Kundenrezensionen

80
3,0 von 5 Sternen
Der Sommer ohne Männer
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190 von 201 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich.
am 21. April 2011
Ja, man kann sagen, Siri Hustvedt sei eine kluge und sensible Frau. Etliche Stellen in dem Buch sprechen für einen zärtlichen und sensitiven Blick auf die Dinge und mehr als einmal hat die Autorin es geschafft, mich damit anzurühren. Wenn es ihr nun gelänge, sich ganz souverän dieser Fähigkeit zu widmen, wieviel Gewinn läge für uns alle darin. Was mich aber schon an "Was ich liebte" störte, ist Hustvedts enormes Bedürfnis, sich selbst und ihre Romane mit Fachwissen in Psychologie und anderen Wissenschaften zu schmücken. Ich nehme Frau Hustvedt durchaus ihre Begeisterung dafür ab, verstehe auch ihren Wunsch, darüber zu schreiben. Doch weniger wäre hier in jedem Fall mehr, vor allem wäre der Verzicht auf "professorale" Terminologien unerläßlich. Wer das möchte, kauft sich ein entsprechendes Buch. Ebenso ungeschickt kommt es mir vor, wenn sie ganze Sätze in Latein hüllt, um ihnen damit - wer weiß - mehr Tiefsinn zu verleihen. In meinen Augen funktionieren solche Manierismen nicht, ein französischer "Cri de Coeur" ist ebenso kitschig wie "der Schrei des Herzens" im Deutschen. Allein für den Versuch, des öfteren mit solchen Spielchen zu blenden, muss man sie schelten. In diese Kategorie fallen auch solch besonders dichterischen Versuche wie >>In jener Nacht träumte mir... <<
Überflüssig erscheint mir in diesem Buch auch die e-Mail-Episode mit einem anonymen Schreiber namens "Niemand". Sie führt nirgendwo hin und dient noch nicht einmal als Spannungselement, sondern einzig und allein als Vehikel, das ein weiteres Mal das große wissenschaftliche Wissen der Autorin beweisen soll.

Beispiel:

Mia (Hustvedts Protagonistin) schreibt über eine eMail von jenem "Niemand" (Seite 132):

>>Dieser Niemand war geistig rege und beweglich. Er sprang, ohne Luft zu holen, von Leibniz' Monadologie über Heisenberg und Bohr in Kopenhagen zu Wallace Stevens, und trotz seiner Überdrehtheit fühlte ich mich gut unterhalten und schrieb zurück, übefiel ihn mit Widerspruch und ausufernden Argumenten. Er war ein knallharter Anitmaterialist, so viel las ich heraus. Er spuckte auf Physikalisten wie Daniel Denett und Patrcia Churchland und war für eine post-Newton'sche Welt, die die Substanz im Staub hinter sich gelassen hatte.<<

Mit Verlaub, DAS verbuche ich nun ganz bestimmt unter Angabe. Außerdem ist es schriftstellerisch schwach. Mich als Leser hätten die WIRKLICHEN eMails der beiden interessiert, nicht aber dieser "blenderische" Pipifax, von dem ich behaupte, das ihn 98 Prozent aller Leser ohnehin nicht verstehen.

Ein weiterer Kritikpunkt: Außer Mia bleiben fast alle anderen Figuren schwach. Boris, Mias Ehemann und eigentlicher Auslöser des Ganzen, wandelt als kümmerlicher Schatten durch die Story. Die Tochter ist romanhaft zauberhaft und herzerfrischend und sonst - nichts. Und überhaupt: Wo ist das Neue an der Geschichte? Mann verläßt Frau gab es schon oft, das macht aber nichts. Was wurde hier daraus gemacht? M.E. nichts, was einen umhauen könnte oder gar Überraschendes birgt. S. Hustvedt reiht Geschichtenfragmente aneinander, mischt ihre Mia dazwischen,läßt sie über sich und ihre Welt reflektieren und hie und da weinen. Dabei wären schon Teile des Romans (z.B. der stickende Schwan oder auch die der mobbenden Teenager )tolle Geschichten für sich gewesen.
Ich habe das Buch dennoch zu Ende gelesen, es aber, ohne großen Nachhall zu empfinden, geschlossen. Dennoch gab es einen Satz, der mich sehr angesprochen hat und mir deshalb in guter Erinnerung bleiben wird:

>>Es gibt in der Kunst kein Gefühl, das nicht ausgedrückt, und keine Geschichte, die nicht erzählt werden darf. Es sei denn, man hat ein Brett vor dem Kopf. Die Verzauberung entsteht durch das Fühlen und das Erzählen, das ist alles.<<
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157 von 172 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich.
am 20. März 2011
Fast traumatisiert stellt Mia mit ihren 55 Jahren eines Tages fest, dass ihr Mann eine "Pause" von der Ehe sucht.
Die Pause: das ist eine 20 Jahre jüngere Kollegin, mit der er sich verlustiert.

Es entspräche nicht der klugen, tiefsinnigen Siri Hustvedt, wenn sich hinter dieser Geschichte nicht mehr verbirgt!

Und so ist es denn auch: ihre sensible und feinsinnige Heldin landet zuerst in der Psychiatrie, bis sie sich zu einer Auszeit von ihrem Leben in Brooklyn NY entschließt. Sie verbringt einige Monate in der Nähe ihrer Mutter, die in einem Altenheim in Minnesota lebt.
Hier gibt Mia Kurse in kreativem Schreiben und lernt die alten Freundinnen ihrer Mutter mit ihren Geheimnissen kennen und eine Anzahl junger Mädchen, die von erotischen Nöten und Träumen bedrängt werden.

Zu dieser Zeit beginnt Mia ihr eigenes Leben zu reflektieren und taucht tiefgründig in Erinnerungen an die Kindheit, Schulzeit, an Gefühle von Verlust, Liebe und Ausgestoßensein ein. Ihre Einsichten erfahren Bereicherung in der Begegnung mit den fünf alten Damen, von Mia liebevoll die "Schwäne" genannt. Sie sind von ungewöhnlicher Frische und nachdenklichen Lebensweisheiten und bieten Mia indirekt Trost und Hilfe. Abigail zeigt ihr einen versteckt in einen Gobelin gewebten Spruch "Gedenke, dass mein Leben ein Wind ist...", den man im Buch Hiob im Alten Testament findet.

In der Adaption der Erkenntnisse und Erfahrungen aus ihren Begegnungen mit den alten Damen und eigenen Beobachtungen gewinnt Mia innere Festigkeit und neue Einsichten. Zu diesen gehört die Feststellung, dass es eine Zeit gibt, von der an man mit Schicksalsschlägen rechnet.

Siri Hustvedt beschreibt in ihrer lebhaften, intelligenten und einfühlsamen Diktion Dinge, die unmittelbar an eigenes Erleben rühren. Dabei umfasst sie mit ihren Analysen einen ganzen Kosmos von immer gleichen Erfahrungen aus der Menschheitsgeschichte.

Von Witwen und Verstoßenen, von Müttern und Töchtern, von der Liebe sehr junger Mädchen und sehr alten Damen und von traurigen und heiteren Begebenheiten weiß sie zu berichten. Immer sieht sie mit unsichtbarer Brille hinter Fassaden und entdeckt versteckte Signale, aus denen man herausdestilliert, wie es um uns Menschen, um Männer und Frauen und um deren Zusammenleben bestellt ist. Doch auch das eigene Erleben und Leiden kommt nicht zu kurz.

Das neue faszinierende Buch der gebildeten und sensiblen Autorin, die eine herausragende Rolle in der New Yorker Intellektuellenszene spielt, begeistert den Leser mit einem dichten Netz von eindrucksvollen Bildern. Siri Hustvedt ist eine mit Empathie und Mitgefühl ausgestattete Philosophin. Der Roman gehört für mich zu den Highlights diesjähriger Neuerscheinungen.
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6 von 6 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich.
am 26. März 2013
Mir hat das Buch gefallen, sehr gut gefallen. Ich habe gerne die schlagfertige Mia in ihren Tagebuchnotizen" begleitet - mit ihrer häufig selbstironischen Auseinandersetzung mit der Pause" und ihrem Mann, den kleinen Exkursen, dem Älterwerden und Sterben - und dem Erwachsenwerden.
Ein Buch, was ich gerne und rasch durch gelesen habe, manchmal nachdenklich, öfters schmunzelnd - und ab und zu auch lachend.
Normalerweise leihe ich mir Bücher in einer Bibliothek aus.
Doch das Buch ... werde ich mir wohl doch kaufen, damit ich es leichter nochmals in die Hand nehmen kann (und z.B. mal was vorlesen kann).
Ein tolles, kurzweiliges Buch ... aus meiner Sicht (und über manche Kritiken, die ich nach meinem Lesen gesehen habe, bin ich ganz schön erstaunt).
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4 von 4 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich.
am 18. Juni 2011
Unter großer medialer Beachtung erschienen, in diesem Forum innerhalb weniger Wochen bereits vielfach besprochen - "Der Sommer ohne Männer " von Siri Hustvedt

Ich selbst bin, was das Buch bestrifft, gespalten:

- JA, Siri Hustvedt ist eine Schriftstellerin, die ihr Handwerk bestens beherrscht, deren Intellekt, deren Bildung sich im Text laufend manifestiert;

- JA, Siri Hustvedt beeindruckt durch eine Perspektive auf das Leben, die man wohl erst entwickelt, wenn man - wie die Autorin (Jahrgang 1955) - schon vieles persönlich gesehen und er-/durchlebt hat. Die von ihr gezeichneten Frauenfiguren, die sie um die Hauptprotagonistin Mia, eine New Yorker Schriftstellerin, gruppiert, stehen für verschiedene Generationen mit ihren spezifischen Problemen, Herausforderungen und Ängsten.

Und DOCH fehlt diesem Roman die emotionelle Komponente, die einen in Bücher hineinzieht, die gefangen nimmt, die fesselt. Wegen der klaren Abstriche im persönlichen Lesevergnügen: 3 Sterne.
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9 von 10 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich.
mia wir nach 30 ehejahren von boris verlassen und flüchtet zu ihrer alten mutter aufs land. eine auf den ersten blick eher langweilige alltagsstory, die aber sehr an gehalt gewinnt, weil sie durch hustvedt mit zwei anderen generationen und deren bedürfnisse verwoben wird: einer mädchengruppe, die von mia in einem lyrik-kurs begleitet wird, und den freundinnen der mutter, die alle, jung und alt, ihre geheimnisse und persönlichen bruchlinien aufweisen. hustvedt greift gekonnt zum messer und seziert solange, bis die letzte kleine nervenfaser offen liegt. das macht das buch zu einer interessanten geschichte, die sich allerdings stellenweise mühsam liest. durch einen gelungenen einstieg wird man interessiert mitten in die geschichte geworfen, dann allerdings folgen stellenweise fraternisierungsversuche der autorin mit den leserInnen und text-bruchstücke von mittelschul-qualität, die, es mag an der übersetzung liegen, manchmal direkt peinlich klingen. wenn man sowas grandioses wie "was ich liebte" geschrieben hat, dann liegt die latte halt hoch.
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14 von 16 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich.
am 29. Mai 2011
Es lässt sich schwerlich bestreiten: diese Autorin ist eine gebildete, kluge, überaus geistreiche Frau, die das Geschäft des Schreibens kunstvoll versteht. Jeder Satz für sich betrachtet scheint mir gelungen, ist sicher Ausdruck literarischer Gewandheit in einem übergeordneten Sinn.
Trotzdem vermochte mich dieser Roman nicht zu fesseln und ich habe mich nicht sehr angetan, wenn auch nicht ausgesprochen lustlos, von Kurzkapitel zu Kurzkapitel geackert. Gerade letztere haben ein wenig zu meinem geringen Eingebundensein in das Geschehen beigetragen: Die oft nur wenige Seiten langen einzelnen Abschnitte wirken stark trennend, stellen immer wieder eine Unterbrechung des Geschehens und der Gedankengänge dar. Natürlich ist das Ganze durch eine Geschichte verbunden, deren Inhalt sich durch den Titel perfekt zusammenfassen lässt. Ich selbst habe jedoch zum Ganzen keinen Zugang finden können. Trotz der facettenreichen, teils auch von feinem Humor geprägten Beschreibungen, blieben mir die dargestellten Personen fremd, die Protagonistin inbegriffen.
Beim Weglegen des Buches nach der letzten Seite blieben meinerseits keine Gefühle zurück, kein Verweilen, kein Nachklingen des gerade Gelesenen.
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8 von 9 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich.
am 23. November 2011
Vorab: durch dieses Buch musste ich mich teilweise durchquälen.
Wer komplizierte Sätze mag, wird hier bestens bedient. Ein Beispiel (S. 248) :
"Sie mögen denken, ich missbilligte das, ich, die ich die fortlaufenden Prozesse der Literaturtheorie ertragen, die linguistische Wendung genommen, den Tod des Autors miterlebt und irgendwie la fin de l'homme überlebt hatte, die ich ein hermeneutisches Leben gelebt, in Aporien gestarrt, über différance gerätselt und mir über sein im Gegensatz zu Sein Gedanken gemacht hatte, ganz zu schweigen vom kleinen a dieses verschwurbelten Franzosen contra sein großes sowie von einer Masse zusätzlicher intellektuelle Knoten und Falten, die ich im Laufe meines Lebens aufknüpfen und glätten musste, aber da würden Sie sich irren." ?!?!?
Die eingestreuten Gedichte habe ich getreu überlesen. Irgendwie kam es mir vor, als ob die Autorin ihr großes Wissen über die Literatur geballt auf mich (oder ihre Leser) abwerfen wollte.
Leider gibt es dafür einen Abzug, dass die Autorin nicht aufklärt, wer "niemand" ist. Die Ich-Erzählerin bekommt rätselhafte SMS auf ihr Handy, aber außer dass "niemand" wegen eine Nierensteinerkrankung zwischenzeitlich eine Schreibpause einlegt, wird man nichts über ihn gewahr.
Schade, denn gut gefallen haben mir einige schöne Ideen, z.B. der Literaturclub im Altenheim, oder eine Abigail, die durch Sticken Geheimnisse mitteilt, oder eine Nachbarin mit einem perücketragenden Kleinkind.
Die Ich-Erzählerin unterrichtet auch sieben pubertierende Mädchen in einem Lyrikkurs. Dieser Handlungsstrang mündet in die Aufarbeitung von Mobbing.
Es ist mir daher ein Rätsel, warum man den Roman im Klappentext als Roman über den sogenannten Geschlechterkrieg bezeichnet, denn es geht hier eigentlich gar nicht um den Geschlechterkrieg sondern nur darum, dass ein langjähriges Ehepaar vor einer schweren Entscheidung steht. Er, ob er mit seiner Geliebten (=Pause?) nur eine Episode haben wird und Sie, ob sie ihn überhaupt nach diesem Verhältnis zurück haben will.
Leider nur zwei Sterne.
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27 von 32 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich.
am 30. März 2011
Seit fast dreißig Jahren ist die Ich- Erzählerin des neuen Romans von Siri Hustvedt, die relativ wenig erfolgreiche Lyrikerin Mia Fredericksen, mit ihrem Mann Boris verheiratet, einem Wissenschaftler, der sich mit Neuronen beschäftigt. Sie haben eine schon erwachsene Tochter und ihr Leben ist eigentlich ganz normal, als Boris Mia eines Tages aus heiterem Himmel sie mit dem Wunsch konfrontiert, er brauche eine "Pause": Die Pause ist zwanzig Jahre jünger, hat große Brüste und ist Boris` Laborassistentin.

Mia dreht vollkommen durch, landet in der Psychiatrie: "Dr. P. diagnostizierte dann eine akute vorübergehende psychotische Störung, auch bekannt als Durchgangssyndrom, was bedeutet, dass man wirklich verrückt ist, aber nicht lange."

Sie wird bald entlassen und fährt von New York nach Minnesota, wo ihre alte Mutter in einer Seniorenresidenz lebt. Insgesamt fünf sehr alte Frauen sind es, mit denen Mias Mutter eine besondere Gemeinschaft verbindet. Mia nennt sie die "Schwäne", und in der Folgezeit erfährt sie von diesen alten Frauen sehr viel Lebensweisheit, Klugheit und Trost. Trost und psychische Hilfe bekommt sie auch von ihrer Therapeutin, mit der sie einmal in der Woche ein sehr langes Telefonat führt und die sie sensibel in ihrem Prozess der Selbstfindung begleitet.

Denn genau das ist es, was Siri Hustvedt da, angereichert mit unzähligen philosophischen und psychologischen Reflexionen, beschreibt. Eine Frau, die Abstand gewinnt von einer sehr verletzenden Situation, die sich von den fünf alten Schwänen auf der einen Seite, und von sieben jungen Mädchen in der Pubertät auf der anderen Seite Kraft und Inspiration für die Bewältigung ihrer Situation holt. Sind es bei den fünf alten Frauen reife Lebenserkenntnisse wie etwa der Satz, den die Hobbykünstlerin Abigail zu Mia, Hiob aus dem Alten Testament zitierend, sagt: "Gedenke, dass mein Leben ein Wind ist...", geben ihr die Mädchen, denen sie einen Kurs über Gedichte hält, eine Fülle von Hinweisen darauf, wie Frauen ticken und sich in bestimmten Situationen verhalten.

So ihren Alltag doch sehr bewusst lebend, greift sie immer wieder auf die philosophischen Lesefrüchte ihres Lebens zurück und kommt langsam zu sich selbst und zu immer reiferen Erkenntnissen über das Zusammenleben von Frauen und Männern. Und die notiert sie wie in einem Tagebuch: ihr eigenes Leben, ihre Kindheit, ihre ersten sexuellen Erfahrungen, die Liebe zu Boris und die Zeit mit ihm. Und indem sie, den alten Freud im Sinne, erinnert, wiederholt und durcharbeitet, heilt sie ihre alten und neuen Wunden, und weiß am Ende, was sie tun und wie sie leben will.

Dazu braucht es aber einen "Sommer ohne Männer". Es ist ein Buch, das Siri Hustvedt auf der Höhe ihres literarischen Schaffens zeigt und auf der Höhe ihres Bewusstsein als Frau.

Ein Buch voller Poesie und Zärtlichkeit für das eigene Leben.
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33 von 39 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich.
am 24. Mai 2011
Ich quäle mich aus Anhänglichkeit und Erinnerung an eine Schriftstellerin durch dieses Buch, von der ich fast alles verschlungen habe. Was ist nur passiert? Eine Ansammlung von pseudopsychologischen Ergüssen zu allen möglichen Themen, furchtbar, fast peinlich persönlich zwischen den Zeilen. Ich lese und denke, irgendwann muss doch mal eine Seite kommen, die das alles rechtfertigt?
Allen, die Hustvedt kennen, sei zu raten, nicht zu kaufen, es ist zu enttäuschend und allen, die sie nicht kennen, sei dies ebenfalls geraten, denn es wirft ein falsches licht auf ihr Werk. Gute Besserung, kann man da nur sagen.
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3 von 3 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich.
am 2. August 2012
Ein Buch übers Älter- bzw. Altwerden, über die Gleichheit bzw. die Unterschiede zwischen Mann und Frau und über das Verhalten und die Wahrnehmung der Frau in ihrer Rolle als Ehefrau, Tochter, Mutter, Freundin und Lehrerin. Trotz großer Anstrengung der Autorin, mittels häufiger literarischer Anspielungen und Ausführungen zu psychologischen Erkenntnissen der Geschichte Tiefgang einzuhauchen, gelingt es ihr nicht, eine Unmittelbarkeit zu übermitteln, die dem Leser hilft, im Buch zu versinken. Dann und wann scheint jedoch ein wunderschöner Satz heraus.
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