte groß schreiben in irgendeiner Form respektieren. Jedenfalls sollte uns "Terrorist" zu denken geben, wenn wir in Zukunft "unsere Werte" militärisch in der Welt durchsetzen wollen.
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2 von 2 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
4.0 von 5 Sternen Ahmed wird zum Terrorist, 26. März 2008
Rezension bezieht sich auf: Terrorist (Gebundene Ausgabe)
ohne zu bemerken, wie er durch seinen islamischen Bekanntenkreis gezielt dafür ausgebildet und manipuliert wird. John Updike beschreibt sehr nachvollziehbar und verständlich Ahmeds Hinwendung zum islamischen Fundamentalismus und seine Verachtung und Abkehr von anderen, die für ihn Ungläubige sind. Seine Mutter hält Ahmed für eine Versagerin und legt deshalb nach Verlassen der Schule den irischen Nachnamen seiner Mutter ab um den seines arabischen Vaters, den er nie kennengelernt hat, anzunehmen. Er findet, dass die Lebensweise seiner Schulfreundin nicht der einer Christin entspricht und hält sie für bemitleidenswert.

Nur die Beziehung zu seinem Beratungslehrer Jack Levy, einem nicht praktizierenden Juden, scheint für ihn nicht so problematisch zu sein. Jack ist sehr einfühlsam und verständnisvoll. Er sorgt sich auch in seiner Freizeit um Ahmed. Seine Fürsorge geht soweit, dass er Ahmed sogar bis zum Ort des geplanten Attentats begleitet. Ahmed selbst merkt erst sehr spät, `das er manipuliert wird, lässt es jedoch zu, da die Manipulation ein heiliges Potenzial in ihm erschließt`.

Mit diesem Buch hat John Updike ein sehr schwieriges und kontroverses Thema aufgriffen. Er hat keine einseitige Stellung bezogen sondern den Charakteren der einzelnen Personen genügend Raum gelassen um sich zu entwickeln. Der Roman ist sehr schön und aufschlußreich geschrieben und behandelt das Thema Terrorismus angemessen und differenziert. Jedem, der sich für das Thema interessiert, sollte dieses Buch empfohlen werden.
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2 von 2 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
4.0 von 5 Sternen Nicht tief genug, 13. Februar 2009
Rezension bezieht sich auf: Terrorist (Taschenbuch)
John Updike hat mit diesem Roman eine gute Arbeit abgeliefert. Die Charaktere der Hauptpersonen (Ahmed, seine Mutter und sein Lehrer) sind sehr gut gezeichnet. Hier erlebt der Leser bestes Handwerk. Leider bleiben die "helfenden" oder "erklärenden" Charaktere dünn und scheinen ihren einzigen Zweck darin zu haben am Ende die Geschichte auflösen zu können. Der Heimatschutzminister, beispielweise, ist volkommen überflüssig.
Die Beschreibung der Motivation für ein Selbstmordattentat bleibt an der Oberfläche und ich kann Ahmed den Wunsch ins Paradies zu gelangen nicht abnehmen. Die Auflösung der Geschichte wirkt wie eine Notlösung um den Erscheinungstermin einhalten zu können.
Auf jeden Fall lesenswert, da gut geschrieben, aber eine wirkliche Auseinandersetzung mit den Motiven eines Selbstmordattentäters ist das Buch meines Erachtens nicht.
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5 von 6 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
4.0 von 5 Sternen Vom Extremisten zum Terroristen, 10. März 2008
Von 
Mario Pf. (Oberösterreich) - Alle meine Rezensionen ansehen
(TOP 500 REZENSENT)    (HALL OF FAME REZENSENT)   
Rezension bezieht sich auf: Terrorist (Taschenbuch)
Diese Teufel wollen mir meinen Gott nehmen.", mit diesen Worten beginnt John Updikes Terrorist. Im Grunde sagt das bereits einiges über das Buch aus, denn es behandelt sozusagen die Innenansichten eines islamistischen Extremisten, der im Grunde doch nur ein einfacher Außenseiter ist.

Ahmed Mulloy ist ein guter Schüler und anständiger Junge, aber auch gläubiger Muslim und zudem Sohn einer irisch-amerikanischen Mutter deren ägyptischer Mann sich nach der Heirat und Verleihung der Staatsbürgerschaft aus dem Staub gemacht hat. Somit musste sie Ahmed alleine erziehen und obwohl sie eher ungläubig ist hat sie ihrem Sohn ermöglicht Koranunterricht zu nehmen, um sich dem verlorenen Vater und seiner Kultur etwas näher zu fühlen. Gemeinsam leben sie in einer Wohnung des Schwarzenviertels von New Prospect. Es ist genau diese Unangepasstheit, die Ahmed von seinen Mitschülern abhebt und zum Ziel der Aggressionen des Schlägers Tylenol gemacht hat.

Doch Ahmed ist nicht alleine in dieser Welt die ihm so ablehnend gegenübersteht, denn neben Joryleen, die ihm offensichtlich Zuneigung entgegenbringt, macht sich sein Vertrauenslehrer Jack Levy ernsthaft Sorgen um die weitere Entwicklung und Karriere des begabten Jungen, auch wenn er kurzzeitig eine Affäre mit dessen Mutter beginnt. Anstatt sich für ein College zu entscheiden will Ahmed nämlich auf Anraten seines Imams Lastwagenfahrer werden... (und das aus einem bestimmten Grund)

Ob Updikes Darstellung eines Islamisten korrekt ist, gerade weil Ahmed durchaus sympathisch wirkt, sei dahingestellt, das Buch liest jedoch sehr angenehm und man kann sich gut in den Protagonisten hineinversetzen. Auch der Stil ist sehr ansprechend, selbst wenn man sonst kein Freund Updikscher Beziehungsdramen ist, denn das Buch trifft genau den richtigen Nerv, es macht betroffen, lässt einen erkennen, wie jemand zu einem Selbstmordanschlag oder anderen fanatischen Handlungen getrieben werden kann. Ferner schildert John Updike die Folgen des 11. Septembers für Muslime in den USA, welche seitdem mit erheblich mehr Misstrauen und falschen Verdächtigungen zu kämpfen haben.

Terrorist ist kein typischer Agenten- oder Spionagethriller, wer also Explosionen und hollywoodreife Gewaltexzesse sucht ist hier etwas falsch, das gibt es eine Tür weiter, weil Terrorist ist schlichtweg dramatisch, ein interessantes Experiment den Weg eines Extremisten vom einsamen jungen Mann zum potentiellen Selbstmordattentäter zu zeigen.

Fazit:
Das Buch ist gut, schon weil es Verständnis schafft und vertieft, wobei John Updike über einen angenehm zu lesenden Stil verfügt und mit Ahmed Mulloy einen sympathischen Protagonisten geschaffen hat.
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2 von 2 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
4.0 von 5 Sternen Als sozialpsychologische Lektüre geeignet, 15. Juni 2011
Von 
Gerhard Mersmann "GM" (Mannheim) - Alle meine Rezensionen ansehen
(TOP 500 REZENSENT)    (VINE®-PRODUKTTESTER)    (REAL NAME)   
Rezension bezieht sich auf: Terrorist (Taschenbuch)
Die Ereignisse des 11. Septembers 2001 haben die USA insgesamt traumatisiert. Das zeigte sich nicht nur in der Art und Weise, wie der damalige Präsident Bush auf die Anschläge reagierte, indem er gleich Flächenbombardements in Afghanistan anordnete, waffenklirrend in den Irak einzog und insgesamt, d.h. zivil wie militärisch mobil machte, sondern auch in der amerikanischen Filmindustrie und auf dem Literaturmarkt. Regisseure und Schriftsteller nahmen sich des Themas an, wie z.B. DeLillo mit seinem Falling Man, eher ein Dokument der eigenen Sprachlosigkeit als ein gelungenes Stück dieses Meisters der literarischen Dramaturgie. Vor diesem Hintergrund muss man John Updikes Terrorist lesen, der seinerseits nicht zu den großen Würfen des großen Soziologen in der amerikanischen Literatur des 20. Jahrhunderts gehört, aber unter den Versuchen, sich dem Thema zu nähern, noch zu den gelungensten gezählt werden muss.

Mit der ihm immer anzumerkenden Exzellenz der soziologischen und sozialpsychologischen Perspektive nähert sich Updike in Terrorist der Denk- und Fühlweise eines jungen Araboamerikaners, der in einem eher unterschichtsgeprägten Milieu in New Jersey zur Schule geht. Sohn einer alleinerziehenden irischen Mutter, die ihn mit einem Ägypter zeugte, der kurz danach das Weite gesucht hat, ihrerseits als Krankenschwester arbeitet und sich in der Malerei versucht, erlebt Ahmed die Schule als einen Ort der Verrohung und Verwahrlosung. Eine schwarze Mitschülerin, die ihn anzieht, fühlt sich zu einem Macho und brutalen Gesellen gleicher Hautfarbe hingezogen, die Lehrer sind ausgebrannt und feige, sie haben keine Werte und erschlaffte zynische Züge. Ahmed sieht die bröckelnde Fassade einer einstmals strahlenden Ideologie der Freiheit und fühlt sich zu einem Imam in der eigenen Nachbarschaft hingezogen, der ihn den Koran zu lesen lernt.

Von der Lektüre des Heiligen Buches bis zur aktiven Teilnahme an einem Anschlag auf das verhasste System ist es gar nicht soweit, wie der unbeteiligte Beobachter zu glauben hofft. Die vermisste Ehre und Reinheit auf der Seite des realen Lebens wird gesucht in der ethisch erstrebten und gedachten Lebenswelt, der schnöde, trügerische Materialismus der Konsumgesellschaft, die keine Wurzeln mehr besitzt, für deren Erhalt es sich zu sterben lohnte, wird ersetzt durch das heroische Modell des Opfertodes. Es gelingt Updike, durch seine scharfe und unbestechliche Beobachtungsgabe, die Beliebigkeit des destruktiven Verhaltens zu beschreiben. Man wird bei fortschreitender Lektüre den Eindruck nicht los, dass es nicht um den alten Paradigmenstreit zwischen Christentum und Islam, sondern um den Unwillen geht, sich mit der postheroischen Gesellschaft abzufinden.

Das große Verdienst Updikes liegt in der Freilegung der intrinsischen Motive zu terroristischem Handeln, ohne diesen Motiven den Zauber der Logik zu nehmen. Einzigartig in der amerikanischen Literatur zum 11. September, dennoch weit entfernt von der üblichen Genialität des Autors.
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5.0 von 5 Sternen Spannend, politisch, aktuell, erhellend: Wichtig, 24. Oktober 2009
Rezension bezieht sich auf: Terrorist (Gebundene Ausgabe)
LEIDER WURDE DER ROMAN AM 5 NOV 09 TRAURIGE REALITÄT
Die Tagesaktualität bestätigt die Wichtigkeit dieses Themas!!!
Zum Inhalt schreibt die Amazon Redaktion und meine Vorgänger sehr gut das Wesentliche.
Ich las das Buch unbeeinflusst und machte mir meine begeisterte Meinung darüber.
Gut so.Ich empfehle Ihnen, um sich die SPANNUNG zu ERHALTEN, NICHT zu viele KRITIKEN zu LESEN.
Dies ist ein großer Roman, wenn man einen solchen daran erkennt, wie intelligent der Autor die amerikanische Gesellschaft und die aktuelle politische Weltlage analysiert.
Er wertet nicht. Er diskutiert Standpunkte, die die einzelnen Charaktere pars pro toto für Gesellschaftsschichten, Angehörige der Weltreligionen einnehmen: Juden, Christen, Moslems kurz diejenigen Parteien, welche zZ den Wahnsinn der weltweiten Konflikte bestreiten.

Dieser Roman ist meiner Ansicht nach WICHTIG und sollte in den SCHULEN DISKUTIERT werden.
Auch bei uns.
Die Beweggründe der Figuren spiegeln unsere gesellschaftlichen Fragen wieder:
Integration, Fundamentalismus, Integrationsverweigerung, Konsumwahn,
Werteverfall, Manipulation durch Medien und Politik.

Updike versteht es unterschwellig einen Spannungsbogen aufzubauen, der zum weiterlesen zwingt.
Und das mithilfe einer meisterhaften manchmal poetischen sprachlichen Gestaltungsfähigkeit.
Die Attentäterin: Roman von Yasmina Khadra mit einem vergleichbaren Thema,
fällt hiergegen völlig ab.

Die Personen sind wie immer menschlich und in ihren Fehlern liebenswürdig gezeichnet und dadurch plausibel.

Manche Beschreibung von urbanen Auswüchsen waren mir pers. zu langatmig auch die nie enden wollende muslimischen Tiraden auf den Westen.

Dennoch halte ich auch diese Ausführungen für wichtig, um zB. den blinden Multikulti Fetischisten die Psychologie religiösen Größenwahns einmal ganz klar vor Augen zu halten.

Somit ist das Buch ein politisches und eher für ein Publikum mit Interesse an
gesellschaftlichen und psychologischen Phänomenen.
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3 von 4 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
3.0 von 5 Sternen Islamfanatiker im provinziellen Amerika, 30. Januar 2009
Rezension bezieht sich auf: Terrorist (Taschenbuch)
Für Updike-Fans ist alles dar, was man von ihm erwarten kann: Tod, Ehebruch, Religion und das alltägliche Leben der amerikanische Mittelschicht. UPDIKE kann dieses medial omnipräsente aber auch oft so unverständlich ferne Land einzigartig beschreiben. Vielleicht fehlt mir als Europäer zu diesem Buch auch der Zugang, wurde UPDIKE doch wegen der angeblich so positiven Charakterisierung eines islamitischen Terroristen in den Vereinigen Staaten wegen dieses Buches stark gerügt. Die einfühlsame Schilderung, wie ein Jugendlicher zum Islam findet, ist dabei am Buch das Beste. Verglichen mit der tristen, oberflächlichen und gewalttätigen Atmosphäre, die ihn in einer fiktiven Kleinstadt in New Jersey umgibt, bietet ihm die von einem Mentor angeleitete Lektüre des Korans Lebenssinn, Tiefe und Ruhe. Leider sind damit auch Fanatismus, Frauenfeindlichkeit, Todessehnsucht und Überheblichkeit verbunden. Die Auswahl der Suren illustriert sehr schön die Widersprüchlichkeit des Islam. Aber wird man dann so schnell zum Selbstmordattentäter? Gibt es als Schulabgänger als Alternative wirklich nur als Alternative Krimineller oder Prostituierte zu werden? Müssen die Protagonisten, wie der Lehrer und die Mutter in solchen Romanen auch gleich miteinander ins Bett steigen? Ist es nicht ziemlich konstruiert, dass es vom Minister des Heimatschutzes bis zum Terroristen nur 4 Schritte bedarf, weil sich in den USA die Leute sich alle so gut kennen. Wird man dort so schnell zum Helden wie der Beratungslehrer von Ahmed, der auf einer fahrenden Bombe nur mit ein paar provokativen Worten das Weltbild des Terroristen in Scherben legt? Aber wie gesagt, vielleicht geht das in Amerika so. Für mich wirkt es naiv und ich hätte von UPDIKE mehr erwartet.
Gerade noch erfahren, dass UPDIKE gestorben ist. Schade, ich hätte ihm den Nobelpreis echt gegönnt.
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4.0 von 5 Sternen Oh., 6. Dezember 2014
Verifizierter Kauf(Was ist das?)
Rezension bezieht sich auf: Terrorist (Taschenbuch)
Ein 17 Jähriger mit einer Mutter, die ein eigenes Leben führt und sich nicht allzu intensiv um ihren Sohn kümmert, sucht eine Ersatzvaterfigur und erwählt einen Iman, in einer kleinen Moschee. Der Autor schildert in einer sehr eindringlichen Sprache, wie der junge Mann seine Umgebung sieht und was der Immam ihm hierzu erzählt.
In seiner Heimatstadt in den USA, die sich im Niedergang befindet, kann der jungen Mann fast nur Negatives entdecken. Er sucht dagegen das Schöne, das Reine und glaubt seinem Mentor, dass in einer islamisch geprägten Welt alles besser sein würde: Aufrichtiger, ehrlicher und schöner. Sein Lehrer an der Highschool, ein verbitterter alter Jude, der selbst in einer Krise steckt, merkt, dass der Junge in eine andere Welt entgleitet und versucht ihn aufzuhalten.
Der junge Mann seinerseits entdeckt, dass sein Arbeitgeber zu einem Ring von Islamiaten gehört, die unter anderem ein Attentat planen; er erklärt sich bereit, dieses durchzuführen. er nähert sich der verabredeten Stelle.....und hier endet die Geschichte. Der Leser wird im Ungewissen gelassen, ob die Tat geschieht oder ob nicht.
Dieses Buch ist sicher für alle interessant, die sich mit der Problematik auseinandersetzen, warum junge Menschen sich von der westlichen Zivilisation abkehren. Sollten diese Menschen tatsächlich die Welt so sehen, wie der Protagonist, so steht es wirklich schlecht um die Zukunft des Westens. Wie und wann hätten Mutter und Lehrer erfolgreich eingreifen können? Fragen ergeben sich viele, bei und nach der Lektüre.
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Terrorist
Terrorist von John Updike (Gebundene Ausgabe - 28. August 2006)
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