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44 von 45 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich.
am 31. Dezember 2004
Dieses Buch erzählt aus der Ich-Perspektive den ca. 30 Jahre währenden Lebensabschnitt des Kunsthistorikers Leo Hertzfeld (geschrieben ist der Roman von einer Frau!!!) als ca. 35 Jährigen bis zu seinem ca. 65. Lebensjahr. In dieser Zeit lernt er seine spätere Frau Erika und den Maler Bill Wechsler kennen, sowie dessen Frau Lucille und Violet, die später Bills Lebensgefährtin wird.
Der Roman ist in drei Abschnitte gegliedert, die im Deutschen überraschenderweise jeweils von einem anderen Übersetzter transkribiert wurden und sich dennoch bruchlos zu einem Ganzen fügen. Es ist schon eine Zeit lang her, daß ich den Roman gelesen habe. Dennoch bleibt der Eindruck immer noch sehr stark und frisch in Erinnerung.
Im ersten Abschnitt des Buches haben mich vor allem die phantastische Beschreibungen der Kunstwerke von Bill fasziniert. Mit einer solchen beginnt das ganze Buch. Leo beschreibt detailfreudig das Bild, das ihn gefangen nimmt, so daß er es kauft, obwohl der Maler völlig unbekannt ist. Er sucht diesen Maler auf und Leo findet eine Entsprechung dessen, was ihn berührt hat, in dem Menschen, der dieses Bild erschaffen hat. Es entwickelt sich eine tiefe Männerfreundschaft zwischen Leo und Bill. Da die beiden Frauen sich ebenfalls gut verstehen, ziehen beide Ehepaare privat ins gleiche Haus übereinander. Beide Paare bekommen einen Sohn, Leo und Erika einen Matthias (Matt) und Bill und Lucille einen Mark.
Hat man den ersten Teil zu Ende gelesen, wundert man sich über die Harmonie und das Glück von Leo und Erika und die Leichtigkeit, mit der auch die Trennung Bills von Lucille wegen der unkonventionellen Violet im Zusammenleben der beiden Familien weggesteckt wird. Es ist scheinbar nichts passiert, auf jeden Fall nichts Aufregendes, nur das "normale" Leben in einem fest umschriebenen Umfeld. Ich habe diesen Teil sehr gerne gelesen und empfand jede Einzelheit so genau getroffen, daß ich mich - im Gegensatz zu manchem anderen Leser, wie ich aus anderen Kritiken entnehme - keine Sekunde gelangweilt habe.
Der zweite Teil beginnt mit fünf Worten, und mit einem Schlag ist alles anders. Alle Harmonie und alle früheren Sicherheiten sind ausgelöscht. Was passiert, darf man wirklich nicht erzählen, da man sonst die Wirkung dieses Schocks abmildert, der dem Fortgang des Romans eine völlig unerwartete Richtung gibt. Leos Beziehungen verändern sich radikal und Bill wird für ihn noch wichtiger.
Im dritten Teil bekommt der Roman wieder eine völlig andere Wendung und beschreibt auf meheren Erzählebenen das Leben in innerlich haltloser Fluktuation. Zum einen in der Kunstszene, die ohne jede kritische Haltung, statt dessen ganz dem Diktat der Mode unterworfen die abstrusestens Richtungen zur Kunst erklärt und entsprechend selbstherrliche Künstler und deren Exhibitionismus fördert. Zum anderen in der sensiblen Darstellung von Bills Sohn Mark, der überraschenderweise ohne Aufbau einer persönlichen Werteskala erwachsen geworden ist, keinerlei Verantwortung für sein Leben zu übernehmen vermag und so quasi unschuldig ins kriminelle Milieu abgleitet. Des weiteren in der Beschreibung Leos von sich selbst, der nach dem Verlust seines Freundes in eine völlig anders geartete, ihm fremde Welt gestoßen wird, dort nicht ohne Blessuren davonkommt, aber mit einem unvoreingenommen Erstaunen davon erzählt, so daß dies den Leser tief berührt.
Man wundert sich am Ende, wie das harmonische soziale Gefüge von Leo mit klaren gesellschaftlichen und moralischen Standpunkte sich in diese haltlose, unbekannte Welt verwandeln konnte, in der er herumgestubst wird und keinen wirklichen Ausweg findet. Ich selbst schwebte am Ende des Romans verwundert in einer Haltlosigkeit,in der ich mich hohl und inhaltslos fühlte. Zugleich konnte ich zu meinem großen Erstaunen erstmalig von innen heraus eine erschreckende Entwicklung in unserer Gesellschaft nachvollziehen, die in New York sicherlich ausgeprägter ist als in Europa und der ich bisher verständnislos gegenüber stand, nämlich wie es ist, ein sinnentleertes Leben zu führen.
Siri Hustvedt bietet keine Lösungen für dieses Problem an, aber ihr umfassendes Einfühlungsvermögen zeigt Ursachen auf und läßt Raum, um fruchtbar über entsprechende Probleme nachzudenken. Siri Hustvedt ist ein ganz hervorragender gesellschaftskritischer Roman gelungen. Uneingeschränkt empfehlenswert!
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81 von 86 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich.
am 30. November 2005
Das ist wirklich ein wahnsinnig tolles Buch, obwohl es am Anfang etwas dauert bis es in Tritt kommt, wie ich finde.
Der Kunsthistoriker Leo Hertzberg freundet sich Mitte der 70er Jahre in New York mit dem Künstler Bill Wechsler an. Es enwickelt sich eine intensive Verbindung, nicht zuletzt auch unterstützt durch die Tatsache, dass Bill mit seiner Frau direkt über Leo und seiner Frau ein Loft beziehen. Die Paare verbringen viel Zeit miteinander, Kinder werden geboren. In einer ganz ruhigen Erzählweise wird der Leser so Zeuge eines gut behüteten, glücklichen Lebens. Doch irgendwie weiss man auch sofort, dass das nicht so bleiben kann und plötzlich sind sie da, die Schicksalsschläge, die dieses Glück zerstören. Auf einmal können Menschen die sich lieben sich nicht mehr gegenseitig helfen, obwohl sie es versuchen. Beziehungen bröckeln, Menschen geraten auf die schiefe Bahn.
Hier geht es um Trauer, Verlassen, Ankommen, Verschwinden und im Vordergrund wohl ums Glück und dessen Zerbrechlichkeit. Darüber, dass man am Ende des Lebens dasteht und sich doch alles eigentlich anders gedacht hatte.
Allerdings werden hier von Siri Hustvedt Details aus vielen Wissensgebieten miteinader verknüpft (vordergründig bildende Kunst und Psychologie). Ein Leser der also gerade auf diesen Gebieten etwas bewandert ist, wird demenstprechend wohl noch mehr aus diesem Buch ziehen können, denn speziell im ersten Teil wird doch recht ausführlich über Kunst gesprochen. Das tut dem Lesegenuss aber keinen Abbruch, wie ich finde. Wer sich für die Tragik des Lebens interessiert und mal wieder ein richtig tolles, auch gefühlvolles (Liebe und zwischenmenschliche Beziehungen spielen hier natürlich die Hauptrolle), tiefgründiges, aber auch sehr trauriges Buch lesen will, der greife hier zu!!
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34 von 36 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich.
Das Schicksal fragt uns nicht, es bahnt sich seinen Weg durch seine Schläge, macht ratlos, verändert unsere Wahrnehmung wie durch Einsetzen zwanghafter Filter, es ist raumgreifend, löscht Ziele aus, und bringt über die Jahrzehnte eine rätselhafte Betäubung mit sich. Für Mütter/Väter bewegend, inszeniert sie den Weg vom begreifbaren Leben mit einem Kleinkind zum nicht steuerbaren Leben voller Rätsel mit einem Jugendlichen, der zwischen den Welten untertaucht und wie magnetisch das Familiensystem in seinen Bann zieht. Nach dem belanglosen Vorspiel des ersten Drittel des Buches schreibt sich Siri H. mit der Dichte und Spannung der Sprache und einem immer virtuoseren Fortgang der Geschichte in unser eigenes Zellgeschehen ein, legt dort bündelweise Informationen aus einem reichhaltigen Leben ab, das doch nur eine Vergänglichkeit im Schlepptau hat, die am Ende des Lebens/Buches eine Trance auslöst, fast wie ein Vorgriff auf etwas, was wir, die wir jetzt in der zweiten Lebenshälfte stehen, vorausahnen. Worauf wir zurückschauen werden, es wird sein wie eine Kurzbiographie. - . Ich habe das Buch vor mehr als einem Jahr gelesen, Siri Husvedt führt die Liste meiner geschätztesten Autorinnen an. Ich habe alles von ihr gelesen und kann ihr weiteres Werk kaum erwarten. Ein Geschenk.
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8 von 8 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich.
am 6. Juli 2008
Ein Gemälde steht am Anfang dieses Romans. Ein Gemälde, dessen Motiv sich wie eine Ahnung durch den Roman zieht.
Bei dem Werk handelt es sich um ein Porträt der späteren Frau des Künstlers Bill Wechsler, das er 'Selbstporträt' nennt und in einer Serie von Werken variiert.

Siri Hustvedt lässt Leo Hertzberg, rückblickend die Lebenswege seiner Familie um ihn selbst, seine Frau Erica und seinen Sohn Matt sowie die seines Freundes Bill um Lucille, Violet und Sohn Mark beschreiben. Zwei benachbarte Familien aus New York, die eine, eine Künstlerfamilie um den besagten Maler des Gemäldes, die andere seine Intellektuellenfamilie aus dem Hochschulmilieu.

Der Roman kommt langsam in Tritt, was nicht unbedingt ein Nachteil ist, sondern in Nachhinein wie eine Einstimmung auf die bedrohliche, poetische Bildhaftigkeit kommender Ereignisse zu bewerten ist. Leo Hertzberg, erzählt bedächtig, fast schleppend über die ersten Jahre der Freundschaft, über die wiederkehrenden Routinen des Alltags, Arbeit, Geburt der Kinder, gemeinsame Ferien in Vermont. Ein Durchdeklinieren der handelnden Personen, ein ständiger Szenenwechsel zwischen dem Village (Wohnort der Familien) und der Bowery (Atelier des Malers).

Bemerkenswert die Beschreibung des Verhaltens Leo Hertzbergs und seiner Frau, die bei der Geburt ihres Sohnes bereits mittleren Alters sind. Ein Verhalten aus inniger Liebe zum Kind, gepaart mit der Fähigkeit zur distanzierten Beobachtung.

Doch dann, wie ein Paukenschlag, zerstört der Tod des Hertzberg-Sohnes dieses Idyll. Nichts ist mehr so wie es war. Nicht für die Hertzbergs und nicht für die Wechslers.

Mindestens ebenso interessant wie die äußere Handlung sind die Abläufe im Innenleben der Personen. Wie auf dem Seziertisch untersucht die Autorin die psychischen Befindlichkeiten der Personen. Die grundsätzliche Verschiedenheit ihrer Fähigkeit oder Unfähigkeit ihre Trauer zum Ausdruck zu bringen, lässt keine gemeinsame Sprache mehr zu. Zudem trübt die Liebe und Zuneigung zum Wechsler Sohn Mark zumindest anfangs noch die Wahrnehmung auf das, was sich im Laufe der Geschichte immer mehr als Heimsuchung darstellt. Mit quälender Unerbittlichkeit wird das Abdriften in ein gleichsam surreales Szenario beschrieben, an dessen Ende nur die Verzweiflung bleibt, wenn Marks Stiefmutter Violet fragt: "Was war es, was ich liebte?"

Es ist ein trauriger Blick zurück eines alt gewordenen Leo Hertzberg. Ein verschwommener Blick eines fast Erblindeten zurück auf Liebe, Ehe, Sex, Kinder, Tod, Trennung, Scheidung, Verzweiflung, Einsamkeit, Hysterie, Drogensucht, Lüge, Verrat und Mord. Ein Blick zurück auf sein Leben und auf die Leben der Personen mit denen er einen Teil seines Lebens verbracht hat und die ihn begleitet haben.

Das Buch hat seine Längen, besonders dann, wenn die sich wiederholenden Szenarien um die Eskapaden des Wechsler-Sohnes und seines düster-bizarren Künstler-Freundes beschrieben werden. Davon einmal abgesehen schafft es die Autorin jedoch den Spannungsbogen zu halten, ja im Schlussdrittel nimmt die Geschichte sogar nochmals Fahrt auf und entwickelt sich von einem Psychogramm zwischenmenschlicher Beziehungen hin zum Psychothriller.

Ein Buch über Kunst und Psychologie, Emotionen und Intellekt, vor allem aber über Tragik und Tragödien des Lebens in einer dem Thema angemessenen, zurückgenommenen und gefühlvollen Sprache erzählt.
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40 von 44 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich.
am 11. März 2004
"Was ich liebte" ist ein Buch, das mich auf vielen Ebenen angesprochen hat. Es spielt im Künstler- und Akademikermilieu New Yorks, dem Wohnsitz der Autorin Siri Hustvedt, und besticht zu allererst durch seine detailgenauen Beschreibungen der Kunstwerke, die eine der Figuren - William Wechsler - erschafft. Man sieht diese Gemälde und "Installationen" förmlich vor sich.
Erstaunlich auch, wie schnell man vergessen hat, dass der Autor dieses Romans eine Frau ist, hat die Geschichte doch einen männlichen Ich-Erzähler (Leo Hertzberg, Kunsthistoriker), was für mich zunächst recht ungewohnt war.
Am faszinierendsten jedoch war für mich die tragische Geschichte, die sich um das Leben zweier befreundeten Paare und ihrer Söhne rankt. Hustvedt schafft es, die Emotionen und Gedanken der Figuren so darzustellen, dass man ein tiefes Mitgefühl für sie entwickelt und von den tragischen Ereignissen und Schwierigkeiten erschüttert wird.
Eine Vielzahl an unterschiedlichen Themen werden angesprochen: psychische Krankheiten, Essstörungen, Liebe, Freundschaft, moderne Kunst, Drogen, der Umgang mit dem Tod eines geliebten Menschen, Mord, so dass dieser Roman den Leser sowohl auf intellektueller als auch auf emotionaler Ebene anspricht und nie aus seinem Bann lässt.
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23 von 25 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich.
am 1. Mai 2003
Was für ein Buch! Kaum vorstellbar, dass es sich um einen Roman handelt, um Fiktion. Nachts bin ich aufgewacht, mit einem Gefühl von Beklemmung, von etwas Bestürzendem, das geschehen war. Dann fiel mir ein, dass ja in Wirklichkeit gar nichts passiert ist. Ich habe "nur" ein Buch gelesen...
In "Was ich liebte" beschreibt Siri Hustvedt wahrlich verstörend, wie dünn das Eis ist, auf dem wir alle tanzen, wie zerbrechlich dieses als selbstverständlich und uns zustehend hingenommene Glück ist. Gleichzeitig ist das Buch eine wundervolle Hommage an Liebe und lebenslange Freundschaft - und an die bildende Kunst. Wie gern würde ich die so detailreich, so plastisch beschriebenen Arbeiten des Malers Bill Wechsler sehen. Aber den Mann gibt es ja gar nicht - ebensowenig wie sein Werk.
Ich habe tausende Bücher gelesen. Viele davon waren schon bei der letzten Seite fast vergessen, manche blieben länger, wenige wirklich lange im Gedächtnis. Aber nur äußerst selten ist eines darunter, dessen Protagonisten mich wie nahe Bekannte durch die Monate und Jahre begleiten. "Was ich liebte" gehört zweifelsohne dazu.
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20 von 23 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich.
am 25. Januar 2007
Der Inhalt des Buches ist mittlerweile genügend beschrieben.

Kennen Sie das Gefühl, dass man sich für immer und ewig an etwas erinnern wird?

Dieses Buch werde ich nie vergessen. Es ist zwar nun schon länger her, dass ich es gelesen habe, aber dennoch glaube ich noch heute, die Atmosphäre, die Dichte, die Tiefe, die Tragik zu spüren. Normalerweise lese ich ein Buch auch mal im Bus, Wartezimmer oder ähnlichem. Nicht dieses. Hier wollte ich jeden Satz, jedes Wort genießen. Freundschaft, Liebe und Verlust, gesammelt in ergreifenden Erinnerungen. Als mitten im Buch, ich war bereits gefangen von dem Leben der beiden Familien, das Tragische passierte, blieb mir fast das Herz stehen. Ich habe geweint, so nahe fühlte ich mich den Menschen in diesem Roman.

Fazit: Dieses Buch war eine unvergessliche, tief bewegende Erfahrung
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3 von 3 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich.
am 31. August 2009
Habe das Buch gestern zu Ende gelesen und fand es höchst interessant, spannend und klug erzählt! Die Tatsache, dass die Autorin einen männlichen Ich-Erzähler gewählt hat, fand ich anfangs verwirrend, aber die Umsetzung ist überzeugend und konsequent. Die Handlung des Romans entwickelt sich erst nach und nach (und verläuft nicht gerade linienförmig) und was mit einer Geschichte über Liebe, Freundschaft und einen tragischen Unfall beginnt, endet beinhah wie ein Thriller. Die Figuren sind vielschichtig gezeichnet und wirken authentisch. Auch die meisten Passagen über die Kunstwerke von Bill, dem Freund des Ich-Erzählers Leo, waren für mich interessant und ich habe mir teilweise gewünscht, dass es diese Werke in Wirklichkeit gäbe. Die engen freundschaftlichen Beziehungen zwischen den Protagonisten und die sie verbindenden Tragödien ihrer Söhne hinterlassen bei mir einen nachdenklichen, melancholischen Eindruck, der mich noch ein Weilchen begleiten wird.
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13 von 15 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich.
am 20. Oktober 2005
"Was ich liebte" ist m.E. Siri Hustvedts gelungenster Roman bis dato überhaupt. Während man bei früheren Werken bisweilen das Gefühl nicht loswurde, ein Ferkelopus für Vorstadtintellektuelle in den Händen zu halten, ist dieser Roman bestechend in seiner Klarheit, kompromisslos und eindringlich zugleich. Punktabzug - so unterschiedlich können Geschmäcker sein - für die endlosen Beschreibungen der Kunstwerke des Bill Wechsler. Wie war noch dieses Zitat .. "als ob man zu Architektur tanzen würde", naja..
Die Charaktere und ihre Geschichten sind dafür umso treffender gestaltet, es sind die Geschichten über Liebe und Freundschaft, über Vergessen und Nicht-Verschmerzen können, über gebrochen sein und wiederaufstehen, kurz: Facetten, Glücks- und Schicksalsschläge im Leben des Menschen, mit welchen dieses Buch sich so empfind- und behutsam den Leserinnen und Lesern nähert.
Vielleicht ist das tatsächlich das Schwerste in der Literatur: denn jeder der schon mal mit psychisch Erkrankten zu tun hatte, wird sich hier wiederfinden, und jeder, der selbst einen schweren Schicksalschlag überstehen mußte, wird nachfühlen können, dass es an manchen Wegmarken im Leben am Ende wie in Jarmuschs 'Down by law' nur noch zwei Wege gibt - einen für Dich und einen für mich.
Ein sehr gelungenes Buch, und vor allem ein mutiges Buch einer großen Autorin; größer jedenfalls als die Nebensätze wie "sie ist ja die Frau von .. ".
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8 von 9 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich.
am 29. November 2004
Hochgradig emotional, doch frei von jeglicher Gefühlsduselei schildert Siri Hustvedt in Gestalt von Leo Hertzberg das Leben mehrerer New Yorker. Was zu Anfang sehr harmonisch als die Freundschaft zweier Paare beginnt, wird bald zu einer komplizierten Auseinandersetzung mit dem eigenen Ich der Hauptpersonen.
Die Autorin schreibt über den Kampf gegen die eigenen Dämonen, darüber wie Schicksalsschläge auch einen ausgeglichenen Menschen ins Wanken bringen können. Sie zeigt, dass manche Veränderungen Konsequenzen aus Geschehenem sind, andere sich jedoch völlig ohne externe Auslöser vollziehen.
Siri Hustvedt beschränkt sich weitgehend auf Beobachtungen. Sie liefert wenig Lösungsansätze oder Wertungen, schafft es jedoch beispielsweise durch die Studien von Violet und die Kunst von Bill unheimlich viel Atmosphäre und Authentizität in ihr Buch zu legen.
Erzähler Leo blickt wie es scheint kritisch zwar, doch ohne Reue auf mehrere Jahrzehnte seines Lebens zurück, in denen er viel er- und durchlebt hat und schafft es mühelos den Leser dabei in seinen Bann zu ziehen.
Großartiges Buch!
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