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5.0 von 5 Sternen Und Gott würfelt doch!
Eine neue Erklärung des Universums versuchen die Autoren und Wissenschaftlicher Stephen Hawking und Leonard Mlodinow in ihrem neuen Buch zu geben. Warum gibt es etwas und nicht einfach nichts? Warum existieren wir? Warum dieses besondere System von Gesetzen und nicht irgendein anderes? Ohne Formelsammlungen und massivem Fachchinesisch erklären die beiden ihre...
Veröffentlicht am 7. September 2010 von frenulum

versus
182 von 215 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
3.0 von 5 Sternen Hawkings Multiversum
Seit Stephen Hawking einer breiten Öffentlichkeit bekannt wurde, scheinen viele Menschen ihn für den Einstein unserer Zeit zu halten. So ist es nicht verwunderlich, dass seine jüngste Veröffentlichung, "Der große Entwurf" sich gut verkauft. Nimmt man das Buch zur Hand, wird man schnell die äußeren Vorzüge registrieren. Die...
Veröffentlicht am 31. Oktober 2010 von Lucullus


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260 von 300 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
5.0 von 5 Sternen Und Gott würfelt doch!, 7. September 2010
Rezension bezieht sich auf: Der große Entwurf: Eine neue Erklärung des Universums (Gebundene Ausgabe)
Eine neue Erklärung des Universums versuchen die Autoren und Wissenschaftlicher Stephen Hawking und Leonard Mlodinow in ihrem neuen Buch zu geben. Warum gibt es etwas und nicht einfach nichts? Warum existieren wir? Warum dieses besondere System von Gesetzen und nicht irgendein anderes? Ohne Formelsammlungen und massivem Fachchinesisch erklären die beiden ihre Sicht der Welt in mikro- und makrokosmologischer Betrachtungsweise und richten sich dabei an den interessierten Laien, der nur geringe Vorkenntnisse und ein offenes Wesen braucht, um den Autoren folgen zu können.

Wer zwar interessiert genug ist, sich das Buch zu kaufen, aber mit dem Namen Leonard Mlodinow nichts anfangen kann, dem sei gesagt, dass auch Mlodinov Wissenschaftler im Bereich der Quantenmechanik ist und derzeit am California Institute of Technology als Gastdozent tätig. Einige Drehbücher für "Star Trek: The Next Generation" hat er übrigens auch verfasst.

Relativ am Anfang des Buches stellen die Autoren fest, dass die Antwort auf die Frage nach dem Leben, dem Universum und einfach allem nicht "42" ist, was den Laien nicht verwundern dürfte, aber Douglas-Adams-Fans ein Lächeln auf das Gesicht zaubern.

Nicht verwunderlich ist es auch, dass die Kirche pauschal schon im Vorfeld der Veröffentlichung seiner Bestürzung darüber Ausdruck verliehen hat, dass Hawking und Mlodinow in ihren Theorien behaupten, dass es nicht zwangsläufig eines Gottes bedarf, um ein Universum zu erschaffen. Wobei die beiden nicht behaupten, es gebe keinen Gott, lediglich, dass man niemanden braucht, der den ersten Dominostein anschubst, damit der Rest an seinen Platz fällt.

Der Aufbau des Buches ist so gewählt, dass der Leser nicht direkt mit den neuesten Erkenntnissen torpediert wird, sondern langsam an die Materie herangeführt. So beschreiben die Autoren auch eine Geschichte der Physik und deren Gesetze und vor allem deren Gesetzgeber, die sich im Laufe der Jahrhunderte, gar Jahrtausende die Klinken und Theorien in die Hand gegeben haben. Vom Glauben der Urvölker in Afrika, über Newton und Einstein bis hin zur M-Theorie. Letztere sei der beste Kandidat tatsächlich eine einzige Antwort auf die Frage nach dem Leben, dem Universum und einfach allem zu geben. Leider kann auch die M-Theorie derzeit noch nicht vollständig bewiesen werden und deshalb kommt das Wort "Theorie" im Buch ebenso häufig vor wie das Wort "Gesetz".

Unterstützt durch viele anschauliche Bilder und einige lustig gezeichnete Cartoons erklären Hawking und Mlodinow, dass die newtonschen Gesetze nicht unfehlbar sind, sich nicht zwangsläufig alles mit einem Gott im Hintergrund abspielen muss und dass die Naturgesetze immer weniger Gültigkeit haben, je kleiner die betrachteten Dinge werden. Auf Quantenebene verhält sich vieles nicht so, wie anfangs erwartet und so mussten Quantenversionen der Naturgesetze gebildet werden. Diese beiden sich teilweise unterscheidenden und widersprechenden Gesetze doch unter einen Hut zu bringen, daran versucht sich die obengenannte M-Theorie.

Und so bekommt der Leser einen umfassenden Überblick darüber wie früher und heute über die Entstehung des Universums gedacht wurde und wird, dass es jede Menge Paralleluniversen gibt und dass "Außerirdische, deren stammesgeschichtliche Entwicklung sich unter dem Einfluss von Röntgenstrahlen vollzog, gute Berufsaussichten beim Sicherheitsdienst von Flughäfen haben" (S. 91).

Außerdem kommen gegen Ende des Buches dann die Steine des kirchlichen Anstoßes, dass die Multiversumstheorie zur Erklärung der Entstehung des Universums mit Darwins Evolutionstheorie verglichen werden kann, denn beide kommen ohne einen "gütigen Schöpfer" aus.

Und irgendwo gibt es auch ein Universum, in dem die Antwort auf die Frage nach dem Leben, dem Universum und einfach allem tatsächlich "42" ist! Nur halt nicht in unserem. Das allerdings behauptet der Rezensent, nicht die Autoren.

Wer ist die Zielgruppe?

Wie anfangs schon erwähnt, richtet sich das Buch an interessierte Laien, die sich offen und unvoreingenommen anhören möchten, was Stephen Hawking und Leonard Mlodinow zu sagen haben. Sprachlich nicht abgehoben und vieles mit Beispielen in Wort und Bild erklärend, ist es nicht schwer den Ausführungen zu folgen.

Ob der Leser nach der Lektüre für sich auch ausschließt, dass es zwangsläufig einen Gott geben muss, bleibt jedem selbst überlassen.

Mein Fazit:

Mir hat es Spaß gemacht auf so lockere Art und Weise Wissen vermittelt zu bekommen. Die Sprache ist sympathisch leicht und nicht oberlehrerhaft. Hier und da lockert ein Scherz den Text im richtigen Maß auf, dass sich das Buch nicht wie eine Lehrstunde an der Universität liest, bei der der Leser mit Fakten druckbetankt wird.

Mir wurde im Buch sogar eine Frage beantwortet, die ich schon lange hatte: Was war eigentlich vor dem Urknall? Falls auch Sie sich das schon einmal gefragt haben, die Antwort steht in "Der große Entwurf".
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182 von 215 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
3.0 von 5 Sternen Hawkings Multiversum, 31. Oktober 2010
Rezension bezieht sich auf: Der große Entwurf: Eine neue Erklärung des Universums (Gebundene Ausgabe)
Seit Stephen Hawking einer breiten Öffentlichkeit bekannt wurde, scheinen viele Menschen ihn für den Einstein unserer Zeit zu halten. So ist es nicht verwunderlich, dass seine jüngste Veröffentlichung, "Der große Entwurf" sich gut verkauft. Nimmt man das Buch zur Hand, wird man schnell die äußeren Vorzüge registrieren. Die Aufmachung ist eindrucksvoll, die Papierqualität hervorragend, die zahlreichen Abbildungen sehr ästhetisch. Inhaltlich hinterlässt es jedoch einen zwiespältigen Eindruck.

Auf kaum 180 Seiten haben Hawking und sein Co-Autor Mlodinow sich nichts Geringeres vorgenommen, als einige der großen Menschheitsfragen zu beantworten:

Warum gibt es etwas und nicht einfach nichts?
Was ist das Wesen der Wirklichkeit?
Warum existieren wir?
Warum dieses besondere System von Gesetzen und nicht irgendein anderes?
Braucht das Universum einen Schöpfer?

Den ersten Schritt zur Beantwortung dieser Fragen macht Hawking mit einer erkenntnistheoretischen Überlegung. Wissenschaftliche Theorien müssten ebenso wie unsere Alltagsüberzeugungen als Modelle aufgefasst werden. Ihr Wert hänge nicht von ihrer Ähnlichkeit mit der Realität ab, sondern von Eigenschaften wie Eleganz, Übereinstimmung mit den Beobachtungen sowie prognostischer Kraft.

"Wir bilden mentale Konzepte von allen möglichen Dingen - unserem Haus, Bäumen, anderen Menschen, dem elektrischen Strom, der aus der Wandsteckdose kommt, Atomen, Molekülen und anderen Universen. Diese Konzepte sind die einzige Wirklichkeit, die wir erkennen können. Es gibt keinen modellunabhängigen Test der Wirklichkeit. Daraus folgt, dass ein gut konstruiertes Modell eine eigene Realität schafft" (S. 168). Mit jeder neuen Theorie hätten sich unsere Begriffe von der Wirklichkeit und den fundamentalen Bestandteilen des Universums verändert (S. 54). Verfügten wir über zwei Modelle, die sich beide mit den Beobachtungen deckten, könnten wir nicht sagen, das eine sei realer als das andere, selbst wenn sie sich widersprächen. "Wir können jeweils das Modell verwenden, das in der betrachteten Situation praktischer ist" (S. 44).

Hawking nutzt diesen Standpunkt, um seine Deutung der Quantentheorie plausibel zu machen. Ausgehend von Richard Feynmans Pfadintegralformalismus interpretiert er das berühmte Doppelspaltexperiment als Indiz dafür, dass Elektronen und Photonen im Unterschied zu den Gegenständen der Alltagserfahrung in der Lage sind, verschiedene Bahnen gleichzeitig zu durchmessen und mit sich selbst zu interferieren. Außerdem sei ihr Verhalten nicht genau determiniert. Der gesunde Menschenverstand müsse sich damit abfinden, dass sein Wirklichkeitsmodell auf die Quantenwelt nicht anwendbar sei.

Übertrage man diese Einsichten auf die Entstehungsphase des Universums, gelange man zu der Annahme, dass es sich ähnlich den Quantenobjekten auf alle möglichen Weisen zugleich entwickelt habe. "Ein paar dieser Universen ähnelten dem unseren, doch die meisten waren ganz anders. ... Tatsächlich gibt es viele Universen mit vielen verschiedenen Versionen physikalischer Gesetze. Einige Menschen machen ein großes Geheimnis aus dieser Hypothese - die manchmal als Multiversums-Konzept bezeichnet wird - dabei handelt es sich einfach um einen anderen Ausdruck für Feynmans Summe über alle Geschichten" (S. 136).

Die Hypothese zahlreicher, vielleicht Milliarden paralleler Universen, eröffne die Möglichkeit, dass die Gesetze und Konstanten der Natur in einigen davon zufällig so abgestimmt seien, dass menschliches Leben möglich werde. Auf diese Weise ließen sich die grundlegenden Eigenschaften unserer Welt auch ohne einen Schöpfergott erklären.

Selbst die Frage nach dem Ursprung des Universums glaubt Hawking beantworten zu können. Wie die Quantentheorie zeige, sei ein vollkommen leerer Raum physikalisch unmöglich. Aus Heisenbergs Unschärferelation folge, dass im Vakuum unablässig Fluktuationen aufträten, die man als spontane Entstehung und Vernichtung von Teilchenpaaren auffassen könne. Davon ausgehend dürfe im Einklang mit der Stringtheorie vermutet werden, das Universum sei durch eine Quantenfluktuation entstanden und habe sich anschließend im Bruchteil einer Sekunde gigantisch aufgebläht.

Natürlich lassen sich die von Hawking aufgeworfenen Themen auf knappem Raum nur oberflächlich behandeln. Allerdings wären die zahlreichen geistesgeschichtlichen Fehler des Buches vermeidbar gewesen. Die Behauptung, Aristoteles habe die Erde aus "mystischen" Gründen für den Mittelpunkt des Universums gehalten (S. 39), ist ebenso unsinnig wie die Feststellung, das Mittelalter habe "kein einziges schlüssiges philosophisches System" hervorgebracht (S. 28). Und wenn Hawking schreibt, Epikur, einer der Hauptvertreter der Atomlehre in der Antike, habe den Atomismus abgelehnt (S. 25), kann man als Leser nur noch den Kopf schütteln. Warum äußert sich der englische Professor zu Themen, von denen er offenkundig nichts versteht?

Zunächst bleibt die Hoffnung, Hawking werde an Sicherheit gewinnen, sobald er die moderne Physik behandelt. Leider stellen sich bald Zweifel ein. Ist es zulässig, so fragt man sich, einen mathematischen Formalismus wie Feynmans Pfadintegralmethode als Modell der Wirklichkeit aufzufassen? Darf man dem Universum nach der Inflation noch die Entwicklung auf parallelen Pfaden zuschreiben, obwohl Hawking einräumt, dass makroskopische Objekte keine Quanteneffekte aufweisen? (S. 67). Es fällt schwer zu entscheiden, ob hier Mängel der Darstellung oder inhaltliche Fehler vorliegen.

Hinzu kommt, dass Hawking den Bogen überspannt. Zwar räumt er ein, die von ihm favorisierte Stringtheorie sei unfertig, versäumt es aber, darauf hinzuweisen, dass selbst jahrzehntelange Forschung nicht den geringsten empirischen Beleg für sie erbringen konnte. Die Stringtheorie ist eine der spekulativsten Konstruktionen der Wissenschaftsgeschichte. Eines Tages könnte sie sich als reines Phantasieprodukt erweisen. Ist aber schon die Stringtheorie fragwürdig, wie soll man dann erst Gedankenspiele über "Paralleluniversen" einschätzen?

All dies ist Grund genug, bereits in der Mitte des Buches skeptisch zu werden. Die große Enttäuschung wartet freilich am Schluss. Hier muss der geduldige Leser feststellen, dass Hawking drei Voraussetzungen benötigt, um die Entstehung des Multiversums zu erklären: Das Vakuum, einige elementare physikalische Gesetze (die Prinzipien der Quantentheorie und den Satz über die Erhaltung der Energie) und die Gravitation.

Wie Vakuum und Gravitation entstanden sind und warum sie bestimmten Gesetzen unterliegen, kann Hawking nicht sagen. Er fragt erst gar nicht danach.

Das Ergebnis dieses spekulativen Galoppritts ist bescheiden: Hawking ist einen Schritt über die meisten kosmologischen Modelle hinausgegangen. Er hat den Urknall durch einen anderen Anfangszustand ersetzt, den er so wenig erklären kann, wie andere Physiker den Urknall. Der Vorhang unserer Unwissenheit wurde nur um ein paar Millimeter zurückgeschoben, ein Rätsel gegen das andere eingetauscht. Die Ausgangsfragen des Buches werden nicht überzeugend beantwortet.

Das soll der große Entwurf sein? Ich kann mir nicht helfen, mir kommt er kläglich vor.
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2 von 2 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
2.0 von 5 Sternen Erwartungen nicht erfüllt..., 22. Mai 2014
Rezension bezieht sich auf: Der große Entwurf: Eine neue Erklärung des Universums (Gebundene Ausgabe)
Ich hatte mir sehr viel mehr erwartet von diesem Buch (habe selbst Mathematik/Physik studiert), bin in weiten Teilen aber doch etwas enttäuscht.

+ schöne Grafiken
+ netter kurzer Abriss über die Entwicklung der Physik bis zur Neuzeit
+ gute Beschreibung der Auswirkungen, wenn physikalische Konstanten leicht veränderte Werte hätten

- Anwendung von Feynmans "Summe der Geschichten" auf das Universum als Ganzes ist sehr kurz und oberflächlich, und kann logisch nicht überzeugen
- die Frage, warum überhaupt etwas existiert, wird am Ende kurz in 2 Seiten erläutert, und hat mit Physik nun wirklich nichts zu tun. Dabei ist das Buch doch mit dem Versprechen losgezogen, insbesondere diese Frage aller Fragen zu erklären.

Der Versuch zu zeigen, dass man keinen Gott braucht, ist in meinen Augen albern. Man wird niemals zeigen können, ob er existiert oder nicht, daher sind alle Versuch in dieser Hinsicht nutzlos. Sinnvoll ist es aber natürlich, die Physik so weit wie möglich zu treiben und sich hier keine Scheuklappen aufzulegen.
Letzlich gipfelt bei Hawking in diesem Buch alles auf das starke anthropische Prinzip, da ja durchaus etwas für sich hat. Mir sind aber seine Begründungen im Zusammenhang mit Feynman sehr oberflächlich und viel zu kurz. Überzeugend ist was anderes. Und Feynmans Prinzip einfach als richtig zu erklären und es aufs Universum anzuwenden, weil es in der Quantenmechanik funktioniert, ist auch schwierig und nicht gut erläutert.

Alles in allem: kein großer Entwurf, und nur mäßig überzeugend. Aber immerhin ein paar schöne Bildchen.
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57 von 71 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
4.0 von 5 Sternen Faszinierende Darstellung des Universums und der Naturgesetze, 7. September 2010
Von 
Ruediger Vaas - Alle meine Rezensionen ansehen
(VINE®-PRODUKTTESTER)    (REAL NAME)   
Rezension bezieht sich auf: Der große Entwurf: Eine neue Erklärung des Universums (Gebundene Ausgabe)
Warum gibt es etwas und nicht einfach nichts? Warum existieren wir? Warum dieses besondere System von Gesetzen und nicht irgendein anderes?" Stephen Hawking, der berühmteste Wissenschaftler der Gegenwart, hat die ganz großen Fragen noch nie gescheut. Aber er gehört zu den wenigen, die auch dazu beigetragen, den Antworten etwas näher zu kommen.

In seinem neuen Buch geht es vor allem um die Naturgesetze, um Materie, Energie, Raum, Zeit und die Entstehung sowie Entwicklung des Universums. Doch philosophische Fragen kommen ebenfalls nicht zu kurz. Ein großer Wurf also hinsichtlich des Themas und des exzellenten Verkaufsstarts. Als Entwurf ist das Buch aber kleiner. Denn es hat nur 190 Seiten einschließlich Glossar, Register und den großformatigen, aber mitunter viel zu knapp erklärten Illustrationen. Außerdem enthält es pfiffige und durchaus passende, wenn auch nicht eigens für das Buch angefertigte Karikaturen des berühmten amerikanischen Karikaturisten Sidney Harris. Auch lockern immer wieder humorvolle Nebenbemerkungen in Hawkings typischem Stil die schwergewichtigen, aber leicht eingängig dargestellten Themen auf.

Das Buch fasst in acht kurzen Kapiteln die Entwicklung der modernen Physik und Kosmologie zusammen, wobei die wichtigen Entdeckungen, Hypothesen und Probleme der letzten zehn Jahre erstaunlich kurz oder gar nicht dargestellt sind. Exkurse in den reichen Schatz der überlieferten Mythen sowie in philosophie- und wissenschaftsgeschichtliche Themen rücken die Physik und Kosmologie in größere kultur- und geistesgeschichtliche Zusammenhänge. Schwerpunkt sind jedoch die grundlegenden bekannten Naturgesetze und die noch gesuchten Erweiterungen.

Hawking und Mlodinow argumentieren dafür, dass das Universum mitsamt seinen Eigenschaften und dem Urknall rein wissenschaftlich erklärt werden kann. Sie weisen Gott als Schöpfer und Erhalter der Welt zurück. Sie räumen aber auch ein, dass eine umfassende physikalische Theorie (Weltformel") noch nicht gefunden ist, auch wenn sie eine Lanze für die M-Theorie brechen. Sie verkünden sogar den Tod der Philosophie - und wiederbeleben sie doch zugleich, indem sie mit dem modellabhängigen Realismus" einen wissenschafts- und erkenntnistheoretischen Vorschlag machen.

Das Buch ist wesentlich leichter verständlich als Eine kurze Geschichte der Zeit und stellt eine gewisse Fortsetzung von Die kürzeste Geschichte der Zeit dar. Allerdings sind die neuesten Forschungen von Hawking nur kurz oder gar nicht erklärt. Nicht erwähnt ist beispielsweise - im Gegensatz zu Hawkings neues Universum: Wie es zum Urknall kam - , dass der Urknall auch ein Übergang gewesen sein könnte, der aus einem früheren Universum heraus entstand, das eine umgekehrte Zeitrichtung besitzt. Auch Hawkings revidierte Vorstellung von Schwarzen Löchern, die Tunnel durch Raum und Zeit: Von Einstein zu Hawking: Schwarze Löcher, Zeitreisen und Überlichtgeschwindigkeit ausführlich beschreibt, ist kaum mehr als in einem Halbsatz erwähnt.

Auch bleibt die Erklärung, wie unser Universum entstand, wie es also zum Urknall kam, im Buch relativ vage. Diese Wortkargheit ist eigentlich verwunderlich, denn Hawking hat darüber viel zu sagen. Tatsächlich ist dies gegenwärtig wieder der Schwerpunkt. seiner Forschung. Doch vermutlich wollten Hawking und Mlodinow ihren Lesern die diffizilen und schwierigen Überlegungen einfach nicht zumuten. Problematisch ist, dass die Erklärung des Urknalls noch keineswegs so weit gediehen ist, wie es die Lektüre suggerieren mag. Und konkurrierende Modelle werden ganz ausgeblendet.

Die Diskussion des Anthropischen Prinzips ist aufgrund einer veränderten Begriffsverwendung missverständlich und der Zusammenhang von Theologie und Kosmologie. Geschichte und Erwartungen für das gegenwärtige Gespräch kommt sicherlich zu kurz. Theologen und Philosophen werden daher nicht so begeistert sein. Doch ist das Buch ja auch keine fachliche Abhandlung, sondern eine populärwissenschaftliche Darstellung der großartigen Forschungsleistungen der letzten Jahrhunderte. Und dabei ist der Mensch schon weit gekommen. Das Buch macht die Faszination deutlich, die daraus entspringt, mithilfe der Naturwissenschaft die Welt zu verstehen. Wer es liest, hat mehr von der Welt.

NACHBEMERKUNG:
Eine allgemeinverständliche Darstellung zum wissenschaftlichen und philosophischen Gesamtwerk von Stephen Hawking einschließlich seiner neuesten Forschungen (die er in "Der Große Entwurf" gar nicht beschreibt!) gibt Hawkings Kosmos einfach erklärt: Vom Urknall zu den Schwarzen Löchern.
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36 von 45 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
1.0 von 5 Sternen Ärgert mich ein wenig und bringt mich nicht sonderlich weiter..., 9. Mai 2012
Wie "malaek" schon ausgeführt hat kommt die Arroganz der Autoren deutlich hervor. Der Satz die "Philosophie ist tot", gleich zu Anfang, erschreckte mich zuerst vor dem Gesamtinhalt, aber auch ich habe angenommen, dass die folgenden Thesen und Erläuterungen einer sehr hohen Präzision - frei von irgendwelchen Deutungen und vom Himmel gefallenen Interpretationen - unterliegen würden.

Das Buch liest sich wie eine Gute-Nacht-Lektüre. Recht anspruchslos und doch relativ flüssig, aber ohne wesentlich neueren Inhalt für mich persönlich. Die Bilder in dem Buch (und davon gibt es sie zu Hauf) sind definitiv sehr schön gewählt, äußerst dekorativ und rauben daher leider gleichzeitig dem Buch seinen ernsthaften Charakter. Ich habe nichts gegen gute Bilder in (Lehr)Büchern! Ich bin sogar ein starker Befürworter für farbige Bilder in Büchern die komplexere Inhalte deutlicher illustrieren. Aber die Menge an Illustrationen im Verhältnis zu deren eigentlichen Aussage hat dem Buch einen Comic Charakter verlieren.
Was mir überhaupt gar nicht gefallen hat, ist die vernachlässigte Präzision. Hier zwei Beispiele:

S. 70: "Wenn wir das Wirkungsquantum [...] wiedergeben, hat es einen numerischen Wert von rund 6/10 000 000 000 000 000 000 000 000 000 000 000."
-> Meine Fragen: Welche Einheit? Was kann sich ein normaler Mensch unter diesen vielen 0-en vorstellen? Muss diese Ausdrucksform wirklich sein?

S.176: "Doch bevor sie größer als die positive Energie der Materie werden kann, stürzt der Stern zu einem Schwarzen Loch zusammen, und Schwarze Löcher haben positive Energie."
-> Meine Gedanken: Wie bitte? Was um alles in der Welt soll diese ominöse Energie sein? Wie wird sie berechnet? Grundlagen? Referenzen?

S. 160 und S. 176: "[...] ein Effekt, der nur möglich ist, wenn irgendeine Abstoßungskraft im gesamten All wirkt. [Einsteins] Kosmologische Konstante war wiederauferstanden."
"Wir müssen Arbeit leisten, um ein gravitativ gebundenes System wie die Erde und den Mond zu trennen."
-> Meine Gedanken: Ich studiere selbst eine Naturwissenschaft, daher weiß ich was der Autor mir eigentlich sagen wollte, aber um meine Gedanken hier für jeden verständlich zu machen: Der Autor hat die Sachverhalte "nicht schön" ausgedrückt und man kann meiner Meinung nach relativ leicht verwirrt werden, weil die Themen ziemlich eng nebeneinander existieren, ohne dass darauf näher eingegangen wird.

Was mir persönlich den Ausschlag gegeben hat auf Amazon eine Rezension zu schreiben war der Schluss des Buchs. ER IST EINFACH NUR S-C-H-R-E-C-K-L-I-C-H! Der Schluss vom "Großen Entwurf" hat überhaupt keine Aussage, kein Elan, keine Take-Home-Message und wirkt wie de facto "hingeklatscht"! Gegen Ende waren einige Formulierungen unsauber, teilweise unnötig SEHR sehr komplex geschrieben und nichtschön. Es hat mich sogar in so weit verwirrt, dass ich diesen mehrfach lesen musste, weil die Seite mit dem letzten Satz: "Dann haben wir den Großen Entwurf gefunden.", einfach zu Ende war. Danach kamen die weißen Seiten...

Insbesondere das Verhältnis: (Prosa-)Text zu Bildern zu Mängeln, macht mir Angst falsche Informationen aufgenommen zu haben. Ich bemühe mich nichts "Neues" längerfristig davon zu merken, solange ich dies nirgends verifiziert bekommen habe. Wenn ich darüber nachdenke wird es mir schwer ums Herz, weil ich nicht einmal genau sagen kann für "wen" dieses Buch eigentlich geschrieben ist... Teilweise sind in Klammern sehr triviale Erläuterungen drinnen, damit Laien damit auch etwas anfangen können, zum anderen ist beispielsweise das Doppelspalt-Experiment so plump mit vielen unnötigen Komplikationen geschrieben, sodass ich mir - ohne meinen vorherigen Kenntnisstand - nur noch ein sehr großes Fragezeichen hätte aufstellen könnten.

Wirklich sehr ungerne würde ich dem Buch eine schlechte Bewertung geben, weil ich mir durchaus vorstellen kann, dass dahinter eine Menge Arbeit steckte; aber ich bin tatsächlich im Gesamtbild nicht zufrieden! Es wird voraussichtlich so sein, dass dieses Buch die nächsten Jahre bei mir höchstens als Bilderbuch im Bücherschrank zur Verfügung stehen wird, aber ich werde mich sicherlich nicht trauen, Auszüge aus dem Buch als Referenzen zu ziehen. Mitunter aus diesen Gründen kann ich das Buch leider niemanden weiterempfehlen.
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12 von 15 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
4.0 von 5 Sternen Die großen Fragen, 27. Januar 2011
Von 
karin1910 - Alle meine Rezensionen ansehen
(TOP 1000 REZENSENT)   
Rezension bezieht sich auf: Der große Entwurf: Eine neue Erklärung des Universums (Gebundene Ausgabe)
Warum existieren wir?
Warum gibt es etwas und nicht einfach nichts?
Warum dieses besondere System von Gesetzen und nicht irgendein anderes?
Die meisten Wissenschaftler wollen sich um derartige Fragen eher herumdrücken und sie in den Bereich von Philosophie oder Religion verweisen. Stephen Hawking und Leonard Mlodinow wagen sich in diesem Buch an ihre Beantwortung.

Zunächst stellen sie fest, dass sie vom Konzept des modellabhängigen Realismus ausgehen. Demnach sei die Frage, ob ein Modell real sei, sinnlos - entscheidend sei nur, ob es mit den Beobachtungen übereinstimmt. Dies ist auf jeden Fall ein interessanter Gedanke.
Wie man es bei populärwissenschaftlicher Literatur gewöhnt ist, findet sich danach ein kurzer Abriss über die Geschichte der Naturwissenschaft. Anschließend wird eine Einführung in die Quantentheorie gegeben, wobei vor allem darauf hingewiesen wird, dass diese den Vorstellungen der klassischen Physik widerspricht, wonach das Universum eine einzige wohldefinierte Geschichte habe und man aus dem Zustand eines Systems zu einem bestimmten Zeitpunkt dessen zukünftige Entwicklung ableiten könne.
Viele dieser Inhalte sind schon aus Hawkings früheren Werken bekannt, hier erfährt der Leser also nichts wirklich neues.
Nun wenden sich die Autoren der Suche nach der "Theorie von Allem" zu. Dabei wird die sogenannte M-Theorie als derzeit einziger Kandidat propagiert. Es handelt sich hierbei letztlich um eine Variante der String-Theorien, welche von elf Raumzeitdimensionen ausgeht, von denen die meisten aber so aufgewickelt sind, dass wir sie nicht bemerken. Das Interessante daran ist, dass es sich hierbei eigentlich um ein Netzwerk mehrerer Theorien handelt, deren jede nur für einen Teilbereich physikalischer Situationen eine gute Beschreibung bietet. Dort, wo sich die Anwendungsgebiete zweier Theorien überschneiden, liefern sie aber übereinstimmende Ergebnisse.
Gegen Ende des Buches kommen die Autoren auf die eingangs erwähnten Fragen zu sprechen. Zunächst wird gezeigt, wie viele Parameter passende Werte haben müssen, um unsere Existenz zu ermöglichen. Diese scheinbar perfekte Abstimmung wird aber ausdrücklich nicht mit einem Eingriff Gottes erklärt, sondern mit der Multiversen-Theorie. Demnach können eine Vielzahl von Universen spontan entstanden sein, die jeweils mit unterschiedlichen Naturgesetzen ausgestattet sind, und wir leben eben in einem (vielleicht dem einzigen), das die Entstehung von intelligentem Leben ermöglicht.

Insgesamt ist das Buch über weite Strecken flüssig zu lesen und allgemein verständlich. Vor allem im letzten Kapitel bleiben die Ausführungen aber relativ vage, sodass einige Argumentationen nicht wirklich überzeugend sind.
Außerdem entsteht durch die ganze Gestaltung der Eindruck, dass diese Werk ein bisschen zu sehr darauf ausgerichtet ist, einer möglichst breiten Masse zu gefallen. Großformatige Seiten mit einer Vielzahl an hübschen bunten Bilden wirken auf den ersten Blick eindrucksvoll. Da das ganze Werk nur knapp 200 Seiten hat, beschleicht einen aber der Verdacht, dass hier eine schöne Aufmachung über den mangelnden inhaltlichen Tiefgang hinwegtäuschen soll.
Fazit: Wer sich einen ersten Einblick in die Materie verschaffen (oder mit dem Besitz dieses Buches angeben) möchte, liegt hier sicher richtig. Es sind für mich aber doch einige Fragen offen geblieben bzw hätte ich mir zu einigen Punkten nähere Ausführungen gewünscht.
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21 von 27 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
4.0 von 5 Sternen Kein großer Wurf, aber dennoch erkenntnisreich, 18. September 2010
Von 
Neo Noir - Alle meine Rezensionen ansehen
(VINE®-PRODUKTTESTER)   
Verifizierter Kauf(Was ist das?)
Rezension bezieht sich auf: Der große Entwurf: Eine neue Erklärung des Universums (Gebundene Ausgabe)
Wenn sich ein genialer Geist, den fundamentalen Fragen nach unser aller Existenz annimmt, dann erwartet man nichts Geringeres als ein neues Weltbild, eine Erklärung, die das bisherige Denken in seinen Grundfesten erschüttert. Wenn dieser Denker sein Werk in aller Bescheidenheit auch noch "Der große Entwurf" nennt, so dürften für den Leser nach der Lektüre dieses Buches keine Fragen mehr offen sein. Wer allerdings mit dieser Erwartungshaltung das Buch von Stephen Hawking liest, wird zwangsweise enttäuscht sein, denn Fragen bleiben weiter offen.
Hawking ist nicht ganz unschuldig daran, dass man das Buch mit den falschen Erwartungen liest. Drei Leitfragen ziehen sich als roter Faden durch das Werk. Ersten will er erläutern, warum überhaupt etwas exisitiert. Zweitens, warum die Entwicklung unseres Universums von ganz bestimmten Naturgesetzen bestimmt wird und warum nicht von anderen. Drittens stellt sich Hawking der Frage, warum der Mensch eigentlich existiert. Die zweite Frage nach der räumlichen und materiellen Beschaffenheit des Universums und seiner Gesetze beantwortet Hawking ziemlich umfangreich und plausibel, so dass man auch als Laie ein Verständnis für die Entwicklung des Universums bekommt.
Hawkings dritte Frage nach der menschlichen Existenz kann allerdings missverständlich aufgefasst werden. Der Physiker beantwortet nicht die Frage, warum aus unbelebter Materie Leben entsteht. Vielmehr legt er dar, welche Voraussetzung für Leben gegeben sein müssen und wie sich ein Universum entwickeln konnte, das Leben hervorbringt. Wer diese Nuance bei der Lektüre nicht beachtet, wird letztlich unzufrieden mit dem Werk sein.
Ein wenig kurz wird schließlich die eigentliche zentrale Frage nach der Entstehung des Universums abgehandelt. Während Hawking den Leser auf 165 Seiten auf die große Antwort vorbereitet, braucht er dann nur schlappe 14 Seiten (inklusive großen Bildern) zur Erklärung. Ich habe besonders dabei vermisst, wie Hawking seine Erklärung gegen andere Modelle verteidigt. So verliert er leider kein Wort darüber, warum seine Erläuterung wissenschaftlich fruchtbarer als beispielsweise die Schleifenquantengravitation ist.
Trotz dieser Kritikpunkt ist das Buch durchaus empfehlenswert, wenn man wissen will, warum unser Universum ist, wie es ist. Sehr anschaulich aber nicht immer leicht verständlich gibt Hawking einen guten Überblick, wie sich die Vorstellungen über das Universum mit der Zeit gewandelt haben: Die Reise beginnt bei den alten Griechen, greift christliche Konzeptionen auf (Thomas von Aquin), er erzählt von bedeutenden Physikern wie Kepler, Newton oder Einstein, und er erläutert die wichtigen Theorien wie die Relativitätstheorie, Unschärferelation, Quantenmechanik, Stringtheorie und M-Theorie. Auf alternative Erklärungen und theoretische Modelle verzichtet Hawking - "Der große Entwurf" ist eben ein populärwissenschaftliches Buch. Diese Erkenntnisse haben andere Autoren auch schon formuliert, nur eben auf 500 bis 600 Seiten. Hawking benötigt dafür gerademal 160 Seiten. Er geht dabei nur so tief in die Materie, wie er muss. Dennoch bleibt das Buch anschaulich, verständlich und für denjenigen, der sich mit der Materie noch nicht beschäftigt hat, äußerst erkenntnisreich. Insbesondere das letzte Kapitel zur Entstehung des Universums ist trotz seiner Kürze doch faszinierend, weil Hawking eine recht einfache, aber keine einfältige Erklärung liefert.
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3 von 4 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
5.0 von 5 Sternen Ein bemerkenswertes Buch, 20. Juni 2013
Von 
Lulu "Penny" - Alle meine Rezensionen ansehen
(TOP 100 REZENSENT)   
Rezension bezieht sich auf: Der große Entwurf: Eine neue Erklärung des Universums (Gebundene Ausgabe)
Richard Feynman betont in QED: Die seltsame Theorie des Lichts und der Materie, dass es der Physik vor allem um das WIE und weniger um das WARUM gehe (S. 20):

"Ein weiterer Grund, warum Sie das, was ich Ihnen vortrage, nicht zu verstehen glauben könnten, mag sein, daß Sie nicht begreifen, warum die Natur so verfährt, während ich Ihnen doch beschreibe, wie sie verfährt. Das Warum versteht nämlich niemand. Ich kann nicht erklären, warum sich die Natur so und nicht anders verhält."

Demgegenüber macht sich Hawking in seinem Buch an die großen Warum-Fragen heran und betont (15):

"Um das Universum zu verstehen, müssen wir nicht nur wissen, wie sich das Universum verhält, sondern auch warum.
- Warum gibt es etwas und nicht einfach nichts?
- Warum existieren wir?
- Warum dieses besondere System von Gesetzen und nicht irgendein anderes?"

Dabei macht er sogleich klar, dass dies naturwissenschaftliche Fragen sind und die Philosophie längst obsolet geworden ist (11):

"Traditionell sind das Fragen für die Philosophie, doch die Philosophie ist tot. Sie hat mit den neueren Entwicklungen in der Naturwissenschaft, vor allem in der Physik, nicht Schritt gehalten. Jetzt sind es die Naturwissenschaftler, die mit ihren Entdeckungen die Suche nach Erkenntnis voranbringen."

Ich glaube, ganz so weit ist es noch nicht, wie auch die Debatte um Thomas Nagels Buch Mind and Cosmos: Why the Materialist Neo-Darwinian Conception of Nature Is Almost Certainly False zeigt, denn offenbar gibt es Grundsatzfragen, die über die Physik hinausgehen, und die Hawking in seinem Buch ganz explizit ausspart, z. B. die Frage nach der Entstehung von semantischer Information bzw. von Geist, wie sie von Valentin Braitenberg synonym im Sinne Nagels bezeichnet wird.

Hawking zeigt überzeugend, dass es Naturwissenschaftlern stets nicht nur um das Wie, sondern vor allem auch um das Warum ging. Man wollte die Welt verstehen. Auch wenn viele Abschnitte ähnlichen Ausführungen in seinen Kurze-Geschichte-der-Zeit-Büchern gleichen, ich fand die Darlegungen äußerst lesenswert. Man bekommt einen hervorragenden Eindruck, welche Fragen die jeweiligen Wissenschaftler zu ihren Zeiten antrieben und warum sie andere Fragen noch gar nicht stellen konnten. Dazu vermittelt Hawking ein äußerst interessantes Bild von der Realität und dem, was gute Wissenschaft ausmacht (42ff.):

"Es gibt keinen abbild- oder theorienunabhängigen Realitätsbegriff. Stattdessen werden wir uns eine Auffassung zu eigen machen, die wir modellabhängigen Realismus nennen wollen: die Vorstellung, dass eine physikalische Theorie oder ein Weltbild ein (meist mathematisches) Modell ist und einen Satz Regeln besitzt, die die Elemente des Modells mit den Beobachtungen verbinden. Das liefert uns ein Gerüst zur Interpretation der modernen Wissenschaft.

(...) Die klassische Naturwissenschaft beruht auf der Überzeugung, dass es eine reale Außenwelt gibt, deren Eigenschaften eindeutig und von dem wahrnehmenden Beobachter unabhängig sind. (...) Nach dieser Auffassung sind unsere Theorien Versuche, diese Objekte und ihre Eigenschaften zu beschreiben und unsere Messungen und Wahrnehmungen lassen sich direkt diesen Objekten und ihren Eigenschaften zuordnen. (...) In der Philosophie wird diese Überzeugung als Realismus bezeichnet.

Zwar mag der Realismus ein verlockender Standpunkt sein, doch ist er, wie wir später sehen werden, nach allem, was wir über die moderne Physik wissen, schwer zu verteidigen. (...)

Strenge Realisten vertreten häufig die Auffassung, der Beweis dafür, dass wissenschaftliche Theorien die Wirklichkeit darstellten, liege in ihrem Erfolg. Doch verschiedene Theorien können dasselbe Phänomen mittels grundverschiedener begrifflicher Bezugssysteme beschreiben. Tatsächlich wurden viele wissenschaftliche Theorien, die sich als erfolgreich erwiesen hatten, später durch ebenso erfolgreiche, auf ganz anderen Konzepten und Grundbegriffen beruhende Theorien ersetzt."

Hawking macht deutlich, dass sich die moderne Physik zu einer Abkehr vom ursprünglichen Realismus gezwungen sah: Das, was Physiker in Experimenten über die Realität erfahren, deckt sich mit keinem klassischen Realitätsbegriff mehr. Tatsächlich nehmen wir die Realität mit Hilfe von Modellen und Theorien wahr. Dies erklärt einerseits, warum man Anhänger eines bestimmten Weltbildes nur schwer von einem anderen überzeugen kann, andererseits aber auch, warum unsere Vorfahren die Welt noch ganz anders sahen als wir das heute tun.

Nicht ganz einfach sind die Kapitel 5: "Die Theorie von Allem" und 6: "Unser Universum wählen", basieren sie doch konzeptionell ganz wesentlich auf den sogenannten Feynman-Diagrammen. Zum besseren Verständnis empfehle ich die Lektüre von QED: Die seltsame Theorie des Lichts und der Materie von Richard Feynman selbst.

Immerhin weiß ich seit Hawkings Buch nun auch die verschiedenen Quantentheorien zu den Naturkräften zu unterscheiden, als da wären die QED (Quantenelektrodynamik) für den Elektronmagnetismus und neuerdings auch die schwache Kernkraft, und die QCD (Quantenchromodynamik) für die starke Kernkraft. Hawking erläutert darüber hinaus die Bestrebungen hin zu einer Quantengravitationstheorie (inkl. der sogenannten Supergravitation) und warum man sie für erforderlich ansieht.

Das war allerdings ein Punkt, der mir zu wenig im Buch erläutert wurde. Beispielsweise heißt es auf Seite 101f.: "Nach Newtons Bewegungsgesetzen folgen Objekte wie Kanonenkugeln, Croissants und Planeten geraden Bahnen, wenn nicht eine Kraft wie die Gravitation auf sie einwirkt. Doch die Gravitation ist nach Einsteins Theorie nicht eine Kraft wie andere auch, sondern resultiert daraus, dass die Masse die Raumzeit verzerrt und Krümmungen hervorruft. Gemäß Einsteins Theorie bewegen sich Objekte auf sogenannten Geodäten - das sind die geradestmöglichen Bahnen in einem gekrümmten Raum."

Mit anderen Worten: Die Gravitation ist gemäß der Allgemeinen Relativitätstheorie keine Naturkraft, sondern ein geometrisches Phänomen. Entsprechend würde man erwarten, dass bei der Ausübung der Gravitation keine Teilchen ausgetauscht werden.

Bereits auf S. 104 heißt es dann aber: "Die bekannten Naturkräfte lassen sich in vier Klassen unterteilen: 1. Gravitation ..." Das war mir dann leider doch ein wenig zu hoch.

Bei den Ausführungen über die M-Theorie und den Multiversen geht es wesentlich um die Frage, warum die Naturgesetze so sind und nicht anders, warum z. B. bestimmte Elementarteilchen eine ganz bestimmte Masse besitzen und keine andere, und ob man sich auch andere Universen vorstellen kann, in denen die Verhältnisse anders sind.

Dazu wird erläutert, dass geringfähige Änderungen gegenüber den uns bekannten Naturgesetzen und Verhältnissen zu Universen führen, in denen kein Leben entstehen kann. Gemäß der Multiversen-Theorie leben wir in einer besonders günstigen Variante aller denkbaren Universen, die sich ebenfalls allesamt realisieren, aber größtenteils nichts Vergleichbares zu unserem Universum hervorbringen. In diesem Zusammenhang erläutert Hawking einmal mehr die verschiedenen anthropischen Prinzipien und deren Bedeutung.

Mehrfach musste ich bei den Ausführungen schmunzeln, eröffnen sie doch viele Möglichkeiten für neue esoterische Literatur. Statt beim Universum zu bestellen, könnte man sich dann in Zukunft gleich sein eigenes Universum wünschen. Auf der anderen Seite wirkt die Multiversen-Theorie - auch so, wie sie von Hawking dargestellt wird - mehr als spekulativ. Ich könnte mir vorstellen, dass sie gegenüber der Gott-Hypothese bei Ockhams Rasiermesser irgendwann einmal den Kürzeren ziehen wird.

Dennoch halte ich "Der große Entwurf" für ein äußerst lesenswertes und interessantes Buch, das mir viele Einblicke in die Denk- und Arbeitsweise der modernen Physik beschert hat.
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71 von 96 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
1.0 von 5 Sternen Ein wenig peinlich, 1. Oktober 2010
Von 
Frank Zimmermann (Wedemark, GT Bissendorf) - Alle meine Rezensionen ansehen
(REAL NAME)   
Rezension bezieht sich auf: Der große Entwurf: Eine neue Erklärung des Universums (Gebundene Ausgabe)
Tja, nach seinem Buche "Eine kurze Geschichte der Zeit" habe ich in der Tat nicht viel erwartet.

Was ich dann aber bekommen habe, entäuscht zutiefst.
Die Autoren müssen wissen, dass sie nichts Neues auf diesem Gebiet zu liefern hatten.
Kann es nur das Geld gewesen sein, was so lockt?

Das Buch hat ca. 180 Seiten. Bis zur Seite 130 war da die übliche Soße über Quantenmechanik und Relativitätstheorie,
allerdings auf einem Kinderlevel und leider auch nicht sehr originell, eher ermüdend.
Bei der Stange gehalten hat mich einzig der Titel.
Dann kam auf 2 Seiten die Anwendung der Pfadintegral-Idee von Feynman auf die Geschichte des Universum.
Konsequenz: Es muss immer mehrere Geschichten geben.
Daraus hätte man einiges ableiten können, aber es wurde sofort wieder fallengelassen und die übliche Geschichte
der Sternentstehung abgeleiert. Zum Schluss noch ein wenig "Spiel des Lebens" von Conway vorgestellt.
Ein Sammelsurium von physikalisch und erkenntnistheoretischen Banalitäten. Ohne Sinn und Verstand.
Kein roter Faden, keine Neuigkeiten, auch nicht origenell erklärt. Einfach peinlich für solche Namen.
Das Buch liegt ja mittlerweile auch schon in den Lebensmitteldiscounter zum Verkauf und wird wahrscheinlich
bunt in der Gegend herumgeschenkt. Wer also so ein Buch erhält, braucht es nicht zu lesen. Es steht nichts wichtiges drin.
Einfach ins Regal stellen und sich bewundern lassen und heimlich z.B. das Buch von Brian Greene (Das elegante Universum oder Der Stoff aus dem der Kosmos ist) lesen.
Es gibt Hunderte bessere Bücher über dieses Gebiet...
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21 von 29 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
1.0 von 5 Sternen Schuster, bleib bei deinen Leisten!, 7. März 2012
Der Schwung von popularwissenschaftlichen Büchern ist ja im Moment in vollem Gange. Umso interessanter, dass dieses Mal ein Buch erscheint, was tatsächlich von einem renommierten Wissenschaftler kommt. Genügend Schund ist ja bereits auf dem Markt. Nun ist dieses Buch seit einigen Monaten schon in den Bestsellerlisten. Grund genug für mich, endlich mal reinzuschauen.
Ich habe beim ersten Aufschlagen vor einiger Zeit schonmal verwundert die Augen über sein Anfangsstatement "Die Philosophie ist tot" gerieben. Aha, einer der nicht lange um den heißen Brei redet und zur Sache kommt - sage ich, wenn ich es gut mit ihm meine. Ich habe jetzt die ersten drei Kapitel gelesen und schmunzle ein wenig: Was er betreibt ist selbst reinste Trivialphilosophie im Gebiet der Wissenschafts- und Erkenntnistheorie (nicht weit von dem Entfernt, womit sich die Transzendentalphilosophie beschäftigt). Seine These, es bräuchte einen neuen Entwurf nach der Methode des "modellabhängigen Realismus" (S.44) scheint ja ziemlich innovativ zu sein: Ihm gelingt es zumindest für Unwissende als der intelligente Retter aus der misslichen Lage zwischen naiven Realisten und negierenden Antirealisten aufzutreten. Was er dabei nicht erwähnt: Eine solche situations- und motivbezogene Poly-Methodik arbeitete schon vor fast 200 Jahren... Hegel(!) aus. wer? oh, ja richtig: ein Philosoph des 19. Jahrhunderts. Ganze zwei Jahrhunderte bevor er (Hawking) als Lichtbringer des großen neuen Entwurfes auf die Bildfläche der Bestseller auftritt. Das ist kein Einzelfall in seiner Darstellung: Schon auf Seite 12, wo er die Krise der empirischen Urteilskraft aufstellt, nennt er die Zeitenwende "den Anbruch der modernen Physik". Tatsächlich war es Ende des 18. Jahrhunderts in dem durch Kant(!) die s.g. Kleist-Krise ausbrach: Sie behandelt das Problem des Subjektivismus - grob: wie wird aus einer subjektiven Aussage ein Urteil über eine Sache oder eine Beobachtung.

Was mir in den drei Kapitel entgegenkommt ist nicht einer der größten Köpfe des 20. und 21. Jahrhundert (welcher er wohl unbestritten ist; ich kann da nur seinem Ruf vertrauen, da ich selbst keine Ahnung von Physik habe). In diesen 50 Seiten kommt mir ein Autor entgegen, welcher entweder von den wichtigsten Philosophen der Neuzeit nicht die leiseste Ahnung hat (was mich sehr erschüttern würde), oder einer, der bewusst eine solche Antinomie von Physik und Philosophie aufstellen will, welche nicht der Wahrheit als solcher dienlich sein kann, sondern nur der Profilierung auf polemischer Ebene. Alles in allem strotzen diese ersten Seiten von einer Arroganz, wie man sie sonst vielleicht von authoritärsten Instanzen aus Rom kennt, welche von ihm selbst mehr als einmal diesen Vorwurf zu hören bekommen. Die wenigsten wirklich intelligenten Autoren haben mit lautem Getöse für Aufsehen gesorgt, sondern durch inhaltliche Präzision und scharfsinnige wie auch genaue Beobachtung gepunktet.
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Der große Entwurf: Eine neue Erklärung des Universums
Der große Entwurf: Eine neue Erklärung des Universums von Leonard Mlodinow (Gebundene Ausgabe - 7. September 2010)
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