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280 von 313 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
4.0 von 5 Sternen Auf die Interpretation kommt es an...
Nachdem ich viele der über 300 Rezensionen zu diesem Buch gelesen habe, muss ich feststellen, dass das Buch von vielen Lesern offensichtlich falsch verstanden wurde. Natürlich ist es kein spannendes Buch mit einem klar definierten Plot, der in einem Höhepunkt kumuliert, denn das ist meines Erachtens nach auch nicht der Anspruch dieses Werkes. Vielmehr ist...
Veröffentlicht am 5. März 2009 von Alexander Schmitt

versus
154 von 194 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
3.0 von 5 Sternen Keine Kehlmann- Euphorie ausgebrochen
Recht witzig und amüsant geschrieben, begleitet es zwei der exzellentesten Forscher des ausgehenden 18. Jahrhunderts durch ihr völlig verschiedenes Leben: Alexander von Humboldt, der im nördlichen Südamerika forscht, den Orinoko befährt, auf Vulkane klettert, in Höhlen kriecht und die Kopfläuse der Eingeborenen zählt. Der alles...
Veröffentlicht am 14. März 2008 von Kritischer Leser


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280 von 313 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
4.0 von 5 Sternen Auf die Interpretation kommt es an..., 5. März 2009
Von 
Rezension bezieht sich auf: Die Vermessung der Welt (Taschenbuch)
Nachdem ich viele der über 300 Rezensionen zu diesem Buch gelesen habe, muss ich feststellen, dass das Buch von vielen Lesern offensichtlich falsch verstanden wurde. Natürlich ist es kein spannendes Buch mit einem klar definierten Plot, der in einem Höhepunkt kumuliert, denn das ist meines Erachtens nach auch nicht der Anspruch dieses Werkes. Vielmehr ist Kehlmanns Roman in erster Linie eine satirische, bisweilen karikierende Darstellung des "Deutschseins", und zwar in zeitlich ungebundenen Kategorien eingebettet. Auch wenn die Handlung bereits vor 200 Jahren stattfand, so sind die meisten Stereotypen doch bis heute erhalten. In zweiter Linie ist es wohl eine philosophische Abhandlung über das Altern, das Kehlmann wie kein Zweiter auf sehr subtile, würdevolle, aber auch lustige Art und Weise betrachtet.

Hervorzuheben ist meiner Meinung nach besonders sein Schreibstil. Als Vielleser von Gegenwartslitaratur (nicht nur deutschsprachiger zwar) war Kehlmanns Roman stilistisch gesehen für mich ein besonderer Genuss. Die oftmals kritisierte, immer anwesende indirekte Rede schafft eine ganz besondere und auch nötige Distanz zu der lange zurückliegenden Handlung, was ich (als Geschichtsstudent) ausschließlich positiv bewerten kann. Historische Romane, in denen die direkte Rede überwiegt, können per se nicht authentisch sein, denn wer will genau wissen können, was wirklich gesagt wurde?!

Über kleinere Ungenauigkeiten bei der biographischen Recherche zu Gauß und Humboldt kann man durchaus hinwegsehen, sie tun der Handlung bzw. vielmehr der Aussage des Buches keinen Abbruch. Auch den Titel des Buches empfinde ich im Gegensatz zu vielen anderen Lesern nicht als störend, da es eben genau die Vermessung der Welt ist, die die Leben der beiden Charaktere miteinander verbindet und im Übrigen auch eine sehr "deutsche" Wesensart darstellt. Auch die Doppeldeutigkeit des Wortes "vermessen" ist hier nicht zu vernachlässigen.

Insgesamt gelingt es Kehlmann also sehr gut, ein leicht zu lesendes, zumeist lustiges, inhaltlich interessantes, wenn auch nicht spannendes, Buch zu verfassen, das durch die Einbettung in die Biographien zweier großer deutscher Wissenschaftler einen hervorragenden Rahmen besitzt.
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40 von 46 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
4.0 von 5 Sternen Die Urbarmachung des Konjunktivs, 27. März 2009
Rezension bezieht sich auf: Die Vermessung der Welt (Taschenbuch)
"Man heiratet, wenn man nichts Wesentliches im Leben vorhat." Wer einen solchen Satz von sich gibt, der muss in der Tat noch einiges vorhaben. Und wer als junger Mann furchtlos bei einer der ersten Ballonfahrten Pilâtre de Roziers dabei ist und gar nicht genug davon haben kann, weil man von oben die Krümmung des Raumes erahnt, dürfte buchstäblich zu Höherem berufen sein. Der Frauenverächter ist Alexander von Humboldt, der Ballonfahrer Carl Friedrich Gauß. Mit seinen Reisen quer über den amerikanischen Kontinent hat Humboldt, der kleine Bruder des Hochschulreformers und Politikers, diese Ankündigung dann auch eindrucksvoll wahr gemacht: vom Orinoko hinauf zu den Anden-Höhen von Pichincha und Chimborazo und schließlich zu den Pyramiden von Teotihuacan bei Mexiko-Stadt. In der Schilderung von Humboldts Südamerika-Expedition hat auch Kehlmanns Roman seine Höhepunkte, etwa wenn der Baron und sein Alter Ego Bonpland auf dem Weg zum Gipfel des Chimborazo (galt damals als der höchste Berg der Welt) oder schon vorher im Dschungel nach der Einnahme von Curare halluzinieren.
Parallel zu Humboldts Biografie schildert der Autor das Leben des genialen Mathematikers, Kartografen und Sternenkundlers Gauß. Der Reiz besteht in der antagonistischen Anlage dieser beiden genial begabten Männer: Enthusiastisch, rastlos, von einer unersättlichen Neugier auf unentdeckte Wissensgebiete getrieben und beseelt von einem geradezu naiven Optimismus und Glauben an die Vernunft des Menschen der eine; häuslich, hypochondrisch, notorisch schlecht gelaunt und tyrannisch der andere. Mit einer Begegnung der ungleichen Helden in Berlin, die im letzten Drittel wieder aufgenommen wird, setzt der Roman ein. Ansonsten folgt er den Lebensläufen Humboldts und Gauß', wie es deren Biografie erforderlich macht, auf getrennten Wegen - und Buchseiten.
Kehlmanns - man möchte fast schon sagen: einzigartige - Leistung ist die Urbarmachung einer oft verschmähten grammatikalischen Form, des Konjunktivs eins, für die schöngeistige Literatur. Denn welches immense Humor- und Ironie-Potenzial die Darstellungsform der indirekten Rede birgt, hat man bis zu Kehlmanns meisterlich durchgeführter Entdeckungsreise kaum für möglich gehalten. Eine Kostprobe: Als Humboldt auf dem Rio Negro mit einheimischen Geistergeschichten-Erzählern zu wetteifern versucht und Goethes "Über allen Gipfeln ist Ruh'" auf Spanisch rezitiert, klingt das so: "Oberhalb aller Bergspitzen sei es still, in den Bäumen kein Wind zu fühlen, auch die Vögel seien ruhig, und bald werde man tot sein. Alle sahen ihn an. Fertig, sagte Humboldt. Ja wie, fragte Bonpland."
Die Art und Weise, wie Kehlmann seine konjunktivisch-distanzierte Erzählweise zum Quell für herrliche Ironie und pointierte Lakonik macht, ist der eigentliche Geniestreich dieses Buches. Es ist demgemäß auch der Humor, der blanke Unterhaltungswert, der den verdienten Erfolg dieses Romanes ausmacht, nicht die Lebendigkeit der Tableaus oder das Fesselnde der Reiseberichte. Man folgt den Lebensläufen seiner beiden Hauptfiguren nicht gebannt, weil der Strudel der Ereignisse und der Sog des Abenteuers einen so mitreißen. Auch die psychologische Entwicklung seiner Protagonisten interessiert nur am Rande. In der einzelnen Szene, in der Verdichtung im referierten Dialog entfaltet der Roman seine Wirkung. Auch tragische Wendungen haben stets eine komische Seite. Etwa das Altern und der ärgerliche Tribut, den der stets jugendlich wirkende Humboldt der Verringerung seiner Vitalität auf seiner Asienreise zollt, wo der Erzähler ihn, die Berühmtheit, zur traurigen Tussaud'schen Wachsfigur im Zarenreich herabgewürdigt sieht, der Humboldts Lebenselixier, die Basisarbeit mit Mineralien und allem Indigenen, verweigert wird. Oder Gauß' Kampf gegen die eigene Sprödheit und Hartherzigkeit, der sich erst im Alter und Moment der endgültigen Trennung eine zaghafte Umarmung für seinen Spross Eugen abringen lässt.
Die zweite große Leistung dieses Buches: Es ist pure Bildung. Kehlmann veranschaulicht diejenige Epoche, in der Deutschland als Nation wurzelt. Fortwährend tauchen am Rande sympathisch karikierte Gestalten von historischer Dimension auf: Immanuel Kant, Goethe, Daguerre, Turnvater Jahn, US-Präsident Thomas Jefferson und natürlich der große Bruder Wilhelm.
Humboldts Pariser Zeit ist dem Buch indes kaum mehr als einen Satz wert. Das liegt in der Natur der Sache. Hier wird die Welt vermessen und nicht die Langsamkeit entdeckt. Kehlmanns Entscheidung für eine distanziert-lakonische Erzählweise zwingt zu Raffungen und zur Selektion, verweigert ihm allerdings auch - und das ist das einzige nennenswerte Manko des Buches - den Lebenswegen seiner Hauptfiguren konsequent bis zum Ende zu folgen. (Beide wurden ja auch ziemlich alt.) Vielleicht war die Befürchtung zu groß, eine humorlose Sache wie der Tod eines Helden eigne sich nicht für ironische Brechungen des bis dahin benutzten Kalibers. Der Autor entschließt sich stattdessen dafür, etwa in der Mitte des Buches eine dritte Hauptfigur aufzubauen, Gauß' Sohn Eugen, und ihm mit dessen Reise nach Amerika die Schlussperspektive des Romans zu überlassen. Sicher, auch das funktioniert, auch ist Eugen ein dankbarer Kristallisationspunkt für das Junge Deutschland, das Kehlmann zu wichtig war, um es als bloße historische Kulisse herhalten zu lassen. Doch es kann kein Zweifel daran bestehen, dass Kehlmann auch den Abschied der beiden Gelehrten von der von ihnen erforschten Welt in einer Weise komisch und zugleich anrührend hätte gestalten können, die das I-Tüpfelchen auf ein rundum gelungenes Werk gewesen wäre. Dass man als Leser darauf verzichten muss, nachdem man vorher Zeuge werden konnte, wie völlig verschieden das Wissen der beiden Welt-Vermesser um die eigene Endlichkeit sich ausprägte, tut einem am Ende doch ein bisschen Leid.
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27 von 32 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
4.0 von 5 Sternen über die Augen des Jaguar und die Reinheit der Zahlen, 13. Februar 2009
Von 
Gabriele B. (Mülheim an der Ruhr) - Alle meine Rezensionen ansehen
(TOP 1000 REZENSENT)    (VINE®-PRODUKTTESTER)   
Rezension bezieht sich auf: Die Vermessung der Welt (Taschenbuch)
Maßlos, überbewertet, Abklatsch - das sind die Kritiken mit einem Stern. Ehrlich gesagt, hatte ich so was Ähnliches auch erwartet bei diesem Buch, das lange auf der Bestsellerliste ganz oben stand. Deswegen hatte ich es nicht gekauft. Und habe es dann geschenkt bekommen und gelesen. Und war angenehm überrascht. Damit habe ich nicht gerechnet. An die 1-2 Sterne-Kritiker: ich kann diese Meinungen verstehen.

Doch mir gefallen dieser Stil und diese Erzählweise, sie setzen sich angenehm ab von vielen anderen.Indirekte Rede statt direkter, Phantasie ersetzt Wirklichkeit bzw. ergänzt sie, so dass man nicht weiß, was momentan zutrifft. Dieses Nichtwissen, war's jetzt so oder doch nicht, macht die Erzählung interessant. Ein sehr gutes Stilmittel.

Kurze Sätze, manchmal ironisch gefärbt, manchmal witzig, für Humboldt schien es für Kehlmann einfacher gewesen zu sein, diesen Ton zu treffen, der den Leser schmunzeln lässt. Hier haben wir zwei Genies, die unterschiedlicher kaum sein können, die beide jedoch in ihrem eigenbrötlerischen Gehabe sehr schwierige Typen sind; denen es zu einem großen Maß an Sozialkompetenz fehlt, die jedoch absolut zielgerichtet ihrer Bestimmung folgen und der Welt brillante Erkenntnisse vermitteln.

Ich denke, man sollte das Buch mit dem gebotenen Respekt, aber nicht mit zu viel Ernst lesen. Wer mehr über Gauß und Humboldt wissen und lernen möchte - und diese Erzählung stiftet geradezu an - der kann sich entsprechend informieren und trockene Biografien lesen.
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154 von 194 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
3.0 von 5 Sternen Keine Kehlmann- Euphorie ausgebrochen, 14. März 2008
Rezension bezieht sich auf: Die Vermessung der Welt. Roman (Gebundene Ausgabe)
Recht witzig und amüsant geschrieben, begleitet es zwei der exzellentesten Forscher des ausgehenden 18. Jahrhunderts durch ihr völlig verschiedenes Leben: Alexander von Humboldt, der im nördlichen Südamerika forscht, den Orinoko befährt, auf Vulkane klettert, in Höhlen kriecht und die Kopfläuse der Eingeborenen zählt. Der alles mißt und kostet und katalogisiert, was ihm unterkommt. Beinahe sein ganzes Leben auf Reisen verbringt. Und Friedrich Gauß, der geniale Mathematiker, Astronom, zuletzt auch Physiker, der kaum glaubhafte Erkenntnisse en passant gewinnt, ein Eigenbrötler ist, ein Frauenliebhaber, zuletzt im Alter ein Grantscherm wird. Gewiss ist das Buch gut zu lesen, auch informativ, bietet einige Facetten aus Wissenschaft und Politik der Zeit, läßt den Schluß zu, dass Gauß das wirkliche Genie war, Humboldt eher ein verbohrter, penetranter Pedant, beide sozial wenig gebildet, rücksichtslos, eigensinnig, stur. Was fehlt, ist der Rote Faden in dem Buch: es ist eine Geschichte ohne lebendige, sich aufbauende Handlung, ohne Spannung (wenn auch spannend erzählt) aus sich heraus, ohne Anfang und Ende. Der Erzählfluss plätschert locker dahin, doch es fehlt die Quelle und der große Strom, der ins Meer fließt. Die Begleitgeschichten (z.B. von Herrn Bonpland) muss man recherchieren, es geht nicht hervor, was Geschichte ist und was Fiktion. Alles in Allem ein angenehm zu lesendes Werk, bringt etwas Licht in das Leben der beiden Gestalten, aber mit der überschwenglichen Beweihräucherung der Klappentexte (wo, bitte sind die "fabelhaften Dialoge"?) bin ich nicht einverstanden.
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2 von 2 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
4.0 von 5 Sternen Kurzweilige Abhandlung - mit nur einem Problem, 26. Dezember 2012
Rezension bezieht sich auf: Die Vermessung der Welt. Roman (Gebundene Ausgabe)
Ich habe diesen Roman mit Freude gelesen, obwohl ich auf das Thema lange keine Lust hatte, weil ich befürchtete, das Buch könne dröge sein. Das Gegenteil ist der Fall: Die Episoden um die drei Forscher sind knapp und lebendig erzählt, mit wenigen Strichen schafft Kehlmann Bilder von Humboldt (Alexander & Wilhelm) und Gauß. Der Humor ist entgegen der Verlagsbeschreibung mitunter sogar deutlich ausgeprägt, und es entsteht auch ein guter Eindruck von den Beschwernissen der damaligen Lebensverhältnisse.

Womit wir bei einem generellen Problem wären, das über eine Kritik an diesem Buch hinausreicht: Es handelt sich trotz allem um einen Roman, und mir fällt es schwer, das biografisch Verbürgte von der Fiktion zu trennen. Was ist wahr, was ausgedacht? Schwer zu sagen. Dieser Roman ist so dicht, dass ich geneigt bin, alles zu glauben.
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38 von 48 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
4.0 von 5 Sternen Doppelbiografie zweier Genies ironisch und witzig erzählt!, 2. April 2008
Von 
Doris K. (Hamm NRW) - Alle meine Rezensionen ansehen
(VINE®-PRODUKTTESTER)   
Rezension bezieht sich auf: Die Vermessung der Welt (Taschenbuch)
Ein Buch, welches sich in vielerlei Hinsicht von anderen Büchern abhebt. Als erstes ist mir natürlich der Erzählstil aufgefallen, der in indirekter Rede gehalten wurde. Das gefiel mir richtig gut, war zwar ungewöhnlich, aber nicht schwer zu lesen. Diese außergewöhnliche Sprache passte einfach zu der Geschichte, zu den Personen und zu der Zeit sowieso, nämlich das ausgehende 18.Jahrhundert, Anfang des 19.Jahrhunderts.

Dann ist da noch die Geschichte, in der es um den Naturforscher und Entdecker Alexander von Humboldt und den Mathematiker, Astronom, Geodät und Physiker Carl Friedrich Gauß geht. Hier handelt es sich um eine Doppelbiografie, die das Leben dieser beiden Genies zwar nur oberflächlich, dafür aber witzig und geistreich darstellt. Trotzdem schafft es der Autor, die Geschichte interessant und informativ zu gestalten. Wenn man auch nicht das Meiste über das Leben dieser beiden Männer erfährt, da Kehlmann viel mehr Stoff gehabt hätte, um ausführlicher auf das Geschehen hätte eingehen können, bekommt man doch einen Einblick, was Humboldt und Gauß in jener Zeit bewirken konnten. Es wäre für mich zwar schön gewesen, mehr zu erfahren, aber so musste ich mich mit den wenigen Informationen in diesem Buch zufrieden geben. Dass die Gestaltung der Personen auch nur oberflächlich bleibt, fand ich hier nicht so schlimm, da es einfach zum Erzählstil passte.

Zuletzt begeistert vor allem die Ironie und der Witz, was uns durchs ganze Buch begleitet. Versteckte Philosophie und viel Wissenswertes über die Natur waren bei mir die Beweggründe, welche die Spannung aufrecht erhalten haben. Und das bisschen, was über die beiden Genies zu erfahren war, war sehr interessant. Da nur wenig Historisches in die Geschichte eingebaut wurde und der größte Teil fiktiv ist, hat mir ein Anhang gefehlt, indem man dies hätte nachlesen können. So musste ich mich selbst ein wenig schlau machen, wobei ich noch mehr Hintergrundwissen erfahren habe. Wer dies auch machen möchte, den kann ich Wikipedia empfehlen, da hier ausführlich über die beiden Männer berichtet wird. Ich kann das Buch jedenfalls weiter empfehlen und möchte nicht missen es gelesen zu haben. Ich finde zwar nicht unbedingt, dass man dieses Buch so hochloben muss, seinen Platz auf den Bestsellerlisten hat es aber auf jeden Fall verdient.
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35 von 45 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
4.0 von 5 Sternen Die Pubertät des Wissens - Ein Adoleszenz-Roman, 27. November 2005
Rezension bezieht sich auf: Die Vermessung der Welt. Roman (Gebundene Ausgabe)
Was macht das Buch des 30-jährigen Daniel Kehlmann über die Vermessung der Welt eigentlich so ungemein charmant? Schließlich ist die Geschichte selber alles andere als spannend. Es handelt sich um eine Erzählung über das parallele Leben zweier Wissenschaftler des 18. Jahrhunderts, die sich im Habitus nicht fremder hätten sein können, denen es aber in der Sache um dasselbe ging: die Vermessung der Welt. Alexander von Humboldt, der unermüdliche Entdeckungsreisende, und Carl Friedrich Gauß, die klassische couch potato, sind vom Temperament her wie Feuer und Wasser und nur einmal im Roman sollen sie sich begegnen. Das Treffen verläuft, wie zu erwarten war, nicht besonders gut. Die beiden haben sich recht wenig zu sagen.
Sind die beiden Hauptcharaktere aber auch höchst unterschiedlich, so atmet der Ton des Romans doch immer denselben Geist und hierin liegt auch der Charme des Buches. Jeder einzelne Satz dieses Romans ist von einer heiteren Ironie durchzogen. Kehlmann ist es gelungen, ein überaus humor- und liebevolles Buch über – ja, über was eigentlich? – zu schreiben. Es geht wohl im Kern des Buches um das Portrait eines außergewöhnlichen Moments der Menschheitsgeschichte – beschrieben aus der zeitlichen Distanz von 200 Jahren. Es ist der einzigartige Augenblick, an dem die Menschheit erkennt, aber noch nicht weiß; wo ihr bewusst wird, dass hinter allen Phänomenen Gesetze liegen, die nicht göttlich sind, diese Gesetze aber noch nicht kennt. Es ist also insofern der Augenblick, an dem die Menschheitsgeschichte aus den Kinderschuhen der Erkenntnis tritt, sich umsieht und erneut zu staunen beginnt über die Möglichkeiten, die vor ihr liegen – eine ironische Archäologie in die Jugend des menschlichen Wissens. Eine Adoleszenz-Geschichte also. Wir Leser schauen Humboldt und Gauß zu, wie sie im Angesicht der geöffneten Denkhorizonte fast platzen möchten, hören aber zugleich den abgeklärten Ton der Erwachsenen, die sich über diese Ambitioniertheit amüsieren. Dies ist der Ton, von dem das Buch lebt. Ein durch und durch ironischer wie auch wohl wollender Ton.
So lässt beispielsweise Kehlmann seinem Humboldt das bekannteste deutsche Gedicht überhaupt, Goethes „Wanderers Nachtlied“, frei ins Spanische übertragen und das hört sich dann so an: „Oberhalb aller Bergspitzen sei es still, in den Bäumen kein Wind zu fühlen, auch die Vögel seien ruhig, und bald werde man tot sein.“ Eine unpoetischere Sprache ist nicht leicht zu kreieren. Der Witz geht einem natürlich nur auf, wenn man mit dem Goetheschen Original vertraut ist, auf den sich Kehlmanns Text als Subtext bezieht.
Von der Ausbeutung solcher Subtexte lebt „Die Vermessung der Welt“ über weite Strecken. Alle Erfindungen, Entdeckungen und Ereignisse werden aus dem Licht unseres heutigen Wissens dargestellt. Das gesamte Panorama unsere Zeit ist der Subtext dieses Romans. Wenn beispielsweise Kehlmann seinen Humboldt eine Unterredung mit dem amerikanischen Präsidenten Jefferson in dessen elliptisch geformten Arbeitszimmer haben lässt, so stellt unser Bewusstsein sofort vielfältige Bezüge her, in denen das Oval Office nach unseren Erkenntnissen steht. Freilich liefert Kehlmann zugleich auch einen Meta-fiktionalen Kommentar über solche Arbeit mit kollektiven Subtexten, wenn er Gauß gleich zu Beginn des Romans sagen lässt: „Seltsam sei es, dass man in einer bestimmte Zeit geboren sei. Es verschaffe einem einen unziemlichen Vorteil vor der Vergangenheit und mache einen zum Clown der Zukunft. Jeder Dummkopf könne sich in 200 Jahren über ihn lustig machen und absurden Unsinn über seine Person erfinden.“ Hiermit ist natürlich Kehlmanns eigenes Projekt gemeint. Im Grunde handelt es sich also um einen Gegenwartsroman. Ein Gegenwartsroman, der zufälligerweise vor 200 Jahren spielt. Ein Kommentar über unsere Zeit. Sehr amüsant und sehr lehrreich.

Thomas Reuter

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11 von 14 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
4.0 von 5 Sternen Witzig, Ironisch, Brillant ... und ganz anders als erwartet, 10. November 2005
Rezension bezieht sich auf: Die Vermessung der Welt. Roman (Gebundene Ausgabe)
Inhaltlich ist dies ein Buch über die Weltsicht zweier Personen, wie sie unterschiedlicher nicht sein könnte. Der eine, Humboldt genannt, muß die Welt im wahrsten Sinne "erfahren". Die Welt ist nur da, wenn Sie auch vermessen worden ist, und zwar von ihm selbst. Daß auch ein Herr Bonpland dabei war, vergessen wir doch bitte möglichst schnell.

Der Gegenpol, verkörpert duch einen Herrn Gauß, versteht die Welt nur als schwachen, höchst unvollkommenen, von Magenbeschwerden zum Beispiel getrübten Widerschein einer im Geist oder in der Zukunft liegenden Idee.

In alternierenden Kapitel wird der Weg der beiden Protagonisten beginnend mit ihrer Jugend zu einem Treffen bei der Akademie der Wissenschaften in Preußen geschildert. Sind die einzelnen Kapitel für sich schon sehr witzig in der Beschreibung der Kollision von einfachem, normalem Leben und dem Pathos der Forschung, so sind die Kapitel in denen die Begegnung und das Miteinander Reden und Aneinander Vorbeireden von Humboldt und Gauss geschildert werden ein einziges Feuerwerk an subtil verzogener Ironie und ein Kammerstück literarischer Dialoggestaltung.

Das Buch endet mit dem Scheitern aber auch dem "dialektischen"
Sieg der Weltvermessungen. Gauss' Sohn kollidiert recht schmerzhaft mit der Obrigkeit und wandert gezwungenermaßen in die von Humboldt durchmessene Neue Welt aus.
Humboldt hingegen organisiert eine Expedition nach Russland und Asien, kommt aber ob seines Ruhms nicht mehr dazu selbst zu forschen. Vielmehr wird er von den lokalen Wissenschaftsgrößen mit vorgefertigten Exponaten (sorgfältig beschriftet natürlich) empfangen und lebt völlig im luftleeren Raum fremder Abstraktionen.

Das Buch ist amüsant zu lesen, originell und wunderbar in seinen Dialogen.
Es ist jedoch kein Roman. Eine erkennbare innere Entwicklung der Helden findet nur rudimentär statt. Ebenso wenig ist dieses Buch eine klassisch-literarische Wissenschaftlerbiografie. Daß die Helden Gauss und Humboldt heißen ist praktisch zufällig, für das Buch aber nicht notwendig. Insofern sind auch die konkreten wissenschaftlichen Erfolge Humboldts oder Gauss' für die Handlung der Geschichte eher zweitrangig.

Dem Genre nach ist es eher eine kunstvoll ineinander verschlungene Doppelerzählung. Die öffentlichen Hochlobigungen für dieses Büchlein halte ich für deutlich verfehlt und irrelevant, am Kern der Geschichte vorbeijubelnd. Zumindestens scheinen die meisten Kritiker das Buch nicht wirklich gelesen zu haben, auch Herrn Reich-Ranitzky wäre es ans Herz zu legen, die Bücher, die man bespricht zu lesen. Aber was kann der Autor dafür?

Dieses Buch garantiert Lesespaß, hintergründigen Humor, Ironie, augenzwinkernde Verehrung für die Unbegreiflichkeit von Genies und die zur Zeit wohl besten literarischen Dialoge eines deutschsprachigen Autors.

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100 von 131 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
5.0 von 5 Sternen Die schönste Methode zur Welterfahrung, 6. Oktober 2005
Von 
Carl-heinrich Bock "Literatur- und Kinofan" (Bad Nenndorf) - Alle meine Rezensionen ansehen
(TOP 500 REZENSENT)    (HALL OF FAME REZENSENT)    (VINE®-PRODUKTTESTER)    (REAL NAME)   
Von Amazon bestätigter Kauf(Was ist das?)
Rezension bezieht sich auf: Die Vermessung der Welt. Roman (Gebundene Ausgabe)
Das Grundgerüst stimmt, die Tatsachen stimmen und wenn dann auch noch die Erzählung stimmt, dann kann daraus, bei einem so begnadeten jungen Autor, nur ein gutes Buch entstehen.

Zum Plot: Es geht in dem Buch um zwei Wissenschaftler, die Ende des 18. Jahrhunderts eine damals noch weitgehend unbekannte Welt entdecken, erforschen und vermessen. Es sind zwei Männer die unterschiedlicher nicht sein können und doch arbeiten sie an dem gleichen großen Ziel.

Der eine ist der Mathematiker und Astronom Carl-Friedrich Gauß. Er gehörte mit Archimedes und J. Newton zu den größten Mathematikern aller Epochen. Dieser Mensch sitzt immer zu Hause, reist ganz ungern, hat häufig schlechte Laune und so seine täglichen Probleme mit Frau und Kindern. Ihn treibt die Magie des Forschens voller Ehrgeiz an.

Der andere ist ein junger, eleganter preußischer Freiherr, Alexander von Humboldt, Naturforscher und Geograph. Gauß reiste nie, Humboldt reiste sein Leben lang. Er forschte in Südamerika und Kuba, forschte in den Anden, profilierte Mexiko. Seine Reisen wertete er meist in Paris aus, es ist das größte private Reisewerk der Geschichte. Und unter den widrigsten Bedingungen trug er immer seine preußische Uniform. Und da er daneben auch noch rund 900 Pflanzen, Tiere, Flüssen und Berge katalogisierte, kam bei ihm jegliches Privatleben zu kurz. Liebe und Sexualität waren Fremdwörter für ihn, wenn er sich auch schönen Männern hingezogen fühlte.

Beide begegnen sich bei einem Kongress in Berlin. Gauß reist nur widerwillig von Göttingen an. Und dann berichtet uns der Autor von der Disharmonie und den unterschiedlichen Sichtweisen zwischen den beiden Wissenschaftlern. Humboldt will die Welt durch Reisen erkunden, muss alles gesehen haben um es den Menschen zu vermitteln; Gauß will nur zu Hause auf seinem Stuhl sitzen und die Welt mathematisch vermessen.

Ein amüsanter und gleichwohl kulturell anspruchsvoller Roman, der auf verschiedenen Reflexionsebenen atmosphärisch arbeitet und diese beiden Männer in der Zeit der erwachenden Wissenschaft beschreibt. Das Buch hat mich unglaublich fasziniert. Ein Lesevergnügen der besonderen Art, glänzend geschrieben. Ich empfehle dieses Buch mit Nachdruck und Leidenschaft aus vielen Gründen.

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48 von 63 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
2.0 von 5 Sternen Zwei große deutsche Wissenschaftler, ein schlechtes Buch, 25. Januar 2009
Rezension bezieht sich auf: Die Vermessung der Welt. Roman (Gebundene Ausgabe)
Leider war der Roman eine Enttäuschung. Kehlmann beschreibt darin das Leben des Mathematikers Friedrich Gauß und der Brüder Humboldt. Ich hatte mir erhofft von dem historischen Roman mit wissenschaftlichem Hintergrund gut unterhalten zu werden und nebenbei etwas lernen.

Man kann Kehlmann zugute halten, dass gleich zu Anfang des Buches klar macht, dass er nicht wirklich die historischen Persönlichkeiten interessiert ist: Er lässt Gauss sagen, in 200 Jahren werde nur sein Werk übrig sein, jeder Einfallspinsel könne sich dann aber Unfug über ihn ausdenken. Und das macht er dann auch fleißig.
Einige Fehler und Ungenauigkeiten später ist man dann genügend gewarnt und der Informationsgehalt des Buches geht daher gegen Null. Für mich als Biologen war der offensichtlichste Patzer dass Quallen, die bei Alexander von Humbolds Reise um das Schiff trieben als "Mollusken" bezeichnet wurden. "Medusen" hätte literarisch mindestens genauso gut geklungen, wäre aber korrekt gewesen.

Da all das ständig daran zweifeln lässt, wo ordentliche Recherche aufhört und Dichtung anfängt bleiben nach dem Lesen mehr Fragen als Erkenntnisgewinn.
Stimmt die kleine Geschichte von Immanuel Kants Altersdemenz ? War Alexander von Humboldt am Ende seines Lebens wirklich ein aktiver Gegner der Evolutionstheorie (Er starb 1859 also kannte er "den Origin" in jedem Fall nicht, Darwin erwähnt Humboldt sehr oft als großen Forscher, das schien mir dann auch unwahrscheinlich), usw... ?
Doch all diese Schwächen würden das Buch noch nicht schlecht machen. Was mich wirklich gestört hat und auch der Grund ist warum ich diese Kritik hier schreibe in Folgendes:

Am Ende bleibt das Gefühl beide Wissenschaftler wären gescheitert. Als hätten sie durch die Erkundung der Welt ihr eigenes Leben aus den Augen verloren. Als wäre ihre Suche nach Wissen irgendwie verfehlt gewesen und hätte niemanden wirklich weiter gebracht. Des bringt meiner Meinung nach Ignoranz gegenüber empirischer Arbeit und Arroganz gegenüber Wissenschaftlern zum Ausdruck.
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Die Vermessung der Welt. Roman
Die Vermessung der Welt. Roman von Daniel Kehlmann (Gebundene Ausgabe - 2011)
EUR 19,95
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