Kundenrezensionen


36 Rezensionen
5 Sterne:
 (19)
4 Sterne:
 (8)
3 Sterne:
 (4)
2 Sterne:
 (2)
1 Sterne:
 (3)
 
 
 
 
 
Durchschnittliche Kundenbewertung
Sagen Sie Ihre Meinung zu diesem Artikel
Eigene Rezension erstellen
 
 

Die hilfreichste positive Rezension
Die hilfreichste kritische Rezension


31 von 36 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
5.0 von 5 Sternen Gott des Gemetzels
Es ist zur lieben Gewohnheit des Feuilletons geworden, immer dann, wenn in einem Roman die Fassade einer vermeintlich intakten Familie zerlegt wird, den Hl. Jonathan als Referenz anzurufen: Peter Buwalda sei die niederländische, nein, die europäische Antwort auf den großen Franzen. Weder dem einen noch dem anderen wird man damit gerecht. Der eine ist...
Vor 17 Monaten von Felix Richter veröffentlicht

versus
41 von 51 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
2.0 von 5 Sternen Der niederländische FRANZEN? Wohl doch nicht…
Zu meinen Leseerlebnissen der letzten Jahre gehören die Romane J. Franzens, insbesondere „Die Korrekturen“. Da habe ich natürlich aufgehorcht, als jetzt „Bonita Avenue“ als niederländische oder gar europäische „Antwort auf Franzen“ angepriesen wurde. Immer her damit!

Diesen Vergleich im Kopf, gestaltete...
Vor 17 Monaten von Bücher-Bartleby veröffentlicht


‹ Zurück | 1 2 3 4 | Weiter ›
Hilfreichste Bewertungen zuerst | Neueste Bewertungen zuerst

31 von 36 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
5.0 von 5 Sternen Gott des Gemetzels, 28. Februar 2013
Von 
Felix Richter - Alle meine Rezensionen ansehen
(TOP 500 REZENSENT)    (REAL NAME)   
Verifizierter Kauf(Was ist das?)
Rezension bezieht sich auf: Bonita Avenue (Gebundene Ausgabe)
Es ist zur lieben Gewohnheit des Feuilletons geworden, immer dann, wenn in einem Roman die Fassade einer vermeintlich intakten Familie zerlegt wird, den Hl. Jonathan als Referenz anzurufen: Peter Buwalda sei die niederländische, nein, die europäische Antwort auf den großen Franzen. Weder dem einen noch dem anderen wird man damit gerecht. Der eine ist subtil, der andere brachial. Der eine seziert mit dem Florett, der andere zertrümmert mit Axt und Vorschlaghammer. Und beide sind auf ihre Weise großartig. Der eine nimmt sich die Verlogenheit des Normalbürgertums vor, der andere hat an der Normalität kein Interesse. Buwalda lässt seine Charaktere aus viel größerer Höhe fallen, und entsprechend spektakulärer und unappetitlicher zerplatzen sie beim Aufprall. Also eher Bierbichler als Franzen, nur noch brachialer.

Und alle Figuren sind auf ihre Art extrem: Ein Judoka und Mathematikprofessor (wissenschaftlich an den Knotentheoretiker Vaughan Jones angelehnt, der sich für diese Hommage vermutlich bedankt haben wird), dessen politische Karriere durch das Wiederauftauchen eines kriminellen Sohns aus erster Ehe bedroht wird, seine Tochter, die neben ihrem unauffälligen Studentinnendasein als Internet-Pornoqueen Geld scheffelt (auch dies mit den Ambitionen ihres Vaters schwer vereinbar), und, als Beobachter von außen, deren Freund und Fotograf, dessen zunächst latente paranoide Schizophrenie zu dem Zeitpunkt richtig ausbricht, als in der Nachbarschaft seines Hauses in Enschede eine Feuerwerksfabrik in die Luft fliegt und das Viertel in Schutt und Asche legt (so geschehen am 13. Mai 2000). Das sind die gewaltigen Hebel, mit denen Buwalda das vermeintlich stabile Familiengefüge auseinanderstemmt.

Dazu passt dann irgendwie auch, dass der Roman selbst ein einziges Trümmerfeld ist. Unzählige Bruchstücke von vier Jahrzehnten Familiengeschichte werden zu einem furchterregenden Mosaik zusammengeführt. Während es zu Anfang noch einigermaßen wohlsortiert zugeht, mischen sich zum Ende Perspektiven und Zeitebenen, Realität und Halluzination immer häufiger und intensiver. Handlungen werden von Absatz zu Absatz mit Erinnerungen komplementiert und so in ihrer Falschheit entlarvt. Eine gewagte, aber, wenn man sich auf sie einlässt, extrem dichte Erzählmethode. So ist Bonita Avenue ein literarischer Kraftakt von brutaler Intensität, der uns durch die zahlreichen Kreise dieser Familienhölle zur finalen Katastrophe führt. Für robustere Leser unbedingt zu empfehlen.
Helfen Sie anderen Kunden bei der Suche nach den hilfreichsten Rezensionen 
War diese Rezension für Sie hilfreich? Ja Nein


2 von 2 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
5.0 von 5 Sternen Romanfigur und Sprache wie aus einem Guss, 4. Februar 2014
Von 
Th. Leibfried "TL" (Deutschland) - Alle meine Rezensionen ansehen
(TOP 500 REZENSENT)   
Rezension bezieht sich auf: Bonita Avenue (Gebundene Ausgabe)
Vielfach ausgezeichnet ist dieser Roman, das Erstlingswerk des holländischen Journalisten und Autors Peter Buwalda. Nicht immer muss das ein sicheres Indiz dafür sein, dass mir der Roman auch gefällt. Immerhin scheint mir die Trefferquote bei gelobten Büchern, was meinen eigenen Geschmack angeht, doch signifikant höher zu sein als bei sonstigen Büchern. Und dieses Mal war es sogar ein Volltreffer. Vergessen Sie die Vergleiche mit Jonathan Franzen, wenn Sie diese nicht mögen. Das ist mittlerweile eben zu einer Schublade geworden, um Romane einzuordnen, deren Inhalt sich um zerrüttete Familiengeschichten dreht und die garantiert Happyend-frei sind. Dem Buch und dem Autor darf man diese Vergleiche allerdings nicht vorhalten, die können nichts dazu.

Interessant ist der Romanaufbau, der zweifelsohne Leserin und Leser ansatzweise fordert. Die Geschichte wird aus drei Perspektiven erzählt. Im Mittelpunkt stehen der frühere Spitzenjudoka Siem Sigerius, dessen Stieftochter Joni und deren Freund Aaron. Die Kapitel aus der Sicht von Siem und Aaron werden in der dritten Person erzählt, die Kapitel aus Jonis Sicht in der Ich-Form. Dazu spielt die Handlung auf mehreren Zeitebenen, um genau zu sagen, auf wie vielen, hätte ich mitnotieren müssen. In der Multiplikation aus Erzählperspektiven und Zeitebenen iegt die Herausforderung, die ich aber für sehr gut nachvollziehbar und zu bewältigen fand.

Siem stammt aus einfachen Verhältnissen, wurde gegen den Willen des Vaters und mit einem starken eigenen zum niederländischen Judomeister, musste aber seine Karriere wegen eines Unfalls früh beenden. In der Zeit der Rekonvaleszenz stieß er auf mathematische Büchlein und wurde damit zum Mathematikgenie. Das ist allerdings auch der einzige märchenhafte Part im Roman, der Rest gleicht eher einem Alptraum. Denn neben der geliebten Joni, die aus einer Laune heraus und im Verborgenen mit ihrem Freund Ende der 90ere Jahre eine Internetseite mit sehr offenherzigen Fotos von sich gründete und damit viel Geld verdiente, gibt es noch einen Sohn aus erster Ehe, der wegen Totschlags mehrere Jahre im Gefängnis verbrachte und nun wieder auf der Bildfläche erscheint, mit einigen offenen Rechnungen. Sowohl die zweite Ehefrau als auch die zweite Stieftochter Janis (die Töchter sind genannt nach Joni Mitchell und Janis Joplin) spielen nur Nebenrollen. Buwalda konzentriert sich voll auf die drei Hauptcharaktere, insbesondere auf Siem Sigelius, was dem Roman sehr gut tut.

Wie geschrieben, wer auf Happyends steht, sollte zu anderen Werken greifen. Dafür bekommt man hier eine Sprache, die – übrigens erstklassig übersetzt – vor Kraft strotzt du die einem in Mark und Bein fährt. Eine Sprache, die von einer hochinteressanten Hauptfigur repräsentiert wird. Eine Figur, der man Sympathie schenken kann und von der man sich abwenden kann. Und beides häufig auf wenigen Seiten. Eine Figur, die für die Ambivalenzen steht, die in jedem einigermaßen interessanten und reflektierten Leben stecken.

Ein Roman zum Wiederlesen und eine uneingeschränkte Empfehlung für alle, die moderne, anspruchsvolle Literatur lieben.
Helfen Sie anderen Kunden bei der Suche nach den hilfreichsten Rezensionen 
War diese Rezension für Sie hilfreich? Ja Nein


41 von 51 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
2.0 von 5 Sternen Der niederländische FRANZEN? Wohl doch nicht…, 23. Februar 2013
Von 
Rezension bezieht sich auf: Bonita Avenue (Gebundene Ausgabe)
Zu meinen Leseerlebnissen der letzten Jahre gehören die Romane J. Franzens, insbesondere „Die Korrekturen“. Da habe ich natürlich aufgehorcht, als jetzt „Bonita Avenue“ als niederländische oder gar europäische „Antwort auf Franzen“ angepriesen wurde. Immer her damit!

Diesen Vergleich im Kopf, gestaltete sich die Lektüre dann aber eher enttäuschend. Vom subtilen Realismus Franzens, seiner eindringlichen psychologischen Introspektion und seiner Kraft der literarischen Gesellschaftsanalyse finde ich hier wenig. Der Grundkonflikt zwischen den Generationen ist bei Buwalda übermäßig krass inszeniert.

Der Mathematikprofessor Siem Sigerius hat einen Sohn aus seiner ersten Ehe mit einer Alkoholikerin, der als Hammer-Mörder länger im Gefängnis war, eine perverse, krankhafte, rundum böse Gestalt wie aus einem Horrorroman. Und er hat eine liebreizende Stieftochter namens Joni (von einem coolen Rockmusiker im Gedanken an Joni Mitchell gezeugt), die heimlich viel Geld in der Pornobranche verdient. Wie der Herr Professor das merkt? Er hat seit Jahrzehnten keinen Verkehr mehr mit seiner fettleibigen Gattin (deren Körper er einmal mit dem „noch warmen Kadaver eines Nashorns“ vergleicht) und legt ersatzweise Hand an vorm Internet. Beim Blick auf das Erotikangebot durchfährt es ihn: Hoppla, ist das nicht Joni? (bisschen arg banal, diese Konfliktführung, finde ich…)

Bei seinen Nachforschungen zieht er sich Töchterchens reizende Unterwäsche an und beginnt schon wieder, an sich rumzuspielen. Wird erwischt und springt flüchtend durch eine geschlossene Glastür: Scheibe kaputt. Trotzdem wird er noch zum Wissenschaftsminister ernannt. Kurz darauf bekommt er gemeine Drohbriefe, wird erpresst – jemand hat die Sache mit der Tochter spitzgekriegt.

Mit dem bekloppten, kürzlich aus dem Gefängnis entlassenen Sohn Wilbert kommt es schließlich zum Showdown im Badezimmer. Der Junge prügelt auf den Erzeuger mit einem Nunchaku ein, als der gerade nackt in der Dusche steht (Patchwork-Problematik). Der Professor ist jedoch zugleich holländischer Meister im Judo und gibt dem missratenen Sprößling ordentlich auf die dumme Fresse. Wenn der Vater mit dem Sohne! Lässt den Ellenbogen des Bösewichts unter Höllenschmerzen zerkrachen, was ausgiebig beschrieben wird, lässt den Verletzten später im Schnee erfrieren, zersägt den Burschen zu guter Letzt mit Muttis Kreissäge, wobei ihm die Fleischfetzen nur so ins Gesicht spritzen…

Irgendwie weiß Sigerius aber nicht, wohin mit den Resten Wilberts, fährt dann nach Südfrankreich und erhängt sich auf Jonis edler Yacht. Die junge Frau findet ihn dort später in halbverwestem Zustand. Der Freund, mit dem sie die Pornofilme gedreht hat, wird unterdessen zum RTL-2-Messie, versinkt in komplettem Wahn. Zwischendrin geht in Enschede die Feuerwerksfabrik hoch. Dieser ganze Roman ähnelt einer Feuerwerksfabrik, die der Autor vorsätzlich mit möglichst viel literarischem „Sprengstoff“ vollgestopft hat… Zündschnur an, und nichts wie weg...

Was solche Effektknallerei mit Franzen zu tun haben soll? Ich weiß es auch nicht, abgesehen davon, dass hier ebenfalls von einer „Familie“ die Rede ist. Hätte ich das Buch gelesen, ohne den hohen Maßstab anzulegen, hätte ich es vielleicht als halbwegs spannenden Thriller genießen können. So habe ich doch eher den Kopf geschüttelt.

Handwerklich ist der Roman gediegen. Es wird wechselnd erzählt aus drei Perspektiven. Gelegentlich fallen starke Metaphern und knallige Sprachbilder auf. Wenn eine Figur aufgeregt oder euphorisiert ist, wird das Basiswissen Biologie ausgepackt, und es heißt in zeitgemäßer Gespreiztheit: „Irgendwo in seinem Innern ging ein Adrenalinsprinkler an.“

Es gibt ein schönes Bild für die böse Natur, die am Ende das austarierte Lebensmodell des Mathematikers Sigerius mittels Genetik (der Wilbert-Effekt) zunichte macht: „Die Natur ist ein wildgewordener Termitenbau, in dem die Schnauze eines Ameisenbären steckt.“ Mein Lieblingssatz aber ist dieser: „Und auch wenn die Möglichkeit bestand, dass der Schnee rechtzeitig schmolz, der Schuft schmolz nicht.“ Dafür gibt’s einen Extrastern.
Helfen Sie anderen Kunden bei der Suche nach den hilfreichsten Rezensionen 
War diese Rezension für Sie hilfreich? Ja Nein


4 von 5 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
3.0 von 5 Sternen Familienroman ohne Familie, 23. Oktober 2013
Rezension bezieht sich auf: Bonita Avenue (Gebundene Ausgabe)
Liest man Peter Buwaldas „Bonita Avenue“ ein halbes Jahr nach den überwiegend begeisterten Besprechungen des deutschen Feuilletons erneut, so fällt auf, wie unscheinbar, ja konventionell die erzählerischen Fähigkeiten und sprachlichen Mittel seines Autors wirken - verglichen mit den fast hymnischen Lobpreisungen, die in dem 2010 in den Niederlanden erschienenen Roman ein „in seiner sprachlichen Wucht kühnes und in seiner psychologischen Schärfe und Genauigkeit beeindruckendes, ja erschreckendes Buch“ (Peter Henning in „Die Zeit“) gesehen haben. Ein großer Erzähler, so die Kritik, mache sich hier an die Zerstörung des Familienromans, nicht ohne dessen Tradition zuvor meisterhaft vorzuführen. Vergleiche mit Jonathan Franzen, ja Philip Roth wurden bemüht.
Thema, Erzählweise, Plotkonstruktion, die kompromisslose Haltung zum Schicksal seiner Figuren - all das lasse Buwaldas Debutroman zu einem Beispiel "europäischer Literatur von Rang" werden. Auch über die Sprache wurde so einiges lobend erwähnt, „kühn“ eben, „gierig" und „körperlich intensiv“ sei sie. Was allein schon - um hier zu beginnen - schwer nachzuvollziehen ist, ebenso wie das Urteil, es handle sich um einen "700-seitigen Porno“ (Katharina Teutsch in der FAZ). Zumindest in der deutschen Übersetzung fehlt Buwaldas Sprache letztlich die Überzeugungskraft. Eine größtenteils gesichtslose Allerweltssprache, die Metaphern passend, doch oft wahllos zusammengeklaubt, ohne Sound, ohne Duktus. Hier und da eine witzige Wendung.
Erzählerisch bedient sich Buwalda vor allem eines recht langatmigen Berichts der Vorgeschichte, mal personal, mal auktorial, zuweilen in ein und derselben Szene. Es geht um die im niederländischen Enschede beheimatete Familie Sigerius, deren Vater Siem in fortgeschrittenem Alter noch einmal mit den Härten des Lebens konfrontiert wird: einerseits erfolgreicher Mathematikprofessor und Judoka, andererseits Vater eines im Leben gescheiterten Kriminellen. Einerseits Rektor und Wissenschaftsminister, andererseits Stiefvater einer mit Internetpornographie unlauteres Geld verdienenden Geschäftsfrau. Hier und da noch eine Parallelhandlung und im Ganzen angelehnt an Roths „Amerikanisches Idyll", wird dies alles in detaillierter Rückschau geschildert, bevor es schließlich zum großen Knall kommt.
Die erzählerischen Details ermöglichen dem Leser eine größere Nähe zum vielversprechenden Geschehen; Atmosphäre jedoch kommt zu keinem Zeitpunkt auf. Dialoge bemühen sich - im Ganzen erfolgreich - darum, die Gründe und die charakterlichen Eigenarten der Figuren zu zeigen, anstatt sie nur zu behaupten. Einen je eigenen Ton erhalten die Figuren allerdings nicht. Enttäuschend blass bleibt vor allem Siems Tochter Joni: Ihre Motive sind kaum nachvollziehbar, weswegen auch ihr Ende den Leser weniger ergreift als möglich, ja nötig gewesen wäre. Die Situierung der Romanhandlung um die Explosion der Feuerwerksfabrik in Enschede, mit der das Geschehen eben explosionsartig seinen Lauf nimmt - eine gelungene, wenn auch nicht allzu subtile Allegorie auf die inneren Verwerfungen der Familienmitglieder.
Das ist ein schönes Sujet, der Untergang einer Familie, was immer das heißen mag. Er sichert dem Werk einen Platz in der viel beachteten Kategorie „Familienroman“; Leo Tolstoi, Thomas Mann, Philip Roth, Jonathan Franzen blicken uns bei der Lektüre über die Schulter. Doch bei „Bonita Avenue“ scheint eine solche Einordnung kaum sinnvoll. Hier machen Figuren, die dem Leser seltsam fremd bleiben, ein recht tragisches Schicksal durch, zufällig sind diese irgendwie miteinander verwandt und schon spricht man vom Familienroman. Dabei bietet der Erzähler kaum Momente, in denen eine familiäre Nähe, ein seelisches Verbundensein - Voraussetzung für nachvollziehbare Tragik - zu spüren wäre. Im Grunde handelt es sich dann schon eher um einen Familienroman, dem die Familie abhanden gekommen ist. Wenn diese Geschichte dann noch tödlich und im Wahnsinn endet, spricht man gerne von der Dechiffrierung oder eben der Zerstörung des Genres, ja, der Familie überhaupt, und zeigt sich zufrieden, dass ein zeitgenössischer Autor der Gesellschaft einmal den Spiegel vorgehalten hat.
Aber mehr als Versatzstücke, klischeehaft zusammengestellt und am Ende kaum mehr erzählerisch zusammengehalten, findet man hier nicht. Als „desillusionierend" wurde der Roman beschrieben - welche Illusionen über die moderne Familie kann sich der Leser denn bislang noch gemacht haben? Die Familie als dysfunktionales Konstrukt, dem seine Selbstüberwindung immanent ist - wen will man damit noch hinterm Ofen hervorlocken? Die Familie als Hölle - lässt sich in dieser Richtung heute noch, nach Tolstoi, Ibsen, Strindberg, Ingmar Bergman usw., irgendein Erkenntnisgewinn über unsere Gesellschaft erlangen? Auf die Weise, wie sie in „Bonita Avenue“ daher kommt, sicher nicht. Denn mit der Gesellschaft hat das alles nicht viel zu tun, hierin ist Christoph Bartmanns Rezension in der SZ zuzustimmen. Zu vereinzelt stehen die Figuren da, zu unglaubwürdig ihre Psyche. Sicher, die Familie Sigerius ist eine Familie, die den sozialhistorischen Umbruch von patriarchalen Vaterbild zur flacher hierarchisierten Patchwork-Konzeption eher suboptimal bewerkstelligt. Sicher, es geht um das aufkommende Internet mit seinen entgrenzenden Möglichkeiten. Und sicher, es geht um Sex, Gier und Eifersucht und ihre zerstörerische Wirkung auf den Menschen - doch das in einer an Effekthascherei und Überzeichnung kaum zu überbietende Finale zeigt noch einmal, wie kalt uns all das lassen kann, was da in so splatterhaften Farben geschildert wird. Wenn, wie zu befürchten, das Erschrecken an der überdrehten Brutalität der einzige Genuss am vielbeschworenen „Ende der Familie" ist, den die Leser von „Bonita Avenue“ verspüren, bleibt für den literarischen Wert eines echten Familienromans nicht mehr viel Genuss übrig.
Helfen Sie anderen Kunden bei der Suche nach den hilfreichsten Rezensionen 
War diese Rezension für Sie hilfreich? Ja Nein


7 von 9 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
5.0 von 5 Sternen Franzen auf Acid, 18. März 2013
Rezension bezieht sich auf: Bonita Avenue (Gebundene Ausgabe)
Der niederländische Franzen? Bestimmt nicht. Buwalda ist kein Mann der leisen Töne, sondern lässt es krachen: Schauplatz der Geschichte ist unter anderem Enschede, die Stadt, die im Jahr 2000 in die Luft flog, als eine Feuerwerksfabrik explodierte. Die Analogie ist gewollt: Am Ende des Buches fliegt den Protagonisten ihr Leben um die Ohren. Der Weg dahin hat ein derartiges Tempo und baut so viel Spannung auf, dass ich gelesen habe wie gehetzt.

Sprachlich und struktural bewegt der Roman sich auf hohem Niveau; der Autor macht es seinen Lesern durchaus nicht leicht. Drei Perspektiven, mehrere Zeitebenen, alles zunehmend miteinander verflochten: Man muss schon haarscharf aufpassen, damit man sich nicht in den Zeitebenen verirrt. Buwaldas Sprache ist messerscharf, er hat einen glasklaren Blick für psychische Zustände und seziert seine Figuren gnadenlos. Seine Charaktere sind komplex und entziehen sich jeder Wertung.

Wir steigen in die Geschichte ein, als das Drama bereits seit einigen Jahren Geschichte ist, und erfahren, welche Folgen es hatte. Nach und nach, mit zahlreichen Rückblenden, dröselt der Autor auf, wie es dazu kommen konnte.

Die Leitfigur, Siem Sigerius, ist ein populärer Mathematikprofessor mit einem Äußeren wie ein Preisringer. Er heiratet eine Frau weit unter seinem Niveau, macht ihr ein Kind und verlässt beide für Tineke und ihre kleinen Töchter, als handele es sich um einen bloßen Versionswechsel: Familie Punkt2. Sigerius neue Familie lebt fortan in der Leugnung von Sigerius Vorleben, als hätte es das nie gegeben. Sein Sohn gerät auf die schiefe Bahn und wird später gar zum Mörder, was sein Vater als nachträgliche Rechtfertigung seiner Entscheidung wertet. Seine Vergangenheit holt Sigerius ein, als er sich nach dem Ende einer Affäre frustriert auf den Konsum von Internetpornos verlegt: Entsetzt glaubt er dort, seine Stieftochter wiederzuerkennen.

Joni und ihr Freund Aaron, die diese Sexsite gemeinsam betreiben, wollen, dass dies geheim bleibt - auch Sigerius, der sich wegen seines Pornokonsums schuldig fühlt, will weder, dass seine Frau von Jonis Verirrung erfährt, noch die Öffentlichkeit, denn er ist im Gespräch als künftiger Wissenschaftsminister.

Aaron, krankhaft eifersüchtig und latent schizophren, tut derweil alles, um Joni nicht zu verlieren. Später, als sich durch die Ereignisse seine Schizophrenie manifestiert, schwankt er permanent zwischen Normalität und Wahn, die schließlich ineinander übergehen. Diese Innensicht wird so überzeugend dargestellt, dass ich mich fragte, ob diese durch reine Recherche erfahren werden kann.

Joni vertraut sich Wilbert an, Sigerius Sohn, was sich als Fehler erweist, denn der hat allen Grund, sich an Sigerius rächen zu wollen. Wilbert ist die extremste Figur in diesem Roman: Skrupellos, triebhaft, leichtsinnig. Buwalda stattet Wilbert am Ende gar mit einer halbseitigen Gesichtslähmung aus, so dass der vom Wahnsinn verwirrte Aaron Wilbert als ein böses Zerrbild Sigerius wahrnimmt. In seinem Sohn bekämpft der calvinistische Sigerius seinen eigenen Schatten und geht dabei bis zum Äußersten.

Zu Joni, die auch in der Gegenwart eine Art Doppelleben führt, ist Bobbi Red die Gegenfigur - ein Pornostar, der offensiv und öffentlich zu seiner Berufswahl steht und sich weigert, auch nur ein einziges Klischee der Branche zu erfüllen. Diese beiden selbstbestimmten Frauenfiguren sollen nicht die Pornobranche rehabilitieren, wären in der Funktion auch nicht glaubhaft, sondern dienen dem Autor dazu, tabuisierte Lebensläufe einzuführen, ohne die diese Geschichte nicht funktioniert hätte. Gleichzeitig zeigt er an Bobbi Red, dass es nicht das Geheimgehaltene, sondern das Geheimnis an sich ist, das eine destruktive Wirkung ausübt. Das, was die Welt der Protagonisten auseinander sprengt, ist Täuschung, Selbstbetrug, Lüge und Illusion.

Am Ende stehen alle vor den Trümmern ihres Lebens. Nur Aarons Traum geht in Erfüllung - aber auf so tragisch verquere Weise, dass es mich echt gerissen hat. Ich empfehle an der Stelle die Bereithaltung von Taschentüchern.

Zwischendurch habe ich mal zur hinteren Buchklappe mit dem Foto des Autors geblättert: Was ist das für ein Mensch, der dieses Buch zur Welt gebracht hat? Ein attraktiv verlebtes Gesicht, Grübelfalten, ein Anflug von Arroganz/Weltekel/Überdruss. Hm. Welche Autorenbiographie steckt hinter diesem Buch?

Sensible Naturen könnten "Bonita Avenue" vielleicht etwas zu plakativ finden. Mich jedenfalls hat dieses Romandebüt schwerst beeindruckt - gefühlt eine literarische Achterbahn, mit ähnlichem Thrill und Momentum. Von mir eine unbedingte Leseempfehlung.
Helfen Sie anderen Kunden bei der Suche nach den hilfreichsten Rezensionen 
War diese Rezension für Sie hilfreich? Ja Nein


4 von 5 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
4.0 von 5 Sternen Höchst amüsant, abgesehen von den letzten 4 Kapiteln, 17. März 2013
Von 
B. Lutze (Potsdam) - Alle meine Rezensionen ansehen
(TOP 1000 REZENSENT)    (REAL NAME)   
Rezension bezieht sich auf: Bonita Avenue (Gebundene Ausgabe)
Der Vergleich mit Jonathan Franzens Korrekturen wäre für mich auch ohne die mediale Suggestion zustande gekommen: Auch hier geht es um eine Familie im akademischen Millieu, die von außen betrachtet makellos erfolgreich scheint, jedoch pathologisch seziert tiefe und dunkle Abgründe zutage bringt. Peter Buwalda pflegt einen skrupellosen Erzählstil, springt von Kapitel zu Kapitel nicht nur in unterschiedliche Perspektiven sondern auch Zeiten, machmal im "Ich" (Joni) , machmal in dritter Person (Sigerius, Aaron). Obwohl Buwalda sehr oft vorgreift, d.h. uns mit dem Ergebnis eines Erzählstranges sehr früh vertraut macht (wie etwa dem Selbstmord einer der Hauptpersonen), lässt er sich Zeit damit zu erzählen, wie es dazu kommt und welche genauen Motive dem Verhalten zugrunde liegen. Und er schafft es die Spannungsbögen stets richtig zu spannen, ohne zu langweilen oder zu konstruiert zu sein. Die Sprache ist wie in einem Trash Ganster Film ala Bube Dame König Gras oder bei Tarrantino unheimlich witzig, geht jedoch tief (was den Witz dann sehr substantiell macht) und immer genau ins richtige Detail. Wir sehen die Figuren in ihre Unglücke schreiten und verstehen sie mit jeder Seite besser. Buwalda zwingt den Leser, sich mit jeder Figur zu identifizieren, genau wie es Franzen bei den Korrekturen schon schaffte. Nur das Finale wird dann ganz abrupt unglaubwürdig und viel zu monströs - plötzlich die Grenze zum Fantastischen überschreitend. Ich war bis Seite 580 begeistert und die letzten 60 Seiten verwirrt. Deshalb gebe ich nur 4 Sterne und trotzdem volle Lese-Empfehlung.
Helfen Sie anderen Kunden bei der Suche nach den hilfreichsten Rezensionen 
War diese Rezension für Sie hilfreich? Ja Nein


1 von 1 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
3.0 von 5 Sternen Zu viel gute Kritik, 14. August 2013
Verifizierter Kauf(Was ist das?)
Rezension bezieht sich auf: Bonita Avenue (Gebundene Ausgabe)
Ich habe mir diese Buch gekauft, weil ich ach so viel gute Rezensionen gehört habe.
Das Buch langwierig, langatmig, zu detailliert und zieht sich wahnsinng.
Die Gedankensprünge, Personensprünge und Zeitsprünge werden so viel, dass man erst ab der Hälfte weiß wer die Hauptpersonen sind und wer sich gerade in welcher Zeit befindet. Es ist nicht klar, ob es eigentlich sowas wie eine Gegenwart gibt- Total verwirrend und anstrengend zu lesen. Leichte "Sommer-Nicht-Nachdenken-Lektüre" ist was anderes.

Das Ende geht garnicht, denn eigentlich gibt es kein. Es bleiben sehr viele Fragen (für mich zu viele) offen.

Trotzdem die Geschichte ist wirklich gut und kreativ, schade um die Durchführung. Ich habs zu Ende gelesen, weil mich die Story gepackt hat, aber ich hab mich ein bisschen gequält dabei.
Helfen Sie anderen Kunden bei der Suche nach den hilfreichsten Rezensionen 
War diese Rezension für Sie hilfreich? Ja Nein


1 von 1 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
4.0 von 5 Sternen Bemühter Anfang, geniale Mitte, konfuser Schluss, 24. Juli 2013
Rezension bezieht sich auf: Bonita Avenue (Kindle Edition)
Dieses Buch habe ich gleich nach dem Erscheinen der ersten jubelnden Rezensionen erworben. Allerdings brauchte ich mehrere Wochen, um in die Geschichte hineinzufinden. Das liegt vor allem an der Erzählweise: Jedes Kapitel wird aus der Perspektive einer anderen Person und eines anderen Zeitabschnitts erzählt.

Viele Puzzlestückchen der Familiensaga um Professor Siem Sigerius und seiner Patchworksippe fügen sich deshalb erst im Mittelteil zu einem Bild. Dass dann umgehend zu großem Kino wird, so dass man das Buch nicht aus der Hand legen mag. Dazu trägt auch bei, dass der Roman dramatisch sehr geschickt gestrickt ist: Die Explosion in einer niederländischen Kleinstadt lässt das Lügengebilde Familie zusammenstürzen wie ein Kartenhaus.

Leider vertröpfelt sich der Schluss durch die massive Anhäufung von Sex und Crime, der man bald inhaltlich nicht mehr folgen kann. Das Ende ist für den Leser mindestens so unbegreiflich und unbefriedigend wie für die Protagonistin, die mit Siems Lebensentscheidung zuerst konfrontiert ist.

Dennoch für mich vier Sterne, da es wenige Bücher gibt, die sich überhaupt noch an große Familienpanoramen wagen und auf höchstem intellektuellem Niveau dabei agieren. Dieser Mut allein ist das Lesen des Buches wert. Außerdem wirkt die verschachtelte Erzählweise im Nachhinein wie ein Bumerang und sorgt dafür, dass die Geschichte unter die Haut geht und auch da bleibt.
Helfen Sie anderen Kunden bei der Suche nach den hilfreichsten Rezensionen 
War diese Rezension für Sie hilfreich? Ja Nein


8 von 11 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
5.0 von 5 Sternen Das Monster in uns, 5. März 2013
Rezension bezieht sich auf: Bonita Avenue (Gebundene Ausgabe)
Schon der Anblick des 640 Seiten starken, backsteindicken Familienromans macht klar: Das ist keines dieser üblichen, verklemmten 140-Seiten-Debüts. Kein sich langsames Vortasten ins Bewusstsein der Kritiker. Sondern mit einem „Big Bang“. Und die Rechnung ging auf, in den Niederlanden jedenfalls. Denn Peter Buwaldas Eps „Bonita Avenue“ triumphierte dort, wo es 2010 erschien, auf Anhieb: Das Buch wurde für zehn Preise nominiert, von denen es fünf gewann, und ging bislang in 21 Auflagen 250 Tausend Mal über die dortigen Ladentische,- eine für niederländische Verhältnisse gigantische Zahl. So ist der gebürtige, 42-jährige Belgier Buwalda, der im Alter von acht Monaten nach Holland kam, in seiner Wahlheimat inzwischen ein Star. Er hat sich mit seinem Roman einer prozesshaft implodierenden Patchwork-Familie Vergleiche mit den Amerikanern Jonathan Franzen und Philip Roth erschrieben und gilt seither als literarisches Schwergewicht. Nicht schlecht für einen, der, bevor das Buch nach vierjähriger Schreibarbeit endlich erschien, kein Geld, keine Wohnung und keine künstlerische Perspektive besaß.

Tatsächlich erweist sich Buwaldas Debütroman bei eingehender Betrachtung als ein in seiner sprachlichen Wucht und Freiheit kühnes und in seiner psychologischen Schärfe und Genauigkeit beeindruckendes, ja erschreckendes Buch. Eine Familie zerbricht an ihrer plötzlich außer Kontrolle geratenden inneren Tektonik, zerspringt in ihre Einzelteile - und hinterlässt ein Bild totaler, seelischer Verwüstung. Gewiss: der Vergleich mit Jonathan Franzens Familienroman „Die Korrekturen“, den mancher niederländische Kritiker anstrengte, scheint auf den ersten Blick passend. Doch wo bei Franzen die Figuren noch am Sosein ihrer im Kleinkriegerischen versunkenen St. Jude-Welt laborierten, da dechiffriert Buwalda das Konstrukt Familie als solches als ein viel größeres Desaster, nämlich als mörderisches Teufelsgeflecht aus Lüge, Hintertreibung, unkontrollierter sexueller Gier, ungebremstem Willen zur Macht und latentem Wahnsinn. Und ging Franzen noch vornehm mit Skalpell und Schere zu Werke, um ins faul gewordene Fleisch zu schneiden, so ist bei Buwalda an deren Stelle längst die Kreissäge gerückt, mit welcher am Ende gefrorene Körper zerstückelt werden. Darin erweist sich „Bonita Avenue“ als überaus modern. Denn Buwalda beherrscht den Ton des klassischen Epikers ebenso sicher wie den des literarischen Splatterautors, dem die Farben am Ende nicht grell, und die Schreie nicht markerschütternd genug sein können. Buwalda lesen, heißt in die verglühende Asche des Familienromans starren, heißt, einem unerschrockenen Tragödiendichter und lustvollen Exorzisten über die Schulter zu sehen.

„Bonita Avenue“ entrollt die Geschichte vom Aufstieg und Fall eines Mannes namens Siem Sigerius, - einem geistigen und körperlichen Kraftkerl, der es vom renommierten Mathematiker und erfolgreichen Universitätsrektor zum Wissenschaftsminister im niederländischen Kabinett bringt, und dem am Ende seine gesamte Existenz um die Ohren fliegt. Denn irgendwann beginnen die Leichen, die Sigerius im Keller hat, nach ihm zu greifen und ihn hinabzuziehen in tödliche Finsternis. Eine von ihnen hört den Namen Wilbert und ist sein Sohn aus erster Ehe,- ein außer Kontrolle geratener Superfreak, der in Jungenjahren einen Mann mit einem Hammer erschlug und nun, da er sich damals von seinem Vater getäuscht sah, auf seine Weise den Racheengel gibt. Ihm gegenüber stehen Siems Adoptivtöchter Joni und Janis,- zwei scheinbar rundum gelungene Erscheinungen, die im komfortablen Landhaus bei Enschede neben Siem und seiner Frau heranreifen. Doch als im Jahr 2000 in Enschede die dortige Feuerwerksfabrik in die Luft fliegt und es Asche regnet, ist dies gleichzeitig der Startschuss zu Siems persönlichem Untergang. Es beginnt damit, dass er, der immerzu seinen Exzessen der Selbstbefriedigung frönt, auf seinen nächtlichen Surftouren durch die Pornoseiten-Angebote des Internets auf eine Seite seiner Tochter Joni stößt, die diese höchst erfolgreich mit ihrem Ex-Freund Aaron, einem psychotischen Ex-Fotografen, betreibt. Was dann folgt, liest sich, als hätten der frühe Quentin Tarrantino und der späte John Updike, eines von Buwaldas erklärten Vorbildern, gemeinsam in die Tasten gedrückt, denn: eine nach der anderen schickt Buwalda seine Figuren in den Shredder: Joni, die es fluchtartig aus Enschede weggezogen hat, bringt es in Kalifornien als Produzentin von Pornofilmen zu fragwürdigem Ruhm – und kühlt darüber innerlich aus; Aaron erliegt im Trümmerregen von Enschede seinen inneren Dämonen - und fantasiert von einer zweiten Chance mit Joni. Und Siem, eben zum Minister aufgestiegen, liefert sich mit Wilbert einen alptraumhaften, gleichsam hollywoodreifen bluttriefenden Showdown, der erst seinen Sohn ins Grab bringt – und schlussendlich ihn selbst. Das Resultat ist ein mutiges, unerschrockenes Kunstwerk, das sich vor allem dadurch von seinen Vorgängern zum Thema unterscheidet dass es das Wagnis eingeht, sich einen Teufel um literarische Anstandsregeln zu scheren. Ein Buch, das gerade durch seine bewusste Weiterdrehung des Erzählens und Nachdenkens über Familie ins Irrwitzige, ja Irrationale und Groteske jene tieferliegenden Wahrheiten zum Thema birgt und ans Tageslicht holt, an die mit traditionellen Erzählmitteln bislang offenbar nicht heran zu kommen war. Das macht es groß und unerhört.
Helfen Sie anderen Kunden bei der Suche nach den hilfreichsten Rezensionen 
War diese Rezension für Sie hilfreich? Ja Nein


5.0 von 5 Sternen fast wie neu, 6. Juli 2014
Verifizierter Kauf(Was ist das?)
Rezension bezieht sich auf: Bonita Avenue (Gebundene Ausgabe)
schnelle Post, Buch wie angekündigt wie neu, werde vielleicht beim Lesen noch einen Mangel entdecken. Somit zunächst mal volle Punktzahl.
Helfen Sie anderen Kunden bei der Suche nach den hilfreichsten Rezensionen 
War diese Rezension für Sie hilfreich? Ja Nein


‹ Zurück | 1 2 3 4 | Weiter ›
Hilfreichste Bewertungen zuerst | Neueste Bewertungen zuerst

Dieses Produkt

Bonita Avenue
Bonita Avenue von Peter Buwalda (Gebundene Ausgabe - 22. Februar 2013)
EUR 24,95
Auf Lager.
In den Einkaufswagen Auf meinen Wunschzettel
Nur in den Rezensionen zu diesem Produkt suchen