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5.0 von 5 Sternen Der Staat das soziale Unwesen Daniela Dahn: "Zukunft ist zu Ende gebrachte Geschichte"
Noch ist die dringend notwendige Bewegung zur Änderung der Verhältnisse nicht auszumachen, da denkt Daniela Dahn gründlich darüber nach wie denn die Herrschaftsverhältnisse der neuen Gesellschaft aussehen könnten. Das ist so bei Revolutionären: Sie denken vor. Und dass die Autorin schon einmal an einer Revolution beteiligt war, jener,...
Veröffentlicht am 11. März 2013 von Ulrich Gellermann/Rationalgalerie

versus
5 von 9 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
2.0 von 5 Sternen Illusion ohne politökonomische Grundlagen
Das Buch ist an Naivität kaum zu überbieten.
Der Slogan „Wir sind das Volk“ ist völlig richtig und das das Volk endlich die Macht in seine Hände nehmen muss, um nicht völlig in die Knechtschaft der Politmarionetten zu wandern, ist auch korrekt.
Seite 20
„Immer neigen die Funktionäre und Diener des...
Vor 14 Monaten von Karinnina veröffentlicht


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6 von 6 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
5.0 von 5 Sternen Der Staat das soziale Unwesen Daniela Dahn: "Zukunft ist zu Ende gebrachte Geschichte", 11. März 2013
Rezension bezieht sich auf: Wir sind der Staat!: Warum Volk sein nicht genügt (Gebundene Ausgabe)
Noch ist die dringend notwendige Bewegung zur Änderung der Verhältnisse nicht auszumachen, da denkt Daniela Dahn gründlich darüber nach wie denn die Herrschaftsverhältnisse der neuen Gesellschaft aussehen könnten. Das ist so bei Revolutionären: Sie denken vor. Und dass die Autorin schon einmal an einer Revolution beteiligt war, jener, die mit der Losung "Wir sind das Volk" hoch gesprungen war und dann mit der Bitte um "Ein Volk" kläglich landete, schärft das Denkvermögen. Und an diesem Vermögen lässt uns Frau Dahn mit ihrem neuen Buch WIR SIND DER STAAT großzügig teilhaben.

Vielleicht weil sich das DDR-Volk mit seiner kühnen Behauptung es sei "das" Volk, antagonistisch gegen eine Parteiführung gewandt hatte - die zwar allüberall das Etikett "Volk" auf ihre Liegenschaften klebte, aber das Volk eher selten fragte was denn zu tun sei und den Antworten dann kaum zuhörte - am neuen Staat gescheitert war, wendet sich die Autorin auf dem Weg zu neuen Formen der Herrschaft eben diesem Staat zu. Und es gelingt ihr schon zu Beginn, mit Hilfe des US-Milliardärs Warren Buffet, die richtige Flagge für die vor uns liegenden Auseinandersetzungen um den Staat zu finden: "Es herrscht Klassenkampf", hatte Buffet in der New York Times gesagt, "aber es ist meine Klasse, die Klasse der Reichen, die Krieg führt, und wir gewinnen."

Und sieht man sich die aktuellen Vermögens- also Machtverhältnisse an, dann haben die Buffets schon gewonnen: "Die absolute Mehrheit der Menschen", schreibt Daniela Dahn, besitzt nur ein Prozent aller Vermögenswerte. Vor zehn Jahren, vor der Krise also, besaß sie wenigsten noch fast fünf Prozent." Und Dahn vergisst nicht, den Kollateralschaden des Kriegs der Milliardäre gegen das Volk zu erwähnen: Alle fünf Sekunden stirbt auf der Welt ein Kind an Hunger. Auch deshalb kann sich die Autorin die Verhältnisse nicht mit Gleichmut und Duldung ansehen.

Auf dem Weg zur Herrschaft über das Volk, der natürlich nicht erst jüngst begonnen hat, haben sich die Reichen den Staat gekapert. Er ist, so weist die Autorin mit einem wichtigen Exkurs in Geschichte und Staatsrecht nach, längst in den Händen der Wenigen, auch wenn den Vielen mit ständigem Wahltheater vorgespielt wird, sie seien an der Findungen von Entscheidungen irgendwie beteiligt. Hatte es eine Volksabstimmung über das bundesrepublikanische Grundgesetz gegeben? Gab es eine Abstimmung über die deutsche Vereinigung? Wurde und wird zu den Grundlagen der Europäischen Union jemals das Volk befragt? Selbst wenn es, wie in Holland und Frankreich, mal befragt wurde, hat man seine Meinung gründlich ignoriert. Wer sich an die Empörung der diversen europäischen Regierenden über eine Beinahe-Volksabstimmung der Griechen zum EU-Banken-Rettungspaket erinnert, der weiß, was die Staatsspitzen von der Volksmeinung halten: Nichts.

Weil der Besitz am Staatsapparat - getarnt durch die vorgebliche Gewalten-Teilung und die alle paar Jahre veranstalteten Placebo-Wahlen - ein wesentliches Instrument der Macht ist, schaut sich Daniela Dahn die Staatsfunktionen an, um zu beweisen, dass die wichtigste Aufgabe des Staates die Sicherung des Eigentums ist. Natürlich darf, schreibt sie, "Der Gürtel der Habenichtse unbegrenzt enger geschnallt werden." Offenkundig sind die Vielen nicht "too big to fail", die darf man ruhig scheitern lassen: Ihre Löhne und Sozialleistungen genießen keinen Bestandsschutz. Das ist bei den Wenigen, die Banken entsprechender Größe besitzen, natürlich anders. Dort springt der Staat, der das Steuer-Geld der Vielen angeblich treuhänderisch verwaltet, gerne ein, um das Eigentum zu schützen.

Auf dem Marsch zu den neuen Institutionen der Herrschaft, findet die Autorin eine Fülle schönster Zitate und Fakten. Da ist Gustav Heinemann, der schon 1950 wusste, dass die dominierende Weltanschauung im "viel verdienen" besteht. Auch entdeckt sie eine Entscheidung des Bundesgerichtshofes, der die kleine Lücke im Grundgesetz - die Enteignung zum Wohle der Allgemeinheit zulässt - schnell mit der Beschwörung der "rechtlich streng gesicherten Sphäre des Eigentums" schließt. Und wenn sie eine FORSA-Umfrage zitiert, nach der 84 Prozent der Deutschen gegen Privatisierungen sind, dann merkt sie auch die Wirklichkeit an: "Von 1991 bis 2007 hat der Staat der Deutschen zwei Drittel seiner großen Beteiligungen verscherbelt: Post, Telekom, Lufthansa und vieles mehr." Das sollte, so wissen wir, modernisieren, den Staat schlanker machen und die Staatsschulden abbauen. Die erfreulich penible Daniela Dahn erkennt statt dessen den Anstieg der Staatsschulden auf über zwei Billionen Euro. Der Staat, der angeblich zwischen Kapital und Arbeit, zwischen Besitzenden und Besitzlosen steht und vermittelt, ist zur Umverteilungsmaschine von Unten nach Oben verkommen, ist zu einem sozialen Unwesen geworden.

So spannend die im Buch beschriebene Aufdeckung der Personalverflechtung zwischen Goldman-Sachs, der mächtigsten Bank der Welt und den diversen Staaten auch ist, so bitter ist sie zugleich: Der Chef der Europäischen Zentralbank war Vizepräsident bei Goldman-Sachs, der ehemalige Chef der Welthandelsorganisation (WTO) ging den umgekehrten Weg und steht heute Goldman-Sachs-International vor. Da kann es nicht ausbleiben, dass der Chef von Goldman-Sachs Deutschland der finanzpolitische Berater von Angela Merkel ist. Doch der vorläufige Höhepunkt der Symbiose von Bank und Staat findet sich mit Robert Rubin, der fast dreissig Jahre in leitender Postion bei Goldman-Sachs gearbeitet hat: Er war Finanzminister bei Bill Clinton, um dann wieder als Berater mit einem Salär von 126 Millionen Dollar zur Bank zurück zu wechseln und berät heute Barack Obama in finanzpolitischen Fragen. Natürlich ist Goldman-Sachs kein Einzelfall. Überall sitzen die freundlichen Helfer der Politik aus der Wirtschaft, schreiben Gesetze, entwickeln Steuerparameter und buchen so gern vom Staatskonto auf das Privatkonto. Sie sind der Staat.

Für einen kurzen Moment hatten die Revolutionäre in Ost-Europa die Macht in den Händen: "Beliebtestes Möbel in Polen, CSSR, Ungarn, Bulgarien und der DDR wurden die Runden Tische", ist im Buch zu lesen. Und weil diese höchst demokratische Machtausübung - in der DDR gab es diese Tische von der kleinsten Gemeinde bis zum zentralen Tisch in Berlin - ein Modell für morgen sein könnte, sucht und findet Daniela Dahn bei Hannah Arendt, in deren Buch "Über die Revolutionen", einen Hinweis: Das Rätesystem, so Arendt, sei "die künftige Staatsform". Mit diesem Rat ausgestattet, sucht die Autorin die versunkene Bayerische Räterepublik auf, stattet Lenin ein Besuch ab und will auch den Rat der Kronstädter Matrosen nicht ausschlagen. Und auf den möglichen Einwand, das sei doch alles längst vergangen, erwidert sie den denkwürdigen Satz: "Zukunft ist zu Ende gebrachte Geschichte." Dem darf ich mich mit einer Bitte an die Leser anschließen: Kaufen Sie das Buch, lesen Sie es, reden Sie darüber, geben Sie es weiter! Sie können so ihren Enkeln später sagen, dass Sie einen vernünftigen Beitrag zur Revolution geleistet haben. Wann immer sie auch kommen mag. Für die Zeit vor der Revolution liefert Daniela Dahn ein sprachliches und intellektuelles Lesevergnügen, das neben der radikalen Analyse der jetzigen Gesellschaft einen wunderbaren Plan für deren Perspektive liefert.
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24 von 27 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
5.0 von 5 Sternen "Wir sind der Staat" - das neueste Buch von Daniela Dahn, 10. April 2013
Rezension bezieht sich auf: Wir sind der Staat!: Warum Volk sein nicht genügt (Gebundene Ausgabe)
Die Mauer muß weg...

Buchtipp von Harry Popow

Die Mauer muß fallen. Eine Mauer, die seit der Antike für das größte marktbeherrschende Eigentumsrecht, das Privateigentum an Produktionsmitteln, vor dem Zugriff des Volkes zu schützen hat. Es ist eine Mauer um das Big Business, wie man in den USA sagt. Ein Schutzwall, der im Laufe der Jahrhunderte immer wieder durch Volksrevolutionen unter Beschuss geriet und sich doch noch hält, durchlöchert zwar, aber immerhin. Angeblich unzerstörbar...

Die neueste Kanonade gegen diese Mauer um das Reich der Kapitalmächtigen und der Politiker herum hat keine geringere losgelassen als Daniela Dahn, die Autorin von Wehe dem Sieger", zu DDR-Zeiten u.a. Gründungsmitglied des Demokratischen Aufbruchs". Ihre neueste Denkschrift: Wir sind der Staat". Die Autorin stellt darin die morsch gewordenen Grundstützen des bürgerlichen Staates in Frage." Es gehe allerdings nicht um eine Schwächung des Staates, sondern um seine stärkere demokratische Legitimierung". (S. 107)

Mit scharfer Zunge geißelt sie den Kapitalismus mit einer erstaunlich analytischen Tiefgründigkeit. Ihr zentraler Gesichtspunkt: Das seit dem Römischen Reich zum Heiligtum erhobene Privateigentum an Dingen des Gemeinwohls. Es beherrsche jahrhundertelang die Völker und lasse eine demokratische Mitbestimmung in grundsätzlichen Fragen nicht zu.

Auf 176 Seiten spannt sie den Bogen von der Antike, dem Römischen Recht, bis in die Gegenwart und in die Zukunft. Zum geistigen Genuss der deutschen Aktivbürger, die laut Forsa zu 84 Prozent gegen Privatisierungen sind. (S. 67). Bürger, die gegen Fluglärm, gegen Atomlager, gegen Stuttgart 21, gegen Drohnen, gegen Bundeswehreinsätze im Ausland, gegen Arbeitslosigkeit, gegen die Verdummung durch die Medien zunehmend energisch ihre Stimme erheben.

Und zum Verdruss derjenigen, die die unveränderlichen Prinzipien der im Grundgesetz festgeschriebenen freiheitlich demokratischen Grundordnung, das Recht der Persönlichkeit auf Leben und freie Entfaltung, auf Volkssouveränität, auf Gewaltenteilung (S.133) und den Artikel 20 des Grundgesetzes Alle Staatsgewalt geht vom Volke aus" glatt unter den Tisch gefegt haben.

Daniela Dahn stellt fest: Volkssouveränität und Gewaltenteilung existiere so gut wie nicht. Die Verantwortlichkeiten der Regierung seien längst auf die Wirtschaft übergegangen, die Unabhängigkeit der Justiz sei eingeschränkt und durch die Praxis der Parteienspenden und der ungleichen Zuwendung der Großmedien gäbe es keine Chancengleichheit. (S. 133)

Bleiben wir zunächst bei diesem Zustandsbericht, wie die Autorin den ersten Teil ihres Buches bezeichnet. Scharf kritisiert sie, dass zum Beispiel bundesweite Volksentscheide nicht vorgesehen sind, dass die wechselnden Eliten im Parteienkarussel um dieselbe Macht ringen und gar nicht gewillt sind, des Volkes Meinung zu hören. Es reiche doch, wenn die Wähler ihre Stimme abgeben und sich nicht einmischen, wenn es um die im Verborgenen herrschende Macht des Kapitals gehe. (S. 9) Die Beschränkung auf alle vier Jahre stattfindende Wahlen würde von vielen nicht mehr als zeitgemäße Demokratie akzeptiert. (S. 32) Die Autorin mahnt an, zum Beispiel bei Richtungsentscheidungen wie Krieg und Frieden - das sei der höchste Punkt der Souveränität - das Volk mitentscheiden zu lassen. (S.46)

Sehr interessant sind Ausagen von Autoritäten, die sie in den Zeugenstand ruft: So schrieb einst Aristoteles, das erste Ziel der Oligarchie sei, ihre Besitztümer zu verteidigen. (S.46) Die Griechen bestanden darauf, dass der Staat das Eigentum der Bürger sei. Die machtbewussten Römer pochten auf das egoistische Interesse der Grundeigentümer. Das Recht, seine Sache zu gebrauchen und zu missbrauchen, soweit es die Idee des Rechts zulässt. Und diese Idee bestand gerade in der Heiligung des Eigentums." (S. 47/48) Jean-Jacques Rousseau fragte, wie Menschen sich eines riesigen Landgebietes bemächtigen und es dem ganzen Menschengeschlecht rauben können, wenn nicht durch eine strafwürdige Aneignung..." (S. 51)

Was war nach der Befreiung vom Faschismus 1945 angesagt und vordringlich? Der endgültige Bruch mit dem Römischen Recht! Der Bruch mit den kapitalistischen Eigentumsverhältnissen besonders in Deutschland. Die Chancen waren da. In der damaligen SBZ wurden sie durch die Enteignung der Wirtschaftsmächtigen und Schuldigen am Weltkrieg genutzt. In den westlichen Besatzungszonen verurteilten CDU/CSU und SPD gleichermaßen scharf das versagt habende Žkapitalistische WirtschaftssystemŽ und setzten auf eine Žgemeinschaftliche OrdnungŽ, die dem Recht und der Würde des Menschen entspricht". (S. 52) Welch eine Chance für einen Neuanfang... Doch verpasst. Durch Marhallplan, Währungsunion und eine Wachstum fördernde Gesetzgebung des Wirtschaftsrates unter dem Einfluß der Westallierten..." (S. 54)

Gustav Heinemann klagte in den 50er Jahren nach seinem Austritt aus der CDU: Sieht man denn wirklich nicht, dass die dominierende Weltanschauung (...) aus drei Sätzen besteht: viel verdienen, Soldaten, die das verteidigen, und Kirchen, die beides segnen." Für die sich für das Wirtschaftswunder Abrackernden war das schließlich, so Daniela Dahn, eine Luftnummer letztlich ohne Netz. (S. 57)

Das Defizit im System liege in der Allmacht der Besitzenden, in deren Einfluss auf die Politik im Interesse des weiteren Wachstums. In der unechten Demokratie, in der das Volk in Grundsatzentscheidungen überhaupt nicht einbezogen werde. Demokratie und Freiheit" als Aushängeschild einer untergehenden Gesllschaft, die nach dem Kollaps des Weltsozialismus nunmehr unverblümt einst soziale Fortschritte in Frage stellt. Die repräsentative Demokratie der Bundesrepublik, die im Grunde eine Großparteienherrschaft ist, wehrt nach wie vor alle Ansätze direkter Demokratie und Kontrolle von unten ab." (S. 109)

Der grosse Vorzug dieser Denkschrift von Daniela Dahn besteht nicht nur in ihrem Weitblick zurück, auch nach vorne lenkt sie mit klugen und diskussionswürdigen Überlegungen die Aufmerksamkeit der interessierten und nachdenklichen Leser. (Ab S. 103) Sie bleibt nicht stehen bei der Aufforderung nach Ungehorsam (S.15) und Empörung. So schwerwiegend das Problem der Mitbestimmung auch ist, jeder solle sich nicht nur fragen hier bin ich Mensch, hier kaufe ich ein", sondern auch hier bin ich Mensch, hier greif ich ein". (S. 18)

Aber wie? Subversiv", so bezeichnen die Geheimdienste diejenigen, die in den Augen der Obrigkeit aufgrund der krisenhaften Zerrüttung der Politik und der Wirtschaft eine friedliche Systemänderung anmahnen und mit Wort und Tat dafür einstehen. Wie dem Heiligtum Privat" und der Phrase von Freiheit und Demokratie" - vermittelt durch die in den Seilschaften der Oberen hängenden und von ihnen bezahlten bürgerlichen Medien - kurz- und langfristig beikommen, denn es ist keine Zeit zu verlieren?

Ein weiterer Bruch mit dem Römischen Recht sei dringend nötig, so die Publizistin. Sie wäre nicht die kluge und scharfsinnige Autorin, wenn sie nicht gleichzeitig Wege aufzeichnen würde, wie aus dieser Diktatur des Heiligtums herauszufinden sei. Im Gegensatz zu manchen Männern der Politik und der Medien appelliert sie nicht schlechthin an die Vernunft, schon gar nicht an Gott. Sie fordert dringlich dazu auf, die demokratischen Rechte des Volkes als dem eigentlichen Souverän endlich wahrzunehmen.

Wie soll das gehen? Sich einbringen. Sich rühren. Sich überwinden, um dem Kapital als Ganzem Paroli zu bieten. Der Einzelne - das steht fest - kann da wenig tun. Erst in der Gemeinschaft, im Zusammenhalt und der Solidarität von Hunderttausenden entstünde jene Kraft, die Veränderungen im System erzingen könnte. Was und wie muß etwas getan werden? Aufklären, teilnehmen, aufwachen. Lethargie, uneffektives Verhalten, Gleichgültigkeit - wie ist dieser Politverdrossenheit beizukommen?

Fertige Rezepte gibt es nicht, aber sie plädiert wiederholt für die Verwandlung von Wutbürgern" in Aktivbürger. Und diese wiederum müssten ein ureigenstes Interesse haben, so viele Mitstreiter wie möglich zu gewinnen". (S. 139) Sie erinnert an die zur Wende installierten Runden Tische" in der DDR, an zielgerichtete Aktionen, um Teilnahme an Bürgerversammlungen auf allen Ebenen, an die Installation von Räten und verweist dabei auf die Geschichte. Sie widerlegt das Argument, den Leuten fehle die Sachkunde. Dann könne die praktische Befähigung auf dem Nachweis eines Zivildienstes, eines Praktikums, einer ehrenamtlichen oder öffentlichen Tätigkeit in sozialen und pflegerischen Einrichtungen," (...) in Vereinen usw. beruhen.

Sie schreibt ganz volkstümlich von einer Fahrerlaubnis für Demokratie, von einem Demokratie-Diplom", das man erlangen könne und schlägt in diesem Zusammenhang auch materielle Anreize vor. (S. 141) Wolle man aus der Zuschauerdemokratie heraustreten und die Teilnehmerdemokratie anstreben, meint die Autorin, dann ist eine Qualifikation nötig. Es gehe um eine beratende Parallelstruktur von Räten mit Befassungs- und Vetorecht dem Parlament gegenüber. (S. 140) Ohne Umschweife schreibt die Autorin auf Seite 170: Die Räterepublik als Alternative wird die Parteien auf den zweit- oder drittrangigsten Platz verweisen, der ihnen gebührt." (S. 170)

Nur Quasseln ist kein Mitregieren. Dagegen sind Aktivbürger Vorreiter, sind Pioniere des klaren Denkens und Handelns, sind Menschen, die den Glauben an eine menschlichere Zukunft nicht verloren haben, die Veränderungen nicht nur herbeiwünschen, wie es nahzu 80% der BRD-Bürger im Grunde ihres Herzens anstreben, sondern dafür aktiv einstehen. Wir sind der Staat - das ist Anspruch und Bedingung für Akzeptanz." (S. 174)

Der Vordenkerin Daniela Dahn sei gedankt für ihren Mut, für ihre aufklärerische Kraft, geistigen Widerstand zu leisten, für ihre klare Sprache, für ihre tiefe Menschlichkeit. Ja, es bleibt dabei, Unruhe stiften, subversiv" sein mit friedlichen Mitteln ist eine Ehre. Die alte Mauer zwischen Oben und Unten, zwischen Arm und Reich, zwischen Kapital und Arbeit muss weg! Wer winkt da ab? Lassen wir noch einmal Jean-Jacques Rousseau zu Wort kommen: Ich besitze nicht die Kunst, für jemand klar zu sein, der nicht aufmerksam sein will." (S. 21)

Daniela Dahn: Wir sind der Staat. Warum Volk sein nicht genügt", gebundene Ausgabe: 176 Seiten, Verlag: Rowohlt (12. März 2013), Sprache: Deutsch, ISBN-10: 3498013335, ISBN-13: 978-3498013332, Größe und/oder Gewicht: 21 x 13,2 x 1,8 cm, Preis: 16,95 Euro

Daniela Dahn, geboren 1949 in Berlin, Journalistikstudium in Leipzig, danach Fernsehjournalistin. Seit 1981 arbeitet sie als freie Autorin; Mitglied des P.E.N seit 1991, Gründungsmitglied des «Demokratischen Aufbruchs». Sie ist Trägerin des Kurt-Tucholsky-Preises für literarische Publizistik, der Luise-Schroeder-Medaille der Stadt Berlin und des Ludwig-Börne-Preises. Bei Rowohlt erschienen bislang neun Essay- und Sachbücher.

Erstveröffentlichung der Rezension in der Neuen Rheinischen Zeitung

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1 von 1 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
5.0 von 5 Sternen Mehr solche Bücher!!!, 9. Oktober 2013
Rezension bezieht sich auf: Wir sind der Staat!: Warum Volk sein nicht genügt (Gebundene Ausgabe)
Die Autorin hat hiermit ein wichtiges Buch geschrieben und wie es bei solchen kritischen Büchern ist, darf man davon ausgehen, dass es in den stromlinienförmigen Medien kaum oder ablehnend besprochen wird. Dahn gibt wichtige Anstöße, woran unser System krankt und dass aus den Wutbürgern aktive Bürger im Sinne von Kants Ausgang aus der selbstverschuldeten Unmündigkeit werden müssen. Das Buch kommt zur rechten Zeit, denn man konnte einige Thesen am aktuellen Bundestagswahlkampf überprüfen (und an den folgenden Koalitionsverhandlungen); so etwa das Fehlen einer neutralen, kritischen Presse (von ein paar kleinen Blättern abgesehen). Stattdessen wurden und werden alle krtischen "Abweichler" der Merkelschen Linie medial sturmreif geschossen. Es kann nicht sein, was nicht sein darf. Man kann nur hoffen, dass insbesondere im Süden der Republik Lesungen der Autorin stattfinden, damit dieses schläfrige Volk von Micheln einmal aufwacht und sein Schicksal in die Hand nimmt. Originell in dem Buch ist der Rätegedanke. Tatsächlich benötig unser Parlament im derzeitigen Schlafodus durchaus "Räte", die von außen immer wieder die Positionen des Volks in Erinnerung rufen und so den Kessel ständig am Dampfen halten. Nochmal, das Buch ist mit jeder Seite wichtig und erhellend.
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1 von 1 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
5.0 von 5 Sternen Die Autorin will das Beste für das Volk, es muss aber mitmachen, 20. August 2013
Verifizierter Kauf(Was ist das?)
Rezension bezieht sich auf: Wir sind der Staat!: Warum Volk sein nicht genügt (Gebundene Ausgabe)
Viele der von der Autorin aufgeworfenen Fragen beschäftigen mich auch. Leider gibt es kaum Chancen, die erforderlichen Schritte in der Praxis des Staates BRD auch umzusetzen. Zu stark sind die Herrschenden und zu wenige sind für die eigentlich erforderlichen Veränderungen zu gewinnen.
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5.0 von 5 Sternen Daniela Dahn EWir sind der Staat: Warum Volk sein nicht genügt., 11. September 2013
Verifizierter Kauf(Was ist das?)
Rezension bezieht sich auf: Wir sind der Staat!: Warum Volk sein nicht genügt (Gebundene Ausgabe)
Vielen Dank an Daniela Dahn für diese gründliche und wissenschaftlich ausgewisene Arbeit. Es sollte von vielen Interessierten gelesen werden. Eine sehr beachtenswerte Beleuchtung der Vorgänge, die heute gern als "Wende" bezeichnet wird.
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5 von 7 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
5.0 von 5 Sternen Klärt euch auf - eine Streitschrift für eine Rätedemokratie, 16. Juni 2013
Verifizierter Kauf(Was ist das?)
Rezension bezieht sich auf: Wir sind der Staat!: Warum Volk sein nicht genügt (Gebundene Ausgabe)
Das wäre aus meiner Sicht ein anderer passender Titel für Daniela Dahns Buch. Vorweg dies: man muss es langsam lesen, sehr langsam; Satz für Satz, Abschnitt für Abschnitt, Kapitel für Kapitel. Damit man jeden darin geschriebenen Gedanken sorgfältig herausarbeitet, abwägt und von vielen Seiten betrachtet. Das Buch setzt voraus, dass man sich etwas mit Geschichte, Zeitgeschichte, dem Grundgesetz und dem bürgerlichen Recht befasst und auseinandersetzt. Es enthält viele erhellende und befreiende Gedanken. Daniela Dahn weist Wege aus der von Parteien, Parlamenten und Regierungen verbreiteten und geförderten Entmutigung der Bürger. Damit erweist sie sich als Aufklärerin in der Tradition der klassischen Aufklärung und als unbeirrbare Verfassungspatriotin. Man kann das Buch auch als Fundgrube für Zitate nutzen sowie als Ausgangspunkt für weitere eigene Erkundungen. Somit ist das Buch jeden Cent wert und auch die Zeit, die man zum Lesen und Studieren der Sätze, Abschnitte und Kapitel braucht und sich nehmen muss.
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4.0 von 5 Sternen Wir sind nicht nur das Volk, 4. Juli 2014
Rezension bezieht sich auf: Wir sind der Staat!: Warum Volk sein nicht genügt (Gebundene Ausgabe)
Auch vieles am Buch in seiner abstrakten Verknappung und im direkten Tonfall mehr an eine öffentliche Rede im Stile "Es muss ein Ruch durch Deutschland gehen!" als an ein Sachbuch im engeren Sinne erinnert, ist die Analyse des politischen Jetzt-Zustandes der Bundesrepublik sehr treffend und präzise. Wenn es ein Fazit geben kann, dann, nicht mehr über die Zustände zu klagen, sondern als selbstbewusster Bürger aufzustehen, und selbst Hand anzulegen. Hierzu will uns die Autorin mit diesem Buch ermuntern.
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5.0 von 5 Sternen Staatsbürgerkunde nach neuer Art..., 7. April 2014
Verifizierter Kauf(Was ist das?)
Rezension bezieht sich auf: Wir sind der Staat!: Warum Volk sein nicht genügt (Gebundene Ausgabe)
Die Autorin schildert mit erstaunlicher Klarheit und Anschauungskraft, was wir tun können und müssen, damit wir unsere Demokratie erhalten und unser Staat sich zu einem Gemeinwesen entwickelt, dessen Gesetze das Wohl aller in den Vordergrund stellen, ein Staat, der nicht mehr herrscht, wo er dienen sollte. Wir erhalten hier sehr unbequeme, unvermeidliche Einsichten!
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6 von 9 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
5.0 von 5 Sternen Das Grundbuch ist das Buch der Bücher, 11. April 2013
Verifizierter Kauf(Was ist das?)
Rezension bezieht sich auf: Wir sind der Staat!: Warum Volk sein nicht genügt (Gebundene Ausgabe)
Ohne zu vereinfachen werden komplizierte Sachverhalte zu
Eigentumsfragen und der Rolle des Staates in meisterhafter
Sprache verständlich dargestellt.
Positiv provokativ.
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5 von 8 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
5.0 von 5 Sternen Ein einfach fantastisches Buch zu Unserer vermeintlichen Demokratie!, 2. April 2013
Verifizierter Kauf(Was ist das?)
Rezension bezieht sich auf: Wir sind der Staat!: Warum Volk sein nicht genügt (Gebundene Ausgabe)
Ein einfach fantastisches Buch zu Unserer vermeintlichen Demokratie!
Die sehr ausführliche Rezension unter oder über mir sagt bereits alles zu diesem Buch!
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Wir sind der Staat!: Warum Volk sein nicht genügt
Wir sind der Staat!: Warum Volk sein nicht genügt von Daniela Dahn (Gebundene Ausgabe - 12. März 2013)
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