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6 von 6 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
4.0 von 5 Sternen Unterhaltsam, solide und zum Mitdenken
Ein realistisches Bild des historischen Jesus von Nazareth zu entwerfen, haben bereits viele Autoren versucht, so nun auch der Religionswissenschaftler Reza Aslan. 1972 in eine Großfamilie aus "lauen Muslimen und dedizierten Atheisten" hineingeboren und 1979 aus dem Iran in die USA ausgewandert, fand er mit etwa 15 Jahren zum evangelikalen Christentum und...
Vor 2 Monaten von Roede Baer veröffentlicht

versus
75 von 100 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
2.0 von 5 Sternen Eine typisch amerikanische Variante des Jesus von Nazareth
Dieses Buch habe ich gekauft, weil auf dem Schutzumschlag das Rezensions-Zitat aus der >Zeit< stand: Aslan zeigt, dass Religionsgeschichte unterhaltend sein kann... Er spricht aus, was vielen Theologen unaussprechlich ist.
Ich habe dieses Buch tatsächlich gelesen.
Dieses Buch ist ein Erzeugnis, dessen Haupttext man ohne Abstriche als unter den allseits...
Vor 7 Monaten von Kassandra 89 veröffentlicht


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6 von 6 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
4.0 von 5 Sternen Unterhaltsam, solide und zum Mitdenken, 11. Mai 2014
Von 
Roede Baer - Alle meine Rezensionen ansehen
(TOP 500 REZENSENT)   
Rezension bezieht sich auf: Zelot: Jesus von Nazaret und seine Zeit (Gebundene Ausgabe)
Ein realistisches Bild des historischen Jesus von Nazareth zu entwerfen, haben bereits viele Autoren versucht, so nun auch der Religionswissenschaftler Reza Aslan. 1972 in eine Großfamilie aus "lauen Muslimen und dedizierten Atheisten" hineingeboren und 1979 aus dem Iran in die USA ausgewandert, fand er mit etwa 15 Jahren zum evangelikalen Christentum und begeisterte sich für Missionierung und Bibelstudium, ehe er sich als Erwachsener wieder dem Islam zuwendete. In Santa Clara und Harvard studierte er Religionswissenschaften und promovierte schließlich als Religionssoziologe an der University of California in Santa Barbara. Nach 20 Jahren intensiver Auseinandersetzung mit dem Christentum erschien schließlich das vorliegende Buch, in dem Aslan versucht, Jesus und dessen Gedankenwelt für den Menschen begreifbar zu machen.

"Zelot" will dennoch keine wissenschaftliche oder theologische Abhandlung über die Entstehung des Christentums sein. Vielmehr setzt Reza Aslan historisch überlieferte Geschehnisse, Gebräuche und nicht zuletzt die jüdische und römische Rechtsprechung in einen Gesamtkontext, der die messianische Bewegung, die jüdische Tempeltradition und den Blick auf die Welt der Juden von damals für den modernen Menschen des 21. Jahrhunderts verständlich und nachvollziehbar machen soll. Das Buch spricht nicht den forschenden und verifizierenden Geist sondern vielmehr den gesunden Menschenverstand an, was die Lektüre dieses Buches sehr flüssig und durchaus auch spannend von der Hand gehen lässt.

Aslan zeigt die Situation der Tempelopferungen auf, führt uns die Unzufriedenheit der jüdischen Bevölkerung mit der damals herrschenden korrumpierten Priesterkaste vor Augen, schlägt einen Bogen von der römischen Imperialpolitik über die Zerstrittenheit der vielen politischen und religiösen jüdischen Splittergruppen und mischt das Ganze mit viel Lokalkolorit. Er beleuchtet das damalige Bildungssystem, die traditionelle Messiasbewegung und zeigt auf, dass Jesus zu seiner Zeit letztlich nur einer von vielen Anwärtern auf den Gottesthron war. Die Person des Paulus wird gerade im Hinblick auf seinen erheblichen Einfluss bei der Verbreitung des frühen Christentums kritisch beleuchtet, ebenso wie sein Zwist mit den in Jerusalem hinterbliebenen Jüngern und Bruder des Jesus von Nazareth, die die eigentliche Lehre des Messias weiterführen wollten.

Man erfährt nicht allzu viel Neues in "Zelot", man wird aber immer wieder zum Mit- und Nachdenken angeregt, und das auf eine durchaus unterhaltsame Art und Weise, die das Buch nie langweilig erscheinen lassen. Einige Zusammenhänge, die Aslan aufzeigt, geben bei näherer und unvoreingenommener Betrachtung durchaus Sinn, andere lassen sich nicht so einfach abnicken und akzeptieren, einige wenige Argumentationen erscheinen bei genauerer Betrachtung auch sehr einfach gestrickt. "Zelot" ist kein Buch, um den eigenen Glauben auf den Prüfstand zu stellen und will das auch gar nicht sein. Aslan regt vielmehr zum Reflektieren und Mitdenken an, bezweifelt Umstände und Handlungen, die auch jeder andere Mensch mit gesundem Menschenverstand schon immer mit Stirnrunzeln bedacht hat, gibt so einige Denkanstöße sowie der eigenen Skepsis durchaus überdenkenswerte Argumente an die Hand.

Einige Kernaussagen aus dem Buch speziell zur Person Jesu (ohne deren Inhalt beurteilen zu wollen):
- Jesus hat sich zu seiner Zeit mutmaßlich nicht sehr von all den anderen Messiasen unterschieden und wäre ohne den Umstand seiner Auferstehung wohl nicht einmal eine Randnotiz im Lauf der Geschichte gewesen.
- Das Predigen der Gewaltfreiheit wurde Jesus mutmaßlich erst später angedichtet, als es darum ging, das junge Christentum vor dem Hintergrund des jüngst niedergeschlagenen jüdischen Aufstandes in Rom zu etablieren. Im Gegenteil schien er - gerade auch im Hinblick auf das Umstoßen der Tische der Händler im Tempel - durchaus gewaltbereit gewesen zu sein.
- Ebenso mutmaßlich waren sowohl Jesus wie auch seine Anhänger - wie weite Teile der übrigen Bevölkerung - Analphabeten. Gerade im Hinblick auf seine provinzielle Herkunft fernab jeder größeren Synagoge ist eine Diskussion mit den Tempelpriestern im Kindesalter über religiöse Fragen mehr als unwahrscheinlich.
- Die Lehren Jesu zeigen sehr viele Parallelen zu den Lehren Johannes des Täufers und der Sekte der Essener auf.
- Ebenso mutmaßlich hat es aufgrund der damals üblichen Rechtsprechung und des gerade stattfindenden Passahfestes nie einen echten Prozess Jesu vor seiner Kreuzigung gegeben, sondern er wurde kurzerhand im Schnellverfahren - wie so viele andere Aufrührer seiner Zeit - abgeurteilt und gekreuzigt.
- Die Evangelien (von späteren Schülern der Jünger Jesu oder auch gänzlich Unbeteiligten verfasst) berichten nicht unbedingt über tatsächliche historische Vorkommnisse, sondern über eine "eigene Wahrheit", bei der die Botschaft wichtiger erscheint, als die eigentlichen Fakten - eine damals in Palästina weit verbreitete Erzählform.
- Jesus war zu Lebzeiten in seinem Land weitestgehend unbekannt, weshalb auch so gut wie keinerlei Erwähnung seiner Person in zeitgenössischer Literatur, beispielsweiser des Josephus, zu finden ist.
- Paulus hat sich bei der Verbreitung der Inhalte des jungen Christentums sehr viele Freiheiten genommen und ist deshalb mehrfach mit Jakobus, dem jüngeren Bruder Jesu, aneinander geraten. Unter anderem um Paulus' Irrlehren zu begegenen, wurde schließlich Petrus in die Gemeinden nach Rom gesandt.

Fazit:

Reza Aslan gelingt es, ein lebendiges und vielschichtiges Bild der damaligen Zeit und Lebensumstände im Jerusalem des 1. Jahrhunderts zu zeichnen, sowohl innen- wie auch außenpolitisch. Er führt uns durch die damals aktuellen jüdischen Splittergruppen, lehrt uns einiges über die Vorgänge im Tempel und hinterfragt durchaus nachvollziehbar einige Stationen im Leben Jesu wie beispielsweise dessen Prozess vor Pilatus oder seine Diskussion als Kind mit der hauptstädtischen Priesterkaste über Fragen des Judentums. Zudem werden die Apostelgeschichten m.M.n. ausreichend durchleuchtet sowie die Anfänge des jungen Christentums, besonders im Hinblick auf die Person des Paulus, betrachtet.

Schon allein aufgrund seines Umfangs von nicht einmal 400 Seiten inkl. Vorwort, Anmerkungen und Quellenangaben kann und will "Zelot" kein religionswissenschaftliches Standardwerk sein, sondern den aufgeschlossenen Leser vielmehr zum (Mit)denken und Reflektieren anregen.

Prinzipiell sollte ein einzelnes Sachbuch nie dazu dienen, sich ein Bild von historischen oder politischen Umständen machen zu wollen - nicht nur zu diesem Thema. Zu sehr ist jeder einzelne Autor sowohl von seinen eigenen Ansichten und Interessen wie auch von der Zeit geprägt, in der er lebt und sein Werk verfasst. Das gleiche gilt für viele historische Quellen, auf die sich moderne Autoren immer wieder berufen (man denke hierbei nur einmal an Tacitus' "Germania" oder Cäsars "De bello gallico"). Nicht umsonst gibt es zu vielen Themen ebenso viele unterschiedliche Meinungen und vermeintliche Wahrheiten, wie sich Autoren auf dem Markt tummeln. Als Einstieg in die Materie, oder um seine eigene Sichtweise kritisch zu überdenken, ist "Zelot" jedoch durchaus gut geeignet. Ein einigermaßen brauchbares Gesamtbild kann sich dennoch nur ergeben, setzt man sich selbst intensiv mit dem Thema auseinander, ließt sich durch die vielschichtige, einschlägige Literatur - und vergisst dabei möglichst nie, den eigenen Verstand einzuschalten.

Anmerkung zur deutschen Übersetzung:
Die deutsche Übersetzung erschien mir teilweise sehr gewöhnungsbedürftig, etwa wenn Begriffe wie das Passah-/Pessachfest oder Nazarener mit Paschafest oder Nazoräer übersetzt wurden. Ich weiß nicht, ob es sich hierbei um besonders amtliche relogionswissenschaftliche Übersetzungsformen handelt; mir zumindest waren so einige der Übersetzungen gänzlich neu und daher sehr gewöhnungsbedürftig. Von solchen Beispielen finden sich noch einige Weitere im Buch.
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3 von 3 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
5.0 von 5 Sternen Spannend und empfehlenswert, 6. Mai 2014
Verifizierter Kauf(Was ist das?)
In einer streng kahtolischen Familie aufgewachsen, verwickelte ich meine Eltern doch hin und wieder in Gespräche über das Neue Testament, denn für den klaren Verstand ergaben sich Widersprüche, mein Jesusbild wich von dem der Anderen völlig ab. Und in den Paulusbriefen immer wieder dieser Streit und die Diskussionen darüber wer nun recht hat, und wer nicht,
Auch von meinen Eltern immer wieder der Hinweis: Du musst glauben, alles andere ist im Zusammenhang mit Jesus zwecklos!

Nun las ich dieses Buch. Neugierig und staunend erfuhr ich einen neuen anderen, bislang verborgenen Nazarener. Plötzlich fiel mir so manches, was die Sicht auf diesen großartigen Menschen verstellte, wie Schuppen von den Augen. Danke Reza Aslan!!
Die klare Sicht auf die historischen Tatsachen im römisch besetzten Palestina, auf die Intrigen der Obersten Priesterklasse, der Zwiespalt in dem sich das ganze Land befand, und die reale Rolle des Jesus von Nazareth wird für mich völlig verständlich.
Dabei gelingt es dem Autor den Zauber und die Ausstrahlung der historischen Gestalt Jesu, auch in dieser historischen Tatsachenschilderung greifbar zu machen. Abschließend mein Fazit: Trotz einer völlig neuen Sicht auf den nach Gerechtigkeit, und Erfüllung der Gesetze strebenden Menschensohn, bin ich nun mit dem Glauben meiner Eltern versöhnt.
Das Buch von Reza Aslan, mit seiner unkonventionellen Sicht auf die historische Bedeutung des Messias, mit seinen daraus resultierenden Schlussfolgerungen zu den Realitäten der damligen Zeit, hat meine Bewunderung für den Heiler (Heiland) und seine faszinierende Wirkung auf mich vertieft und mir neue Denkanstöße gegeben. Daher für mich: Ein großartiges Buch.
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7 von 8 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
5.0 von 5 Sternen eine ausgezeichnete wissenschaftliche Darstellung, 11. Dezember 2013
Von 
Jouvancourt (Schweiz) - Alle meine Rezensionen ansehen
(HALL OF FAME REZENSENT)    (TOP 50 REZENSENT)   
Rezension bezieht sich auf: Zelot: Jesus von Nazaret und seine Zeit (Gebundene Ausgabe)
*
Der iranisch-amerikanische Theologieforscher Dr. Reza Aslan investierte sich 20 Jahre lang in detaillierte Nachforschungen, um sich ein Bild von Jesus von Nazaret machen zu können. In seinem Bestseller "Zelot" verbindet er Schulwissen und wissenschaftliche Forschung zu einem neuen Blick auf den "Mann Jesus".

Für wen ist dieses Buch geeignet? Sicher nicht für Menschen, die eine Bestätigung für ihren Glauben oder die Herrlichkeit Gottes haben wollen. Auch nicht für gläubige Leser, die hier erfahren wollen, dass Jesus der Sohn Gottes ist und ihr Gehirn unter dem Psalmensingen und dem Vater-Unser abgeschaltet haben. Noch weniger ist das Buch für Menschen gedacht, die einen gebürtigen Moslem als Christenhasser oder Zweifler entlarven wollen. Das trifft alles nicht den Nagel auf den Kopf. Dr. Aslan ist nach all seinen Forschungsarbeiten in Harvard dem wahren Jesus, dem Menschen hinter dem Glasfenster, noch näher gekommen und bezeichnet sich selbst als einen aufrichtigen Bewunderer des Jesus von Nazaret.

Dieses Buch bringt das Kunststück fertig, einen Spagat zwischen Glauben, neueste Forschungen und der Geschichte zu vollziehen. Es ist ein politisch korrektes Buch, das auch sehr sensible Themen mit Offenheit und Takt anspricht. Aslan setzt Jesus in den Kontext der Zeit und führt vor allem aus, dass es damals eine Weltuntergangsstimmung gab. Die Hegemonie des Römischen Reiches auf der einen Seite, die Auflehnung von vielen, meist selbsternannten Jüdischen Königen, Propheten oder Jünger Gottes, und der Zusammenfluss von vielen Religionsströmen auf der anderen Seite, die eine Gründung einer Weltreligion erst ermöglichten. Aslan forscht diesem Jesus von Nazaret, einem Juden unter vielen anderen, nach, erklärt die Welt, in die er hineingeboren wurde, erzählt auf spannende Weise sein kurzes Leben und seinen grausamen Tod. Hier hat er mehr als nur Schulwissen gefunden und aus belegten Quellen die Lebensumstände dieses Messias geschildert. Immer wieder füllt er im Buch weiße Flecken auf, bringt neue Informationen ein und versucht alles so klar und objektiv wie möglich darzustellen. Denn kaum eine Person in der Geschichte der Menschheit wurde so oft beschrieben, diese Beschreibungen wurden immer wieder kopiert, neu abgeschrieben, wissentlich oder unwissentlich verfälscht, so dass es nicht leicht ist, diese Nebel der letzten zweitausend Jahre zu lichten, um die wahren Quellen sehen zu können. Vieles werden wir nie erfahren und zu vielen Fragen kann auch dieses Buch keine Antworten geben.

Trotzdem ist es ein akademisch einwandfrei recherchiertes Buch, teils journalistisch-spannend aufbereitet, das dem Leser das Leben von Jesus näher und sympathischer herüberbringt, als alle bisherigen theologischen Texte.
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75 von 100 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
2.0 von 5 Sternen Eine typisch amerikanische Variante des Jesus von Nazareth, 13. Dezember 2013
Verifizierter Kauf(Was ist das?)
Rezension bezieht sich auf: Zelot: Jesus von Nazaret und seine Zeit (Gebundene Ausgabe)
Dieses Buch habe ich gekauft, weil auf dem Schutzumschlag das Rezensions-Zitat aus der >Zeit< stand: Aslan zeigt, dass Religionsgeschichte unterhaltend sein kann... Er spricht aus, was vielen Theologen unaussprechlich ist.
Ich habe dieses Buch tatsächlich gelesen.
Dieses Buch ist ein Erzeugnis, dessen Haupttext man ohne Abstriche als unter den allseits bekannten und einem sattsam zum Halse heraushängenden Regeln des amerikanischen kreativen Schreibens erzeugt bezeichnen kann.
Es ist auch für den Leser nicht immer von Vorteil, wenn er feststellt, welche geistigen Vorstellungen der Autor aus seiner eigenen Zeit und seiner persönlichen Erfahrungen auf die Vergangenheit zu übertragen versucht. So entsteht dann im Buch ein 1. Jahrhundert unserer Zeitrechnung in Palästina, von dem man annehmen könnte, dass Jesus, den man sich als patriotisch gesinnten amerikanischen Staatsbürger vorstellen muss, nach Palästina geschickt wurde, um dort endlich mal in Ordnung zu bringen, was dort von Römern und ihren Parteigängern so angerichtet wurde.
Der Autor will uns trotzdem in seiner abschließenden Danksagung den Inhalt als das Ergebnis von zwei Jahrzehnten Forschungsarbeit verkaufen. Die Bibliografie (das Literaturverzeichnis und das Verzeichnis der Aufsätze) entspricht durchaus diesem Anspruch, was aber unter Berücksichtigung, dass es sich vorwiegend um englischsprachige Quellen, dazu noch um wissenschaftliche Veröffentlichungen in Aufsatzform handelt, bei einem in deutscher Übersetzung vorliegendem Werk für den gedachten Leser nicht sehr hilfreich sein dürfte.
Der Haupttext des Buches selbst ist infolge seiner Kreativität, die auf Logik oft gern verzichtet, anscheinend nur für sehr unkritische Leser gedacht, die sich leicht von charismatischer Erzählweise übertölpeln lassen. Da wird infolge fehlender Informationen nicht selten frei phantasiert. (Sehr bezeichnend die Herleitung der Person Jesu als Bauernjunge aus Nazareth, der aus subsistenzwirtschaftlichen Verhältnissen gestammt habe und eventuell sogar Analphabet gewesen sei, worauf dann der ganze Inhalt des Buches aufgebaut wird.)
Jedem Kapitel des Buches ist nun eine >Anmerkung< beigefügt. Da kommen zu den 268 Seiten des Buches noch einmal 90 Seiten Text zusammen, in denen dann darauf verwiesen wird, woraus die entsprechenden Behauptungen im Text entwickelt wurden. Die dort teilweise haarspalterischen Beweisführungen in der weitscheifigen Auslegung der Äußerungen des als Bauerntölpel abqualifizierten Jesus haben mich dann sehr verwundert.
Was man dem Buch als positiv ankreiden muss: Es bringt eine gute Übersicht über die im 1. Jahrhundert unserer Zeitrechnung im Heiligen Land unterwegs befindlichen bunten Vögel der Religions- und der Magier-, bzw. Esoterikszene und deren Praktiken. Da war mir einiges noch nicht so bekannt. Vor allem das Skandalöse ist gut herausgearbeitet. Man glaubt manchmal fast die damalige Bild-Zeitung zu lesen, falls es die damals schon gegeben hätte.
Was ich dem Autor ganz besonders verüble: Er klammert sich an das Neue Testament als heiligen Text und er nimmt jedes Wort als historische Tatsache. Gleichzeitig bestreitet er diese Historizität ganz pauschal. Die Idee, dass bereits damals politische Ziele mit Hilfe religiöser Argumente durchgesetzt wurden, und dass hinter irgendwelchen religiösen Bewegungen ganz vordergründige Machtinteressen steckten wird zwar angedeutet, aber eben nicht bewiesen.
Vor allem ignoriert er vollständig, dass man beispielsweise die Evangelien ganz gezielt als amtliche Verlautbarungen der Flavier erst nach dem Judäischen Krieg veröffentlichte (Evangelien waren offizielle Nachrichten der Kaiser!) und dass dieser Veröffentlichung ganz konkrete Ursachen zugrunde lagen, die sich im vordergründigen Pazifismus der Lehre Jesu niederschlugen (erwiesenermaßen nachträgliche Anhänge der Bergpredigt und der Feldpredigt) und auch finanzielle Gründe (Ausweitung der soeben eingeführten Judensteuer auf die Christen, welche sie anfangs verweigerten.). Jesus weist doch in allen synoptischen Evangelien darauf hin, dem Kaiser Steuern zu zahlen. Die Messiasdefinition der Evangelien umfasste im Bedarfsfall sogar den römischen Kaiser!
Dass Jesus im Machtgeflecht der miteinander im Clinch liegenden herrschenden judäischen Oberschicht mit der Administration des römischen Reiches ein Störfaktor war, der beseitigt werden musste, wird nicht klar. Der Prozess vor Pilatus wird als völlig unglaubwürdig verworfen, weil Pilatus sich doch nicht mit einem >unschuldigen jüdischen Bauern< (S. 191) abgegeben haben könnte.
Vor allem bleibt unbegreiflich, dass gerade die Bewegung des Jesus überlebte und sich zum Christentum entwickelte, den uns der Autor trotz seines Analphabetentums immer stärker zu einem Bauernführer mit utopisch-kommunistischen Vorstellungen herauszuarbeiten versucht.
Nach über 200 Seiten auf denen die Texte der Evangelien in sehr kreativer Form, dem Originaltext oft nur lose nachempfindbar, erzählerisch neu gefasst wurden, steht dann fest, dass >Die Geschichte des eifernden galiläischen Bauern und jüdischen Nationalisten, der die Rolle des Messias einnahm und eine tollkühne Rebellion gegen die korrupte Priesterschaft des Tempels und die grausame römische Besatzung anzettelte ...< von Anhängern umgeben war, die als Apostel denkbar ungeeignet waren, denn >Schließlich waren es Bauern und Fischer, sie konnten weder lesen noch schreiben.<.
Aus dieser geistigen Beerdigung der historischen Vorbilder des Personals der Evangelien wird nun die Auferstehung des Christentums ab Seite 218 aus der völlig zweckfreien und unbegründeten Initiative >einer neuen Liga gebildeter, städtischer, griechischsprachiger Diasporajuden< konstruiert. Wo mögen die wohl so plötzlich hergekommen sein, um sich die Finger an der Erstellung und Verbreitung aufwieglerischen Gedankengutes aufrührerischer Bauern und Fischer verbrennen zu wollen?
Wieso dann der Bruder des dummen Bauernjungen Jesus, Jakobus der Gerechte, noch ein eigenes ihn würdigendes Kapitel in diesem Buch bekam und seine Auseinandersetzung mit Paulus so theologisch und strategisch ausgewalzt wird, ist kaum noch verständlich. Selbst die Figur des Paulus als Einzelgänger ist nicht mehr nachvollziehbar. Zieht man dabei noch heran, welche radikale Umarbeitung und Ergänzungen speziell die Paulusbriefe in theologischer Hinsicht zur Zeit der Kirchenväter erfuhren, so dass sie erst da zu den theologischen Lehrbriefen wurden (Detering >Der gefälschte Paulus<), dann bricht auch noch der Rest der versuchten religiösen Beweisführung in sich zusammen.
Die Person des historischen Jesus ist tatsächlich für den christlichen Glauben nicht wirklich wichtig. Sogar für Paulus, auf dessen Theologie der christliche Glauben aufbaut, war nur der auferstandene Jesus der Christus, auf den wir hoffen sollen, von Interesse. Die hier vorgestellte fiktive Konstruktion eines Jesus aber jetzt ohne jeden Grund derartig zur Unperson herabzuwürdigen, geht wirklich an die Grenze des Zumutbaren.
Reza Aslan zieht zwar sehr umfangreiches Material des Flavius Josephus zur Illustration der Zustände im Heiligen Land heran, was ihm aber dabei, wie auch bisher den meisten Historikern entgeht, sind die Parallelen bestimmter Passagen des Josephus zur Apostelgeschichte, mit denen man Zugang zu den historisch belegbaren Identitäten einiger Jesusjünger bekommt, und dem, was die tatsächlich unternahmen, die uns Josephus damit historisch nachweist. Die Bedeutung und der historische Gehalt der >Vita< des Josephus wird heute immer noch total unterschätzt.
Es gibt eine große Anzahl sehr guter Veröffentlichungen deutscher Autoren zum historischen Jesus und seiner Zeit, die alle an einem kranken, dass sie bei aller versuchten historischen Objektivität die absolute Gottsohnschaft der Person des Jesus, die er selbst nie behauptet hat, uns um jeden Preis erhalten, oder sogar zementieren wollen. Auch dieses Buch erliegt diesem anscheinend unüberwindbaren Tabu. Es ist ein tatsächlich in der Wolle gefärbter amerikanischer Versuch, Jesus zu vereinnahmen. Man hätte sich die bestimmt sehr aufwendige Übersetzung ins Deutsche ersparen können.
Falls Sie also wirklich etwas darüber erfahren wollen, wer der historische Jesus tatsächlich war, in wessen Auftrag er unterwegs war, und im Brennpunkt welcher politischen Verwicklungen er mit seinem Anhang agierte, so dass man nicht darum herum kam, ihn bereits unmittelbar nach seiner Hinrichtung nachträglich auch theologisch sattelfest zum himmlischen Messias auszubauen, und damit im 1. Jahrhundert die Katastrophe eines Volkes um wenigstens 40 Jahre aufzuschieben, dann lesen Sie lieber von Georg Naundorfer >Das Projekt Jesus Christus<. Dort ist übrigens auch genau herausgearbeitet, auf welchen eklatanten Missverständnissen der Evangelientexte der Grund der angeblichen Judenfeindlichkeit der nachweisbar von Juden erstellten Evangelien beruht.
Selbst Peter de Rosas Buch >Der Jesusmythos<, welches 1991 erschien, und noch sehr stark katholisch geprägt war, ist mit Abstand besser, von den Autoren Karlheinz Deschner >Abermals krähte der Hahn< und Uta R%anke-Heinemann >Nein, und Amen< einmal ganz abgesehen.
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3 von 4 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
5.0 von 5 Sternen Eine moderne Jesus-Biographie, 2. Mai 2014
Verifizierter Kauf(Was ist das?)
Rezension bezieht sich auf: Zelot: Jesus von Nazaret und seine Zeit (Gebundene Ausgabe)
Der amerikanisch-iranische Religionist Reza Aslan bewältigt die eigentlich unlösbare Aufgabe, das Leben Jesu aus historischer Sicht zu beschreiben, wofür kaum zuverlässige Quellen zur Verfügung stehen, auf einem logischen und überraschende Erkenntnisse bietenden Weg, indem er Jesum aus dem Hintergrundwissen über seine Zeit beleuchtet, das im Unterschied zum Wissen über Jesum selbst umfangreich ist. Beispiel: Aslan schreibt, die Kreuzigung sei bei den Römern politischen Aufrührern vorbehalten gewesen und alleine die Tatsache der Kreuzigung sage sehr viel über Jesu Einstellung aus und lasse ihn politisch viel radikaler erscheinen, als es die Evangelien durchblicken lassen, deren Autoren nach Erfahrung der furchtbaren Folgen des jüdischen Aufstands lange nach Jesu Tod dem Zelotentum ablehnend gegenüber standen.

Positiv moderierend wirkt sich Aslans liberal-muslimische Einstellung und zugleich seine offen geäßerte Sympathie für den Menschen Jesus von Nazareth. Wer das Buch unvoreingenommen liest, wird für sein Jesus-Verständnis viel gewinnen, egal welche weltanschauliche oder religiöse Position er einnimmt und unabhängig davon, ob er Fachmann oder interessierter Laie ist. Außerdem macht Aslans lebendige Sprache, die eine bildhafte Erdzählweise und solides historisches Wissen in sich vereint und oft zur gut gestalteten historischen Illustration greift, sein Buch zu einer anregenden und angenehmen Lektüre – wenn man anfängt zu lesen, legt man das Buch nicht mehr aus der Hand.

Ein zweites solches Jesus-Buch, vor der Folie der unzähligen und oft dürren theologischen Abhandlungen, wird man kaum finden.
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3 von 4 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
5.0 von 5 Sternen Zelot: Jesus von Nazaret und seine Zeit, von Reza Aslan, 17. Februar 2014
Verifizierter Kauf(Was ist das?)
Rezension bezieht sich auf: Zelot: Jesus von Nazaret und seine Zeit (Gebundene Ausgabe)
Das Buch ist nicht das übliche Historienwerk, dazu ist die Quellenlage zu schwach. Dennoch vermittelt es, als gewissermaßen "gefühlte" Historie einen anschaulichen Einblick in die Zeit. Die Schilderung der Grausamkeit dieser Zeit, bedingt durch die innere Zerissenheit des jüdischen Staates und die Ausbeutung durch das Römische Reich, lassen denselben Eindruck zurück, den man auch bei der Betrachtung der neueren Europäischen Geschichte hat.
Dazu die Erscheinung der wandernden Prediger, der Zeloten Johannes der Täufer und Jesus, die als ein Novum den einen Gott und eine Gerechtigkeit verkünden. Die herrschenden Sanhedrin, die ihre Machtausübung geschmälert sehen, nehmen das als Anlass Jesus festzusetzen und den Römern zu überstellen.
Der Autor ist Religionswissenschaftler. Er hat durch jahrelange Studien die drängenden Fragen dieser Zeit exzellent erfasst, was Kritiker in den USA nicht davon abhielt, ihn als Muslem als ungeeignet oder gar als nicht berechtigt für die Ausarbeitung dieses Buches zu beschuldigen. Die Verkaufszahlen sprechen eine andere Sprache.
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10 von 14 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
5.0 von 5 Sternen Früher ein Grund für den Tod des Autors auf dem Scheiterhaufen, 8. Januar 2014
Rezension bezieht sich auf: Zelot: Jesus von Nazaret und seine Zeit (Gebundene Ausgabe)
ALLGEMEINES

Reza Asnan (*1972) ist Religionswissenschaftler. Nach eigener Aussage ist er in einer Familie aufgewachsen (S. 4) „aus lauen Muslimen und dezidierten Atheisten“. Er war Muslim, konvertierte dann zum Christentum und wieder zurück zum Islam. Dieses Buch habe, so der Klappentet, in den USA für einen Skandal gesorgt. Wenn man es gelesen hat, kann man verstehen warum. Der Inhalt ist eine Fundgrube für all diejenigen, welche (auch) die christliche Religion als eine Sammlung von Mythen, Halbwahrheiten oder bewussten Fälschungen betrachten. Man sollte es nicht kurz vor Weihnachten lesen, wie der Rezensent. Die Gefahr besteht, dass auch der letzte irrationale Rest vom Glauben an das „Christkind“ erbarmungslos zerstört wird. Wer jedoch etwas über den „historischen Jesus“ erfahren möchte, für den ist das Buch eine gut lesbare aufschlussreiche Quelle. Zu jedem Kapitel gibt es zusätzlich im 89-seitigen (!) Anhang eine Diskussion der Quellen, aus denen Asnan geschöpft hat.

ZUM BUCH

Da das Buch sehr Faktenreich ist, sollen hier nur einige wenige Kernaussagen hervorgehoben werden. Gleich zu Beginn stellt Asnan fest (S. 22-23): „Es gibt keine Augenzeugenberichte über Jesu Worte und Taten…“ sondern „… die Evangelien erzählen von Jesus Christus, nicht vom Menschen Jesus.“ Den Autoren der Evangelien sei es nicht darum gegangen, (S. 64) „Fakten aufzudecken, sondern Wahrheiten zu enthüllen.“ Gemeint sind sogenannte Glaubenswahrheiten. Geschichtsschreibung im heutigen Sinne hätten sie nicht gekannt. Der historische Jesus (S. 147) „war einer von unzähligen Wahrsagern, Traumdeutern, Zauberern und Medizinmännern, die durch Judäa und Galiläa wanderten“ und (S. 146) „seine Rolle als Exorzist und Wunderheiler wurde nie angezweifelt, weder von seinen Anhängern noch von seinen Gegnern.“ Zudem habe sich (S. 163) „Jesus als unumstößlicher Friedensstifter … als reines Phantasieprodukt erwiesen.“

Jesu habe sich nach den bekannten Aufzeichnungen nie selbst „Sohn Gottes“ genannt. Dies sei zudem keine Bezeichnung für ein Vater-Sohn-Verhältnis gewesen, sondern (S. 180) „war vielmehr die traditionelle Bezeichnung der Könige Israels“. Asnan vergleicht sehr viele Aussagen aus den Evangelien mit den damals üblichen Gepflogenheiten und folgert, dass viele mit den historischen Fakten nicht übereinstimmen können. Beispielsweise hält er einen Prozess vor Pilatus gegen Jesu als sehr unwahrscheinlich. (S. 194) „Die Szene widerspricht jeglicher Logik“. Man könne ihn (S. 203) „als reine Phantasie abtun“. Die Auferstehung drei Tage nach dem grausamen Tod (S.221) „widerspricht ganz offensichtlich jeder Logik, aller Vernunft und dem gesunden Menschenverstand“. Sie sei kein historisches Ereignis aber dennoch für Christen (S. 223) „sogar die ultimative Glaubensprüfung.“ Gleiches gelte für das Dogma der Jungfräulichkeit Marias. Dem widerspreche schon die Erwähnung von Jakobus als Bruder Jesu.

Auch die Geschichte von der Bekehrung des Saulus zu Paulus sei nichts anderes als eine (S. 232) „propagandistische Legende aus der Feder des Evangelisten Lukas“. Paulus habe zudem keine Ahnung gehabt (S. 236) „wer der historische Jesus gewesen war“. Gerade deshalb sei jedoch mit Paulus erst das Christentum als neue Religion entstanden (S. 267) „befreit von der Autorität eines nicht mehr existierenden Tempels, nicht mehr belastet von einem längst irrelevanten Gesetz und abgekehrt vom Judentum, das zur Außenseiterreligion geworden war“.

GESAMTURTEIL

Das Buch ist sehr faktenreich geschrieben und dennoch gut lesbar. Nach Aussage des Autors habe er über zwei Jahrzehnte an diesem Thema gearbeitet. Zum Autor widersprechende Ansichten werden offen im Anhang erwähnt und gewürdigt (wenn auch der Anhang etwas mühsamer zu lesen ist). Es gibt ein ausführliches Literatur- und Sachwortregister. Damit wäre das Buch nicht nur ein Sachbuch für die Allgemeinheit sondern auch für Religionshistoriker sicherlich interessant.

Mit diesem Buch wäre Aslan im Mittelalter wahrscheinlich wegen Ketzerei und Gotteslästerei auf dem Scheiterhaufen gelandet. Dennoch ist es nicht nur für Atheisten eine Fundgrube zur Widerlegung religiöser Aussagen über Jesu. Auch gläubige Christen sollten es sich vielleicht vornehmen, um sich auf deren Argumente vorzubereiten. Insgesamt sehr empfehlenswert für alle, die sich für Jesu als historische Person und den Beginn des Christentums interessieren – gleichgültig aus welchen Motiven. 0b Reza Aslan wohl ein ähnliches Buch über Mohammed (also: Muhammad ibn ʿAbd Allāh ibn ʿAbd al-Muttalib ibn Hāschim ibn ʿAbd Manāf al-Qurasch) den Gründer, des Islam schreiben würde? Das wäre wohl ein zu riskantes Projekt mit unabsehbaren persönlichen Konsequenzen.
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5 von 7 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
3.0 von 5 Sternen Jesus als Mensch, 9. Januar 2014
Rezension bezieht sich auf: Zelot: Jesus von Nazaret und seine Zeit (Gebundene Ausgabe)
Für mich stehen die entscheidenden Sätze diese Buches auf Seite 24: "Letztendlich gibt es nur zwei historische Fakten in Bezug auf Jesus von Nazareth, auf die wir uns verlassen können: zum einen das Jesus ein Jude war, der eine jüdische Volksbewegung...anführte und zum anderen, dass Rom ihn deshalb ans Kreuz schlug!"

Genau das ist das Problem des Buches: Aslan versucht den historischen Jesus zwischen all den christologischen "Verfremdungen" herauszuarbeiten. Er arbeitet sachlich, immer Quellenbezogen. Er verweist auch immer in seinen Anhängen auf andere und/oder Mehrheitsmeinungen. Er argumentiert gut, man kann seinen Argumentationssträngen folgen, ja er entwirft ein (gutes) Bild Palästinas zur Zeit des 1. Jahrhunderts n.Chr.(!), des Lebensweges Jesus und seiner Nachfolger...ABER es bleibt eben zu 99% Spekulation. Das Aslan dies gleich zu Anfang erklärt ehrt ihn, man sollte es eben bei der ganzen Lektüre nicht vergessen. Dann und nur dann ist dieses Buch ein Anreiz über den historischen Jesus nachzudenken...
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5.0 von 5 Sternen EIN GESCHEITERTER REVOLUTIONÄR, 6. Juli 2014
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Aslan, der bekannte Religionswissenschaftler, macht einen weiteren Versuch, sich dem historischen Jesus zu nähern. Er zeichnet das Bild eines der zahlreichen Wanderprediger und Wunderheiler dieser Zeit der römischen Besatzung, der als Aufständischer von den Römern - wie viele andere - hingerichtet wurde. Erst diejenigen, die über sein Leben viel später theologische Bücher geschrieben haben, die sogenannten Evangelisten, hätten die Hinrichtung den Juden in die Schuhe geschoben. Sie schrieben damals schon in erster Linie für ein nicht jüdisches Publikum und wollten es sich nicht mit den herrschenden Römern verderben. Fest steht für Aslan, dass Jesu Bruder Jakobus zusammen mit Petrus und anderen die erste christliche Gemeinde in Jerusalem leitete und - wie Jesus selbst - fest auf dem Boden der mosaischen Gesetze stand. Anders dessen Widersacher Paulus, der einen eigenen Weg ging und auch den Konflikt mit Jakobus und Petrus nicht scheute. Der von Aslan beschriebene Jesus von Nazareth hat mit dem von den Christen angebeteten Jesus Christus nicht viel gemein. Aslan bezeichnet ihn als einen charismatischen Prediger, der sich gegen die Autorität der Jerusalemer Tempelpriester wehrte, der als radikaler jüdischer Nationalist die römische Besatzungsmacht herausforderte, der das Königreich Gottes auf Erden errichten wollte - und der verlor. Er endet mit dem Satz, dieser historische Jesus sei ebenso bewundernswert wie der als Christus bezeichnete Jesus, jemand, an den zu glauben es sich lohne.
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1.0 von 5 Sternen wenig origineller journalistischer "Zugang" zu Jesus, 16. Dezember 2013
Von 
W. Dietz (Mz.) - Alle meine Rezensionen ansehen
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Rezension bezieht sich auf: Zelot: Jesus von Nazaret und seine Zeit (Gebundene Ausgabe)
Aus der Tatsache, dass Jesus als Zelot hingerichtet (d.h. gekreuzigt) wurde, wird gern geschlossen, Jesus sei auch wirklich Zelot gewesen. Prima vista kein dummer Schluss. Doch bereits die Seligpreisungen der Bergpredigt (Mt 5 par.) sprechen dagegen, nicht erst das Wort vom Zinsgroschen (Gebt dem Kaiser, was des Kaisers ist..), das die Programmatik der Zeloten/Sikarier (Steuer- und Tributverweigerung) im Kern untergräbt - vom Gebot der Feindesliebe und der Einkehr bei Zöllnern (also prorömischen Kollaborateuren!) einmal abgesehen; der Verzicht auf Gewalt und Widerstand - sei es auch durch Dritte, z.B. seine Jünger - , um die eigene Haut zu retten, führt - mehr oder weniger "freiwillig" - Jesus in den Tod (objektiv vermeidbar wie der des Sokrates, von dem die fast schon jesuanisch klingende These stammt, es sei besser Unrecht zu erleiden als es selber zu begehen). Die Auseinandersetzung mit Jesus ist weithin die Geschichte seiner Umbiegung & sensationsgerechten Zurechtlegung, hier einer Zurechtbiegung mit oberflächlich-journalistischen Mitteln. Amerikanischer Journalismus, der dabei das Niveau der uralten These von Jesus als Zeloten (entwickelt z.B. bei H.S. Reimarus, 1774), die 1929 von Robert Eisler "aufgewärmt" wurde, bei weitem nicht erreicht.
Die These, dass Jesus ein "Mann tiefgreifender Widersprüche" gewesen sei, ergibt sich aus der Nichtanwendung eines historisch-kritischen Zugangs (so wird z.B. aus Mt 28 ein "wohlwollender Universalismus" Jesu abgeleitet). Die Logik vom Vf. ist umwerfend: Wenn man das Bild des Gekreuzigten ansehe, seinen "blutbefleckten und gepeinigten Leib", werde einem klar, dass der hier Gekreuzigte kein "Mann des bedingungslosen Friedens" gewesen sein könne. Hä? Ja, das schreibt er im Ernst, nicht im Suff (oder?). Wenn einer hingerichtet wird, muss er irgendwie gewalttätig gewesen sein. Super Logik! Und so geht es durch das ganze Buch.
Vieles ist sachlich falsch (v.a. zur Gewalttendenz der Essener, zur Datierung des Jüdischen Aufstands - nicht im Jahr 66, sondern 66-70, bzw. -73!). Bibelstellen werden beliebig aus dem Zusammenhang gerissen, z.B. Lk 22,36 ohne v.38 interpretiert, so dass Jesus als Gewaltbefürworter herauskommt - quod erat exspectandum... So wird in die Texte hineingelesen, was der "Wissenschaftler" (Hut ab!) herauslesen will. Die Übersetzung ist sehr schlecht und holprig. Ein Lektor hätte nicht geschadet. Z.B. ist von "sogenannten (!) falschen (!) Messiassen" die Rede (was jetzt?). Viele Sätze sind grammatikalisch falsch, Relativpronomen werden oft groß- statt kleingeschrieben. Am Ende steht Jesus als ein "jüdischer Bauer und Revolutionär" dar, ein Befreiungskämpfer der "jüdischen Nation" (wie es ganz anachronistisch heisst), und mithilfe dieses vollendeten Schwachsinns wird der Rowohlt-Verlag gut Kasse machen. Fazit: Nur etwas für absolute Dünnpfiffliebhaber.
PS: In manchen englischsprachigen Buchhandlungen gibt es die zwei Hauptabteilungen "fiction" und "non-fiction". Ein Jesus-Roman (wie wir uns also Jesus zurechtdenken, d.h. ungeachtet der historischen Wirklichkeit ihn für uns "zurechtbasteln" und dabei unserer freien Phantasie ihren Lauf lassen) gehört klar in die erstere Abteilung. Aber: Es gibt eben gute und schlechte Romane; witzige und einfach nur dümmliche fiction. Und auch für einen phantasy-Roman gibt es schriftstellerische Qualitätsmerkmale (die das Original, aber auch die Übersetzungsleistung betreffen). Wer sich für die merkwürdige Gattung der Jesus-Romane interessiert, ist immer noch gut bedient mit Albert Schweitzers Geschichte der Leben Jesu Forschung (1906, 2.Aufl. 1913, viele Reprints, z.B. UTB) und R. Heiligenthal: Der verfälschte Jesus (1997/99/2006, bes.103ff u. 52-63). Die These, Jesus sei ungebildeter Mann vom Lande gewesen, ist übrigens auch nicht ganz neu. Ernest Renan hat sie in seinem Jesus-Roman vor exakt 150 Jahren "aufgetischt" (Vie de Jésus, 1863). Fazit: Die Figur Jesu war immer schon ein Katalysator unserer spekulativen Phantasie. Nichts Neues im Westen. Bleibt als einziger, historisch durchaus akzeptabler Kern der ganzen "Story", dass sich unter den Jüngern Jesu (Ex-)Zeloten befunden haben dürften (der Name Judas Iskarioth/Ischkarioth beinhaltet evtl. Sika/sica = Krummdolch, davon: "Sikarier"). Das stimmt vermutlich, den Rest kann man sich schenken.
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Zelot: Jesus von Nazaret und seine Zeit
Zelot: Jesus von Nazaret und seine Zeit von Reza Aslan (Gebundene Ausgabe - 6. Dezember 2013)
EUR 22,95
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