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Kundenrezensionen

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am 4. September 2012
Japan, 1799: Der junge niederländische Schreiber Jacob de Zoet kommt nach Dejima, einer künstlich angelegten und abgeschotteten Insel im Hafen von Nagasaki. Dejima ist der einzige Handelsposten Japans und Stützpunkt der Niederländischen Ostindien-Kompagnie. Als Jacob sich in die gebildete Orito verliebt, die auf Dejima Studentin der europäischen Medizin ist, brodelt das Unheil herauf.

Meine Meinung:

In “Die tausend Herbste des Jacob de Zoet” beschwört David Mitchell eine längst vergangene und gleichzeitig einzigartig skurrile Welt herauf: Dejima, den streng überwachten Knotenpunkt zwischen Japan und der westlichen Welt, gab es tatsächlich. Aus Angst vor der Wiederkehr der Christianierung und Verwestlichung war es den Ausländern nur unter strengsten Auflagen erlaubt, das japanische Festland zu betreten. Und doch waren es die modernen europäischen Kenntnisse, insbesondere der Medizin, die die Wissenschaft in Japan revolutionieren sollte. Der Handelsposten war wie ein Mikrokosmos, ein kleines japanisches Europa und doch wieder nicht.

Vor den Augen des Lesers entfaltet Mitchell eine reich ausgestaltete Welt voller illustrer Charaktere und ihrer Geschichten. Mit Spannung verfolgt man im ersten Teil des Romans die Erlebnisse des jungen und idealistischen Jacob, der in die Ränkeschmiede der Geschäftemacher hineingezogen wird und sich Betrügereien und Erpessungen ausgesetzt sieht. Der zweite Teil widmet sich Orito, die nach dem Tod ihres Vaters an ein ominöses Kloster verkauft wird, um ausstehende Schulden zu tilgen. Dieser Part war für mich der spannendste; die gesamte Handlung im Kloster hat mich mit ihrer Mystik und ihren dunklen Geheimnissen absolut mitgerissen. Im dritten Teil des Buches setzt die Handlung auf einer britischen Fregatte ein, die auf Nagasaki zusteuert. Allem Unterhaltungswert zum Trotz war es mir etwas unverständlich, weshalb Mitchell seinen Erzählbogen um Jacob und Orito so plötzlich bricht und die beiden für einige hundert Seiten komplett aus den Augen verliert. Hier fasert der gekonnt gesponnene Plot plötzlich aus und lässt den Leser bis kurz vor Schluss in der Luft hängen. Warum die über fünfhundert Seiten aufgebaute Geschichte um die beiden so plump für eine etwas aus den Angeln hängende Mast-und-Schotbruch-Episode fallenlassen? Zu spät kehrt Mitchell zu seinen beiden Hauptakteuren zurück, zu wenig erfährt man nach dem packenden Mittelteil über Orito. Schade.

Ich mag Mitchells Potpurri aus eigenwilligen Charakteren, aber manchmal mutet er seinen Lesern doch ein wenig viel zu. Es ist eine Herausforderung, den Überblick bei diesem bombastischen Personenaufkommen zu behalten und es war mir nicht immer ganz verständlich, warum er gerade dem einen oder anderen so großen Handlungsraum ermöglicht.
Die Unausgewogenheit und wenig stringente Erzählweise der Handlung sind mein größter Kritikpunkt an dem sonst durchaus gelungenen Werk. Anmerken will ich noch, dass ich mit Mitchells blumiger Sprache nicht immer warm wurde. Er neigt zu langen Dialogszenen, die für sich wirklich gut erzählt sind, würde er sich nicht ständig selbst unterbrechen mit völlig zusammenhangslosen Einschüben à la “Irgendwo bellt ein Hund” – “Ein rotes Blatt schwebt durch das offene Fenster herein” - “Sie beobachtet eine pulsierende Vene ihrem Hals” etc. Ein auffälliges Stilmittel, das leider nicht mein Fall war und mich selbst nach 600 Seiten noch aus dem Lesefluss gerissen hat.

Fazit:

Ein außergewöhnlicher Schmöker, gut recherchiert und bis zum zweiten Drittel großartig komponiert, ein kunstvoll geknüpfter Faden, der zum Ende hin immer mehr aufdröselt und sich dann heillos verfranst. Einladende Protagonisten, die aber an einer (Über-)Fülle von Nebenfiguren unterzugehen drohen. Es sind Jacob und Orito, die diese Geschichte tragen und den Leser mitfiebern lassen, wehalb ich es enttäuschend fand, dass Mitchell die beiden am Ende so kläglich vernachlässigt. Seine Schreibe ist definitiv herausragend, nur hin und wieder hätte ich mir weniger verkrampft eingestreute Poesie gewünscht.
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am 25. Januar 2013
Nach Number9dream, dem Wolkenatlas und Chaos war dies mein vierter Roman von David Mitchell und er war ... nunja, anders. Vor allem im Vergleich mit dem Wolkenatlas nimmt sich Mitchell als Erzähler sehr zurück. In puncto Fantasie, Einbildungskraft, Ideenreichtum und detaillierter Darstellung fremder Kulturen entfaltet er aber auch hier wieder sein großes Können.
Ja, es ist ein Schmöker wie er im Buche steht. Ein verführerisches Buch für verregnete Tage (aber auch sonst). Die Erzählung wirkt stimmig, wechselt gelegentlich den Grundton. So finden sich seitenlange Gespräche über Korruption, Probleme an Bord eines Handelsschiffes, dann wechselt die Perspektive und man findet sich in einer "Heist-Movie" ähnlichen Passage, in der die Planung, Durchführung und Konsequenz einer "Entführung" dargestellt werden. Eine Seeschlacht, das wurde hier häufig erwähnt, gibt es dann auch noch.

Was vor allem verblüfft, ist die Stimmigkeit. Die bürokratischen Strukturen des alten Japans werden offengelegt, die Mechanismen von Ehre und Pflicht verständlich dargelegt, die im Hintergrund geschmiedeten Ränke "logisch" (in Anführungsstrichen, da das Betreiben des Abts mit Logik nicht zu vereinbaren ist) ausgeführt.

Von Langeweile war, trotz des auf den ersten Blick trockenen Themas einer Handelskompanie, nie etwas zu spüren. Richtige Japankenner würden sicher besser entscheiden können, wie nah Mitchell an der dargestellten Zeit ist. Ich kann das nicht. Aber das, was mir hier präsentiert wurde, liest sich zumindest stimmig und nicht anachronistisch.

Wie selbstverständlich wirft Mitchell mit Begriffen der japanischen Kultur um sich (das kennt man schon aus Number9dream) und es ist ein ständiger Anreiz, außerhalb des Buches mehr darüber zu erfahren. So etwa bei Seppuku, das man zwar im Buch in Ansätzen erklärt bekommt, das aber dann eine weitere Dimension gewinnt, wenn man sich über das überaus präzise Ritual mit allen uns sicher merkwürdig vorkommenden Regeln informiert.

Um es kurz zusammenzufassen: Dieser Roman ist eine Wundertüte voller Einfälle, die das Weiterlesen jedes Mal aufs Neue belohnen. Mitchell erscheint in diesem Roman als "gesetzter" und erwachsener Erzähler, der souverän in eine fremde Kultur einführt und vom Ende einer Epoche und dem Beginn einer neuen eindrucksvoll erzählt.

(Sollte es so erschienen sein, dass das hier ein leichter, belangloser historischer Roman ist, dann muss dem unbedingt widersprochen werden. Denn dass das komplexe Thema überhaupt leicht zu rezipieren ist, liegt hauptsächlich an der Kunstfertigkeit Mitchells.)

(Kleiner Nachtrag: Der hier gelegentlich kritisierte Stil, Gedanken und Gespräche miteinander zu verschränken, wirkt vielleicht beim ersten Mal irritierend, sollte aber nun wirklich kein Grund sein, Unverständnis hervorzurufen. Es ist sicher von jedem Leser zu erwarten, zwei Dinge gleichzeitig verarbeiten zu können.)
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am 20. Mai 2014
Ehrlich gesagt, konnte ich die Euphorie und den Hype um dieses Buch nie ganz teilen. Selbstverständlich kann David Mitchell großartig schreiben und hat eine nicht endende Überfülle an Phantasie. Die exotische Kulisse dieses Buches - eine holländische Handelskolonie im Japan des ausgehenden 18 Jahrhunderts - ist sehr anschaulich und beeindruckend dargestellt, ebenso die Schicksale seiner Protagonisten Jacob und Orito.

Leider neigt Mitchell m.E. manchmal etwas dazu, sich zu verzetteln: So wird der Leser im letzten Drittel mit einer weiteren Fülle an Personen und Namen konfrontiert (Seefahrer, Soldaten), während der Handlungsstrang des hochspannenden ersten Teiles etwas ins Leere läuft (Dabei war es schon anstrengend genug, sich die chinesischen Namen und Verwandtschaftsverhältnisse zu merken...). Schade, etwas zuviel des Guten, "Wolkenatlas" hat mir mehr gefallen.
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Der Roman spielt im Japan des Jahres 1799, genauer gesagt, in Nagasaki, dem einzigen Ort in ganz Japan, über den die Japaner in der Zeit des Shogunats (nur) mit den Holländen einen bescheidenen Auenhandel abwickeln. Die holländische Faktorei, die sich auf der vorgelagerten Insel Dejima, befindet, macht jedoch Verluste, so dass der neue Niederlassungsleiter Vorstenbosch nach Japan geschickt wird, um die Bücher überprüfen zu lassen und bessere Konditionen im Kupferhandel zu vereinbaren. Der junge Jacob de Zoet, der als Revisor und Assistent des neuen Niederlassungsleiters seine Arbeit in Dejima antritt, bemerkt schnell das ausgedehnte Ausmaß an Privathandel und Korruption unter den Angestellten. Die holländische Kolone besteht aus einem Sammelsurium der unterschiedlichsten Persönlichkeitstypen, dem korrupten deutschen Buchhalter Fischer, dem agilen Koch Arie Grote und dem mürrischen Arzt und Musiker Dr. Marinus, der in bescheidenem Maße junge Japaner in Medizin unterrichtet. Unter ihnen befindet sich die fortschrittliche junge Hebamme Abigawa Orito, in die sich Jacob de Zoet verliebt. Jacobs erfolgreicher Verkauf von Salpeterfässern an den Fürstabt Enomoto schafft Neider, auch mit dem korrupten Oberdolmetscher Kobayaschi legt sich Jacob sich an, weil er dessen Betrügereien beim Übersetzen eines Shogun-Briefes aufdeckt. Am Ende, als Jacob seinen Korruptionsbericht fertiggestellt, hat muss er erkennen, dass Vostenbosch selbst korrupt ist, als dieser ihn auffordert, eine gefälschte Frachtliste zu unterzeichnen. Da er sich weigert, verliert er seine bereits vollzogene Ernennung zum stellvertretenden Niederlassungleiter und sieht sich nach der Abreise Vostenboschs den Drangsalierungen eines Intimfeindes Fischer ausgeliefert.
Jacobs Liebe Orito Abagawa wurde nach dem Tod ihres überschuldeten Samurai-Vaters von ihrer Stiefmutter als Nonne an den Fürstabt Enomoto verkauft. Der befördert sich in das abgelegene Bergkloster Shiranui, wo die sogenannten Nonnen als Geburtsmaschinen missbraucht werden. Hintergrund des Klosterbetriebes ist ein bizarrer Kult, nachdem die Seelen der Neugeborenen der Unsterblichkeit der Mönche dienen sollen. Sie müssen deswegen sofort nach der Geburt getötet werden, den Nonnen wird vorgegaukelt, diese Kinder würden im Tiefland bei Adoptiveltern ein gutes Leben haben. Sobald die Nonnen nach 20 Jahren ins Tiefland zurückkehren, werden sie umgebracht und auf einem namenlosen Friedhof beerdigt. Eine alte hochangesehene japanische Kräuterheilerin erfährt von diesen Missständen durch eine flüchtigen Mönch, der kurz darauf in ihrem Haus stirbt. Auch Ogawa Ozaemon, der auf Befehl seines Vaters von einer Ehe mit Orito Abigawa zurücktreten musste und der den Heiratsantrag Jacob de Zoets an Abigawa überbrachte, erfährt von diesem Kloster und der Gefangenschaft Abigawas und beschließt ihr zu helfen. Die extrem langatmig beschriebene Rettungsaktion, die Ozaemon anleiert, scheitert durch Verrat seines scheinbaren Freundes. Ozaemon wird ermordet.
Inzwischen hatte der ungetreue Vostenbosch das japanische Kupfer in Bengalen an die Engländer verhökert. Der betrügerische alte Faktor Snitker war geflohen und kehrt nun mit einer englischen Fregatte, der Phoenix, nach Japan zurück, deren Kapitän die niederländische Faktorei in eine britische umwandeln will. (Inzwischen war die NOC, die niederländische Ostindienkompagnie Pleite gegangen. Dem englischen Kapitän des Schiffes, dem gichtkranken Panhaligon, gelingt es den Niederlassungsleiter Van Cleef gefangen zu nehmen. Sein bestechlicher Stellvertreter Fischer wäre bereit, die Faktorei zu übergeben, tirfft jedoch bei Jacob de Zoet, den wir nun wiedertreffen, auf Widerstand. Zusammen mit dem japanischen Statthalter von Nagasaki verhindern sie die Landung der Briten. Der japanische Statthalter von Nagasaki, inzwischen vom Fürstabt Enamoto finanziell abhängig, erhält von Jakob de Zoet Uzemons Brevier über die verbrecherischen Mönche des Shiranui Schreins. Da der Statthalte ohnehin Seppuku begehen muss, vergiftet er sich, seinen Mitarbeiter und den Fürstabt, nicht ohne ihn vorher zu verurteilen. Nur noch einmal, bei der Beerdigung des Artes Marinus trifft Jacob Orito Abigawa wieder, doch die beiden kommen nicht mehr zusammen. Das Buch endet, als Jacob 1817 wohlhabend und mit einer jungen Frau nach Holland zurückkehrt und in allen Ehren alt wird. Seine Braut war längst im Kindbett gestorben.

Locker lesbar, Stil handwerklich sauber mit nur geringem Hobelanteil, keine besondere Eloquenz, aber Figuren bleiben haften ( was bei der Vielzahl der Gestalten auch schon eine Leistung ist) Eine echter Pageturner, in dem man aber wenig über spezifisch Japanisches erfährt. Interessant dagegen die Rückblicke auf die abenteuerlichen Lebensgeschichten der zahlreichen Protagonisten. Die Handlung selbst wenig mitreißend, für 700 Seiten fast ein wenig lahmarschig.
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am 28. Juli 2014
Der Prolog gefiel mir nicht und die - insbesondere für einen historischen Roman - ungewöhnliche Wahl der Gegenwart als Erzählzeit hat mir den Einstieg nicht ganz so leicht gemacht. Aber insgesamt hat mir das Buch gut gefallen.

Ich finde diesen Roman erfrischend anders. Es handelt sich nicht um einen historischen Krimi, in dem ein Mordfall aufgeklärt wird.
Es wird die Geschichte des Holländers Jacob de Zoet im niederländischen Handelsstützpunktes in Japan, die Geschichte einer japanischen Hebamme und die Geschichte eines japanischen Übersetzers für Niederländisch geschildert. Selbstverständlich sind die Schicksale dieser drei Personen miteinander verwoben.

Es wird netterweise auch weitgehend auf (starke) Klischees und und Kitsch verzichtet.

Einen Stern Abzug gebe ich, weil der Roman meiner Meinung nach in der Mitte etwas zu viel Länge hatte.
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TOP 500 REZENSENTam 9. September 2012
Wo fängt man an, wo hört man auf bei diesem üppigen Roman, wie beschreibt man mit wenigen Worten, wovon er handelt und welchen Eindruck er hinterlässt? Es fällt mir sehr schwer, mir ein genaues Urteil über dieses mit prallem Leben gefüllte Buch zu bilden. Es geht um Jacob de Zoet, der 1799 auf der Insel Dejima, dem kleinen isolierten Handelsposten Japans landet. In Gedanken bei seiner Verlobten Anna, die ihm versprochen hat, auf ihn zu warten, beginnt er langsam, sich an die neue Welt zu gewöhnen und freundet sich mit dem ungewöhnlichen Dr. Marinus an. Dessen Schülerin, die Hebamme Orito beeindruckt ihn sehr und er entwickelt immer intensivere Gefühle für sie, doch eine Liebe zwischen einer Japanerin und einem Fremden ist zu dieser Zeit undenkbar.

Es beginnt zwar wie eine Liebesgeschichte, doch rückt diese im Laufe des Romans immer mehr in den Hintergrund. Mitchell hat einfach so viele Nebenschauplätze und Abenteuer eingebaut, das man fast den Überblick verliert, wenn man sich nicht genau auf die einzelnen Figuren konzentriert, die dann teilweise auch als Erzähler auftauchen. Diese wechselnde Erzählperspektive ist es auch, die das Ganze so facettenreich erscheinen lässt.

Immer tiefer taucht man ein in die Intrigen und Spiele der Japaner und der Holländer und ab und zu verliert man Jacob de Zoet aus den Augen, der nicht immer im Mittelpunkt des Geschehens steht. Trotzdem ist es letztlich seine Entwicklung um die es sich dreht.

Mir hat das Buch gut gefallen, trotzdem erschien es mir zeitweise zu vollgestopft mit Menschen, deren Geschichten und Abenteuern und obwohl sich die Spannung gegen Ende hin steigert, erging es mir fast wie mit einer perfekten Leckerei – irgendwann hat man genug davon, so gut sie auch war.

Von mir satte 4 Sternchen und die Empfehlung sich selbst ein Bild von diesem dicken Schmöker zu machen.
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am 24. Oktober 2012
Nach "Der Wolkenatlas" das neuste Meisterstück von David Mitchell. Er bedient sich hier einem völlig neuem, zumindest mir bisher vollkommen unbekannten und damit frischem Thema. Der Roman spielt ab 1799 in bzw. vor Nagasaki, Japan. Das Land hat sich zum Schutz komplett von der Außenwelt abgeschottet. Eine der wenigen Verbindungen zur Außenwelt ist die Handelsstation Dejima der Niederlande. Die auf Pfählen gesetzte Miniinsel, die über eine Brücke mit dem Festland verbunden ist, hat stark reglementierten Kontakt. Auf diese Insel wird unser niederländische Hauptdarsteller Jacob de Zoet versetzt.
Wer mehr über die Geschichte erfahren möchte, dem sei gesagt, dass Jacob zuerst mit dem ungewöhnlichen Lebensumständen und Menschen konfrontiert wird. Bald darauf verliebt sich in eine Japanerin, die sowieso unerreichbar zu sein scheint und dann auch noch gegen ihren Willen in ein fernes Kloster gebracht wird.

Die historischen Details sind gut recherchiert und werden mit einer Selbstverständlichkeit dargeboten, als ob Mitchell selbst im Japan dieser Zeit gelebt hätte. Da man selber nichts von diesen Teil der Geschichte weiß wird man wie Jacob als "Entdecker" eines unbekannten Ortes und einer fremden Kultur in ein Abenteuer geworfen. Und so wird man auf eine poetische Reise mitgenommen die mit moralischen Zwickmühlen, politischen Ränkenspielen und Respekt(losigkeit) vor fremden Kulturen garniert ist.

Anfangs hält man dieses Buch für einen Abenteuer- oder einen historischen Roman, bald glaubt man es wird eine Liebesgeschichte. Später weiß man nicht so recht wohin es führt und ist verwirrt, zumal es auch noch unerwartete Perspektivwechsel gibt. Und das ist auch der einzige Vorwurf den man den Roman machen kann. Allerdings ist das volle Absicht. Die Geschichte zeigt nicht weniger als das Leben, und das ist eben nicht nur eine Liebesgeschichte. Es ist abenteuerlich, exotisch, lustig, derbe, mystisch, schockierend, enttäuschend, spannend, romantisch uvm..

In vielerlei Hinsicht ein gewaltiges Werk auf hohem Niveau. Eindrucksvolle Sprache mischt sich mit einer ungewöhnlichen Geschichte. Man lernt das Leben mit allen seinen Facetten von Liebe und Humor bis Verwirrung und Ekel kennen.
Für Leser geeignet die sich auch mal von einem Buch vor den Kopf stoßen lassen und sich darauf einlassen können die Achterbahn der Gefühle des Lebens zu erdulden. Für diese eine beeindruckende Erfahrung die vom amüsierten Auflachen bis Tränen in den Augen belohnt.
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Wir schreiben das Jahr 1799. Japan hat sich völlig vom Rest der Welt abgeschottet: Kein Japaner darf das Land verlassen, kein Ausländer darf japanischen Boden betreten. Es gibt nur einen Hafen, über den das Land Handel betreibt - Nagasaki, auf dessen vorgelagerter Insel Dejima die Holländer eine Niederlassung der Ostindischen Handelskompanie betreiben.

Der Roman beginnt an dem Tag, an dem der junge Jakob de Zoet zum ersten Mal Dejima betritt. Ihm ist die heikle Aufgabe übertragen worden, die schlampige Buchführung der Niederlassung in Ordnung zu bringen und den neuen Niederlassungsleiter dabei zu unterstützen, den schlimmen Korruptionssumpf trockenzulegen.

"Die tausend Herbste des Jacob de Zoet" beeindruckt in vielfältiger Hinsicht: Als aufschlussreicher Historienroman vor dem farbenprächtigen Hintergrund dieses in jeder Hinsicht fremden Landes, mit dessen Einwohnern man sich nur mit Hilfe mehr oder weniger zuverlässiger Dolmetscher verständigen kann. Es verschafft auch einen Eindruck von den Schwierigkeiten eines globalen Handels, wo der einzige Kontakt zum Mutterland ein einmal pro Jahr einlaufendes Schiff ist, und wo Briefe schon mal mehrere Jahre unterwegs sein können. Da kann man sich nie sicher sein, wer mit wem in Europa gerade Krieg führt und ob die Niederländische Ostindische Handelskompanie überhaupt noch existiert.

Das ist die große Kulisse. Nicht minder schwierig ist das Spannungsfeld, in dem de Zoet arbeitet, der nie mit letzter Sicherheit weiß, wem er vertrauen kann, und dessen Integrität mehr als einmal schwer geprüft wird. Und dann verliebt er, der eigentlich frischverlobt aus Holland abgereist war, sich auch noch in Orito, die begabte, attraktive und ziemlich eigenartige Hebamme, die für ihn, den Holländer, so unerreichbar ist wie das japanische Festland. Oritos Schicksal entwickelt sich zum zweiten, noch aufregenderen Handlungsstrang des Romans, der uns dann endlich auch ins Innere des Landes führt.

Mich hat schon im "Cloud Atlas" fasziniert, wie es Mitchell stets gelingt, Ton, Denkweise und auch den Humor der jeweiligen Zeiten zu treffen, was auch der Übersetzung in leicht abgeschliffener Form, aber immer noch recht gut gelingt. Ein Buch, in das man sich etwas einlesen muss und das man dann nicht mehr aus der Hand legt.
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am 17. März 2013
1799 wird der junge Jacob de Zoet, Sekretär und Buchhalter im Dienste der Vereinigten Niederländischen Ostindien-Kompanie (VOC), auf den Handelsposten Dejima versetzt. Diese künstlich geschaffene Insel vor Nagasaki dient als Nadelöhr des Handels zwischen dem sich abschottenden Kaiserreich Japan und der Außenwelt, wobei Europäer das japanische Festland nur selten betreten dürfen. Ausübung des christlichen Glaubens und das Erlernen der japanischen Sprache sind auf das Strengste verboten, die notwendige Zusammenarbeit folgt genauen Regeln.

De Zoet wird allzu bald in Ränkespiele und Korruption seiner Landsleute hineingezogen - und sein Plan, nach wenigen Jahren als gemachter Mann in die Niederlande zurückzukehren und seine Verlobte zu heiraten, erweist sich zusehends als problematisch in der Ausführung. Zu allem Überfluss gibt es nicht nur auf holländischer Seite widerstreitende Interessen, die Partnerschaft mit den Gastgebern besitzt ebenso ihre Tücken. Als de Zoet der Hebamme Orito, der talentierten Schülerin des hochgebildeten Arztes Dr. Marinus, mit Haut und Haar verfällt, wird die Entwicklung endgültig brisant für den weitgereisten Kaufmann.

Warum lange um den heißen Brei herumreden, dieser Roman ist ein Kunstwerk, das meilenweit über allerlei kleingemusterte historische Romane emporragt. Ich traue mich kaum, das Label "historischer Roman" für die "Tausend Herbste" zu verwenden, klingt es doch sehr nach Wanderhuren und Kollegen. David Mitchell ist scheinbar zu nichts anderem als dem ganz großen Wurf fähig, getreu einem Zitat aus dem Buch, nach dem die Welt in ihrer Gesamtheit ein Meisterwerk sei. Dieses Meisterwerk bringt der Brite unnachahmlich auf die Bühne. Seine Figuren sind vollkommen glaubwürdig, seine Ideen brillant und er nimmt den Leser mit auf eine Reise von den sittenstrengen Niederlanden über die Kapprovinz bis zu den Häfen von Batavia, Macao und Penang, während sich ein menschliches Drama sondergleichen entfaltet.
Die Macht des Zufalles und die Macht des bedachten Handelns, die Bedeutung jeder individuellen Entscheidung und der Einzelne als Spielball seines Schicksals - das sind einige der Kräfte, welche hier grandios in Szene gesetzt werden.

Als wäre das alles noch nicht genug, ist der Stil originell und abwechslungsreich, die Inhalte offenbar mit viel Mühe recherchiert und - Trommelwirbel - die Geschichte mitreißend auf nahezu jeder ihrer mehr als 700 Seiten. Nichts weniger als ein Wahnsinnsroman.

Empfehlung: Möglichst schnell kaufen, leihen oder klauen (in zu vertretenden Notfällen).
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am 11. November 2012
Ich finde dieses Buch ist fantastisch recherchiert und entführt einen authentisch in die damalige Zeit.
Das Cover ist ein echter Augenschmaus und ich kann mich daran gar nicht satt sehen, mit schönem Motiv, Prägung und Färbung.
Die Geschichte ist interessant und das Buch ist gut geschrieben, es ließt sich fließend.
Allerdings fehlt mir persönlich etwas die Spannung in der Geschichte.
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