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TOP 1000 REZENSENTam 11. September 2013
Angesicht der sehr geteilten Rezensionen hier, habe ich meine Begeisterung bei der Lektüre des Romans erst einmal ein paar Tage abebben lassen. Doch auch nach diesen Tagen bin ich noch immer sehr verwundert über die doch herben Urteile (konstruiert, blutleer, wenig durchdacht, banal, lauwarm).

F ist für mich gute Literatur im besten Sinne. Nicht mehr und nicht weniger. Es hat alles, was ich von einem lesenswerten Roman erwarte: bleibende Szenen im Kopf, gut skizzierte Figuren, die ich mir weiter ausmalen kann, erzählerische Spannung und geistreiche Anspielungen. Es menschelt zudem sehr vielfältig und dreht sich viel um die Frage, wie sehr wir Herr über unser Schicksal sind.

Viele Süchte unserer modernen Gesellschaft werden behandelt. Zum einen unsere unstillbaren Begierden nach individueller Bedeutung, Attraktivität, gesellschaftlicher Anerkennung, nach Macht und Einfluss. Und zum anderen jene Süchte, die oftmals aus der Nichterfüllung der erstgenannten entstehen: Fresssucht, Spielsucht, Sexsucht.

Der Spannungsbogen der Erzählung entwickelt sich auch aus den zwar schicksalhaft beeinflussten doch überwiegend selbstgewählten Lebenswegen aller Protagonisten. Alle sind überdurchschnittlich begabt und von Kindheit an bestens ausgestattet, um ein erfüllendes Leben zu leben. Doch alle sind zugleich auch unersättlich und maßlos in ihren Ansprüchen an das Leben. Besonders die Brüder sind eine schöne Allegorie auf unsere herrschenden Ansprüche an Selbstverwirklichung. Sie illustriert unser gesellschaftliches „Leiden auf hohem Niveau“, das aus unserer individuellen Selbstüberschätzung resultiert. Die Fähigkeit, persönliches Mittelmaß zu akzeptieren und dennoch zufrieden mit dem zu sein, was man erreichen kann, ist uns offenbar mehr und mehr abhanden gekommen.

Unerträglich wird es für viele mit der Erkenntnis zu leben, dass unsere Existenz letztlich für den Gang der Dinge bedeutungslos ist – gleichgültig was wir tun. Der Vater der Brüder vertritt diesen Individual-Nihilismus. Nachdem er sich dazu bekennt, lebt er fortan ganz gut damit. Doch auf sein moralisches Konto gehen zwei verlassene Frauen, drei verlassene Söhne und einige verzweifelte Seelen, die sich nach der Lektüre seines Erfolgsromans das Leben nehmen. Das macht ihn in einer bigotten Wertegesellschaft zur Persona non grata.

Ich fand also vieles in F was mich berührt, mich beschäftigt, mich nachdenklich macht. Und ich wurde bestens unterhalten.

Nachtrag: An F wird mir einmal mehr deutlich gemacht, dass sich die Kultur der Rezensenten bei Amazon offenbar wandelt. Einerseits steigt offensichtlich das Bedürfnis, Bücher zu verreißen. Das ist grundsätzlich nicht zu beanstanden, doch die relative Zunahme verwundert mich. Ich selbst komme nur in sehr seltenen Fällen dazu, ein enttäuschendes Buch auch noch zu rezensieren. Doch weit mehr - sicher auch, weil ich betroffen war - nimmt offenbar das Bedürfnis zu, Bewertungen und Rezensionen, die der persönlichen Einschätzung entgegen stehen, aktiv mit nicht hilfreich negativ zu bewerten. Dies kann ich überhaupt nicht nachvollziehen und finde ich eine bedenkliche Entwicklung. Das ist doch nicht der Sinn der "nein"-Funktion. Zumindest käme ich nie auf die Idee, eine Rezension als nicht hilfreich zu bewerten, nur weil sie das Buch anders bewertet als ich. Das ist für mich nur dann legitim, wenn jemand die Rezensionsfunktion bewusst missbraucht. Aber vielleicht habe ich da was falsch verstanden. Mir macht es auf jeden Fall immer weniger Vergnügen, Rezensionen zu veröffentlichen.
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am 3. September 2013
Der Roman besteht im Wesentlichen aus drei Hauptkapiteln plus Rahmen. Die drei Hauptkapitel erzählen Ereignisse ein- und desselben Tages im Leben der drei Halbbrüder Martin, Erik und Iwan. Martin ist katholischer Priester, der seinen Glauben nicht verloren hat – er hatte ihn nie. Erik verwaltet die Finanzen der ganz Reichen und hat deren Geld verzockt. Nur der Credit Crunch rettet ihn, denn er bietet ihm die Möglichkeit, die Verluste als Ergebnis der globalen Krise zu kaschieren. Iwan, Eriks Zwillingsbruder, ist gescheiterter Maler und macht damit Karriere, Bilder zu fälschen und als die seines Lebensgefährten auszugeben. Nach dessen Tod lässt er immer weitere Bilder auftauchen, die er zu horrenden Preisen verkauft. Die drei Kapitel werden auf mehrfache Weise miteinander verbunden, nicht zuletzt durch ein Gewaltverbrechen, dem Iwan zum Opfer fällt. Thematisch deckt der Autor mit den drei Brüdern die Bereichte Religion, Wirtschaft und Kunst ab. In allen regiert die Fälschung, der Fake, die Fiktion des Vorspiegelns falscher Tatsachen. In dieser Lebenshaltung sind sich die Brüder bei aller Unterschiedlichkeit einig.

Der Verlag preist Kehlmanns neuen Roman als ‚vielschichtig, geheimnisvoll und kühn’ an. Ich denke, das Buch ist nichts von alledem.

Zunächst der Stil: Kehlmann schreibt in einer biegsamen und glatten Journalistenprosa, die jegliche literarische Vertiefung der Sprache vermissen lässt. Man bleibt an keiner Formulierung hängen, keine Metapher weitet die Perspektive. Gerade das Motiv der Täuschung böte reichlich Anlässe, Gesten und Situationen durch die Sprache auszuloten. Kehlmann verzichtet darauf. Um nicht falsch verstanden zu werden: Kehlmann schreibt nicht schlecht. Aber kunstvoll ist diese Sprache keineswegs. Bloß handwerklich ganz ordentlich gemacht.

Das führt mich zum zweiten Punkt: In einigen Rezensionen wird die kunstvolle Konstruktion des Romans gelobt. Das kann ich nicht nachvollziehen. Die drei Hauptkapitel und die Rahmenhandlung sind durch eine Reihe von Bezügen und Motiven miteinander verbunden. Die meisten davon sind so offensichtlich, dass sie einen regelrecht anspringen – etwas die Äußerlichkeiten der Jugendgang, die Iwan überfallen, ihre Kleidung, die Piercings. Diese Vordergründigkeit ermüdet. Man hört als Leser das Handwerk so deutlich klappern, dass einem jegliche Entdeckerfreude abhanden kommt. Auch hier also: eher Kunsthandwerk als Kunst.

Am schwersten wiegt jedoch die Unglaubwürdigkeit und Blutleere der Figuren. Der Priester und der Finanzhai wirken wie schlechte Abziehbildchen billiger Klischees. Als hätte sich jemand hingesetzt und alle Schlagworte gesammelt, die zu einem ungläubigen Priester (der aus Frust dauernd futtert) oder zu einem gewissenlosen Finanzspekulanten gehörten. An diesen Figuren lebt nichts, sie stehen da nur so auf dem Papier, weil der Autor sie so haben wollte. Man wird den Eindruck nicht los, dass Kehlmann hier über Milieus schreibt, die er weder kennt noch versteht. Daher entwickelt sich die Handlung auch nicht nachvollziehbar aus den Charakteren und ihren Voraussetzungen, sondern wirkt konstruiert und bizarr. Einzig Iwan und seine Gedanken über Echtheit und Fälschung in der Kunst wirken ein wenig glaubwürdiger. Hier kam dem Autor wahrscheinlich seine Erfahrung aus früheren Arbeiten (Ich und Kaminski) zugute.

Insgesamt also ein eher enttäuschender Roman, der keinesfalls hält, was die Werbung verspricht.
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am 15. Dezember 2013
"F" ist unterhaltsam, lesenswert. Den Leser erwartet darin durchaus etwas Anspruch, nicht jedoch eine dicht erzählte Geschichte. Vielmehr besteht das Buch aus drei größeren Fragmenten, die sich zwar berühren, überschneiden, miteinander korrespondieren, aber trotzdem jede sehr stark für sich selbst stehen und im Zusammenspiel viele kleinere, aber keine größere Aussage ergeben.

Das Kluge, Philosophische und was so mancher Rezensent auch noch darin sieht, ist durchaus enthalten, wirkt aber mehr wie eine Fingerübung des Autors, wie ein bloßes Spiel, nicht hingegen als Fundament für das Buch oder als Element, das eine irgendwie geartete Erkenntnis schaffen könnte - weder inhaltlich noch stilistisch. Und das ist das Problem: Daniel Kehlmann ist toll, wenn er Dinge akribisch beobachtet und beschreibt. Eine wirkliche schöpferische Kraft bringt er weniger zum Ausdruck. Daniel Kehlmann wagt nicht den Schritt in die Tiefe. Sein Buch bleibt oberflächlich, es wirkt einfach nur gewollt verspielt und somit auch ein wenig belanglos.

Wer jetzt über mich schimpfen mag wegen dieser Rezension, möge hier weiterlesen und es vielleicht selbst ausprobieren: Kurz vor diesem Buch las ich "Milchmusik" von Thomas Strittmatter, ebenso eine Sammlung an zusammengehörigen Fragmenten, ebenso aus der Sicht sich gescheitert fühlender Segelnder durch die Wirren einer sich immer stärker verändernden Welt. Strittmatters Buch ist jedoch von literarisch und erzählerisch enormer Stärke. Stellenweise fühlte ich mich in "F" an einzelne Passagen erinnert, besonders im Finale der Geschichte um Iwan, der für mich besten Stelle im Buch. Irgendwie zeigt Daniel Kehlmann in solchen Momenten, was er drauf hat. Ich frage mich nur, warum er dann an anderen Stellen so viel erzählerisches Potenzial ungenutzt lässt. Weil er sich nicht so weit hinauswagen möchte? Oder aus Gründen der besseren Vermarktung seiner Bücher? Immer dieser Humor und dieses Augenzwinkern, das wirkt auf Dauer etwas fad und kraftlos. So verstehe ich ihn nicht richtig. Er scheint, literarisch viel zu wollen und sich dann mit weniger zufrieden zu geben.

Diese Rezension ist mit Verlaub verfasst und mit Respekt für die Leistung des Autors. Wie zu Beginn bereits gesagt, halte ich dieses Buch für sehr lesenswert, aber bin aber leider trotzdem enttäuscht, vielleicht ob meiner zu hohen Erwartungen.
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am 18. Juni 2014
Aus der Sicht der drei Brüder wird ein entscheidender Tag in ihrem Leben dreimal wieder erzählt. Das ist eine Form, die die Außen- und Innenwahrnehmung thematisiert und eine teils gelungene Komik erzeugt.
Sprachlich wird das Buch oft als eine ,Formulierungskunst' beschrieben jedoch finde ich, dass das Buch ehr aus einer Aneinanderreihung, nichtssagender, inhaltsloser Handlungsstränge besteht, wodurch keine Spannung aufgebaut wird. Das Buch liest sich sehr schwer und wird nach einigen Seiten langweilig.
Des Weiteren wirkt die Doppelbödigkeit zwischen Realität und unerklärlichen Phänomenen konstruiert und flach. Vorurteile werden sehr bedient, wie zum Beispiel die Telepathie der Zwillinge.
Im Großen und Ganzen finde ich ist es Kehlmann bei langem nicht gelungen sein Werk ,Vermessung der Welt' zu übertreffen.
,F' ist langweilig, relativ inhaltslos und nicht empfehlenswert!!!!
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am 7. Januar 2016
"F" ist Daniel Kehlmanns bisher letzter, im September 2013 erschienener, Roman und behandelt das Schicksal dreier Brüder, die - von ihrem Vater Arthur früh verlassen - alle ein eigentümliches unechtes Scheinleben führen. Da der Roman bereits inhaltlich sehr gut dargestellt wurde, konzentriere ich mich auf einige Punkte des Romans, die für den interessierten Leser möglicherweise nicht so offensichtlich sind:

- Der Titel des Buches - "F" - hat mehrere Bedeutungen. Es steht für den Familiennamen und den Vater der drei Brüder "Friedland", es steht für "Fatum" (Schicksal) und es steht für "falsch". Und in der Tat sind besonders die Themen "Fatum" und "falsch" für den Roman von zentraler Bedeutung. Alle drei Brüder - ein betrügerischer Investmentbanker (Eric) , ein ungläubiger Priester (Martin) und ein betrügerischer, malender Kunstnachlassverwalter (Iwan) führen ein "falsches", dem Schein verpflichtetes Leben, dessen scheinbare Willkür aber letzlich dennoch von einem beunruhigendem Schicksal (Fatum) durchdrungen wird.

- "F" ist ein Roman, der eine förmlich dämonisch aufgeladene Unruhe ausstrahlt. Kehlmann schafft es gekonnt diese Atmosphäre über das gesamte Buch hinweg zu halten bzw. kontinuierlich zu steigern (inhaltlich also auch stilistisch). So spielt die entscheidende Handlung an einem höllisch heissen Sommertag. Es ist windstill, sämtliche Protagonisten begegnen einander in einer seltsam isolierten Orientierungslosigkeit und warten auf...ja was eigentlich..In der Phantasie, in den Träumen, in den von Medikamenten induzierten Halluzinationen taucht immer wieder ein seltsamer, dünner Mann auf, der eindeutig an den Teufel erinnnert. So erinnert mich die gesamte Szenarie des Buches - sehr subtil - an eine moderne Schilderung der Hölle. Auch glaube ich in "F" einige Anlehnungen an andere Weltromane entdeckt zu haben:

So erinnerte mich der "Iwan" auf F an Dostojewkis "Iwan" aus "Die Brüder Karamasow". Dies wird besonders deutlich wird in Iwans letztem "Selbstgespräch", das bei Dostojewski ein innerer Monolog mit dem Teufel ist.

Die Atmosphäre in "F" weckte bei mir unweigerlich Assoziationen zu Paul Satres "Hinter verschlossener Tür" - ein Theaterstück, das eine moderne Form der Hölle schildert. Dennoch ist Kehlmann zumindest am Ende des Buches versönlich. Das Buch endet 4 Jahre nach den entscheidenden Ereignissen, wobei die Hitze nun dem "sanft fallenden, leisen Schnee" einer Totenmesse gewichen ist - ein wunderschönes Stilmittel, das - obwohl das Ereignis selbst tragisch ist - auf seltsame Art und Weise Trost ausstrahlt.

Thomas'Manns Novelle "Mario und der Zauberer" und Max Frischs "Mein Name sei Gantenbein" waren wahrscheinlich weitere literarische Vorbilder füf "F".

- Kehlmann bedient in "F" erneut einiger Elemente der "Meta-Literatur" und der phantastischen Literatur. So haben sowohl sein Kunstkritiker "Sebastian Zöllner" aus "Ich und Kaminiski" als auch der Maler Kaminiski selbst einen Gastauftritt in "F". Der Hellseher/Hypnotiseur, der zu Beginn des Buches das Fundament für das Familienschicksal der Friedlands legt, erweist sich am Ende des Buches als blinder Schwindler. Scheinbar übersinnliche Phänomene mischen sich in die Geschichte dieses im Grunde sehr realistischen Romans und schaffen die für Kehlmann so typische Atmosphäre von Ambivalenz, "magischen Realismus" und Mehrdeutigkeit.

Ein fantastisches, nachdenklich stimmendes Buch - 5 Sterne!

PS: Nachdem ich nun alle Bücher Kehlmanns zweimal gelesen haben, kann ich den interessierten Leser nur ermutigen auch andere Romane von ihm zu lesen.Sehr rasch wird man Motive und Romanfiguren in anderen Romanen wiederfinden und so erschließt sich nach und nach eine Art "Kehlmann'sche Welt". Auch bin ich dank Kehlmann auf einige grandiose Autoren aufmerksam geworden, die ich zuvor noch nicht gelesen hatte. Diese sind Leo Perutz, Borges und Nabokov.
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TOP 500 REZENSENTam 7. Februar 2014
Der Roman „F“, vom Autor Daniel Kehlmann selbst in einem Interview als Familienroman bezeichnet, hat interessanterweise ein geteiltes Echo im Feuilleton gefunden. Auch mich hat das Buch nicht vollends überzeugt.

Dies liegt jedenfalls nicht an der Sprache, denn die ist wunderbar eingängig, vielschichtig, fließend und situationsgerecht. Die Charaktere der Familie Friedland werden in ihren jeweiligen Eigenheiten pointiert und überzeugend herausgearbeitet. Gerade wenn es um die psychische Erkrankung eines der drei Brüder, Eric, geht, wird der Leser durch die leb- und bildhafte Spiegelung seines verzerrten Ichs mit in die Szenerie hineingerissen, kann sich aber dennoch auch dafür entscheiden, das Ganze als kopfschüttelnder Beobachter zu konsumieren. Bei Martin, dem ältesten der drei Brüder, ist der innere Kampf um den Glauben durch die Sprache mit Händen zu greifen und dank vieler zynischer Sprachspiele und Metaphern eher erheiternd als belastend.

Im Roman findet man zahlreiche Hinweise auf das aktuelle Zeitgeschehen, aber - wie könnte es beim beschlagenen Kunst- und Literaturkenner Kehlmann anders sein - auch auf zahlreiche Romanvorbilder. Erkennbar sind bspw. Anleihen am Treiben des Kunstfälschers Beltracchi, die Reflektion der Todes eines eingriffsbereiten Dritten bei einem Streit unter Jugendlichen (Fall Dominik Brunner) und natürlich den Zusammenbruch der Finanzmärkte im Jahr 2008. Literarisch findet man Bilder aus Thomas Manns „Mario und der Zauberer“, aus Dantes „Göttlicher Komödie“ aber auch aus Kehlsmanns eigenem Debütroman „Beerholms Vorstellung“, wo es auch um Sinnsuche, Illusion und die Grenze zur Wirklichkeit ging. Außerdem platziert Kehlmann quasi als schriftstellerische Fingerübung in das Buch den Roman(ausschnitt) im Roman, nämlich mittendrin eine Passage aus dem Werk „Mein Name sei Niemand“, stammend aus der Feder des Vaters der drei Brüder, Artur Friedland, dessen Protagonist wie zufällig „F“ heißt. Der Leser muss also doch ein bisschen grübeln, auf welcher Erzählebene er sich gerade befindet.

Kerngeschehen des Romans ist die Erzählung eines schicksalhaften Tages aus der Sicht der drei Brüder an einem heißen Sommertag im Jahr 2008. Flankierend gibt es Kapitel, die in die Familiensituation einführen und am Ende eines, das den Blick auf die Tochter von Eric lenkt und die noch verbleibenden Charaktere erzählerisch zusammenführt. Alle Mitglieder der Familie Friedland sind in irgendeiner Form in ihrer Lebensweise durch Täuschung geprägt, sei es, dass sie die Umwelt täuschen oder sich selbst oder beides. Ob dies mit dem eingangs absolvierten Besuch bei einem Hypnotiseur zu tun hat, der das Leben des Vaters und der drei Söhne ab dann zu einer Illusion werden lässt, mag dahingestellt bleiben. Aus eigener Erfahrung weiß man nur zu gut, dass Täuschung und Illusion so manchen Beruf bestimmen und im Alltag omnipräsent sind. Martin, der älteste der Brüder, beschließt Priester zu werden, findet aber nicht zu einem innigen Glauben und sieht dazu noch zahlreiche Studienkollegen in der Hierarchie an sich vorbeiziehen. Eric macht scheinbar Karriere als Anlageberater, benötigt aber frische Gelder, um alte Verbindlichkeiten zu bedienen und kämpft darüber hinaus mit einer psychischen Erkrankung, vor deren Behandlung er sich selbst drückt. Der dritte Sohn, Iwan, treibt die Täuschung an die Spitze: selbst als Künstler gescheitert, widmet er sich einem alten Künstler, wird seine rechte Hand und beginnt auch noch, dessen Bilder zu kopieren und zu verbessern, sodass dessen Werk noch auf Jahre hinaus existent bleibt. Dies sichert ihm dann als Galerist und Nachlassverwalter den Lebensunterhalt. Religion, Finanzwesen und Kunstbetrieb - allesamt Luftschlösser und betrieben von Hochstaplern. Eine populäre und dennoch treffliche Gegenwartskritik.

Trotz der vielen guten und teilweise überraschenden Ansätze flacht die Geschichte am Ende recht ziellos aus, sodass man sich fragt, wozu der ganze vorherige Aufbau nutzen sollte. Die Söhne bleiben vom Vater verlassen, einer starb, die anderen murksen in ihrem Leben irgendwie weiter vor sich hin. Es ist auch bedauerlich, dass es am Ende keinen wirklichen Rekurs auf den Romantitel gibt. So bleibt vieles sehr offen und man hat das Gefühl, dass man irgendwie aus dieser Konstellation mehr hätte machen müssen. Es ist am Ende eben gerade kein Gedankenspiel der Art, dass man nicht mehr aus der Fiktion in der Fiktion herausfindet, aber die Familiengeschichte ist auch irgendwie unbefriedigend auserzählt. Fazit: sprachlich extraklasse, im Übrigen kein überragendes, aber immerhin ein abwechslungsreiches Leseerlebnis.
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Die sehr hochgeschraubten Erwartungen an den Erfolgsautor Daniel Kehlmann nach seinem Debütroman "Beermanns Vorstellung" und erst recht nach der "Vermessung der Welt" verlangen nach immer weiteren Steigerungen und, ganz klar, nach einem neuen Jahresbestseller!

Kann er diese berechtigten Erwartungen erfüllen?

Ich möchte mich nicht an dem skurrilen Buchstaben F im Titel festfahren, sondern zur Geschichte übergehen. Es geht um ein Familienschicksal und den Lebensweg von drei Brüdern. Die Zwillinge Erec und Iwein, sowie den Ältesten, Martin. Fügt man den Namen des Vaters Arthur noch hinzu, ergeben sich drei Ritter der Tafelrunde, mit dem Oberhaupt Artus, dem Vater, einem melancholischen Schriftsteller. Die Namen dieser Protagonisten nimmt der Autor zum Anlass, inwiefern der Einfluss einer metaphysischen Instanz namens "Schicksal" ( F = Fatum) auf den menschlichen Lebensweg mit hoher Wahrscheinlichkeit einwirken kann. Die drei Brüder verbindet auf ganz unterschiedliche Weise ihre
Lebensläufe mit Betrug, Hochstapelei und Heuchelei. Der Älteste ist Pfarrer geworden, obwohl er mit Gott nichts am Hut hat. Sein Halbbruder Iwan wurde Kunstfälscher, der andere Halbbruder (und Zwilling) Eric ein korrupter Anlageberater. Der Vater Arthur taucht ab und zu auf, publiziert Romane, die mehrere Personen in den Selbstmord getrieben haben sollen. Der Hypnotiseur Lindemann wird Wahrsager und besitzt ein magisches Aura, das Arthur in seinen Bann zieht und ihn diese aussergewöhnlichen Romane schreiben lässt.

Immer begegnet man Rätseln und Paradoxen im Buch: ist die Neigung zum Schwindeln der Zwillinge ein genetisches Problem oder ist es in der Familie verankert, oder hätte etwa jeder der drei Brüder sich befreien können und ganz anders werden können? Was treibt das Spukwesen im Roman, das deplatziert und doch vertraut wirkt? Die Fresssucht des Priesters, seine monotonen Antworten auf theologische Fragen, die Heuchelei des Finanzgenies Eric nach seinem finanziellen Ruin und die Kreation eines eigenen Meisterwerkes durch den Kunstfälscher Eric, das wiederum viele Fragen zur modernen Kunst aufwirft.

An einem Sommertag im Jahre 2008 kommen plötzlich die drei Lebensgeschichten, die, jede für sich, in Ich-Form dargestellt sind, zusammen und es kommt zu einem überraschenden Schluss. Gerade in dieser Endphase kommen Parallelen zu seinem Roman "Beermanns Vorstellung" ins Spiel: auch hier ein Illusionist mit einem harten Familienbackground, einem Theologiestudium und einem Talent seine Umgebung zu täuschen, der plötzlich Wunder vollbringen kann. Echte Wirklichkeit oder reale Illusion, es ist nicht greifbar. Weder hier noch dort.

Es wäre vermessen zu behaupten, dass dieser Roman an die großen Erfolge der anderen nahtlos anschliessen könnte! Das Thema ist populär, der Autor arbeitet mit seinen üblichen, zuverlässigen Mitteln und der Roman ist sowohl unterhaltsam, als auch, wenn man denn will, intellektuell fordernd.

Ein schöner, interessanter Roman auf alle Fälle.
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am 18. Februar 2014
Daniel Kehlmanns "F" ist die Geschichte eines Vaters und seiner drei Söhne. Der Roman beginnt mit einem Ausflug, den alle vier miteinander unternehmen zu einer Zeit, als alle Söhne noch Kinder/Jugendliche sind. Nach diesem Ausflug, verschwindet der Vater bis auf weiteres. Was dann folgt ist die Schilderung von entscheidenden Lebensabschnitten der Söhne im Mannesalter, in drei voneinander scheinbar unabhängigen Sequenzen, mit gelegentlichen Auftritten des plötzlich wieder auftauchenden Vaters angereichert. Diese jeweiligen Lebensabschnitte der Söhne haben es durchaus in sich, und bei aller Unabhängigkeit der Ereignisse, sind sie inhaltlich miteinander verknüpft, und auch schriftstellerisch einigermaßen geschickt miteinander verwoben. So weit, so akzeptabel.

Dennoch stellte sich ab einem gewissen Zeitpunkt für mich die Frage worum es denn nun eigentlich ginge, bei dieser vordergründigen Familiengeschichte (ein genauso eigenartiges wie deplatziertes Kapitel über die tatsächliche Familiengeschichte der F's bis zurück ins 14. Jahrhundert inklusive). Betrug, Verrat, Lüge... ja, schön und gut, aber gibt es dabei auch einen größeren Bogen, ein übergeordnetes Interesse oder Aussage, eine Klammer, oder einfach nur eine richtige Geschichte, die alles zusammenhält und 380 beschriebene Seiten rechtfertigt?

Falls sie da war (ist) habe ich sie nicht entdeckt, bzw. Kehlmann hat sie erfolgreich zu verbergen verstanden. So bleibt für mich zurück der Eindruck einer seltsam auseinanderfallenden Geschichte, die zwar irgendwie ansprechend, auch etwas spannend und mitunter nett erzählt ist, aber dennoch letztlich nur Leere entstehen lässt. Das Gefühl das sich einstellt, wenn man einen Stein die Brücke hinunter wirft, aber dann das Aufplatschen auf das Wasser nicht hören kann...

Grds. habe ich so meine Schwierigkeiten mit der zeitgenössischen deutschen Literatur, und ich habe auch nie ein Hehl daraus gemacht (siehe etliche meiner vorangegangenen Rezensionen). Dennoch gebe ich mir Mühe und versuche redlich mir selbst diesen Eindruck zu zerstreuen mit dem Lesen der derzeitig benannten "Schwergewichte". Leider muss ich sagen, dass sich mein Gesamteindruck des Zustandes der deutschen Gegenwartsliteratur auch mit der Lektüre von "F" keinesfalls geändert hat - im Gegenteil: der Inhalt von "F" ist genau so banal und einfallslos wie sein Titel.

In diesem Sinne nur bestenfalls 2 Sterne und eher keine Leseempfehlung.
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am 4. September 2013
Schade. Ich habe mich sehr auf den neuen Kehlmann gefreut. Doch so richtig wollte diese konstruierte Geschichte um drei Brüder bei mir nicht zünden. Und ich glaube auch zu wissen, warum das so ist.

Daniel Kehlmann gilt als Edelfeder Nummer eins im deutschsprachigen Literaturbetrieb. Er sagt äußerst schlaue Sachen, hat eine tolle Schreibe und wirkt, wie ich finde, ziemlich nett, so man das aus der Distanz sagen kann.

Da ich bereits viele Kehlmann-Bücher gelesen habe (am besten fand ich sein Debüt "Beerholms Vorstellung", dicht gefolgt von "Ruhm" und erst dann "Die Vermessung der Welt") habe ich mich richtiggehend gefreut auf den neuen Roman.

Als ich zu lesen begonnen habe, war mein erster Gedanke: ja, ein klassischer Kehlmann. Die Sätze kompakt, die Atmosphäre reduziert, in allen Situationen eine angenehme Komik. Und über allem drübergestreut eine Prise Bildung und Wissen. Als Leser mag ich soetwas gerne, man hat das Gefühl, etwas en passant zu lernen. Bei Kehlmann erfährt man in der Tat viel über die ersten und letzten Dinge, über Sinn und Unsinn des Lebens.

Aber so richtig bin ich nicht in die Geschichte hineingekommen. Obwohl ein einfacher Lesefluss und viele gute Ideen, zog sich die Geschichte wie ein Kaugummi. Das ist das Stichwort: Geschichte! Besser noch: Story! Denn das Gefühl, hier eine Geschichte vor sich zu haben, wollte sich bei mir perdu nicht einstellen.

Das ist, wenn man so will, der Fehler dieses Buches - und bei genauerem Hinschauen vielleicht sogar der "Fehler" Kehlmanns. Er erzählt keine Geschichte!
Vladimir Nabokov hat sich einmal abschätzig über Thomas Mann geäußert. Nabokov meinte sinngemäßg, Mann will keine Geschichten erzählen, sondern dem Leser eine Ideologie, ein Weltbild, Philosophie vermitteln. Genau das sei das Problem.

Dieses Problem habe ich mit "F". "F" wie "Fehler" sozusagen. Ich habe nie das Gefühl, dass diese Figuren im Roman echt sind. Ein guter Schriftsteller muss das aber in mir auslösen. Murakami schafft das, Stephen King schafft das, Philip Roth oder Truman Capote schaffen das u.v.a.

Aber zu keiner Sekunde, hatte ich den Drang, unbedingt weiterlesen zu müssen, um zu erfahren, wie die Geschichte endet. Bei mir stellte sich ein Gefühl von Belanglosigkeit ein. Ein sicheres Zeichen von zweitklassiger Literatur.

Was mir über die ganze Strecke des Buches immer wieder unangenehm aufgefallen ist: Kehlmann befolgt eine der wichtigsten, ja wenn nicht gar DIE wichtigste Regel, erzählerischen Schreibens nicht: Show, don't tell!

Bei Kehlmann wird daraus ein Tell, don't show! Nicht in allen Szenen, aber doch zu oft für meinen Geschmack. Kehlmann zeigt nicht, wie sich seine Protagonisten fühlen, er erklärt es.

Das Buch hinterlässt bei mir ein lauwarmes Gefühl. Ich habe zum Teil jetzt schon die Handlung wieder vergessen. Ein schlechtes Zeichen.

Fazit: Ein äußerst konstruierter, angestrengter und schaler Roman.
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am 30. Januar 2016
Sehr erstaunlich was dieses Werk in mir bewirkt hat. Ich gebe mich einer Geschichte sehr gern hin, lasse sie auf mich wirken, lasse mich beeindrucken, lasse mich bewegen von ihr. Schon die Vermessung der Welt hat das in einer Art und Weise getan, von der ich dachte sie sei nicht zu übertreffen. Für die allermeisten Geschichten derselben Autoren trifft das auch zu. Sie duplizieren sich, haben die gleichen Konstruktiionswerkzeuge, tragen die gleiche Handschrift. Kehlmann schafft es tatsächlich auf einer ganz anderen Art neu zu beeindrucken. Wüsste man es nicht, so käme man nicht darauf das es ein Werk aus seiner Hand ist. Vielleicht eine sehr ambivalente Aussage, jedoch in diesem Fall, zumindest aus meiner Sicht und Absicht eine Hymne an sein können!
F hat mich auf eine beeindruckend befremdliche Art mehrmals um mich selbst gedreht, teilweise war ich meinem Umfeld total entrückt. Es liegt nicht am Plot, es ist das Geschick mit der Sprache, für Kehlmann ein Werkzeugt von welchem man glauben könnte, er habe es erfunden. Vielen Dank dafür. Ein sehr brillantes und transzendentales Werk! Davon inspiriert werde ich in nicht allzu ferner Zeit den nächsten Kehlmann in Angriff nehmen.
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