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22 von 23 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
5.0 von 5 Sternen Stimmungsvoller Rückblick
Mit Buchpreisträgern in den letzten Jahren bin ich nicht immer warm geworden: so fand ich "Du stirbst nicht" von Kathrin Schmidt annehmbar und "Der Turm" von Uwe Tellkamp sogar sehr lesenswert, tat mich aber schwer mit "Die Mittagsfrau" von Julia Franck und "Die Habenichtse" von Kathrin Hacker lies mich recht ratlos zurück.

Nach all den lobenden...
Veröffentlicht am 29. Mai 2012 von Anke Przybilla

versus
19 von 22 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
1.0 von 5 Sternen Zeitpuzzle aus abgegriffenen DDR-Versatzstücken
Was anfangs durchaus die Hoffnung erweckt, ein feinsinniger Roman über mehrere Generationen verwobener DDR-Schicksale werden zu können, entpuppt sich leider als eine Aneinanderreihung von abgegriffenen Clichés, die - wenn sie schon literarisch bedient werden müssen - zum Beispiel im "Turm" weitaus differenzierter daherkommen.

Da gibt es...
Vor 12 Monaten von Salt&Pepper veröffentlicht


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22 von 23 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
5.0 von 5 Sternen Stimmungsvoller Rückblick, 29. Mai 2012
Von 
Anke Przybilla "Leselöwin.blogspot.com" (Schönwalde) - Alle meine Rezensionen ansehen
(VINE®-PRODUKTTESTER)    (REAL NAME)   
Rezension bezieht sich auf: In Zeiten des abnehmenden Lichts: Roman einer Familie (Gebundene Ausgabe)
Mit Buchpreisträgern in den letzten Jahren bin ich nicht immer warm geworden: so fand ich "Du stirbst nicht" von Kathrin Schmidt annehmbar und "Der Turm" von Uwe Tellkamp sogar sehr lesenswert, tat mich aber schwer mit "Die Mittagsfrau" von Julia Franck und "Die Habenichtse" von Kathrin Hacker lies mich recht ratlos zurück.

Nach all den lobenden Rezensionen und Kritiken habe ich nun den neuesten Buchpreisträger gelesen. Schon allein das Thema reizte mich, handelt es sich doch um eine Familiengeschichte über mehrere Generationen und ihr individuelles Verhältnis zum Thema Sozialismus und DDR-Diktatur. Dies gelang bereits Tellkamp recht gut, wenn auch ein wenig zu spröde und intellektuell.

Ruges Werk liest sich bei Weitem geschmeidiger. Man folgt den Figuren auf einem recht eigenen Weg. Dies liegt wohl vor allem daran, dass Ruge in den Zeiten laufend springt und seine Figuren an ein paar Ereignissen teilhaben läßt, diese wiederum aus verschiedenen Perspektiven betrachtet. So wird zum Beispiel der 90. Geburtstag des (Stief-Ur-)Großvaters aus Sicht desselbigen, aus Sicht des Sohnes Kurt und des Urenkels beschrieben. So geschieht dies auch mit anderen Fixpunkten. Zu Wort kommen auch noch Charlotte - die (Ur-)Großmutter, Irina - Kurts Frau und Alexander, genannt Sascha - das Alter-Ego von Eugen Ruge selbst.

An dieser Figur hangelt sich dementsprecht auch der Roman. Denn Alexander hat Krebs und keine Aussicht auf Heilung. So erlebt man die Geschichte irgendwie als Rückblick, auch wenn die anderen Familienmitglieder zu Wort und Gedanken kommen.

Wilhelm ist der alte Verfechter des Regimes, mit (vermutlicher) Stasi-Vergangenheit und Betonkopf-Ansichten. Kurt - die mittlere Generation - spiegelt die Widersprüchlichkeit der meisten heute älteren, in der DDR groß gewordenen, Generation wieder. Im Internierungslager in Russland lange verbracht, hat er ein gespaltenes Verhältnis zum Unrechtsstaat, schafft es aber nicht, gegen diesen zu rebellieren. Als sein Sohn Alexander kurz vor Maueröffnung in den Westen geht und nach der Wende diese verteidigt, kommen bei Kurt all die indoktrinierten anti-kapitalistischen Ideologien wieder hervor und bringen ihn gegen den Sohn auf.

Der (Ur-)Enkel am Ende hat gar keinen Bezug mehr zur Ost-West-Dramatik und kämpft vielmehr mit den Problemen eines Trennungskindes, wie sie zu allen Zeiten und in allen Welten vorkommen.

Für mich ein rundum gelungenes Buch zum Stimmungsbild der untergegangenen DDR. Vieles erinnerte mich auch an meine eigene Geschichte. Ich werde dieses Buch gern weiterempfehlen: 2011 in meinen Augen ein würdiger Buchpreisträger.
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246 von 277 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
5.0 von 5 Sternen Nicht nur von Ochs und Esel aufgehalten, 6. September 2011
Verifizierter Kauf(Was ist das?)
Rezension bezieht sich auf: In Zeiten des abnehmenden Lichts: Roman einer Familie (Gebundene Ausgabe)
Dieses Buch werden nur wenige Leser hierzulande emotionslos lesen. Zu oft hat sich durch den Beitritt der DDR zur Bundesrepublik Deutschland das wiederholt, was Eugen Ruge hier spannend und brillant als Familienchronik regelrecht inszeniert.
Die Handlung selbst ist schnell erzählt. Wilhelm gerät von der USPD in die KPD und betreibt eine Geheimdiensttätigkeit für die Sowjetunion in einer Hamburger Scheinfirma. Die "Machtergreifung" Hitlers zwingt ihn mit seiner Frau Charlotte ins russische Exil, wo ihre Söhne Werner und Kurt geboren werden. Die Söhne bleiben in der UdSSR, während die Eltern vom Geheimdienst mit schweizerischen Pässen versehen in Mexico neuen Aufgaben nachgehen. Dort warten sie auf den Untergang des Reiches und das neue Deutschland, das dann aber infolge der Teilung Deutschlands nur aus der sowjetischen Zone als DDR entsteht.
Ihre Söhne sind während des Krieges wegen ihrer Kritik am Hitler-Stalin-Pakt in Straflagern verschwunden. Nur Kurt taucht wieder auf und findet am Ural seine Frau Irina, mit der er den Sohn Alexander bekommt. Die drei ziehen in den 50ern nach (Ost-) Deutschland, wo sie in "Neuendorf" auf Wilhelm und Charlotte stoßen. (Neuendorf greift den slavischen Namen auf, den der Ort wegen der dort in Preußen angesiedelten Hussiten führte: Nova Ves, den meisten Lesern heute als ein Stadtteil Potsdams unter dem Namen Babelsberg bekannt. Der S-Bahnhof Großkrienitz ist entsprechend Griebnitzsee.) Bei der Rückkehr aus Mexico ist Charlotte für ihre Dienste zu einer Direktorin einer eigens gegründeten Akademie für die Literatur Lateinamerikas ernannt worden. Der zu nichts zu gebrauchende Wilhelm bringt es immerhin zum Vaterländischen Verdienstorden in Gold für seine Dienste in der Partei. Kurt avanciert zum führenden Geschichtsforscher an der (richtigen) Akademie. Alles bestens also?
Leider nicht. Irina leidet an der Unfähigkeit der Protagonisten, eine Familie zu bilden, besonders. Sie sucht periodisch Befreiung in der Betäubung durch Alkohol, der nach dem Scheitern der Ehe Alexanders mit Melitta, aus der inzwischen Wilhelms Urenkel Markus hervorgegangen war, ihrem Leben ein frühes Ende setzt.
Wilhelm, ohnehin ohne intellektuellen Tiefgang, verfängt sich im Altersschwachsinn, sodass sein kritikloses Parteigeplapper vollends zu Infantilismus verkommt. Charlotte möchte ihre letzten Jahre noch einmal leben und betreibt seine Einweisung in die Psychiatrie zwar ohne Erfolg, verwechselt dann aber versehentlich die als Beimischung zu Wilhelms Tee gedachten 2 Löffel Baldrian mit ihrer nur tröpfchenweise verträglichen eigenen Medizin. Vom Tod des 90jährigen hört man später nur beiläufig, wenn Kurts Welt zusammenbricht. Auf Alexanders Flucht in den Westen und Irinas Tod folgt mit der deutschen Einheit die "Abwicklung" seiner Wissenschaft und ein Abrutschen des Enkels in die Szene. Alles entschwindet, zuletzt er selbst in Alzheimers Nebel.
Das alles ist vielen vertraut und ein Roman, der es einfach erzählte, vielleicht kaum der Rede wert. Nicht, was Ruge erzählt, sondern wie er es erzählt, ist sensationell. Die Geschichte eines Jeden wird scheinbar ohne Rücksicht auf den Kalender durch Wilhelms Geburtstagsfeier geordnet und dies alles durch Alexanders Abschlusshandlungen geklammert. Entstanden ist damit wahrscheinlich der definitive Roman zur deutschen Einheit aus der ostdeutschen Perspektive. Dies, natürlich nur bisher und obwohl die Mauer darin kaum vorkommt. Sie ist dem Kurt nur ein Ärgernis, weil sie die S-Bahnlinie von Potsdam nach Berlin unterbricht und ihn zur stundenlangen Umfahrung der geteilten Stadt auf dem Weg zur Akademie zwingt. Ruge verherrlicht nichts, sucht für das Handeln der Personen des Romans keine Schuldigen, allerdings pustet er den - manchem lieb gewordenen - Puderzucker fort, der einige hässliche Stellen in den Geschichten über die Geschichte überlagert. Er wird damit in den "Lagern" links und rechts ein Ärgernis sein. Bei aller Achtung vor dem Turm: Dieses Buch ist wahrscheinlich die vorläufig endgültige literarische Behandlung des großen Themas. Eine komplementäre westdeutsche Erzählung steht freilich noch aus.
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103 von 118 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
5.0 von 5 Sternen Vorbestimmtes Versagen, 24. November 2011
Von 
Dieter Drewitz "didi" (Magdeburg) - Alle meine Rezensionen ansehen
(TOP 1000 REZENSENT)   
Rezension bezieht sich auf: In Zeiten des abnehmenden Lichts: Roman einer Familie (Gebundene Ausgabe)
Man kann jedes Buch mit jedem vergleichen, so auch Ruges Roman mit den "Buddenbrooks". Doch "In Zeiten des abnehmenden Lichts" geht es nicht um Aufstieg und Fall einer Familie, sondern um Menschen, die Zeit ihres Lebens in Rollen gezwängt werden, denen sie nicht gerecht werden können. Es wird eine ständige Überforderung aufzeigt. Es ist die schonungslose Abrechnung mit Versagern - und dieses Versagen ist vorbestimmt, denn nicht sie beherrschen dieses Land, sondern ein PHANTHOM: Die Partei. Und die Partei hat immer Recht! Wir haben zu DDR-Zeiten das Lied von Louis Fürnberg 'im stillen Kämmerlein' abgewandelt: "Und wird dir auch hin und wieder schlecht, die Partei hat immer Recht." Um ein Land, das seine Führung nicht nach intellektuellen Fähigkeiten sondern nach langjähriger Parteizugehörigkeit, bei gleichzeitiger Bevorzugung von Kadern aus der Arbeiterklasse, auswählt, ist es schlecht bestellt. 2001 stellt Alexander fest, dass die gesamte wissenschaftliche Arbeit seines Vaters aus DDR-Zeiten (Im Umfang entspricht sie in etwa den Werken Lenins) inzwischen Makulatur ist, denn sie besteht aus HALBWAHRHEITEN, was ja letztendlich bedeutet, jede Wahrheit wird durch eine Lüge entstellt. In der DDR ist es so wie in dieser Familie: Alles ist in leerlaufenden Ritualen erstarrt. Es ist eine schonungslose Abrechnung mit einem glücklosen Leben. Selbst der so gepriesene Humor des Romans entspringt aus der Beschreibung der aussichtslosen Tristesse des Dasein, das selbst in Funktionärskreisen von Versagen statt Siegen, Mangel statt von Überfluss, von Krankheit und Tod statt von Gesundheit und Leben bestimmt wird. Auch Mexiko, wo andere touristische Hochgefühle entwickeln, erlebt der von Krankheit gezeichnete Hauptheld Alexander auf der Suche nach Spuren des Lebens seiner Großeltern im Exil, nur lärmend und beängstigend.
Das alles ist spannend und beeindruckend aufgeschrieben. Der Romans ist auf hohem literarischem Niveau strukturiert. Ruge springt nicht nur zwischen den Zeiten, sondern verändert auch ständig den Blickwinkel auf die Geschichte (Der Neunzigste Geburtstag des Altkommunisten Wilhelm 1989 wird nacheinander aus der Sicht seiner Lebensgefährtin, des Sohnes, dessen Ehefrau, der russischen Schwiegermutter sowie des Enkels beschrieben). So entsteht ein vielstimmiges Bild dieser Familie. Der heitere, gelassene Blick auf die Vergangenheit allerdings ist Ruges Sache nicht. Erfolgsgeschichten und glückliche Momente (die es in der DDR vielleicht ja auch hin und wieder gegeben haben könnte?) wird man in seinem Roman vermissen. Aber es ist seine Geschichte, die endlich erzählt werden musste, und es steht ihm zu, sie ins abnehmende Licht zu stellen. Fazit: Große Literatur!
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19 von 22 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
1.0 von 5 Sternen Zeitpuzzle aus abgegriffenen DDR-Versatzstücken, 12. Juli 2013
Was anfangs durchaus die Hoffnung erweckt, ein feinsinniger Roman über mehrere Generationen verwobener DDR-Schicksale werden zu können, entpuppt sich leider als eine Aneinanderreihung von abgegriffenen Clichés, die - wenn sie schon literarisch bedient werden müssen - zum Beispiel im "Turm" weitaus differenzierter daherkommen.

Da gibt es den sächselnden Parteisekretär, den abenteuerlichen Tauschhandel zur Baustoffbesorgung, den desorientierten Ossi-Jugendlichen, der im Drogenkeller in der Gropiusstadt landet, die aus dem Exil zurückgekehrte Kommunistin mit plötzlichem Führungsjob, den Ostpfarrer, der nach der Wiedervereinigung Karriere macht, die Alkoholiker-Russin samt Mutter Babuschka, Gojko Mitic aus Babelsberg, wilde Liebe im blauen Trabbi, einen linientreuen Geschichtswissenschaftler, der seine Zeit im Gulag aufarbeitet, die verrohten Ausbilder der NVA, die alleinerziehende Jungmutter... Wo ist eigentlich nur die doofe Pionierleiterin geblieben ?

Die Überdosis an Versatzstücken macht das Ganze zeitweilig grotesk, unglaubwürdig, und vor allem oberflächlich. Sie geht eindeutig auf Kosten der individuellen Ausdifferenzierung der einzelnen Personen, der der Roman so gar nicht gerecht wird. Spätestens, wenn Charlotte zur bösen Hexe mutiert, die am Ende ihren demenzkranken Mann vergiftet - ganz zu schweigen von Kurt, der sich während einer Ansprache zur Verleihung des Vaterländischen Verdienstordens einen auf die Ex-Frau seines Sohnes runterholt - kommen einem Zweifel an der Tiefsinnigkeit der Darstellung. Als ehemaliger Ossi darf man sich auch schon mal fragen, was für ein Bild da eigentlich so vermittelt werden soll.

Amüsant ist die Aufsplittung der Zeitebene : die Kapitel sind nicht chronologisch geordnet, so daß der Leser das Gesamtbild nach und nach selbst zusammenpuzzelt. Dabei helfen einige wiederkehrende Leitmotive, wie die Muschel aus Mexiko oder die Weihnachtsgans. Ganz nett...

Als Fazit ist mag es vielleicht eine leichte Urlaubslektüre hergeben. Das Ganze jedoch als den "großen DDR-Buddenbrooks-Roman" (I. Radisch, Die Zeit) zu bezeichnen, ist schlichtweg eine Beleidigung Thomas Mann's.
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64 von 77 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
5.0 von 5 Sternen "Der Kommunismus ist wie der Glaube der alten Azteken: Er frißt Blut.", 25. September 2011
Rezension bezieht sich auf: In Zeiten des abnehmenden Lichts: Roman einer Familie (Gebundene Ausgabe)
Kann es so etwas wie ein positives Vermächtnis aus 40 Jahren DDR Unterdrückungsstaat geben, entstanden aus einem vermeintlich utopischen Gesellschaftsexperiment, gescheitert an Unfreiheit, Mangelwirtschaft und geistigem Stillstand? 20 Jahre nach dem Ende des kommunistischen Staates auf deutschem Boden, ist die vergangene DDR als Kulisse einer blühenden Romanliteratur wieder allgegenwärtig. Eugen Ruges "In Zeiten des abnehmenden Lichts" setzt fort was bereits in Tellkampfs "Turm" und Zanders "Dingen" zu bewundern war: Zeitliche Distanz, die einen Stoff reifen läßt, und die Basis für differenzierte Geschichtsbewältigung mit den Mitteln der Literatur bildet.

Ruge schildert vier Generationen des Powileit-Umnitzer Clans, für die die Idee des Kommunismus sukzessive an Strahlkraft verliert. Wilhelm und Charlotte sind überzeugte Kommunisten der ersten Stunde, vor den Nazis bis nach Mexiko ins Exil geflüchtet, immer treu auf Moskauer Linie geblieben, auch noch nachdem beide Söhne in die Mühlen der Stalinistischen Säuberungen geraten waren. Sohn Werner verschwindet für immer, Kurt kehrt nach über einem Jahrzehnt Lagerhaft und Verbannung in die DDR zurück, in der inzwischen seine Eltern zur neuen Elite gehören. Trotz Karriere als Historiker vergißt er die Erfahrungen in der UDSSR nicht, schon gar nicht, nachdem er in den 60er Jahren bei einer Parteiveranstaltung auf einen seiner Vernehmer aus den Moskauer Folterkellern trifft.

Paßt sich Kurt äußerlich noch in die DDR Gesellschaft ein, ist sein Sohn Alexander zu solcherlei Kompromissen auf Dauer nicht mehr zu bewegen, schon gar nicht nachdem er die Realität der innerdeutschen Grenze aus nächster Nähe erleben mußte: "... niemals würde er die Roling Stones live erleben, niemals würde er Paris oder Rom oder Mexiko sehen, (...) noch nicht einmal Westberlin (...) weil zwischen hier und dort, (...) zwischen der kleinen, engen Welt, in der er sein Leben würde verbringen müssen, und der anderen, der großen, weiten Welt, in der das große, das wahre Leben stattfand - weil zwischen diesen Welten eine Grenze verlief, die er, Alexander Umnitzer, demnächst auch noch bewachen sollte." (S 212)

Als die DDR bereits bedrohlich im Gebälk knirscht, steuern diese drei Generationen der Powileit-Umnitzers anläßlich des 90igsten Geburtstags des Familienpatriarchen auf den großen Knall zu. Wilhelm verachtet Gorbatschow genauso sehr wie den ersten "Tschow", Nikita Chruschtschow. Nach Stalin ging es in seinen Augen nur noch bergab, dass Stalin Werner auf dem Gewissen hat, spielt für den starrsinnigen Alten keine Rolle. Kurt setzt seine letzten Hoffnungen auf Glasnost und Perestroika. Doch Alexander ist schon einen Schritt weiter. Er wählt den Ehrentag des Großvaters, um über Ungarn in den Westen zu flüchten. Dass Wilhelm den nächsten Morgen nicht mehr erleben wird und somit auch verpaßt wie sein Enkel im Westen ankommt und der Urenkel Markus schließlich im vereinigten Deutschland aufwächst, rundet den Handlungsstrang eines großartigen Romans ab.

Allein die Schilderungen der Geburtstagsfeier im Oktober 1989 wären bereits den Deutschen Buchpreis 2011 wert, absurde Alltagsszenen eines absurden Staates, die einerseits brüllend kommisch sind, andererseits aber tragischer Endpunkt eines totalen Scheiterns des vermeintlich besseren Gesellschaftssystems. Ruge wird es im Kulturbetrieb allerdings schwer haben mit seiner schonungslosen Abrechnung mit den Verirrungen des Kommunismus, welche drei Generationen Hoffnungen und schlußendlich Lebensoptionen (wenn nicht gar das Leben selbst) gekostet haben. Die Diskussion um das Unrechtswesen des DDR Staates hat bereits angedeutet, dass die Verklärung der Vergangenheit bereits wieder um sich greift und insbesondere unter den vermeintlich Kulturbeflissenen Utopien von gesellschaftlichen Alternativen zur Marktwirtschaft Konjunktur haben. Es wird spannend sein zu sehen, ob es Ruges Roman über die Shortlist hinaus auch aufs Podium schafft oder ob die politisch weniger klare Kante zeigende Konkurrenz vorbeiziehen wird. Nur gut, dass es keines offiziellen Preises bedarf, um als gelungener Roman gefeiert zu werden.
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17 von 20 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
4.0 von 5 Sternen Der Roman als literarische Zentrifuge, 26. Dezember 2011
Von 
euripides50 (Köln) - Alle meine Rezensionen ansehen
(TOP 500 REZENSENT)   
Rezension bezieht sich auf: In Zeiten des abnehmenden Lichts: Roman einer Familie (Gebundene Ausgabe)
Der vorliegende uniso hoch gelobte Roman erzählt die Geschichte einer kommunistisch geprägten Familie vor dem Hintergrund der DDR-Geschichte in der zweiten Hälfte des 20. Jhdts. Wenn man dem Klappentext glauben darf, handelt es sich um nicht weniger als eine Art DDR-Buddenbrock Roman, in dem über ein halbes Jahrhundert hinweg (1951-2001) Familiäres und Zeitgeschichtliches "überragend" (FAZ) und literarisch überzeugend verbunden wird. Der deutsche Buchpreis 2011 war die logische Folge dieser überschwänglichen Rezeption - auch die meisten amazon-Rezensenten überschlagen sich förmlich vor Begeisterung.

Ich kann diesem Urteil nur mit Einschränkungen zustimmen. Sicher, das Thema ist interessant, und die Abläufe des Buches werden im Detail anschaulich und einprägsam erzählt. Allerdings hat sich der Autor mit der formalen Konzeption seines Werkes selbst unnötig ein Bein gestellt. Denn Eugen Ruge präsentiert sein Buch als eine wahre literarische Zentrifuge, als ein Paket von zwanzig zeitversetzen Kapiteln, wobei die Erzählperspektiven von Kapitel zu Kapitel wechseln: mal erzählt Wilhelm der Altkommunist, dann seine genervte Frau Charlotte, schließlich deren Sohn Kurt und seine russische Frau Irina. Fünfmal sehen wir die Geschichte aus der Sicht Alexander Umnitzters, sogar der Urenkel Markus Umnitzer und die russische Schwiegermutter Nadescha Iwanowna kommen zu Wort.
Immerhin sind die zwanzig Kapitel in ihrer Gesamtheit so strukturiert, dass sie immer wieder auf zwei identische Zeitebenen verweisen: auf den 1.Oktober 1989, dem 90. Geburtstag des Altkommunisten Wilhelm Powileit, und das Jahr 2001, in dem der krebskranke Alexander Umnitzer auf den Spuren seiner Familie durch Mexiko reist. Die Schilderungen des Powileit-Geburtstages am 1. Oktober 1989 aus insgesamt sechs Perspektiven gehören für mich zu den stärksten Passagen des Buches. Der literarische Scharfblick und der feine Humor, mit der Ruge die private Wirklichkeit der kommunistischen Mentalität dekuvriert, zeigen den Autor als einen Erzähler von hohen Graden. Die fünf Kapitel über Alexander Umnitzer ( vier davon über seine Reise durch Mexiko ) sind als sentimentaler Reisebericht ganz gut zu lesen, sie tragen aber wenig zum eigentlichen DDR-Thema des Buches bei. In ihnen geht es um einen vereinsamten und kranken Erwachsenen, der sich aus reiner Perspektivlosigkeit in die Fremde flüchtet.
Neun Kapitel (1952,1959,1961, 1966, 1973,1976,1979,1991,1995) berichten an unterschiedlichen Stellen des Buches über die Entwicklung der Familie Powileit-Umnitzer - wieder aus verschiedenen Blickwinkeln, wobei die zeitgeschichtlichen Bezüge immer nur recht verhalten zu Wort kommen. Wirkliche Umbrüche werden in diesen Kapiteln nicht dargestellt, man erfährt immer nur retrospektiv, dass irgendetwas Neues geschehen ist, so dass man sich selbst nur mit einiger Mühe - immer unterbrochen durch die 1989er und 2001er Einschübe - beim Anlesen eines neuen Kapitels auf den letzten Stand bringen muss. Kein Wunder, dass bei diesem Verfahren die psychologischen Profile verschwimmen: Charlotte und Irina, obwohl sie sich gegenseitig keineswegs mögen, sind doch in ihrem Verhältnis zu Wilhelm und Kurt fast austauschbar, ebenso Kurt und Alexander in ihrer Beziehung zu ihren jeweiligen Vätern. Am Ende verfestigt sich der Eindruck, dass sich in diesem Roman neben einer DDR-Geschichte und einem melancholischen Reisefeuilleton auch eine Mann-Frau- und eine Vater-Sohn-Thematik befinden - aber wie alles nur beiläufig und verstreut dargeboten und darauf angewiesen, dass der Leser sich selbst aus dieser Ansammlung von Standbildern einen Film in seinem Kopf zurechtschneide. NUR wenn dieser hohe Anspruch an den Leser zugleich auch als Merkmal eines guten Buches gelten soll, handelt es sich bei dem vorliegenden Roman um ein gelungenes Werk.

Meiner Ansicht nach aber hat Ruge nicht nur mit dem Prinzip der Vor- und Rückblenden übertrieben, er hat seinem Roman neben der der Zeitebenenverschachtelung auch noch den permanenten Perspektivenwechsel hinzugefügt und damit einen wirklichen Spanungsbogen unmöglich gemacht.
Und das ist schade: denn die Figuren und die sich andeutende Handlung hätten mich, anders erzählt, extrem interessiert. Ruges humanistische Grundhaltung und sein erzählerischer Ton haben mich, unabhängig vom formalen Aufbau, beeindruckt - vielleicht lese ich den Roman deswegen noch einmal - diesmal aber so, dass ich nicht in der Zeit sondern im Inhaltsverzeichnis hüpfe und den Kapitel chronologisch folge.
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61 von 75 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
5.0 von 5 Sternen ein großer Roman!, 13. September 2011
Rezension bezieht sich auf: In Zeiten des abnehmenden Lichts: Roman einer Familie (Gebundene Ausgabe)
Dieses Buch IST ein großer Roman! Ich habe es förmlich gefressen. Bemerkenswert, mit wieviel Feingefühl sich Eugen Ruge in die einzelnen Charaktere hineinlebt und mit all ihren inneren Abgründen und Großartigkeiten ungeschminkt und mit viel Humor in Szene setzt! Das Buch ließt sich durch die unverschnorkelte Klarheit sehr gut. Ich, Baujahr 1978, habe den Osten nur als Kind erleben können. Gerade deshalb faziniert mich dieses Buch, den eine bessere Sichtweise auf den schleichenden Untergang des Kommunismus habe ich bisher noch nicht gefunden. Gerade Lesern in meinem Alter kann ich dieses Buch nur wärmsten Empfehlen!
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2 von 2 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
3.0 von 5 Sternen sehr negativ, 17. Februar 2014
Verifizierter Kauf(Was ist das?)
Das Buch ist gut geschrieben, interessant aufgebaut und natürlich ein sehr gutes Buch. Da es aber nach meinem Empfinden übertrieben gute Bewertungen bekommen hat, zieh ich einen ausgleichenden sTern ab. Es steckt eine negative Haltung hinter allem, auch den Familienbeziehungen. Unsympathisch! Es ist ok, alles anzusprechen, auch alles Negative, aber es gäbe immer auch Positives zu bemerken, wenn das ausbleibt ist das einseitig und niederschlagend.
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2 von 2 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
4.0 von 5 Sternen Vergänglichkeit war noch nie ein vergnügliches Thema, 2. März 2013
Es ist erfreulich, dass immer wieder neue Autoren mit ihren Debütromanen renommierte Literaturpreise erringen, auf Anhieb also gleich in den Olymp der Literatur aufsteigen. So auch Eugen Ruge, der 2011 mit seinem Erstling eine Familien-Saga ablieferte, die jenen deutschen Staat widerspiegelt, der den real existierenden Sozialismus zu höchster Blüte getrieben hat, nach eigenem Verständnis jedenfalls. Als "gelernter Ossi" hat der Autor manch Autobiografisches in seinem Roman verarbeitet, die Befindlichkeiten seiner Protagonisten, die vier Generationen repräsentieren, sind jedenfalls stimmig dargestellt in seiner kunstvoll aufgebauten Geschichte. Die mit ihren verschiedenartigen Kapiteln und einer Geburtstagsfeier im Zentrum übrigens ans Theater erinnert, - wen wundert's!

«Ich hab eigentlich genug Blech im Karton» oder «Bring das Gemüse zum Friedhof» lässt Ruge den senilen Patriarchen der Familie, Altkommunist und Betonkopf zugleich, bei seiner Geburtstagsfeier immer wieder sagen, wenn ihm wertloses Ordensblech und heuchlerische Blumen überreicht werden. Wir lesen von all den Unzulänglichkeiten des täglichen Lebens, da wird überzähliger Kaviar gegen fehlende Dachfenster getauscht, die Suche nach einer akzeptablen Gaststätte gerät zur Odyssee in klirrender Kälte und endet in einer Imbissbude. Mit subtiler Ironie wird das Alltagsleben in jenem dem Untergang geweihten deutschen Staate geschildert, dessen Ideologie keinesfalls absurder war als die des Turbokapitalismus, wie wir ihn heute im wiedervereinigten Deutschland zelebrieren.

Eugen Ruges DDR-Saga ist übrigens weder mit den Buddenbrooks noch mit Tellkamps «Der Turm» vergleichbar, wie verschiedentlich behauptet. Hier geht es um die Lebenswelt einer zunächst weitgehend systemkonformen Familie, bei Tellkamp um eine eher oppositionell eingestellte systemferne Bourgeoisie. Und bei Thomas Mann ist die Familie kein Vehikel, mit dem eine Staatsordnung vorgeführt wird, sondern alleiniges Thema, bei ihm geht die stolze Familie unter, nicht der Staat.

In den nicht chronologisch angeordneten zwanzig Kapiteln wird alternierend jeweils aus Sicht eines der Protagonisten erzählt, oft in Form innerer Monologe und als kleine, in sich abgeschlossene Geschichten. Mit Abstand die Beste war für mich das liebeswerte Kapitel über die geradezu archaisch wirkende russische Großmutter, für die «schon jedes Haus aus Stein eine Kirche war». Diese aufgefächerte Erzähltechnik sorgt einerseits für Spannung, erfordert andererseits aber auch viel Aufmerksamkeit, denn alle diese Mosaiksteine formen sich erst im Kopfe des Lesers zu einem kompletten Panorama, er muss also aufmerksam sein und mitdenken. Macht er sich diese Mühe, wird er mit einem großartigen Gesellschaftsbild einer vergangenen geschichtlichen Epoche bestens unterhalten. Ihm wird außerdem je nach Herkunft - als "Wessi" aber ganz bestimmt - der Horizont erweitert, und zwar auch ideologisch. Dass man nicht gerade in Hochstimmung gerät bei Ruges melancholischem Text, das liegt in der Natur der Sache, in Zeiten des abnehmenden Lichts also, im Herbst des Lebens, denn die Vergänglichkeit war noch nie ein vergnügliches Thema.
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2 von 2 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
5.0 von 5 Sternen "Betrogen - sein Leben lang", 27. Januar 2013
Nicht erst seit dem Buch "Mutter, wann stirbst du endlich" ist bekannt, was für eine psychische und physische Belastung die Pflege eines dementen Menschen bedeutet. Mit dieser Situation sieht sich auch Alexander konfrontiert, wenn er seinen 78jährigen Vater Kurt besucht und ihn versorgt, obwohl er selbst gerade erst mit einer Krebsdiagnose aus dem Krankenhaus entlassen worden ist. Bestimmt keine leichte Lebenssituation. Dennoch hat man schon bald das Gefühl, dass die Gründe für den mit Tötungsfantasien verbundenen Hass auf den "alten, pedantischen Hund, diese Maschine" nicht in der gegenwärtigen Bedürftigkeit des Vaters, sondern in einem tiefliegenden Vater-Sohn-Konflikt zu finden sind. Dahin deutet auch Alexanders Verachtung für das wissenschaftliche Lebenswerk des DDR-Historikers, für das er jahrzehntelang die Familie "tyrannisiert" habe, das aber inzwischen nur noch "Makulatur" sei. Mit dem Geld des Vaters macht er sich auf eine Reise nach Mexiko, um vielleicht doch noch körperlich und seelisch zu gesunden und um den Mythen der Großmutter zu folgen, die hier während der Nazi-Zeit zusammen mit Wilhelm als kommunistische Emigrantin gelebt hat. Das Motiv für Alexanders Reise mag der Versuch sein, über die bewusste und einfühlende Wahrnehmung der Wirklichkeit zu verstehen, warum die Großeltern so geworden sind. Ein solches Verständnis kann nach Hannah Arendt letztlich zur Versöhnung und Neuorientierung im eigenen Leben führen. Doch das Verstehen misslingt, die Plätze, die er nach den Bildern der Großmutter aufsucht, sind für ihn ohne Aura und die Legenden von Wilhelms Agententätigkeit und dem Trotzki-Attentäter sind nicht mehr erzählbar. So wird die Reise ein Fiasko. Er streunt umher, wird ausgeraubt und "betrogen, so wie sein Leben lang", und auch noch krank.
Er fühlt sich fremd und findet keinen Zugang, weder zum ziemlich öde gezeichneten Land noch zu den Einheimischen und auch nicht zu anderen Touristen, wie z.B. den beiden Schweizerinnen Nadja und Kati, die das haben, was er nicht hat: Gottvertrauen und Gewissheiten. So bleibt er auch in Mexiko, was er sein Leben lang war: ein Paria, der zwar Liebe, Identität und Teilhabe sucht, aber letztlich vom Gefühl beherrscht wird, "nicht dazuzugehören". Die Gefühle der Unsicherheit, Isolation und Kommunikationsschwäche verdichten sich in einem Fiebertraum zu eindringlichen Bildern: "Gesichter, die zerplatzen, wenn er sie zu berühren versucht. Das ist mein Lebensfilm, denkt er".

Alexander ist als Teil der Generation Halb-und-Halb (halbes Leben in der DDR...) die interessanteste Figur in dem Buch, weil an ihm die sozialisationsbedingten Brüche und seelischen Verletzungen besonders deutlich werden. Schon als kleines Kind hat er die politischen Verheißungen des groben und amusischen Stiefgroßvaters Wilhelm empfangen und als Jugendlicher unter dem Druck des politisch angepassten Vaters gelitten. Dennoch verweigerte er sich dem ihm vorgezeichneten Weg und entzieht sich mit der Übersiedlung in den Westen der erdrückenden Präsenz der älteren Generationen. Die Mexiko-Reise im Jahr 2001, die die Gegenwartsebene des Romans darstellt, zeigt aber die irreparablen Schäden der ideologischen Indoktrination.
Wie ein Kaleidoskop werden auf der Vergangenheitsebene signifikante Bilder aus dem Leben von vier Generationen der Familie - Wilhelm und Charlotte, Kurt und Irina, Alexander sowie Markus - montiert, wodurch ihre Lebensprägungen erhellt werden. Durch polyperspektivisches Erzählen, eindeutig Eugen Ruges Stärke, wird der 90.Geburtstag von Wilhelm im Jahr 1989 aus unterschiedlichen Blickwinkeln beschrieben. Immer wieder blitzt ein hintergründiger Humor auf, zum Beispiel, wenn der Erzähler an anderer Stelle aus Alexanders Kinderperspektive assoziiert: "Das Schwein hieß einfach nur Schwein. So wie Wilhelm einfach nur Wilhelm hieß." Insgesamt wird deutlich, dass es keine Brücken zwischen den Generationen gibt und in der Familie auch keine Liebe. Jeder verachtet jeden, einzig die beiden russischen Frauen lieben Alexander.

Der Roman ist nur bedingt repräsentativ für das Leben in der DDR, denn er fokussiert sich nur auf das Leben der protegierten Funktionärsclique. Das allerdings ist gelungen, besonders in den Figuren Wilhelm, der nichts konnte und lebenslang "das Gefühl hatte, dass er für seine Dummheit bezahlt wurde", und Charlotte, die ebenfalls "keine Ahnung von nichts" hatte, aber als Parteigenossin öffentlich über "schädliche" Literatur schwadronieren durfte.
Wer keine DDR-Apologetik sucht, für den ist das Buch ein Gewinn.
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In Zeiten des abnehmenden Lichts: Roman einer Familie
In Zeiten des abnehmenden Lichts: Roman einer Familie von Eugen Ruge (Gebundene Ausgabe - 1. September 2011)
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