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16 von 18 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
4.0 von 5 Sternen SSTLS - surreal real ...
Super Sad True Love Story - im Abkürzungswahn einer zukünftigen Jugend wohl SSTLS. Denn Abkürzungen sind ein Teil kommender Verständigung. Doch halt: Wenn sich Gegenwart und Zukunft vermischen - Fiktion und Vision verschmelzen, was für eine Art Geschichte ist das dann eigentlich - wohl eine Art "Post-Humane DokumentationsReportage". Wahrscheinlich...
Veröffentlicht am 5. August 2011 von ->

versus
1 von 1 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
3.0 von 5 Sternen Shteyngarts überaus traurige Wahrheiten
Der dritte Roman des 39-jährigen, in Leningrad (heute St. Petersburg) geborenen jüdischen US-Amerikaners Gary Shteyngart handelt vom Untergang der Vereinigten Staaten von Amerika. Dem “Bruch”, wie er im Buch genannt wird. Die Volksrepublik China, Norwegen und Saudi-Arabien übernehmen, eher widerwillig, die Verwaltung der schäbig und...
Vor 20 Monaten von Stefan Hetzel veröffentlicht


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16 von 18 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
4.0 von 5 Sternen SSTLS - surreal real ..., 5. August 2011
Rezension bezieht sich auf: Super Sad True Love Story (Gebundene Ausgabe)
Super Sad True Love Story - im Abkürzungswahn einer zukünftigen Jugend wohl SSTLS. Denn Abkürzungen sind ein Teil kommender Verständigung. Doch halt: Wenn sich Gegenwart und Zukunft vermischen - Fiktion und Vision verschmelzen, was für eine Art Geschichte ist das dann eigentlich - wohl eine Art "Post-Humane DokumentationsReportage". Wahrscheinlich würden die Protagonisten dieses Buches so oder so ähnlich auf eine Frage antworten, was Super Sad True Love Story für eine Buch ist.

Für mich ist es eines der Bücher, die mich von Beginn bis zum Ende gefesselt haben. Nicht wegen einer außergewöhnlich stilistischen Feinheit. Nicht wegen einer außergewöhnlich guten Liebesgeschichte. Nein. Es ist die phantastisch feinfühlige und treffsichere Vorstellungskraft einer surreal realen Zukunft, die der Autor im Stande ist dem Leser vor das geistige Auge zu schreiben. Nicht selten beschreibt Shteyngart eine düstere, schrille Zukunft eines absteigendes Landes (den USA) mit alltäglichen Situationen, die einerseits seltsam fremd und dann doch wieder bekannt wirken.

Für manchend mag die Form etwas anstrengend wirken: Tagebucheinträge und Textnachrichten treiben den Plot aus der Innensicht der Protagonisten voran. Aber auch das ist Teil der Story. Und bringt den Leser dichter an das Geschehen heran.

Die Kraft und das interessante dieses Buches liegen darin, eine Welt zu entwickeln, in die sich der Leser problemlos hineinversetzen kann, die vertraut, aber zugleich völlig fremd wirkt.

Ein empfehlenswertes Lese-Erlebnis einer sich verändernden Welt in einer veränderten Welt.
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10 von 11 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
4.0 von 5 Sternen Lustig und nachdenklich, einfach ein Lesespaß, 25. August 2011
Verifizierter Kauf(Was ist das?)
Rezension bezieht sich auf: Super Sad True Love Story (Gebundene Ausgabe)
Die Handlung ist nicht gerade umwerfend, die viel gelobte visionäre Fähigkeit des Autors interessant, aber auch nicht unbedingt brillant und der Sprachstil ist witzig, aber nicht überragend.

Trotz dieser scheinbaren Durchschnittlichkeit macht es unglaublich Spaß, das Buch zu lesen und sich in die möglichen letzten Tage Nordamerikas einzuleben.

Hauptsächlich liegt dies an der Erzählweise - so ist die ganze Geschichte in Form von Tagebucheinträgen und Mails, bzw. Einträgen in Social Networks erzählt. Diese Erzählform wird in sinnvoller Weise genutzt, so ergeben sich häufig überaus witzige Konstellationen durch die unterschiedlichen Sichtweisen auf Alltagssituationen der sehr unterschiedlichen Charaktere.

Dieses Spiel mit subjektiven Darstellungen in Verbindung mit der Liebesgeschichte zweier (zunächst) sehr verschiedener Persönlichkeiten ist sehr kunstvoll und einfach schön dargestellt. Damit ergibt sich keine einfache Lolita- bzw. Midlifecrisisgeschichte, sondern eine feine Analyse der Charaktere mit viel Gespür für die charakterlichen Eigenschaften und viel Gefühl zu der entstehenden und auch wieder vergehenden Liebe der Personen zueinander.

Man kann das Buch als Urlaubslektüre verschlingen und wird seinen Spaß daran haben, aber es steckt auch mehr dahinter. So schnell ist es nicht vergessen, es wirkt nach und eignet sich durchaus für Diskussionen. Wenn man will, kann man Anfänge der beschriebenen gesellschaftlichen Tendenzen auch durchaus in unserem Alltagsleben erkennen.
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7 von 8 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
5.0 von 5 Sternen Großartig!, 9. November 2011
Rezension bezieht sich auf: Super Sad True Love Story (Gebundene Ausgabe)
Da ich eigentlich nie Klappentexte lese, hatte ich tatsächlich eine Art Liebesgeschichte erwartet und nicht diese präzise Zukunftsvision, die ich eher als erschütternd als als Satire empfunden habe. Manche Ideen waren schon ziemlich absurd, aber nicht so weit abgedreht, dass es komisch wäre, eher die Schuldenkrise weitergedacht. Parallel kamen tatsächliche Nachrichten, dass China bei der Euro-Krise aushelfen will, da wurde mir schon anders. Ohne Erwartungen hat mich das Buch völlig gefesselt und gekickt, die Figuren waren trotz "Neusprech" nachvollziehbar und nah, es bleibt nicht beim einfachen Ablesen von einer Geschichte, sondern hinterlässt einen lang anhaltenden Nachgeschmack.
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6 von 7 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
5.0 von 5 Sternen Die Zukunft ohne Tunnelblick, 31. Oktober 2011
Rezension bezieht sich auf: Super Sad True Love Story (Gebundene Ausgabe)
Um es gleich vorweg zu nehmen: Dieses Buch hat mich so gefesselt, dass ich es schlicht überallhin mitnahm. Und nicht selten kam es vor, dass mich jemand fragte, was ich denn da lesen würde. Wenn ich ihm dann schweigend den Buchtitel hinhielt, deklamierte er verwirrt: "Super Super Super Sad Sad Sad Sad...", bis ich ihm erklärte, dass der Titel hier senkrecht geschrieben war. Dennoch, ganz falsch war es eigentlich nicht, jedes Wort drei- oder viermal zu wiederholen - so intensiv werden hier die Gefühle beim Leser wachgerüttelt.

Aber von vorne: Zu Gary Shteyngarts Roman um seinen tragischen Protagonisten Lenny Abramov kam ich eher durch Zufall, auch vorher hatte ich noch nichts darüber gelesen. Infolgedessen brauchte ich einige Dutzend Seiten, bis ich erst überhaupt begriff, dass das Buch in der Zukunft Amerikas spielte. Im Nachhinein kann man das nur darauf zurückführen, dass der Autor einen allzu engen, stereotypen Tunnelblick in die vor uns liegende Welt mit UFOs, Robotern und technikverwöhnten, charakterlosen Menschen vermeidet. Viel subtiler und witziger ist es, wenn man Bekanntschaft mit "Äppäräts", "SmartBlood" und Zugabfahrtstafeln als Stimmungsanzeigern macht. Gerade, dass es so klischeelos ist, macht dieses Buch so erfrischend.
Natürlich ist dennoch nicht alles eitel Sonnenschein in der Welt von morgen - denn die USA, Lenny Abramovs Heimatstaat, haben große Probleme, die die "Restaurations-Regierung" nicht in den Griff zu bekommen scheint. Chinas Einfluss wächst, auch die europapolitische Lage ist angespannt und gespalten, der gläserne Bürger ist Realität statt Horrorvision - Shteyngart verpackt durchaus reale Zukunftsaussichten so geschickt, anrührend und lustig, dass ich teilweise wirklich nicht mehr wusste, ob ich lachen oder mich gruseln sollte.
Mit schnoddriger, teils deftiger, und trotzdem seltsam poetischer Sprache schildert der Autor die Liebesgeschichte zwischen Lenny und Eunice Park, einer äußerst hübschen und toughen Koreanerin. Im Laufe der Story wird diese sogar noch zu einem Dreieck, denn sein um Jahre verjüngter Vorgesetzter mischt sich auch mehr und mehr in Lennys Leben. Teilweise wirken die Ausführungen des sympathischen Protagonisten so, als ob er selber eigentlich gar nicht in diese auch ihm futuristisch vorkommende Welt gehöre - gute Möglichkeit zur Identifikation mit ihm, oder doch eher düsterer Ausblick in die eigene bittere Zukunftsrealität?
Das Buch besteht im Wesentlichen aus einer Mischung von Tagebucheinträgen und Kommunikation über ein fiktives soziales Netzwerk namens "GlobalTeens". Letztere fand ich persönlich zwar - genauso wie den Roman im Ganzen - auch gelungen, teilweise allerdings dann doch zu überspitzt. Liest man einige von Shteyngarts drastischen Formulierungen, sträuben sich einem regelrecht die Nackenhaare.

"Super Sad True Love Story" ist ein Meisterwerk der amerikanischen Literatur, auf das Gary Shteyngart sehr stolz sein kann. Kaum mag man sich vorstellen, was passieren würde, wenn seine Voraussagen tatsächlich eintreffen - und auf der anderen Seite wünscht man es sich fast, weil die dargestellten Situationen manchmal so urkomisch sind, dass man selbst Akteur im Geschehen sein möchte.
Lebendiger und gleichzeitig surrealer als dieses Buch geht nicht - daher fünf Sterne und der tiefe Wunsch, in Zukunft [sic] viel öfter diese Art Roman lesen zu dürfen. Es wäre eine wahre Bereicherung.

MfG
Infocat
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2 von 2 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
5.0 von 5 Sternen Dieses Buch ist böse ;-), 2. März 2013
Rezension bezieht sich auf: Super Sad True Love Story (Gebundene Ausgabe)
Warum? Weil es so lesbar und dynamisch daherkommt, dass einem erst allmählich die Vielschichtigkeit - wenn überhaupt, wie die eine oder andere Rezension hier zeigt - der Themen ins Unterbewusstsein sickert. Vordergründig erscheint das Buch als bissige Dystopie, die ihre Glaubwürdigkeit schon aus der kaum verkleideten Nähe zur Realität und dem Spiel mit vertrauten Bildern gewinnt. Darunter aber entfalten sich Lebensgrundthemen wie die Angst vor Alter und Tod und die verletzliche und verletzte Liebe von Kindern zu ihren Eltern. Letztere prägt auch die Liebesgeschichte der "Kinder" untereinander entscheidend, ihre Ansprüche und Hoffnungen, aber auch ihre Missverständnisse. Diese Themen sind so subtil in die Kontexte eingebettet, dass man sie der "zeitgeistigen" Form und der Fülle der äußeren Motive wegen schnell mal überlesen kann.

Ich fand die verschiedenen Medien für die Stimmen von Lenny und Eunice, altmodisches Tagebuch hier, "Teenen", also elektronische Briefpost da, sehr gut gewählt, um ihre so unterschiedlichen Gedanken, Gefühle, Persönlichkeiten und darüber eben auch ihre Beziehung aus der jeweiligen Perspektive darzustellen. Zeitweise hätte ich selbst gern die eine oder andere Mail an Eunice geschrieben, um ihr virtuell beizustehen *lach*.

"Super sad true love story" hat sich aus dem Stand auf meine Lieblingsbuchliste katapultiert. Es war ein intensives Lesevergnügen, ist nachhaltig hängengeblieben, und ich werde es sicher noch einmal lesen. Dann vielleicht im amerikanischen Original, damit ich weiß, was da mit "Äppärät" übersetzt wurde ;-). Das Wort werde ich in meinen Wortschatz übernehmen und damit die Smartphonekids nerven...

Kurz: fünf Sterne und dicke Empfehlung für all die, die noch wirklich lesen und nicht nur "Informationen scannen".
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4 von 5 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
5.0 von 5 Sternen Traurig aber wahr und erschreckend nah an der momentanen Weltlage, 8. September 2011
Rezension bezieht sich auf: Super Sad True Love Story (Gebundene Ausgabe)
Ich habe mir das Buch auf Grund verschiedener Rezensionen u.A. Spiegel Online gekauft und war anfangs etwas skeptisch wie sich die Geschichte entwickeln würde. Aber sobald man etwas in der Handlung drin ist und die Hauptfiguren an Profil gewinnen, wird es zum absoluten Suchtfaktor. Die Handlung ist wenn man die aktuelle Wirtschafts-, Sozial- und Gesellschaftssituatiion betrachtet, ein düsterer, verstörender Blick in die Zukunft. Für jeden zu empfehlen, der gerne mal wieder etwas lese will, was zum Nachdenken anregt. Danach wird man viele Dinge wie Facebook, Kredite und die Kommunikationsfähigkeit der nächsten Generation etwas bewusster wahrnehmen.
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1 von 1 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
3.0 von 5 Sternen Shteyngarts überaus traurige Wahrheiten, 23. Dezember 2012
Rezension bezieht sich auf: Super Sad True Love Story (Gebundene Ausgabe)
Der dritte Roman des 39-jährigen, in Leningrad (heute St. Petersburg) geborenen jüdischen US-Amerikaners Gary Shteyngart handelt vom Untergang der Vereinigten Staaten von Amerika. Dem “Bruch”, wie er im Buch genannt wird. Die Volksrepublik China, Norwegen und Saudi-Arabien übernehmen, eher widerwillig, die Verwaltung der schäbig und drittwelthaft gewordenen Reste des einstigen “Landes der Freien, Heimat der Tapferen”. Tapfer muss man auch sein, um sich bis zum Ende von Shteyngarts überaus bitterer Satire durchzuschlagen: Es gibt Durststrecken zu überwinden von schwer erträglicher jiddischer Sentimentalität, abgrundtiefem Selbstmitleid der Hauptfigur Lenny Abramov und in bewusster Minimalsprache gehaltenen Web-2.0-Posts der weiblichen Hauptfigur Eunice Park. Doch wiegen all diese Entbehrungen wenig im Vergleich zum Genuss an boshaftester Gegenwartssatire, die “Super Sad True Love Story” auch bietet, von der Allgegenwart des hier als “Äppärät” (Sic! Wie mag das Ding nur im amerikanischen Original heißen?) firmierenden Smartphones über die ätzende Geißelung des Jugendlichkeitswahns der globalen Mittel- und Oberschicht (unter Unsterblichkeit geht jetzt gar nichts mehr) bis hin zur orwellhaft finsteren, aber nüchternen Beschreibung eines New York nach dem “Bruch”, das mehr Ähnlichkeit mit Mogadischu hat als mit dem “Big Apple” des 20. Jahrhunderts: Privatarmeen kontrollieren die unsicher gewordenen Straßen, die zum Quasi-Genozid ausgeuferte Gentrifizierung macht auch vor jüdischen Altersheimen keinen Halt mehr, während die neuen Herren (und Herrinnen) der nun nicht mehr vereinigten Staaten in Palästen mit einer Deckenhöhe von 30 Metern am Hudson River indoor-Feuerwerk abzubrennen pflegen. – Die eigentliche “überaus traurige wahre Liebesgeschichte” zwischen Lenny (39, intellektuell, buchfixiert, depressiv, ungepflegt, unattraktiv) und der koreanisch-stämmigen Eunice (24, verwöhnt, konsumfixiert, verstört, gepflegt, von blendendem Äußeren) ließ mich eher kalt – zu absehbar, was hier abgeht (von zwanghafter Todesfurcht geplagter jüdischer Großstadt-Intellektueller verliebt sich unsterblich in vaterfixierte, desorientierte Kind-Frau mit ostasiatischem Migrationshintergrund, die ihn schlussendlich verlässt, um sich einem noch älteren, noch stärker von Todesfurcht geplagteren, aber wesentlich mächtigeren Mann zuzuwenden – Lennys Chef). Entschuldigung, aber es gelang mir hier nicht, nicht an Woody Allens Beziehung zu Soon-Yi Previn zu denken. – Shteyngarts Stärke liegt weniger im Lyrischen, Epischen und Poetischen als in der (über-)pointierten Schilderung zivilisatorischer Deformationen der Gegenwart, die er, gängige literarische Technik, in eine nahe Zukunft (10 – 20 Jahre) hin extrapoliert, wo sie zu übelsten sozialen, politischen und wirtschaftlichen Verwerfungen führen. Insoweit ist “S.S.T.L.S” vergleichbar mit dem ungleich umfangreicheren Roman “Unendlicher Spaß” des kürzlich von eigener Hand getöteten David Foster Wallace. Doch wo Wallaces Text sich dehnt, streckt, implodiert und schließlich selbst verschluckt, kommt Shteyngart weit weniger ambitioniert daher: seine Erzählweise ist chronologisch, der Text ist nahezu ausschließlich aus Tagebuchausrissen Lennys und Eunices posts auf einem social network namens GlobalTeens zusammengesetzt. So liest sich das Werk recht flüssig und eingängig, ohne dabei jedoch an inhaltlicher Schärfe einzubüßen. Das Schlusskapitel zeigt einen mittlerweile zum (Post-)Literatur-Star wider Willen avancierten Lenny Abramov, der sich jetzt “Larry Abraham” nennt, wie er im komfortablen toskanischen Landsitz italienischer Freunde von der bevorstehenden Verwandlung seiner Tagebücher in ein “Cinecittà-Videospray” erfährt (was zum Teufel ist ein “Videospray” – ein aufsprühbarer Video-Clip?). – Konnte ich angesichts der dezidierten nerd-Haftigkeit von Shteyngarts Humor zu Beginn der Lektüre noch (scheinbar) wissend schmunzeln oder gar manchmal laut auflachen, so durchlebte ich im Fortgang eine Phase deutlichen Angewidertseins, weil die Kritik des Autors an der Oberflächlichkeit der von ihm beschriebenen Konsumwelt ebenfalls ziemlich an der Oberfläche bleibt (im stoßseufzenden Stil von “Wenn die Menschen doch nur mehr Tschechov lesen würden, statt ständig Online-Shopping zu machen!”), schließlich aber wurde mir klar, dass dies nicht die Oberflächlichkeit des Autors, sondern die der larmoyanten Figur Lenny/Larry Abramov/Abraham ist. Ich hatte einen literaturkritischen Anfängerfehler begangen und Züge des Protagonisten auf den Autor projiziert! Mit etwas Abstand betrachtet, stellt “S.S.T.L.S” demzufolge eine endharte Gesellschaftssatire auf der Höhe der Zeit dar, die sich jedoch nur selten unangenehm moralinsauer über selbige (die Zeit jetzt) erhebt.

Postskript: Das Buch enthält den Kommentar eines fiktiven Literaturkritikers über Eunice Parks GlobalTeen-Posts, in dem ich, natürlich völlig mutwillig, strukturelle Parallelen zu Kommentaren namhafter deutscher Literaturkritiker zu Charlotte Roches “Schoßgebeten” lesen möchte: “Sie ist keine geborene Schriftstellerin, was man von jemandem aus einer mit Images und Konsum groß gewordenen Generation auch kaum erwarten kann, doch ihre Schreibe ist interessanter und lebendiger als alles andere, was ich aus dieser analphabetischen Epoche gelesen habe. Natürlich kann sie zickig sein, und natürlich spürt man auch die Patina einer Mittelschichts-Anspruchhaltung, doch vor allem tritt ein echtes Interesse an der Welt um sie herum zutage – der Versuch, mit dem heiklen Erbe ihrer Familie zurande zu kommen und ihre eigenen Ansichten zu Liebe, körperlicher Zuneigung, Kommerz und Freundschaft zu entwickeln, und das alles in einer Welt, deren Grausamkeiten mehr und mehr die ihrer eigenen Kindheit wiederspiegeln.”
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4.0 von 5 Sternen Erinnert an 1984: Totalitarismus, Massenmanipulation, Desinformation, 28. Juli 2014
Verifizierter Kauf(Was ist das?)
Rezension bezieht sich auf: Super Sad True Love Story (Kindle Edition)
Manche Erzählelemente machen für mich keinen Sinn, manches war mir zu absurd. Was sollen die Kreditpfosten? warum verblödeten alle Amerikaner so? Dennoch fand ich manche Handlungsreisenden Dinge beängstigend nah: Die lebensbestimmenden Äppäräte, der Drang nach technischer Unsterblichkeit, die Rolle von Hochfinanz und Konsum. Ein schreckliches Zerrbild der Zukunft.
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2 von 3 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
3.0 von 5 Sternen Ein neues 1984, 28. März 2012
Rezension bezieht sich auf: Super Sad True Love Story (Gebundene Ausgabe)
Mir hat das Buch insgesamt gut gefallen, auch, wenn ich den Stil manchmal anstrengend, ja sogar nervig fand. Der Stil ist natürlich bewusst gewählt, da eine Generation Twitter/facebook/SMS dargestellt wird, die noch einen kleinen Schritt weiter ist als wir. Und das alles in einer (US-amerikanischen) Welt des Niedergangs, rasant und geistreich geschildert. Der definitiv vollständig gläserne Bürger hat mich nachdenklich gemacht. Fazit: Die Nachricht des Buches ist angekommen, was nicht weiter verblüffend ist, wird sie allzu deutlich vermittelt. Wir haben in der Schule mit 16 "1984 von Orwell" gelesen, und mein Gedanke beim Lesen des Romans von Super Sad True Love Story war, dass es ein Buch für 16-25Jährige ist und sich gut im Unterricht lesen ließe. Ich bin fast 40 und hatte manchmal das Gefühl, schon zu alt für den Roman zu sein.
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4 von 6 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
3.0 von 5 Sternen Alles gelogen!, 29. Januar 2012
Rezension bezieht sich auf: Super Sad True Love Story (Gebundene Ausgabe)
Ein unansehnlicher Ami russischer Abstammung, 39 Jahre alt, woody-allen-like, ohne jedes Sex-Appeal, verliebt sich in eine 20-jährige koreanisch-stämmige Hübsche. Sie zieht bei ihm ein, weil er Platz hat und bleibt ein paar Monate mit ihm zusammen, aus Schuldgefühl und Fürsorge, bevor sie sich mit seinem Chef einlässt. Es ist weder eine wahre noch eine traurige Liebesgeschichte, die Shteyngart erzählt. Der Titel ist eher eine ironische Anspielung auf Erich Segals 'Love Story'. Der Plot ist vorhersehbar, schablonenhaft und die Figuren sind psychologisch nicht nachvollziehbar ausgearbeitet. Interessant ist der dystopische Aspekt: dass Amerika vollständig pleite gegangen ist, ein Vasall Chinas, in dem man mit Yuan bezahlt. Bürgerkrieg und ein autokratisches Regime machen das Leben unsicher. Der Autor spielt mit Fantasien, die die gegenwärtige Entwicklung nur ein wenig weiterdrehen. Eine Occupy Wall Street vergleichbare Bewegung wird ausradiert, Umsiedlungen und Ausbürgerungen im großen Stil sollen das Land für Investoren attraktiv machen. Aber die Geschichte bleibt augenzwinkernd, anekdotisch und untragisch. Im Gedächtnis haften verspielte Ideen, wie sich unser Leben abspielen könnte. Bücher riechen angeblich schlecht, niemand liest mehr. Alles vermittelt sich über Bilder. Man hat einen wunderbaren 'Äppärät', durch den man kommuniziert, einkauft und stets seine Umgebung in Bezug auf den eigenen Status abscannt. Wie man in welchem Ranking steht, ist das allerwichtigste. Der ... ''Faktor' zeigt die sexuelle Attraktivität an. Die Kreditwürdigkeit wird an elektronischen Schrifttafeln auf Straßenmasten öffentlich gemacht. Leider tragen diese witzigen Apperçus den Roman nicht über die Distanz von 460 Seiten.
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Super Sad True Love Story
Super Sad True Love Story von Gary Shteyngart (Gebundene Ausgabe - 15. Juli 2011)
EUR 19,95
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