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44 von 45 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
5.0 von 5 Sternen In Schwarze getroffen
Ich war 1973 als 13-jähriger selbst von den sexuellen Nachstellungen des geschilderten Musiklehrers W.H. betroffen und hoffte auf Hilfe von Schulleiter Gerold Becker (!!!) So kam ich zwar mit Not aus dessen Zugriffssphäre, aber fortan setzte Gerold Becker alles daran, mich von der Odenwaldschule zu mobben - was ihm dann auch gelang. Ich hätte mir nicht...
Veröffentlicht am 29. September 2011 von Quintus59

versus
10 von 22 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
3.0 von 5 Sternen Ganz interessant, aber etwas durcheinander
Das Buch liest sich recht gut, vor allem der Anfang ist interessant, in dem der Autor auf die Erlebnisse in der Odenwaldschule eingeht. Der Großteil des Buches widmet sich dann aber vor allem der ganzen Korrespondenz zwischen Schule, Autor, Verlagen, Institutionen, Verhandlungen usw., teilweise etwas zäh, und es wiederholt sich viel (was wahrscheinlich schon...
Veröffentlicht am 9. Oktober 2011 von Chris


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44 von 45 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
5.0 von 5 Sternen In Schwarze getroffen, 29. September 2011
Rezension bezieht sich auf: Wie laut soll ich denn noch schreien?: Die Odenwaldschule und der sexuelle Missbrauch (Gebundene Ausgabe)
Ich war 1973 als 13-jähriger selbst von den sexuellen Nachstellungen des geschilderten Musiklehrers W.H. betroffen und hoffte auf Hilfe von Schulleiter Gerold Becker (!!!) So kam ich zwar mit Not aus dessen Zugriffssphäre, aber fortan setzte Gerold Becker alles daran, mich von der Odenwaldschule zu mobben - was ihm dann auch gelang. Ich hätte mir nicht vorstellen können, dass es in den späteren Jahren noch schlimmer kommen sollte...
Dehmers schildert mit ehrlicher Wut, aber bei bewundertswert glasklarem Verstand, erst die Auswüchse dieses "reformpädagogischen" Saustalls und dann in minutiöser Genauigkeit, die Mechanismen der Verharmlosung, Verdrängung und Geschichtsklitterung der Folgejahre. Gehörten jene "linken" Pädagogen der Odenwaldschule nicht gerade zu der Generation, die ihren Eltern das zum Vorwurf machten?
"Wie laut soll ich denn noch schreien" verursacht Fassungslosigkeit, Trauer - aber vermittelt ebenso viel Entschlossenheit, jene "Gutmenschen" zu demaskieren zu dem was sie sind: Verbrecher und deren (teilweise unerträglich naiven unfreiwilligen) Helfer.
Mir hat Dehmers Buch sehr gut getan. Die Wahrheit bohrt sich immer durch die Geschichte - selbst wenn es dreißig Jahre dauert. Für alle nicht Betroffenen ist es ein kurzweilig zu lesendes Lehrstück durch alle Facetten des alltäglichen Mißbrauchs von Kindern, Lügen und Verharmlosungen. Damals in der Odenwaldschule, heute sicherlich irgendwo anders. Schreit, ja schreit! Gut geschrien, Dehmers!
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14 von 14 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
5.0 von 5 Sternen Lesenswert! Wichtiges Buch!, 2. November 2011
Rezension bezieht sich auf: Wie laut soll ich denn noch schreien?: Die Odenwaldschule und der sexuelle Missbrauch (Gebundene Ausgabe)
Jürgend Dehmers nimmt den Leser mit auf einen Marathon, aus dem ich als Betroffene leicht erschöpft aber gestärkt hervorgehe. Danke an den Autor dafür. Die Stärkung entsteht dadurch, dass sich zwischen den Zeilen die ungeheure Empörung und Wut vermitteln, die angemessen und notwendig sind, um mit solchen Verbrechensschilderungen überhaupt fertig zu werden.
Ganz anders ging es mir diesbezüglich mit den beiden Fernsehdokumentationen über dasselbe Thema von Christoph Röhl einerseits und Regina Schilling und Luzia Schmid andererseits. Diese beiden Filme ließen mich ohnmächtig zurück, weil ihnen die zugehörige Empörung und Wut fehlen. Das liegt meiner Meinung nach nicht daran, dass die Filmemacher keine unmittelbar Betroffenen sind, sondern dass sie extrem brav sind und nirgends anecken wollen. Denn Empörung über Gewalt an Kindern ist in Tätergesellschaften unerwünscht. Die mangelnde Empörung schützt die Täter, weil die dadurch entstehende Ohnmacht handlungsunfähig macht. In Röhls Film kommt die Empörung nur ein wenig bei Salman Ansari zum Vorschein. Der vermeintlich objektive Ansatz des Filmemachers entlarvt sich als mangelnder Mut. Schade. Schlimmer noch ist es beim Film von Regina Schilling und Luzia Schmid, der einen nicht nur wegen der fehlenden Empörung ohnmächtig zurücklässt, sondern auch sprachlos macht, weil bagatellisierenden Haltungen unkommentiert Raum geboten wird. Auch das ist Täterschutz.
Und gerade deshalb ist 'Wie laut soll ich denn noch schreien?' ein Befreiungsschlag nicht nur für den Autor sondern auch für die Leser_innen. Dehmers spart nicht mit schlimmen Details, er schreibt direkt, flüssig, humorvoll. Der Schmerz über die erlittenen Traumata ist fühlbar, mitempfindbar. Das 'System Becker' wird schonungslos aufgedeckt. Sehr aufschlussreich sind auch die abgedruckten Korrespondenzen im Zuge der Aufklärungsarbeit. Jürgen Dehmers ist konsequent bis ins Letzte, weil er sein Leben retten will. Er ist ein Kämpfer. Er ist kein Opfer mehr. Das vermittelt sich in jeder Zeile. Daher möchte ich das Buch auch anderen Betroffenen ' nicht nur denen der Odenwaldschule ' empfehlen.
Dem Autor wünsche ich, dass es ihm um endlich zur Ruhe zu kommen, gelingt, die im Buch leider zu wenig erwähnte Gewalt im Elternhaus restlos aufzudecken. Die Gewalt, an die Gerold Becker nahtlos anknüpfen konnte. Vielleicht gibt es darüber ja irgendwann ein zweites Buch. Das würde ich gerne lesen.
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27 von 29 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
5.0 von 5 Sternen Danke, Jürgen Dehmers, für dieses Buch, 5. Dezember 2011
Weiterlesen ohne Unterbrechung.
Keine Möglichkeit auszuweichen oder sich zu entziehen.
Kein Wunsch auch danach, das Buch zur Seite zu legen, aufzuhören zu lesen und aufzuhören zu begreifen, was die Täter an der Odenwaldschule ihren Opfern angetan haben und wie verheerend Jahre und Jahrzehnte danach - nunmehr wissend - Verantwortungsträger und Andere damit umgegangen sind und heute noch umgehen.
Jürgen Dehmers Buch ist spannend und lässt die Spannung spüren, die heute noch tief verwurzelt in ihm ist nach all den Jahren des Kampfes.
Jürgen Dehmers ist stark und ausdauernd in diesem Kampf, und er ist es auch darin, dem Leser dies zu vermitteln in einer Sprache, die absolut klar ist, die nicht schont und nicht beschönigt, die manchmal erschreckt, die aber nicht den geringsten Zweifel aufkommen läßt, dass es genau so war, wie er es uns mitteilt. Wie er es nennt: "Non-Fiction. 100 Pro".
Er beklagt sich nicht, er klagt nicht ausdrücklich an. Jürgen Dehmers schreibt und schreibt und schreibt. Und er beschreibt - im Prolog bezeichnet er das so: "Was bisher geschah. Und vor allem, was ich darüber denke". Präzise, minutiös, analytisch und immer wieder glasklar. Keinen Raum für Ausflüchte und Umwege lassend. Weder für sich selbst noch für den Leser.
Wir lernen ihn kennen, den kleinen Jungen mit den Stofftieren im Arm, der dem Regentrommeln auf dem Dach zuhört und sich dabei wohl fühlt, den Fußball spielenden fröhlichen Schüler mit seinen Jungenfreundschaften und ersten zarten Mädchenschwärmereien. Alles so normal. So beruhigend normal. Und dann drei Jahre lang sexueller Missbrach durch den damaligen Schulleiter der Odenwaldschule Gerold Becker mit all dem Ekel und all den Ohnmachts- und Hilflosigkeitsgefühlen. Glasklar, minutiös, zerstört und zerstörerisch. Und dabei und danach jahrelange schwerste Abhängigkeit von Alkohol, um zu vergessen und weiterleben zu können. Auch das irgendwann wirkungslos gegen die Erinnerung. Es folgt ein auch jahrelanger Kampf gegen die Alkoholabhängigkeit, den sicher nur jemand wie Jürgen Dehmers mit seiner Kraft und seiner Spannung gewinnen konnte, durch harten Ausdauersport, durch Überwindung des Körpers beim Triathlon. Auch diesen Abschnitt seiner Lebensgeschichte läßt er den Leser miterleben und miterleiden.
Besonders beeindruckend und aufschlussreich auch die Schilderung eines weiteren Kampfes des Jürgen Dehmers,und auch dieser dauerte wieder Jahre und ist auch heute noch nicht zu Ende: der Kampf um die Aufklärung, um die Anerkennung der Lebenswirklichkeit so vieler von Lehrern sexuell missbrauchter Schüler der Odenwaldschule, um die Übernahme der Verantwortung durch die heute für die Institution Verantwortlichen. Auch dies minutiös aufgezeichnet und auch, wie verzweifelt vergeblich dieser Kampf am Anfang war und heute noch ist.
Dass er diesen Kampf nicht immer alleine führen musste und wie viel ihm dies bedeutet hat, erzählt uns Jürgen Dehmers auch. Es ist eine Geschichte von Freundschaft, Liebe, Verlässlichkeit und Vertrauen, die Geschichte von Kathrin Heres und Thorsten - seinem Freund aus frühen Schultagen -, die immer wieder an seiner Seite standen, die ihn begleitet, immer wieder ermutigt und gestützt haben, mit denen er das Entsetzen und auch sein Lachen teilen konnte und schließlich auch die Freude an seiner Genesung. Das Buch ist auch ein Dank an diese beiden Freunde.

Wenn es für den nicht selbst betroffenen Leser überhaupt eine Möglichkeit gibt, die vernichtende und zerstörerische Kraft des sexuellen Missbrachs nachzuempfinden und nachzufühlen, dann hat Jürgen Dehmers mit seinem Buch den Weg dahin geöffnet. Als eine der beiden seit März 2010 mit der Aufarbeitung der Missbrauchsfälle an der Odenwaldschule befassten unabhängigen Aufklärerinnen und Mitautorin des - vorläufigen - Abschlußberichtes war ich und bin es noch heute intensiv mit der Thematik beschäftigt. Von Jürgen Dehmers und durch sein Buch habe ich ungemein viel dazu gelernt.

Jeder, der verschwiegen und vetuscht hat,
jeder, der meint, man könne die jahrelange Lebenswirklichkeit zerstörter Kinderseelen heute noch leugnen,
jeder, der Kinder schützen will,
jeder, der sexuellen Missbrauch in Institutionen zukünftig verhindern will,
jeder, der wissen will, "was bisher geschah" und was heute noch geschieht,
sollte diese Buch lesen.

Danke, Jürgen Dehmers, für diesen wichtigen Beitrag zum Verstehen und zum Verhindern.
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24 von 26 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
5.0 von 5 Sternen SEHEN * HÖREN * FRAGEN * HANDELN, 16. September 2011
Verifizierter Kauf(Was ist das?)
Rezension bezieht sich auf: Wie laut soll ich denn noch schreien?: Die Odenwaldschule und der sexuelle Missbrauch (Gebundene Ausgabe)
Ein Buch, das einen nicht nur packt, das nicht nur zum nachdenken anregt sondern ein Buch das verstört.

Es sollte jeden verstören, der mit Kindern zu tun hat. Eltern, Lehrer, Onkel, Tanten, Nachbarn, Kindergärtner. Leider ist das was J.D. als wahrhaftigen Erlebnisbericht der Odenwaldschule berichtet, trauriger Alltag und Realität - nicht nur an der Odenwaldschule. Was außergewöhnlich ist, ist der Mut, die Kraft und das Durchhaltevermögen Dehmers und seiner Mitstreiter.

Wie er auch mehrfach betont: es gibt eine Vielzahl an Opfern, die es nicht geschafft haben, die an ihrem Schicksal zugrunde gegangen sind, die nicht mehr leben oder am Rande der Gesellschaft vegetieren.
Nicht umsonst heißt es, dass ein Kind sieben Erwachsenen von einem Missbrauch erzählen muss, bevor der Achte ihm glaubt.
Im Fall Dehmers oder Odenwaldschule allgemein waren es noch weit mehr Erwachsene die nicht geglaubt haben und nicht sehen wollten - teilweise bis heute.

In meinen Augen verdient dieses Buch das Prädikat "besonders wertvoll" und sollte jedem, der mit Kindern arbeitet oder künftig arbeiten will eine Pflichtlektüre sein.
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11 von 12 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
5.0 von 5 Sternen Ein Buch, das man lesen sollte!!!, 7. Oktober 2011
Rezension bezieht sich auf: Wie laut soll ich denn noch schreien?: Die Odenwaldschule und der sexuelle Missbrauch (Gebundene Ausgabe)
Das Buch von Jürgen Dehmers ist aus meiner Sicht sowohl für Betroffene als auch für "Professionelle" unbedingt lesenswert! Jürgen Dehmers versteht es, zum einen die Dinge, die passiert sind, sehr deutlich zu benennen, verliert sich darin jedoch nicht, sondern begibt sich auch immer wieder auf die Metaebene, von der aus er reflektieren kann. Er ist dadurch gleichzeitig in der Lage, die gesamte Psychodynamik der "Odenwaldgeschichte" darzustellen, so daß dem Leser ein wahrer Einblick in diese Szenerie gegeben wird, was den Eindruck von fast etwas Sektenhaftem vermittelt. Hier jedoch hat diese "Sekte" es geschafft, die gesamte Pädagogik und auch Menschen aus Politik und Wirtschaft zu hintergehen und damit zu benutzen, letztlich auch zu missbrauchen.
Es ist meiner Ansicht nach auch sehr mutig, Namen zu nennen, was für mich noch einmal die Persönlichkeit des Autors in einem besonderen Licht erscheinen läßt. Dieser Mann hat seit 1999 gekämpft und hat nicht aufgegeben. Jetzt - endlich - hat die Öffentlichkeit reagiert! Es ist ihm zu verdanken, daß sich viele Menschen, sowohl solche, die ebenfalls Opfer der Schule geworden sind, als auch andere sexuell missbrauchte Menschen dadurch ermutigt fühlten, sich ebenfalls zu öffnen. In den psychologischen Praxen hat es seit der Zeit der Öffentlichmachung dieser fürchterlichen Geschichte einen deutlich Zuwachs an Anfragen nach einer Behandlung mit dem Hintergund des sexuellen Missbrauchs gegeben.
Dass Herr Dehmers das Ganze nun noch in einem Buch zusammenfasst, gibt uns noch einmal mehr die Chance, nicht zu vergessen, auch wenn die Medien sich anderen Themen zuwenden!
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10 von 11 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
5.0 von 5 Sternen Männer sind auch Opfer von sexuellem Missbrauch, 11. März 2012
Verifizierter Kauf(Was ist das?)
Missbrauch mit System...
...hat der damalige Leiter der Odenwaldschule Gerold Becker betrieben. Er und weitere Erziehungspersonen haben über 130 Kinder die ihrer Obhut anvertraut waren sexuell missbraucht.
Jürgen Dehmers war ungefragt und gegen seinen Willen ein Teil des System Beckers. Ohne zu beschönigen beschreibt er, wie das Räderwerk mit dem pädokriminellen, in der Öffentlichkeit hoch geachteten "Pädagogen" am Schalthebel funktioniert hat. Wir werden mitgenommen und erleben wie Jürgen versucht auszubrechen und seine missbrauchten Körper und seine Seele zu betäuben um zu überleben und nicht verrückt zu werden.

Ganz wichtig, das Buch hört nicht auf als der Missbrauch mit Jürgen Dehmers Abgang von der Schule beendet wurde. In einem zweiten Teil beschreibt er, wie er die Gewichte, die ihm während dieser Zeit auf die Schultern gelegt wurden, versucht loszuwerden. Die Aufarbeitung ist das zweite Verbrechen, das die Opfer ertragen müssen. Viele zerbrechen daran, weil ihre Seele bereits mit dem Missbrauch getötet wurde.

Der Ruf nach Gerechtigkeit schreit Jürgen immer noch, für sich und für all die, die nicht mehr schreien können. Der dritte Teil des Buches handelt über seinen Kampf um Anerkennung der Schuld und dass die Schule zu ihrer Vergangenheit steht und die Verantwortung für die Geschehnisse übernimmt.

Ein Einzelfall, das könnte bei uns...
...nie passieren. Jeder Missbrauch ist ein Einzelfall und diese können leider immer und überall geschehen. Egal ob es die Odenwalschule, oder andere Institutionen wo in einer geschlossenen Gemeinschaft zu viel Macht in den Händen von einzelnen Personen liegt, wir sind aufgerufen hin zuschauen und zu Fragen zu stellen wo alle schweigen. Mehr dazu in meinem BLOG-Post Unsere Gesellschaft missbraucht ihre Opfer - der Staat als Täter

Ich empfehle dieses Buch...
....allen Menschen die mehr erfahren wollen wie sich ein Opfer fühlt und wie es mit dem Erlebten umgehen kann und muss. Jürgen Dehmers schreibt direkt und ehrlich, so als sässen wir mit ihm zusammen bei einer Tasse Kaffee, und er erzählt uns seine Geschichte. Für Leiter von Institutionen die sich um Menschen kümmern sollte dieses Buch zur Pflichtlektüre erklärt werden.
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15 von 17 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
5.0 von 5 Sternen Ein Klassiker, 30. September 2011
Rezension bezieht sich auf: Wie laut soll ich denn noch schreien?: Die Odenwaldschule und der sexuelle Missbrauch (Gebundene Ausgabe)
Die Frankfurter Allgemeine hat Jürgen Dehmers zum 'Mann des Jahres' erklärt. Er war derjenige der 1999 den Missbrauchsskandal zuerst ans Licht gebracht hat. Keiner hat damals auf seine Anschuldigungen reagiert und er mußte 12 weitere Jahre kämpfen, um gehört zu werden. Dass er das durchgestanden hat ist ein kleines Wunder. Jetzt hat er ein Buch geschrieben und man muß sich inzwischen fragen, ob man ihm nicht vielleicht vielmehr ein Verdienstkreuz überreichen sollte.

Ich habe einen Film zu diesem Thema gemacht. Der Film heißt UND WIR SIND NICHT DIE EINZIGEN. Er soll bald in jeder Aus- Weiter- und Fortbildungseinrichtung gezeigt werden, für Polizisten, Lehrer, Priester, Juristen und Therapeuten u.v.a.. Der Titel meines Films entstammt aus dem ursprünglichen Brief, den Dehmers an die Odenwalschule geschickt hat. Ich war immer der Meinung, dass ein Text nie die Emotionalität eines Filmes erreichen kann. Nun, nachdem ich dieses Buch gelesen habe, muss ich meine Meinung revidieren. Das Buch ist nämlich so bewegend geschrieben ist, dass einem oft die Tränen kommen. Wir sind hier weit weg entfernt von den 'Handbüchern' über sexuelle Missbrauch, die trocken und theoretisch über das Thema referieren. Stattdessen hat man den Blick von Innen. Und dieser Blick läßt einem so viel mehr verstehen. Über die Schwierigkeit eine Sprache für den Missbrauch zu finden. Über Abspaltung. Über Heilung.

Dehmers erzählt aus zwei Perspektiven. Einmal aus der Perspektive des Erwachsenen, ehemaligen Opfers der heute kein Opfer mehr, sondern Handelnder ist und der jetzt rückblickend auf das Geschehen schaut, und zweitens aus der Sicht des Jungen, der er einmal war und der nichts von dem verstand, was ihm gerade angetan wurde. Es ist diese zweite Perspektive, die so tief berüht. Es ist auch das, was diesem Buch an verschiedenen Stellen eine herzzerreissende Poesie verleiht und zu hoher Literatur macht. Das ist eine große Leistung, denn dadurch zwingt dieses Buche zum Mitgefühl. Und Mitgefühl ist leider Gottes in dieser ganzen tragischen Geschichte kaum zu finden. Erbärmlicherweise.

Zorn gibt es in diesem Buch aber auch. Zu Recht. Man wundert sich beim Lesen, wie der Autor das alles überhaupt geschafft hat. Woher hat er bloß die Kraft? Man denkt dabei daran, was David Mamet über Helden geschrieben hat: 'The simple performance of the great deed is called 'heroism'. The person who will not be swayed, who perseveres no matter what - that hero has the capacity to inspire us, to suggest that we reexamine our self-imposed limitations and try again'. Es ist, als ob Dehmers uns mit seinen Taten einen Spiegel vor der Nase hält und uns zum Handeln aufruft. Als ob er uns sagen will: 'Ich habe es geschafft. Und ihr? Jetzt seid ihr dran'.

Jetzt ist nur die Frage, ob wir seinem Aufruf folgen. Und wir könnten weit Schlimmeres tun, als dieses Buch lesen.

Dieses Buch ist phänomenal gut. Ein Klassiker.
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4 von 4 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
5.0 von 5 Sternen Genauigkeit, 18. Dezember 2012
Rezension bezieht sich auf: Wie laut soll ich denn noch schreien?: Die Odenwaldschule und der sexuelle Missbrauch (Gebundene Ausgabe)
Was in den bisherigen Rezensionen eher wenig vorkommt, aber das Bild für den Interessenten vielleicht abrundet: Stilistisch und im Tonfall ist das Buch eigen und sprachlich gelungen. Eine im deutschen Sprachraum ungewöhnliche Mischung aus Genauigkeit, Direktheit, Lakonie aber auch Witz, mit spannenden, mal dokumentierenden, mal auch nur entsetzenden Passagen. Gut geschrieben, nur wenige schwache Stellen. Also im besten Sinne eine Bereicherung und weit weg von einem Sachbucheinerlei; überhaupt nichts von einem Betroffenheitsbuch.

Der Autor verbindet seine Schilderung auch mit dem Zeitgeschehen, z. B. den Protesten um die Startbahn West, so dass man auch ein Stück Zeitgeschichte und des eigenen Lebens bespiegelt aus anderer Perspektive erhält, selbst wenn man nicht auf der Odenwaldschule war. Mich hat der Detailreichtum beeindruckt, es hat sich offenbar wirklich vieles in das Gedächtnis festgebrannt und man beginnt unwillkürlich, in eigenen Erinnerungen zu kramen.

Also ein anregendes und wichtiges, bislang in dieser Art fehlendes und gutes Buch. Der Autor hat völlig zu Recht dafür und für seine Verdienste um die Aufklärung des Odenwaldschule-Skandals den Geschwister-Scholl-Preis erhalten. Wer den Autor einmal lesen gehört hat, kann nicht umhin, sich eine Hörbuchvariante zu wünschen; das Buch eignet sich dazu.
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3 von 3 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
5.0 von 5 Sternen Traurig erschreckendes Zeugnis, 18. März 2013
Verifizierter Kauf(Was ist das?)
Rezension bezieht sich auf: Wie laut soll ich denn noch schreien?: Die Odenwaldschule und der sexuelle Missbrauch (Gebundene Ausgabe)
Heute (68) fühle ich mich sofort in meine Kindheit zurückversetzt und Bilder und Gegebenheiten tauchen auf, die meine damalige Verletzlichkeit und Schwäche, mit gepaarter Neugierde und Angst, bedrückend wieder nahebringt.
Das Buch ist trotz aller Kraßheit des Gesagten glücklicherweise so geschrieben, daß sich potente Täter nicht daran aufgeilen können.
Mein großes Mitgefühl für alle Geschädigten.
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5 von 6 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
4.0 von 5 Sternen Wichtiges Werk, 28. Januar 2012
Rezension bezieht sich auf: Wie laut soll ich denn noch schreien?: Die Odenwaldschule und der sexuelle Missbrauch (Gebundene Ausgabe)
Ein sehr wichtiges Werk, das den Horror an der OSO anschaulich beschreibt.

Ich empfinde das Buch allerdings z. T. als etwas wirr, so z. B. wenn der Autor immer wieder Berichte über seine "Gewaltläufe" einstreut. Das mag sinnbildlich für den Kampf gegen seine Erinnerungen und den Umgang hiermit stehen, läßt den Leser an der einen oder anderen Stelle aber eher ratlos zurück.

Neben der Tragik der erzählten Geschichte an sich halte ich die Vertuschung des Ganzen durch die staatlichen Stellen (insbesondere das Schulamt), die über das Treiben von Becker & Co. offenbar informiert waren, ihn aber dennoch gewähren ließen, für ebenso skandalös. Dieser Teil der Episode wartet noch auf eine detaillierte Aufarbeitung, inklusive der Frage nach der Haftung der damaligen Amtsträger.

Jedenfalls bleibt sehr zu hoffen, das die Geschädigten am Ende ihres tapferen Kampfes Gerechtigkeit erfahren werden - wie auch immer diese für sie aussehen kann.
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Wie laut soll ich denn noch schreien?: Die Odenwaldschule und der sexuelle Missbrauch
Wie laut soll ich denn noch schreien?: Die Odenwaldschule und der sexuelle Missbrauch von Andreas Huckele (Gebundene Ausgabe - 1. September 2011)
Gebraucht & neu ab: EUR 8,05
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