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Die Kenntnis davon, um was sich die mutigen und tapferen Aufklärer im 17., 18. und 19. Jahrhundert bemüht haben, für was sie sich oft unter Einsatz ihres Lebens einsetzten und für welche Überzeugungen und Einsichten - Einsichten die uns heutigen Europäern zum Teil eine Selbstverständlichkeit geworden sind - sie dereinst mit ganzem Herzblut kämpften, das alles ist elementar wichtig um das kleine europäische Wunder, in dem wir leben, zu verstehen und auch um zu erfahren, dass so etwas wie Menschenrechte, den Mut sich seines eigenen Verstandes zu bedienen, sein Leben nach dem Maß der Vernunft auszurichten und die Meinung und Lebensweise Anderer zu tolerieren, auch wenn sie der eigenen Lebenseinstellung nicht entspricht - mit der Einschränkung, dass dem Leben anderer Bürger dadurch nicht grob geschadet wird und kein Unrecht geschieht - nicht selbstverständlich ist und um deren Erhalt der Einsatz sich lohnt.

Manfred Geier schreibt keine trockene Abhandlung, sondern gibt die Taten, das Denken und das Engagement bedeutender Aufklärer in ihren Lebensbildern wieder. Da wird unter anderem von dem großartigen Briten John Locke erzählt, und wie er auf die Idee der allgemeinen Menschenrechte kam, und von den subversiven, frechen und ''bösen'' französischen Aufklärern, von Voltaire, Rousseau und Diderot. Und natürlich auch von Immanuel Kant, dem ganz großen Königsberger. Die Lebensumstände und Einflüsse werden gut dargestellt, die philosophischen Grundgedanken der jeweiligen Philosophen in ihrem geschichtlichen Umfeld zum Ausdruck gebracht, letztere aber doch nicht zu sehr in die Tiefe gehend, was wiederum das Lesen nicht zu anstrengend macht: Wer sich wirklich für die philosophischen Systeme und Gedanken der dargestellten Philosophen interessiert, braucht noch anderes 'Futter' und bekommt hier nur erste Einblicke, aber doch immerhin die Grundzüge. Und am Ende des Buches wird er wohl sagen können, was das ist, Aufklärung, ohne in bloß nachgeredete, unverstandene Phrasen zu verfallen. Ab und an erlaubt sich der Autor auch Ausflüge in die Moderne, etwa wenn er davon berichtet, wie Kants Idee eines ewigen Friedens als Zukunftsprogramm auf heutige Philosophen, auch im Angesicht gegenwärtiger Konflikte, eingewirkt hat.

Restlos begeistert von dem Buch bin ich zwar nicht - es mag daran liegen, dass mir der Autor zu wenig die Aufklärung mit dem kontrastiert, was vor ihr war, einer Welt, die uns heutigen sicher weitaus ferner liegt -, kann es aber doch guten Gewissens als eine gewinnbringende Lektüre empfehlen. Allerdings muss man wissen, dass der Autor ab und an englisch- und französischsprachige Zitate nicht übersetzt. Wer sie nicht versteht, wird sich wohl über einige Verständnisleerstellen ärgern, sie halten sich aber in Grenzen und das Buch wird trotzdem noch für ihn ein Gewinn sein.
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am 20. November 2012
Dieses Buch fördert eine Rückbesinnung auf Traditionen, die freie Gesellschaften auszeichnen. Kurz und knapp: Denk nach, engagiere dich, sei kritisch und stelle dich der Kritik, handle verantwortungsbewusst.

Manfred Geiers Aufklärung ist kein langweiliger Ausflug in die Geschichte. Der Autor liefert eher gut strukturiert das Material zum Verstehen. Er schafft es darüber hinaus, ein wissenschaftliches Werk zu schreiben, das sprachlich und stilistisch zu den besten Beispielen eines hochwertigen Wissenschaftsjournalismus zählt.

Manche - so auch der Rezensent - sehen unsere westlichen Gesellschaften in einer tiefen Identitätskrise. Geiers Beitrag zu dieser Phase der Geistesgeschichte löst diese Krise nicht, man wird aber oft darauf zurückgreifen müssen, um eine vernünftige Antwort auf die Frage zu finden: Wer sind wir?
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am 15. August 2012
Ein informatives, sehr empfehlenswertes Buch für geistesgeschichtlich und an den Ideen und Inhalten der (europäischen) Aufklärung Interessierte!

Dem Autor gelingt es, das nunmehr schon über 300 Jahre alte (und nach wie vor hochaktuelle) Projekt "Aufklärung" kurzgefasst, dabei aber klar und gut verständlich, dem Leser nahe zu bringen, wobei auch heutige Erkenntnisse und Fragestellungen - z.B. im Zusammenhang mit "Nine-Eleven" (welche Rolle kann Aufklärung bei der Bewältigung der Folgen spielen) - eingehend dargestellt werden.

Beginnend mit den Ereignissen der "Glorious Revolution" 1688/89 in England wird anhand der Ideen und Schriften von John Locke und Shaftesbury (David Hume wird erstaunlicherweise nur am Rande erwähnt), über die "bösen" französischen Philosophen (Voltaire, Rousseau, Diderot u.a.) hin zu Moses Mendelssohn und Kant bis zu den aufgeklärten Denkern jüngerer Zeit (Arendt, Popper, Habermas, Derrida u.a.) ein weiter Bogen dramatischer Geschichte aufgeklärten Denkens gespannt.

Aufklärung versteht sich als positive Programmidee für den richtigen Gebrauch des eigenen Verstandes ("frei leben, selbst denken") und als Kampfidee gegen Aberglauben, theologische Dogmen, Vorurteile, Fanatismus, Borniertheit und Phantastereien; grundlegende Ziele sind der "Ausgang des Menschen aus seiner selbstverschuldeten Unmündigkeit" (Kant) zu philosophischem Selbstbewusstsein und letztendlich zu einem Leben in gegenseitiger Toleranz; sie ist ein fortwährender Prozess mit immer neuen Herausforderungen und Erkenntnissen und eine unabdingbare Forderung für die Weiterentwicklung von Wissen, Kultur, Ethik und Menschlichkeit.

Aufklärung ist kein Zustand, sie ist, wie Kant 1784 feststellte, ein sehr langwieriger Prozess mit vielen Rückschlägen. Am Lebenslauf von Olympe de Gouges und ihrem Schicksal während der französischen Revolution (sie wurde 1793 geköpft) beschreibt der Autor beispielhaft auch den Kampf mutiger Frauen gegen Bevormundung, für Aufklärung und Selbstbestimmung.

Das letzte Kapitel des Buches ist der Frage nach Bildung und möglicher Erziehung zur Mündigkeit am Beispiel des Wirkens von Wilhelm v. Humboldt gewidmet. Er ist dabei weitgehend gescheitert; Erziehung zu Unmündigkeit, zu Autoritätshörigkeit und unbedingter Folgsamkeit wurden der pädagogisch-politische Normalfall des 19. und der ersten Jahrzehnte des 20. Jahrhunderts. Adorno und Horkheimer wurden dadurch in ihrer "Dialektik der Aufklärung" zur These veranlasst, dass eine aufgeklärte Vernunft in ein totalitäres System umschlagen müsse (Aufklärung wurde dabei als instrumentelle, herrschaftsförmig begriffene Vernunft verstanden). Dies blieb jedoch nicht Adornos letztes Wort; in einem Gespräch kurz vor seinem Tod 1969 bekannte er sich zu den Idealen der Aufklärung und erklärte "Erziehung zur Mündigkeit" zu einer Hauptaufgabe des Bildungssystems.

Ausführliche Anmerkungen und ein Namenregister vervollständigen einen hochinformativen und tiefschürfenden Text von insgesamt 372 Seiten, der das Lesen und Mitdenken reichlich lohnt!
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am 28. März 2014
Mit dem Titel "Aufklärung. Das europäische Projekt" verspricht Manfred Geier seinen Lesern nicht zu viel. Tatsächlich gelingt es ihm auf gut 400 Seiten eine gut lesbare Einführung in die Epoche der Aufklärung vom englischen Bill of rights 1689 bis zur Französischen Revolution 1789. Manfred Geier führt die Entwicklung anhand von sieben Lebensbildern bedeutender europäischer Denker und einer Denkerin (Olympe de Gouges) vor.
Ausführlich widmet er sich dem ernsten John Locke und dem humorvollen Third Earl of Shaftesbury als Protagonisten der englischen Aufklärung. Diesen englischen Vorbildern stellt er neben Voltaire die französischen Auklärer Denis Diderot und Jean-Jaqcues Rosseau zur Seite, die die englischen Ideen zu Menschenrechten und Freiheit radikalisiert haben.
Das vierte Lebensbild widmet Geier Moses Mendelsohn, dessen Beitrag zur Aufklärung von Moses Maimonides ausgehend dargestellt wird. Immanuel Kants Bedeutung für den europäischen Friedensprozess behandelt Geier unter anderem vor dem Hintergrund des Anschlag vom 11. September.
Mit Olympe de Gouges als früher Kämpferin für die Freiheit der Frau (die schließlich unter der Guillotine endet) und Wilhelm von Humboldt und seiner Rolle in einer Bildungsreform im Geiste der Aufklärung schließt der Band ab.
Die einzelnen Lebensbilder bauen chronologisch aufeinander auf, sind jedoch auch gut einzeln zu erschließen. Dies bringt es mit sich, dass Wiederholungen nicht ausbleiben. Für den philosphie-geschichtlich weniger studierten Kopf sind diese Dopplungen jedoch durchaus begrüßenswert: Bereits Gelesenes wird aus einem anderen Kontext neu beleuchtet und kann so besser verarbeitet und schließlich auch beser behalten werden.
Vor allem der angenehme Stil Manfrd Geiers macht das Buch sehr lesenswert. Bei aller Inhaltsschwere bleibt der Autor immer verständlich und der "trockene Stoff" wird nie langweilig.
Die Reflexionen zur Gegenwart (Irak-Krieg, Bildungsreform) sind spannend zu lesen regen zu weiterem Nachdenken an. Der Aufsatz zur Kant-Rezeption bei Hannah Arendt und Karl Popper bringen dem Leser en passant zwei moderne Philosphen näher, an die er sich sonst vielleicht nicht gewagt hätte.

Insgesamt ist dieser Einstieg in die europäische Aufklärung für Leser geeignet, die über geringe Vorkenntnisse zum Thema verfügen und bereit sind, anhand einzelner Lebensbilder durch eine bedeutende Epoche geleitet zu werden.
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am 28. März 2014
Bloß ein kleiner Tipp: Dieses Buch erhält man ebenfalls über die Bundeszentrale für politische Bildung für 4,50 EUR. Viel Spaß beim Lesen.
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am 15. Februar 2015
Ein aufklärerisch geschriebenes Buch zur Aufklärung (die mitnichten abgeschlossen ist).

Sehr hilfreich ist der flüssige und unterhaltsame Stil, der aber nicht zu Lasten der Genauigkeit geht und zu keinem Zeitpunkt bemüht wirkt. Dem geschichtlichen Bezug ist ebenfalls leicht zu folgen. Der Hinweis auf das Umfeld der aufklärerischen Protagonisten ist ebenfalls hilfreich und nicht romanhaft verklärt.

Nur in den späteren Kapiteln wird es etwas trockener - aber keinesfalls so trocken, wie Kant im Original...gerne hätte es noch etwas mehr in die heutige Zeit hineingehen können - der evolutionäre Humanismus hätte z.B. erwähnt werden können.

Gut gefallen hat mir auch der Bezug zur heutigen Zeit, den der Autor hin und wieder herstellt - aber niemals schulmeisterlich. Viele Kapitel regen auch zu eigener Recherche an, ebenso das sehr ausführliche Quellenverzeichnis. Für mich war die Lektüre ein großer Gewinn.
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am 13. Juni 2013
Die Geschichte der Aufklärung wird hier in sehr anschaulicher und gut recherchierter Weise vor dem Leser ausgebreitet. Man erfährt, wie sich der Gedanke von ersten Zweifeln an der Gottgegebenheit der Weltordnung bis hin zur totalen Gottesleugnung entwickelt, durchleidet die Höhen und Tiefen der Denker mit und kann ihre Zweifel und ihr Ringen um Wahrheit nachvollziehen. Einn empfehlenswertes Buch für jeden, der wissen wir, warum wir heute so denken, wie wir heute denken.
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TOP 1000 REZENSENTam 27. Januar 2014
Aufklärung, so Geier, richtete sich gegen geistige Bevormundung durch Institutionen, sei es Kirche oder Staat, durch vermeintliche oder selbst wirkliche Autoritäten. Wahrheit muss sich dem Einzelnen in der redlichen Auseinandersetzung erweisen. Vernunft und Gewissen sind dabei die Richtschnur. Der Autor macht deutlich, dass Aufklärung richtig verstanden mehr ist als eine vom 17.-19. Jh. währende Epoche. Sie hatte ihre historischen Vorläufer immer dort, wo Menschen begannen, das althergebrachte kritisch zu hinterfragen und sie ist und bleibt eine Aufgabe von zentraler Bedeutung in Gegenwart und Zukunft.

Aufgeklärtes Denken schloss Gott und Transzendenz keineswegs aus, sondern fast immer mit ein, wohl aber eine unreflektierte Dogmatik. Geier lässt das deutlich werden an einer Auseinandersetzung, die als "Pantheismusstreit" in die Geistesgeschichte einging. Mendelssohn wurde hier nach dem Tod des eng befreundeten Lessing von Jacobi darauf hingewiesen, dass der Dichter der "Ringparabel" sich zum Spinozismus bekannt hätte. Für Mendelssohn kam das einer Katastrophe gleich und er war nicht bereit, dem Glauben zu schenken. Der Spinozismus wurde schon damals als Quasi-Atheismus betrachtet und stand von daher in Verruf. Lessing hatte zwar die Fragmente des Reimarus, der als ein Begründer der historisch-kritischen Methode gilt, herausgegeben, sich aber ansonsten eher als liberaler Christ, der dem Vernunftgehalt der biblischen Botschaft zur Geltung verhelfen wollte erwiesen. Gegen die Orthodoxie grenzte er sich ebenso ab, wie gegen Deismus und Neologie.

Mendelssohns Haltung zum Judentum entsprach in etwa der Lessingschen zum Christentum. Jacobi, ein Freund Lavaters, stand wie dieser dem Pietismus nahe. Für beide waren die Versuche, Gott mit dem menschlichen Verstand zu erfassen, so erfolgversprechend, wie der Versuch Sandkörner am Meeresstrand zu zählen. Es gibt für sie keinen Weg vom Menschen zu Gott, sondern nur in Form einer persönlichen Offenbarung von Gott zum Menschen. Gemeinsam war allen Beteiligten jedoch die Überzeugung, das Vernunft und Atheismus nicht vereinbar seien.

Der Aufklärung ging es darum, die Reichweite der Vernunft auszuloten und Kategorien zu klären: "Was können wir wissen? Was sollen wir tun? Was dürfen wir hoffen?", so heißt es in Kants Programmatik. Wie weit reicht die Ratio? Was ist der Ratio nicht zugänglich, sondern bestenfalls durch Offenbarung? Wo ist intersubjektive Vergewisserung möglich und wo nur subjektive? Was können wir überhaupt von der Welt außerhalb von uns erkennen/aussagen? Welche Fragen können wir beantworten und wo müssen wir offene Fragen bzw. eine Diversität der Antworten aushalten?

Mit dem Pluralismus der sich so ergab, entstand auch die Frage nach einer gesellschaftlichen Organisation, die verschiedene, z.T. sogar konträre weltanschauliche, politische, sozialethische Standpunkte integrieren konnte. Dass dies schließlich in Gesellschaften deren Majoritäten zumindest in ihren religiösen Grundüberzeugungen außergewöhnlich homogen waren (und mit sich im Schnitt sich zu zwei Dritteln zum Christentum bekennenden Populationen immer noch sind), möglich wurde, ist in der Weltgeschichte einmalig.

Die Festschreibung individueller, weltanschauungsübergreifend begründeter Rechte wurde zu einem zentralen Thema. Es ging, so Geier, "um die Rechte jedes Menschen [...], der als solcher kein Ding ist, sondern eine mündige Person mit ihrer eigenen Würde. Die Aufklärung versucht philosophisch zu begründen und praktisch zu verwirklichen, was jedem Menschen von Natur aus zukommt. Sie versteht dieses Naturrecht als ein Bündel von Menschenrechten, auf die alle Menschen ein Anrecht haben. Ihr Zentrum bilden geistige und politische Freiheit, körperliche Unversehrtheit und Recht auf Eigentum. "

Zum wohl prägendsten Vordenker des westlichen Gesellschaftsmodells wurde dann John Locke, der sich interessanter Weise von den neuen Idee der unabhängigen Gemeinden, insbesondere den von ihnen in Neuengland praktizierten politischen Modellen inspirieren ließ. Unter William Penn etwa - Begründer der Kolonie Pennsylvania, etablierte sich ein Regierungssystem, dass auf christlicher Brüderlichkeit und Freiheit beruhen sollte und sich durch integrative Offenheit für Siedler aller religiösen Colleur und gegenüber den Indianern auszeichnete. Mit seinem ungewöhnlich liberalen Wahlrecht und der vollen Religionsfreiheit setzte der Quäker Penn neue Maßstäbe. John Locke, der an der Verbalinspiration der Heiligen Schrift festhielt und dessen Schriften sich wie elaborierte bibelexegetische Arbeiten lesen, wurde im "Pariser Salon", in dem sich die wenigen Atheisten, die - insbes. durch ihr enzyklopädisches Werk - einen nachhaltig konstruktiven Beitrag erbrachten, versammelten(Diderot, Holbach ...) hoch geschätzt, und er war auch einer der Lieblingsphilosophen Jeffersons. Die Amerikanische Unabhängigkeitserklärung, die Verfassung der USA, der französischen Verfassungsentwurf von 1791 sowie die gesamte Entwicklung des bürgerlich-liberalen Staatstheorie bis in die Gegenwart fußen maßgeblich auf Lockes Gesellschaftsphilosophie.

Der linksliberale Historiker H.A. Winkler ("Geschichte des Westens") bringt es wie folgt auf den Punkt: „Der Kampf der Aufklärung gegen die Kirche verstellt nur zu leicht den Blick auf das,was die Aufklärung mit dem Christentum verbindet. Ohne Aufklärung keine Erklärung der Menschenrechte, kein Rechtsstaat, keine Demokratie, kein Liberalismus: Dieser historische Zusammenhang ist unbestritten. Aber wenn die Aufklärung ohne ihre christliche Vorgeschichte nicht zu erklären ist, dann trifft das auch für die politischen Folgerungen zu, die Ende des 19. Jahrhunderts aus der Aufklärung gezogen wurden – erst in den nordamerikanischen Kolonien der britischen Krone und dann in Frankreich. Die Väter der amerikanischen Unabhängigkeitserklärung vom 4. Juli 1776 waren sich dessen bewußt, als sie die „selbstverständlichen“ Wahrheiten verkündeten, „daß alle Menschen gleich geschaffen sind; daß sie von ihrem Schöpfer mit gewissen unveräußerlichen Rechten ausgestattet sind; daß dazu Leben, Freiheit und das Streben nach Glück gehören“. Auch das „Freiheit, Gleichheit, Brüderlichkeit“ der Französischen Revolution, so Winkler, speiste sich aus dem „revolutionären Potential der christlichen Botschaft“

Olympe de Gouges berief sich in ihrer "Erklärung der Rechte der Frau und Bürgerin" auf die "Weisheit des Schöpfers", dessen Plan Harmonie zwischen den Geschlechtern und nicht Hierarchisierung, Benachteiligung und Unterdrückung sei. Geier schildert den Werdegang dieser mutigen Frau, die sich selbst unter den progressiven Geistern ihrer Zeit letztlich kein ausreichendes Gehör verschaffen konnte, ausführlich. Geboren als Tochter eines Metzgers, mit 14 verheiratet, mit 20 verwitwet, schaffte sie es, sich zu den gehoberenen Pariser Schichten Zugang zu verschaffen und machte sich als Schriftstellerin und Dramaturgin einen Namen. Fasziniert von den Idealen der Revolution, wurde sie politisch aktiv, stand den Girondisten nahe. Als die Jakobiner diese 1793 stürzten, wurde Olympe de Gouges verhaftet und schließlich vom Revolutionstribunal zum Tod verurteilt. Sie starb unter der Guillotine.

Obwohl die Aufklärung als geistesgeschichtliche Epoche schließlich in die Romantik mündete und damit endete leben - so Geier - viele der in dieser Zeit aufgebrochenen Diskurse fort. So wenn im sogenannten Positivismusstreit Popper und Albert der Frankfurter Schule zu bedenken geben, dass das Anliegen einer fundamentalen Umgestaltung der Gesellschaft, gefährlich sei; es vielmehr darum gehen müsse, die jeweils im gesellschaftspolitischen Geschehen auftauchenden konkreten Probleme einer Lösung zuzuführen. So wenn Hannah Arendt Sartres allzu leichtfertigen Ausführungen über die Unumgänglichkeit revolutionärer Gewalt Hegels Konzept einer gesellschaftlichen Evolution entgegen hält. So wenn Habermas mit Kants Vision einer auf internationalem Recht basierenden Völkerfamilie Robert Kagans von Hobbes inspirierten Vorstellungen von der USA als gutartigem Hegemon, der weltweit auch mit Gewalt Demokratie und Menschenrechte durchsetzt, entgegentritt.

Erwähnung findet schließlich auch Adorno/Horkheimers Aufklärungskritik. Auch sie verstehen unter Aufklärung mehr als eine historische Epoche; bezeichnen mit dem Begriff vielmehr einen fortlaufenden, die Menschheitsgeschichte begleitenden Prozess, bei dem die menschliche Vernunft versucht, sich die Realität verstehbar aber eben auch immer beherrschbarer zu machen. Doch dadurch, dass Vernunft versucht, die Realität in ein zweckmäßiges System zu zwängen, beschränkt sie gerade eine wirkliche Realitätserfassung. Gerade der Versuch, die Natur total zu beherrschen, bewirkt, dass der Mensch in diesem Prozess zum Sklaven der damit verbundenen ökonomischen Zwänge wird. Darin liegt eine fatale Dialektik, mit deren Sichtbarmachung die Autoren beabsichtigen, die Aufklärung vor sich selbst zu retten.

Aufgeklärtes, eigenständiges Denken zu kultivieren ist eine gesellschaftliche Aufgabe, deren Bedeutung kaum überschätzt werden kann. Das gilt umso mehr, da es aktuell starke gegenläufige Tendenzen verschiedener Art gibt. Zum Einen sind es religiöse Strömungen, die meinen, vermeintliche oder tatsächliche Heilige Schriften gar nicht mehr zur Disposition stellen zu dürfen. Es wird dabei übersehen, dass deren Lektüre einen kritischen Gebrauch der Vernunft ebenso voraussetzt, wie ihre Verfassung und Kanonisierung. „Prüfet alles!“ - mahnt Paulus im NT. Wer sich nicht vernunftmäßig mit einem Text auseinandersetzt, kann nicht dazu kommen, ihn wirklich zu verstehen und innerlich von seiner Botschaft überzeugt zu sein. Zum Anderen gilt dies aber auch für einen sich vermehrt dogmatisch gebärdenden reduktionistischen Naturalismus, der die eigene allzu begrenzte, materialistische Weltsicht zur Norm für alle erheben möchte. Bereits klassisch idealistischen Standpunkten gegenüber, wie sie etwa von Einstein oder Planck vertreten und zur Grundlage der revolutionären Einsichten in der Physik am Beginn des vorigen Jahrhunderts wurden, vertritt man mittlerweile – die Diskussion um das jüngste Buch des amerikanischen Philosophen Thomas Nagel zeigt es – eine aggressiv-rigorose Abwehrhaltung.

"Im kulturgeschichtlichen Rückblick", so Geier, "zeigt sich Aufklärung als ein europäisches Projekt mit universellem Anspruch" Dies gehöre "zum Besten, was ein kosmopolitisches Europa zu bieten hat, das mehr sein will als ein bürokratisch geregeltes Wirtschaftsgeflecht, das von einer finanzpolitischen Krise in die nächste getrieben wird."
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am 13. Juli 2013
Herr Geier weiß in seinem Buch die Bedeutung der genannten Aufklärer für ihre - aber auch für unsere heutige - Zeit
gekonnt herauszustellen. Ich studierte Politikwissenschaften und hätte mir von meinen damaligen Professoren gewünscht, dass sie einen Diderot oder Rousseau als das dargestellt hätten, was sie letztlich waren: Spannende Rebellen ihrer Zeit! Manfred Geier verpackt viele Informationen auf einem sehr ansprechenden Weg. Das Lesen war eine Freude! Tolles Buch!
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am 1. Dezember 2015
dieses Buch gefällt mir sehr gut . Es ist flüssig geschrieben , mann kann es beim Lesen viel geniessen .
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