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5.0 von 5 Sternen Ein eher leises Lied
Die Schülerin Meret Kugler hat sich das Leben genommen. Ihre Mitschüler sind schockiert, doch mithilfe ihres Lehrers Immanuel Mauss, seinen unkonventionellen Lehrmethoden und seiner Unterstützung weit über die Schule hinaus, können sie langsam wieder in ein normales Schulleben zurückfinden. Einzig Clarissa kommt nicht darüber hinweg. Die...
Vor 15 Monaten von Curculio veröffentlicht

versus
6 von 6 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
3.0 von 5 Sternen Schmerz, Verlust und die verschiedenen Arten damit umzugehen
Meret ist vom Dach der Schule gesprungen - sie ist tot. Die Schüler trauern und Musiklehrer Mauss versucht sie mit unkonventionellen Mitteln durch ihre Trauer zu begleiten und sie aufzufangen. Bei fast allen gelingt es, nur Clarissa lässt sich fallen, in die Arme von Schulgutachter Johannes...

Jan Böttcher hat mit "Das Lied vom Tun und Lassen"...
Vor 19 Monaten von SabrinaK1985 veröffentlicht


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6 von 6 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
3.0 von 5 Sternen Schmerz, Verlust und die verschiedenen Arten damit umzugehen, 20. November 2011
Von 
SabrinaK1985 - Alle meine Rezensionen ansehen
(TOP 500 REZENSENT)   
Rezension bezieht sich auf: Das Lied vom Tun und Lassen (Gebundene Ausgabe)
Meret ist vom Dach der Schule gesprungen - sie ist tot. Die Schüler trauern und Musiklehrer Mauss versucht sie mit unkonventionellen Mitteln durch ihre Trauer zu begleiten und sie aufzufangen. Bei fast allen gelingt es, nur Clarissa lässt sich fallen, in die Arme von Schulgutachter Johannes...

Jan Böttcher hat mit "Das Lied vom Tun und Lassen" einen Roman über das Leben, den Tod und die Trauer geschrieben. Einen Roman darüber, wie die Menschen versuchen auf verschiedenen Wegen das Tal des Leides wieder zu verlassen - perspektivisch zeigt er dies an drei Menschen, drei Schicksalen auf.

Drei Menschen, drei Schicksale, drei Abschnitte:

Immanuel Mauss
Johannes Engler und
Clarissa Winterhoff.

Diese drei Menschen haben ganz verschiedene Dinge in ihrem Leben erlebt, haben ganz unterschiedliche Lebenserfahrungen gesammelt, was teilweise auch am Alter liegt. Böttcher schafft es seinen Schreibstil den verschiedenen Persönlichkeiten und ihren Charakteren, Gefühlen und Stimmungen anzupassen.

Immanuel Mauss, ihr Musik- und Englischlehrer, ist schwermütig und der heiße drückende Sommer spiegelt ihn in seinem Erleben und Fühlen wieder. Er trauert nicht nur um die Schülerin, die in den Tod gesprungen ist - nein, er trauert auch um seine verstorbene Frau.
Johannes Engler ist Schulgutachter, der aber eher Clarissa Winterhoff begutachtet und sich in eine Affäre mit ihr verstrickt. Engler ist ein gestandener Mann und Clarissa grade voll jährig. Hier kommt kein mahnender Zeigefinger, nein, denn grade dieses Fallenlassen in Körperlichkeit, eine Art sich wieder spüren zu können, ist denke ich ein Weg der beiden mit Verlust und Schmerz umzugehen. Johannes hat sein Leben mit Frau und Sohn verloren - und vielleicht auch seine Jungendlichkeit, oder besser Vitalität. Bei Clarissa fühlt er sich wieder jung und begehrt.
Clarissa wirkt für ihr Alter sehr erwachsen - ihre Art mit dem Verlust Merets umzugehen, hängt mit einem Musikprojekt von Mauss zusammen. Sie schreibt einen Tour-Blog, über eine imaginäre Tour mit ihrer Projektband. Dort schreibt sie von der Tour, lässt ihren Gedanken freien Lauf und immer wieder taucht Meret dort auf - es scheint, als ob Clarissa mit Schuldgefühlen zu kämpfen hat.

Die ersten beiden Teile des Buches konnten mich wirklich überzeugen, während ich mit dem dritten Teil meine Probleme hatte, obwohl ich es immer sehr amüsant und lesenswert finde Blogs in Bücher einzubauen. Ich kann nicht sagen wieso, aber irgendwann kam bei mir Langeweile auf und oftmals verlor ich den Überblick über Fakt und Fiktion.

Trotz einiger Schwächen und einem Kritikpunkt, ein sehr gelungener Roman, der uns dazubringt sich mit diesem Thema und den Charakteren auseinanderzusetzen. Jan Böttcher sollte man auf jeden Fall im Auge behalten - da wird bestimmt noch das ein oder andere schöne Buch folgen.
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3 von 3 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
3.0 von 5 Sternen Ein Lied wurde gesungen, 9. Januar 2012
Rezension bezieht sich auf: Das Lied vom Tun und Lassen (Gebundene Ausgabe)
Ein Mädchen ist vom Dach der Schule in den Tod gesprungen... So beginnt die Kurzbeschreibung zu dem Buch "Das Lied vom Tun und Lassen". Wer aber hier eine spannende (Krimi)Geschichte erwartet, wird enttäuscht. Es gibt keine Action, keine Hintergründe oder Einzelheiten zu dieser tragischen Tat. Es handelt eher davon, wie die anderen nach diesem Selbstmord mit den eigenen Gefühlen und Gedanken diesbezüglich umgehen. Über Meret Kugler selber, die sich das Leben nahm, erfährt man kaum.
Das Buch ist in drei Stränge unterteilt. Drei verschiedene Personen erzählen uns in der Ich-Form über die eigenen Sorgen, über dieselben Ereignisse, aber jeweils aus der eigenen Sicht. Den Schreibstil des Autors finde ich sehr anspruchsvoll. So sind alle drei Abschnitte wirklich wie von drei verschiedenen Leuten geschrieben, ich würde sogar sagen, wie von drei verschiedenen Generationen. Das ist dem Autor ganz gut gelungen.
Der Musiklehrer Immanuel Mauss versucht immer noch, sich nach dem Tod seiner Frau in diesem Leben neu zu finden. Er schart die Schüler um sich, führt seinen Unterricht mit viel Innovation und Freiheit, was auch nicht immer positive Reaktionen von der Seite der anderen Lehrkräfte verursacht.
Der Schulpsychologe Johannes Engler kommt als Gutachter zur Schule, kann seine eigenen Probleme nicht los werden, beginnt eine Affäre mit Clarissa, die die Hauptperson des dritten Teils ist.
Clarissa Winterhof schreibt in ein Blog-Form über eine ausgedachte Tour ihrer Band nach Frankreich, erwähnt nebenbei Meret, die als noch lebendige nach ihrem Tod Clarissa besucht. Dieser Teil war für mich etwas verwirrend. Alleine Mauss Bemerkung im ersten Abschnitt, dass Clarissa einen fiktiven Blog führt, sorgt für Durcheinander. Es wird auch nicht ganz klar, wofür und warum Clarissa ist um diese Schreiberei bemüht, auch wenn die Ereignisse gar nicht stattfanden.
Es dreht sich viel um Musik, weil alle drei Protagonisten sie zu ihren Leidenschaften zählen.
Für mich war das Buch nicht so leicht zu bewältigen. Es lässt sich auf keinen Fall in einem Zug durchlesen. Selten brauchte ich so viel Zeit für eine Lektüre. Es gibt weniger Handlung, mehr Gedanken und Gespräche, oder einfach die Plauderei über nichts in Clarissas Blog. Der Roman ist zwar sehr atmosphärisch geschrieben und der Stil des Autors ist sehr eigenartig, aber ich kann mir gut vorstellen, dass manche Leser das Buch nach ein paar dutzend Seiten zur Seite legen. Es liest sich nicht einfach, nicht jeden kann es packen. Deswegen würde ich diesen Roman nur bedingt weiterempfehlen.
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1 von 1 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
5.0 von 5 Sternen Ein eher leises Lied, 25. März 2012
Rezension bezieht sich auf: Das Lied vom Tun und Lassen (Gebundene Ausgabe)
Die Schülerin Meret Kugler hat sich das Leben genommen. Ihre Mitschüler sind schockiert, doch mithilfe ihres Lehrers Immanuel Mauss, seinen unkonventionellen Lehrmethoden und seiner Unterstützung weit über die Schule hinaus, können sie langsam wieder in ein normales Schulleben zurückfinden. Einzig Clarissa kommt nicht darüber hinweg. Die Selbstvorwürfe und scheinbare Ignoranz der Mitschüler nagen an ihr. Sie versucht den Verlust mithilfe eines fiktiven Band-Blogs zu verarbeiten. Mitten hinein in diese Situation gerät zudem der Schulgutachter Johannes Engler. Sie alle könnten unterschiedlicher nicht sein, doch alle verbindet die Musik.

Der Roman ist in 3 Stränge aufgeteilt, die jeweils aus der Sicht dieser drei Protagonisten erzählt wird. Sie ergänzen sich sehr gut gegenseitig, da sie unterschiedlicher nicht sein könnten. Der alte Musiklehrer, der schon fast mit der Lehre abschließt, jetzt wo seine Lieblingsklasse das Abi in der Tasche hat. Der Gutachter, der dieser Aufgabe gar nicht gewachsen scheint und in der Schule an seine eigene Jugend erinnert wird, der allerdings als Außenstehender wie der Leser eine neutrale Sicht auf den Selbstmord hat. Die sehr widersprüchliche und fordernde Clarissa, die sich schließlich von ihren Freunden abkoppelt und die mit Mauss' Hilfe nicht viel anfangen kann.
Die ersten beiden Teile sind im Vergleich zum letzten etwas ruhiger gehalten, nachdenklicher, man merkt Mauss und Engler ihr Alter an. Die Dialoge sind hier oft nur angedeutet und stellen eigentlich nur ein Mittel zum Zweck dar. Auch der letzte Teil ist nachdenklich, allerdings wirkt es hier aufgrund Clarissas Jugend mehr verzweifelt und hat oft auch lähmenden Charakter. Die Struktur der ersten beiden Teile wird ihr komplett aufgehoben: Die Einteilung erfolgt anhand von Zeiten, nimmt die Struktur des zitierten Blogs an. Außerdem sind hier die Dialoge wieder in gewohnter Form gehalten, obwohl sie im Vergleich zum Rest des Romans deutlich weniger werden. Man merkt deutlich, dass Clarissa diesen Konflikt mit sich selbst ausmacht und die anderen Personen deutlich an den Rand gedrängt werden.
Die im Klappentext erwähnte Spannung kommt eigentlich nur durch die (und in den) Protagonisten selbst zustande, ihre innere Unruhe und Konflikte, die sie alle auf verschiedene Weise lösen müssen. Meret Kugler bietet hier nur den Hintergrund, ein Katalysator für die drei Hauptpersonen sich mit sich selbst auseinanderzusetzen.

Fazit: Alles in allem ist es ein sehr leises Buch, welches durch die hintergründigen Töne glänzt, das fällt schon von der ersten Seite an auf. Es werden Alltagssituationen, Landschaften sehr ätherisch beschrieben, die Gedanken und Gefühle der Protagonisten sind dabei aber immer im Vordergrund, sodass stets eine melancholische und nachdenkliche Stimmung herrscht. So ist es auch nicht verwunderlich, dass es kein richtiges Ende gibt, ebenso wenig wie es einen richtigen Anfang gibt. Die Geschichte stellt einen nachdenklichen Ausschnitt aus dem Leben dreier Menschen dar, vor dem Hintergrund des Selbstmordes einer Schülerin. Ein sehr gelungener Roman über die Sinnsuche dreier Menschen, die unterschiedlicher nicht sein könnten.
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2.0 von 5 Sternen Ein Selbstmord und was danach geschieht, 17. November 2011
Von 
Kalamaria - Alle meine Rezensionen ansehen
(TOP 500 REZENSENT)   
Rezension bezieht sich auf: Das Lied vom Tun und Lassen (Gebundene Ausgabe)
Eine Schülerin bringt sich um. Die Reaktionen und das Leben an der Schule und drumherum, vorher und vor allem nachher, werden aus drei Perspektiven geschildert: vom Musik- ud Englischlehrer Immanuel Mauss, einem verwitweten Idealisten, der mit seinen Schülern auf Du und Du ist und wirklich versucht, auf sie einzugehen - sowohl im Alltag, als auch bei besonderen Ereignissen, wie der von ihm angebotenen Radtour durch Nordengland. Mauss ist einfühlsam, versucht zu verstehen, hadert mit seinem eigenen Schicksal und dem von anderen

Vom noch recht jungen Schulinspektor Johannes Engler, der sozusagen die Außensicht hineinbringt: er besucht die Schule erst nach dem traurigen Ereignis und ist damit empirisch gesehen am ehesten auf Augenhöhe mit dem Leser. Er ist für vieles offen, wirkt noch recht unfertig - auch die Inspektion ist quasi nur ein Zwischenjob. Obwohl er bereits Vater ist und die Dreißig schon lange überschritten hat, ist er noch nicht im Erwachsenenleben angekommen

Und von Clarissa, der Mitschülerin der Toten: obwohl sie keine Freundin war, nimmt der Verlust quasi ihr ganzes Leben ein, durchdringt Träume, Gedanken wie auch die Realität.

Ein tolles Thema, ein spannendes Buch - so schien es mir. Ein passendes Titelbild, eine vom Autor liebevoll gestaltete Website, auf der die im Buch vorkommenden, von den Schülern geschriebenen Liedtexte musisch umgesetzt wurden.

Doch ach, ich tat mich unendlich schwer, in dieses Buch reinzukommen und am Ball zu bleiben.Der Autor kann schreiben, sicher: jeder der drei Teile trägt seinen eigenen Stempel, transportiert der Charakter der erzählenden Person. Was also fehlt: für mich ist die Geschichte viel zu wenig packend, ich bin nicht hineingekommen, sondern habe bis zum Ende auf Erkenntnisse, den Clou, auf ein oder mehrere I-Tüpfelchen gewartet - kurzum, ich habe mich gelangweilt. Aus meiner Sicht konnte dieses Buch nicht mit anderen Romanen zum Thema Schule, bspw. "Der Hals der Giraffe" von Judith Schalansky oder "Schweigeminute" von Siegfried Lenz, in dem es auch um einen Todesfall geht, mithalten. Ob es daran liegt, dass Jan Böttcher nicht faszinieren vermag? Ich weiss es nicht. Vielleicht fehlt mir nur ganz einfach der Zugang zu seinen Gedanken und seinem Stil!
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2 von 3 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
3.0 von 5 Sternen Zu viele offene Fragen, 21. November 2011
Von 
Gospelsinger (Berlin) - Alle meine Rezensionen ansehen
(VINE®-PRODUKTTESTER)    (TOP 500 REZENSENT)   
Rezension bezieht sich auf: Das Lied vom Tun und Lassen (Gebundene Ausgabe)
Die Schülerin Meret springt vom Dach der Schule. Wie gehen Schüler und Lehrer damit um? Wie verändert der Tod die Lebenden?
Der erste Teil des Buches ist aus der Perspektive des Musiklehrers Immanuel Mauss geschrieben. Er versucht, neue Unterrichtsmethoden einzuführen, und er versucht auch, die Trauer der Schüler zu begleiten. Aber er selbst ist desillusioniert und deprimiert, seitdem seine Frau gestorben ist.
Der Schulpsychologe Johannes Engler ist Mittelpunkt des zweiten Buchteils. Er soll die Schülerin Clarissa Winterhoff begutachten, die keinen Umgang mit ihrer Trauer findet. Aber er verliert seine Professionalität und beginnt eine Affäre mit Clarissa. Auch er hat mit Trauer und Verlust zu kämpfen, weil er von seiner Frau und damit auch von seinem Sohn getrennt lebt.
Der letzte Teil des Buches ist ein fiktives Tourblog, das Clarissa über ihre Band schreibt. Es handelt sich um ein Unterrichtsprojekt beim Musiklehrer Mauss. In diesem Blog wird deutlich, warum Clarissa solche Probleme hat, den Tod Merets zu verarbeiten.
Ich bin mit dem Buch nicht so richtig warm geworden, weder mit den Charakteren, noch mit der Art, die Geschichte zu erzählen. Es gab mir zu viele Zeitsprünge, besonders im letzten Teil. Und vor allem war mir der Schluss nicht rund genug. Zu viele Fragen blieben offen.
Aber vom Schreibstil war ich begeistert.
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3 von 5 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
4.0 von 5 Sternen Leise und laute Töne, 26. November 2011
Rezension bezieht sich auf: Das Lied vom Tun und Lassen (Gebundene Ausgabe)
Drei Versionen derselben Geschichte von drei Personen, die darin involviert sind. Wobei, das stimmt so nicht ganz: eher erfährt man in zeitlicher Überblendung aus drei Perspektiven die Nachwirkungen eines Selbstmordes und was das bei diesen Personen auslöst. Der eine ist Lehrer, die Tote eine seiner Schülerinnen. Der Zweite eine Art Schulinspektor und stolpert so in die Geschichte herein (und Stolpern, das wird seine bevorzugte Gangart bleiben), die dritte ist eine Mitschülerin, die Tote war ihre "beste" Freundin.

Vermutlich, wenn man diese Figurenkonstellation betrachtet, rasten gleich Wahrnehmungs-/Typisierungsweichen und Erwartungshaltungen ein. Vielleicht ist das ein Problem beim Lesen des Romans, die Figurenzeichnung entzieht sich nämlich deutlich solcher Festlegungen (nagut, der Schulinspektor gibt vielleicht noch am Ehesten sone typische Mittdreißigertype ab). Das führt auch dazu, dass, aus den unterschiedlichen Perspektiven heraus, so manche Verknüpfung und nur angedeutete Beziehung einem leicht entgehen kann - mir ging es so, dass ich nicht sicher bin, ob ich die Schlusspointe richtig gefasst habe. Es sind oft sehr indirekte Beleuchtungen auf das vorige oder parallele Geschehen.

Wenn es um das "Tun und Lassen" geht, geht es hier natürlich auch um Verantwortung oder gar Schuld. Das beschränkt sich nicht allein auf die vielleicht hier zu prominent hervorgehobene Geschichte des vorgelagerten Suizids. Eher geht es schon darum: was und wieso lässt man an sich ran? Wie hat man sich das Leben so eingerichtet? Welche Erwartungen hat man (noch) daran?

Ziemlich grundlegende Fragen also. Dennoch: eine Dimension scheint mir noch etwas in den bisherigen Reviews zu kurz gekommen. Es gibt auch einiges satirisches Potenzial, die ganze Farce um die milchfinanzierte Schule zum Beispiel. Merkt man vielleicht nicht sogleich, wegen des melancholischen Grundtons.

Gutes, leises Buch (aber auch nicht zu leise).
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6 von 10 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
2.0 von 5 Sternen Eher langweilig, 31. Oktober 2011
Rezension bezieht sich auf: Das Lied vom Tun und Lassen (Gebundene Ausgabe)
Ich habe das Buch aufgrund einer (guten) Rezension im KulturSpiegel gekauft und die ersten Seiten als Leseprobe gelesen. Beides hatte mich neugierig auf das Buch gemacht und der erste Teil des Buches hat mir auch gefallen. Im ersten Teil kommt der Lehrer Mauss zu Wort, der einen etwas kreativeren Unterricht macht und mit seinen Schülern einen lockeren Umgang pflegt. Einige Geschehnisse in der Schule und seinem Leben werden angerissen, ohne dass man alles erfährt. Es wird eine gewisse Spannung aufgebaut, die einen weiter lesen lässt.

Im zweiten Teil kommt ein Schulgutachter zu Wort. Ab hier wird es von Seite zu Seite langweiliger. Ich habe gehofft, dass sich die Geschichte weiter entwickelt, interessanter oder spannender wird, aber meine Erwartungen wurden nicht erfüllt.

Der dritte und letzte Teil besteht aus dem Blog der Schülerin Clarissa. Nach dem langweiligen zweiten Teil hatte ich gehofft, dass das Buch nun endlich an Fahrt aufnimmt. Aber: Es passiert so gut wie nichts. Sie erzählt von einer Tour mit ihrer Band. Hauptsächlich handelt es sich um belanglose Alltäglichkeiten einer Teenagerin. Mich hat das überhaupt nicht angesprochen.

Falls man sich überlegt, das Buch zu lesen, sollte man einfach mal die ersten Seiten des dritten Teils lesen (meiner Meinung nach erfährt man dort nichts, was das spätere Lesen von Beginn an beeinflussen würde) und schauen, ob die Geschichte einen interessiert.
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1 von 2 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
4.0 von 5 Sternen Unter die Haut, 11. Juni 2012
Rezension bezieht sich auf: Das Lied vom Tun und Lassen (Gebundene Ausgabe)
Das Leben ist zu kurz für schlechte Bücher

Jan Böttcher, Das Lied vom Tun und Lassen, Rowohlt Berlin 2012

Der erste Satz: Sie war früher zurückgekehrt als die anderen.
Der erste Eindruck: Ein melancholisches Sich-treiben-lassen, ein langsames Einkreisen der Frage, was ein Tod bei den Zurückgebliebenen auslöst, wenn sie sich nicht trennen können, im Zeitalter des Internets, das nichts vergisst und uns nicht vergessen lässt, niemanden tröstet.
Das letzte Urteil: Über weite Strecken geht die Geschichte unter die Haut

Worum es geht:
Ein Mädchen springt vom Dach einer Schule und lässt seine Freundin und einen engagierten Musiklehrer mit der Frage zurück, wie sie nach dessen Tod weitermachen sollen. Nicht die Frage nach dem Grund eines Todeswunsches steht damit im Mittelpunkt, sondern die Trauer danach und ihre Verarbeitung; was zum Selbstmord des Mädchens führte, lässt sich allenfalls indirekt erschließen und ist für die Geschichte auch nicht wichtig.
Das Buch ist in drei Erzählungen gegliedert: Die des Lehrers, der nah dran war an seinen Schülern; die eines Schulgutachter, der nach dem Selbstmord das Umfeld beobachten soll (eine auf den Nutzen, und zwar den wirtschaftlichen, ausgerichtete Schule der Gegenwart); und die Geschichte der besten Freundin, die allein gelassen ist mit ihrer Trauer, die sich nicht lösen kann und schließlich in eine Art Phantasiereise flüchtet. Die melancholische Sprache ist dabei rund um Leerstellen arrangiert: Der Lehrer hat seine Frau an den Krebs verloren und nun eine Schülerin an den Selbstmord - wie geht er damit um? Der Gutachter trauert seinem eigenen Lebensentwurf hinterher, und während er die Wirkung des Todesfalles auf die Schule untersucht und sich in die trauernde Freundin verliebt, beleuchtet er eine weitere Facette des Umfeldes: die Kälte dieser modernen Schule. Die größte Entdeckung dieses Romans scheint zu sein, dass sich am Verhalten wie am Wesen der Schüler trotz erweiterter Äußerungsmöglichkeiten via blogs und Facebook und der Berieselung mit Werbung letztendlich nichts geändert hat, während ihr gesamtes Umfeld durchgestaltet ist zu einem neoliberalen Alptraum. Der schwächste Teil der Geschichte rückt uns an das Mädchen heran, um das sich die Handlungen der anderen Abschnitte drehen: Clarissa, die (vielleicht) beste Freundin des Opfers. Haben wir sie über lange Strecken von außen erlebt und erfahren, blicken wir nun irgendwie in ihr Innenleben, und das ist aus sich selbst heraus schon weniger reizvoll. Clarissa weiß nicht, wie sie weitermachen soll, sie sagt von sich, ich lösche nichts (wie das Internet nichts löscht, also: nichts vergisst). Nicht einmal die Flucht in die alternative Realität einer Musikerreise gibt ihr Trost. Ihr schleicht sich dort das Gespenst der Toten immer wieder ein - aber eben nicht als vorwurfsvoller, anklagender Widergänger, sondern als jemand, von dem nicht gelassen wird. Die beste Idee dieses Abschnitts.

Es ist ein trauriges Lied, das hier angestimmt wird, und das erst in der letzten Strophe an Wirkung verliert. Während die Abschnitte vom Lehrer und vom Gutachter ganz klischeefrei und berührend erzählt sind, verliert das letzte Drittel, Clarissas blog, den Boden unter den Füßen: Die Fiktion, in die sie sich in ihrer Trauer hineinsteigert funktioniert nicht, weil ihr die Grundierung der 'realen' Reise, der darin enthaltenen Konflikte mit den angeblich zu wenig trauernden Freunden, fehlt; das ist nicht so doppelbödig wie man es sich wünscht. Dennoch ist alles in einer eindringlichen und einfühlsamen Sprache erzählt, die sich in ihrem Wesen vollkommen auf die Emotionen der Erzählten einlässt, sogar deren Fiktionen nachvollziehbar macht und mitempfinden lässt.
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2 von 4 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
5.0 von 5 Sternen ein Schulroman und ein Lebensroman ' eingängig und auf leise Weise spannend, 30. November 2011
Rezension bezieht sich auf: Das Lied vom Tun und Lassen (Gebundene Ausgabe)
"Das Lied vom Tun und Lassen" ist äußerlich betrachtet in einer kleinen Welt angesiedelt - einer Schule, einer Kleinstadt -, der Roman verhandelt aber das ganze Leben. Drei Generationen kommen zu Wort, das ergibt dreimal Lebenserfahrung, drei verschiedene Ansichten der Welt. Als Leser merkt man bald, was die drei Hauptfiguren verbindet und den Roman zusammenhält: Es ist - eben - die Spannung zwischen Tun und Lassen, anders gesagt, die beglückende und zugleich angstmachende Erkenntnis, dass man sein Leben selbst in der Hand hat und es einem doch immer wieder zu entgleiten droht.
Der Roman erzählt davon, wie ein Lehrer, eine Schülerin und ein hinzugerufener Schulgutachter dem Selbstmord einer Schülerin nachspüren. Dabei geht es spannenderweise nicht um die Rekonstruktion oder die eigentlichen Gründe dieses Selbstmordes, das schreckliche Ereignis ist nur ein Ausgangspunkt, ein Anlass für alle drei, sich selbst auf den Prüfstand zu stellen. Und alle drei scheinen an ähnlichen Themen zu knabbern. Jeder von ihnen muss mit Verlust umgehen, und jeder hat seine Art, das zu tun und die abwesenden Personen als wieder anwesend zu imaginieren. Da ist zunächst der alternde Lehrer Mauss, der seine Frau an den Krebs verloren hat und nun bei den jungen Schülern nach Nähe und dem Gefühl, gebraucht zu werden, sucht. Dann der Schulgutachter Engler, der als Ehemann und junger Vater schon gescheitert ist und nun an einer musikwissenschaftlichen Doktorarbeit zu scheitern droht. Und die 18-jährige Schülerin Clarissa, die vor allem um sich selbst kreist und der der Tod der Mitschülerin bloß den willkommenen Anlass zu bieten scheint, selbst den Halt zu verlieren. In diesem entscheidenden letzten Schuljahr kann Clarissa nicht mehr lernen, kann sich nicht konzentrieren, gibt sich abwechselnd schrill und laut, dann wieder zurückgezogen und weich, eine leicht irre Kindsfrau, in die sich der Schulgutachter prompt verlieben muss.
Am eindringlichsten gestaltet ist aber das Verhältnis Clarissas zu dem Lehrer Mauss, in dem sie eine Vaterfigur sucht und findet. Erst aus allen drei Erzählstimmen zusammen wird klar, dass der Lehrer sie mit unlauteren Mitteln durchs Abitur gebracht hat - wobei man nicht zu viel verrät, wenn man sagt, dass Clarissa damit nicht umgehen kann ...
So ringen alle drei Figuren mit Schuldgefühlen oder echter Schuld, mit Trauer und Verlust, und der Roman handelt (wie es in einem der großartigen Liedtexte im Buch selbst heißt) "vom Herunterfahren und vom Neustart" - ob Letzterer nun gelingt oder nicht, ob die Figuren ihr Leben endlich in die Hand nehmen oder sich darin verrennen. Oder, wie der alte Lehrer nach einem Fahrradunfall, endlich einmal still liegen dürfen und das Leben einfach Leben sein lassen. Bezeichnenderweise aber bleiben alle drei letztlich doch egozentrisch: Sie kreisen um sich selbst, während sie eigentlich meinen, sich mit "den anderen" zu beschäftigen.
Wem all das vom Thema her düster erscheint, der sei versichert, dass es sich gar nicht düster liest: In der Erzählweise und in den einzelnen Szenen und Beobachtungen steckt unheimlich viel leiser und feiner Humor. Und es sind nicht nur die Figuren, die den Roman so lesenswert machen, es sind auch seine Sprache und Erzählweise. "Das Lied vom Tun und Lassen" entfaltet eine wunderbar leise Spannung, ist sehr schön erzählt, unaufdringlich und voller bleibender Bilder. (Und wer das "langweilig" findet soll halt RTL2 einschalten ...)
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3 von 6 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
1.0 von 5 Sternen Langweilig, 13. November 2011
Rezension bezieht sich auf: Das Lied vom Tun und Lassen (Gebundene Ausgabe)
Eine Schülerin hat sich umgebracht; sie ist vom Schuldach gesprungen. Für ihre Mitschüler und Lehrer muss das Leben weitergehen. Aus drei Perspektiven - die des Musiklehrers, die des Schulgutachters, und die einer Mitschülerin und Freundin - wird diese Geschichte erzählt.
* Meine Meinung: *
Positiv ist auf jeden Fall die Idee, die Geschichte aus drei verschiedenen Blickwinkeln zu schildern. So erhält der Leser natürlich drei ganz unterschiedliche Sichtweisen, was eigentlich sehr interessant ist.
Dennoch kann ich dem Buch leider insgesamt nur einen Stern geben, da mich das Buch fast nur gelangweilt hat. Zunächst hat mir der Schreib- bzw. Erzählstil nicht gefallen, und ich konnte auch im Laufe der Geschichte nicht warm damit werden.
Immer wieder kommt es zu langatmigen Abschweifungen, die sich ziehen wie Kaugummi und mir persönlich die Freude am Lesen verdorben haben.
Mag sein, dass das Buch tiefgründig sein und Gefühle wecken soll, aber mich hat die Geschichte leider überhaupt nicht ansprechen können.
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Das Lied vom Tun und Lassen
Das Lied vom Tun und Lassen von Jan Böttcher (Gebundene Ausgabe - 16. September 2011)
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