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8 von 8 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
4.0 von 5 Sternen Kuhauge, 20. Januar 2002
Von Ein Kunde
Rezension bezieht sich auf: Kuhauge (Taschenbuch)
... soll eine autobiographisch angehauchte Erzählung sein. Worum geht's?
Geschrieben wird das Jahr 1940 in Berlin.
Im Hause des Generalmajors a.D. Walther war alles streng geregelt: "Gegessen wurde pünktlich. Und eher karg, Braten nur sonntags, auch Nachtisch." Sonntags punkt elf ging man auf den Friedhof zum Grab der Mutter. Für kindliche Schnitzer bekam man harte Strafen.
In dieser kargen, düsteren Atmosphäre wuchs Bernd zusammen mit seiner Schwester Hermine auf. Sie wurde auch Püppi genannt und hatte das Haar weißblond gefärbt bekommen, um der Mutter, die bei Bernds Geburt starb, zu ähneln.
Eines Tages wird "Irmchen, mein liebes Kind" zum Mitglied der Familie, eine Kleinbürger-Mondäne, die es verstand, rasch und schmerzlos die soziale Leiter aufzusteigen.
Von da an wird nicht nur Bernd zum Kuhauge (wegen seiner sinnlos großen Augen), seine Schwester zur Schnecke und sein Vater zum Wotan (da er oft tobte), sondern das ganze Haus dreht sich wie "ein Schiff vor anderem Wind".
Das fröhliche, leichtsinnige Leben im Hause Walther dauert aber nicht lange, denn dann kommt der Krieg mit all seinen Grausamkeiten und bringt auch das Schiff und seine Passagiere zum schwanken.
Erstaunt hat mich auch bei diesem Buch von Raddatz wie er es schafft, auch in einer so kurzen Erzählung, die Entwicklung der Personen darzustellen. Die Zeit vergeht, nicht ohne Spuren zu hinterlassen und das darf der Leser miterleben.
Meisterhaft in meinen Augen beschreibt Raddatz genau so wie in "Ich habe dich anders gedacht" die Kriegsszenen.
Dieses Buch soll zusammen mit "Der Wolkentrinker" und "Die Abtreibung" eine Trilogie bilden. Ich bin gespannt ..
FAZIT: Ein Stück (Familien)Geschichte auf 150 Seiten, die zu erleben sich wirklich lohnt.
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1 von 1 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
5.0 von 5 Sternen Eine Jugend in Deutschland, 19. April 2011
Von 
Th. Leibfried "TL" (Deutschland) - Alle meine Rezensionen ansehen
(TOP 500 REZENSENT)   
Rezension bezieht sich auf: Kuhauge (Taschenbuch)
Fritz J. Raddatz, Jahrgang 1931, aufgewachsen in den Kriegsjahren in Berlin, studierte, promovierte und habilitierte in Berlin und Hannover. Er war in leitender Position beim Verlag Volk & Welt in Ostberlin und arbeitete nach seiner Übersiedlung in den Westen zuerst beim Kindler Verlag, später als stellvertretender Leiter des Rowohlt Verlags, bevor er als Feuilletonchef der ZEIT breite Bekanntheit erlangte. Ein Leben, in dem Literatur und Kunst eine überragende Rolle spielen, ein Leben, das andererseits nicht der Harmonie gewidmet oder gar geopfert war und ist.

In der Erzählung "Kuhauge" verarbeitet Raddatz seine Kindheit und Jugend während Naziherrschaft und zweitem Weltkrieg. Bernd Walther, der Sohn eines UFA-Direktors (wie Raddatz), wächst ohne Mutter, sie starb während seiner Geburt, unter einem despotischen Vater, einem Generalmajor a.D., und dessen zweiter Frau Irmchen auf. Das "dämliche Kuhauge" nennen sie ihn spöttisch. Zu seiner Schwester Hermine, der "Schnecke", verbindet ihn anfangs eine Hassliebe, die sich später, während der tuberkulosekranke Vater in den Trümmern Berlins dahinsiecht, in einen engen Zusammenhalt wandelt. Bernd schlägt sich vor allem in der Zeit nach dem Sieg des Alliierten, erst unter den Russen, dann unter amerikanischer Besatzung, mit Schwarzmarkthandel tapfer durchs düstere Leben.

Raddatz Erzählung ist von einer unverblümten Direktheit, dass mir beim Lesen manchmal der Atem stockte. Er zieht den Leser in einen Sog des Düsteren, der Abgründe, den er durch amüsante und hoffnungsvolle Details aufhellt. Die Passagen seiner Entjungferung durch den eigenen Vater und die Stiefmutter verläuft hart an der Grenze des Vorstellbaren. Wie er beispielsweise im Kapitel Verlagert" auf nur fünf Seiten das Ehepaar Bauschan (er ist General a.D.) schildert, bei dem Bernd eine Zeit lang wohnt, ist wahrlich meisterlich. Das Paar wohnt mit fünf Terriern, von denen vier (Verdun, Somme, Ypern und Marne) ausgestopft vor ihren Fressnäpfen hockten und nur einer, Stalingrad, lebte. Stalingrad zog "geübt wie ein im Röckchen tangotanzender Zirkuspudel" dem auf der Chaiselongue liegenden Ex-Oberst die Strümpfe aus, um "die käsigen Füße, Größe 45", "die Hornballen und Hühneraugen, die gelblich eingewachsenen Nägel, den Fußpilz" abzulecken. Während Bernd lateinische Verben konjugierte, ejakulierte der Terrier zwischen den Generalsfüßen.

Es geht nicht immer so abartig zu wie bei den beiden genannten Beispielen, aber musterhaft für die gesamte Erzählung sind sie durchaus. "Kuhauge" wurde später mit "Der Wolkentrinker" und "Die Abtreibung" zur Trilogie "Eine Erziehung und Deutschland" zusammengefasst und veröffentlicht. Ich bin gespannt auf die beiden folgenden Teile.
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5.0 von 5 Sternen wohl autobiographisch?, 28. Mai 2014
Verifizierter Kauf(Was ist das?)
Rezension bezieht sich auf: Kuhauge (Taschenbuch)
Ich bin durch die Tagebücher auf den Autor aufmerksam und mit diesem Buch wurden meine Erwartungen voll und ganz erfüllt. Bin sehr zufrieden und habe die Erzählung verschlungen.
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Kuhauge
Kuhauge von Fritz J. Raddatz (Taschenbuch - Juni 1991)
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