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188 von 211 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
5.0 von 5 Sternen Lebensfreude, Glück und Versagen
Lange ersehnt und endlich auf dem Buchmarkt angekommen ist der neue Roman von Jonathan Franzen:'"Freiheit".
Laut einer detaillierten Buchbesprechung im Magazin "Spiegel" ist die Geburt dieses Romans für Jonathan Franzen ein schweres Unterfangen gewesen. Geht es doch darum, ein Familien- und Gesellschaftsbild zu entwerfen, in dem man sich wieder erkennen kann,...
Veröffentlicht am 8. September 2010 von cl.borries

versus
101 von 117 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
3.0 von 5 Sternen Seltsam unbefriedigend
Franzen erzählt eine Liebesgeschichte, eingebettet in mehrere Familiensagas, darüber hinaus spielen Umweltschutz, der Irakkrieg und viele andere Themen ihre Rollen.

Patty, die von ihren politisch ambitionierten, liberalen Eltern etwas vernachlässigte, gut aussehende Basketballspielerin, verliebt sich in Richard Katz, den Lebemann und Rockmusiker,...
Veröffentlicht am 6. Oktober 2010 von Thomas Liehr


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188 von 211 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
5.0 von 5 Sternen Lebensfreude, Glück und Versagen, 8. September 2010
Rezension bezieht sich auf: Freiheit (Gebundene Ausgabe)
Lange ersehnt und endlich auf dem Buchmarkt angekommen ist der neue Roman von Jonathan Franzen:'"Freiheit".
Laut einer detaillierten Buchbesprechung im Magazin "Spiegel" ist die Geburt dieses Romans für Jonathan Franzen ein schweres Unterfangen gewesen. Geht es doch darum, ein Familien- und Gesellschaftsbild zu entwerfen, in dem man sich wieder erkennen kann, und das dennoch die nötige Distanz bietet, um uns nicht zu erschlagen. Man kann sich vorstellen, wie Erkenntnisse und Reflexionen von feinster Ironie, menschliches Hinhören und tiefstes Verständnis den Erfinder der Geschichte umtreiben mochte. Er hat gelitten und gerungen, und herausgekommen ist ein Jahrhundertroman von grandioser Einfühlsamkeit und tiefenpsychologischer Einsicht, was Familie hier und heute bedeutet.

Patty und Walter Berglund mit ihren Kindern Joey und Jessica sind die Vorzeigefamilie in einem Vorort von St. Paul/ Minnesota.
Walter ist Anwalt und Umweltaktivist, und Patty ist eine ehemals hervorragende Sportlerin. Sie wollten alles anders und besser machen als die eigenen Eltern und müssen am Ende einsehen, wie sich Fehler von Generation zu Generation wiederholen.
Jessica geht aufs College, und Joey setzt sich zu den ungeliebten Nachbarn ab, um mit Connie ungestört Sex zu haben und sich von seiner überfürsorglichen Mutter zu befreien.
Es bedarf einer langen Vorgeschichte bis wir im Heute angekommen sind.

J. Franzen steigt in die Tiefe der Charaktere hinab wie in eine andere Welt. Man meint dabei zu sein und befindet sich doch als Zuschauer außen vor aber tief angerührt von all' den Nöten und Beklemmungen, die der Biographie von Patty anhaften.
Ihre Kinder wachsen heran und sie bleibt ihr ganzes Leben lang unzufrieden mit ihrem Leben und in ihrer Beziehung zu dem "guten" Walter. Als stiller aber gewichtiger Begleiter fungiert Walters Freund Richard Katz: er ist Bohemien, Musiker und Frauenfreund und das ganze Gegenteil von Walter. Patty hatte es ihr Leben lang auf ihn abgesehen. Als alle in die Jahre kommen, sieht Richard sein berufliches und privates Scheitern, und Patty sieht ihre Kinder davonziehen. Walter ist der ruhige, zuverlässige, ehrliche und liebevolle Charakter, der erst spät merkt, was mit Patty los ist. Richard ist ebenfalls ein guter und treuer Freund, der die Grenzen nicht überschreiten will, die seine Beziehung zu Walter zerstören könnten.
Wie mit Röntgenblicken durchleuchtet Franzen seine Figuren, und man hält die Luft an, wie sich Schein und Sein verbinden, um einen Charakter in seiner ganzen Widersprüchlichkeit zu zeigen. Selbstwahrnehmung und Fremdwahrnehmung gehen eine Verbindung ein, die zu dem traurigen Schluss führen:"es gibt kein wahres Leben im Falschen"( Adorno). Alle Lügen und jeder Selbstbetrug sind am Ende zum Scheitern verurteilt. Man lernt, sich zu den eigenen Möglichkeiten und Grenzen zu bekennen, von denen man im jugendlichen Überschwang nichts wissen wollte. Patty und Walter sind das Paar, um dessen Lebensfülle und - Gefahren sich alles dreht.

Das Buch ist ein melancholischer Abgesang auf das Glück von Familie und Lebenserfüllung. Faszinierend, aufwühlend und endgültig werden uns Lebensschicksale beschrieben, die tief verunsichert und verstört das Zusammenspiel zwischen menschlicher Güte, Liebe, Abneigung und Selbstbetrug zeigen. Mit Richards Satz "Er kam sich vor wie ein herumfliegendes Insekt, das sich in einem klebrigen Familiennetz verfangen hatte" lässt sich am besten beschreiben , was hier vor sich geht.

Für mich ist Jonathan Franzen mit diesem Buch erneut nach dem Roman " Korrekturen" aus dem Jahr 2001 ein Jahrhundertroman gelungen!
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92 von 103 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
5.0 von 5 Sternen Das Sittengemälde einer untergehenden Weltmacht, 15. November 2010
Von 
Rezension bezieht sich auf: Freiheit (Gebundene Ausgabe)
Die Geschichte der US-amerikanischen Familie Berglund ist ein anschaulich und plastisch geschriebenes Sittengemälde und eine präzise Beschreibung des Zustandes des heutigen Amerika und wie es dazu kam.

Franzen spannt zeitlich wie thematisch einen weiten Bogen, vom Anfang des vorigen Jahrhunderts bis heute. Die persönlichen Schicksale seiner Protagonisten sind immer in einen größeren Kontext eingebettet: Ökologie, Ökonomie, Immobilien- und andere Blasen, Religion, Irak- und andere Kriege, Präsidentschaften...

Durch die in allen wichtigen Figuren zu spürende Verunsicherung, Zweifel an der Richtigkeit der eigenen Entscheidungen und das zumindest latent vorhandene Bewusstsein der eigenen Getriebenheit und dem damit verbundenen Unvermögen, das eigene Leben wirklich aktiv zu leben, wird der Leser förmlich in die Geschichte hineingesogen, denn wer kennt diese Gefühle nicht (außer vielleicht George W.)? Und diese Unsicherheit und Getriebenheit führt zu einem andauernden Zustand der Frustration, der Unzufriedenheit und einem "das-könnte-ich-aber-besser-wenn-mich-die-anderen-nur-lassen-würden"-Gefühl.

Auch wenn W. Öschelbrunn in seiner 3-Sterne Rezension moniert, dass Franzen "stilistisch glanzlos" schreibt: Ununterbrochene Sprachsalti z.B. eines Uwe Tellkamp in "Der Turm" erfreuen vielleicht Literaturwissenschaftler, verschütten aber die eigentliche Geschichte so stark, dass man Mühe hat, sie überhaupt zu verstehen. Franzens klare, deutliche und, nicht zu vergessen, präzise Sprache dagegen erlaubt es, seiner Geschichte mühelos zu folgen, ohne durch übertriebene "Technik" (Sprache) abgelenkt zu werden.

Insgesamt für mich ein großes Buch, das einen bleibenden Eindruck bei mir hinterlassen hat, und ohne Umwege in das Regalfach "in einem bis drei Jahren nochmals lesen" gewandert ist.
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31 von 35 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
5.0 von 5 Sternen Das Private ist das Politische, 13. April 2011
Rezension bezieht sich auf: Freiheit (Gebundene Ausgabe)
Die Geschichte einer Familie, einer Ehe, einer Dreiecksbeziehung, des Amerika der letzten dreißig Jahre.
Patty, eine junge Sportlerin leidet an der mangelnden Liebe und Aufmerksamkeit ihrer Eltern. Der Musiker Richard auf den sie total steht ist (noch?) nicht bereit auf Frauen mehr als nur sexuell einzugehen. Walter ist Richards bester Freund und in Patty verliebt. Es geht um Freiheit in gesellschaftlicher wie privater Hinsicht und um die Frage, wie gut die Menschen sind und in wieweit ihnen zuzutrauen ist, dass sie mit ihrer Freiheit auch das richtige anfangen wollen.
Walter ist der Gutmensch schlechthin, opfert sich für andere auf und will für alle, die einheimischen Singvögel im besonderen eingeschlossen, das Beste. Er ist ein unerträglicher Idealist und in seinem Weltbild so gefangen, dass er auf die Realität letztlich nur mit Wut reagieren kann. Walter glaubt Patty hundertprozentig zu lieben, sobald ihre Bedürfnisse und Handlungen aber außerhalb seiner anständigen Weltsicht liegen, ist er außerstande sie wahrzunehmen. Er ist so überheblich in seinem Gutmenschentum, dass er nichteinmal merkt dass er seine Ideale längst verraten hat und sich als Belohnung für seinen Idealismus mal genehmigt etwas Spaß zu haben.
Richard bezeichnet sich selbst als schlechter Mensch, obwohl er mit seinen Unzulänglichkeiten eigentlich ziemlich gut zurecht kommt und auch anderen gegenüber erfrischend wenig moralisch Verurteilend ist (darin ist er der Gegenpol zu Walter). Ja, er behandelt Frauen ein bisschen schlecht, aber er lässt sie ziehen, ist sich seiner Beziehungsunfähigkeit bewusst. Nur bei Patty will es ihm nicht so recht gelingen, an ihr erfährt er seine Unzulänglichkeit als Mangel.
Patty, die sich teilweise nimmt was sie braucht, sich dann aber wiederum für ihre Bedürfnisse und Unzulänglichkeiten verachtet, ist die Figur, die sich am meisten entwickelt. Sie erkennt, dass Menschen nicht perfekt sein müssen, sie selbst eingeschlossen. Sie verzeiht ihren Eltern und schließlich auch sich selbst und ihren Kindern und kann sich dadurch freimachen von dem Groll der die Beziehungen ihres Lebens bis dahin vergiftet hatte. Patty erlangt eine innere Freiheit, die es ihr ermöglicht, liebevoll mit sich und anderen umzugehen obgleich sie in einer verkorksten Welt lebt. Dadurch ist die Welt etwas weniger verkorkst - vielleicht ist nur das gut was man gut tut.
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101 von 117 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
3.0 von 5 Sternen Seltsam unbefriedigend, 6. Oktober 2010
Von 
Thomas Liehr (Berlin) - Alle meine Rezensionen ansehen
(TOP 1000 REZENSENT)    (REAL NAME)   
Rezension bezieht sich auf: Freiheit (Gebundene Ausgabe)
Franzen erzählt eine Liebesgeschichte, eingebettet in mehrere Familiensagas, darüber hinaus spielen Umweltschutz, der Irakkrieg und viele andere Themen ihre Rollen.

Patty, die von ihren politisch ambitionierten, liberalen Eltern etwas vernachlässigte, gut aussehende Basketballspielerin, verliebt sich in Richard Katz, den Lebemann und Rockmusiker, der aber weniger von ihr will als sie von ihm. Also wählt sie die zweitbeste Lösung, nämlich Richards besten Freund Walter, ein engagierter und feingeistiger Gutmensch, dem der Schutz des Planeten - und insbesondere dessen Singvogelbestand - wichtiger ist als fast alles andere, von Patty abgesehen, die er anbetet. Die beiden führen eine Ehe, die wie alle Ehen Hochs und Tiefs bewältigen muss und aus der Jessica, praktisch Pattys Ebenbild, und Joey, ein zunächst selbstsüchtiger, erfolgsorientierter Egozentriker, der sich im Verlauf aber stark wandelt, hervorgehen. Irgendwann allerdings wird der Punkt erreicht, an dem die seinerzeit unmöglichen Alternativen über mehr Reiz zu verfügen scheinen als das kompromissreiche, zuweilen sogar schmerzhafte Leben miteinander.

Patty, die während ihrer Highschoolzeit vergewaltigt wurde, der aber in dieser extremen Situation der Rückhalt durch die Eltern versagt blieb, sieht sich fortwährend in Konkurrenz zu allen anderen, vor allem aber zu sich selbst - sie ist niemals wirklich zufrieden. Sie hadert mit der Entscheidung für den vermeintlich falschen Mann, obwohl Walter liebe- und fast schon pathologisch verständnisvoll ist. Auch Katz, der Musiker und jahrzehntelang Walters bester Freund, kommt nie darüber hinweg, diese Option verpasst zu haben.

Nach der Lektüre der fraglos unglaublich stilsicher, intelligent und detailliert verfassten 730 Seiten bleibt ein merkwürdig unbefriedigtes Gefühl. Franzen erzählt präzise, facettenreich, glaubwürdig und nicht selten wunderschön, aber die über allem stehende Frage, wovon er erzählt, lässt sich nur schwer beantworten. Die vielen Themen, die angerissen oder auch vertieft werden, etwa Joeys Verstrickungen in den Irakkrieg, seine Ehe mit der Nachbarstochter Connie, Walters Anbiederung an die Militärindustrie, Katz' Musikerkarriere, das als Motiv und Schauplatz immer wieder auftauchende Ferienhaus am See, die familiären Merkwürdigkeiten auf Pattys Seite, Überbevölkerung, Fundraising, anarchistische Politfans, wildernde Hauskatzen, Kohleförderung durch Gipfelabbau, Alkoholismus, Kindererziehung, Zersiedelung und so weiter und so fort - nur wenig davon erreicht eine Tiefe, die das oft recht Plakative der Ausführungen begründen würde. Als pure Würze auf der tragischen, manchmal auch komischen Familien- und Liebesgeschichte ist all das überdosiert, davon abgesehen auch zu bedeutungsvoll, aber am Ende bleibt das etwas fade Gefühl, mit vielen Elementen nur konfrontiert worden zu sein, weil sie Beiwerk zu einer zwar enorm weitreichenden, dennoch merkwürdig konstruierten Figurenzeichnung waren.

"Freiheit" mag ein Sittenbild der neunziger Jahre und des beginnenden neuen Jahrtausends sein, ein Buch über die Dranghaftigkeit und Selbstbezogenheit der amerikanischen Gesellschaft, eine Anklage gegen den Raubbau, die Umwelt- und damit Weltzerstörung, aber in der Hauptsache ist es die Geschichte von Patty und Walter, die der Leser auf durchaus intensive Weise miterlebt. Das hat seine sehr eigene Schönheit, verfügt über viel Nähe und Plastizität, gleichwohl kommt echte Empathie nicht so recht auf, was auch an der niederdrückenden, ungebremsten Sprachgewalt des Autors liegen mag, in der Hauptsache aber wohl daran, dass die Figuren bei allem Detailreichtum das Holzschnittartige niemals abzustreifen in der Lage sind.
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4 von 4 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
5.0 von 5 Sternen Präziser Beobachter !, 18. August 2013
Rezension bezieht sich auf: Freiheit (Gebundene Ausgabe)
Im Mittelpunkt stehen Patty und Walter Berglund mit ihren Kindern: in einer renovierten Villa lebend, haben die Berglunds einem heruntergekommen Viertel in St. Paul/Minnesota, nicht zuletzt dank Pattys Engagement, zu neuem Glanz verholfen. Und Walter hat auf seine Karriere verzichtet, um für ökologische Organisationen tätig zu sein.
Mal nur soviel zum Inhalt... Auf knapp 800 Seiten grandioser Lektüre entfaltet Jonathan Franzen jedoch viel mehr als einen traditionellen Familienroman. Über Generationen hinweg entwirft er zwei Protagonisten mit all ihrer Wut, ihren Fehlern, ihren Schwächen und den - kurz aufblitzenden - guten Seiten. Meisterhaft verwebt er die konträre Kindheit von Walter und Patty, den steinigen Weg ihrer Beziehung, die Trennung. So überaus präzise legt Franzen alle Abgründe des menschlichen Charakters frei, dass sie einem mehr als vertraut werden.
In all dem, was seine Figuren tun und sagen, lässt der Autor auch gezielt wutentbrannte Attacken auf die amerikanische Regierung aufkommen: die Regierung Bush, das (nicht vorhandene) Umweltbewusstsein sowie der absurde Irak-Krieg sind einige dieser Punkte. Zu keiner Zeit leidet die Lektüre etwa unter einem erhobenen Zeigefinger: der Roman ist und bleibt menschlich entlarvend, präzise beobachtet und äußerst mitreißend.
Franzen schreibt nicht selten sehr lange Sätze, die - wenn man richtig "drin" ist - ein sprachlicher Genuß sind und die Sache trotzdem auf den Punkt bringen. Absätze und Kapitel sind nicht so häufig anzutreffen, dennoch kommt der Leser gut wieder ins Geschehen rein.
Fazit:
Grandioses Werk, spannend, komisch, menschlich, präzise, traurig, nachdenklich.
Bis in die Nebenfiguren: Franzen erweist sich als großer Beobachter und Kenner der menschlichen Psyche.
Große Literatur mit merkwürdigem Titel (wie aber sonst hätte man das Buch nennen können...).
Klare Empfehlung!!
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4 von 4 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
4.0 von 5 Sternen Familie, ihr Wanken und ihr Auferstehen, 23. August 2011
Von 
Anke Przybilla "Leselöwin.blogspot.com" (Schönwalde) - Alle meine Rezensionen ansehen
(VINE®-PRODUKTTESTER)    (REAL NAME)   
Rezension bezieht sich auf: Freiheit (Gebundene Ausgabe)
Jonathan Franzen ist einer der bedeutendsten amerikanischen Gegenwartsautoren, die sich kritisch mit ihrem Heimatland auseinandersetzen. Große Literatur schafft es, in Geschichten Einzelner das große Ganze zu reflektieren und gleichzeitig zu unterhalten, Meinungen zu transferieren und damit den Leser zum Nachdenken zu bewegen.

Franzen ist ein Meister seines Faches, auch wenn er in meinen Augen manchmal zu sehr ausufert und für mich weniger meist mehr gewesen wäre. Aber seine Botschaften kommen an und sind keine plakative Schwarz-Weiss-Malerei. Er zählt zu den Autoren der Postmoderne und reiht sich ein in die Riege bekannter Namen wie T. C. Boyle, Paul Auster, John Irving, John Updike und Philip Roth.

Ich mag diese amerikanische Erzählweise. Nicht etwa das reißerische eines Dan Brown, sondern dieser Fluss einer sich langsam entwickelnden Geschichte, die einen nicht mehr losläßt, in der man die Charaktere mag, auch wenn sie noch so unsymphatisch beschrieben werden. Wir sind alle nur Menschen mit Schwächen, die bei dem einen mehr, bei dem anderen weniger ausgeprägt sind. Auch sind die Akteure nicht statisch, sie entwickeln sich in der Geschichte, sind lernfähig, verletzbar - auch wenn sie anfangs unantastbar schienen. Es gibt keine Person in Franzens Roman, von dem man nicht irgendwo im Buch überrascht wird, weil er ganz anders agiert, als man vorher angenommen hat. Das macht das Ganze so lebendig, so real.

Nun aber noch ein paar Worte zur Handlung: Walter und Patty ziehen von St. Paul aus ihrer Villa nach Washington, nachdem in ihrer Familie einige feste Pfeiler ins Wanken geraten sind. Der gemeinsame Sohn Joey zieht mit 15 zu den proletenhaften Nachbarn, mit dessen Tochter er eine Art Verhältnis hat. Die Tochter Jessica ist bereits zum Studium in eine andere Stadt gezogen.

Befremdet vom Verhalten ihres Sohnes und zudem in den besten Midlife-Crisis-Jahren treten in der Ehe verborgene Leidenschaften, Verletzungen und lauter seltsame Macken zu Tage. Patty, einst gute Seele der Familie, Vorzeige-Ehe- und Hausfrau, verfasst zur Therapie eine Autobiografie, in der sie mit ihrer eigenen Familie, mit ihrer Sportlerkarriere und sich selbst abrechnet.

Walter beginnt sich irgendwann von seiner deprimierten Frau abzuwenden, gibt seinen Job auf und engagiert sich für eine Umweltorganisation mit fraglichen Methoden. Jeder in der Familie ist mit sich selbst beschäftigt, keiner scheint mehr Empathie für seine Mitmenschen zu hegen und doch entpuppt sich am Ende die Familie als einzig bewahrenswerter Ort der Zwischenmenschlichkeit.

Franzen packt in diese Familiengeschichte Gesellschaftskritik jeglicher Art: Umweltproblematiken, Überbevölkerung, Kapitalismus in Reinform und die Folgen des 11. September werden alle aufgegriffen und mit Statements versehen, mal bierernst von Walter vorgetragen, mal zynisch von Richard, dem besten Freund der Familie. Wie gesagt: mir war das manchmal zuviel. In einen Roman muss man nicht jede aktuelle Thematik abhandeln. Dennoch ist Franzen in meinen Augen wieder ein großes Werk gelungen - nach "Schweres Beben" und "Korrekturen", die ich beide ebenfalls mit Begeisterung gelesen.
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135 von 160 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
5.0 von 5 Sternen Mit vom Besten in diesem Herbst!, 9. September 2010
Von 
Caliban (Süddeutschland) - Alle meine Rezensionen ansehen
(TOP 500 REZENSENT)    (VINE®-PRODUKTTESTER)   
Rezension bezieht sich auf: Freiheit (Gebundene Ausgabe)
An Rezensionen zu dem vorliegenden Werk dürfte auf dieser Seite bald kein Mangel bestehen. Ich möchte mich daher vor allem an die Leser wenden, die ' wie ich ' vor diesem Buch aus zwei Gründen zurückschrecken könnten: Zum einen, weil die U.S.-Amerikaner Meister des Marketing sind (Stichwort: experience of a lifetime). Das hiesige Publikum reagiert gelegentlich -' auf diese Weise angelockt '- fassungslos, wenn das Angepriesene tatsächlich näher in Augenschein genommen wird. Zum anderen aber ist auch den deutschen Feuilletons das Phänomen eines irrationalen kollektiven Rauschs nicht fremd.

In diesem Fall kann ich allerdings eindeutig Entwarnung geben. Diesen Herbst habe ich mir nämlich selbst die Freude bereitet, vier hierzulande angekündigte englischsprachige Neuerscheinungen vor ihrem Erscheinen im Original zu lesen: Mantel, Wölfe; Mc Ewan, Solar und Rachman, Die Unperfekten. Sämtliche Werke überzeugen auf hohem Niveau. Und dennoch: Im Vergleich kann ich sagen, dass das vorliegende Werk in einer eigenen Liga spielt. Dies will ich gerne näher begründen, ohne zu viel von der Handlung preiszugeben.

Zunächst überrascht das Buch den Leser durch seine ausgesuchte Schlichtheit. Es kommt gerade nicht im Gewand des 'Jahrhundertromans' daher, als das es auf dieser Seite schon wieder zum eigenen Schaden angepriesen wird, sondern als eine eher einfache und ehrlich erzählte Geschichte, die von vier Haupthelden erlebt wird und die mehr oder weniger aus deren Sicht geschildert wird. Der wesentliche Handlungsstrang wird auf den ersten rund dreißig Seiten bereits aus Sicht neidischer Nachbarn skizziert und dann ' ein wenig im Stil von Rashomon ' aus der Perspektive der Akteure neu beleuchtet. Die Erzählweise ist dabei bewusst schlicht und versucht nicht durch Manierismen literarische Bedeutung vorzugaukeln. Trotz dieses äußeren Rahmens ist das Werk über die ganze Strecke hinweg ungemein fesselnd und lässt den Leser praktisch nie gelangweilt zurück: Denn es lebt aus den sympathischen und zugleich widersprüchlichen Charakteren. Alle haben sie eine schwierige Jugend in einem lieblosen Elternhaus hinter sich und sind deswegen eigentlich gar nicht frei, sondern wiederholen die alten Verhaltensmuster nur stets in neuem Gewand, ertappen sich dabei und leiden an sich selbst. Ärgerlich erscheinen deshalb beispielsweise Rezensionen (wie letztens in einem bekannten Wochenmagazin), in denen die wohlfeile Interpretation des amerikanischen Verlegers über den Titel aufgegriffen wird: Alle Beteiligten litten an zu viel Freiheit; an einer Stelle äußert sich die Protagonisten Patty tatsächlich auch in dieser Weise; aber gerade sie scheint mir die Unfreieste von allen. Freiheit von den Dämonen der Vergangenheit zu erlangen, stellt vielmehr das große Ziel aller Beteiligten dar, und es spiegelt gerade insoweit vielleicht die Zeitumstände Amerikas unter der Bush-Regierung, um die es hier auch geht. Das Buch ist dabei an keiner Stelle ein Pamphlet für ur-amerikanische Werte oder auch nur bitterernst, sondern es bleibt sich treu und erzählt, in klarer Linearität und schlichter Sprache die Geschichte der vier Menschen. Dabei lebt es auch von zahlreichen satirischen Elementen: Wenn etwa der Sänger Richard Katz den iPod auf die Schippe nimmt und zeigt, auf welche Weise das dahinter stehende Unternehmen die Welt zu einem besseren Ort machen will, ist der Leser voll auf seiner Seite. Obwohl zumindest er und Patty unter stark depressiven Zügen leiden, wirkt das Buch eigentümlich leicht und ' noch einmal ' spannend, weil es mit großem Einfühlungsvermögen geschrieben ist. Ich jedenfalls wollte ständig wissen, wie es mit den Protagonisten weitergeht.

Sie merken schon: Ich gebe von der Geschichte hier nichts preis. Eigentlich gibt es in der Handlung nur wenige wirklich überraschende Wendungen, und es wäre schlicht unverantwortlich, diese dem künftigen Leser an dieser Stelle mitzuteilen. Deshalb nur so viel: Wie die Korrekturen ist auch dieses Werk äußerlich eher handlungsarm. Es bedeutet für den Leser aber dennoch eine fesselnde Lektüre, weil die Protagonisten ihn von der ersten Seite an gefangen nehmen.
Deshalb: Lassen Sie sich von den gängigen Bezeichnungen als 'Jahrhundertroman' usw. nicht abschrecken. Hier handelt es sich um eine ehrliche, gut erzählte Geschichte, die ihre Geheimnisse nicht so leicht preisgibt, wie dies die eine oder andere Rezension glauben machen will. Ich kann das Werk uneingeschränkt empfehlen.
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6 von 7 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
5.0 von 5 Sternen Kein Superlativ wird "Freiheit" gerecht..., 30. März 2011
Rezension bezieht sich auf: Freiheit (Audio CD)
Dies wird die 77. Rezension zu "Freiheit" sein. Deshalb werde ich mich nicht lange mit dem Inhalt der Geschichte dieses Buches aufhalten, sondern will mich lediglich mit fünf fetten Sternen bedanken und verneige mich vor Jonathan Franzens sprachlichem Geschick, seinem unterschwelligen Humor und dem Scharfsinn seiner Worte. Ein weiteres, kluges Meisterwerk dieses Ausnahmeautors. Auch bei diesem Franzen-Roman fällt die exzellente, liebevolle Übersetzung auf, die ich mir durchaus schwierig vorstelle.

Und was Ulrich Matthes aus "Freiheit" macht, so wie er nämlich dieses komplexe Epos vorliest, ist einfach fantastisch. So manche Zeile, die man selbst (vielleicht) leichtfertig "überliest", erhält mit seiner Stimme und Betonung erst die gebührende Aufmerksamkeit. Für diese hervorragende Vorlese-Leistung wäre mindestens ein sechstes Sternchen berechtigt!
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2 von 2 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
5.0 von 5 Sternen J. Franzen - Eine geniale Entdeckung!, 1. August 2012
Verifizierter Kauf(Was ist das?)
Rezension bezieht sich auf: Freiheit (Kindle Edition)
Es ist wirklich faszinierend, wie Jonathan Franzen es schafft, wie man ganz in diese Familiengeschichte hineingezogen wird. Es ist niemals so, dass er seine Protagonisten bloßstellen will, obwohl sie wirklich schonungslos mit all ihren Irrungen und Wirrungen geschildert werden - er schaut mit viel Mitgefühl und Weisheit auf sie - er sieht die Verwobenheit der Figuren untereinander und mit der Welt (auch der politisch-gesellschaftlichen), in der sie leben. Das ist das Wunderbare, dass man mit den Figuren mitleidet und sie verstehen kann - in all ihrer Komplexität und Widersprüchlichkeit.
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2 von 2 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
5.0 von 5 Sternen Verwirrung der Gefühle, 3. Juni 2012
Von 
Esther (Graz) - Alle meine Rezensionen ansehen
(TOP 1000 REZENSENT)   
Rezension bezieht sich auf: Freiheit (Taschenbuch)
Scheinbar schleichend, doch eigentlich von einem Tag auf den anderen, verliert sich die perfekte Welt der Berglunds, zerbricht das ganz gewöhnliche, familiäre Glück, verpufft der fantastische Schein in der realen Welt, die einen ganz neuen Sog entwickelt.

Jonathan Franzen hat sich an eine ganz normale, typische, vierköpfige Familien aus Minnesota gewagt, lässt uns Leser in ihr langweiliges, wenig abwechslungsreiches Dasein eintauchen, um dann mit einem Krachen schlicht die Karten neu zu mischen! Alle Chance offen.

Patty, Basketballtalent der High-School, von ihrer New Yorker Familie nicht wahrgenommen, verschwindet aufs College nach Minnesota, wo sie dem verwegenen Musiker Richard Katz verfällt. Doch dieses ungelebte Abenteuer tanzt ihr vor der Nase bis weit in die Vierziger. Schließlich hat sie sich für Richards Zimmerkollegen Walter Berglund entschieden und diesen geheiratet. Walter, der Weltverbesserer und Patty, die perfekte Ehefrau und Mutter. Doch plötzlich siedelt ihr Sohn Joey zu den minder intellektuellen Nachbarn, die Tochter Jessica entschließt sich zur Uni zu gehen und plötzlich sind Walter und Patty allein.

Der Roman birgt nicht viel mehr als das ganz gewöhnliche Leben in Beziehungswelten - zwischen (Ehe)Partnern, Eltern und Kindern, Freunden und Affären. Und obwohl das nicht aufregend ist, ist die Geschichte sensationell gut erzählt!!! Wartet mit ganz eigenartigen, wahrhaft komischen Anekdoten auf und verschont nicht vom tottraurigen, viel zu raschen Zu-Ende-gehen, befasst sich mit der ganz großen Liebe, der zu sich selbst und der Liebe zu anderen, mit Selbstbetrug und jenem am Gegenüber, mit der Verwirrung der Gefühle oder schlicht der Midlifecrisis. Und das beste von allem: Ich Leser stecken ganz tief mitten drin - keine Chance da raus zu kommen, bevor das Haus am See verschlossen wird.

Großartig!!!
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Freiheit von Jonathan Franzen (Gebundene Ausgabe - 8. September 2010)
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