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am 10. Dezember 2007
"Eine Zeit ohne Tod" ist der neuste Roman des Nobelpreisträgers Saramago. Das unerhörte Ereignis zu Beginn dieses Buches besteht darin, dass tod (kleingeschrieben, personifiziert als Frau!) ihre Arbeit niederlegt. Die Gesellschaft altert weiter, Menschen flüchten zum Sterben ins Ausland, die Regierung des nicht näher benannten Landes ist hilflos.
Saramago spielt auf den ersten hundert Seiten mit den aktuellen Debatten des alternden Europa, überzeichnet sie und feuert die ein oder andere Spitze gegen Politiker und Medien, die kein Vertrauen verdienen. Manchmal hat man das Gefühl, der Autor vergesse für ein paar Absätze das eigentliche Thema und ist eher damit beschäftigt sich persönlich Luft zu machen, doch seine kritischen Passagen wirken im Kontext doch zuletzt immer angemessen.
Dass er in Meister darin ist, den Leser zu verwirren, ist bekannt. Der typisch unzuverlässige Erzähler lässt einem das ein oder ander Mal im unklaren, betrachtet das Geschehen nah in einer Familie oder distanziert für die ganze Nation. Saramago zeigt in der ersten Hälfte des Romans, wie unser gesamtes gesellschaftliches Leben auf den Wechsel zwischen Generationen, auf den Tod hin ausgerichtet ist und wie irrsinnig ein Wunsch nach Unsterblichkeit sein kann.
Als tod doch wieder die Arbeit aufnimmt, ändert sich der Tonfall und die Atmosphäre: der Erzähler schaut ihr über die Schulter, verfolgt ihre Wege und es kommt dazu, dass ein Mann nicht sterben will, obwohl alle Welt den normalen Gang der Dinge wieder angetreten hat. Um hier nicht zu viel zu verraten, sei nur gesagt, dass den Leser ein überraschendes und wohl inszeniertes Ende erwartet.
Wer Saramago kennt und zu schätzen weiß, der darf hier bedenklos die Lektüre beginnen, aber auch für alle anderen sei er empfohlen, ist er Neue doch weniger düster und leichter zugänglich als manch andere seiner Werke (z.B. "Das Todesjahr des Ricardo Reis").
Spannend aufgebaut, elegant und temporeich erzählt: sehr gut!
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am 7. Juli 2009
Der Tod hat seine Arbeit eingestellt! Auf den ersten Blick ein Grund zur Freude, wenn plötzlich niemand mehr stirbt - doch es bedeutet auch, dass Menschen, die im Sterben liegen, nicht einfach die Augen schließen dürfen, sondern auf unbestimmte Zeit in diesem Zustand zwischen Leben und Tod gefangen bleiben. Es bedeutet, dass Bestatter und Totengräber arbeitslos werden, dass Krankenhäuser und Altenheime völlig überfüllt sind, dass Überbevölkerung droht, die das Rentensystem an den Rand des Zusammenbruchs bringen wird, dass Familien verzweifelt mit ansehen, wie jemand ohne Hoffnung auf Erlösung auf dem Sterbebett liegt.

Die Politik ist ratlos, die Presse spekuliert, die Kirche sieht sich mit dem Verlust ihrer Existenzberechtigung konfrontiert, denn ohne Tod kein ewiges Leben. Währenddessen gründen findige Köpfe eine Gruppierung, die Menschen zum Sterben außer Landes bringt, denn dort waltet Gevatter Tod nach wie vor seines Amtes. Daraus entwickelt sich eine mächtige verbrecherische Organisation, die bald das ganze Land im Würgegriff hat, die öffentliche Ordnung, das Leben, wie man es kannte, ist völlig auf den Kopf gestellt.

Wieder entwickelt Saramago ein faszinierendes "Was wäre wenn"-Szenario, in dem ein ganzes Land durch ein plötzliches Ereignis vollkommen aus der Bahn geworfen wird und sich auf einmal im Angesicht von Gegebenheiten wiederfindet, die eigentlich gar nicht möglich sind. Es gibt kaum echte Protagonisten, meist nur namenlose Figuren, auf die er hier und da Schlaglichter wirft.

Sprachlich bietet Saramago wieder sein ganzes typisches Stilarsenal auf: ewig lange Bandwurmsätze, wenig Absätze, keine wörtliche Rede, viele Schauplatzwechsel. Die Übersicht ging trotzdem nie verloren, weil das Geschehen zeitlich linear erzählt wird. Ab und zu schaut er sich selbst beim Schreiben über die Schulter und spricht den Leser direkt an. Doch auch ohne dieses direkte Einbezogenwerden hätte mich das Buch unglaublich gefesselt. Für mich hat sich Saramago hier selbst übertroffen. Packend waren seine Themen schon immer, doch hier schreibt er auch besonders lebendig und flüssig. Großartige Lektüre.
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am 19. Juni 2010
"Schicksal der Hoffnung ist, stets aufs Neue geboren zu werden."
(José Saramago)

José Saramago (1922-2010), portugiesischer Nobelpreisträger für Literatur seit 1998, ist ein wunderbares Buch gelungen. Fragt man nach Buchanfängen, die Weiterlesen zwingend machen ist es dieser: "Am darauffolgenden Tag starb niemand ". Es ist Neujahr und das Ende des Sterbens suggerierte unüberlegt ein Paradies ausschließlich in einem fiktiven Land und nur innerhalb der Grenzen, so dass die Nachbarn Züge des unerbittlichen Imperialismus zeigten und ebenso sich blind gegenüber der vierfachen Krise, nämlich der demographischen, sozialen, politischen und wirtschaftlichen. In Anbetracht all der Katastrophen sich der Blick zur Hölle veränderte. Verletzte wurde blutüberströmt geborgen, eigentlich tot überlebten sie, weil es so sein musste. Alte und Kranke blieben daheim oder überfüllten die Krankenhäuser und Altenheime. Politscher Druck und Chaos aus der vorhersehbaren Krise wurden größer, Formen der Euthanasie durch Grenzübertritt deutlich und notwendig. Hoffnung, ewig zu leben wich dem Horror, niemals zu sterben.

Vertrauend auf die Weisheit der Zeit, die uns versichert, "dass es immer ein Morgen geben wird, das die Probleme löst, die heute noch unlösbar erscheinen" lösten Thesen Thesen ab. "Falls wir nicht sterben, haben wir keine Zukunft mehr" war nur eine dieser Thesen bis die Wende kam und der Zug der Zeit auf sein altes Gleis zurückfand. Der Tod tritt auf, eine Sie (portugiesisch: morte, feminin) und nur als persönlicher Tod, es wird wieder gestorben, aufatmen in dem Land, die Normalität kehrt zurück und doch - ein Mensch ist außerhalb der Regel, sein Tod mit 49 tritt nicht ein, seinen 50 Geburtstag erlebt der einsame Cellist, weil, wie der Erzähler berichtet: "Mit kalter Aufmerksamkeit hast du den schlafenden Cellisten beobachtet, diesen Menschen, den du nicht zu töten vermochtest, weil du seiner erst habhaft wurdest, als es bereits zu spät war". So rettet auch hier der Tod die Liebe wie bei Verdi oder Shakespeare - allerdings ins Leben.

Tritt anfangs wohlüberlegt und wiederholt die Betrachtung der gesellschaftlichen Nuance aller Ursachen und Folgen des fehlenden Todes in den Vordergrund, findet die spontane Wende im erneuten Sterben und in einer persönlichen Beziehung in D-Dur, der Tonfolge der Freude und der Liebe bei Bach und Beethoven eine gekonnte Interpretation und macht so das Buch zu einem Lesevergnügen, atemlos von der ersten bis zur letzen Seite. Die Tod stößt an die eigenen Grenzen und so endet der Roman, wie er begonnen hat: "Am darauffolgenden Tag starb niemand." Die Gründe werden sich verändert haben.

Saramago schreibt ohne orthographische Regel, sein Ineinanderlaufen von Frage und Antwort, von jedem Dialog erschwert das Lesen und macht es wie die Geschichte ist: atemlos. Atemlos in einem Szenario der Überbevölkerung, in dem deutlich wird, wie sich Werte, Moral, Liebe und Pflege verändernd zeigen können, wie notwendig Gesellschaft, Kirche und der Mensch an sich des Todes bedürfen. Diese Hetze stockt erst im Zuge der Wende. Dass Saramago in der Hast an Neubetrachtungen desselben nicht vorbeikommen will, zeigt er in der Vielfalt der Blickwinkel, ist doch jede Betrachtung eine von sozialkritischem Ernst oder satirischer Philosophie. Ein Mann, ein Literat, ein Nobelpreisträger ist nicht mehr, einer, "der mit Gleichnissen, getragen von Phantasie, Mitgefühl und Ironie, ständig aufs Neue eine entfliehende Wirklichkeit greifbar macht", so der Beginn der Mitteilung der Schwedischen Akademie zum Nobelpreis.

José Saramago ist tot. Am Freitagmittag, gestern, dem 18.06. ist er in seinem Haus auf Lanzarote gestorben. In einem Interview sagte er einmal: "Meine Ruhe und meine Gelassenheit haben mir geholfen, den Tod als etwas ganz Natürliches zu betrachten, gegen den man sich allerdings wehren sollte. Man darf nicht resignieren und die Tatsache des Sterbens einfach akzeptieren." Eine Zeit ohne Tod ist für den großen Portugiesen zu Ende. Seine unentwegte Hoffnung auf den besseren Menschen wird weiterleben. Wie auch seine Bücher: "Die Stadt der Blinden", sein Nobelpreis-Werk, "Die Stadt der Sehenden" und sicher auch seine kleine, jüngst erschienene Autobiographie als Kleine Erinnerungen, die mit dem 15. Lebensjahr endet, doch Basis ist für einen Mann, dessen Herkunft, Denken und Schreiben bestimmt hat. Nirgends besser formuliert als genau dort: "Lass dich von dem Kinde verführen, das du einmal warst."
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Eine Welt ohne Tod, wäre das nicht etwas Wunderbares, die Erfüllung eines uralten Menschheitstraums? In seinem Roman "Eine Zeit ohne Tod" beschäftigt sich der portugiesische Autor José Saramago auf höchst einfallsreiche Art und Weise mit dieser Frage. Der Tod, hier dargestellt von einer 36-jährigen nicht unattraktiven Frau, entschließt sich, die Bewohner eines Landes nicht mehr sterben zu lassen. Zuerst freuen sich die Bewohner über dieses Privileg, welches ihrer Nation zuteil geworden ist. Doch bald schon ergeben sich diverse Probleme. Zuallererst jammert die Kirche, da sie ohne den Tod ihrer einzigen Daseinsberechtigung beraubt wird. Wer interessiert sich schon für das ewige Leben im Jenseits, wenn man es bereits im Hier und Jetzt gratis frei Haus serviert bekommt? Zudem steht die Gilde der Bestattungsunternehmer aus naheliegenden Gründen vor dem Aus. Versicherungsgesellschaften sehen sich konfrontiert mit einer Welle von Kündigungen für Lebensversicherungen. Und langsam aber sicher sammeln sich in Krankenhäusern, Altenheimen und Privathäusern einen Armee von bei lebendigem Leibe vor sich hinvegitierenden Moribunden, denen das Sterben versagt bleibt. So langsam aber sicher ist die Regierung mit ihrem Latein am Ende, als sich tod (die Dame besteht darauf, klein geschrieben zu werden) persönlich meldet, um die Beweggründe für ihr Handeln, beziehungsweise Nicht-Handeln, zu erklären.

Heimlicher Star des Romans ist der sich allwissend gerierende Erzähler, der das seltsame Geschehen mit viel Ironie und persönlichen Kommentaren begleitet. Wir sind dabei beim ratlosen Premierminister im Büro, bei den Familien mit ihren nicht sterben könnenden Angehörigen und bei tod in ihren Gemächern. Doch hinter dieser durchaus humorvollen Fassade beschäftigt sich der Roman mit den großen Fragen der Menschheit: Welchen Sinn hat das Leben? Welchen Sinn hat der Tod? Kann ein Leben ohne die Gewissheit des eigenen Endes überhaupt einen Sinn ergeben? Zudem präsentiert der Roman eine der symphatischsten und menschlichsten Todesfiguren der Literaturgeschichte. Sie ist beleidigt, dass ihre Arbeit nicht genügend gewürdigt wird, ein bisschen überheblich, aber auch ein wenig unsicher, als sie auf für sei ungewohnte Problem trifft. Menschlich eben.

Fazit: Große Literatur eines großen Schriftstellers, der 1998 mit dem Literaturnobelpreis ausgezeichnet worden ist. Vor zwei Tagen, am 18. Juni 2010, verstarb José Saramago in seinem Haus auf Lanzarote. Der Welt geht damit ein großartiger Schriftsteller verloren.
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am 2. Oktober 2007
... der Tod ist grosz, ... und zwar so groß, dass am darauf folgenden Tag niemand stirbt! Silvester verstreicht. Wohl geschehen verheerende Unfälle infolge des Feierns, liegen alte Menschen im Sterben, Kranke ringen im Todeskampf, der Tod bleibt am nächsten Tag dennoch aus - und nicht nur am nächsten! Freuen sich die einen, grübeln die anderen ob der demographischen Situation - klagen die Zünfte der Bestatter und jene der Zimmermänner, verzweifeln Krankenhäuser und Altenheime, hadern Versicherungen - nicht zuletzt fürchten Philosophen und die katholische Kirche um ihre Existenzgrundlage. Die Ministerien sitzen zwischen den Stühlen - zu oberst das Gesundheitsministerium.

Bis "tod" - und diese ist weiblich (portugiesisch: morte - fem.) - mit Hilfe eines violetten Briefes für Klärung sorgt und erneut Ordnung und Ruhe in jenem unbenannten Land einkehren.

Himmlisch, komisch, heiter, mystisch, zum Teil liebenswürdig, meist egoistisch und wie immer aus dem Leben gepflückt, gestaltet Saramago in seinem Roman über das "ewige Leben" die Charaktere, die großteils zwar personifiziert aber ohne wahre Persönlichkeit ihren Beitrag leisten. Bekannt die Einsamkeit des Cellisten, der uns im letzten Drittel begegnen wird und der Hund als Gefährte, bekannt auch irgendeine unbenannte Stadt, hilflose Ministerien und Organisationen. Wortwahl und Satzbau wie üblich ein "saramagischer" Genuss, geknüpfte Parabeln ein Zeichen von Weisheit, sehr spartanisch in Auswahl und Verwendung der Satzzeichen (wie üblich).
Nicht nur der Idee gebührt meine allerhöchste Verehrung!
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am 8. September 2009
"Eine Zeit ohne Tod" hat eine spannende Grundidee. Was würde passieren, wenn plötzlich niemand mehr sterben würde? Die Umsetzung der Grundidee dauert bis Seite 164 und bezieht sich auf allerlei sachliche Probleme, die in einem solchen Fall auftreten würden. Diese ersten Seiten lesen sich wie eine Kurzgeschichte. Es geht fast nur um Handlung, keine Person wird näher beleuchtet oder gestaltet. Dabei merkt man, wie der Autor über seine eigenen Schlussfolgerungen zu stolpern scheint, wie er immer wieder die Logik aufrecht erhalten will. Das stört jedoch nicht sonderlich, da die Grundidee sehr stark ist.
Richtig gut wird das Buch ab Seite 165, als die Geschichte von "tod" beschrieben wird, die ein Problem zu lösen hat, weil ein Mensch ihre Todesbotschaft nicht entgegen nehmen kann/will/muss. tod wird großartig beschrieben, ebenso der Cellist, der eigentlich schon gestorben sein sollte. Diese letzten knapp 90 Seiten sind das Beste am Buch und führen zu einem Ende, das mich sehr berührt hat.
Der Schreibstil, der mich bei der "Stadt der Blinden" noch begeisterte, stellte sich mir in diesem Buch als Stolperfalle dar. Die Absätze sind lang, oft bekommt man als Leser keine Ruhemöglichkeit, muss sich bemühen die gemachten Aussagen den Personen zuzuordnen. Alles in allem ein gutes Buch, doch hätten mir die letzten 90 Seiten gereicht und das BUch hätte eine bessere Bewertung bekommen. Eigentlich 3,5 Sterne.
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am 21. August 2010
Mir ist dieses Buch empfohlen worden und nachdem ich den Inhalt grob erzählt bekommen habe, habe ich mich auf die Lektüre gefreut. Der Einsiteg ist allerdings ziemlich schwierig, obwohl die Grundidee durchaus interessant ist. Allein die Tatsache allerdings, dass die wörtliche Rede nicht als solche gekennzeichnet ist, stiftet Verwirrung.

Erst nachdem man sich halb durch das Buch "gequält" hat wird es interessant. tod taucht als Protagonistin erstmals auf und man sieht die Geschehnisse aus ihrer Sicht. Als dann auch noch eine ihrer Todesbriefe partout nicht zugestellt werde will und sie sich auf die Suche nach der Ursache begibt, präsentiert uns der Autor eine sehr gefühlvolle Liebesgeschichte.

Die Idee des Buches ist sehr interessant, aber für meine Begriffe für den Leser zu verwirrend umgesetzt worden. Jedoch regt es zum Nachdenken an und es werden Andeutungen gemacht, die einen das Szenario und die Hintergrundgeschehnisse weiterspinnen lassen. Für mich ein schwieriges, aber dennoch lesenswertes Buch.
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am 17. April 2009
Saramago war für mich immer der Meister der dunklen Töne. Man denke nur an "Stadt der Blinden" oder "Der Doppelgänger". Wie überraschend anders kam da diese Geschichte über den (die!) Tod daher. Wo das gewählte Thema eigentlich per se schon für düsterste Stimmung sprechen würde, gelingt es Saramago, dem Tod vor allem im zweiten Part des Buches fantastisch humorvoll Leben einzuhauchen und ihm seine bedrohliche Ader komplett zu nehmen. Tod ist menschlich (& sehr weiblich!), Tod macht Fehler, Tod kennt sich oft selbst nicht mehr aus - ja, man gewinnt diese charmant-sprunghafte Tod am Schluss richtig gern. Als Dreingabe serviert die Lektüre einen bunten Reigen an fragwürdigen Kirchenvertretern, verwirrten Politikern, die zu noch verwirrteren Lösungen greifen, arbeitslosen Leichenbestattern - und darüber hinaus den wie immer nüchternen aber hypnotisierenden Schreibstil des erfreulich altersgewitzten Portugiesen Saramago.
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In "Eine Zeit ohne Tod" beschäftigt sich der 1998 mit dem Nobelpreis für Literatur ausgezeichnete Schriftsteller José Saramago mit einer Vision. Weniger wird uns eine flüssige Geschichte erzählt mit Akteuren, die uns ans Herz wachsen. Lediglich im zweiten Teil des Buches gibt es so etwas wie einen Handlungsstrang mit Hauptpersonen. Da begegnen wir tod und einem Cellisten, die sich zueinander hingezogen fühlen. Denn tod ist eine Frau.

Vielmehr ist dieses Werk die ausgefeilte Darstellung der Idee, wie es wäre, wenn eines Tages kein Mensch mehr sterben würde und die darauffolgenden Tage und Wochen auch nicht. Welche Maßnahmen wären vonnöten, wer würde wie darunter leiden? Was würden die Menschen tun, wenn sie das Dahinsiechen todkranker Angehöriger mit ansehen müssen? Wie reagiert die Regierung auf diesen Zustand?

Die Zeit ohne Tod ist in dem Roman jedoch begrenzt. Nach einem halben Jahr kündigt tod selbst an, wieder auf der Bildfläche zu erscheinen - von einem Tag auf den anderen und was passiert dann? Sterben alle gleichzeitig, die das letzte halbe Jahr über ihren Zenit hinweg gelebt haben? Sollte der Tod nicht angekündigt werden?

Einer spannenden Frage hat sich Saramago hier gewidmet. In überspitzter Form wird die Überalterung der Menschheit beleuchtet. Da der Autor das Fernbleiben des Todes auf nur ein Land beschränkt und auch die Tiere und Pflanzen außen vor läßt, werden auch andere Fragen aufgeworfen. Was bedeuten Grenzen für ein Land ohne Tod? Müssen diese bewacht oder verteidigt werden? Kann das die Armee übernehmen und wie schützt der Staat seine Bürger vor kriminellen Banden, die sich schnell mit dem Ausnahmezustand arrangieren und ihren Vorteil daraus ziehen (im Buch genannt die "Maphia")?

Ein durchaus spannendes Buch mit vielen Ansätzen zum weiteren Nachdenken. Nur leider liest es sich nicht ganz so flüssig, da es fast ohne Punkt und die Anführungszeichen der wörtlichen Rede daherkommt. Auch der nur sehr gering vorhandene Rahmen von Figuren, an deren Lebensweg man solch eine Geschichte aufhängen könnte, macht den Roman zu keiner leichten Lektüre.

Dennoch eine ausdrückliche Empfehlung zum Lesen von mir.
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am 13. Februar 2015
Stellt euch vor, in einem unbenannten Land hören die Menschen auf einmal auf zu sterben. So beginnt das Buch mit einem Paukenschlag, und der portugiesische Nobelpreisträger Saramago beschreibt nun minutiös die politischen, sozialen und psychischen Auswirkungen dieses "schlimmsten Albtraums, den ein menschliches Wesen je zu träumen vermochte". Das so heiß ersehnte ewige Leben erweist sich bei ganz profaner und auch philosophischer Betrachtung schlichtweg als Katastrophe. Plötzlich leben die Menschen in einer Gesellschaft "zwischen der Hoffnung, ewig zu leben, und dem Horror, niemals zu sterben". Bis eines Tages der Leiter der nationalen Fernsehanstalten einen mysteriösen Brief erhält.....
Mehr will ich euch nicht verraten.
Das Ganze hört sich nun sehr ernst und schwer an, ist aber mit viel Augenzwinkern in einer wunderbar leichtfüßigen Sprache geschrieben, und nicht selten muß man schmunzeln ob der realen Schwierigkeiten, die durch so eine Zeit ohne Tod entstehen und an die man so nie gedacht hätte. Am Ende habe ich mich trotzdem schwer getan, wie ich das Buch einordnen soll. Ist es ein Märchen, ist es eine Parabel, ist es eine Vision, ist es einfach eine schön fabulierte Geschichte? Keine Ahnung. Ist Saramagos Kosmos gar "das Terrain der großen Geheimnisse, der wahren Mirakel, die resistent sind gegen Deutung, Aufschluß, Klärung", wie ein Kritiker in der Frankfurter Rundschau schrieb?
Auf jeden Fall schlägt man dieses etwas skurrile Buch am Ende mit einem versöhnlichen Gefühl zu. Und empfehlen kann ich es allemal!
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