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Kleine Erinnerungen
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21 von 23 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich.
Zweifelsohne fließen in Romane und Erzählungen viele persönliche Erlebnisse und Erinnerungen des jeweiligen Autors ein. Ausgeschmückt, hinzugedichtet, erweitert, drapiert und ausstaffiert treten diese ihren Weg ins Buch und letztendlich zum Leser an. Dabei ist es völlig egal, ob es sich um einen "Debütanten" oder einen "hoch dekorierten, gestandenen" Schriftsteller wie den 86-jährigen portugiesischen Literaturnobelpreisträger José Saramago handelt.

In seinem schmalen Buch "Kleine Erinnerungen" erwähnt er an einigen Stellen solche Begebenheiten, die ihn später zu einigen seiner Romane inspiriert haben. Sei es nun ein denkwürdiger Ausflug nach Mafra in die monumentale Basilika mit ihrem gehäuteten heiligen Bartholomäus, die ihn zu "Das Memorial" animierte. Oder aber der von Zeit zu Zeit stattfindende Besuch eines etwas streng riechenden blinden Verwandten, dessen Ausdünstungen er seitdem mit Blindheit verbindet und dies vermutlich in "Die Stadt der Blinden" seinen Niederschlag fand. Der frühe und für ihn nicht geklärte Tod seines Bruders Francisco sowie seine späteren Recherchen in Personenstandsregistern regten ihn wiederum zum Roman "Alle Namen" an.

Doch dies sind nur kleine Randnotizen des vorliegenden autobiografischen Buches, das von Reminiszenzen Saramagos aus einer Zeit, in der er Kind war berichtet. Sie reichen von den frühesten im Gedächtnis haften gebliebenen Retrospektiven mit ca. 2-3 Jahren bis ins jugendliche Alter. Auch wenn "Kleine Erinnerungen" nicht die vergleichbare Tiefe und Substanz seiner großartigen Romane hat, so ist es doch ein kleines-großes und vor allem liebevolles Werk.

"Lass dich von dem Kinde verführen, das du einmal warst." Diesen Satz aus dem "Buch der Ratschläge" stellt der bescheidene Autor, der zurzeit an einem neuen Roman arbeitet, seiner Erzählung voran. Und im wahrsten Sinne des Wortes verführt und bezaubert José Saramago den Leser. Er schreibt voller Liebe von seinem Geburtsort Azinhaga, am Ufer des Flusses Almonda, der wiederum "einen knappen Kilometer südlich der letzen Häuser" mit dem Tejo zusammentrifft.

Der Leser erfährt wie José Saramago zu seinem Familienname kam, der keineswegs der väterliche war, sondern ein Spitzname, dem er einem betrunkenen Standesbeamten zu verdanken hat. Auch seine erste "poetische Komposition" gibt der Autor zum Besten. Es ist ein volkstümlicher Vierzeiler, den der damals 17-jährige auf einen kleinen, herzförmigen Teller brennen lies, um seine Liebschaft (und spätere Frau) Ilda Reis zu beglücken: "Lass es niemand hören / denn es ist geheim / dies Herz aus Ton soll dir gehören / mein eignes ist schon dein."

Mal heiter und mit subtilem Humor, hin und wieder mit einem Schuss Ironie, manchmal traurig, melancholisch oder nachdenklich, hier mit verschmitztem Lächeln und da voller Zuneigung, erzählt der große Schriftsteller von den kleinen Dingen des Lebens, den Abenteuern und "kaum nennenswerten Heldentaten" des heranwachsenden Jungen.
Immer wieder schlägt er feinfühlige Töne an, die einen wohligen Schauer auf der Haut des Lesers erzeugen. Marianne Gareis, der Übersetzerin aus dem Portugiesischen, ist es zu verdanken, dass diese dezenten, sensitiven Töne dem deutschsprachigen Leser ohne Verluste zugängig geworden sind.
Und so gewähren sie einen hinreißenden Blick in intime Momente der Vergangenheit des portugiesischen Autors und erzeugen durch subtil erzeugte Schwingungen ein angeregtes Leseerlebnis.

Fazit:
Bilder, Gerüche, Geräusche, Düfte, Empfindungen weiß der portugiesische Nobelpreisträger José Saramago auf eindrucksvolle Art und Weise wiederzugeben. "Kleine Erinnerungen" ist eine wunderbare Reise in die Vergangenheit, zu seinen Wurzeln und familiären Bindungen. Ein leises, zartes Buch, das eine ganz andere Seite des Literaturnobelpreisträgers zeigt.
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13 von 15 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich.
am 15. März 2009
Es gibt nicht viele Bücher, die mich beim kursiven Durchblättern gleich in den Bann ziehen, aber "Kleine Erinnerungen" ist eines davon. Zwar kann man den Lebenserinnerungen des 1922 geborenen Portugiesen und Nobelpreisträgers (1998) beim Lesen anfänglich auch eine gewisse Schwülstigkeit anheften und das Pathos eines alten Mannes, der seinen Erfolg in der Rückschau verklärt - ist doch aus dem in ärmlichen Verhältnissen aufgewachsenen Landarbeitersohn auf wundersame Weise ein Star geworden. Das Wunder dieser (so will es scheinen) aus dem Handgelenk geschaffenen Erinnerungen liegt in seiner Einfachheit und seiner Komplexität zugleich. - José Saramago ist in einem kleinen Provinznest geboren, zu einer Zeit, als man noch barfuss ging und Angeln, gleich wie das Zum-Tanze-Auffordern der schönen Nachbarstochter, Höhepunkte einer Jugend darstellten. Mit zwei Jahren zog die Familie nach Lissabon um, wo der Vater als Polizist Arbeit fand. José Saramago verbrachte aber seine Ferien jedes Jahr in dem Dorf seiner Geburt und kehrte auch später immer wieder an diesen Ort zurück. Aus diesem Gegensatz bezieht "Kleine Erinnerungen" einen Teil seiner Spannung. Die andere Faszination, die der schmale Band auf mich ausübt, liegt im Umstand, dass die vielen kleinen Kapitel, die nur ausnahmsweise mehr als zwei Seiten ausmachen (und bis etwa Seite 30 den Verdacht der Zufälligkeit nähren), ein ganzes Leben darstellen, das immer auch an die eigene Jugend erinnert - kaum ein Thema ist ausgelassen: Eltern, Freunde, Nachbarn, Verwandte - Geburt, Schule, Liebe, Arbeit, Kirche, Tod. - Ein wunderbares Buch, nicht zuletzt, weil sich das Schwülstige in Saramagos Sprache schnell verliert und einem lausbübischen Witz Platz macht.
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4 von 5 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich.
am 23. Februar 2012
Bei den KLEINEN ERINNERUNGEN wird (mal wieder) deutlich, dass es die vermeintlich kleinen Dinge sind, die das Leben ausmachen, prägen und färben.
Der Nobelpreisträger (Literatur 1998) erzählt von Episoden/Fragmenten seiner Kindheit und Jugend, die von Armut geprägt sind. Es geht um die Entdeckung des anderen Geschlechts, die Lebensumstände der Familie, die Schullaufbahn; nichts Weltbewegendes - nicht Grosses.
Das macht das Buch aber auch so sympathisch; hier protzt kein erfolgreicher Literat mit Geschichten, die den Leser sein eigenes Leben farblos und öde erscheinen lassen, hier erzählt ein bescheidener alter Mann (*1922 - verstorben 18. Juni 2010 ) aus seinem Leben und lässt uns daran teilhaben, welche Begebenheiten ihn teilweise zu seinen Werken inspirierten.
Seine Erinnerungen sind manchmal witzig, teilweise traurig oder erschreckend; immer aber lebendig und farbig. Man kann gut verstehen, dass ihn der Verlust einiger (in seinem Gedächtnis noch sehr präsenter) Fotografien schmerzt; der Tod seines Bruders wurde eben so wenig korrekt dokumentiert wie die eigene Geburt samt Namen. Für heutige Verhältnisse kaum vorstellbar - früher offensichtlich nicht unüblich.
Ein paar schöne Sätze wie: "Ich glaube, es gibt auf der ganzen Welt kein tieferes Schweigen als das Schweigen des Wassers."
Und eine wunderbare Liebeserklärung an den Grossvater: "....vielleicht ein von der Last des Unmöglichen erdrückter Einstein, ein Philosoph, ein bedeutender analphabetischer Schriftsteller. Irgendetwas, das er nie sein konnte, ist er bestimmt."
Es wurde nicht schwatzhaft geplappert, man beschränkte sich auf das Wesentliche und Wichtige; "So waren wir, im Innern verletzt, doch nach aussen hin ungerührt."
Gutes Buch - besonders in Anbetracht einiger Reizüberflutungen und Zeitgenossen, die Reden als Selbstzweck zu sehen scheinen. Mit gerade 160 Seiten (incl. Lesebändchen - sehr schön) auch für die "busy people" zu verkraften.
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7 von 9 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich.
am 13. April 2009
In "Kleine Erinnerungen" bring Saramago auf 160 Seiten einige Erinnerungen seiner Kindheit und Jugend zum Besten. Er erzählt vom Dorf Azinhaga am Almonda, der am südlichen Ende des Dorfes in den Tejo mündet, in dem er geboren wurde und auch nach der Übersiedlung nach Lissabon noch sehr viel Zeit verbrachte. Er berichtet von den geliebten Großeltern mütterlicherseits und von jenen der väterlichen, die er weniger ins Herz geschlossen hatte, von den häufigen Wohnungswechseln in Lissabon und davon, wie der Vater schließlich den Namen des Sohnes annahm und Jose (Zezito) de Sousa eigentlich niemals Saramago hätte heißen sollen. Erinnerungen aus Schulzeiten und an zu früh verstorbene Freunde und Verwandte werden wach, die Kritik am Vater ist hörbar ...

Zumal erheitern Anekdoten, zumal unterhalten einfache Kindheitserinnerungen, generell sind die Erzählungen nicht überaus spannend, bedienen sie auch eine ganz andere Zeit. Lausbubengeschichten sind nicht zu erwarten.

Verweise einzelner Erlebnisse auf spätere Romane Saramagos waren mir gute Anhaltspunkte, wobei ich nicht sicher bin, ob die Inhalte später Werke von so frühen Erinnerungen doch so stark beeinflusst wurden.

Die einzelnen Episoden sind kurz und prägnant. Auch die sprachliche Ausführung der kleinen Erinnerungen ist direkt und leicht, lässt dennoch genügend Freiraum für Zwischentöne und schafft damit einen weiten Bogen zu seinen herausragenden Romanen, von welchen sich die kleinen Erinnerungen klar abgrenzen.
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am 4. Februar 2013
In gewohnt philosophischer und poetischer Sprache erinnert sich der portugiesische Nobelpreisträger Saramago an seine Kindheit und frühe Jugend.

1988 heiratete der portugiesische Schriftsteller Jose Saramago die Journalistin Pilar, mit der er fortan sein Leben teilte. Dass er seine zweite Frau von ganzem Herzen geliebt hat, zeigte er der Welt in den Liebeserklärungen, die er in einige seiner Bücher geschrieben hat. „Für Pilar, die noch nicht geboren war und noch lange auf sich warten ließ.“ Jede dieser Widmungen ist auch gleichzeitig ein Erinnerungen an diese Liebe.
Und „Kleine Erinnerungen“, heißt das Buch, in dem der Auto über sein Leben schreibt. Für so ein langes Leben (1922-2010) mit all den Erlebnissen und geschichtlichen Umbrüchen ist es ein zu dünnes Buch, gibt es doch Menschen, die der Meinung sind, bereits in jungen Jahren viel erzählen zu können und müssen und doch nichts sagen. Auf den knapp 160 Seiten versucht Saramago gar nicht erst sein ganzes Leben zu erzählen, Pilar kommt nicht vor, ebensowenig seine erste Frau, sein Kind oder die Verleihung des Nobelpreises für sein künstlerisches Schaffen, Diktatur unter Salazar, „Kindliche Grausamkeit kennt keine Grenzen (und das ist der eigentliche Grund, weshalb auch die der Erwachsenen keine kennt“, der Skandal, als sein Buch „Das Evangelium nach Jesus Christus“ veröffentlicht wurde, deswegen zog er nach Lanzarote, wo er auch verstarb und weiteres, das zu nennen, sich erübrigt, denn darüber schreibt der Portugiese nicht. Und doch enthält das Buch alles, was den Menschen und Schriftsteller Saramago ausmacht. „…ohne mir dessen bewusst zu sein, angelte ich Dinge, die für meine Zukunft nicht weniger wichtig waren: Bilder, Gerüche, Geräusche, Düfte, Empfindungen…“
Geboren in einem kleinen Dorf am Fluss Almonda, der sich nicht weit entfernt mit dem Tejo vereint, in einer flachen Ebene voller Olivenhaine, Pappeln, Eschen und Weiden, wird er mit zwei Jahren aus dieser Welt gerissen, als seine Eltern in die Hauptstadt Lissabon ziehen „…und ich allein wusste…dass ich nach Azingha zurückkehren sollte, um fertig geboren zu werden.“
Er schildert, auf welchem Wege er zu seinem Nachnamen kam, „…wohl der einzige Fall in der Geschichte der Menschheit, in dem der Vater nach dem Sohn benannt wurde“, seine ersten Versuche zu Schreiben, ein Gedicht, Protopoem genannt, er erzählt, warum er kein Christ werden konnte, seine ersten Erlebnisse mit Mädchen, eifersüchtigen Männern und schulischen Erlebnissen, obwohl seine Eltern arm sind und kaum lesen und schreiben können, wird der Junge ein sehr guter Schüler. Saramago schildert in poetischen Worten seine Kindheit und Jugend und wie er Ideen für einige seiner späteren Bücher fand. „Irgendwann würde ich darüber gern einen Roman schreiben.“
Die „Kleinen Erinnerungen“ lassen den Leser eintauchen in die Welt Saramagos, die voller Wunder und Liebe ist, doch sind seine Erinnerungen tatsächlich seine?
„Manchmal frage ich mich, ob bestimmte Erinnerungen wirklich meine eigenen sind oder vielleicht eher fremde, in denen ich unbewusst mitgespielt habe und die mir erst im Nachhinein über Beteiligte vermittelt wurden…“
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