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Kundenrezensionen

14
4,4 von 5 Sternen
Transatlantik
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TOP 1000 REZENSENTam 23. März 2014
"Trans-Atlantik" ist ein gewaltiger Roman, der sich über den Atlantik hinweg mit den großen gesellschaftlichen und tief-menschlichen Tragödien des Lebens auseinandersetzt und das ausgesprochen direkt, ohne dabei aber auf noble Zurückhaltung zu verzichten. Der irisch-amerikanische Autor hält an drei wichtigen historischen Ereignissen fest, um die er die Familiengeschichte einer irisch-amerikanischen Familie rankt - ausgehend von einem Irland des Hungers und der Armut in der Mitte des Neunzehnten Jahrhunderts, der große Landflucht der Iren über den Atlantik in eine neue Welt.

Im ersten Teil erzählt Colum McCann drei Episoden, die allein durch die statistenartige Anwesenheit von Grußmutter Lily Duggan, die nach Amerika ausgewandert war, Mutter Emily Ehrlich und Tochter Lottie Tuttle, die schließlich nach (Nord-)Irland zurückgekehrt war, begleitet wurden. Der Roman beginnt mit dem ersten Trans-Atlantik-Flug von Brown und Alcock 1919, gefolgt von der Propagandareise des schwarzen Freiheitskämpfers Mr. Douglas gegen die Sklaverei in Amerika 1848, die sich über ein hungerndes und verarmtes Irland erstreckt, in dem die Menschen ebenso unfrei sind wie in der Sklaverei.

"Von Hütten stieg dünner, beißender Torfrauch auf. Auf den schlammigen Wegen sahen sie Lumpen, die sich bewegten. Die Lumpen schienen belebter, als die Körper, die sie bedeckten. Die Familien starrten sie an, als sie vorbeifuhren. Die Kinder sahen aus, als hätte der Hunger sie von der Welt abgeschnitten." S92

Schließlich wird von der Irlandreise des US-Senators George Mitchell 1998 erzählt, der den Friedensprozess in Nordirland unterstützte und in seine abschließenden Reise, den Friedensvertrag erwirken konnte.

"Das endgültige Urteil, sagt er, wird die Geschichte sprechen. Der Prozess gehört den Menschen. Wir hätten den Frieden nicht finden können, wenn es die Sehnsucht danach nicht gegeben hätte." S 189

Erst im zweiten Teil lernen wir die drei Frauen desselben irisch-amerikanischen Blutes kennen, womit sich Mc Cann vom großen gesellschaftlichen Schicksal zweier Nationen, begleitet von Hunger und Kriegen verabschiedet und sich den ganz persönlichen Tragödien einer Familie, den im Krieg gefallenen Söhnen, dem wirtschaftlichen Aufstieg und späteren Fall begleitet von Neuerung, industrieller Entwicklung und Globalisierung zuwendet. Und am Ende bleibt eine alte Frau allein zurück in einem Anwesen, das Erinnerungen birgt und der nordirischen Rauheit strotzt.

"Das Problem ist, dass die Bilder, die sooft zu mir zurückkehren, nur selten die sind, die ich mir wünsche." S 323

Der Roman hat eine unglaubliche Kraft, er erzählt vom Schicksal in einer unerbittlichen Härte, ohne dabei grob zu werden, zeichnet menschliche Porträts in klarer Sprache und lässt viel Raum für das Ungesagte, dessen Echo wir Leser aufmerksam im Rausch der Geschichte lauschen. Die gesamte Handlung folgt dem klaren Blick zurück - sehr nüchtern und mit einem Maß an Distanz - und bedient sich nur weniger Dialoge. Am Ende bleibt Melancholie und das Wissen, dass doch immer die Geschichte neue Geschichten hervorbringt.

Unbeschreiblich stark!!!
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16 von 19 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich.
1919, 1845, 1998, 1863, 1929, 1978, 2011
Hier wird eine Familiengeschichte erzählt, die über vier Generationen geht.

1846 wandert das Dienstmädchen Lily nach Amerika aus, um der Not in Irland zu entkommen. Sie fasst dort Fuß und erlebt den Sezessionskrieg.
Emily, Liliys eigenbrötlerische Tochter, wird eine begehrte Zeitungsreporterin. Ihre Tochter Lotti unterstützt sie als Fotografin. Auf einer Recherchereise nach Irland verliebt sich Lotti, und zieht wieder in das Geburtsland ihrer Großmutter.
2011 ist Lottis Tochter Hannah alt und allein in Irland. Sie hat einige Schicksalsschläge erlitten. Und dann ist da noch ein geheimnisvoller Brief, der ungeöffnet von Tochter zu Tochter weitervererbt wurde. Hannah hat keine Tochter, soll sie ihn öffnen?

Man bemerkt erst etwa nach der Hälfte des Buches, dass man tatsächlich eine Familiengeschichte lesen könnte. Zunächst werden, quer durch die Zeit, Episoden historisch relevanter Ereignisse erzählt, bei denen Lily, Emily, Lotti oder Hannah als Randfiguren auftauchen.
Eines haben diese Geschichten gemein: Sie zeichnen ein eindringliches Bild von Irland im Wandel der Zeiten. Ein schönes Land mit aufgeschlossenen, herzlichen Menschen, dass aber immer wirtschaftliche und politische Probleme hat. Leben in Irland war hart zu jeder Zeit.

Der Schreibstil ist eigen. Vorwiegend knappe, nüchterne Sätze. Erstaunlich viele fangen mit "Er..." oder "Sie..." an, was bisweilen wie eine Aufzählung der Ereignisse klingt. Dazwischen liest man dann poetische Schlenker, die man mögen muss, um an diesem Buch Spaß zu haben.
"Dann ziehen knicksend Wolken auf, Regen kniet sich auf das Land"
Für meinen Geschmack ist so etwas zu manieriert. Ich mag es lieber zufällig schön, als gewollt poetisch.
"In seinen Gedanken geschah eine Lockerung."
Und an solchen Stellen fragt man sich, ist das jetzt originell oder eine schlechte Übersetzung.

Die Familiengeschichte erschließt sich nach und nach. Man erhält Puzzleteilchen aus verschiedenen Zeiten, die am Ende ein Bild ergeben. Einige Hinweise werden auch als Erinnerungen erzählt. Das heißt, die Geschichte springt nicht nur in der Zeit vor und zurück, sondern arbeitet zusätzlich mit Rückblenden. Man muss sehr konzentriert lesen, damit einem nichts entgeht. Es ist auch nicht empfehlenswert, das Buch länger zu unterbrechen, weil man dann dann wichtige Details übersieht.

Eigentlich passiert viel über die Jahre hinweg. Da gibt es mehrere Kriege, Schicksalsschläge, Unruhen in Irland und sogar bahnbrechende technische Errungenschaften. Aber der Leser ist nur bei sehr wenigen spannenden Ereignissen dabei. Vieles wird erst im Nachhinein erzählt.
Ich empfand dieses Buch als lang und zäh.
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1 von 1 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich.
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Dem Autor Colum McCann ist mit diesem Buch ein großer literarischer Wurf gelungen. Wieder einmal. In diesem Roman treibt er die Konstruktion der Story mit mehreren Zeitebenen und mit drei verschiedenen Protagonisten auf eine neue, einsame Spitze!

Die Geschichte beginnt im Jahre 1919 mit den beiden Kriegspiloten Jack Alcock und Teddy Brown, die von Neufundland aus über den Atlantik nach Irland fliegen wollen. Kurz vor dem Start bittet eine junge Frau namens Lottie Ehrlich den Piloten Brown für sie einen Brief mit nach Irland zu nehmen. Auf dem mysteriösen Brief stand eine Adresse einer Strasse in Cork, Irland.

Der Freiheitskämpfer und ehemaliger Sklave Frederick Douglas besucht im Jahre 1845 Irland. Sein Buch über die Abschaffung der Sklaverei war in Irland weit verbreitet und - nachdem er auf dem Transatlantikschiff nicht am Tisch der Weißen sitzen durfte - kam er in Irland bei seinem Verleger Webb unter. Bei seinen Vortragsreisen lernte er das freie Irland kennen und die unglaubliche Misere, in der die Iren lebten oder besser gesagt, vegetierten. Sie waren bettelarm, aber frei. Bei seinen Reisen wurde er von der jungen Dienstmagd Lily Duggan gebeten, sie nach Amerika mitzunehmen.

Die dritte und letzte Geschichte beschreibt die Reisen 1998 des amerikanischen Senators George Mitchell, der zwischen USA, England und Nordirland hin- und herreist, um Frieden mit der IRA zu stiften.

Es ist die Lebensgeschichte von drei Frauen, die über 4 Generationen hinweg erzählt wird. Lily Duggan macht den Anfang, die eine dramatische Lebensgeschichte erfährt. Zum Schluss taucht der Brief von 1919 auf, der niemals geöffnet worden ist. Was sagt dieser Brief und wie fügen sich die Geschichten zusammen?

McCann webt eine irisch-amerikanische Tragödie und drückt das auf eine eher lyrische Art aus. Der Erzählstil des Autors ist intensiv und der Leser taucht völlig in die Story ein. Die einzelnen Fäden laufen jedoch etwas mühevoll zusammen und die verschiedenen Ebenen, sowohl zeitlich wie auch persönlich, sind anfangs etwas schwer zu erfassen, was jedoch dem Erzählfluss keinen Abbruch tut! Ein Buch mit Herz, spannend und sehr gefühlvoll geschrieben.
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am 21. Mai 2015
Das war ein absoluter Zufallskauf. Den Titel fand ich langweilig, den Klappentext nichtssagend, aber ich brauchte irgendwas für die Zugfahrt und es schien mir, als würde ich durch das Buch nicht dümmer werden. Im schlimmsten Fall reicht mir das ;)
Und nach der Lektüre bin ich völlig begeistert. Ein Brief wird geschrieben und dem ersten Transatlantik-Überflieger mitgegeben. Sein Ziel erreicht er erst Jahrzehnte später und niemand traut sich, ihn zu öffnen. Schon allein wegen dieses Briefgeheimnisses, den verschiedenen Aspekten darum herum, ist der Roman einen Kniefall wert. Der Autor erzählt ca. 150 Jahre Irisch-Amerikanische Geschichte, ohne Klischees zu bemühen und immer am Beispiel nachvollziehbarerer, unstereotyper Charaktere. Die einzelnen Schicksale sind total eng miteinander verwoben und trotzdem könnte man jedes einzelne als herrausragen gut geschriebene Kurzgeschichte lesen. In seiner Sprache schwingt eine berührende, aber nicht aufdringliche Melancholie. Hier simmt einfach alles: Plot, Stil, Historie und Tragik und Hoffnung.
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2 von 3 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich.
Der irischstämmige Schriftsteller, Journalist und Drehbuchautor Colum McCann, wurde 1965 in Dublin geboren und lebt heute in New York. Für seine Romane und Erzählungen ist er mit zahlreichen Literaturpreisen ausgezeichnet worden. Zum internationalen Bestsellerautor avancierte er mit seinen Romanen Der Tänzer"(2003), Zoli" (2006). Für seinen Roman Die große Welt" (2009) erhielt er den begehrten National Book Award. Sein neuester Roman wurde von Dirk van Gunsteren ins Deutsche übersetzt.

In dem Buch werden drei Geschichten erzählt, die mit dem Schicksal dreier Frauen verwoben sind. Die erste Geschichte ist der erste Nonstopflug über den Atlantik, von Neufundland nach Irland. Wir schreiben das Jahr 1919, 14./15. Juni als der britische Pilot Jack Alcock(1892-1919) und sein Navigator Arthur Whitten Brown (1886-1948) in einer Vickers Vimy, einer umgebauten offenen Militärmaschine, mit der ersten Luftpost im Gepäck, den Atlantik überqueren. Einer der transportierten Briefe kommt erst nach vielen Jahren an den Empfänger.

Die zweite Geschichte ist die des entlaufenen Sklaven Frederick Douglass (1818-1895). Dieser amerikanische Abolitionist ist eine historische Figur, die ein viel beachtetes Buch über die Abschaffung der Sklaverei geschrieben hat. Er reist 1845 nach Irland, um dort sein Buch vorzustellen. In diesem Jahr herrscht indem Land, auf Grund der Kartoffelfäule, eine große Hungersnot. Er erlebt ein Irland, in dem die Menschen noch mehr leiden als unter der Sklaverei. So wird er mit einem menschlichen Elend konfrontiert das er kaum fassen kann.

Dann ist da die dritte Geschichte. Sie spielt 1998 in New York. Der Protagonist, auch wieder eine historische Figur, umgeben von historischen Momenten, ist der US-Senator George J. Mitchell(geboren 1933). Er wurde von Präsident Clinton in den neunziger Jahren nach Irland geschickt, um dort einen leider fragwürdigen Friedensvertrag im Irlandkonflikt auszuhandeln. Er verlässt dazu ungern seine wesentlich jüngere Frau und sein erst kürzlich geborenes Baby.

Das alles ist also in ein Erzählkonstrukt über das Schicksal dreier Frauen eingebunden. Die erste Generation die das irische Dienstmädchen Lily Duggan, die im Hause von Douglas Buchverleger arbeitet. In ihr weckt der Abolitionist die Sehnsucht nach einem Leben in Freiheit. Sie geht nach Amerika, heiratet und wird nach dem Tod ihres Mannes eine tüchtige Geschäftsfrau. Ihre Tochter Emily beschrieb als Journalistin die ersten Flugversuche der Atlantikflieger während ihre Enkelin Lottie die Männer fotografierte die den Atlantik überquert hatten. Deren Tochter Hanna verliert am Ende einen Sohn im Irland Konflikt.

Dieser Roman ist ein sehr ambitioniertes Konstrukt, einerseits die eine Klammer bildende reine Fiktion der vier Frauen, anderseits die drei historischen Momente die 150 Jahre Geschichte im Fokus haben. Das ist genial verknüpft und glänzend erzählt. Es beginnt in der ersten Geschichte mit einer rasanten Sprache, die der Schilderung dieses Fluges am Anfang geschuldet ist. Die Geschwindigkeit der Sprache, gespiegelt in kurzen Sätzen, hätte nicht unbedingt in die Friedensverhandlungen hineingetragen werden müssen. Die kurzen Sätze, die Protokollcharakter haben braucht der Autor jedoch als Stilmittel, um dem Leser Szenen und Atmosphären bildhaft vor Augen zu führen. Meisterhaft gemacht.

Ein Thema was sich auf phantastische Weise durch den Roman zieht sind all die unterschiedlichen Freiheitskämpfe: Das Flugzeug welches durch Umbau vom Kriegszusammenhang befreit wird, die Freiheit in den Lüften, die 'Befreiung von der Sklaverei, die Befreiung vom Terror in Nordirland, die Freiheit die die Frauen durch Flucht, Fotografie oder Schreiben finden. Große humanistische Momente, die sich in Freundlichkeit, Gutmenschen aber auch in intriganten Grausamkeiten spiegeln.

Im Vordergrund ist Colum McCann -übrigens Lieblingsautor des amerikanischen Präsidenten- , in den glanzvollen Szene über Zeit und Vergänglichkeit und über die Zusammengehörigkeit der Generationen scheinbar bewusst lakonisch und im Hintergrund erkennt man dann jedoch sehr bald ein Geflecht von unterschwelligen Fäden, die das Leben zwischen zwei Kontinenten verbinden. Mit einer ergreifenden melancholischen Geste endet das Buch, nämlich mit einem Besuch bei dem alten Piloten und der Überraschung die der bis dahin nie geöffnete Brief offenbart.

Ich habe das Buch mit großer Begeisterung gelesen und kann die Lektüre mit Empathie empfehlen.
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2 von 3 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich.
Mit seinem letzten Buch "Die grosse Welt" hat mich der irische Schriftsteller Colum McCann leicht enttäuscht bzw. er hat mit seinem etwas hibbeligen New York Roman an meinem Lesegeschmack vorbeigeschrieben. Für sein nächstes Werk hat er sich fünf Jahre Zeit gelassen und präsentiert nun diesen knapp 380 seitigen Roman der nach dem gleichen Schema aufgebaut ist wie der Vorgänger. Drei Handlungsstränge, die diesmal in komplett verschiedenen Zeitepochen spielen, werden nach- aber durcheinander recht ausführlich erzählt. Es gibt ein Ereignis oder einen Gegenstand der zum roten Handlungsfaden wird und McCann verstrickt diesen im Verlaufe des Buches zu einer Familiengeschichte über mehrere Generationen.

Die Erzählung beginnt in Neufundland im Jahre 1919. Jack Alcock und Arthur Brown planen und führen den ersten transatlantischen Nonstop-Flug durch, mit an Bord ein verschlossener Brief der während der holprigen Landung in Vergessenheit gerät. Während des Jahres 1845 kommt der ehemalige schwarze Sklave und mittlerweile gefeierte Schriftsteller Frederick Douglass nach Dublin und macht Bekanntschaft mit der herrschenden Oberklasse und stellt fest, dass die Iren zwar frei sind aber unter der grassierenden Hungersnot genauso schlimm leiden wie die Sklaven in Amerika. Während seines Aufenthalts inspiriert er die Hausmagd Lily Duggan und weckt eine verborgene Sehnsucht die zum zündenden Funken dieser Geschichte wird ... US-Senator George Mitchell ist im Jahre 1998 beauftragt worden, die nordirischen Friedensgespräche zu einem Abschluss zu führen. Wird es ihm gelingen die streitsüchtigen Iren zu vereinen?

McCann ist der geborene Erzähler und ein Mann der klaren Worte. Er schreibt, wie man es bei ihm gewohnt ist, meist in recht kurzen Sätzen. Poetische und verschnörkelte Sätze sucht man bei ihm weitgehend vergebens, er ist ein Autor der die Handlung liebt und diese vorantreibt. Dafür gibt es markante, teilweise sehr charismatische Protagonisten von denen unbestreitbar viel Faszination ausgeht und jede(r) kann die Handlung als Hauptfigur problemlos schultern. Lily Duggan ist Ausgangspunkt der Geschichte und eine starke Figur die in ihrem Leben einiges erleiden muss aber mit bewundernswerter Haltung ihr Leben lebt und den Schicksalsschlägen trotzt. Immer wieder tauchen reale Historische Personen auf und McCann verwebt diese bis zum Schluss zu einer zusammenhängenden Erzählung die stets zwischen Amerika und Irland über den Atlantik hin und her pendelt.

150 Jahre, drei zeithistorische Ereignisse, etliche Schicksale und mehrere aussergewöhnliche Personen und bis zum Schluss die Erkenntnis, dass die Vergangenheit in der Lage ist unser Hier und Jetzt zu beeinflussen. Die Zeit die einst war, tickt immer noch in der Zeit die jetzt ist und es gibt keine Geschichte die sich nicht in irgendeiner Weise an der Vergangenheit orientiert. In der Wertung ziehe ich einen Amazon-Stern ab, weil mir einiges zu schnell bzw. in Fragmenten erzählt wurde und ich vom Ende und dem mysteriösen Brief ganz leicht enttäuscht war. Zum Schluss ein kleines Schmankerl: dunkelgrüner Einband, weisse Seiten und ein knallorangenes Lesebändchen ... was kann ein Verlag einem stolzen irischen Schriftsteller mehr bieten als seine Landesfarben?
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2 von 3 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich.
Eine Geschichte über vier Generationen, zwischen Irland und Amerika, über persönliche Schicksalsschläge und die Suche nach dem Glück, über den gesellschaftlichen, wirtschaftlichen und politischen Wandel innerhalb der letzten anderthalb Jahrhunderte.

1845 unternimmt der schwarze Freiheitskämpfer Frederick Douglass eine Reise nach Großbritannien und ins von Armut gebeutelte Irland, um sich in glühenden Reden gegen die Sklaverei einzusetzen. Das irische Dienstmädchen Lily Duggan, von seiner Präsenz fasziniert, wandert kurz darauf nach Amerika aus, verliert ihren ersten Sohn im Sezessionskrieg und geht schließlich in die Eisproduktion auf einer Farm im Norden. Ihre Tochter Emily, eine intelektuelle und belesene Frau, wird eine erfolgreiche Reporterin, die jedoch gezwungen ist, jahrelang unter männlichem Pseudonym zu veröffentlichen.

1919 wagen Alcock und Brown den ersten Flug über den Atlantik von Neufundland nach Irland und gehen damit in die Geschichte ein. Emily und ihre Tochter Lottie, inzwischen eine Fotografin, dokumentieren den historischen Start für die Zeitung. Schließlich kehren die beiden nach Nordirland zurück, der Heimat ihrer Vorfahrin. Dort muss sich Hannah, Lotties Tochter, in den Siebziger Jahren mit den Folgen der politischen Unruhen auseinandersetzen und erlebt sowohl persönliche Verluste als auch finanziellen Ruin infolge der Wirtschaftskrise .

1998 reist der amerikanische Senator George Mitchell nach Nordirland, um an den Friedensverhandlungen teilzunehmen. Im Jahr 2011 schließlich ist es ein ungeöffneter Brief, der mit Alcock und Brown über den Atlantik geflogen und von Generation zu Generation bis in Hannahs Hände weitergegeben worden ist, der den erzählerischen Bogen schließt.

Meine Meinung:

Colum McCann, geboren in Dublin, lebt heute in New York. “Transatlantik” schaffte es auf die Longlist des Man Booker Prize 2013.

Vorweg muss erwähnt werden, dass McCann seinen irisch-amerikanischen Familienepos, der drei bedeutende historische Ereignisse miteinander verknüpft – Douglass’ Kampf gegen die Sklaverei, Alcocks und Browns Transatlantik-Flug, den Friedensprozess im Nordirland-Konflikt – bewusst nicht chronologisch erzählt. Er springt zwischen Schicksalen und Zeiten, erzählt Episoden der Reihenfolge nach aus den Jahren 1919, 1845, 1998, 1863, 1929, 1978 und 2011, wobei der Fokus zumeist auf das Leben der weiblichen Protagonisten gerichtet ist. Zusammen mit einem Prolog, der im Jahr 2012 spielt, schließt sich am Ende der Kreis und einzelne Fäden laufen zusammen.

Obwohl ich die Geschichte und McCanns Sprache genossen habe, empfinde ich den sprunghaften Plot aus sehr locker miteinander verbundenen Episoden im Nachhinein als etwas spröde. Zudem kamen mir die einzelnen Geschichten in ihrer erzählerischen Qualität sehr unterschiedlich vor. Mit Abstand am stärksten empfand ich die Einstiegssequenz über Alcock und Brown, 50 Seiten, die ich wie gebannt in einem Stück verschlungen habe und die mit außerordentlich starken Beschreibungen auftrumpft. Auch die Reise Frederick Douglass’ nach Irland gefiel mir sehr gut; das Aufeinanderprallen zweier Welten, die Überraschung des Freiheitskämpfers, sich jenseits des Atlantiks in solch ernüchternder Armut wiederzufinden. Alle anderen Erzählstränge fallen im Vergleich ab, die Passage über Mitchells Flug nach Irland las sich für mich in seinen stark assoziativen Beschreibungen anstrengend wirr. Ein Lichtblick dann wieder die Geschichte Lily Duggans, die sich ein neues Leben an der Seite eines Eis-Farmers im Norden der USA aufbaut. Alles, was danach kam, erschien mir ungleich zäher. Im Großen und Ganzen lässt sich also sagen, dass McCanns Kapitel bis 1919 die stärkeren sind, alles zeitlich danach angesiedelte empfand ich als weniger spannend, handlungsärmer und deutlich weniger konzentriert.

Fazit:

Ein starker Einstieg, der in meinen Augen mehr verspricht, als die Geschichte am Ende hält. Die einzelnen und nicht chronologisch erzählten Episoden ergeben mehr einen unebenen Flickenteppich als ein rundes Ganzes. Die weiter in der Vergangenheit angesiedelten Geschichten empfand ich als deutlich stärker als die in der jüngeren Geschichte, weshalb sich für mich ein Buch aus exzellenten bis befriedigenden Passagen ergibt, eine angenehme Lektüre, die aber Wünsche offenlässt.
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3 von 5 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich.
TOP 1000 REZENSENTam 10. Juni 2014
Die Geschichte Irlands von 1845 bis 2011 anhand verschiedener Einzelschicksale: Der Abolitionist Frederick Douglass, ehemals selbst Sklave, macht eine Lesereise durch Irland um Stimmen und Geld gegen die Sklaverei zu sammeln. In Irland muss er allerdings feststellen, dass Freiheit allein nicht glücklich macht, wenn die Familie trotzdem hungert, denn in Irland geht zu dieser Zeit die Kartoffelfäule um. Im Haus seines Gastgebers lernt Douglass das Hausmädchen Lily Duggan kennen. 1919 machen sich die beiden jungen Männer Alcock und Brown auf den Weg, um erstmal mit einem Flugzeug den Atlantik zu überqueren und landen dabei in Irland. Fotografiert und interviewt werden sie von Emily und Lotti Ehrlich, Tochter und Enkelin von Lily Duggan. 1998 reist Senator Mitchell immer wieder nach Irland, um die Friedensverhandlungen im Nordirlandkonflikt zu führen. Dabei begegnet er der hochbetagten Lotti Ehrlich und ihrer Tochter.

Das Buch ist in sieben große Kapitel gegliedert, jedes davon handelt von einer anderen Person. Bis auf die Kapitel über Alcock/Brown und Douglass, die "vertauscht" sind, ist die Anordnung chronologisch. Zunächst handeln die Kapitel von den männlichen Figuren, die tatsächliche historische Persönlichkeiten sind. Hier werden bereits die weiblichen Figuren vorgestellt, von denen die restlichen vier Kapitel handeln. An irgendeiner Stelle erwähnen diese dann wiederum die männlichen Figuren.

Mir haben die historischen Kapitel mehr gefallen, als die der Neuzeit/Gegenwart. Vor allem der Strang über Mitchell sowie über Hannah, der letzten Frau der Frauenlinie, waren meiner Meinung nach etwas zäh und langatmig. Zudem wirkten die Kapitel episodenhaft und stellten Bruchstücke sowohl der irischen Geschichte als auch der einzelnen Lebensgeschichten dar. Die verbindenden Elemente sind zwar da, gleichzeitig war aber die Geschichte Irlands nicht wirklich zusammenhängend oder verständlich dargestellt. Und besonders beim letzten Kapitel fragte ich mich nach der Botschaft, vom Untergang einer Familienlinie abgesehen. Es klang zwar an, dass der Krieg allgegenwärtig ist - viele der Charaktere erleben irgendeinen Krieg - und nur Leid verursacht, aber eine tiefgründigere "Moral der Geschichte" suchte zumindest ich vergeblich.

Insgesamt ist dieses Buch in meinen Augen Mittelmaß (würde mich jemand fragen, würde ich antworten "Ganz okay"; 3,5 Sterne), das mich nicht umgehauen hat. Der Klappentext war vielversprechender als das, was das Buch letztlich gehalten hat. Leider ist der Stil eher zäh und trocken und die spannenden Ereignisse werden oft nur rückblickend und mit Distanz erzählt. Die Frage "Was will mir dieses Buch sagen?" bleibt teilweise unbeantwortet.
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am 8. September 2014
So kann es doch gewesen ein, oder nicht? Egal ob es stimmt oder nicht, ich habe das Buch in einem Stück durchgelesen und dann mit ein paar Tagen Abstand gleich nochmal.
Bitte mehr davon.
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am 15. Juli 2015
Mit dem Einstieg hatte ich etwas Mühe. Aber dann genoss ich jede Seite. Ich mochte auch ganz besonders die für mein empfinden sanfte Stimme von Gabriele Blum welche wunderbar zum Text passt.
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